{"id":9972,"date":"1999-09-01T17:20:00","date_gmt":"1999-09-01T15:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/staat-gesellschaft-kirchen-religionen\/"},"modified":"1999-09-01T12:00:00","modified_gmt":"1999-09-01T10:00:00","slug":"staat-gesellschaft-kirchen-religionen","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/167\/publikation\/staat-gesellschaft-kirchen-religionen\/","title":{"rendered":"Staat \u0096 Gesellschaft \u0096 Kirchen \u0096 Religionen"},"content":{"rendered":"<p>Besprechung des Buches von Gerhard Czermak: Staat und Weltanschauung:<\/p>\n<p>Mitteilungen Nr. 167, S. 84<\/p>\n<p>Galten fr\u00fcher Rechtsnormen, wenn nicht f\u00fcr die Ewigkeit, so doch f\u00fcr l\u00e4ngere Zeitspannen, so haben auch sie heute Teil an der allgemeinen Schnellebigkeit. Provozierte Czermak noch 1990 mit seiner Forderung &#132;Bewegung ins Staatskirchenrecht&#147; (ZRP 1990, 475), so hat sich seither auch in diesem Rechtsbereich das Rad der Produktion neuer Normen ebenso wie der Kommentierungen und Referate immer schneller gedreht: Umfa\u00dfte Czermaks erster Band 1993 auf 224 Textseiten den Zeitraum von 1945 bis 1992, also von mehr als vier Jahrzehnten, so braucht der 2. Band f\u00fcr die kurze Zeit von 1993 bis 1997 bereits 264 Seiten. Er enth\u00e4lt allerdings auch wichtige Nachtr\u00e4ge aus fr\u00fcheren Jahren. Kam der erste Band noch in gewichtigem Hardcover daher, verbunden mit einer umfangreichen kritischen und scharfsinnigen &#132;Abhandlung zur Entwicklung und Gegenwartslage des sogenannten Staatskirchenrechts&#147;, so beschr\u00e4nkt sich der nicht minder gehaltvolle zweite Band zun\u00e4chst auf die Nennung der Titel und zahlreiche pr\u00e4gnante referie-rende Kommentare. Enthielt bereits der erste Band einige wichtige Inhaltsangaben, so sind sie im zweiten Band nicht nur erheblich ausgeweitet sondern auch meisterlich formuliert. Sie sind als Wegweiser durch die weite Materie \u00e4u\u00dferst hilfreich und von erfreulicher Objektivit\u00e4t. Zwar verleugnet der Verfasser niemals seine kritische Position, doch weist er nur an besonders krassen Stellen mit milder Ironie auf inhaltliche oder logische Br\u00fcche des besprochenen Autors hin. Die grunds\u00e4tzliche W\u00fcrdigung des sog. Staatskirchenrechts im ersten Band hat heute nichts von ihrer Aktualit\u00e4t verloren und mu\u00df dort nachgelesen werden. Doch f\u00fcr die schnelle Information \u00fcber den aktuellen Stand der Diskussion gen\u00fcgt der zweite, \u00fcberschaubar aufbereitete Band. Zur Ausweitungen trugen vor allem die heftigen Diskussionen um den Religions- und Ethikunterricht, die Frage, ob Gott in den Verfassungen erw\u00e4hnt werden soll, der Streit um LER in Brandenburg ebenso wie um die hoheitlichen Warnungen vor &#132;Sekten&#147;, aber auch um die arbeitsrechtlichen Praktiken der Kirchen, die Hochschultheologie und Fragen der Kirchenfinanzierung bei. Sehr verdienstvoll ist die Titelsammlung zum Thema &#132;Kreuze in den Schulen&#147; und die daran ankn\u00fcpfende Meinungsmache gegen das Bundesverfassungsgericht (S. 78 bis 88). Die erstaunliche Zunahme der diesbez\u00fcglichen Literatur hat den Verfasser dankenswerter Weise veranla\u00dft, noch st\u00e4rker zu gliedern und manche Einzelthemen, etwa &#132;Toleranz&#147; oder &#132;Gott in der Verfassung&#147;, gesondert auszuweisen.Auch das X. Kapitel &#132;Weitere Sondermaterien&#147; weist viele neue Titel auf, so da\u00df sich sein Umfang auf das Doppelte ausweitete. Das liegt zweifellos auch an der Einarbeitung \u00e4lterer Artikel, wie etwas Martin Heckels Ausf\u00fchrungen \u00fcber das &#132;Geistlichenprivileg im Wehrrecht&#147; von 1976 (S. 232) und nicht weniger weiterer bedeutsamer Aufs\u00e4tze so etwa von Maunz (S. 95) und Hesse (S. 92). Bei diesen begr\u00fcndet der Verfasser, warum diese Beitr\u00e4ge heute noch bedeutsam sind. Der Leser erf\u00e4hrt auf diese Weise, da\u00df nicht nur Zufallsfunde nachgetragen werden, sie vielmehr h\u00e4ufig Aussagen sind, an denen Deutungsgeschichte und Wandel der Methodik bzw. des ihr zugrundeliegenden Rechtsverst\u00e4ndnisses deutlich werden. Bei vielen Rechtsbereichen werden eingangs die jeweiligen Spezialzeitschriften aufgef\u00fchrt; Soziale Einrichtungen der Religionsgesellschaften (S. 194), Arbeits- und Dienstrecht im kirchlichen Bereich ( S. 202 f.), Staat und Religion (S. 249) und auf verwandte Rechtsbereiche verwiesen. Manche Beitr\u00e4ge referiert Czermak ausf\u00fchrlich, wie M. Heckels (Staatliche Gerichtsbarkeit in Sachen Religionsgesellschaften: S. 132), H. Nishihara, (Gewissensfreiheit in der Schule:S. 159), W. D\u00fctz (Neue Grundlagen im Arbeitsrecht der katholischen Kirche: S. 206), U. Hammer, (Bewegungsspielr\u00e4ume im kirchlichen Arbeitsrecht: (S. 207) u. etliche andere. Manche Referate sind essayistische Meisterleistungen des wissenschaftlichen Florettierens, wie es heute kaum mehr beherrscht wird. So etwa die Auseinandersetzung mit A. v. Campenhausen (Christlicher Religionsunterricht: S. 166) oder mit den Ausf\u00fchrungen H. Hubers (S. 178 f.). So bietet diese auf den ersten Blick trockene Materie dem Leser dank der Meisterschaft des Kompilators H\u00f6hepunkte intellektuellen Vergn\u00fcgens. Das Referat \u00fcber die Untersuchung von G. Besier, &#132;konzern kirche&#147; (1997) scheint dem Rezensenten in ihrer Pr\u00e4zision besonders gelungen: faktenreich wird das politische und \u00f6konomische Gebahren der EKD-Kirchen kritisch dargestellt (S. 252). Diese knappen Referate geben dem Leser einen guten \u00dcberblick, so da\u00df er rasch die einschl\u00e4gige Literatur finden kann. Da\u00df das XI: Kapitel &#132;Staat, Religion, Kirche, Gesellschaft&#147;, dessen Themen von Religion und Kirche in Deutschland bis zur Religionskritik reichen, trotz des k\u00fcrzeren Zeitraumes fast genauso umfangreich ist wie in der ersten Auflage, kann angesichts der weitl\u00e4ufigen Diskussion um diese Fragen nicht verwundern. \u00dcber Lappalien, wie die Tatsache, da\u00df der Titel der Arbeit von H. Scholler, kursiv gesetzt ist (S. 112), und andere Kleinigkeiten darf man getrost hinwegsehen: Die F\u00fclle des oft weit verstreuten Materials ist so reich, da\u00df aus diesem Rechtsbereich wohl jeder das finden wird, was er sucht. Nur wenige Titel d\u00fcrften fehlen. So beispielsweise: M. Kl\u00f6ckner\/ U. Tworuschka, Religionen in Deutschland, 1994; H. H\u00fcrten, Deutsche Katholiken 1918-1945, 1992; H. Groschopp, Dissidenten 1997; Allerdings handelt es sich hierbei nicht um juristische Titel im strengen Sinn.Was der Benutzer dieses hilfreichen und kompetent kommentierten Literaturverzeichnis vielleicht etwas vermissen mag, ist ein Namensverzeichnis der behandelten Autoren. Sonst jedoch kann man dieser kritischen Bibliographie nur weiteste Verbreitung w\u00fcnschen. Sie ist eine zuverl\u00e4ssige Hilfe, auf die niemand, der sich mit dem Thema STAAT &#150; GESELLSCHAFT &#150; KIRCHEN &#150; RELIGIONEN besch\u00e4ftigt, verzichten sollte. Johannes Neumann, Oberkirch\/BadenGerhard Czermak: Staat und Weltanschauung. Eine annotierte juristische Bibliographie mit erg\u00e4nzender nichtjuristischer Literatur (Bd. 2 1993-1997), Alibri Verlag, Aschaffenburg 1999, 283 Seiten, Preis 59,00 DM.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[656,791],"autoren":[],"publikationen":[967],"class_list":["post-9972","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-religion","tag-rezension","publikationen-967"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Staat \u0096 Gesellschaft \u0096 Kirchen \u0096 Religionen - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/167\/publikation\/staat-gesellschaft-kirchen-religionen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Staat \u0096 Gesellschaft \u0096 Kirchen \u0096 Religionen - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Besprechung des Buches von Gerhard Czermak: Staat und Weltanschauung: Mitteilungen Nr. 167, S. 84 Galten fr\u00fcher Rechtsnormen, wenn nicht f\u00fcr die Ewigkeit, so doch f\u00fcr l\u00e4ngere Zeitspannen, so haben auch sie heute Teil an der allgemeinen Schnellebigkeit. 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