{"id":14242,"date":"2013-11-18T19:00:00","date_gmt":"2013-11-18T18:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/veranstaltungen\/termin\/bremen-braucht-keinen-verfassungsschutz\/"},"modified":"2021-08-30T15:44:10","modified_gmt":"2021-08-30T13:44:10","slug":"bremen-braucht-keinen-verfassungsschutz","status":"publish","type":"termin","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/veranstaltungsberichte\/2013\/bremen-braucht-keinen-verfassungsschutz\/","title":{"rendered":"Bremen braucht keinen Verfassungsschutz"},"content":{"rendered":"<p>Veranstaltungsbericht zur Veranstaltung &#8222;Brauchen wir den Verfassungsschutz?&#8220; am 18.11.2013, 19:00 in Bremen<\/p>\n<p>In einer  von der HU Bremen und der Internationalen Liga f&uuml;r Menschenrechte ausgerichteten Podiumsdiskussion gelang es dem Bremer Innensenator Ulrich M&auml;urer (SPD) und dem Vorsitzenden der Gr&uuml;nen-Fraktion in der B&uuml;rgerschaft Matthias G&uuml;ldner nicht, die von Till M&uuml;ller-Heidelberg (HU) und Rolf G&ouml;ssner (Liga) vorgetragenen Gr&uuml;nde f&uuml;r die  Abschaffung des Bremer Verfassungsschutzes zu entkr&auml;ften.<\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/bremen_vfs_20131118.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5927 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/6ac9747389.jpg\" alt=\"Bremen braucht keinen Verfassungsschutz\" width=\"240\" height=\"160\"><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">\n<\/div>\n<p>Die im Wallsaal der Stadtbibliothek gef&uuml;hrte Diskussion orientierte sich am Senatsvorschlag f&uuml;r ein reformiertes bremisches Verfassungsschutzgesetz. Dabei begannen sowohl M&auml;urer als auch G&uuml;ldner ihre Statements, indem sie die von Skandalen ges&auml;umte Geschichte der deutschen Geheimdienste einr&auml;umten und auch den Bremer Verfassungsschutz davon nicht ausnahmen. G&uuml;ldner, zurzeit Vorsitzender der Parlamentarischen Kontrollkommission, beurteilte den Bremer Verfassungsschutz als &#8222;noch bis 2008 undemokratisch und teilweise menschenverachtend&#8220;. Mit ihrem neuen Gesetz stellten die beiden also eine Kehrtwende in Aussicht, die sich allerdings im Lauf der Diskussion als haltlose Versprechung herausstellte.<\/p>\n<p>M&auml;urer verwies auf eine neue Ausrichtung des Geheimdienstes, der sich in Bremen gegen Gruppen richten solle, die als gewaltbereit gelten, insbesondere Rechtsradikale und Hass predigende Salafisten. Zuvor hatte M&uuml;ller-Heidelberg gewarnt, dass die Ausrichtung des Dienstes gegen Extremismus der Willk&uuml;r gleichkommt, denn nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts handelt es sich dabei um einen politischen Kampfbegriff: als extremistisch gelten stets die stark von der Mehrheitsmeinung abweichenden Ansichten. Insofern waren die Versprechungen des Innensenators zwar beruhigend gemeint, doch was jetzt unter rot-gr&uuml;ner Regierung als extremistisch und was als akzeptiert gilt, kann&nbsp; sich schnell umkehren. Hinsichtlich der vermeintlichen Ausrichtung auf gewaltbereite Personen wiesen G&ouml;ssner und M&uuml;ller-Heidelberg darauf hin, dass der Verfassungsschutz laut Gesetzesvorschlag nicht ausschlie&szlig;lich, sondern im &#8222;Schwerpunkt&#8220; gegen gewaltbereite Personen handeln solle. Dies erkl&auml;rt sich im &Uuml;brigen auch damit, dass ein Verfassungsschutz nach den bundesrechtlichen Vorgaben eben nicht Gewalttaten verhindern, sondern politischen Extremismus beobachten muss.<\/p>\n<p>Eine bessere Kontrolle durch Eingliederung des Amts in die Senatsbeh&ouml;rden und Ausweitung der Befugnisse der Parlamentarischen Kontrollkommission befanden M&auml;urer und G&uuml;ldner als wesentliche Faktoren einer demokratischen Einhegung des Verfassungsschutzes. Die Kontrolle bleibt dabei jedoch dem Einblick der &Ouml;ffentlichkeit entzogen. Dort liegt der immanente Widerspruch zwischen Verfassungsschutz und Demokratie: ein Geheimdienst definiert sich dadurch, dass ihm die &Ouml;ffentlichkeit nicht auf die Finger schaut. Selbst wenn die Mitglieder der Bremer Kontrollkommission in selbstst&auml;ndig durchgef&uuml;hrten Ermittlungen erhebliche Grundrechtsverletzungen feststellen, sollen sie damit nur unter Zustimmung einer Zweidrittel-&nbsp; also Regierungsmehrheit des Gremiums an die &Ouml;ffentlichkeit gehen k&ouml;nnen. So verwunderte auch nicht, dass G&ouml;ssner auf Nachfragen aus dem Publikum sagte, dass die zahlreichen Geheimdienstskandale bislang nie durch Kontrollgremien aufgedeckt wurden. Zudem zeigt sich an den vorgesehen Quoten f&uuml;r seine Zusammensetzung, dass auch die Gestalt des vorgesehenen Kontrollgremiums von der politischen Couleur der Regierungsparteien gepr&auml;gt ist. So w&uuml;rden Parteien, die im Parlament ohne Fraktionsstatus vertreten sind, weiterhin keinen regul&auml;ren Sitz in der Kommission erhalten. Gerade kleinere Parteien, wie die bremische Linke &#8211; die aktuell zumindest einen Gaststatus in der Kommission hat &#8211;, waren jedoch in der Vergangenheit nicht selten das Ziel von Geheimdiensten.<\/p>\n<p>Gegen Ende der zweist&uuml;ndigen Veranstaltung erkl&auml;rte der Innensenator, dass er die Einw&auml;nde der B&uuml;rgerrechtler ja verstehe, aber nicht die Verantwortung tragen wolle, wenn es nach einer Abschaffung des Verfassungsschutzes aufgrund fehlender Geheimdienstinformationen zu Terroranschl&auml;gen k&auml;me. Zudem sei Bremen gegen&uuml;ber anderen Bundesl&auml;ndern und Bund&nbsp; zur Kooperation verpflichtet, da k&ouml;nne es nicht als einziges Bundesland seinen Verfassungsschutz abschaffen. Hier erwiderten M&uuml;ller-Heidelberg und G&ouml;ssner, dass die Gefahrenabwehr die Aufgabe von Polizei und Staatsanwaltschaften ist, die diese Aufgabe inzwischen ohnehin schon weit im Vorfeld von Straftaten wahrn&auml;hmen. Der Verfassungsschutz unterliege dagegen nicht dem Legalit&auml;tsprinzip und m&uuml;sse Straftaten nicht zur Anzeige bringen. So habe der Geheimdienst in anderen Bundesl&auml;ndern schon von Gewaltverbrechen durch eigene V-Leute gewusst, ohne einzuschreiten. Die beiden B&uuml;rgerrechtler verwiesen auch darauf, dass eine Abschaffung des Bremer Geheimdienstes durchaus mit Bundesrecht vereinbar sei, wonach einem Landesamt f&uuml;r Verfassungsschutz durchaus die geheimdienstlichen Instrumente gestrichen werden k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Insgesamt bleibt von der Veranstaltung ein positiver Eindruck. Die vier Podiumsteilnehmer lieferten sich eine konstruktive Diskussion, in der auf die Statements der jeweils anderen eingegangen wurde. Den etwa 100 Besuchern, die unserem Eindruck nach nicht alle mit einer vorgefertigten Meinung gekommen waren, erleichterte dies gewiss, die Argumente f&uuml;r die Abschaffung des Geheimdienstes nachzuvollziehen. Wer allerdings zu dem Schluss kommt, dass es keine Demokratie-freundliche L&ouml;sung f&uuml;r Geheimdienste au&szlig;er ihrer Abschaffung gibt, der wei&szlig; auch: ein Bundesland muss den Anfang machen. Das vom Innensenator vorgebrachte Argument, die anderen L&auml;nder schafften ihre Geheimdienste ja auch nicht ab, wirkt hier paradox. Insofern erscheint der aus dem Publikum stammende Vorschlag eines Volksentscheids &uuml;ber den Verfassungsschutz bedenkenswert.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":5927,"template":"","categories":[2634],"tags":[695],"autoren":[169],"class_list":["post-14242","termin","type-termin","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-veranstaltungsberichte","tag-veranstaltungen-berichte","autoren-bjoern-schreinermacher"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Bremen braucht keinen Verfassungsschutz - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/veranstaltungsberichte\/2013\/bremen-braucht-keinen-verfassungsschutz\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Bremen braucht keinen Verfassungsschutz - 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