{"id":9588,"date":"2005-02-11T17:10:00","date_gmt":"2005-02-11T16:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/gesetzgebungskompetenz-fuer-den-strafvollzug-muss-beim-bund-bleiben\/"},"modified":"2005-02-11T12:00:00","modified_gmt":"2005-02-11T11:00:00","slug":"gesetzgebungskompetenz-fuer-den-strafvollzug-muss-beim-bund-bleiben","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/188\/publikation\/gesetzgebungskompetenz-fuer-den-strafvollzug-muss-beim-bund-bleiben\/","title":{"rendered":"Gesetzgebungskompetenz f\u00fcr den Strafvollzug muss beim Bund bleiben!"},"content":{"rendered":"<p>Strafrechtswissenschaftler, Strafvollzugsrechtler und Kriminologen sprechen sich gegen die \u00c4nderungsvorschl\u00e4ge der F\u00f6deralismuskommission aus<\/p>\n<p>Mitteilungen Nr. 188, S.13<\/p>\n<p>Mehr als 100 Jahre musste Deutschland nach seinem Strafgesetzbuch und der Strafprozessordnung auf ein einheitliches Strafvollzugsgesetz warten, das 1976 mit den Stimmen aller Parteien nach Jahrzehnte langer Diskussion verabschiedet wurde. Diese Rechtseinheit innerhalb Deutschlands, aber auch die systematisch sachlich gebotene Einheit von materiellem Recht, Verfahrens- und Vollzugsrecht soll nun aufgel\u00f6st werden. Das wird negative Folgen haben &#150; nicht zuletzt f\u00fcr die Qualit\u00e4t des Strafvollzugs, die Verwirklichung des Vollzugsziels der Resozialisierung und damit des R\u00fcckfallrisikos.<\/p>\n<p>Das Strafvollzugsrecht betrifft einen Kernbereich staatlicher T\u00e4tigkeit, im Rahmen derer die intensivsten Eingriffe in die Rechte von verurteilten B\u00fcrgern stattfinden. Diese Eingriffe m\u00fcssen grunds\u00e4tzlich gleicherma\u00dfen ausgestaltet werden und d\u00fcrfen nicht zur Disposition unterschiedlicher und wechselnder landespolitischer Orientierungen gestellt werden. Der unsere Verfassung pr\u00e4gende Grundsatz, dass in den L\u00e4ndern m\u00f6glichst einheitliche Lebensverh\u00e4ltnisse herzustellen sind, muss im Strafvollzug in besonderem Ma\u00dfe Beachtung finden. Es war erkl\u00e4rtes Ziel der mehr als 100-j\u00e4hrigen Gesetzgebungsarbeit, die 1976 zur Verabschiedung des Strafvollzugsgesetzes f\u00fchrte, der Auseinanderentwicklung der Lebensverh\u00e4ltnisse in den einzelnen Bundesl\u00e4ndern entgegen zu wirken. Deshalb wurden u.a. zeitgleich mit dem StVollzG bundeseinheitliche Verwaltungsvorschriften erlassen.<\/p>\n<p>Die Aufl\u00f6sung der Rechtseinheit im Strafvollzugsrecht w\u00fcrde die schon jetzt erhebliche Ungleichheit der Lebensverh\u00e4ltnisse in Bereichen der Resozialisierung und insbesondere der Entlassungsvorbereitung (offener Vollzug, Vollzugslockerungen etc.) noch weiter vertiefen. Es besteht die Gefahr, dass einzelne Bundesl\u00e4nder den Strafvollzug auf einen reinen Verwahrvollzug reduzieren und die f\u00fcr eine erfolgreiche Resozialisierung notwendigen personellen und sachlichen Mittel weiter k\u00fcrzen, w\u00e4hrend andere das alleinige Ziel der Resozialisierung und damit der Verhinderung weiterer Kriminalit\u00e4tsopfer ernst nehmen.<\/p>\n<p>Wie weit w\u00e4re der Strafvollzug in den neuen Bundesl\u00e4ndern heute ohne einheitliches Strafvollzugsgesetz und w\u00e4re es wirklich w\u00fcnschenswert, dass Mindeststandards durch Vereinbarungen von 16 Justizverwaltungen und Entscheidungen der Bundesgerichte erzielt werden? Soll das Jugendstrafvollzugsgesetz nach 30 Jahren Reformdiskussion wiederum kurz vor der Einigung gestoppt werden?<\/p>\n<p>Letztlich geht es darum, ob man bei so erheblichen Grundrechtsbeschr\u00e4nkungen, wie sie der Strafvollzug mit sich bringt, gleiche Rechte und Pflichten f\u00fcr alle Gefangenen m\u00f6chte, die aufgrund gleicher Strafgesetze verurteilt wurden oder ob man die jeweiligen Ziele und Standards, das Ausstattungsniveau und die Sicherheit den wechselnden Mehrheiten in den Landtagen \u00fcberlassen will, wobei man zus\u00e4tzlich bef\u00fcrchten m\u00fcsste, dass in den Wahlk\u00e4mpfen vollzugspolitische Themen aus taktischen \u00dcberlegungen abgehandelt werden. Das gab es zwar auch in der Vergangenheit und auch auf Bundesebene &#150; das w\u00fcrde sich aber sicher erheblich verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Sachlich tragf\u00e4hige Argumente werden f\u00fcr die Aufl\u00f6sung der Rechtseinheit nicht genannt. Es hat den Anschein, dass das Thema Strafvollzug zwischen Bund und L\u00e4ndern nur Verhandlungsmasse ist, um sich bei anderen Regelungsbereichen durchzusetzen.<\/p>\n<p>Wissenschaft, Praxis und Politik waren sich in den letzten 25 Jahren h\u00e4ufig nicht einig \u00fcber die Bewertung einzelner Regelungen des Strafvollzugsgesetzes und deren Umsetzung &#150; aber die gr\u00f6\u00dfere Rechtssicherheit und die bundesdeutsche Rechtseinheit wurden regelm\u00e4\u00dfig von allen bef\u00fcrwortet und sind ein hohes Gut, dass nicht grundlos aufgegeben werden darf.<\/p>\n<p>Erstunterzeichner: Prof.Dr. Rolf-Peter Calliess, Hannover; Prof.Dr. Heinz Cornel, Berlin; Prof.Dr. Frieder D\u00fcnkel, Greifswald; Prof.Dr. Bernd Maelicke, L\u00fcneburg; Prof.Dr.Dr.h.c. Heinz M\u00fcller-Dietz, Sulzburg; Prof.Dr. Horst Sch\u00fcler-Springorum, M\u00fcnchen; Prof.Dr. Bernd-R\u00fcdeger Sonnen, Hamburg; Prof.Dr. Michael Walter, K\u00f6ln<\/p>\n<p>weitere Unterzeichner: Dr. Kai Bammann, Bremen; Prof.Dr. Britta Bannenberg, Bielefeld; Dr. Michael C. Baurmann, Mainz; Dr. Mechthild Bereswill, Hannover; Prof.Dr. Werner Beulke, Passau; Prof.Dr. Lorenz B\u00f6llinger; Prof.Dr. Klaus Boers, M\u00fcnster; Dr. Axel Boetticher, Karlsruhe; Oliver Br\u00fcchert, Frankfurt am Main; Dr. Burkhard Damman, Wien; Prof.Dr. Dieter D\u00f6lling, Heidelberg; Prof.Dr. Marlis D\u00fcrkop, Hamburg; Prof.Dr. Helga Einsele, Frankfurt am Main; Prof.Dr. Johannes Feest, Bremen; Prof.Dr. Thomas Feltes, Bochum; Prof.Dr. Monika Frommel, Kiel; Prof.Dr. Brigitte Geissler-Piltz, Berlin; Jochen Goerdeler, Hannover; Achim Golzem, Frankfurt; Prof.Dr. Ute Ingrid Haas, Wolfenb\u00fcttel; Gernot Hahn, F\u00fcrth; Christoph Freiherr von Harsdorf, Wien; Prof.Dr. .Arthur Hartmann, Bremen; Prof.Dr. Wolfgang Heinz, Konstanz; Dr. Olaf Heischel, Berlin; Prof.Dr. Peter H\u00f6flich, Cottbus; Prof.Dr. Frank H\u00f6pfel, Wien; Prof.Dr. Herbert J\u00e4ger, Hamburg; Prof.Dr. Udo Jesionek, Wien; Prof.Dr. Heike Jung, Saarbr\u00fccken; Prof.Dr. G\u00fcnther Kaiser, Freiburg; Prof. Gabriele Kawamura-Reindl, N\u00fcrnberg; Prof.Dr. Hans-J\u00fcrgen Kerner, T\u00fcbingen; Prof.Dr. Joachim Kersten, Villingen-Schwenningen; Dr. J\u00f6rg Kinzig, Freiburg; Prof.Dr. Gerd Ferdinand Kirchhoff, M\u00f6nchengladbach; Prof.Dr. Diethelm Klesczewski, Leipzig; Prof.Dr. Peter Kn\u00f6sel, Potsdam; Prof. Gertrud Krauss, N\u00fcrnberg; Prof.Dr. Arthur Kreuzer, Gie\u00dfen; Prof.Dr. Hans-Ludwig Kr\u00f6ber; Prof.Dr. Timm Kunstreich, Hamburg; Dr. Liora Lazarus, Oxford; Dr. Werner Lehne, Hamburg; Prof.Dr. Michael Matzke, Berlin; Prof.Dr. Bernd Dieter Meier, Hannover; Prof.Dr. Norbert Nedopil, M\u00fcnchen; Dr. Frank Neubacher, K\u00f6ln; Prof. Werner Nickolai, Freiburg; Prof.Dr. Gerhard Nothacker, Potsdam; Prof.Dr. Sabine Nowara, Waltrop; Prof.Dr. Heribert Ostendorf; Prof.Dr. Hans-Uwe Otto, Bielefeld; Dr. Werner P\u00e4ckert, Taunusstein; Prof.Dr. Hans-Joachim Plewig, L\u00fcneburg; Dr. Gerhard Rehn, Hamburg; Prof.Dr. Richard Reindl, N\u00fcrnberg; Prof.Dr. Klaus Riekenbrauk, D\u00fcsseldorf; Dr. Dorothea Rzepka, Frankfurt; Dr. Karl-Peter Rotthaus, Pr\u00e4sident des Justizvollzugsamtes Rheinland a.D., Schondorf; Prof.Dr. Albert Scherr, Freiburg; Prof.Dr. Heinz Sch\u00f6ch, M\u00fcnchen; Prof.Dr. Lorenz Schulz, Frankfurt; Prof.Dr. Klaus Sessar, Hamburg; Prof. Wolfhart Sommerlad, Frankfurt am Main; Prof.Dr. Heinz Steinert, Frankfurt am Main; Prof.Dr. Franz Streng, Erlangen; Prof.Dr. Andreas Strunk, Wernau; Prof.Dr. Thomas Trenczek, Jena; Prof.Dr. Bernhard Villmow, Hamburg; Prof.Dr.Dr.h.c. Klaus Volk, M\u00fcnchen; Dr. Joachim Walter, Adelsheim; Prof.Dr. Thomas Weigend, K\u00f6ln; Prof.Dr. Peter Wetzels, Hamburg; Prof.Dr. Dieter Zimmermann, Darmstadt<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[807],"autoren":[596],"publikationen":[945],"class_list":["post-9588","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-strafen","autoren-diverse","publikationen-945"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Gesetzgebungskompetenz f\u00fcr den Strafvollzug muss beim Bund bleiben! - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/188\/publikation\/gesetzgebungskompetenz-fuer-den-strafvollzug-muss-beim-bund-bleiben\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Gesetzgebungskompetenz f\u00fcr den Strafvollzug muss beim Bund bleiben! - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Strafrechtswissenschaftler, Strafvollzugsrechtler und Kriminologen sprechen sich gegen die \u00c4nderungsvorschl\u00e4ge der F\u00f6deralismuskommission aus Mitteilungen Nr. 188, S.13 Mehr als 100 Jahre musste Deutschland nach seinem Strafgesetzbuch und der Strafprozessordnung auf ein einheitliches Strafvollzugsgesetz warten, das 1976 mit den Stimmen aller Parteien nach Jahrzehnte langer Diskussion verabschiedet wurde. 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