{"id":9741,"date":"2002-03-21T17:30:00","date_gmt":"2002-03-21T16:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/30-jahre-radikalenerlass-und-berufsverbote\/"},"modified":"2021-08-31T10:13:55","modified_gmt":"2021-08-31T08:13:55","slug":"30-jahre-radikalenerlass-und-berufsverbote","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/177\/publikation\/30-jahre-radikalenerlass-und-berufsverbote\/","title":{"rendered":"30 Jahre Radikalenerlass und Berufsverbote"},"content":{"rendered":"<p>Mitteilungen Nr. 177, S.12-13<\/p>\n<p>Am 28. Januar j&auml;hrte sich zum drei&szlig;igsten Mal der als Radikalenerlass bekannte Ministerpr&auml;sidentenbeschluss gegen sogenannte Extremisten im &Ouml;ffentlichen Dienst. In dieser Zeit<br \/>f&uuml;hrten etwa 3,5 Mio. Regelanfragen zu ca. 11.000 f&ouml;rmlichen<br \/>Berufsverbotsverfahren aus denen ca. 1.250 Nichteinstellungen und 265 Entlassungen, meist von Mitgliedern linker Gruppierungen,<br \/>resultierten. Aus Anlass des Jahrestages fand am 09. und 10. Februar eine unter anderen von der GEW und der Initiative Weg mit den Berufsverboten (s.u.) organisierte Konferenz in Hamburg statt: &bdquo;30 Jahre Berufsverbote mahnen &ndash; Kein neuer Grundrechtsabbau!&ldquo; Berufsverbots-Betroffene aus den alten und neuen Bundesl&auml;ndern diskutierten mit Juristen und Vertretern verschiedener Parteien und politischer Organisationen (u.a. Bund demokratischer Wissenschaft-ler, HUMANISTISCHE UNION, Vereinigung demokratischer Juristen) zu aktuellen Grundrechtseinschr&auml;nkungen.<br \/>Der Berliner Journalist Eckart Spoo mahnte, dass die Meinungs-&auml;u&szlig;erungsfreiheit auch bei au&szlig;enpolitischen Krisen wie dem Krieg gegen Afghanistan und nach den Anschl&auml;gen vom 11. September unantastbar bleiben m&uuml;sse. Weitere Stellungnahmen kritisierten u.a., dass der Schutz der Demokratie ausgerechnet den Geheimdiensten obliege, die sich schon in den Berufsverbote-verfahren diskreditiert h&auml;tten. Klaus Dammann forderte als Anwalt zahlreicher Berufsverbotsbetroffener die Einhaltung der Europ&auml;ischen Menschenrechtskonvention, nachdem die Berufsverbote 1994 vom Europ&auml;ischen Menschenrechtsgerichtshof ger&uuml;gt worden waren. Die Konsequenzen daraus seien von der Politik bis heute nie gezogen worden. J&uuml;rgen K&uuml;hling (HUMANISTISCHE UNION) mahnte, das Vertrauen in Rationalit&auml;t und Aufkl&auml;rung der B&uuml;rger nicht aufzugeben. Als Legitimationsmuster der Berufsverbote als Eingriff in Grundrechte diente im kalten Krieg das Bedrohungsszenario des antikommunistischen Ressentiments, heute<br \/>das des Terrorismus. Prof. Martin Kutscha (Berlin) analysierte<br \/>die sogenannten Schily&lsquo;schen Sicherheitsgesetze als massiven Abbau der Freiheits- und Menschenrechtsversprechen des Grundgesetzes. Eva-Maria Stange (GEW) erl&auml;uterte die Forderung<br \/>der GEW nach Rehabilitierung und Entsch&auml;digung der Betroffenen. Anstatt neue Repressionen zu starten, sollte eine andere politische Bildung forciert werden. Wolfgang Gehrke (MdB, PDS) berichtete, dass die PDS-Fraktion den Entwurf eines Berufsverbotebereinigungs-gesetzes zur Rehabilitation und Wiedergutmachung in den Bundestag eingebracht hat.<br \/>Nach seiner Auffassung stehe die SPD jetzt vor der Frage, ob sie der Traditionslinie des &bdquo;Law-and-Order&ldquo; folgen wolle oder der von Willy Brandt &bdquo;mehr Demokratie zu wagen&ldquo;. Willy Brandt selbst hatte den Radikalenerlass im Nachhinein als einen seiner schwersten politischen Fehler beurteilt.<br \/>In den verschiedenen Diskussionen auf der Konferenz und in den Arbeitsgruppen wurde immer wieder die Notwendigkeit betont, die Geschichte der Berufsverbote und der Repressionen im &bdquo;kalten Krieg&ldquo; und in der Zeit danach politisch, historisch, juristisch und moralisch aufzuarbeiten. Dazu geh&ouml;ren auch die Folgen der Verunsicherung &uuml;ber den Kreis der unmittelbar Betroffenen hinaus, die subjektive Verarbeitung durch die Betroffenen selber wie die Verquickung und Verflechtung mit der T&auml;tigkeit der Stasi vor 1989 im Osten und der &bdquo;Abwicklung&ldquo; nach 1989. Aber auch die Arbeit der Geheimdienste und des Verfassungsschutzes in der Zeit des kalten Krieges und danach bis heute, die Unvereinbarkeitsbeschl&uuml;sse in den Gewerkschaften und das Kooperationsverbot in der SPD geh&ouml;rten dazu. Zum Abschluss wurde verabredet: 1. Verst&auml;rkte &ouml;ffentliche Forderung von Wiedergutmachung f&uuml;r die Betroffenen, Entfernung der Dossiers des Verfassungsschutzes aus allen Akten, ersatzlose Aufhebung der Berufsverbote und Verfahrensregelungen, Beendigung der Regelanfrage (vor allem in Bayern und f&uuml;r Ausl&auml;nder), der Rasterfahndung und der Anh&ouml;rungen, Aufl&ouml;sung nicht St&auml;rkung des Verfassungsschutzes. 2. Dies auch von den einzelnen Landesregierungen zu fordern. 3. Alle Berufsverbots-prozesse durch &Ouml;ffentlichkeitsarbeit im In- und Ausland zu begleiten, insbesondere die sechs anh&auml;ngigen Verfahren vor dem Europ&auml;ischen Menschenrechtsgerichtshof in Stra&szlig;burg. 4. Die Gewerkschaften aufzufordern, f&uuml;r die Respektierung der Entscheidung des EMRG in Stra&szlig;burg Sorge zu tragen und &ndash; wie die GEW &ndash; die Rehabilitierung und Entsch&auml;digung zu fordern, die Meinungs&auml;u&szlig;erungsfreiheit nach dem 11.9. offensiv zu verteidigen, die Sicherheitsgesetze abzulehnen und an die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) heranzutreten. 5. Ein &bdquo;Netzwerk demokratisch gesinnter Personen, Gruppen und Organisationen&ldquo; als Plattform f&uuml;r weitere Diskussionen und Aktionen zu entwickeln und zu st&auml;rken, hierzu dient die u.a. Kontaktadresse. Nach einer Pressemitteilung der<\/p>\n<p>Initiative Weg mit den Berufsverboten,<\/p>\n<p>Arbeitsausschuss (Prof.Dr.N. Paech, E. Spoo, Dr.K. Dammann, H. Bethge), Kontaktadresse: c\/o H. Bethge, Saseler Kamp 69a, 22393 Hamburg, Internet: <a href=\"http:\/\/www.berufsverbote.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.berufsverbote.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[21,24],"tags":[682,671,680],"autoren":[],"publikationen":[957],"class_list":["post-9741","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-demokratisierung","category-innere-sicherheit","tag-demokratisierung","tag-innere-sicherheit","tag-pluralismus","publikationen-957"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>30 Jahre Radikalenerlass und Berufsverbote - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/177\/publikation\/30-jahre-radikalenerlass-und-berufsverbote\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"30 Jahre Radikalenerlass und Berufsverbote - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Mitteilungen Nr. 177, S.12-13 Am 28. 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