{"id":7799,"date":"2007-11-29T15:06:00","date_gmt":"2007-11-29T14:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/das-ende-des-informanten-und-datenschutzes-1\/"},"modified":"2021-08-31T10:13:08","modified_gmt":"2021-08-31T08:13:08","slug":"das-ende-des-informanten-und-datenschutzes-1","status":"publish","type":"thema","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/das-ende-des-informanten-und-datenschutzes-1\/","title":{"rendered":"Das Ende des Informanten- und Datenschutzes?"},"content":{"rendered":"<p>Fachtagung zur Einf&uuml;hrung der Vorratsdatenspeicherung in Deutschland am 17. September 2007 in Berlin, Mitteilungen Nr. 199, Seite 6 &#8211; 9<\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/vdstagung1a-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3571 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/vdstagung1a-1-600x271.jpg\" alt=\"Das Ende des Informanten- und Datenschutzes?\" width=\"600\" height=\"271\" srcset=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/vdstagung1a-1-600x271.jpg 600w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/vdstagung1a-1-768x347.jpg 768w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/vdstagung1a-1-1000x452.jpg 1000w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/vdstagung1a-1-1536x694.jpg 1536w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/vdstagung1a-1-800x362.jpg 800w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/vdstagung1a-1-450x203.jpg 450w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/vdstagung1a-1.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">\n<\/div>\n<p>Die Humanistische Union hat am 17. September 2007 in Berlin eine rechtspolitische Tagung zur Einf&uuml;hrung der sogenannten Vorratsdatenspeicherung durchgef&uuml;hrt. Die gut besuchte Veranstaltung wurde gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD), dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDVZ), der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in ver.di (dju), dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV), dem Deutschen Presserat, dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) und dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) angeboten. Die Vorratsdatenspeicherung ist im &bdquo;<i>Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikations&uuml;berwachung und anderer verdeckter Ermittlungsma&szlig;nahmen&#8230;<\/i>&#8220; enthalten, das am 9. November 2007 vom Bundestag verabschiedet wurde. (s. Bericht auf Seite 1) Sie verpflichtet alle Anbieter von Telekommunikationsdienstleistungen, s&auml;mtliche Angaben &uuml;ber die Kommunikationsverbindungen ihrer Kunden f&uuml;r die Dauer von sechs Monaten zu speichern und f&uuml;r eine eventuelle Einsichtnahme und Zugriff durch Polizei, Staatsanwaltschaften und Geheimdienste bereitzuhalten. Kritiker haben immer wieder auf die Gefahren hingewiesen: Die automatisierte Rekonstruktion des Kommunikationsverhaltens erm&ouml;glicht Kommunikations- und Bewegungsprofile und er&ouml;ffnet den Einblick in individuelle Interessen und soziale Netzwerke des Einzelnen; sie greift damit tief in die Privatsph&auml;re der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger und ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung ein. Zu Beginn der Tagung stellten die Bundesvorsitzende der Humanistischen Union, Prof. Dr. Rosemarie Will, und Dr. Christoph Fiedler vom Verband Deutscher Zeitungsverleger noch einmal die grunds&auml;tzlichen Kritikpunkte an der Speicherung der&nbsp; Verbindungsdaten f&uuml;r eine sp&auml;tere, in keiner Weise absehbare Verwendung dar. Beide verwiesen auf die hohe Bedeutung des Fernmeldegeheimnisses und des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung f&uuml;r den Rechtsstaat, f&uuml;r eine freie&nbsp; B&uuml;rgergesellschaft und f&uuml;r die ungehinderte Recherchearbeit der Medien.<\/p>\n<p>&mdash;<\/p>\n<p>Der erste Teil der Fachtagung unter Moderation des fr&uuml;heren Berliner Datenschutzbeauftragten Prof. Dr. Hansj&uuml;rgen Garstka behandelte die &bdquo;<i>Ermittlungspraxis und die technischen Notwendigkeiten<\/i>&#8220; bei der Speicherung von Verbindungsdaten. Bundesanwalt Michael Bruns versuchte Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Forderung der Strafverfolgungsbeh&ouml;rden nach einer l&auml;ngeren Speicherung der Verbindungsdaten zu gewinnen. Durch die zunehmende Ausweitung von Pauschaltarifen (flat rates) f&uuml;r Telefon-, Handy- und Internetnutzung entfalle die Notwendigkeit, Verbindungsdaten zu Abrechungszwecken zu speichern. Ermittlungsbem&uuml;hungen zur Auswertung von Kommunikationsspuren Verd&auml;chtiger liefen deshalb immer h&auml;ufiger ins Leere. Die unabh&auml;ngig vom Vertragsverh&auml;ltnis vorzunehmende Erfassung und Speicherung der Verbindungsdaten sei insofern nur eine logische Konsequenz des ge&auml;nderten Kommunikationsverhaltens und zur Erhaltung einer wirksamen Strafverfolgung &ndash; gerade auch zur Entlastung Unschuldiger &ndash; unverzichtbar. Er sehe darin auch keine Ausweitung der staatlichen &Uuml;berwachung, sondern nur den Ersatz von fr&uuml;her gegebenen Ermittlungsm&ouml;glichkeiten. Das in den U.S.A. &uuml;bliche Quick-Freeze-Verfahren sei aus seiner Sicht kein geeignetes Mittel, weil der Gegenstand des Strafverfahrens in der Regel historischer Natur ist. Diese Positionen und Einsch&auml;tzungen stie&szlig;en allerdings in der anschlie&szlig;enden Diskussion auf heftigen Widerspruch. Klaus Landefeld vom eco &#8211; Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V. stellte in seinem Vortrag dar, dass insbesondere im Internetbereich noch ganz erhebliche, ungel&ouml;ste technische Probleme best&uuml;nden. Es existierten noch nicht einmal technische Richtlinien, was genau und wie zu speichern sei, so sich dass bei der Erfassung und Speicherung der Verbindungsdaten, ihrer Sicherung gegen zuf&auml;llige Verluste oder unbefugte Zugriffe sowie bei der Gew&auml;hrleistung der Beweissicherheit eine Vielzahl offener Fragen erg&auml;ben. Hinzu k&auml;men &ndash; wie auch im Festnetz- und Mobiltelefonbereich &ndash; die Probleme des riesigen Datenumfanges und des daf&uuml;r n&ouml;tigen Speichervolumens sowie der fehlenden Harmonisierung der rechtlichen und technischen Regelwerke zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten der EU.<br \/>Constanze Kurz vom Chaos Computer Club Berlin stellte in ihren Ausf&uuml;hrungen die Vorratsdatenspeicherung in den Zusammenhang der anderen bereits vollzogenen oder beabsichtigten gesetzlichen &Uuml;berwachungsm&ouml;glichkeiten (Ausweitung der Video&uuml;berwachung, biometrische Daten in Ausweispapieren, automatisches Erfassen der Kfz-Kennzeichen, Online-Durchsuchung privater Festplatten). Sie erlebe in ihrer Arbeit jeden Tag, wie viele B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger um den Schutz ihrer Privatsph&auml;re besorgt sind, zumal die Sicherung der Datensammlungen gegen Missbrauch oder Manipulation in keiner Weise gew&auml;hrleistet sei. Vertrauen in die vorgesehenen Verfahrenssicherungen k&ouml;nne man nach den bisherigen Erfahrungen mit dem Richtervorbehalt bei der Telefon&uuml;berwachung oder mit der Benachrichtigung der Betroffenen nicht mehr haben. Im Gegenteil m&uuml;sse man bef&uuml;rchten, dass auf die Einf&uuml;hrung der Vorratsdatenspeicherung demn&auml;chst auch ein Verbot der anonymen Nutzung des Internet und eine erneute Diskussion &uuml;ber das Verbot von Anonymisierungsprogrammen folge.<\/p>\n<p>&mdash;<\/p>\n<p>Im zweiten Teil der Tagung wurde unter der Moderation von <i>Prof. Dr. Rosemarie Will <\/i>die Vorratsdatenspeicherung aus verfassungs- und europarechtlicher Sicht bewertet. <i>Prof. Dr. Marion Albers<\/i> sah die europ&auml;ische Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung nicht durch die Binnenmarktkompetenz aus Art. 95 EG-Vertrag gedeckt. Dass auch in Br&uuml;ssel insofern gewisse Zweifel bestanden haben, sei daraus abzulesen, dass in der Richtlinie zwar die Erfassung der Daten durch die Provider sehr detailliert geregelt, die Weitergabe der Daten an die zust&auml;ndigen Beh&ouml;rden dagegen weitgehend offen gelassen werde. Aber auch bei der materiellen Vereinbarkeit mit den Gemeinschaftsgrundrechten (Berufsfreiheit der TK-Unternehmen, Schutz der Privatsph&auml;re und der unbeobachteten Kommunikation der TK-Teilnehmer) bestehen aus ihrer Sicht erhebliche Zweifel. Bei der rechtlichen Beurteilung der Regelungen im deutschen Umsetzungsgesetz sei von Bedeutung, dass die gro&szlig;e Mehrheit der gespeicherten Verbindungsdaten gar nicht f&uuml;r die im Gesetz auch nur unzureichend pr&auml;zisierten Zwecke ben&ouml;tigt w&uuml;rden, also im Rechtssinn nicht erforderlich sind. Hinzu komme die gro&szlig;e &bdquo;Streubreite&#8220; der gespeicherten Verbindungsdaten, der Umstand, dass sich bei diesen Daten die &auml;u&szlig;eren Umst&auml;nde der Kommunikation nur schwer von den Inhalten des Austausches trennen lie&szlig;en, sowie die M&ouml;glichkeit, R&uuml;ckschl&uuml;sse auf Kommunikationsnetzwerke und -inhalte zu ziehen, woraus sich insgesamt aus ihrer Sicht ein unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;iger Grundrechtseingriffs ergebe. Bei der Beurteilung der Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des deutschen Umsetzungsgesetzes vertrat <i>Prof. Dr. Thomas W&uuml;rtenberger<\/i> in seinem Vortrag gegens&auml;tzliche Positionen. Zun&auml;chst sei zu ber&uuml;cksichtigen, dass die Datenspeicherung bei den privaten Diensteanbietern erfolge und damit dem unmittelbaren Zugriff des Staates entzogen sei. Der mit der Speicherung verbundene Eingriff in das Fernmeldegeheimnis sei daher nicht so schwerwiegend wie in anderen Mitgliedesstaaten, die eine zentrale staatliche Datenspeicherung planten. Bei der Beurteilung der Erforderlichkeit der Datenspeicherung m&uuml;sse ber&uuml;cksichtigt werden, dass die Verbindungsdaten nicht nur zur Aufkl&auml;rung von Straftaten, sondern auch zur Abwehr von Gefahren genutzt werden sollen. Auch nur ein verhinderter terroristischer Anschlag qualifiziere nach seiner Auffassung die Vorratsdatenspeicherung schon als geeignete Ma&szlig;nahme. Deshalb m&uuml;sse die gesetzliche Entscheidung, ob k&uuml;nftig auf gespeicherte Verbindungsdaten zur&uuml;ckgegriffen werden darf, nach politischen Gesichtspunkten erfolgen. Die Entscheidung k&ouml;nne dann in einer sp&auml;teren Evaluation kritisch &uuml;berpr&uuml;ft werden. Hinsichtlich der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit des mit der Vorratsdatenspeicherung verbundenen Grundrechtseingriffs gab Herr W&uuml;rtenberger zu bedenken, dass die Speicherung ja nur f&uuml;r den begrenzten Zeitraum von sechs Monaten erfolge und damit keine l&uuml;ckenlose Registrierung von Lebens&auml;u&szlig;erungen verbunden sei. Allerdings habe das Bundesverfassungsgericht in seiner bisherigen Rechtsprechung zu Eingriffen in das Fernmeldegeheimnis und in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung sehr hohe H&uuml;rden errichtet, so dass er &#8211; auch im Hinblick auf die im Vortrag von Herrn Landefeld angesprochenen Probleme der technischen Datensicherheit und die finanzielle Belastung der TK-Unternehmen &#8211; insgesamt skeptisch sei, ob das Gesetz vor dem Bundesverfassungsgericht bestehen werde. In der anschlie&szlig;enden, sehr lebhaften Diskussion wurden die Auffassungen des Referenten zur Geeignetheit&nbsp;der Vorratsdatenspeicherung und seine pers&ouml;nliche Beurteilung der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit der damit verbundenen Grundrechtseingriffe sehr kritisch bewertet.<\/p>\n<p>&mdash;<\/p>\n<p>Der dritte Teil der Tagung unter der Moderation von Dr. Fredrik Roggan behandelte die &bdquo;<i>Verbindungsdaten in der Strafverfolgung<\/i>&#8222;.<br \/>Prof. Dr. Petra Velten stellte in ihrem Vortrag zun&auml;chst heraus, dass die Vorratsdatenspeicherung einen weiteren Schritt in Richtung einer &bdquo;panoptischen Gesellschaft&#8220; darstelle, bei der auf der einen Seite der B&uuml;rger zunehmend durchschaubar und kontrollierbar werde, w&auml;hrend auf der anderen Seite das staatliche Handeln nur begrenzt &uuml;berpr&uuml;fbar sei, weil gegen verdeckte Eingriffe ein effektiver Rechtsschutz kaum m&ouml;glich ist. An der Vorratsdatenspeicherung ist aus ihrer Sicht besonders problematisch, dass bei einem Zugriff auf die Verbindungsdaten neben dem Beschuldigten auch s&auml;mtliche Kontaktpersonen des Beschuldigten ins Visier geraten (ohne bisher bestehende Zeugnisverweigerungsrechte zu ber&uuml;cksichtigen), dass dabei auch Zufallsfunde verwertet werden k&ouml;nnen, die m&ouml;glicherweise zu neuen Vorfeldma&szlig;nahmen f&uuml;hren und dass die gewonnenen Erkenntnisse als Ermittlungsansatz auch f&uuml;r Bagatellstraftaten nutzbar sind. Eine Begrenzung ergebe sich nur im Hinblick auf die beschr&auml;nkten Personalkapazit&auml;ten der Strafverfolgungsbeh&ouml;rden, ohne dass dies aber nach au&szlig;en transparent und damit auch kontrollierbar sei. Au&szlig;erdem bestehe die Gefahr, dass die Aussagekraft der Verbindungsdaten &uuml;berbewertet und andere Ermittlungsans&auml;tze vernachl&auml;ssigt w&uuml;rden. Im Ergebnis f&uuml;hre der erweiterte Zugriff auf die Verbindungsdaten f&uuml;r die Betroffenen h&auml;ufig zu einer Art Beweislastumkehr und werde nach ihrer Einsch&auml;tzung nicht zur Vermeidung von Straftaten beitragen, sondern allenfalls angepasstes Verhalten f&ouml;rdern. Prof. Dr. Klaus Rogall setzte mit seinem Vortrag einen deutlichen Contrapunkt. Aus seiner Sicht sei die Vorratsdatenspeicherung f&uuml;r k&uuml;nftige Zwecke der Strafverfolgung unverzichtbar und auch hinreichend bestimmt. &Auml;hnlich wie die DNA-Analysedatei des Bundeskriminalamtes dienten die Dateien der Provider mit den Verbindungsdaten ihrer Kunden der Strafverfolgungsvorsorge bzw. der Vorsorge f&uuml;r die Sicherheit der B&uuml;rger. F&uuml;r die Geeignetheit der Vorratsdatenspeicherung reiche es nach seiner Auffassung aus, dass die gesetzgeberische Ma&szlig;nahme darauf abziele, &bdquo;<i>es den Straft&auml;tern etwas schwerer zu machen<\/i>&#8222;. Die Gefahr der missbr&auml;uchlichen Bildung von Pers&ouml;nlichkeits- und Bewegungsprofilen aus den Verbindungsdaten sei gering, weil f&uuml;r den Zugriff auf die Daten eine Tatverdacht erforderlich sei und der Ermittlungszweck die zul&auml;ssigen Auswertungsm&ouml;glichkeiten begrenze. Ein Hauptproblem des Gesetzentwurfes sah Herr Rogall allerdings in der Datensicherheit. Die TK-Unternehmen m&uuml;ssten einen unbefugten Zugriff ihrer Mitarbeiter oder von Dritten verl&auml;sslich ausschlie&szlig;en. Abschlie&szlig;end wandte sich der Referent gegen die aus seiner Sicht &uuml;berzogene Kritik an der Vorratsdatenspeicherung. Sie habe m&ouml;glicherweise mit der Propagierung eines Angstsyndroms zu tun, das aus seiner Sicht &bdquo;<i>auf die insoweit nicht beifallw&uuml;rdige Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts<\/i>&#8220; zur&uuml;ckgehe.<br \/>Die sehr deutlich von einander abweichenden Beurteilungen und Einsch&auml;tzungen der beiden Referenten f&uuml;hrten zu einer lebhaften Diskussion, bei der die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts vehement verteidigt wurde und die Positionen von Prof. Velten deutlich mehr Zustimmung erhielten.<\/p>\n<p>&mdash;<\/p>\n<p>An dem Abschlusspodium zur &bdquo;<i>Vorratsdatenspeicherung in der medienpolitischen Diskussion<\/i>&#8220; nahmen unter der Moderation von <i>Volker Hummel<\/i> (Deutscher Journalisten-Verband) die Bundestagsabgeordnete und fr&uuml;here Bundesjustizministerin <i>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger<\/i>, der freie Journalist <i>Detlef Drewes<\/i> sowie <i>Stephan Wels<\/i> von der Abteilung Panorama des NDR teil. Die Runde besch&auml;ftigte sich vor allem mit den Auswirkungen der Vorratsdatenspeicherung auf die Arbeit der Medien und die Pressefreiheit. Leider war kein Vertreter der Regierungskoalition bereit gewesen, die mit der Vorratsdatenspeicherung verbundenen Einschr&auml;nkungen der journalistischen Arbeit und die Eingriffe in die Zeugnisverweigerungsrechte zu begr&uuml;nden. Die Teilnehmer der Runde waren sich in der Einsch&auml;tzung einig, dass auf Grund des fehlenden Informantenschutzes nicht nur die Arbeit der Journalisten erheblich beeintr&auml;chtigt, sondern auch die Kontroll- und W&auml;chterfunktion der Medien entscheidend geschw&auml;cht werden. Dies wurde von Stephan Wels und Detlef Drewes durch die konkrete Darstellung der journalistischen Arbeitsweise und durch Erfahrungsberichte sehr anschaulich untermauert. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger verwies darauf, dass auch &uuml;ber die Vorratsdatenspeicherung hinaus grundrechts- und rechtsstaatsfeindliche Tendenzen in der aktuellen Gesetzgebung und Diskussionen zur Steuer-Identifikationsnummer, zu biometrischen Merkmalen in P&auml;ssen und zur Online-Durchsuchung privater Festplatten zu beobachten seien. Die Fachtagung mit etwa 150 Teilnehmern hat vor den abschlie&szlig;enden Beratungen des Gesetzentwurfs zur Vorratsdatenspeicherung im Bundestag die unterschiedlichen Positionen deutlich werden lassen. Auf der Tagung fand die von der Humanistischen Union mit Nachdruck vertretene Kritik an diesem Vorhaben breiteste Zustimmung. Leider haben diese Einw&auml;nde nicht zu einem Umdenken in der Politik gef&uuml;hrt, so dass &#8211; wieder einmal &#8211; alle Hoffnungen auf dem Bundesverfassungsgericht ruhen. Neueste Entwicklungen in Br&uuml;ssel (Forderung von Innen-Kommissar Frattini zur Erfassung und zehnj&auml;hrigen Speicherung der Daten von Flugpassagieren, die in die EU einfliegen oder aus der EU ausfliegen) lassen sogar bef&uuml;rchten, dass die Datenhaltung auf Vorrat weiter auf dem Vormarsch ist.<\/p>\n<p>Burckhard Nedden<br \/>war bis 2006 Datenschutzbeauftragter des Landes Niedersachsen<\/p>\n<p><i>Dokumentation:<br \/>Eine gedruckte Dokumentation der Vortr&auml;ge ist in Vorbereitung. <br \/>Die Tagungsbeitr&auml;ge sind im Internet dokumentiert unter:<br \/><\/i><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/vorratstagung\/\"><i>https:\/\/www.humanistische-union.de\/vorratstagung\/<\/i><\/a><\/p>\n","protected":false},"featured_media":3571,"template":"","categories":[2791],"tags":[],"class_list":["post-7799","thema","type-thema","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-positionen-vorratsdaten"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Das Ende des Informanten- und Datenschutzes? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/das-ende-des-informanten-und-datenschutzes-1\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Das Ende des Informanten- und Datenschutzes? - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Fachtagung zur Einf&uuml;hrung der Vorratsdatenspeicherung in Deutschland am 17. 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