{"id":14280,"date":"2011-09-22T20:00:00","date_gmt":"2011-09-22T18:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/veranstaltungen\/termin\/papa-ratzi-unerwuenscht-frankfurter-veranstaltung-zum-berliner-papstbesuch-1\/"},"modified":"2021-08-30T15:44:03","modified_gmt":"2021-08-30T13:44:03","slug":"papa-ratzi-unerwuenscht-frankfurter-veranstaltung-zum-berliner-papstbesuch-1","status":"publish","type":"termin","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/veranstaltungsberichte\/2011\/papa-ratzi-unerwuenscht-frankfurter-veranstaltung-zum-berliner-papstbesuch-1\/","title":{"rendered":"Papa Ratzi unerw\u00fcnscht. Frankfurter Veranstaltung zum Berliner Papstbesuch"},"content":{"rendered":"<p>Helge Nyncke und Peter Menne lasen am 22. September 2011 im Club Voltaire aus &#8222;Eine gottesl&auml;sterliche Flo&szlig;fahrt&#8220; und &#8222;Opus Diaboli&#8220; von Karlheinz Deschner.<\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/paparatzi01.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5944 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/paparatzi01-600x450.jpg\" alt=\"Papa Ratzi unerw&uuml;nscht. Frankfurter Veranstaltung zum Berliner Papstbesuch\" width=\"600\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/paparatzi01-600x450.jpg 600w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/paparatzi01-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/paparatzi01.jpg 800w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/paparatzi01-450x337.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a>Foto: Jan Steffen<\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">Foto: Jan Steffen<\/p>\n<\/div>\n<p>Als Papa Ratzi vor dem Parlament predigte, demonstrierten Tausende in Berlin gegen den Staatsbesuch der letzten Diktatur in Europa &#8211; doch nicht jeder konnte werktags in die Hauptstadt fahren, zur Demonstration &#8222;Der Papst kommt&#8220; (<a href=\"http:\/\/derpapstkommt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/derpapstkommt.de\/<\/a>), die von vielen S&auml;kularen Organisationen (<a href=\"http:\/\/www.korso-deutschland.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.korso-deutschland.de\/<\/a>), darunter auch der HU (<a href=\"http:\/\/berlin.humanistische-union.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/berlin.humanistische-union.de\/<\/a>), veranstaltet wurde.<\/p>\n<p>Die Frankfurter HU b&uuml;ndelte den Protest im Rhein-Main-Gebiet &#8211; in bester aufkl&auml;rerischer Tradition: Peter Menne las aus &#8222;Opus Diaboli&#8220; von Karlheinz Deschner (<a href=\"http:\/\/www.deschner.info\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.deschner.info\/<\/a>). D&uuml;ster waren die Wahrheiten &uuml;ber das Treiben der Kirche nicht erst seit Gr&uuml;ndung ihres Vatikanstaates. Doch Helge Nyncke (<a href=\"http:\/\/www.helge-liest-helge.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.helge-liest-helge.de\/<\/a>) hellte die Stimmung mit witzig-bissigen Satiren auf. Gekonnt persiflierte er die karnevalesken Kost&uuml;mierung des Papstes: Helge Nyncke trat mit wei&szlig;em Umhang und aus alter Baseball-M&uuml;tze ausgeschnittenem rundem K&auml;ppi auf. Frankfurts Club Voltaire war gut besucht, manche G&auml;ste sogar aus Frankreich, Duisburg oder Weilburg angereist, um kirchenkritische Texte von den beiden zu h&ouml;ren.<\/p>\n<p>Peter Menne rief in Erinnerung, dass Papst Ratzinger nicht etwas als Tourist durch Deutschland reist &#8211; so wurde sein Amtsvorg&auml;nger Woytila im Februar 1979 vom mexikanischen Pr&auml;sidenten begr&uuml;&szlig;t. Zwar sind 97,5 Prozent der Mexikaner Katholiken &#8211; doch der Staat ist s&auml;kular und unterh&auml;lt keine diplomatischen Beziehungen zum Vatikan. Anders Deutschland: kaum ein Drittel der Bev&ouml;lkerung geh&ouml;rt der katholischen Kirche an &#8211; doch &#8222;Papa Ratzi&#8220; wird als Staatsgast empfangen. Was f&uuml;r einem Staat steht Ratzinger vor?<\/p>\n<p>Bevor Peter Menne mit Deschner einen Streifzug durch die neuere Geschichte &#8211; die Nazi-Geschichte, mit der der Vatikan sehr verbunden ist &#8211; unternahm, stellte Helge Nyncke dessen Staatschef vor &#8211; im Originaltext: &#8222;<i>Das Dilemma der Gleichzeitigkeit von Glaube und Geschichte<\/i>&#8220; besteht f&uuml;r Papst Ratzinger darin, dass man entweder versucht, &#8222;<i>Christologie auf der Ebene des Historischen zu beweisen<\/i>&#8222;, oder sich dazu entschlie&szlig;t, sie &#8222;<i>schlicht auf das Belegbare zu reduzieren<\/i>&#8222;, oder aber, da beide Wege nicht zum Erfolg f&uuml;hren k&ouml;nnen, &#8222;<i>der Historie ganz zu entfliehen und sie als &uuml;berfl&uuml;ssig f&uuml;r den Glauben hinter sich zu lassen<\/i>&#8222;. Und wenn man sich schon dergestalt flugs des unangenehmen Ballasts der Geschichte, insbesondere der Kriminalgeschichte des Christentums entledigt hat, f&auml;llt es umso leichter, S&auml;tze zu formulieren wie den, dass &#8222;<i>da, wo Gott den Menschen au&szlig;er Sichtweite ger&auml;t, auch der Friede verf&auml;llt und die Gewalt mit vorher ungeahnten Grausamkeiten &uuml;berhandnimmt<\/i>&#8222;.<\/p>\n<p>Nach solchen fundamentalen Einsichten wendet sich der Kirchenmann dann doch lieber wirklich wichtigen Lebensfragen zu, etwa dem schwierigen Glauben an die Trinit&auml;t: Deren Widerspr&uuml;che versucht er damit zu erkl&auml;ren, dass es hier um einen Bereich gehe, &#8222;<i>in dem nur das dem&uuml;tige Gest&auml;ndnis des Nichtwissens wahres Wissen und nur das staunende Verbleiben vor dem unfassbaren Geheimnis rechtes Bekenntnis zu Gott sein<\/i>&#8220; k&ouml;nne.<\/p>\n<p>Klingt das logisch &#8211; oder ein wenig verwirrt? Aus den Worten des als &#8222;intellektuell&#8220; apostrophierten Papstes wird dennoch deutlich: auf historische Wahrheit, auf empirische Fakten legt der Vatikan-Chef keinen Wert. Wenn man erinnert, wie der Vatikanstaat entstanden ist, mit wessen Hilfe: dann scheint Ratzingers Fremdeln mit der Historie nachvollziehbar, geradezu einleuchtend.<\/p>\n<p>Denn &#8222;<i>Mussolini, Autor von &#8218;Es gibt keinen Gott&#8216; und &#8218;Die M&auml;tresse des Kardinals&#8216;, hatte noch 1920 religi&ouml;se Menschen krank genannt, auf die Dogmen gespuckt<\/i>&#8220; (Deschner, S. 152) und sich &uuml;ber die Pfaffen lustig gemacht. Doch nach seinem &#8222;Marsch auf Rom&#8220; suchte der Duce institutionelle Unterst&uuml;tzung &#8211; und fand sie bei der katholischen Kirche: Menne referierte aus &#8222;Opus Diaboli&#8220;, wie die Kirche erst dem italienischen Faschismus huldigte: zum Dank daf&uuml;r, dass der Duce Rom geteilt und der Kirche 1929 den Vatikanstaat geschenkt hat.<\/p>\n<p>Als &#8222;<i>man vom K&ouml;nig Mussolinis Absetzung forderte, stellte sich der &#8218;Heilige Vater&#8216; wieder auf die Seite des faschistischen Verbrechers und verk&uuml;ndete am 20. Dezember 1926: &#8218;Mussolini wurde uns von der Vorsehung gesandt.&#8216; Drei Jahre sp&auml;ter schlo&szlig; man die Lateranvertr&auml;ge, die das Ansehen der Faschisten enorm steigerten, wie bald darauf das Konkordat mit Hitlerdeutschland das Prestige der Nazis, vor allem aber der Kurie gewaltige Vorteile brachten.<\/i>&#8220; (Deschner, S. 153). Die Lateran-Vertr&auml;ge: mit ihnen wurde das von Garibaldi geeinte Italien wieder geteilt. Zus&auml;tzlich zu dem Stadtteil von Rom, der seit 1929 als selbst&auml;ndiger &#8222;Vatikanstaat&#8220; gilt, erhielt die Kirche &#8222;<i>die nach damaliger W&auml;hrung ungeheure Summe von einer Milliarde Lire in Staatspapieren und 750 Millionen Lire in bar; bei f&uuml;nfprozentiger Verzinsung eine Jahresrente von fast 90 Millionen.<\/i>&#8220; (Deschner, S. 154).<\/p>\n<p>Faschistisches und katholisches Denken harmonierten &#8211; nicht nur in Mussolinis Italien, sondern genauso in Francos Spanien und in Hitlers Deutschland und &Ouml;sterreich. &Ouml;sterreich? Anl&auml;sslich des &#8222;Anschlusses&#8220; verfassten eine Reihe von Kirchenf&uuml;rsten, Kardin&auml;len, F&uuml;rst&auml;bten etc. pp. eine &#8222;<i>feierliche Erkl&auml;rung<\/i>&#8222;:<\/p>\n<p>&#8222;<i>Aus innerster &Uuml;berzeugung und mit freiem Willen erkl&auml;ren wir unterzeichneten Bisch&ouml;fe der &ouml;sterreichischen Kirchenprovinz anl&auml;&szlig;lich der gro&szlig;en geschichtlichen Geschehnisse in Deutsch-&Ouml;sterreich: Wir erkennen freudig an, dass die nationalsozialistische Bewegung auf dem Gebiet des v&ouml;lkischen und wirtschaftlichen Aufbaues &#8230; f&uuml;r das Deutsche Reich und Volk &#8230; Hervorragendes geleistet hat und leistet. Wir sind auch der &Uuml;berzeugung, dass durch das Wirken der nationalsozialistischen Bewegung die Gefahr des alles zerst&ouml;renden gottlosen Bolschewismus abgewehrt wurde. Die Bisch&ouml;fe begleiten dieses Wirken &#8230; mit ihren besten Segensw&uuml;nschen und werden auch die Gl&auml;ubigen in diesem Sinne ermahnen. Am Tage der Volksabstimmung ist es f&uuml;r uns Bisch&ouml;fe selbstverst&auml;ndliche nationale Pflicht, uns als Deutsche zum Deutschen Reich zu bekennen, und wir erwarten auch von allen gl&auml;ubigen Christen, dass sie wissen, was sie ihrem Volke schuldig sind. Wien, am 18. M&auml;rz 1938, &#8230;&#8220; (Deschner, S. 161 f.) Diese Huldigung wurde dem Gauleiter &#8222;mit dem Ausdruck ausgezeichneter Hochachtung und Heil Hitler&#8220; von Kardinal Innitzer &uuml;bersandt <\/i>(Deschner, S. 162).<\/p>\n<p>Mitunter legt die Kirche gro&szlig;en Wert auf ihre lange Geschichte. Bitter war die Erinnerung daran, was f&uuml;r einen Staat der Bundestag zu Gast hatte: Die Europ&auml;ischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte hat der Vatikan bis heute nicht unterzeichnet &#8211; wohl aus gutem Grund: so mancher Prozess vor dem Europ&auml;ischen Gerichtshof f&uuml;r Menschenrechte z.B. wegen Frauendiskriminierung w&auml;re wohl schnell verloren gewesen.<\/p>\n<p>W&auml;hrend Peter Menne noch die ernsten Passagen aus Deschners &#8222;Opus Diaboli&#8220; las, zog Helge Nyncke sich auf der B&uuml;hne p&auml;pstlich an: mit wei&szlig;em Umhang ausstaffiert, von wei&szlig;em K&auml;ppi gekr&ouml;nt, las er aus &#8222;Wei&szlig;er Rauch&#8220;, einem Text nicht nur &uuml;ber P&auml;pste in Frauenkleidern:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" border=\"1\" hspace=\"20\" alt=\"Foto: Jan Steffen\" vspace=\"10\" align=\"right\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/paparatzi03.jpg\" width=\"367\" height=\"500\"><\/p>\n<p>&#8222;<i>&#8230;Die subtile Botschaft also lautet: du kannst gar nicht so verloren sein, wie du dich f&uuml;hlst, wenn selbst ein hinf&auml;lliger asexueller Tattergreis in Frauenkleidern noch &uuml;berraschende Vaterfreuden ganz ohne Weib und Kinder erleben kann! Nimm dir ein leuchtendes Beispiel an seinen stereotypen Wiederholungsgesten, dem st&auml;ndigen Arme-ausbreiten ohne zu fliegen oder zu umarmen, der kreuzweisen Luftmalerei, die sich nicht zwischen oben oder unten, links oder rechts entscheiden kann und sich deswegen symbolisch auf ein unklares sowohl-als-auch reduziert hat, das Dauerl&auml;cheln ohne direkten Blickkontakt: alles Anzeichen hochgradig gest&ouml;rter Verhaltensauff&auml;lligkeiten, aber auch damit kannst du reich und ber&uuml;hmt werden! H&ouml;re auf seine gesalbten Worte, die mit seniler Fistelstimme alles und nichts aus sich selbst heraus erkl&auml;ren, und wo das noch immer nicht reicht, es schlicht zum Geheimnis verkl&auml;ren: auch ohne etwas zu sagen, kannst du reden wie ein Buch! Und das wird dann sogar noch in Bestsellerauflagen in Buchform gedruckt!&#8230;<\/i>&#8220; (Helge Nyncke, Wei&szlig;er Rauch, in: Eine gottesl&auml;sterliche Flo&szlig;fahrt)<\/p>\n<p>War das satirisch &uuml;berh&ouml;ht? Oder einfach nur die Absurdit&auml;ten der Kirche auf den Punkt gebracht? Das Publikum jedenfalls war begeistert. Von der Satire zur&uuml;ck zu den ernsten Seiten, beispielsweise kirchlicher Mission mit ihren t&ouml;dlichen Folgen.<\/p>\n<p>Bei &#8222;Mission&#8220; denkt man heute gerne an verschrobene Fundamentalisten, die mit buntem Pappschild einsam durch Fu&szlig;g&auml;ngerzonen ziehen, auf Gitarren schrammeln oder still wie die Zeugen Jehovas ihren &#8222;Wachturm&#8220; mehr oder minder dekorativ in die H&ouml;he halten. Nervend wird&#8217;s erst, wenn zum Hausbesuch an s&auml;mtlichen Wohnungst&uuml;ren geklingelt wird. Doch katholische Mission sieht anders aus &#8211; der katholische Bischof Bartolom&eacute; de Las Casas hat pr&auml;zise notiert, wie Mission in Kuba, Haiti, ganz S&uuml;damerika gelaufen ist. Deschner montiert dessen Berichte kongenial mit p&auml;pstlichem Predigtston:<\/p>\n<p>&#8222;<i>&#8218;Die Christen&#8216;, schreibt Las Casas, &#8218;drangen unter das Volk, schonten weder Kind noch Greis, weder Schwangere noch Entbundene, rissen ihnen die Leiber auf und hieben alles in St&uuml;cke, nicht anders, als &uuml;berfielen sie eine Herde Schafe &#8230;&#8216; &#8211; &#8218;&#8230; um Christus, den Erl&ouml;ser, zu verk&uuml;nden&#8216;, frohlockte der Papst, &#8218;um die W&uuml;rde der Eingeborenen zu verteidigen, f&uuml;r ihre unantastbaren Rechte einzutreten&#8216;, &#8218;das Reich Gottes &#8230; bei euren Vorfahren pr&auml;sent zu machen&#8216;. &#8218;Sie wetteten miteinander, wer unter ihnen einen Menschen auf einen Schwertstreich mitten voneinander hauen, ihm mit einer Pike den Kopf spalten oder das Eingeweide aus dem Leibe rei&szlig;en k&ouml;nne&#8216;. &#8218;Seitdem&#8216;, jubelte der Papst, &#8218;&ouml;ffnete sich dieses geliebte Volk hier dem Glauben an Jesus Christus.&#8216;<\/i>&#8220; (Deschner, S. 210 f.)<\/p>\n<p>Deschner zitiert den Bischof Las Casas &uuml;ber die Zahl der &uuml;ber der Mission verstorbenen Indios, die Ausrottung ganzer V&ouml;lker &#8211; und wie Papst Woytila derlei Mission als Verbreiten de &#8222;frohen Botschaft&#8220; preist. Die Verbrechen der Amerika-Mission springen ins Auge. Dennoch l&auml;sst die Kirche sich als Instanz &#8222;moralischer Werte&#8220; hofieren. Was w&auml;re, wenn&#8230;?<\/p>\n<p>Was w&auml;re, wenn das Strafrecht unvoreingenommen angewandt w&uuml;rde? Mit &#8222;Gott ist tot&#8220; imaginierte Nyncke einen Prozess vor dem internationalen Strafgericht in Den Haag. Angeklagt: ein gewisser &#8222;Gott&#8220; wegen Massenmordes an fast allen Menschen, Tieren und Pflanzen.<\/p>\n<p>&#8222;<i>&#8230;Das h&ouml;chstrichterliche Urteil erging einstimmig und ohne die M&ouml;glichkeit einer Revision. Der Hauptangeklagte wurde in s&auml;mtlichen Anklagepunkten f&uuml;r schuldig befunden. An seiner Schuldf&auml;higkeit hafteten allerdings grunds&auml;tzliche Zweifel hinsichtlich der Frage nach der Haftbarkeit im Falle des Nachweises seiner faktischen Nichtexistenz. Aufgrund eindeutiger Indizien f&uuml;r die Realit&auml;t der Anklagepunkte bei gleichzeitiger Nichtfeststellbarkeit der Existenz des Angeklagten wurde er schlie&szlig;lich mit einem formaljuristischen Kunstgriff in Abwesenheit zum Tod durch die amtliche Streichung aus dem Register der real existierenden Wesen verurteilt. Gott existiert damit nun amtlich, r&uuml;ckwirkend, in Gegenwart und Zukunft nicht mehr.<\/i><\/p>\n<p><i>In der Urteilsbegr&uuml;ndung hei&szlig;t es, die ihm zur Last gelegten Verbrechen &uuml;berstiegen jedes vorstellbare Ma&szlig; an Grausamkeit und Menschenverachtung und die ideologischen Grundlagen der seine Existenz suggerierenden Verherrlichung seiner Taten jedes Ma&szlig; an Unvernunft, Verantwortungslosigkeit und Ignoranz&#8230;<\/i>&#8220; (Helge Nyncke, Gott ist tot, in: Eine gottesl&auml;sterliche Flo&szlig;fahrt.&#8216;)<\/p>\n<p>Mit tosendem Applaus dankte das Publikum f&uuml;r Nynckes Gabe, Dinge literarisch gekonnt auf den Punkt zu bringen.<\/p>\n<p>Peter Menne und Helge Nyncke hatten in munterem Wechsel anderthalb Stunden gelesen &#8211; so dass Peter Menne das aufmerksame Publikum fragte, ob es in die Diskussion einsteigen oder noch einen Abschnitt h&ouml;ren wolle? Die &#8222;konstantinische Schenkung&#8220; stand im Angebot &#8211; und ganz und gar nicht kirchlich lie&szlig;en die Redner das Publikum demokratisch abstimmen. Eine klare Mehrheit entschied f&uuml;r weitere Lesung. So folgte auf die zweite Vatikanstaatsgr&uuml;ndung durch den Faschisten Mussolini ein Auseinanderpfl&uuml;cken des Mythos &#8222;konstantinische Schenkung&#8220;: Dazu griff Menne zu Rolf Bergmeier: &#8222;Kaiser Konstantin und die wilden Jahre des Christentums. Die Legende vom ersten christlichen Kaiser&#8220;, bevor er weitere Passagen aus Deschners &#8222;Opus Diaboli&#8220; las.<\/p>\n<p>Das Stichwort &#8222;Konstantin&#8220; reizte Helge Nyncke, zu deutlich aufgekl&auml;rterem Konstantin &uuml;berzugehen: lebendig rezitierte er Konstantin Weckers &#8222;Habemus papam&#8220;.<\/p>\n<p><i>Wir haben einen neuen Papst<br \/>Jausa<br \/>einen neuen Papst<br \/>der neue Papst ist besser<br \/>ja besser <br \/>als der alte Papst<br \/>jeder neue Papst ist besser<br \/>wir wollen t&auml;glich einen neuen<br \/>frischen Papst<br \/>(&#8230;)<br \/>schon morgen fangen wir an<br \/>morgen schon wollen wir einen niegelnagelneuen <br \/>Papst<br \/>und den alten schaffen wir ab<br \/>und &uuml;bermorgen schaffen wir den neuen ab<br \/>zuerst einen neuen<br \/>und dann abschaffen<br \/>jausa<br \/>jausa<\/i><\/p>\n<p><i>wir schaffen gleich am besten alle ab<br \/>bevor der Neue da ist<br \/>wird er abgeschafft<br \/>dann sparen wir Geld<br \/>und Gebete und Tr&auml;nen<br \/>und dann verkaufen wir den ganzen Vatikan<br \/>zum Schleuderpreis<br \/>zum ersten<br \/>zum zweiten<br \/>zum dritten<br \/>zum Schleuderpreis<br \/>Vatikan gef&auml;llig<br \/>frisch erhaltene Pieta<br \/>Juwelen, Fresken und Ornate<br \/>P&auml;pste<br \/>konzilerprobt<br \/>und heilige Banken<br \/>und H&auml;user und Stra&szlig;en und Seen und Pal&auml;ste<br \/>billig abzugeben<br \/>(&#8230;.)<\/i><\/p>\n<p>Von Konstantin Wecker anl&auml;sslich der Wahl von Karol Woytila &#8211; bekanntgeworden als bodenk&uuml;ssender Papst &#8211; geschrieben, und die Verse &uuml;ber die &#8222;konzilserprobten Ehrw&uuml;rdens&#8220; bleiben noch heute aktuell.<\/p>\n<p>An die Vortr&auml;ge schloss sich eine muntere Diskussion an. Wie man sich zu dem Thema engagieren k&ouml;nne?, fragte eine Besucherin. Peter Menne lud sie (und alle anderen interessierten Menschen) zum Jour fixe der Humanistischen Union ein, jeweils am ersten Donnerstag eines Monats um 19:00 Uhr im Club Voltaire in Frankfurt.<\/p>\n<p><b>Literatur:<\/b><\/p>\n<p>Karlheinz Deschner, Opus Diaboli. F&uuml;nfzehn unvers&ouml;hnliche Essays &uuml;ber die Arbeit im Weinberg des Herrn. <br \/>Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1994 (nurmehr antiquarisch erh&auml;ltlich)<\/p>\n<p>Helge Nyncke: Eine gottesl&auml;sterliche Flo&szlig;fahrt. Leichtsinnige Variationen &uuml;ber tiefsinnige Fragen.<br \/>242 Seiten, Broschur mit zahlreichen Abbildungen<br \/>ISBN 978-3-936536-42-3<br \/>19.80 EURO<br \/><a href=\"http:\/\/www.denkladen.de\/product_info.php\/info\/p1274_Nyncke--Eine-Gotteslaesterliche-Flo-fahrt.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.denkladen.de\/product_info.php\/info\/p1274_Nyncke&#8211;Eine-Gotteslaesterliche-Flo-fahrt.html<\/a><\/p>\n<p>Rolf Bergmeier, Kaiser Konstantin und die wilden Jahre des Christentums. Die Legende vom ersten christlichen Kaiser.<br \/>Alibri Verlag, 2010<br \/><a href=\"http:\/\/www.denkladen.de\/product_info.php\/info\/p1590_Bergmeier--Kaiser-Konstantin-und-die-wilden-Jahre-des-Christentums.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.denkladen.de\/product_info.php\/info\/p1590_Bergmeier&#8211;Kaiser-Konstantin-und-die-wilden-Jahre-des-Christentums.html<\/a><\/p>\n<p>Prof. Dr. Franz Buggle, Denn sie wissen nicht, was sie glauben. Oder warum an redlicherweise nicht mehr Christ sein kann<br \/>Alibri Verlag, 2004<\/p>\n<p>Dr. Carsten Frerk, Violettbuch Kirchenfinanzen. Wie der Staat die Kirchen finanziert, Alibri Verlag, 2010<br \/>270 Seiten, 16,- Euro<br \/><a href=\"http:\/\/www.alibri-buecher.de\/product_info.php\/info\/p348_Carsten-Frerk--Violettbuch-Kirchenfinanzen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.alibri-buecher.de\/product_info.php\/info\/p348_Carsten-Frerk&#8211;Violettbuch-Kirchenfinanzen.html<\/a><\/p>\n<p>Dr. Heinz-Werner Kubitza, Der Jesuswahn. Wie die Christen sich ihren Gott erschufen. Die Entzauberung einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung<br \/>Tectum Verlag, 2011<br \/><a href=\"http:\/\/www.jesuswahn.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.jesuswahn.de\/<\/a><\/p>\n<p>Konstantin Wecker, Lieder und Gedichte, Ehrenwirth Verlag 1981<\/p>\n<p>Hans Albert, Joseph Ratzingers Rettung des Christentums. Alibri Verlag 2008<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.helge-liest-helge.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.helge-liest-helge.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"featured_media":5944,"template":"","categories":[2634],"tags":[750],"autoren":[321],"class_list":["post-14280","termin","type-termin","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-veranstaltungsberichte","tag-frankfurt-veranstaltungsberichte","autoren-peter-menne"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Papa Ratzi unerw\u00fcnscht. 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