{"id":4041,"count":22,"description":"In der optimistischen Aufbruchphase der 1960er und 1970er Jahre waren Bildung und Erziehung prominente Themen. Auch die Humanistische Union nahm sich ihrer an. In den folgenden Jahren schwand jedoch das Interesse und schuf g\u00fcnstige Restaurationsbedingungen: Der Bildungsbegriff war in der Bundesrepublik zunehmend dem Verdacht des Elit\u00e4ren ausgesetzt, galt als bildungsb\u00fcrgerlich und anachronistisch. Die Versuche der Reformation des westdeutschen Bildungswesens zugunsten eines integrativen Schulsystems, das in einer Schule f\u00fcr alle Kinder allen Kindern gemeinsame M\u00f6glichkeiten einr\u00e4umen sollte, scheiterte weitgehend, nicht zuletzt an der antikommunistischen Kritik an einer vermeintlichen \u201esozialistischen Einheitsschule\u201c. Nach wie vor befindet sich Deutschland an der Spitze der L\u00e4nder, in denen die soziale Herkunft eines Kindes seine Bildungserfolge beziehungsweise seine Misserfolge bestimmt. Das reicht \u00fcber die Schulen bis in die Universit\u00e4ten, wenn wir uns ansehen, wie sehr der Bildungsgrad der Eltern determiniert, ob man einen Hochschulabschluss oder gar eine Promotion erfolgreich abschlie\u00dft. Dadurch wird das Recht auf Bildung, verbrieft durch Art. 26 der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte sowie Art. 13 des Internationalen Paktes \u00fcber wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte \u2013 beide von Deutschland ratifiziert \u2013 vielseitig verletzt.\r\n\r\nParallel zu dieser Entwicklung vollzieht sich ein Prozess des neoliberalen Umbaus des gesamten Bildungswesens. Personalmangel, M\u00e4ngel der Ausstattung und die H\u00e4ufung sozialer Probleme in \u00f6ffentlichen Schulen bewirken einen R\u00fcckzug derer, die sich eine Privatschule leisten k\u00f6nnen. Das f\u00fchrt zu einer Tendenz der Privatisierung von Schulen und damit zur Herausbildung einer exklusiven Schullandschaft. Daneben besteht ein \u00f6ffentliches Schulwesen, das weiterhin selektiv handelt und st\u00e4ndisch organisiert ist. Den Schulen gemeinsam ist ein eklatanter Personalmangel und ob dessen Unterrichtsausf\u00e4lle. Er ist es auch, der Rufe nach weniger qualifizierten p\u00e4dagogischen Fachkr\u00e4ften laut werden l\u00e4sst. Im Bereich der fr\u00fchkindlichen Bildung ist dies bereits Praxis. Gleichzeitig nehmen wir an Hochschulen wahr, dass die finanzielle Ausstattung der Lehrst\u00fchle in besonderem Ma\u00dfe vom Wettbewerb um externe Drittmittel bestimmt ist und dabei die Lehre oft genug ins Hintertreffen ger\u00e4t.\r\n\r\nDaher wollen wir uns in diesem Doppelheft der<strong> vor<\/strong><em>g\u00e4nge<\/em> fragen, wie es um die Zukunft der Bildung in Deutschland bestellt ist. 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