{"id":2875,"count":0,"description":"<h5>Weshalb erinnern? <\/h5>\n<p>vorg&auml;nge. Zeitschrift f&uuml;r B&uuml;rgerrechte und Gesellschaftspolitik, 51. Jahrgang, Heft&nbsp;2 (Juni 2012)\n<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weshalb erinnern? Diese Frage mutet zun&auml;chst seltsam an, in einem Staat, dem das negative Ged&auml;chtnis konstitutiver Bestandteil des Selbstverst&auml;ndnisses ist, der wegen der gelungenen Bew&auml;ltigung der Vergangenheit zweier Diktaturen in anderen L&auml;ndern als \"Modell Deutschland\" gepriesen wird. Doch hat sich das Erinnern mit der wachsenden zeitlichen Distanz gewandelt, T&auml;ter und &uuml;berlebende Opfer wie auch Zeitzeugen sind inzwischen verstorben. Damit &auml;ndern sich auch die Bedingungen einer historischen Reflexion, die auf eine humane Gestaltung der Gesellschaft zielt. Wurde anf&auml;nglich, nach der Katastrophe des Dritten Reiches, die Forderung, aus der Geschichte zu lernen, noch als Anleitung zu einer gesellschaftsver&auml;ndernden Praxis verstanden, so reduzierte sich diese Praxis im Laufe der Zeit auf \"die Unternehmung, bei der\", wie Timothy Garton Ash einmal angemerkte, \"die Deutschen wahrhaftig Weltmeister sind, die kulturelle Reproduktion der Terrorvarianten ihres Landes. Keine Nation ist brillanter, beharrlicher und erfinderischer im Erforschen, Kommunizieren und Repr&auml;sentieren ( ... ) ihrer eigenen vergangenen Verbrechen.\" Diese Gr&uuml;ndlichkeit, die der britische Historiker ironisierte, findet in der Intensit&auml;t, mit der sich ab 1989 den Auswirkungen der kommunistischen Diktatur in der DDR gewidmet wurde, eine Fortsetzung. Damit l&auml;uft Erinnerung Gefahr, zu einer Pathosformel des per se Guten zu gerinnen, der eine routinierte und in der Regel staatlich gef&ouml;rderte Praxis der Geschichtsbearbeitung folgt - deren gesellschaftspr&auml;gende Kraft allerdings nur noch selten auf dem Pr&uuml;fstand steht. Wir wollen mit dieser Ausgabe der <i>vorg&auml;nge<\/i> zu einer kritischen Pr&uuml;fung des allzu Gewohnten anregen.<\/p>","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/198-vorgaenge\/","name":"vorg\u00e4nge Nr. 198: Weshalb erinnern?","slug":"198-vorgaenge","taxonomy":"publikationen","parent":854,"meta":[],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>vorg\u00e4nge Nr. 198: Weshalb erinnern? 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