{"id":7046,"date":"2013-12-01T11:45:00","date_gmt":"2013-12-01T10:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/paedosexualitaet-und-sexualpolitik-der-parteien\/"},"modified":"2021-08-30T15:38:16","modified_gmt":"2021-08-30T13:38:16","slug":"paedosexualitaet-und-sexualpolitik-der-parteien","status":"publish","type":"thema","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/paedosexualitaet-und-sexualpolitik-der-parteien\/","title":{"rendered":"P\u00e4dosexualit\u00e4t und Sexualpolitik der Parteien"},"content":{"rendered":"<p>Monika Frommel<\/p>\n<p>Eine Debatte, bei der fast alle im Glashaus sitzen, sich aber dennoch gerne mit Steinen bewerfen<\/p>\n<p>aus: vorg&auml;nge Nr. 203 (3-2013), S. 111-120<\/p>\n<p><i>In den vergangenen Monaten wurde lebhaft &uuml;ber fr&uuml;here p&auml;dophile Forderungen aus den Reihen der Gr&uuml;nen (und mit etwas Abstand auch der FDP) debattiert. In der Kritik stand vor allem die teilweise geforderte Freigabe sexueller Kontakte von Erwachsenen mit Kindern. Derartige Forderungen tauchten in den 1970er\/1980er Jahren in zahlreichen Bewegungen und Organisationen auf &ndash; nicht zuletzt auch in der Humanistischen Union, die sich seit l&auml;ngerem und immer wieder mit entsprechenden Vorw&uuml;rfen auseinandersetzen musste, sie habe einst P&auml;dophilie verharmlost.<\/i><\/p>\n<p><i>Die Gr&uuml;nen beauftragten im Fr&uuml;hsommer das G&ouml;ttinger Institut f&uuml;r Demokratieforschung um Prof. Dr. Franz Walter mit der Untersuchung ihrer eigenen sowie der Geschichte ihres Umfelds. Obwohl die Untersuchung &uuml;ber &bdquo;Umfang, Kontext und die Auswirkungen p&auml;dophiler Forderungen in den Milieus der Neuen Sozialen Bewegung \/ Gr&uuml;nen&ldquo; erst im Dezember einen Zwischenbericht vorlegte, pr&auml;gten die Vorabver&ouml;ffentlichungen der Forscher nachhaltig den Bundestagswahlkampf und das Wahlergebnis.<\/i><\/p>\n<p><i>In diese Debatte schaltet sich die Strafrechtlerin Monika Frommel mit dem folgenden Beitrag ein. Sie kritisiert seit Jahren den falsch verstandenen Liberalismus, der allein auf eine Enttabuisierung sexueller Beziehungen gerichtet ist und in dessen Schlepptau p&auml;dophile Forderungen salonf&auml;hig wurden. Ihre Kritik zielt jedoch auch darauf, dass der Gesetzgeber selbst zur unheilvollen Verquickung von Homosexuellen- und P&auml;dophilenbefreiung beitrug, indem er Schwulen eine latente P&auml;dophilie unterstellte. Zugleich warnt die Kriminologin davor, die P&auml;dophilie-Bef&uuml;rworter_innen zum Popanz aufzubauen. Nicht nur, dass derlei Argumentationen inzwischen in Gesellschaft und Wissenschaft verp&ouml;nt sind; f&uuml;r einen aktiven Schutz der Opfer bzw. eine wirksame Pr&auml;vention sei die Fokussierung auf P&auml;dophile ungeeignet, da der sexuelle Missbrauch an Kindern mehrheitlich von anderen T&auml;ter_innen begangen wird.<\/i><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"freie-sexualitaet-ein-traum-um-1900\">&bdquo;Freie Sexualit&auml;t&ldquo; &ndash; ein Traum um 1900 <\/span><\/h2>\n<p>Vor &uuml;ber 100 Jahren tr&auml;umte eine Avantgarde von Exzentrikern und Individualisten den Traum von der freien Liebe. Homosexualit&auml;t wurde fraglos akzeptiert und in gewissen Grenzen auch die &bdquo;Knabenliebe&ldquo; toleriert, da sie in diesen Kreisen als harmlos galt. Begriffe wie &bdquo;Unzucht&ldquo; waren abgeschafft. Zwischen Homosexualit&auml;t, P&auml;dophilie und Ephebophilie (Fixierung von M&auml;nnern auf sehr junge, gerade geschlechtsreife m&auml;nnliche Sexualpartner) wurde nicht unterschieden; eine Unsch&auml;rfe, die zwar f&uuml;r die damalige Zeit typisch war und auch dem damaligen Erkenntnisstand entsprach, welche aber folgenreich sein sollte. Sie wird das kollektive Ged&auml;chtnis f&uuml;r fast ein Jahrhundert pr&auml;gen. Selbst der Kinsey-Report unterschied 1948 &ndash; immerhin ein halbes Jahrhundert sp&auml;ter &ndash; nicht zwischen diesen grundverschiedenen sexuellen Orientierungen und stufte jede Form der &bdquo;Homosexualit&auml;t&ldquo; als &bdquo;Krankheit&ldquo; ein. Erst 1973 gab die Amerikanische Psychiatervereinigung (American Psychiatric Association) jahrelangem Druck nach und strich Homosexualit&auml;t aus der Diagnoseliste psychischer St&ouml;rungen. Aber es gab nach wie vor sog. Reorientierungstherapien. Zudem f&uuml;rchtete man die &bdquo;Ansteckungsgefahr&ldquo; beim Sex erwachsener M&auml;nner mit Jungen. Das sah auch der deutsche Gesetzgeber so, er stellte diesen Austausch nach 1973 und bis 1993 gesondert im reformierten &sect;&nbsp;175 StGB unter Strafe. Damit wurde Homosexuellen unterstellt, auch p&auml;dosexuell zu sein.<\/p>\n<p>Wer sich wundert, wieso Psychiater damals noch so beschr&auml;nkt sein konnten, sollte bedenken, dass Homophobie eben nicht auf Laien beschr&auml;nkt war, sondern alle Professionen erfasst hatte und geradezu ein Merkmal der hinter uns liegenden patriarchalen Kultur war. Ohne die Borniertheit konservativer Kr&auml;fte h&auml;tte es keiner &bdquo;Befreiungsrituale&ldquo; bedurft. Homosexuelle h&auml;tten nicht ein Jahrhundert um Anerkennung k&auml;mpfen m&uuml;ssen, und P&auml;dophile h&auml;tten sich nicht geschickt hinter der Homosexuellenbewegung verstecken k&ouml;nnen. Ihr Slogan lautete bis in die 1990er Jahre &bdquo;Weg mit dem &sect;&nbsp;175 StGB&ldquo;. Aktivisten aus der P&auml;dophilenszene erg&auml;nzten einfach: &bdquo;Weg mit den Schutzaltersgrenzen&ldquo; &ndash; und schon waren sie mit im Boot.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"paedophilenpropaganda-1960-1985\">P&auml;dophi&shy;len&shy;pro&shy;pa&shy;ganda 1960 &ndash; 1985<\/span><\/h2>\n<p>Eigentlich h&auml;tten die Sexualwissenschaften fr&uuml;h wissen k&ouml;nnen, dass die P&auml;dophilenpropaganda vom angeblich &bdquo;gewaltlosen&ldquo; und freiwilligen Sex mit Kindern falsch war. Aber sie befassten sich erst sehr sp&auml;t mit diesem Thema und dann auch nur vereinzelt. Sophinette Becker, die ehemalige Leiterin der Frankfurter sexualwissenschaftlichen Ambulanz, schilderte 1989 die Atmosph&auml;re der Reformdebatte der 1960er und 1970er Jahre:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"bodytext\"><i>&bdquo;Der Sonderausschu&szlig; zur Reform des Sexualstrafrechts (1970), der zu allen Fragen viele Sachverst&auml;ndige einlud, bem&uuml;hte sich um einen nicht von Affekten geleiteten Umgang &#8211; auch mit dem Thema Sexualit&auml;t mit Kindern &#8211; und bat die Experten deshalb, sich nicht nach allgemeiner Anschauung sondern empirisch begr&uuml;ndet unter anderem zu folgenden Fragen zu &auml;u&szlig;ern: Welche Wirkungen sind bei einem Kind bis zu 14 Jahren von sexuellen Handlungen eines anderen an dem Kind oder vor dem Kind zu erwarten, und welche Wirkungen sind bei einem Kind von dem Strafverfahren wegen eines solchen Vorganges zu erwarten? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines dauerhaften Schadens? Die Mehrheit der befragten Experten (Sexualwissenschaftler, Psychiater, Kinderpsychiater, Psychoanalytiker u.a.) verneinte (soweit empirisch feststellbar) psychische Dauersch&auml;den als isolierte, linear-kausale Folge nicht gewaltsamer sexueller Handlungen. (Das mag Sie heute wundern.) Sie betonten den Kontext, das Beziehungsgef&uuml;ge, in dem solche Handlungen geschehen, und die Reaktion der Umgebung, was f&uuml;r viele der damals angezeigten F&auml;lle auch wichtig war. Auch heute, obwohl wir manches anders bewerten, ist es immer gef&auml;hrlich, wenn man die sexuelle Handlung oder den sexuellen Akt losl&ouml;st von dem Beziehungsgeschehen und dem sozialen Kontext. Offensichtlich &auml;u&szlig;erten sich die damals befragten Experten nicht zu l&auml;ngeren Beziehungen. Es ging also weder um chronischen, langen inzestu&ouml;sen Mi&szlig;brauch in der Familie noch um l&auml;ngere p&auml;dophile Beziehungen.&ldquo;(1)<\/i><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Sophinette Becker berichtet auch, dass in dieser Anh&ouml;rung der Sexualwissenschaftler und Forensiker Eberhard Schorsch u.a. folgenden Satz pr&auml;gte: &bdquo;Ein gesundes Kind in einer gesunden Umgebung verarbeitet nichtgewaltt&auml;tige sexuelle Erlebnisse ohne negative Dauerfolgen.&ldquo;(2)<\/p>\n<p>Dieser Ansatz kann als klassisch gelten f&uuml;r zwei Jahrzehnte. Zwar distanzierte sich Schorsch sp&auml;ter von solch unkritischen &Auml;u&szlig;erungen. Aber auch seine Wandlung ist typisch f&uuml;r fast alle, die an diesen Debatten teilgenommen haben. Michael Baurmann etwa, ein vom Bundeskriminalamt beauftragter und sp&auml;ter dort t&auml;tiger Psychologe, &auml;u&szlig;erte sich 1977 noch in diesem Sinn und fragte: &bdquo;Welche Sch&auml;den treten bei minderj&auml;hrigen Sexualopfern auf?&ldquo; Da diese im klinischen Sinne nicht nachweisbar seien, warnte er vor der Aufbauschung einzelner Missbrauchsf&auml;llen durch die Medien: &bdquo;Das ist gef&auml;hrlich, denn sie k&ouml;nnen zu &uuml;bertriebenen Reaktionen bei Eltern, Kindern und Gesetzgebern f&uuml;hren.&ldquo; Ein Gro&szlig;teil der als anst&ouml;&szlig;ig empfundenen Beziehungen sei vielmehr &bdquo;einvernehmlicher Natur&ldquo;, erst das soziale Umfeld mache die Beziehung zum &bdquo;Missbrauch&ldquo; und lasse Sekund&auml;rsch&auml;den entstehen. Daher pl&auml;dierte er 1977 f&uuml;r die Abschaffung des Schutzalters im damals geltenden &sect;&nbsp;175 StGB (18 Jahre).<\/p>\n<p>Ein Jahrzehnt sp&auml;ter&nbsp; klingt bereits ein anderer Ton an. In Band 15 der BKA-Forschungsreihe (&bdquo;Sexualit&auml;t, Gewalt und die Folgen f&uuml;r das Opfer &ndash; zusammengefasste Ergebnisse aus einer L&auml;ngsschnittuntersuchung bei Opfern von angezeigten Sexualkontakten&ldquo;) geht es um die Verbesserung der opferorientierten Pr&auml;vention. Das Paradigma hatte gewechselt. Nicht &bdquo;Reform des Strafrechts&ldquo;, sondern &bdquo;Opferschutz&ldquo; pr&auml;gt seitdem die Sexualpolitik aller Parteien.<\/p>\n<p>Auch Homophobie ist kein Thema mehr f&uuml;r kontroverse Debatten. 1993 wurde mit &sect;&nbsp;182 StGB eine geschlechtsunspezifische Jugendschutznorm (mit abgestuften Schutzaltersgrenzen) geschaffen. Im Vordergrund steht nicht mehr die Sorge vor einer &bdquo;Ansteckungsgefahr&ldquo; beim zu fr&uuml;hen homosexuellen Kontakt, sondern die Sorge vor sexuellem Missbrauch. P&auml;dophile gelten nun als &auml;u&szlig;erst &bdquo;gef&auml;hrliche&ldquo; Wiederholungst&auml;ter. Zwar wissen Sachverst&auml;ndige, dass die meisten P&auml;dophilen sexuell passiv sind, aber sie betonen das Risiko. Verdr&auml;ngt wird allerdings in den aktuellen rechtspolitischen Debatten, dass die meisten Kinder nicht von P&auml;dophilen missbraucht werden, sondern von problematischen T&auml;tern, die in ihrem Begehren gerade nicht auf Kinder fixiert sind. Diese T&auml;ter haben lediglich gelernt, die Kinder als Ersatz&rsquo;objekte&rsquo; zu missbrauchen. Sie haben Routinen entwickelt, Kinder einzusch&uuml;chtern und ihre Umwelt zu t&auml;uschen. Oft f&uuml;hren sie ein &auml;u&szlig;erlich unauff&auml;lliges Leben, sind also nicht p&auml;dophil, sondern &ndash; wenn man so will &ndash; normale Kriminelle in allen Schattierungen, welche die Kriminologie kennt.<\/p>\n<p>Leider haben die Psychowissenschaften in der Vergangenheit keine &uuml;berzeugende Rolle gespielt bei der Kl&auml;rung der komplexen Zusammenh&auml;nge von Missbrauch und P&auml;dophilie. Zwar verf&uuml;gten sie bereits in den 1960er Jahren &uuml;ber das n&ouml;tige Wissen. Ihre Erkenntnisse zum Thema P&auml;dosexualit&auml;t wurden jedoch nicht so publiziert, dass Rechtspolitiker in der Reformphase der 1960er\/1970er Jahre angemessen darauf reagieren konnten. So unterstellten die befragten Sachverst&auml;ndigen immer wieder, die rechtspolitische Frage nach empirisch nachweisbaren psychischen Dauersch&auml;den sei relevant &#8211; anstatt sie zu relativieren. Denn entscheidendes Kriterium ist nicht der psychische Dauerschaden, sondern die Freiheit vor sexueller Fremdbestimmung. Es geht nicht um die Abwehr von sozialen Sch&auml;den, sondern um die Garantie der Rechte aller Kinder und Jugendlicher. Falsche Fragen provozieren falsche Antworten.<\/p>\n<p>Bereits 1932 hatte Sandor Ferenczi an die &bdquo;Sprachverwirrung&ldquo; zwischen Erwachsenen und Kindern erinnert. Kinder wollen &bdquo;Z&auml;rtlichkeit&ldquo; &#8211; P&auml;dophile missverstehen dies bewusst. Sie assoziieren &bdquo;Leidenschaft&ldquo; und antworten auf eine Weise, die f&uuml;r das Kind destruktiv ist. Erst ein halbes Jahrhundert sp&auml;ter, im Jahre 1987, erkl&auml;rte Martin Dannecker im Disput mit R&uuml;diger Lautmann(3) (1980 und dann wieder 1994) einem interessierten Publikum, dass das Schicksal eines P&auml;dophilen tragisch sei, weil seine &bdquo;Therapie&ldquo; nur ein Verzicht auf seine Sexualit&auml;t sein k&ouml;nne. Entweder mache er sich schuldig (und zwar auch ohne ein entsprechendes Strafgesetz) oder er lebe sexuell enthaltsam. P&auml;dophilie sei ein bitteres Schicksal.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"paedophilenpropaganda-bei-den-gruenen\">P&auml;dophi&shy;len&shy;pro&shy;pa&shy;ganda bei den Gr&uuml;nen<\/span><\/h2>\n<p>Dannecker nahm damit einen Ball auf, den kurz zuvor schon G&uuml;nther Amendt geworfen hatte, und zwar angesichts der unertr&auml;glichen P&auml;dophilenpropaganda, die insbesondere auf dem Gr&uuml;nen Parteitag 1980 in Karlsruhe schrill und un&uuml;berh&ouml;rbar geworden war. F&uuml;r eine sehr kurze Zeit (1980) kooperierte G&uuml;nther Amendt daher mit Alice Schwarzer und den beginnenden feministischen Kampagnen, um zumindest diese absurde Propaganda abzuwehren. Aber er sah schnell, dass auch Alice Schwarzer das Thema instrumentalisieren wollte.(4) Alice Schwarzer hatte nicht prim&auml;r das Wohl der Kinder im Blick, sondern die Best&auml;tigung der eigenen Position am besonders guten Beispiel: Kinder sind nun einmal unschuldige Opfer. So konnte in der P&auml;dophilenfrage die These von der r&uuml;cksichtslosen dominanten m&auml;nnlichen Sexualit&auml;t und ihrem Streben nach Herrschaft &uuml;ber Ungleiche besonders anschaulich gemacht werden. Eine differenzierte Analyse oder gar eine realistische Pr&auml;vention ist aber auf dieser Basis nicht m&ouml;glich. Auch diese Sicht neigt zu bizarren Forderungen. Zum einen werden Prostituierte infantilisiert und zwar pauschal als &bdquo;Ungleiche&ldquo;, Personen also, die kein Gewerbe aus&uuml;ben, sondern die &bdquo;ausgebeutet&ldquo; werden. &bdquo;Ausbeutung&ldquo; soll danach schon in der Kommerzialisierung der eigenen Sexualit&auml;t liegen, eine geradezu aberwitzige Schlussfolgerung. Zum anderen wird seit etwa einem Jahrzehnt versucht, den juristischen Begriff des Kindes als &bdquo;Person unter 18 Jahren&ldquo; zu definieren, um ein fl&auml;chendeckend hohes Schutzalter in der Europ&auml;ischen Union zu etablieren. Dieser Strategie kann man nicht mehr Homophobie vorwerfen, aber unter der Flagge des &bdquo;Kinderschutzes&ldquo; wird die Infantilisierung der Gesellschaft angestrebt. Im Glashaus sitzen also auch Feministinnen. Zwar wollen die aktuellen ideologischen Konstruktionen als fortschrittlich gelten. Das sind sie aber schon lange nicht mehr.<\/p>\n<p>Blicken wir zur&uuml;ck. Was war los auf dem Parteitag der Gr&uuml;nen in Karlsruhe 1980? Die damals noch in Aufbruchstimmung befindlichen Gr&uuml;nen wurden unvorbereitet &uuml;berrascht. Schrill t&ouml;nten die sog. Stadtindianer und forderten Anerkennung f&uuml;r inzestu&ouml;se P&auml;dosexualit&auml;t. Die Delegierten wussten nicht, wie sie reagieren sollten, lie&szlig;en sich &uuml;berrumpeln und verabschiedeten nach f&uuml;nf turbulenten Stunden den neuen Programmteil &bdquo;Sexualit&auml;t und Herrschaft&ldquo;.(5) Er war &auml;u&szlig;erst ambivalent. Zwar sprachen sich die Gr&uuml;nen selbst in diesem blamablen Papier f&uuml;r eine Schutzaltersgrenze von 14 Jahren aus, verwahrten sich aber zugleich &bdquo;gegen die herrschende Doppelmoral, die sexuelle Minderheiten unter Sondergesetze stellt bzw. kriminalisiert und gleichzeitig die &sbquo;gew&ouml;hnliche&lsquo; Gewalt gegen&uuml;ber Kindern &#8211; insbesondere gegen&uuml;ber M&auml;dchen &#8211; permanent verharmlost.&ldquo;&nbsp; Damit war ein Topos gesetzt, der sich auch an anderer Stelle und in anderen Zirkeln finden wird, n&auml;mlich die Propaganda von der angeblich einverst&auml;ndlichen, weil &bdquo;gewaltfreien&ldquo; Sexualit&auml;t zwischen Erwachsenen und Kindern. Zwar nahm so eine These in den 1990er Jahren niemand mehr ernst, aber die bizarre Forderung war immerhin zehn Jahre lang diskutabel.<\/p>\n<p>Erst 2004 bis 2006 &auml;nderte sich der Ton. Unter dem Namen &bdquo;Verantwortung f&uuml;r Kinder&ldquo; meldete sich die Initiative einer p&auml;dophilen Selbsthilfegruppe zu Wort, welche sich zu ihrer Neigung bekannte und sexuelle Kontakte ablehnte.<\/p>\n<p>Einsicht in die tragische Veranlagung ist Voraussetzung f&uuml;r eine Verhaltenstherapie. Mittlerweile gibt es Erfahrungen, was P&auml;dophile tun k&ouml;nnen. 2005 etablierte die Charit&eacute; in Berlin das Projekt &bdquo;Kein T&auml;ter werden&ldquo; unter der Leitung von Klaus Michael Beier. Folgeprojekte wurden geplant und gegr&uuml;ndet, aber bei der Finanzierung haperte es. So verweigerte die medizinische Fakult&auml;t der Universit&auml;tsklinik in Kiel dem Sexualwissenschaftler Dr. med. Hartmut Bosinski die n&ouml;tige Ausstattung. Auch Sophinette Becker in Frankfurt scheiterte an der Engstirnigkeit der dortigen Verantwortlichen. Man emp&ouml;rt sich gerne, finanziert aber nicht die Pr&auml;ventionsprojekte. Eigentlich m&uuml;ssten diese fl&auml;chendeckend in Deutschland angeboten und finanziert werden. Die Polizei m&uuml;sste informiert sein und Verd&auml;chtige auf diese Projekte aufmerksam machen. Stattdessen hat <a href=\"http:\/\/www.kein-t%C3%A4ter-werden.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.kein-t&auml;ter-werden.de<\/a> noch immer Projektcharakter. Wer also irgendjemanden kritisiert, weil er P&auml;dophilie bagatellisiere, frage sich, ob Emp&ouml;rungspolitik sinnvoll ist. W&auml;ren Konservative wirklich am Kinderschutz interessiert, dann h&auml;tten sie l&auml;ngst daf&uuml;r gesorgt, dass es ein fl&auml;chendeckendes Angebot an geeigneten Initiativen gibt.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"das-ende-der-paedophilen-propaganda-in-den-1990er-jahren\">Das Ende der p&auml;dophilen Propaganda in den 1990er Jahren<\/span><\/h2>\n<p>In den 1970er und 1980er Jahren konnten sich P&auml;dophile im Windschatten der Schwulenbewegung organisieren und darauf hoffen &ndash; nicht ganz ohne Aussicht auf Erfolg &ndash;, dass sie unter dem Dach der Antidiskriminierungsbewegung als ausgegrenzte Minderheit anerkannt werden. 1993 &auml;nderten sich die Rahmenbedingungen: &sect; 175 StGB wurde abgeschafft und durch den weithin unbekannten &sect; 182 StGB ersetzt; eine geschlechtsunspezifische Jugendschutznorm (Schutzaltersgrenze 18 Jahre). Die Vertreter der ehemaligen DDR hatten im Einigungsvertrag darauf gedr&auml;ngt, ihre alte sozialistische Forderung zumindest vordergr&uuml;ndig zu erf&uuml;llen. Zwar wurde die neue Jugendschutznorm so gut wie nie angewandt, weil sie immer hinter spezielle Normen zur&uuml;ck tritt, also lediglich ein weit gefasster Auffangtatbestand ist. Aber der &sect; 182 StGB erf&uuml;llt die alte Forderung &bdquo;Weg mit dem &sect; 175 StGB!&ldquo; Jugendschutz und Opferschutz sind nun wichtige Forderungen aller Parteien.<\/p>\n<p>Der ehemalige FDP-Politiker Verheugen hat also recht, wenn er sich (mit Erkl&auml;rung vom 13.8.2013) gegen die h&ouml;hnische Retourkutsche im Zwischenbericht des Parteiforschers Franz Walter (12.8.2013) wendet. Der behauptet &ndash; wahrheitswidrig -, auch die FDP habe so ihre dunkle p&auml;dophile Seite. Als Partei hat sie dieses Problem nicht. Zwar wurde auch innerhalb der FDP die Streichung des &sect;&nbsp;175 diskutiert. Aber selbst diejenigen, welche vor 1992 die ersatzlose Streichung des &sect;&nbsp;175 StGB gefordert haben, redeten &uuml;ber die Diskriminierung und Verfolgung von Homosexuellen und nicht &uuml;ber P&auml;dophilie; denn Kinder und Jugendliche waren immer schon und sind auch heute noch &uuml;ber die &sect;&sect;&nbsp;176 (Kinder) und 174 ff. StGB (Jugendliche) erfasst. Vor 1993 hatten also nur solche Gruppen den Kinderschutz attackiert, die bewusst eine damals noch wahrnehmbare P&auml;dophilenpropaganda unterst&uuml;tzen wollten. Wenn sie damit zumindest vor&uuml;bergehend kleine Teilerfolge hatten, dann nur deswegen, weil viele Reformwillige unaufmerksam waren und im &Uuml;berschwang ihrer Ideen unklar blieben. Eigentlich war P&auml;dophilie immer ein singul&auml;res Ph&auml;nomen. Interessant ist lediglich, dass sich heute alle emp&ouml;ren, w&auml;hrend dieselben ideologischen Lager fr&uuml;her unaufmerksam waren.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"wie-argumentierten-die-juristen-in-den-1960-80er-jahren\">Wie argumen&shy;tierten die Juristen in den 1960 &ndash; 80er Jahren?<\/span><\/h2>\n<p>Die juristischen Begr&uuml;ndungen f&uuml;r die Kinder- und Jugendschutznormen im Strafrecht waren und sind auch heute noch bemerkenswert unklar, wenn man etwa in strafrechtliche Kommentare schaut.(6) Die sexuelle Entwicklung von Kindern (und Jugendlichen in bestimmten Abh&auml;ngigkeitsverh&auml;ltnissen) solle &bdquo;frei&ldquo; gehalten werden von sexuellen Einfl&uuml;ssen, liest man. Wer nur ein wenig &uuml;ber Psychoanalyse gelesen und sich f&uuml;r Sexualp&auml;dagogik interessierte, konnte und kann &uuml;ber diese nebul&ouml;sen Formeln nur staunen. Sie provozieren geradezu ideologische Scheindebatten. Immerhin: im Kern war es weder unter Juristen noch in der praktischen Politik jemals streitig, dass Schutzaltersgrenzen sinnvoll sind. Strittig ist das &sbquo;wie&rsquo;. Fordert man mit den Gremien der EU, dass jede Person unter 18 Jahren als Kind einzustufen sei, dann zeigt sich an diesem Beispiel, dass sich die Fronten l&auml;ngst gedreht haben. Liberale Errungenschaften m&uuml;ssen wieder verteidigt werden. Es droht eine moralisierende Ideologie, welche &bdquo;Opferschutz&ldquo; sagt und eine verklemmte Sexualmoral meint.<\/p>\n<p>So gesehen sollten alle Diskutanten die Steine behalten, da sie alle im Glashaus sitzen. Unstreitig m&uuml;ssen Kinder (ein realistisches Schutzalter w&auml;re 12 Jahre) absolut gesch&uuml;tzt werden, 12-14j&auml;hrige bed&uuml;rfen eines starken Schutzes, Aber die Phase zwischen 15 und 18 Jahre bleibt schwierig. Es ist ein mit strafrechtlichen Mitteln unl&ouml;sbares Dilemma, dass sie als sexuelle Subjekte zwar das Recht haben sich zu entfalten, zugleich aber noch nicht die Reife und Erfahrung, die n&ouml;tig w&auml;re, um tats&auml;chlich nur das auszuleben, was ihnen zutr&auml;glich ist. Freiwilligkeit war und ist daher immer noch eine schwer l&ouml;sbare Forderung, die unabh&auml;ngig von P&auml;dophilie und Ephebophilie ein Dauerbrenner bleiben wird.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"muessen-wir-uns-heute-noch-von-einer-paedophilenpropaganda-abgrenzen\">M&uuml;ssen wir uns heute noch von einer P&auml;dophi&shy;len&shy;pro&shy;pa&shy;ganda abgrenzen?<\/span><\/h2>\n<p>Wer sich die moderne Opferschutzdebatten anschaut, muss zugeben, dass die P&auml;dophilenpropaganda seit mehr als zwei Jahrzehnten gescheitert ist. Sie war nur in den 1960-1980er Jahren wahrnehmbar und trat damals in zwei Versionen auf. Einer Verf&uuml;hrungsthese (plausibel nur bei Ephebophilen, also den an 15-16j&auml;hrigen jungen M&auml;nnern Interessierten) bzw. dem Lolita-Syndrom. Immerhin: Verf&uuml;hrungsthesen sind Juristen nicht ganz fremd. Sie haben sie vor der Reform des Sexualstrafrechts seit den 1990er Jahren verwendet, um bei manchen T&auml;tern von Strafe abzusehen, weil ihre Schuld &ndash; angesichts der Aktivit&auml;ten der jugendlichen Sexualpartner &#8211; gering gewesen sei. Rechtspolitisch tauchten nur bis Mitte der 1980er Jahre Formeln wie die folgende auf: Freiheit f&uuml;r &bdquo;Sexualit&auml;t und Z&auml;rtlichkeit &ndash; gleich zwischen welchen Partnern &ndash; solange sie auf gegenseitiger Freiwilligkeit beruht&ldquo;. Ein solcher Antrag wurde 1975 auf der Delegiertenkonferenz der HU gestellt, allerdings nicht beschlossen. Die HU tat sich damals noch schwer, klar zu formulieren, dass dies eine inakzeptable Propaganda war. Man zog sich zur&uuml;ck und wartete ab.<\/p>\n<p>Eine p&auml;dophile Propaganda konnte sich nur in einer Atmosph&auml;re ausbreiten, in der &bdquo;sexuelle Befreiung&ldquo; und nicht &bdquo;Kampf gegen Gewalt gegen Frauen&ldquo; oder Pr&auml;vention gegen jede Form des &bdquo;Missbrauchs von Kindern und Abh&auml;ngigen&ldquo; den rechtspolitischen Diskurs als Teil einer gro&szlig;en Befreiungsbewegung stilisieren konnte. Jan Feddersen schilderte bereits in der TAZ vom 2.2.2011, dass Schwulsein erst in den sp&auml;ten 1990er Jahren allm&auml;hlich akzeptiert wurde. Im z&auml;hen Kampf gegen Homophobie aber gedieh eine absurde &bdquo;linke Logik&ldquo;, die &#8211; wie Jan Feddersen schreibt &#8211; lautete: &bdquo;Schl&auml;gt man die P&auml;dos, &hellip; werden auch die Homos bald in die Kn&auml;ste gesteckt. Eine Denkweise, die wenigstens eine milde Form von Verfolgungswahn umrei&szlig;t.&ldquo; Auch den Zwischenbericht von Franz Walter (13.8.2013) kommentiert er in diesem Sinne. Die Furcht vor Homophobie habe 1980 noch einen sozialen Hintergrund gehabt, welcher es aktiven Homosexuellen schwer machte, sich zu distanzieren. Diese Hemmung habe P&auml;dophile motiviert, sich als B&uuml;ndnispartner anzubieten.(7)<\/p>\n<p>Heute dominiert hingegen eine Opferperspektive, welche es einer emp&ouml;rungsbereiten &Ouml;ffentlichkeit sehr leicht macht zu glauben, man k&ouml;nne die Probleme rein normativ l&ouml;sen. Die meisten Kinder, die missbraucht werden, leiden nicht unter P&auml;derasten, sondern unter T&auml;tern, welche Kinder als Ersatz&rsquo;objekte&rsquo; missbrauchen. Sie haben &ndash; wie alle &bdquo;erfolgreichen&ldquo; Kriminellen &ndash; gelernt, Gelegenheiten zu suchen, sie auszunutzen und Kinder einzusch&uuml;chtern. Hier kann nur eine aufmerksame vernetzte Pr&auml;vention weiter helfen. Dies geschieht auch. So gesehen war die Sexualpolitik der letzten Jahre erfolgreich. Man kann das zum einen sehen an den steigenden Zahlen der Kinder, welche in Obhut genommen werden, und umgekehrt an den sinkenden Zahlen der polizeilichen Registrierung von Missbrauchsf&auml;llen. Verharmlosung von P&auml;dophilie ist heute keine Gefahr mehr. Sie sollte auch nicht an die Wand gemalt werden, um wechselseitige Vorw&uuml;rfe zu motivieren. Aktuell ist jede Form von Emp&ouml;rungspolitik eher sch&auml;dlich.(8)<\/p>\n<p><i><b>PROF. DR. MONIKA FROMMEL&nbsp;<\/b>&nbsp; Jahrgang 1946, ist promovierte Rechtswissenschaftlerin und habilitierte 1986 mit einer Untersuchung &uuml;ber &bdquo;Pr&auml;ventionsmodelle in der deutschen Strafzweck-Diskussion&ldquo;. Nach einer Professur f&uuml;r Rechtsphilosophie und Strafrecht an der Universit&auml;t in Frankfurt am Main (1988 &#8211; 1992) erfolgte 1992 der Ruf an die Kieler Christian-Albrechts-Universit&auml;t, wo sie bis zu ihrer Emeritierung im September 2011 das Institut f&uuml;r Sanktionenrecht und Kriminologie leitete. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten geh&ouml;ren die Kriminologie aus feministischer Perspektive sowie das Sexualstrafrecht. Frommel ist Mitherausgeberin der Zeitschrift Neue Kriminalpolitik und Mitglied im Beirat der Zeitschrift Kritische Justiz sowie der Humanistischen Union.<\/i><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen:<\/span><\/h2>\n<p>(1) Becker, Sophinette (1997), P&auml;dophilie zwischen D&auml;monisierung und Verharmlosung, in: Werkblatt &#8211; Zeitschrift f&uuml;r Psychoanalyse und Gesellschaftskritik Nr. 38 (1\/1997), S. 5-21, abrufbar unter <a href=\"http:\/\/www.werkblatt.at.\/archiv\/38becker.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.werkblatt.at.\/archiv\/38becker.html<\/a>.<\/p>\n<p>(2) Schorsch, Eberhard (1970): Stellungnahme in: Der Deutsche Bundestag, 6. Wahlperiode, Stenographischer Dienst: 28., 29. und 30. Sitzung des Sonderausschusses f&uuml;r Strafrechtsreform, Bonn 23.,24. und 25.11.1970, S. 981 ff.<\/p>\n<p>(3) 1980 publizierte dieser in der Zeitschrift f&uuml;r Rechtspolitik &uuml;ber &bdquo;opferlose Delikte&ldquo;. Erstaunlich ist aber, dass er bis heute an seiner Doktrin festh&auml;lt. 1994 schloss er ein DFG-Projekt ab mit dem Titel &bdquo;die Lust am Kinde&ldquo;. Die Studie war Anlass f&uuml;r Aufregung und Missbilligung. Aber er wollte offenbar nicht zur Kl&auml;rung beitragen, sondern zuspitzen und die knappe Ressource &bdquo;Aufmerksamkeit&ldquo; nutzen.<\/p>\n<p>(4) Amendt 1984, zitiert nach Sophinette Becker (1997), s. Anm. 1.<\/p>\n<p>(5) F&uuml;nf Jahre sp&auml;ter wiederholt sich der Spuk in Niedersachsen, vgl. hierzu den gleichnamigen Artikel von B&ouml;llinger in Kritische Justiz 1986, S. 90-101, der mit der bemerkenswerten These endet: man k&ouml;nne die militante Verdr&auml;ngung der p&auml;dophilen Anteile der menschlichen Sexualit&auml;t nicht mit einer militanten Entsublimierung beantworten.<\/p>\n<p>(6) Gesch&uuml;tzt werde &bdquo;die ungest&ouml;rte sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen (so noch BGHSt 46, 85, 87; BGH NStZ 2001 194; BGH NJW 1995 2234, 2235; Fischer &sect; 174 Rn. 2); Freihalten bestimmter schutzw&uuml;rdiger Beziehungen von sexuellen Einfl&uuml;ssen, um ihrer sozialen Funktion Willen (BGH NStZ 2001 194)&ldquo; (Lenckner\/Perron\/Eisele in der 28. Auflage des Sch-Sch zu &sect; 174 StGB, 2010). Frommel (&sect; 174 StGB im Nomos-Kommentar,3. Aufl.2010) und H&ouml;rnle (vor &sect; 174 StGB Rn. 34 des Leipziger Kommentars, 12. Aufl. 2009) kritisieren zwar diese formelhafte Rechtsgutsbestimmung mit dem Argument, dass sexuelle Erfahrungen nun einmal zur Pers&ouml;nlichkeitsentwicklung von Jugendlichen dazu geh&ouml;ren. Es mache daher kein Sinn den Normzweck so zu bestimmen, als sei es sinnvoll, bestimmte Lebensverh&auml;ltnisse von sexuellen Beziehungen frei zu halten. Schutzgut sei stattdessen das sexuelle Selbstbestimmungsrecht junger Menschen in spezifischen Abh&auml;ngigkeitsverh&auml;ltnissen. Frommel nennt dieses Recht die Freiheit vor sexueller Fremdbestimmung.<\/p>\n<p>(7) Zur Verdeutlichung dieses Befundes interviewten die TAZ-Redakteure vor Ostern 2011 Ralf K&ouml;nig, der sich seit der Mitte der 1980er Jahre in der linken Szene mit seinen &bdquo;SchwulComix&ldquo; einen Namen gemacht hatte und seit der Verfilmung des &bdquo;Bewegten Mannes&ldquo; einem breiten Publikum bekannt ist. Er best&auml;tigte eindringlich, wie unreflektiert damals junge Menschen P&auml;dophilie und Homosexualit&auml;t gleichsetzten. Erwachsene P&auml;dophile hatten es sehr leicht, ihre Propaganda hinter einem diffusen Befreiungs-Diskurs zu verstecken (Das SONNTAZ-GESPR&Auml;CH, taz vom 16.\/17.4.2011, S. 20-21).<\/p>\n<p>(8) Am Beispiel der Emp&ouml;rung &uuml;ber die fr&uuml;heren Missst&auml;nde in der Odenwaldschule kann man beides ablesen. Heute h&auml;tte es ein Schulleiter sehr viel schwerer, unbehelligt zu bleiben und zu vertuschen. Zum anderen zeigt schon die Tatsache, dass es keine neuen F&auml;lle gibt, den Wandel. Sinn machte die Emp&ouml;rung allerdings bei der katholischen Kirche. Dort war der Widerstand am massivsten und Beschuldigte schreckten auch nicht davor zur&uuml;ck, die &bdquo;Libertinage&ldquo; der 1960er Jahre f&uuml;r ihre Fehler verantwortlich zu machen. Doch gibt es auch hier ein Umdenken. Dies zeigt, dass in Europa endlich ein grundlegender kultureller Wandel statt gefunden hat, der alle gesellschaftlichen Bereiche erfasst; vgl. hierzu Frommel in Kritische Justiz 2012, S. 69ff.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[48],"tags":[],"class_list":["post-7046","thema","type-thema","status-publish","hentry","category-sexualstrafrecht"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>P\u00e4dosexualit\u00e4t und Sexualpolitik der Parteien - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/paedosexualitaet-und-sexualpolitik-der-parteien\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"P\u00e4dosexualit\u00e4t und Sexualpolitik der Parteien - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Monika Frommel Eine Debatte, bei der fast alle im Glashaus sitzen, sich aber dennoch gerne mit Steinen bewerfen aus: vorg&auml;nge Nr. 203 (3-2013), S. 111-120 In den vergangenen Monaten wurde lebhaft &uuml;ber fr&uuml;here p&auml;dophile Forderungen aus den Reihen der Gr&uuml;nen (und mit etwas Abstand auch der FDP) debattiert. 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