{"id":9906,"date":"2000-06-01T17:10:00","date_gmt":"2000-06-01T15:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/jeanne-darc\/"},"modified":"2000-06-01T12:00:00","modified_gmt":"2000-06-01T10:00:00","slug":"jeanne-darc","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/publikation\/jeanne-darc\/","title":{"rendered":"Jeanne d&#8217;Arc"},"content":{"rendered":"<p>Mitteilung Nr. 170, S. 47<\/p>\n<p>Jeanne d&#8217;Arc, wahrscheinlich Anfang 1412 geboren, war ein einfaches Bauernm\u00e4dchen aus Lothringen; sie konnte weder lesen noch schreiben. Mit sechzehn Jahren h\u00f6rte sie Stimmen, die ihr befahlen, den Dauphin Charles aufzusuchen, sich von diesem eine Truppe zur Verf\u00fcgung stellen zu lassen , die Stadt Orleans von der Belagerung durch die Engl\u00e4nder zu befreien, den Dauphin als legitimen Nachfolger Karl VII in Reims zum K\u00f6nig kr\u00f6nen zu lassen und die Engl\u00e4nder aus Frankreich zu vertreiben. Die Befreiung von Orleans gelang ihr tats\u00e4chlich; der Dauphin Charles wurde am 17. Juli 1429 in Reims zum K\u00f6nig gekr\u00f6nt. Als Jeanne d&#8217;Arc den Kampf zur Befreiung von dem gesamten Frankreich fortsetzte, wurde sie im Mai 1430 von den Engl\u00e4ndern bei der Belagerung von Compi\u00e9gne gefangen genommen.<\/p>\n<p>Ihr wurde in Rouen 1431 ein Ketzerproze\u00df gemacht, in dem es der Anklage darauf ankam, nachzuweisen, da\u00df sie nicht in g\u00f6ttlichem Auftrag gehandelt h\u00e4tte. Die Proze\u00dfakten, in denen die Verhandlungen getreulich aufgezeichnet worden ist, sind erhalten geblieben. Am zweiten Sitzungstag, am 24. Februar 1431, rief Jeanne d&#8217;Arc ihren Richtern zu:<\/p>\n<p>&#132;\u00dcber viele Punkte k\u00f6nnt ihr mir Fragen stellen, die ich Euch nicht wahrheitsgem\u00e4\u00df beantworten kann, besonders solche, die meine Offenbarung ber\u00fchren, weil Ihr mich vielleicht zwingen k\u00f6nntet, kundzutun, was ich versprochen habe zu verschweigen und ich w\u00fcrde wortbr\u00fcchig. Ist es das, was Ihr wollt? Ich sage Euch: H\u00fctet Euch, die Ihr Euch meine Richter nennt, denn Ihr ladet schwere Last auf, und Ihr mutet mir zuviel zu.&#147;An diese Worte von Jeanne d&#8217;Arc mu\u00df ich bei der Weigerung des fr\u00fcheren Bundeskanzler Dr. Kohl denken, dem vielfachem \u00f6ffentlichen Verlangen nachzugeben, sein Ehrenwort zu brechen und die Namen derjenigen zu nennen, von denen er Spenden entgegengenommen hat. Was sind das f\u00fcr Ehrenm\u00e4nner und-Frauen, die sich nicht sch\u00e4men, an Kohl ein solches Ansinnen zu stellen? Kann man k\u00fcnftig ihrem Ehrenwort trauen? Sie stehen eher in der Nachfolge des Ministerpr\u00e4sidenten Dr. Uwe Barschel selig, dessen &#132;Ehrenwort&#147; in die Nachkriegsgeschichte eingegangen ist.<\/p>\n<p>Mit seinem beharrlichen Schweigen erweist sich Kohl als ein Mann von Ehre und Standhaftigkeit, was immer man sonst von ihm halten mag.<\/p>\n<p>Der Fehler von Kohl liegt fr\u00fcher. Nie und nimmermehr h\u00e4tte er den Spendern versprechen d\u00fcrfen, ihre Namen zu verschweigen. Deswegen mu\u00df man ihn schelten.<\/p>\n<p>Doch Kohls Fehler ist heute Vergangenheit. Von Kohl kann und mu\u00df man heute verlangen, da\u00df er die Folgen seines Fehlers ohne Murren tr\u00e4gt und den Schaden, den er seiner Partei durch das Verschweigen seiner Spender zugef\u00fcgt hat, nach Kr\u00e4ften wieder gutmacht. Doch das hat er getan und &#150; wenn auch zum gr\u00f6\u00dferen Teil mit fremder Hilfe &#150; seiner Partei den Betrag zuflie\u00dfen lassen, den sie als Sanktion f\u00fcr die nicht gemeldeten Spenden von 2,1 Mio. DM an den Bundestagspr\u00e4sidenten zu zahlen hat. Mehr kann man von Kohl nicht verlangen, insbesondere nicht den Bruch seines Ehrenworts.<\/p>\n<p>Wenn er diese Zeilen liest, mag er, der das Pathos liebt, in Schillers &#132;Jungfrau von Orleans&#147; nachschlagen. Dort (I,5) findet er die Verse:<\/p>\n<p>Nichtsw\u00fcrdig ist die Nation, die nicht Ihr Alles freudig setzt in ihre Ehre.<\/p>\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Ulrich Vultejus<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[],"autoren":[222],"publikationen":[871],"class_list":["post-9906","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","autoren-ulrich-vultejus","publikationen-mitteilungen"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Jeanne d&#039;Arc - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/publikation\/jeanne-darc\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Jeanne d&#039;Arc - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Mitteilung Nr. 170, S. 47 Jeanne d&#8217;Arc, wahrscheinlich Anfang 1412 geboren, war ein einfaches Bauernm\u00e4dchen aus Lothringen; sie konnte weder lesen noch schreiben. 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