{"id":9486,"date":"2006-08-28T15:00:00","date_gmt":"2006-08-28T13:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/warum-ein-buch-ueber-eine-bibliothek-lesen\/"},"modified":"2021-08-31T10:14:07","modified_gmt":"2021-08-31T08:14:07","slug":"warum-ein-buch-ueber-eine-bibliothek-lesen","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/194\/publikation\/warum-ein-buch-ueber-eine-bibliothek-lesen\/","title":{"rendered":"Warum ein Buch \u00fcber eine Bibliothek lesen?"},"content":{"rendered":"<p>Rezension zu: &#8222;Gefangene Leser&#8220; (hrsg. von Helga R&ouml;mer)<\/p>\n<p>Mitteilungen Nr. 194, S. 25<\/p>\n<p>So fragt man sich zun&auml;chst, wenn man dieses Buch in den H&auml;nden h&auml;lt. Anl&auml;sslich ihres 20-j&auml;hrigen Bestehens hat die Buch- und Medien-Fernleihe f&uuml;r Gefangene und Patienten ein Buch &uuml;ber ihre Arbeit&nbsp; herausgegeben. Doch der erste Eindruck tr&uuml;gt: Das Buch ist nicht nur eine Beschreibung der Arbeit und Geschichte der Buch- und Medien-Fernleihe. Der Kern der Lekt&uuml;re besteht aus einer umfangreichen Auswahl aus der Sammlung von Briefen, die Gefangene der Einrichtung im Laufe der Zeit zusandten.<\/p>\n<p>Die Buch- und Medien-Fernleihe f&uuml;r Gefangene und Patienten ist keine gew&ouml;hnliche Bibliothek: Sie steht in erster Linie Gef&auml;ngnisinsassen, aber auch&nbsp; Patienten von Landeskrankenh&auml;usern zur Verf&uuml;gung. Unpers&ouml;nliche Bestellung per Computerprogramm und standardisierte R&uuml;ckgabemahnungen und -fristen sind hier nicht &uuml;blich. Individuell werden die Ausleihbedingungen an die jeweiligen Anstaltsbedingungen angepasst. Die Buchbestellung erfolgt &uuml;ber Briefe, die auch pers&ouml;nliche Mitteilungen zulassen. Die ehrenamtlich arbeitenden BibliothekarInnen versenden nicht nur bestellte B&uuml;cher, sie erledigen f&uuml;r Gefangene &ndash; wenn gew&uuml;nscht &ndash; auch die Buchauswahl und -recherche.<\/p>\n<p>Mit einer normalen Gef&auml;ngnisbibliothek kann man die Fernleihe ebenfalls nicht vergleichen. Die Auswahl ist mit ca. 35.000 Medien umfangreich. Dabei kann die kostenlose Fernleihe besonders Defizite im Bereich der Bildung, mit einem weitaus gr&ouml;&szlig;erem und aktuellerem Angebot als die meisten Anstaltsb&uuml;chereien, ausgleichen. Zudem k&ouml;nnen auch deutsche Gefangene im Ausland (vorrangig in EU-L&auml;ndern) die Dienstleistung nutzen.<\/p>\n<p>Auf zusammengefasst ca. 15 Seiten wird knapp aber informativ die Arbeit der, &uuml;brigens nicht staatlich gef&ouml;rderten, Initiative geschildert. Hier wird aufgezeigt, warum es gerade f&uuml;r Gefangene wichtig ist, B&uuml;cher lesen zu k&ouml;nnen und wie diese M&ouml;glichkeit zur Resozialisierung beitragen kann. Die Entstehungsgeschichte und der Wiederaufbau der Einrichtung nach einer Brandstiftung im B&uuml;cherlager werden dargestellt. Die Arbeitsweise der Bibliothek, Probleme mit der Gef&auml;ngnisb&uuml;rokratie, dem Bestandsaufbau und die Finanzierung werden beschrieben.<\/p>\n<p>Diesen Themengebieten zugeordnet finden sich zwischen den einzelnen Textabschnitten Abdrucke von Briefen. Diese Briefe leisten Verschiedenes: Zum einen wird durch sie die Arbeitsweise der Bibliothek plastisch dargestellt, sie zeigen aber auch die Wichtigkeit der Fernleihe f&uuml;r die Gefangenen. LeserInnen k&ouml;nnen diesen Briefen jedoch noch mehr abgewinnen. Das erste, was einem bei der Lekt&uuml;re der Briefe auff&auml;llt, ist die Vielf&auml;ltigkeit der Lekt&uuml;re der Gefangenen. Das Klischee des unintelligenten und faulen Straft&auml;ters wird widerlegt, wenn man entdeckt, dass sich Gefangene mit Philosophie besch&auml;ftigen, Sprachkurse ausleihen, um die Zeit nicht unn&uuml;tz vergehn zu lassen, Erg&auml;nzungsliteratur zu einem Fernstudium bestellen oder sich selbst mit juristischen Themen, die ihren Prozess betreffen, befassen wollen. Ebenso schwindet das Vorurteil des kalten, gef&uuml;hllosen Straft&auml;ters, wenn man liest, dass Gefangene sch&ouml;n bebilderte M&auml;rchenb&uuml;cher oder Liebesgeschichten anfordern, um dem grauen Gef&auml;ngnissaltag zumindest zeitweise entrinnen zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Das Buch ist mit seinen 102 Seiten schnell zu lesen. Als nette Lekt&uuml;re nebenbei ist es durchaus geeignet. Die Briefe wurden gr&ouml;&szlig;tenteils abgetippt, so dass sie gut leserlich sind. Nur einige wenige Exemplare sind in englischer Sprache geschrieben. Einzelne nette Details, wie z. B. die Photographie einer Zeichnung eines Gefangenen oder der Abdruck besonders sch&ouml;ner Briefe im Orginal, sowie einige Photos der Bibliothek versch&ouml;nern das Buch.&nbsp;<\/p>\n<p>Demjenigen, der einen Einblick in die Arbeit der Buch- und Medien- Fernleihe erhalten will, sei dieses Buch empfohlen. Jedoch ist es f&uuml;r diesen Zweck nicht n&ouml;tig alle Briefe zu lesen. Vieles wiederholt sich in den Schreiben der Gefangenen, so dass die Lekt&uuml;re einiger Bespiele gen&uuml;gen d&uuml;rfte. Den Lesern, die sich haupts&auml;chlich f&uuml;r die Briefe interessieren ist zu empfehlen sich haupts&auml;chlich mit den Schreiben in der zweiten H&auml;lfte des Buches zu befassen, da diese ausf&uuml;hrlicher und&nbsp; pers&ouml;nlicher sind, als die im vorderen Buchteil abgedruckten Schreiben, in denen haupts&auml;chlich Ausleihw&uuml;nsche thematisiert werden.<\/p>\n<p><i>Judith K&ouml;del<br \/>absolviert derzeit ein Praktikum in der Humanistischen Union<\/i><\/p>\n<p>Wer sich &uuml;ber die Arbeit des &#8222;Kunst- und Literaturvereins f&uuml;r Gefangene und Patienten&#8220; informieren oder sich an der Arbeit des Vereins beteiligen will, kann sich an die folgende Adresse wenden:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"bodytext\">Kunst- und Literaturverein f&uuml;r Gefangene <br \/>Beratgerstr. 36<br \/>44149 Dortmund<br \/>Tel. 0231 &ndash; 448111&nbsp; <br \/>Internet: <a href=\"http:\/\/www.buch-und-medienfernleihe.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.buch-und-medienfernleihe.de<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[791,807],"autoren":[602],"publikationen":[940],"class_list":["post-9486","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-rezension","tag-strafen","autoren-judith-koedel","publikationen-940"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Warum ein Buch \u00fcber eine Bibliothek lesen? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/194\/publikation\/warum-ein-buch-ueber-eine-bibliothek-lesen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Warum ein Buch \u00fcber eine Bibliothek lesen? - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Rezension zu: &#8222;Gefangene Leser&#8220; (hrsg. von Helga R&ouml;mer) Mitteilungen Nr. 194, S. 25 So fragt man sich zun&auml;chst, wenn man dieses Buch in den H&auml;nden h&auml;lt. 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