{"id":14331,"date":"2010-04-28T13:17:00","date_gmt":"2010-04-28T11:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/veranstaltungen\/termin\/buergerrechte-im-fokus-diskussion-mit-kandidaten-zur-landtagswahl\/"},"modified":"2021-08-30T15:43:54","modified_gmt":"2021-08-30T13:43:54","slug":"buergerrechte-im-fokus-diskussion-mit-kandidaten-zur-landtagswahl","status":"publish","type":"termin","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/veranstaltungsberichte\/2010\/buergerrechte-im-fokus-diskussion-mit-kandidaten-zur-landtagswahl\/","title":{"rendered":"B\u00fcrgerrechte im Fokus &#8211; Diskussion mit Kandidaten zur Landtagswahl"},"content":{"rendered":"<p>Podiumsdiskussion im Bonner Haus der Kirche am 28. April 2010<\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/koeln20100428a.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5962 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/koeln20100428a-600x268.jpg\" alt=\"B&uuml;rgerrechte im Fokus - Diskussion mit Kandidaten zur Landtagswahl\" width=\"600\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/koeln20100428a-600x268.jpg 600w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/koeln20100428a-768x343.jpg 768w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/koeln20100428a-1000x446.jpg 1000w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/koeln20100428a-800x357.jpg 800w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/koeln20100428a-450x201.jpg 450w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/koeln20100428a.jpg 1127w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">\n<\/div>\n<p>Auf Einladung der K&ouml;ln-Bonner Regionalgruppe der Humanistischen Union, der &ouml;rtlichen Gruppen des Republikanischen Anwaltsvereins und des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung hatten Landtagskandidaten bzw. Vertreter der kandidierenden Parteien die Gelegenheit, sich zu Fragen der Grund- und Freiheitsrechte zu &auml;u&szlig;ern. Erschienen waren die Kandidaten Bernhard von Gr&uuml;nberg (SPD), Eike Block (Gr&uuml;ne), Christian Horchert (Piraten) und Monika Dahl (Linke); die FDP wurde durch ihren Bonner Ratsherrn Achim Kansy vertreten, der selbst nicht f&uuml;r den Landtag kandidiert. Die CDU entsandte keinen Vertreter auf das Podium, wie sie es bei einer &auml;hnlichen Veranstaltung zur Europawahl 2009 ebenfalls gehandhabt hatte.<\/p>\n<p>Die drei veranstaltenden Organisationen gestalteten je einen eigenen thematischen Abschnitt der Veranstaltung, mit Fragen zu spezielleren Themen. Dar&uuml;ber hinaus konnten sich die Zuh&ouml;rer mit eigenen Fragen einbringen. F&uuml;r den reibungslosen Ablauf sorgte als Moderator der Bonner Politologe Christoph L&ouml;venich.<\/p>\n<p>Auf Vorschlag der Humanistischen Union wurde zun&auml;chst das Thema Polizeirecht befasst. Bennet Krebs stellte die Forderungen der Organisation vor: Demokratisierung der Polizei durch Schaffung von unabh&auml;ngigen Polizeibeauftragten als Ansprechpartner f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung bei Beschwerden sowie den Verzicht auf den Einsatz privater Sicherheitsdienste zur Durchf&uuml;hrung polizeilicher Aufgaben.<\/p>\n<p>Alle auf dem Podium vertretenen Personen standen der Forderung nach unabh&auml;ngigen Polizeibeauftragten offen gegen&uuml;ber, waren aber zumeist der Meinung, dass dieses Instrument f&uuml;r eine Bek&auml;mpfung von Missst&auml;nden bei polizeilicher Arbeit nicht ausreiche. Von Gr&uuml;nberg forderte angesichts konkreter Vorf&auml;lle in der Vergangenheit auch eine Verbesserung der Ausbildung durch Problematisierung von Schwierigkeiten in M&auml;nnergesellschaften wie der Polizei. Block k&ouml;nnte sich auch andere Institutionen vorstellen um die Transparenz der Polizei zu verbessern, etwa eine Aufwertung bestehender Kreispolizeibeir&auml;te. Mit Horchert war er sich einig, das Polizisten im Einsatz durch individuelle Identifikationsnummern erkennbar sein sollten, besonders bei Demonstrationen und Gro&szlig;eins&auml;tzen h&auml;tte es in der Vergangenheit Kritik an polizeilichem Handeln gegeben. Kansy pl&auml;dierte daf&uuml;r, das positive Bild der Polizei nicht zu besch&auml;digen, wenngleich auch er einer Verbesserung von Transparenz und Beschwerdemanagement offen gegen&uuml;ber stand. Au&szlig;erdem habe die amtierende Landesregierung durch eine gro&szlig;z&uuml;gigere Personalpolitik schon f&uuml;r Verbesserungen bei der Polizei gesorgt. Die personelle Ausstattung nahm auch Dahl in den Blick, sah hier allerdings Anlass f&uuml;r Kritik. Der Druck, der durch mangelndes Personal und schlechte Arbeitsbedingungen auf den Beamten lastete, k&ouml;nnte sich durch &Uuml;berforderung und Fehlverhalten bei konkreten Eins&auml;tzen &auml;u&szlig;ern, hier sei also anzusetzen, so Dahl. Auch stimmte sie deshalb der zweiten Forderung nach Verzicht auf den Einsatz von privaten Sicherheitsdiensten zur Erledigung polizeilicher Aufgaben zu: Hier drohe zus&auml;tzlicher Druck auf Lohnniveau und Arbeitsbedingungen bei der Polizei. Auch die &uuml;brigen auf dem Podium vertretenen Kandidaten lehnten den Einsatz derartiger Sicherheitsdienste ab: Hoheitliche Aufgaben m&uuml;ssten durch staatliche Institutionen erledigt werden, waren sie sich einig.<\/p>\n<p>Was kann die Landespolitik zur St&auml;rkung des Datenschutzes der B&uuml;rger unternehmen? Dies war die Fragestellung des zweiten Themenblockes, zu dem Gabriele Pohl vom AK Vorratsdatenspeicherung die Forderungen ihrer Organisation vorstellte: W&auml;ren die Politiker bereit, den Grundsatz der Datensparsamkeit zur Pr&auml;misse ihrer jeweiligen Landespolitik zu erheben? Sollte im Rahmen des F&ouml;deralismus nicht die Landespolitik f&uuml;r eine Verteidigung des Datenschutzes der B&uuml;rger eintreten, angesichts einer Bundesverwaltung, die mehr und mehr Merkmale &uuml;ber ihre B&uuml;rger sammele, etwa im Zuge des neuen Bundesmelderegisters, das ohnehin &uuml;berfl&uuml;ssig sei, da die bisherige Verwaltung der Meldedaten als Sache der L&auml;nder ausreichend gewesen sei?<\/p>\n<p>Die Politiker reagierten insgesamt positiv auf diese Forderung, wiesen aber einstimmig darauf hin, dass es auch Handlungsbedarf angesichts umfangreicher werdender privatwirtschaftlicher Datensammlungen gebe.<\/p>\n<p>Kansy behauptete, mit der Frage des Datenschutzes sei eine Kernkompetenz seiner Partei angesprochen &#8211; eine Darstellung, der seine Podiumskollegen mit Hinweis auf die etwa von FDP-Innenminister Wolf versuchte Einf&uuml;hrung der so genannten Online-Durchsuchung widersprachen. Hinsichtlich neuer Ma&szlig;nahmen verwies Kansy auf die geplante Einf&uuml;hrung eines Gesetzes zur Erschwerung des privatwirtschaftlichen Sammelns von Daten &#8211; ein Ansatz, dem Horchert zustimmte: Das private Datensammeln m&uuml;sse durch die Kosten, die bei einem verbesserten Auskunftsrecht der B&uuml;rger entst&uuml;nden, so verteuert werden, dass sich die ungebremste Datensammlung und ihr Missbrauch nicht mehr lohnen. Von Gr&uuml;nberg stimmte der Kritik am Bundesmelderegister zu. Schleichend w&uuml;rden entsprechende Landeskompetenzen an den Bund &uuml;bertragen. Aus seiner T&auml;tigkeit beim Mieterbund berichtete er &uuml;ber eine Versch&auml;rfung des Scorings und anderer Praktiken insbesondere gegen Menschen, die &uuml;ber geringe Einkommen verf&uuml;gten. Diese Praxis von Banken, Wohneigent&uuml;mern und anderen Anbietern gef&auml;hrde die Freiheit ebenfalls in hohem Ma&szlig;e. Block versprach, er wolle sich im Landtag f&uuml;r eine Verbesserung der Mediendidaktik in Schulen einsetzen. Junge Menschen sollten zum vorsichtigeren Umgang mit dem Internet bef&auml;higt werden.<\/p>\n<p>Kontrovers wurde es bei der Frage nach dem Ankauf von Datens&auml;tzen mit gestohlenen Informationen &uuml;ber sogenannte &#8222;Steuers&uuml;nder&#8220;. Auch im Plenum schien hier das Meinungsbild geteilt. Block und Dahl verteidigten entsprechende Schritte in der Vergangenheit, wenn sie auch einr&auml;umten, dass der Kauf von geklauten Daten und somit der Handel mit Kriminellen seitens der Staates nicht zur Routine werden d&uuml;rfe. Kansy und Horchert lehnten entsprechende Aktionen mit Blick auf ihren Dammbruchcharakter und die Gefahr der Anstiftung zu weiteren Straftaten ab. Kansy erg&auml;nzte, dass auch das Bankgeheimnis st&auml;rker als Problem des Datenschutz diskutiert werden solle. Von Gr&uuml;nberg versuchte ein differenziertes Pl&auml;doyer: Wichtig sei, der Justiz die M&ouml;glichkeit zur G&uuml;terabw&auml;gung zu erhalten. &Uuml;ber die Verwendung entsprechender Datensammlungen sollten unabh&auml;ngige Gerichte im Einzelfall entscheiden.<\/p>\n<p>Skandale im Strafvollzug in NRW gab es in den letzten Jahren einige. Besonders tragisch stellte sich der vor wenigen Jahren geschehene &#8222;Foltermord&#8220; an einem Insassen der Jugendhaftanstalt in Siegburg da, der durch Zellengenossen begangen wurde. Dieses Ereignis, f&uuml;r das die amtierende Justizministerin bis heute die politische Verantwortung nicht &uuml;bernommen hat, wurde von Anni Pues, Vertreterin des Republikanischen Anwaltsvereins, als Hintergrund f&uuml;r ihre Einleitung zum Thema &#8222;Jugendstrafvollzug&#8220; gew&auml;hlt. Im Rahmen der F&ouml;deralismusreform seien dem Bundesland zus&auml;tzliche Kompetenzen bei der Ausgestaltung des Jugendstrafvollzugs zugefallen, die in Richtung einer humaneren Ausrichtung genutzt werden sollten. R&uuml;ckschrittlich sei die von der gegebenen Landtagsmehrheit vorgenommene Einf&uuml;hrung der M&ouml;glichkeit des Schusswaffengebrauches bei Fluchtversuchen auch im Jugendstrafvollzug. Allgemein schade Inhaftierung bei der Resozialisierung von Jugendlichen oftmals mehr, als das sie n&uuml;tze. Daher sollten Alternativen im Umgang mit jugendlichen Straft&auml;tern gest&auml;rkt werden.<\/p>\n<p>F&uuml;r mehr Pr&auml;vention von Jugendkriminalit&auml;t sprachen sich alle der auf dem Podium vertretenen Politiker aus. F&uuml;r Block schadet hier die mangelnde Finanzausstattung der Kommunen, die viele bestehende Pr&auml;ventionsprogramme gef&auml;hrde. Geschlossener Vollzug sei im Umgang mit jugendlichen Straft&auml;tern m&ouml;glichst zu vermeiden, Zukunftsperspektiven und soziale Kompetenzen st&auml;rker zu vermitteln. Von Gr&uuml;nberg konstatierte eine Explosion der Probleme im Bereich Jugendkriminalit&auml;t, die durch eine zunehmende Aufl&ouml;sung sozialer Strukturen versursacht werde. In seiner fr&uuml;heren Amtszeit als Landtagsabgeordneter habe er sich besonders gegen die zus&auml;tzliche Kriminalisierung von Roma-Kindern gewandt. Dahl versprach, sich gegen die angesprochene M&ouml;glichkeit des Schusswaffengebrauches im Jugendstrafvollzug einzusetzen, au&szlig;erdem m&uuml;ssten offene Formen des Strafvollzuges und psychologische Betreuung gest&auml;rkt werden. Horchert r&auml;umte ein, das Thema sei f&uuml;r ihn neu und sehr komplex; Haft im Jugendstrafvollzug f&uuml;hre zu einer h&ouml;heren R&uuml;ckf&auml;lligkeit als alternative Programme, entsprechend sollten bestehende Gesetze reformiert werden. Als Vertreter der Regierungspartei FDP zeigte sich Kansy von der M&ouml;glichkeit des Schusswaffengebrauches im Jugendstrafvollzug entsetzt, er wolle sich bei den Landtagsabgeordneten der FDP f&uuml;r eine &Auml;nderung der entsprechenden Passage einsetzen. Leider w&uuml;rden Jugendhaftanstalten auch in Zukunft eine Notwendigkeit darstellen, aber auch er sprach sich f&uuml;r eine st&auml;rker pr&auml;ventive Ausrichtung in diesem Bereich aus.<\/p>\n<p>Aus dem Plenum wurde daraufhin grunds&auml;tzlicher auf die Ursachen von Jugendkriminalit&auml;t hingewiesen: Diese seien auch in einer verfehlten, zu repressiven Drogenpolitik zu sehen. Eine Bestandsaufnahme der von Gr&uuml;nberg zustimmte: Die H&auml;lfte aller Straft&auml;ter sei aufgrund von Taten in Haft, die im Zusammenhang mit ihrem Drogenkonsum begangen wurden. Deshalb solle im Umgang mit harten Drogen auf Entkriminalisierung gesetzt werden, etwa durch die kontrollierte Abgabe von Heroin. In den Gef&auml;ngnissen neigten viele der wegen Beschaffungsdelikten Verurteilten dazu, in schwerwiegendere kriminelle Aktivit&auml;ten erst verwickelt zu werden. Horchert stimmte dieser Darstellung weitgehend zu, obwohl er auf die insgesamt kontinuierlich nachlassenden Verurteilungen aufgrund des Bet&auml;ubungsmittelgesetzes verwies; grunds&auml;tzlich trete er f&uuml;r eine weitgehende Liberalisierung in der Drogenpolitik ein. Dahl und Block wollten diese Forderung immerhin hinsichtlich der sogenannten &#8222;weichen Drogen&#8220; unterst&uuml;tzen, Cannabis\/Marihuana stellten geringere Risiken als legale Drogen wie Alkohol\/Nikotin dar.<\/p>\n<p>Insgesamt erm&ouml;glichte die Veranstaltung den interessierten Zuh&ouml;rern einen interessanten Einblick in die Programme der Parteien im Bereich der Innen- und Rechtspolitik dar. Somit war der Abend auch eine gelungene Entscheidungshilfe f&uuml;r die am 9. Mai 2010 stattfindende Landtagswahl.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":5962,"template":"","categories":[2634],"tags":[695],"autoren":[1612],"class_list":["post-14331","termin","type-termin","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-veranstaltungsberichte","tag-veranstaltungen-berichte","autoren-florian-beger"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>B\u00fcrgerrechte im Fokus - Diskussion mit Kandidaten zur Landtagswahl - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/veranstaltungsberichte\/2010\/buergerrechte-im-fokus-diskussion-mit-kandidaten-zur-landtagswahl\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"B\u00fcrgerrechte im Fokus - Diskussion mit Kandidaten zur Landtagswahl - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Podiumsdiskussion im Bonner Haus der Kirche am 28. 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