{"id":7235,"date":"2009-04-30T13:55:00","date_gmt":"2009-04-30T11:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/die-muehlen-der-gesetzgebung\/"},"modified":"2021-09-04T00:03:52","modified_gmt":"2021-09-03T22:03:52","slug":"die-muehlen-der-gesetzgebung","status":"publish","type":"thema","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/die-muehlen-der-gesetzgebung\/","title":{"rendered":"Die M\u00fch(l)en der Gesetzgebung"},"content":{"rendered":"<p><i>Gesetzentw\u00fcrfe zu Patientenverf\u00fcgung weiter umstritten. Aus: Mitteilungen Nr. 204 (1\/2009), S. 8\/9<\/i><\/p>\n<p>Nina Eschke<\/p>\n<p>Eine gesetzliche Regelung von Patientenverf\u00fcgungen ist notwendig. Dar\u00fcber waren sich die neun Sachverst\u00e4ndigen, die am 4. M\u00e4rz zu einer \u00f6ffentlichen Anh\u00f6rung des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestags geladen waren, einig. Wie diese Regelung konkret aussehen soll, ist allerdings nach wie vor umstritten. Die Experten \u00e4u\u00dferten sich zu den drei Gesetzentw\u00fcrfen zu Patientenverf\u00fcgungen, die dem Bundestag zurzeit vorliegen. Bei der Anh\u00f6rung zeichnete sich keine eindeutige Favorisierung der Entw\u00fcrfe ab. Rund 350 Parlamentarier haben einen der Gesetzentw\u00fcrfe unterschrieben, 250 Abgeordnete haben sich noch keinem Entwurf zugeordnet. Sollten sich die Abgeordneten bis zur Sommerpause nicht einigen, w\u00e4re die lang \u00fcberf\u00e4llig gesetzliche Regelung der Patientenverf\u00fcgungen einmal mehr gescheitert. Es bliebe dann bei den durch die Rechtssprechung aufgestellten Regelungen f\u00fcr Patientenverf\u00fcgungen &#8211; f\u00fcr die Betroffenen ein unbefriedigender Zustand.<\/p>\n<h5><span id=\"patientenverfuegungen-immer-populaerer-aber-ohne-rechtssicherheit\">Patien&shy;ten&shy;ver&shy;f&uuml;&shy;gungen immer popul&auml;rer, aber ohne Rechts&shy;si&shy;cher&shy;heit<\/span><\/h5>\n<p>Seit \u00fcber drei\u00dfig Jahren werden Patientenverf\u00fcgungen in Deutschland genutzt, um die W\u00fcnsche \u00fcber die medizinische (Nicht-) Behandlung und die Gestaltung des eigenen Lebensendes durchzusetzen. Experten sch\u00e4tzen, dass etwa neun Millionen Menschen in Deutschland eine Patientenverf\u00fcgung hinterlegt haben. Dass die Verf\u00fcgungen immer popul\u00e4rer werden, erstaunt nicht in einer alternden Gesellschaft, in der eine fortschreitende Intensivmedizin immer mehr lebenserhaltende Ma\u00dfnahmen und Behandlungsm\u00f6glichkeiten anbietet. Nachdem die \u00c4rzteschaft ihre anf\u00e4ngliche Ablehnung der Patientenverf\u00fcgungen \u00fcberwinden konnte, haben sich die Verf\u00fcgungen im Krankenhausalltag l\u00e4ngst etabliert. Auch die Mediziner haben inzwischen erkannt, dass die Verf\u00fcgungen ihre Arbeit erleichtern k\u00f6nnen.<br \/>\nMit der breiten Anerkennung, die Patientenverf\u00fcgungen heute erfahren, korrespondiert jedoch eine gro\u00dfe Unsicherheit, unter welchen Bedingungen sie g\u00fcltig sind. Der Bundesgerichtshof hat zwar mehrfach best\u00e4tigt, dass Patientenverf\u00fcgungen verbindlich sind. Die Wirksamkeit der Verf\u00fcgungen leitet sich aus dem Selbstbestimmungsrecht der Patienten ab. Das gilt auch bei medizinischen Behandlungen. Selbst wenn eine Behandlung das Leben eines Patienten retten w\u00fcrde, darf sie nicht gegen dessen Willen erfolgen. Wird sie trotzdem durchgef\u00fchrt, ist das eine K\u00f6rperverletzung. Aus der Praxis werden immer wieder F\u00e4lle bekannt, wo \u00c4rzte oder das Pflegepersonal den in der Verf\u00fcgung dargelegten Patientenwillen ignorieren. Zur Begr\u00fcndung wird dann angef\u00fchrt, dass keine unheilbare, t\u00f6dlich verlaufende Krankheit vorlag oder die Basisversorgung nicht abgelehnt werden d\u00fcrfe. \u00dcber die Frage, f\u00fcr welche Arten und Stadien von Erkrankungen Patientenverf\u00fcgungen gelten sollen, wird immer wieder gestritten. Oft bleibt den Betroffenen und ihren Angeh\u00f6rigen nichts anderes \u00fcbrig, als zum Vormundschaftsgericht zu gehen. Sie setzen sich der Belastung langwieriger Gerichtsverfahren aus, in der Hoffnung, dass die W\u00fcnsche der Betroffenen letztendlich doch erf\u00fcllt werden.<br \/>\nDass F\u00fcrsorge und Hilfe gegen\u00fcber Sterbenden nicht in einem rechtsfreien Raum stattfinden, scheint nun endlich auch beim Gesetzgeber anzukommen. Die politische Diskussion um mehr Rechtssicherheit f\u00fcr \u00c4rzte und Patienten im Umgang mit Patientenverf\u00fcgungen hat begonnen. Dazu liegen drei fraktions\u00fcbergreifende Gesetzentw\u00fcrfe vor. In ihnen wird dar\u00fcber gestritten, wann das Leben zu sch\u00fctzen ist und wann nicht; ob der Wille eines Menschen automatisch f\u00fcr alle Arten und Stadien von Erkrankungen gelten soll (Reichweitenfrage); ob der Patient seinen Willen schriftlich oder m\u00fcndlich festlegen muss; ob das Verf\u00fcgte wirklich sein letzter Wille ist; ob und wann diese Willenserkl\u00e4rung f\u00fcr \u00c4rzte, Pflegepersonal und Betreuer verbindlich ist.<\/p>\n<h5><span id=\"die-drei-gesetzentwuerfe\">Die drei Gesetz&shy;ent&shy;w&uuml;rfe<\/span><\/h5>\n<h5><span id=\"meinung-der-experten\">Meinung der Experten<\/span><\/h5>\n<div align=\"right\"><i>Nina Eschke<\/i><\/div>\n<p><i>Die Gesetzentw\u00fcrfe sowie die Stellungnahmen der Sachverst\u00e4ndigen aus der Anh\u00f6rung vom 4. M\u00e4rz 2009 finden sich auf der Internetseite des Deutschen Bundestages unter: <\/i><\/p>\n<p><i><a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/ausschuesse\/\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/www.bundestag.de\/ausschuesse\/<\/a><\/i><\/p>\n<p><i>a06\/anhoerungen\/45_Patientenverf__gung\/index.html.<\/i><\/p>\n<p>Kategorie: Patientenverf\u00fcgung: Gesetzgebung<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[43,67],"tags":[],"class_list":["post-7235","thema","type-thema","status-publish","hentry","category-archiv","category-gesetzgebung"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die M\u00fch(l)en der Gesetzgebung - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/die-muehlen-der-gesetzgebung\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die M\u00fch(l)en der Gesetzgebung - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Gesetzentw\u00fcrfe zu Patientenverf\u00fcgung weiter umstritten. 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