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	<title>Mitteilungen Nr. 205/206 Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Der Kampf ums Medium. Sperrlisten im Internet als Rechtsdurchsetzung oder Einstieg in die Zensur?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 17:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Informationsfreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 1-4 Wer sich dem Kampf gegen Kinderpornografie in den Weg stellt, sieht sich schnell mit dem Vorwurf konfrontiert, er oder sie sch&#252;tze die T&#228;ter. Umso erstaunlicher, dass ein Gesetzentwurf zur Bek&#228;mpfung der Kinderpornografie im Internet so breiten Protest in der deutschen &#214;ffentlichkeit hervorruft, wie in diesem Jahr geschehen. Das [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/der-kampf-ums-medium-sperrlisten-im-internet-als-rechtsdurchsetzung-oder-einstieg-in-die-zensur/">Der Kampf ums Medium. Sperrlisten im Internet als Rechtsdurchsetzung oder Einstieg in die Zensur?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 1-4</p>
<div><span class="migrated-image"><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/ausIMG_5228bw.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-4158 size-medium" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/ausIMG_5228bw.jpg" alt="Der Kampf ums Medium. Sperrlisten im Internet als Rechtsdurchsetzung oder Einstieg in die Zensur?" width="600" height="400" srcset="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/ausIMG_5228bw.jpg 600w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/ausIMG_5228bw-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a></span></p>
<p class="news-single-imgcaption">
</div>
<p>Wer sich dem Kampf gegen Kinderpornografie in den Weg stellt, sieht sich schnell mit dem Vorwurf konfrontiert, er oder sie sch&uuml;tze die T&auml;ter. Umso erstaunlicher, dass ein Gesetzentwurf zur Bek&auml;mpfung der Kinderpornografie im Internet so breiten Protest in der deutschen &Ouml;ffentlichkeit hervorruft, wie in diesem Jahr geschehen. Das von der Bundesfamilienministerin propagierte Vorhaben, den Zugang zu derartigen Webseiten bei den Internetprovidern zu sperren, rief landauf, landab Demonstrierende auf den Plan. Eine von der Webdesignerin Franziska Heine initiierte Petition gegen das Gesetz beim Deutschen Bundestag erreichte die Rekordbeteiligung von 134.000 Unterst&uuml;tzerInnen &#8211; und verhalf damit dem relativ neuen Instrument der Onlinepetition erstmals zu breiter Aufmerksamkeit.</p>
<p>Die Kritiker des Gesetzes engagierten sich online wie offline gegen das Vorhaben: So gelang es ihnen innerhalb von 24 Stunden, 60 auf europ&auml;ischen Sperrlisten verzeichnete Webseiten mit mutma&szlig;lich kinderpornografischen Angeboten vom Netz nehmen zu lassen &#8211; allein indem sie die zust&auml;ndigen Provider anschrieben. Damit wollten sie die Behauptung widerlegen, man k&ouml;nne anders als mit nationalen Sperrlisten dem internationalen Netz nicht beikommen.&nbsp; <br />Auch wenn sie das Gesetz am Ende nicht verhindern konnten &#8211; der Bundestag verabschiedete es in seiner Sitzung am 18. Juni 2009 &#8211; zeichnen sich in der &ouml;ffentlichen Diskussion um die &Uuml;berwachung und Kontrolle des Internets neue Formen der politischen Diskussion und des Protests ab. Die Kritiker fanden sich im Arbeitskreis Zensur, organisierten sich dort mit Hilfe von Mailinglisten und Wikis. Mit dem AK Zensur entstand zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre aus dem Protest gegen ein Sicherheitsgesetz heraus eine neue Bewegung.</p>
<h5>Mediale Zuspitzung und offene Fragen</h5>
<p>In der Diskussion um die Internetsperren wurde mit Zuspitzungen und gegenseitigen Vorw&uuml;rfen nicht gespart: Kritiker wandten immer wieder ein, dass die kinderpornografischen Abbildungen mit dem Zugangserschwerungsgesetz hinter einem Vorhang verschwinden (der leicht zur Seite geschoben werden k&ouml;nne), gegen das eigentliche &Uuml;bel der Kinderpornografie aber nicht eingeschritten werde. Dagegen meinten die Bef&uuml;rworter, man werde das Eine tun, ohne das Andere zu lassen. Welcher Weg zur Bek&auml;mpfung des Kindesmissbrauchs am Ende jedoch effektiver ist, blieb offen. Die Bef&uuml;rworter verwiesen ihrerseits auf die zahlreichen Entgleisungen, die im Netz zu finden sind, und warnten vor &#8222;rechtsfreien R&auml;umen&#8220;. Die Sperren w&uuml;rden sich ausschlie&szlig;lich gegen kinderpornografische Angebote richten, f&uuml;r die k&ouml;nne man unm&ouml;glich die Informationsfreiheit in Anspruch nehmen. Dagegen sprachen die Kritiker den meisten Politikern deren Medienkompetenz ab. Allein schon die Vorstellung, man w&uuml;rde bei jeder Gelegenheit und rein zuf&auml;llig auf Kinderpornografie im Netz sto&szlig;en, die sich mit einem &#8222;Stopp-Schild&#8220; ausblenden lasse, entspreche dem Medienverst&auml;ndnis von &#8222;Internetausdruckern&#8220;. Schnell hatte Ursula von der Leyen, welche das Vorhaben zwar propagierte aber letztlich gar nicht federf&uuml;hrend daf&uuml;r verantwortlich war, den Spitznamen &#8222;Zensursula&#8220; weg. Die Personalisierung des Konflikts war sicherlich hilfreich f&uuml;r die Protestbewegung und deren mediale Wahrnehmung &#8211; ob sie in der Sache angemessen war, ist eine andere Frage.</p>
<p>Auf der Strecke blieben viele Vermutungen und Behauptungen &uuml;ber das, was das Gesetz zu bek&auml;mpfen vorgab: den sexuellen Missbrauch von Kindern. Allein schon der Blick auf die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) l&auml;sst Zweifel daran aufkommen, ob der Kampf gegen Kinderpornografie im Netz wirklich der geeignete Hebel ist, um diesen Missbrauch einzud&auml;mmen. W&auml;hrend die Familienministerin und der Chef des Bundeskriminalamtes immer wieder auf rasant steigende Fallzahlen hinwiesen, zeigt ein Blick in die PKS, dass die meisten &Uuml;bergriffe nicht im Zusammenhang mit kinderpornografischen Darstellungen stehen und zudem aus dem Umfeld der Opfer erfolgen &#8211; wo vom Internet weit und breit keine Spur ist.</p>
<p><img decoding="async" title="Daten zum sexuellen Missbrauch lt. PKS 2008" height="339" alt="Daten zum sexuellen Missbrauch lt. PKS 2008" hspace="0" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/PKS-Grafik2.jpg" width="413" border="0"></p>
<p>Die Regierung betonte dagegen, dass der Kampf gegen Kinderpornografie ein Kampf gegen einen kriminellen Schwarzmarkt sei. Mit den Abbildungen missbrauchter Kinder w&uuml;rden Millionen umgesetzt, und es gelte, dieser Schattenwirtschaft den Absatzmarkt zu entziehen. Inwiefern es wirklich eine industrielle Vermarktung des Kindesmissbrauchs gibt, blieb jedoch offen. Einziger Beleg war eine 2004 von der britischen National High Tech Crime Unit ver&ouml;ffentliche Zahl, wonach damals w&ouml;chentlich 1,3 Mio. US-Dollar auf Konten eingingen, die mit Kinderpornografie in Zusammenhang gebracht wurden. Dagegen stehen Experteneinsch&auml;tzungen wie die der Medienwissenschaftlerin Korinna Kuhnen, wonach sich die Kinderpornografie im Netz eher durch eine &#8222;versteckte Pr&auml;senz&#8220; auszeichne und kaum frei auf Webseiten zug&auml;nglich sei. Sie werde in geschlossenen Chatrooms oder Tauschb&ouml;rsen verbreitet, wogegen die Zugangssperren wirkungslos sind. Hinter dem umstrittenen Punkt, ob das Netz hier als Wirtschaftsplattform funktioniere oder ob es &#8222;nur&#8220; ein Kommunikationsmedium sei, stehen divergierende Vorstellungen von einer Regulierung des Netzes &#8211; Markt oder Medium? Die Entscheidung f&auml;llt aufgrund des &ouml;ffentlichen Halbwissens nicht leicht. Zumindest ist der normale Ausweg des m&uuml;ndigen B&uuml;rgers versperrt, sich selbst &uuml;ber den Sachverhalt zu informieren. Vor einer gezielten Suche kinderpornografischer Webseiten kann nur dringend gewarnt werden, denn schlie&szlig;lich beginnt bereits mit dem Aufruf der Seiten im Webbrowser der strafbare Besitz. Die Diskussion um den Umgang mit Kinderpornografie landete in einem demokratischen Dilemma, weil B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger, ja selbst die von ihnen gew&auml;hlten Abgeordneten die Angaben der Experten nicht mehr nachpr&uuml;fen k&ouml;nnen.</p>
<p>Das Vertrauen in den Gesetzgeber litt allerdings noch mehr, als weitere Fakten ins Wanken gerieten: Das Zugangssperren notwendig seien, wurde von Frau von der Leyen immer wieder damit begr&uuml;ndet, dass ein L&ouml;schen der Seiten oft nicht m&ouml;glich sei, weil das kinderpornografische Material&nbsp; auf Rechnern in fernen L&auml;ndern&nbsp; lagere, wo die L&ouml;schung der Seiten nicht durchsetzbar sei. Als Beispiele f&uuml;hrte die Ministerin mehrfach Afrika, aber auch Indien an. Der Einordnung Indiens in die &#8222;Koalition der Unwilligen&#8220; widersprach der Botschafter Indiens in Deutschland vehement und verwies auf die seit 1973 bestehenden und erst im letzten Jahr versch&auml;rften Strafvorschriften. Das Familienministerium musste sich schlie&szlig;lich f&uuml;r den diplomatische Fauxpas entschuldigen. Aber auch der Fingerzeig nach Afrika entsprach nicht den Tatsachen: Alvar Freude vom AK Zensur wertete mit Hilfe eines Skriptes die Sperrlisten Australiens, Finnlands und der Schweiz aus. Dabei kam er zu dem &uuml;berraschenden Ergebnis, dass auf keiner der drei Sperrlisten Rechner aus Afrika verzeichnet waren. Die &uuml;berwiegende Mehrheit befand sich in Nordamerika und Europa, nicht wenige in Deutschland selbst &#8211; also durchaus in Gegenden, wo L&ouml;schungsaufforderungen deutscher Beh&ouml;rden durchsetzbar w&auml;ren. Schlie&szlig;lich r&auml;umte die Bundesregierung in ihrer Antwort vom 11. Juni 2009 auf eine Kleine Anfrage der FDP ein, dass sie weder genaue Angaben &uuml;ber die Standorte der Server mit den kinderpornografischen Daten machen k&ouml;nne, noch wisse, in welchen L&auml;ndern eigentlich Kinderpornografie straffrei sei (BT-Drs. 16/13347).</p>
<h5>Zugest&auml;nd&shy;nisse &ndash; Erfolge der Kritik? </h5>
<p>Wie so oft konnten die KritikerInnen den Gesetzgeber nicht &uuml;berzeugen. Die breite Ablehnung der Internetsperren hinterlie&szlig; dennoch Spuren im Parlament. Diese findet man etwa im Protokoll der Sachverst&auml;ndigenanh&ouml;rung, die der Ausschuss f&uuml;r Wirtschaft und Technologie am 27. Mai 2009 abhielt (Protokoll 16/96); die dort gezeigte Sachlichkeit und Aufmerksamkeit der Abgeordneten w&uuml;rde man sich in anderen Anh&ouml;rungen w&uuml;nschen. So war es auch wenig &uuml;berraschend, dass die Koalition &#8211; einen Tag vor der Verabschiedung des Gesetzes im Plenum &#8211; einige Zugest&auml;ndnisse pr&auml;sentierte, mit denen Bedenken der Kritiker zerstreut werden sollten (s. BT-Drs. 16/13411).</p>
<p>Der erste Vorschlag wollte ein zentrales Defizit der Sperrlisten beheben, ihre Unkontrollierbarkeit. Der Gesetzentwurf verwendet schlie&szlig;lich viel M&uuml;he darauf, die Liste der zu sperrenden Internetseiten geheim zu halten. So sollten die Sperren nur f&uuml;r gro&szlig;e Provider (ab 10.000 Kunden) verbindlich sein, was bedeutet, dass neben den BKA-Beamten nur eine Handvoll Mitarbeiter gro&szlig;er TK-Unternehmen die Liste einsehen w&uuml;rde. Um dieses Kontrolldefizit zu beheben, schlug die Koalition jetzt ein neues Expertengremium vor. Dessen f&uuml;nf Mitglieder, vom Bundesbeauftragten f&uuml;r den Datenschutz zu bestellen, sollen die gelisteten Seiten stichprobenartig kontrollieren, mindestens einmal im Quartal. Abgesehen davon, dass Peter Schaars Beh&ouml;rde bisher &uuml;ber keinerlei Erfahrungen mit der Indizierung jugendgef&auml;hrdender oder gar kinderpornografischer Dokumente verf&uuml;gt, ist er zugleich auch Beauftragter f&uuml;r die Informationsfreiheit. Wie er den m&ouml;glichen Zielkonflikt l&ouml;st, der sich aus seiner Aufgabenbeschreibung und der neuen Doppelfunktion als Kontrolleur und Legitimator eines Internet-Sperrmechanismus ergibt, bleibt ihm &uuml;berlassen.</p>
<p>Zu den Zugest&auml;ndnissen geh&ouml;rte ferner eine Vorrangklausel: Demnach soll innerhalb Deutschlands und der Reichweite der EU-Richtlinie &uuml;ber den elektronischen Binnenmarkt (RL 2000/31/EG) die L&ouml;schung inkriminierter Webseiten vorrangig sein, bevor es zu Sperrma&szlig;nahmen komme. So weit die Ank&uuml;ndigung. Die Regel &#8211; L&ouml;schen geht vor Sperren &#8211; findet sich im Gesetz jedoch deutlich abgeschw&auml;cht wieder. In &sect; 1 Absatz 2 hei&szlig;t es dort: &#8222;Die Aufnahme in die Sperrliste erfolgt nur, soweit &#8230; [L&ouml;schversuche] nicht oder nicht in angemessener Zeit erfolgversprechend sind.&#8220; Zu Deutsch: Das Bundeskriminalamt muss die L&ouml;schung nicht tats&auml;chlich versuchen, es reicht auch, wenn die Beamten eine L&ouml;schung f&uuml;r nicht erfolgversprechend halten, um die entsprechende Seite in die Sperrliste aufzunehmen. F&uuml;r eine derartige Abschw&auml;chung der Vorrangklausel bestand eigentlich kein Anlass: Dass eine vom BKA ausgehende Aufforderung zur L&ouml;schung von Webangeboten in Deutschland nicht durchsetzbar w&auml;re, dieser Fall ist eigentlich nur bei jener Minderheit von Webseitenanbietern denkbar, die ihre Server selbst kontrollieren. Kommerzielle Anbieter von Webservern nehmen erfahrungsgem&auml;&szlig; inkriminierte Webseiten sofort vom Netz, sofern sich jemand bei Ihnen meldet. Das hat im vergangenen Jahr nicht nur die Humanistische Union mit ihrem Anonymisierungsdienst erfahren m&uuml;ssen, sondern demonstrierte auch die oben zitierte Aktion des Arbeitskreises gegen Zensur.</p>
<p>Und selbst f&uuml;r den Fall, dass ein Betreiber seinen eigenen Server unter Kontrolle hat und dann noch &uuml;ber die Chuzpe verf&uuml;gt, der Aufforderung des BKA zu widersprechen &#8211; etwa weil er der Auffassung ist, dass seine Angebote legal seien &#8211; w&auml;re es rechtsstaatlich geboten, wenn das BKA die Stillegung der Seite mit entsprechenden Rechtsmitteln erzwingt. Unstimmigkeiten zwischen den Internetkontrolleuren und betroffenen Anbietern sind n&auml;mlich keinesfalls ausgeschlossen, sondern zu erwarten. So r&auml;umte der Vertreter des BKA bei der parlamentarischen Anh&ouml;rung mit Verweis auf die d&auml;nischen Sperrlisten ein, dass es im internationalen Vergleich erhebliche Unterschiede in der Klassifikation kinderpornografischer Abbildungen gebe. Aber selbst in einem &#8222;einheitlichen Rechtsraum&#8220; wie der Bundesrepublik Deutschland sind Meinungsverschiedenheiten bei der Indizierung nicht ausgeschlossen. So soll die redaktionell gepflegte Sperrliste einer von der Kommission f&uuml;r Jugendschutz (KJM) f&uuml;r einen Testversuch zugelassenen Software (&#8222;JusProgs&#8220;) so dubiose Adressen wie die tageszeitung, den Juso-Bundesverband und den CDU Bezirksverband Neuss enthalten haben (s. BT-Drs. 16/13744).</p>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="1">
<tbody>
<tr>
<td>
<p class="bodytext"><strong>Was sich alles noch im Internet sperren l&auml;sst &#8211; die Wunschliste</strong></p>
<p>&#8226;&nbsp;<strong><a href="http://www.taz.de/1/politik/schwerpunkt-ueberwachung/artikel/1/internetsperren-auch-fuer-jugendpornos" target="_blank" rel="noopener">Jugendpornografie<br /></a></strong>Caren Marks, jugendpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion</p>
<p>&#8226;&nbsp;<a href="http://www.heise.de/newsticker/Medienrechtsforum-Forderungen-nach-Ausweitung-von-Internetsperren--/meldung/136764" target="_blank" rel="noopener"><strong>Gl&uuml;cksspiele</strong></a><br />Heinrich Sievers, Leiter des Referats Gl&uuml;cksspiel im Hessischen Innenministerium</p>
<p>&#8226;&nbsp;<a href="http://www.abgeordnetenwatch.de/thomas_strobl-650-5740--f193477.html#q193477" target="_blank" rel="noopener"><strong>Gewaltspiele</strong></a><br />Thomas Strobl, Generalsekret&auml;r der CDU in Baden-W&uuml;rttemberg</p>
<p>&#8226;&nbsp;<a href="http://www.dphv.de/index.php?cHash=ad0a1c79e5&amp;id=20&amp;tx_ttnews%5BbackPid%5D=16&amp;tx_ttnews%5Bpointer%5D=1&amp;tx_ttnews%5Btt_news%5D=230" target="_blank" rel="noopener"><strong>Pro-Magersucht und Pro-Bulimie-Seiten<br /></strong></a>Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes&nbsp; </p>
<p>&#8226;&nbsp;<a href="http://www.heise.de/newsticker/Medienrechtsforum-Forderungen-nach-Ausweitung-von-Internetsperren--/meldung/136764" target="_blank" rel="noopener"><strong>Urheberrechtsverletzungen<br /></strong></a>u.a. Christian Sprang, Leiter der Rechtsabteilung des B&ouml;rsenvereins des Deutschen Buchhandels</p>
<p>&#8226;&nbsp;<a href="http://www.kjm-online.de/public/kjm/downloads/KJM%20Dritter%20Bericht.pdf" target="_blank" rel="noopener"><strong>Verst&ouml;&szlig;e gegen den Jugendmedienschutz<br /></strong></a>Ank&uuml;ndigung der Umsetzung durch die Kommission f&uuml;r Jugendmedienschutz (KJM)</p>
<p>&#8226;&nbsp;<a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2009/08/15/csu/will-neo-nazi-seiten-im-internet-sperren.html" target="_blank" rel="noopener"><strong>rechtsextreme Propaganda<br /></strong></a>Joachim Herrmann (CSU), Innenminister des Landes Bayern</p>
<p>&#8226;&nbsp;<a href="http://blogs.sueddeutsche.de/schaltzentrale/2009/08/05/fuenf-thesen-gert-weisskirchen/" target="_blank" rel="noopener"><strong>antisemitische &Auml;u&szlig;erungen</strong></a><br />Gert Weisskirchen, au&szlig;enpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion</p>
<p>&#8226;&nbsp;<a href="http://www.heise.de/newsticker/Ausweitung-der-Web-Sperren-auf-Hasspropaganda-gefordert--/meldung/141770" target="_blank" rel="noopener"><strong>Hass-Seiten</strong><br /></a>Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma </p>
<p>&#8226;&nbsp;<a href="http://www.dwdl.de/story/21477/rttgers_liebeserklrung_sentimentalitt_statt_argumente/" target="_blank" rel="noopener"><strong>alle umstrittenen Seiten im Internet</strong></a><br />J&uuml;rgen R&uuml;ttgers (CDU), Ministerpr&auml;sident des Landes Nordrhein-Westfalen</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h5>Neben&shy;wir&shy;kungen und Folgen </h5>
<p>Mangelnde Effizienz ist ein Problem, kontraproduktive L&ouml;sungen ein viel gr&ouml;&szlig;eres: Die KritikerInnen wandten in der Diskussion nicht nur ein, dass die Zugangssperren weitgehend wirkungslos seien und direkte L&ouml;schanfragen mehr Erfolg zeigen, nein sie behaupteten auch, dass die neue Infrastruktur die Verfolgung der T&auml;ter gef&auml;hrden k&ouml;nne. Seien die &#8222;Stopp-Schilder&#8220; n&auml;mlich erst einmal installiert, k&ouml;nnten die Betreiber diese nutzen, um die Erreichbarkeit ihrer Webseiten automatisch zu pr&uuml;fen. Dazu gen&uuml;ge ein kleines Testskript, dass st&auml;ndig die Erreichbarkeit ihrer Seite pr&uuml;fe. Sobald dieses Skript melde, dass ihre Seite auf einer Sperrliste enthalten sei, k&ouml;nnten sie mit ihren Inhalten auf einen neuen Server umziehen und die Zeit nutzen, um ihre Spuren zu verwischen. Zugangssperren k&ouml;nnten eine effektive Strafverfolgung der Anbieter verhindern.</p>
<p>Jenseits der technischen Fragen finden sich auch grunds&auml;tzliche Bedenken gegen eine Filterinfrastruktur. F&uuml;r die Sicherheitspolitik einer demokratischen Gesellschaft gilt schlie&szlig;lich: Zweck und Mittel verhalten sich nicht neutral zueinander. Das hehre Ziel &#8211; der Kampf gegen Kinderpornografie &#8211; darf nicht mit beliebigen Mitteln verteidigt werden. Die Kritiker des Gesetzes haben von Beginn an auf die zu erwartenden Folgen hingewiesen: Ist die Sperrung kinderpornografischer Seiten erst einmal beschlossen, werden weitere Vorschl&auml;ge zur S&auml;uberung des Netzes nicht lang auf sich warten lassen; inzwischen liegen zahlreiche Vorschl&auml;ge auf dem Tisch (s. Infokasten). Dass es dazu kommen w&uuml;rde, verdankt sich wohl zweier Mechanismen. Zum einen ist es die beliebte Salami-Taktik von Sicherheitspolitikern, neue Kontrolltechniken zun&auml;chst gegen die schlimmsten der Schlimmen anzuwenden, um sie dann Schritt f&uuml;r Schritt auf andere Bedrohungen auszuweiten. Daneben spielt aber auch ein aus dem Publikum herr&uuml;hrender Mechanismus demokratischer Diskurse eine wichtige Rolle: Werden die schutzbed&uuml;rftigen Interessen einer Gruppe mit besonderen Sanktionen anerkannt, fordern andere Betroffene nat&uuml;rlich den gleichen vermeintlichen Schutz ein. Mit jeder Sanktion wird also ein Wettlauf um die Anerkennung als zu sch&uuml;tzende Gruppe angeheizt, werden die bestehenden Gleichgewichte zwischen allgemeinen und besonderen, zwischen freiheitlichen und repressiven Interessen in Bewegung gesetzt.</p>
<p>Genau an diesem Punkt zeigt sich die fatale Wirkung des Systems der Zugangssperren: Sie besteht im Aufbau einer Infrastruktur bei den Internetprovidern und der Etablierung organisatorischer und technischer Standards f&uuml;r die Abwicklung des Zensurprozesses. Sind diese erst einmal in der Welt, entfalten sie eine gewisse Eigendynamik. Man kennt dies bereits aus anderen Diskussionen: Warum d&uuml;rfen die LKW-Mautdaten nicht genutzt werden, wenn die Polizei auf der Suche nach einem mutma&szlig;lichen Vergewaltiger ist? Wieso d&uuml;rfen wir den Verd&auml;chtigen nicht mit Hilfe seiner Handy-Standortdaten orten, wenn die ohnehin beim Telefonanbieter gespeichert sind? Kurzum: Warum sollten wir nicht tun, was technisch machbar ist?</p>
<p>Gegen derartige faktizistische Plausibilit&auml;t haben einzelne Betroffene, haben die Verteidiger eines freien Internets kaum eine Chance. Nachdem die D&uuml;sseldorfer Bezirksregierung jahrelang recht erfolglos mit Sperrverf&uuml;gungen gegen vermeintliche rechtsradikale Propaganda im Netz vorgegangen ist, setzt das Zugangserschwerungsgesetz eine neue Dynamik in Gang. Was am Ende von der Meinungs- und Rezipientenfreiheit des Internets &uuml;brig bleiben wird, ist derzeit offen.</p>
<p>Was also k&ouml;nnen die Verteidiger des freien Internets tun? Auf die Einsicht des Gesetzgebers zu vertrauen, w&auml;re naiv. Die im Gesetz angek&uuml;ndigte Evaluation wird kaum helfen, die Internetsperren wieder zu entfernen. Bei der beschlossenen &#8222;Evaluation&#8220; handelt es sich ohnehin nur um einen &#8222;Bericht &uuml;ber die Anwendung des Gesetzes&#8220;, der nicht einmal ansatzweise Neutralit&auml;t und wissenschaftliche Rationalit&auml;t f&uuml;r sich beanspruchen kann. Mittlerweile wurde eine Verfassungsbeschwerde gegen das Gesetz eingereicht, &uuml;ber deren Erfolgsaussichten man nur spekulieren kann. Letztlich wird es davon abh&auml;ngen, ob die in diesem Jahr entstandene Bewegung um dem AK Zensur politische wie technische Perspektiven f&uuml;r ein freies Internet entwickelt.</p>
<p><i>Sven L&uuml;ders<br />ist Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Humanistischen Union</i></p>
<p><i>Hintergrund:</i></p>
<p><i>Wie einfach das L&ouml;schen inkriminierter Webseiten veranlasst werden kann, dokumentiert der AK Zensur: </i><a href="http://ak-zensur.de/" target="_blank" rel="noopener"><i>http://ak-zensur.de</i></a><i>.</i></p>
<p><i>Eine kritische Lekt&uuml;re der von der Bundesfamilienministerin verbreiteten Zahlen zur Kinderpornografie bietet der &#8222;Verein der Missbrauchsopfer gegen Internetsperren&#8220; (Mogis): </i><a href="http://mogis.wordpress.com/" target="_blank" rel="noopener"><i>http://mogis.wordpress.com</i></a><i>.</i></p>
<p><i>Die Vorgeschichte von Sperrverf&uuml;gungen im nordrhein-westf&auml;lischen Internet schildert Alvar Freude: </i><a href="http://odem.org/informationsfreiheit/" target="_blank" rel="noopener"><i>http://odem.org/informationsfreiheit/</i></a><i>.</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/der-kampf-ums-medium-sperrlisten-im-internet-als-rechtsdurchsetzung-oder-einstieg-in-die-zensur/">Der Kampf ums Medium. Sperrlisten im Internet als Rechtsdurchsetzung oder Einstieg in die Zensur?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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            	</item>
		<item>
		<title>Freiheit statt Angst 2009 &#8211; gegen den Überwachungswahn. Aufruf zur Demonstration in Berlin am 12. September 2009</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/freiheit-statt-angst-2009-gegen-den-ueberwachungswahn-aufruf-zur-demonstration-in-berlin-am-12-se/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 14:50:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 5 (Red.) Seit drei Jahren versammeln sich Datensch&#252;tzerInnen allj&#228;hrlich im Herbst, um f&#252;r das Recht auf informationelle Selbstbestimmung zu demonstrieren. Die vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung organisierten Demonstrationen &#8222;Freiheit statt Angst&#8220; haben in den vergangenen Jahren jeweils mehrere 10.000 Teilnehmer erreicht und der neuen Datenschutzbewegung ein Gesicht gegeben. Auch in diesem [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/freiheit-statt-angst-2009-gegen-den-ueberwachungswahn-aufruf-zur-demonstration-in-berlin-am-12-se/">Freiheit statt Angst 2009 &#8211; gegen den Überwachungswahn. Aufruf zur Demonstration in Berlin am 12. September 2009</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 5</p>
<div><span class="migrated-image"><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/anzeige_2sp_92_x_92bw.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-4159 size-medium" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/anzeige_2sp_92_x_92bw-450x450.jpg" alt="Freiheit statt Angst 2009 - gegen den &Uuml;berwachungswahn. Aufruf zur Demonstration in Berlin am 12. September 2009" width="450" height="450" srcset="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/anzeige_2sp_92_x_92bw-450x450.jpg 450w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/anzeige_2sp_92_x_92bw-150x150.jpg 150w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/anzeige_2sp_92_x_92bw-768x768.jpg 768w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/anzeige_2sp_92_x_92bw-750x750.jpg 750w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/anzeige_2sp_92_x_92bw-1536x1536.jpg 1536w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/anzeige_2sp_92_x_92bw-2048x2048.jpg 2048w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/anzeige_2sp_92_x_92bw-600x600.jpg 600w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/anzeige_2sp_92_x_92bw-337x337.jpg 337w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/anzeige_2sp_92_x_92bw-250x250.jpg 250w" sizes="(max-width: 450px) 100vw, 450px" /></a></span></p>
<p class="news-single-imgcaption">
</div>
<p><i>(Red.) Seit drei Jahren versammeln sich Datensch&uuml;tzerInnen allj&auml;hrlich im Herbst, um f&uuml;r das Recht auf informationelle Selbstbestimmung zu demonstrieren. Die vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung organisierten Demonstrationen &#8222;Freiheit statt Angst&#8220; haben in den vergangenen Jahren jeweils mehrere 10.000 Teilnehmer erreicht und der neuen Datenschutzbewegung ein Gesicht gegeben. </i></p>
<p><i>Auch in diesem Jahr ruft ein B&uuml;ndnis von &uuml;ber 150 Organisationen dazu auf, die Forderung nach einem besseren Schutz unserer Daten auf die Stra&szlig;e zu tragen. Die Humanistische Union hat an der diesj&auml;hrigen Vorbereitung der Demonstration besonderen Anteil, wir stellen Aktionsb&uuml;ro und Konto f&uuml;r das B&uuml;ndnis zur Verf&uuml;gung. Wir rufen deshalb alle Mitglieder und Freunde der HU dazu auf, sich an der Demonstration zu beteiligen. Nachfolgend der Aufruf zur Demonstration:</i></p>
<p>Der &Uuml;berwachungswahn greift weiterhin um sich. Insbesondere die &Uuml;berwachung am Arbeitsplatz hat zugenommen. Besch&auml;ftigte werden in ihrem Arbeitsumfeld, teilweise auch in ihrem Privatleben &uuml;berwacht. Zugleich registrieren, &uuml;berwachen und kontrollieren uns staatliche Stellen bei immer mehr Gelegenheiten.</p>
<p>Egal was wir tun, mit wem wir sprechen oder telefonieren, wohin wir uns bewegen oder fahren, mit wem wir befreundet sind, wof&uuml;r wir uns interessieren, in welchen Gruppen wir uns engagieren &#8211; der &#8222;gro&szlig;e Bruder&#8220; Staat und die &#8222;kleinen Br&uuml;der und Schwestern&#8220; aus der Wirtschaft wissen es immer genauer.</p>
<p>Der daraus resultierende Mangel an Privatsph&auml;re und Vertraulichkeit gef&auml;hrdet unsere Gesellschaft. Menschen, die sich st&auml;ndig beobachtet und &uuml;berwacht f&uuml;hlen, k&ouml;nnen sich nicht unbefangen und mutig f&uuml;r ihre Rechte und eine gerechte Gesellschaft einsetzen. Eine solche Gesellschaft wollen wir nicht!</p>
<p>Der vermeintliche Sicherheitsgewinn, mit dem &Uuml;berwachung und Kontrolle oft begr&uuml;ndet werden, ist mehr als zweifelhaft: Die Anh&auml;ufung von Informationen &uuml;ber die Bev&ouml;lkerung bietet keinen besseren Schutz vor Kriminalit&auml;t, kostet uns j&auml;hrlich aber Milliarden von Euro. Gezielte und nachhaltige Ma&szlig;nahmen zur St&auml;rkung der Sicherheit bleiben dabei genauso auf der Strecke wie die L&ouml;sung dr&auml;ngender Probleme, etwa der Arbeitslosigkeit und der ungleichen Lebenschancen in unserem Land.</p>
<p>Dar&uuml;ber hinaus weicht die verst&auml;rkte Kompetenzvermischung und Zusammenarbeit zwischen Polizei, Geheimdiensten und Milit&auml;r die bisherige Balance staatlicher Gewaltenteilung auf. Das f&uuml;hrt nicht nur zur Aufhebung rechtsstaatlicher Grenzen der &Uuml;berwachung im Inland, sondern auch zur zunehmenden Abschottung unserer Gesellschaft nach Au&szlig;en.</p>
<p>Die &Uuml;berwachung des Alltags betrifft nicht nur Minderheiten, sondern uns alle: Sie beeintr&auml;chtigt die Freiheit unseres Glaubensbekenntnisses, unsere Meinungs- und Informationsfreiheit, die freie Arbeit der Medien, die Koalitionsfreiheit und die Integrit&auml;t von Unternehmen. Viele zivilgesellschaftliche Organisationen und Berufsgruppen sehen sich in besonderem Ma&szlig;e der &Uuml;berwachung und Kontrolle ausgesetzt, etwa die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Beratungsdiensten, &Auml;rztinnen und &Auml;rzte, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, Journalistinnen und Journalisten, Rechtsanw&auml;ltinnen und Rechtsanw&auml;lte.</p>
<p>Der Respekt vor unserer Privatsph&auml;re ist ein wichtiger Teil unserer menschlichen W&uuml;rde, beruflich wie privat. Eine freie und offene Gesellschaft kann ohne bedingungslos private R&auml;ume und Kommunikation nicht existieren. Deshalb rufen wir alle B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger auf, sich an der Demonstration am 12. September 2009 in Berlin zu beteiligen. Wir wollen unsere Sorge um den Zustand des Datenschutzes lautstark zum Ausdruck bringen und ein deutliches Zeichen daf&uuml;r setzen, dass viele Menschen f&uuml;r ihre Freiheitsrechte wieder auf die Stra&szlig;e gehen!</p>
<p>Treffpunkt f&uuml;r die Demonstration &#8222;Freiheit statt Angst 2009&#8243; ist am Samstag, den 12. September 2009 um 15.00 Uhr am Potsdamer Platz. Der Protestmarsch durch die Stadt wird nach einem Rundkurs wieder am Potsdamer Platz enden.</p>
<p>Auf der Webseite <a href="http://www.freiheitstattangst.de/" target="_blank" rel="noopener">www.FreiheitStattAngst.de</a> finden sich jeweils die neuesten Informationen zur Demonstration und den M&ouml;glichkeiten, bei der Vorbereitung der Demonstration mitzuhelfen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/freiheit-statt-angst-2009-gegen-den-ueberwachungswahn-aufruf-zur-demonstration-in-berlin-am-12-se/">Freiheit statt Angst 2009 &#8211; gegen den Überwachungswahn. Aufruf zur Demonstration in Berlin am 12. September 2009</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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            	</item>
		<item>
		<title>Weg damit! Gegen Kindesmissbrauch helfen keine Internetsperren</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/weg-damit-gegen-kindesmissbrauch-helfen-keine-internetsperren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 14:40:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Informationsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 6-7 Liebe Freundinnen und Freunde, meine sehr verehrten Damen und Herren, als B&#252;rgerrechtsvereinigung protestieren wir scharf gegen den &#8222;Zugangserschwerungsgesetz&#8220; genannten Einstieg in die Internetzensur. Das am Donnerstag verabschiedete Gesetz soll zwar gegen Kirnderpornographie helfen. Doch tats&#228;chlich hilft es den Missbrauchsopfern nicht, tats&#228;chlich wird eine L&#246;schung von Kinderporno-Seiten schwerer und [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/weg-damit-gegen-kindesmissbrauch-helfen-keine-internetsperren/">Weg damit! Gegen Kindesmissbrauch helfen keine Internetsperren</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 6-7</p>
<div><span class="migrated-image"><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/demo01_02.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-4160 size-medium" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/demo01_02.jpg" alt="Weg damit! Gegen Kindesmissbrauch helfen keine Internetsperren" width="600" height="400" srcset="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/demo01_02.jpg 600w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/demo01_02-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a></span></p>
<p class="news-single-imgcaption">
</div>
<p>Liebe Freundinnen und Freunde,</p>
<p>meine sehr verehrten Damen und Herren,</p>
<p>als B&uuml;rgerrechtsvereinigung protestieren wir scharf gegen den &#8222;Zugangserschwerungsgesetz&#8220; genannten Einstieg in die Internetzensur. Das am Donnerstag verabschiedete Gesetz soll zwar gegen Kirnderpornographie helfen. Doch tats&auml;chlich hilft es den Missbrauchsopfern nicht, tats&auml;chlich wird eine L&ouml;schung von Kinderporno-Seiten schwerer und tats&auml;chlich ist das der Einstieg in Internet-Zensur, in letztlich &#8222;chinesische Verh&auml;ltnisse&#8220;. Unter der wohlmeinenden &Uuml;berschrift wird eine Infrastruktur aufgebaut, mit der alle m&ouml;glichen Inhalte im Netz zensiert werden k&ouml;nnen.</p>
<p>Das sogenannte Zugangserschwerungsgesetz ist ungeeignet und richtet zugleich v&ouml;llig unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ige Kollateralsch&auml;den an. Nicht nur Kinderpornografie, sondern sexueller Kindesmissbrauch insgesamt ist abscheulich, ist ein Verbrechen. Dar&uuml;ber sind wir alle uns einig. Doch die neuen &#8222;Stopp&#8220;-Schilder verhindern keinen Kindesmi&szlig;brauch. Leider nutzt die Politik den Konsens, dass Kindesmissbrauch ein Verbrechen ist, dazu aus, um das Beschneiden von Meinungs- und Informationsfreiheit und den Einstieg in Zensur &ouml;ffentlich akzeptabel zu machen.</p>
<h5>Der Blick auf die Fakten</h5>
<p>In der Begr&uuml;ndung des Gesetzes hei&szlig;t es &#8211; ich zitiere aus der Bundestagsdrucksache (16/13125): &#8222;Trotz nationaler und internationaler Anstrengungen zur T&auml;terermittlung und Schlie&szlig;ung von Webseiten bleiben Angebote mit kinderpornographischen Inhalten im Internet abrufbar und nehmen best&auml;ndig zu.&#8220; &#8230; Das klingt schlimm. Aber schlimmer noch ist, dass unsere Sicherheitspolitiker nicht mal in die Polizeiliche Kriminalstatistik hineinschauen.</p>
<p>Dort stehen die Zahlen zum sexuellen Kindesmissbrauch im allgemeinen und zur Kinderpornografie im speziellen. Die Zahlen haben es in sich&#8230; 2008 gab es rund 22.000 Verdachtsf&auml;lle auf sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, 2007 waren es rund 23.000 F&auml;lle. Die Polizeiliche Kriminalstatistik gliedert das sehr fein auf, nach Exhibitionismus, nach Beischlaf mit Kindern&#8230; Dann ist unter der gro&szlig;en, viel zu gro&szlig;en Gruppe von 22.000 F&auml;llen des sexuellen Missbrauchs von Kindern auch eine spezielle Gruppe aufgelistet, der &#8222;schwere sexuelle Missbrauch von Kindern zur Herstellung und Verbreitung pornographischer Schriften (&sect; 176a Abs. 3 StGB)&#8220;. Das sind 81 Verdachtsf&auml;lle.</p>
<p>Wenn man vergewaltigten Kindern helfen will, f&auml;ngt man damit an, das Internet zu zensieren? Dass n&uuml;tzt den 81 Kindern, die bei pornographischem Missbrauch gefilmt wurden aber auch nicht viel. Vielleicht sollte man beachten, dass der &uuml;berwiegende Teil des Kindesmissbrauchs in der Familie oder im nahen Umfeld des Kindes passiert; regelm&auml;&szlig;ig gibt es ganz enge T&auml;ter-Opfer-Beziehungen.</p>
<p>Wenn man sich die Polizei-Zahlen ansieht, wird man den Verdacht nicht los, dass mit dem &#8222;Zugangserschwerungsgesetz&#8220; rein symbolische Ersatzhandlungen vorgenommen werden. &#8230; Wenn der sexuelle Kindesmissbrauch vor allem in den Familien stattfindet und wenn man die Kinder wirklich sch&uuml;tzen m&ouml;chte, dann sollte man sich mal die Familien ansehen. Dabei begibt man sich allerdings in vermintes Terrain.</p>
<p>Denn einerseits geht es darum, in ihrer Familie missbrauchte Kinder vor ihren Familien zu sch&uuml;tzen. Andererseits&nbsp; kann es nicht darum gehen, in jedem Kinderzimmer einen Wachtmeister zu postieren. Hier w&auml;re innovative Familien- und Sozialpolitik gefragt. Wie die aussehen k&ouml;nnte, wie vor allem eine Pr&auml;vention jenseits von polizeilichen Zwangsma&szlig;nahmen aussehen k&ouml;nnte: das kann ich hier nicht ausf&uuml;hren.</p>
<p>Aber ich muss darauf hinweisen: hier w&auml;ren in der Familienpolitik dickere Bretter zu bohren als ein d&uuml;nnes Stopp-Schild ins Internet zu stellen &#8211; ein Stopp-Schild, das keinem missbrauchten Kind hilft, aber eine Infrastruktur zur Zensur des ganzen Internets schafft. &#8230; <br />Gerade die Parteien, die den grundgesetzlichen &#8222;Schutz von Ehe und Familie&#8220; so plakativ vor sich hertragen, m&uuml;ssen sich fragen lassen, warum sie symbolische Ersatzhandlungen vollziehen, anstatt sich in die Arbeit f&uuml;r einen effektiven Schutz von Kindern auch in der Familie hineinzuknien.</p>
<p>Ich werde das Gef&uuml;hl nicht los, dass sich da manche als Schutzapostel aufspielen, obwohl die Internetzensur den allermeisten Opfern gar nichts hilft.</p>
<h5>Kollateralsch&auml;den</h5>
<p>Allerdings erzeugt die Internetzensur &#8222;Kollateralsch&auml;den&#8220;, wie man das heutzutage nennt. Wie ernst dabei die Informationsfreiheit besch&auml;digt wird, ist n&auml;mlich das Kapitel, weshalb wir heute hier stehen.</p>
<p>Wieder einmal lohnt es, einen Blick auf die Feinheiten des Gesetzes zu werfen. Vor Kinderporno-Seiten soll ein Stoppschild aufgestellt werden &#8211; aber wie soll das realisiert werden? Solche Zugangssperren lassen sich auf sehr verschiedenen Protokollebenen vornehmen &#8211; und treffen dann einzelne Dateien, einzelne Verzeichnisse, ganze Domains oder ganze Rechner.</p>
<p>Rechner, auf denen sehr viele Domains liegen k&ouml;nnen. Die Auswahl, wie gesperrt wird, &uuml;berl&auml;sst das Gesetz dem BKA und den Providern. Damit wird die Streuwirkung einer Sperrung, die Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit einer Ma&szlig;nahme allein der Exekutive bzw. den Ausf&uuml;hrenden &uuml;berlassen. Und vor wievielen ganz legalen Seiten urpl&ouml;tzlich ein Stopp-Schild auftaucht &#8211; seien&#8217;s blo&szlig;e Informationen oder Web-Shop&#8217;s -, wieviele Stopschilder da auftauchen, blo&szlig; weil sie auf dem selben Server gehostet sind, davon kann man sich dann &uuml;berraschen lassen! &#8230;<br />Das BKA soll diese Sperrliste erstellen und an die Provider &uuml;bermitteln.</p>
<p>Die sollen die Stoppschilder schalten &#8211; und zugleich die Listen vollst&auml;ndig und sicher vor dem Zugriff unbefugter Personen verwahren, sonst droht satte Geldstrafe. Wer darauf landet, hat zun&auml;chst keine Chance, sich dagegen zu wehren. Keine Chance, den Verdacht unabh&auml;ngig &uuml;berpr&uuml;fen zu lassen, ob die Seite nun tats&auml;chlich Kinderporno enthielt &#8211; oder vielleicht ganz andere, vollkommen harmlose Inhalte.</p>
<p>Kinderpornografie ist ein Verbrechen &#8211; einerseits. Andererseits kann man den Vorwurf &#8222;Kinderporno&#8220; als Totschlagargument nutzen. Bei zu vielen Leuten h&ouml;rt dann jede kritische Betrachtung auf, setzt ein Zuschlag-Reflex ein, wo ein kritischer Blick n&ouml;tig w&auml;re&#8230; Dabei sind die Kontrollm&ouml;glichkeiten deutlich schlechter. Nach Diskussion im Innenausschuss soll das BKA jetzt von einem &#8222;Expertengremium&#8220; kontrolliert werden. Die f&uuml;nf Mitglieder sind dann berechtigt, die ansonsten hochgeheime Sperrliste einzusehen.</p>
<p>Mindestens einmal im Quartal soll sich das Expertengremium treffen, um die Liste stichprobenartig zu &uuml;berpr&uuml;fen. Und das soll ein wirksamer Schutz vor falscher Sperrung sein?<br />Schon wenn man sich anschaut, wen Ursula von der Leyen in das Gremium berufen will, kommen einem arge Zweifel: F&uuml;nf Juristen sollen es sein, der Bundesdatenschutzbeauftragte soll dazugeh&ouml;ren. Peter Schaar hat schon abgewunken &#8211; das sei nicht seine Kompetenz.</p>
<p>Ich frage: W&auml;re da eine Stelle wie etwa die Pr&uuml;fstelle f&uuml;r jugendgef&auml;hrdende Schriften nicht erheblich besser geeignet als ein Datenschutzbeauftragter? &#8230; Dort k&ouml;nnte man eher die Kompetenz vermuten, um zu unterscheiden, was tats&auml;chlich Kinderporno ist und was beispielsweise die Verbandszeitschrift eines FKK-Vereins&#8230;</p>
<h5>Einstieg in die Zensur&shy;ge&shy;sell&shy;schaft</h5>
<p>Mit dem Zugangserschwerungsgesetz haben wir eine dicke Gefahr f&uuml;r unsere freie Gesellschaft.</p>
<p>Es ist richtig, Kinder vor sexuellem Missbrauch zu sch&uuml;tzen. Aber was sind die richtigen Mittel? Was sind angemessene Mittel f&uuml;r eine freie Gesellschaft? Liberalit&auml;t aufzubauen war ein langer Kampf, ich erinnere blo&szlig; an die Ausstellung schr&auml;g gegen&uuml;ber im Historischen Museum &uuml;ber die &#8222;68er&#8220; und deren Kampf gegen die miefige, spie&szlig;ige Adenauer-&Auml;ra.</p>
<p>Wenn aus der Diskussion um wirksamen und angemessenen Schutz f&uuml;r Kinder hysterischer, blinder Aktionismus wird, dann k&ouml;nnte man auch Tschador oder Burka f&uuml;r minderj&auml;hrige M&auml;dchen fordern. Wenn man aber sieht, was das Internet, was freier Informationszugang f&uuml;r die Chinesen oder Iraner bedeutet, die jetzt darum k&auml;mpfen, dann kann man das Zensurgesetz nur ablehnen.</p>
<p>Das sogenannte &#8222;Zugangserschwerungsgesetz&#8220; dient nicht dem L&ouml;schen von Kinderporno und dient nicht der T&auml;terverfolgung. Aber es greift massiv in Grundrechte und Freiheit von vielen, auch Unbeteiligten ein: Darum weg damit!</p>
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<p class="bodytext"><i>Peter Menne,<br />Vorsitzender des Ortsverbandes Frankfurt/Main</i></p>
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<p><i>Die hier leicht gek&uuml;rzt wiedergegebene Rede hielt Peter Menne auf der Demonstration &#8222;L&ouml;schen statt Sperren&#8220;, die das Frankfurter Aktionsb&uuml;ndnis gegen Internetzensur am 20. Juni 2009 in Frankfurt/Main veranstaltete. Mitschnitte der Reden sowie Bilder der Veranstaltung unter: </i><a href="http://wiki.piratenpartei.de/LoeschenStattSperren#Frankfurt" target="_blank" rel="noopener">http://wiki.piratenpartei.de/LoeschenStattSperren#Frankfurt</a>.</p>
<p><i>Die vollst&auml;ndige Version der Rede finden Sie im PDF-Anhang.</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/weg-damit-gegen-kindesmissbrauch-helfen-keine-internetsperren/">Weg damit! Gegen Kindesmissbrauch helfen keine Internetsperren</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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            	</item>
		<item>
		<title>13 Perspektiven auf das Grundgesetz. Gemeinsame Ringvorlesung von Humanistischer Union und Berliner Institut für Recht und Gesellschaft</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/13-perspektiven-auf-das-grundgesetz-gemeinsame-ringvorlesung-von-humanistischer-union-und-berliner/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 14:35:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Veranstaltungen: Berichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 8 &#8222;Wir haben uns in den letzten Jahren vom Ideal der B&#252;rgergesellschaft immer weiter entfernt &#8230; die freiheitliche Substanz unserer Verfassung ist ohne den Nachweis einer zwingenden Notwendigkeit sp&#252;rbar verringert worden.&#8220; Dies schrieb Burkhard Hirsch vor 10 Jahren, aus Anlass des 50j&#228;hrigen Bestehens der Bundesrepublik und ihrer Verfassung (s. [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/13-perspektiven-auf-das-grundgesetz-gemeinsame-ringvorlesung-von-humanistischer-union-und-berliner/">13 Perspektiven auf das Grundgesetz. Gemeinsame Ringvorlesung von Humanistischer Union und Berliner Institut für Recht und Gesellschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 8</p>
<div><span class="migrated-image"><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_aufmacher.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-4162 size-medium" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_aufmacher-308x450.jpg" alt="13 Perspektiven auf das Grundgesetz. Gemeinsame Ringvorlesung von Humanistischer Union und Berliner Institut f&uuml;r Recht und Gesellschaft" width="308" height="450" srcset="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_aufmacher-308x450.jpg 308w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_aufmacher-411x600.jpg 411w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_aufmacher-231x337.jpg 231w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_aufmacher.jpg 505w" sizes="(max-width: 308px) 100vw, 308px" /></a></span></p>
<p class="news-single-imgcaption">
</div>
<p>&#8222;Wir haben uns in den letzten Jahren vom Ideal der B&uuml;rgergesellschaft immer weiter entfernt &#8230; die freiheitliche Substanz unserer Verfassung ist ohne den Nachweis einer zwingenden Notwendigkeit sp&uuml;rbar verringert worden.&#8220; Dies schrieb Burkhard Hirsch vor 10 Jahren, aus Anlass des 50j&auml;hrigen Bestehens der Bundesrepublik und ihrer Verfassung (s. Mitteilungen 166, S. 33 ff.). Seine damalige Bilanz enthielt eine umfangreiche &#8216;Heldentatenliste der innenpolitischen Aufr&uuml;stung&#8217;, etwa den gro&szlig;en Lauschangriff, zunehmende Telefon&uuml;berwachungen, DNA-Dateien&#8230;&nbsp; 10 Jahre sp&auml;ter legen Humanistische Union und Gustav Heinemann-Initiative gleich ein ganzes &#8222;Graubuch Innere Sicherheit&#8220; vor, um die weitere innenpolitische Entwicklung zu beschreiben.</p>
<p>Und wieder stellt sich angesichts des Jubil&auml;ums die Frage: Wo stehen wir heute? Was ist aus der Kritik von einst und den damaligen Erwartungen geworden?</p>
<p>Diese Fragen griff die Ringvorlesung &#8222;60 Jahre Grundgesetz&#8220; im Sommersemester auf. Gemeinsam mit dem Institut f&uuml;r Recht und Gesellschaft an der Humboldt-Universit&auml;t zu Berlin (LSI) wollten wir Anspruch und Wirklichkeit unserer Verfassung vergleichen, eine Standortbestimmung vornehmen: Vor welchem Hintergrund verstehen wir heute unsere Verfassung?</p>
<p>Welchen Wandel hat sie in den letzten Jahren erfahren? Und wohin entwickelt sich unser Grundgesetz? Neben Bestandsaufnahmen &uuml;ber einzelne Verfassungswerte (Menschenw&uuml;rde, Gleichheit, Friedensgebot und Religionsfreiheit) bot die Reihe auch &uuml;bergreifende Perspektiven, etwa auf das Verh&auml;ltnis zwischen Gesetzgeber und Verfassungsrechtssprechung, auf die sicherheitspolitischen Entwicklungen nach den Anschl&auml;gen des 11.9.2001 oder die europ&auml;ischen Perspektiven unserer Grundrechtsordnung.</p>
<p>Eine kleine Auswahl der Vortr&auml;ge dokumentieren wir hier, die weiteren finden sich <a href="https://www.humanistische-union.de/veranstaltungen/2009/gg60/">im Internet</a>.</p>
<p>Was haben wir mit der Vorlesungsreihe erreicht? Nun, zun&auml;chst einmal die 50 bis 200 Zuh&ouml;rer/innen, die jeweils den Vortr&auml;gen lauschten und sich teils sehr engagiert an den Diskussionen beteiligten. Dar&uuml;ber hinaus bot die interdisziplin&auml;re Zusammensetzung der Referenten manch wissenschaftlichen Kontext f&uuml;r unsere Themen, der die HU-eigenen Positionen bereichern konnte.</p>
<p>Mit dem Anspruch der HU, mehr Rationalit&auml;t in die Politik zu tragen, geh&ouml;rt der Austausch zwischen wissenschaftlichen und politischen Diskursen eigentlich zu unserem Arbeitsprogramm. Die Kooperation mit dem rechtssoziologischen LSI bot daf&uuml;r beste Voraussetzungen, wir hoffen sie Gelegenheit fortzusetzen. Zum Erkenntniswert der Reihe trugen schlie&szlig;lich auch die Au&szlig;enperspektiven bei, die nicht nur f&uuml;r die n&ouml;tige Spannung sorgten, sondern mit ihren kontr&auml;ren Positionen bei der eigenen Standortbestimmung halfen.</p>
<p><i>Eine Audiodokumentation der meisten Vortr&auml;ge ist im Internet abrufbar:<br /></i><a href="https://www.humanistische-union.de/veranstaltungen/2009/gg60/">https://www.humanistische-union.de/veranstaltungen/2009/gg60/</a>.</p>
<p><i>Das LSI bereitet eine Publikation der Vortr&auml;ge in englischer Sprache vor, &uuml;ber deren Erscheinen wir in den Mitteilungen informieren. </i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/13-perspektiven-auf-das-grundgesetz-gemeinsame-ringvorlesung-von-humanistischer-union-und-berliner/">13 Perspektiven auf das Grundgesetz. Gemeinsame Ringvorlesung von Humanistischer Union und Berliner Institut für Recht und Gesellschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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		<title>Identität und Wandel. Das Grundgesetz 1949 und heute</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 14:20:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 9 Was ist von dem Grundgesetz, welches am 23. Mai 1949 in Kraft trat, heute eigentlich noch &#252;brig? Wenn man es formal betrachtet, so Dieter Grimm, sei in diesen 60 Jahren viel passiert: Vom urspr&#252;nglichen Text, der Pr&#228;ambel und den 146 Artikeln, haben zwar noch 81 Artikel (55%) den [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 9</p>
<div><span class="migrated-image"><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_grimm2.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-4163 size-medium" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_grimm2.jpg" alt="Identit&auml;t und Wandel. Das Grundgesetz 1949 und heute" width="600" height="400" srcset="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_grimm2.jpg 600w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_grimm2-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a></span></p>
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<p>Was ist von dem Grundgesetz, welches am 23. Mai 1949 in Kraft trat, heute eigentlich noch &uuml;brig? Wenn man es formal betrachtet, so Dieter Grimm, sei in diesen 60 Jahren viel passiert: Vom urspr&uuml;nglichen Text, der Pr&auml;ambel und den 146 Artikeln, haben zwar noch 81 Artikel (55%) den gleichen Wortlaut wie 1949; darunter sind aber allein 26 Artikel aus den &#8222;&Uuml;bergangs- und Schlussbestimmungen&#8220;, von denen viele bereits &#8222;erledigt&#8220; sind.</p>
<p>Deshalb k&ouml;nne man &#8211; am reinen Text gemessen &#8211; sagen, dass mehr ge&auml;ndert als erhalten wurde. Aber ist dies ein passendes Verst&auml;ndnis von Identit&auml;t? Und wie verhalten sich der Text, seine Interpretation und Ausdeutung, sowie das soziale Umfeld, in dem die Verfassung angewandt wird, in der 60j&auml;hrigen Geschichte des Grundgesetzes zueinander?</p>
<p>Diesen Dimensionen von Verfassungs&auml;nderung und Verfassungswandel sp&uuml;rte Grimm in seiner Vorlesung &uuml;ber Identit&auml;t und Wandel des Grundgesetzes nach.</p>
<p>Die Generalrevisionen unserer Verfasung sind schnell aufgez&auml;hlt: die ersten beiden &#8211; Wehrverfassung (1955) und Notstandsverfassung (1968) &#8211; wurden noch von breitem &ouml;ffentlichen Protest begleitet, die folgenden liefen ger&auml;uschloser &uuml;ber die B&uuml;hne, von der Finanz- und F&ouml;deralismusreform 1969 &uuml;ber die &Auml;nderungen im Zuge der Wiedervereinigung (1994) bis zur F&ouml;deralismusreform 2006.</p>
<p>Welche politischen Auswirkungen Verfassungs&auml;nderungen hervorrufen k&ouml;nnen, zeigte Grimm am f&ouml;deralen Gef&uuml;ge des Grundgesetzes. Die stetige Zunahme zustimmungspflichtiger Gesetzgebung f&uuml;hrt zu einer &#8222;Verhandlungsdemokratie&#8220;, in der interne Arbeitsgruppen Kompromisse aushandeln, die mit R&uuml;cksicht auf Koalitionsabsprachen und Mehrheitsverh&auml;ltnisse der L&auml;nderkammer im Parlament nur noch abgestimmt werden.</p>
<p>Erfreulicher als die Text&auml;nderungen, die allzu oft die Schwellen f&uuml;r staatliche Eingriffe in Grundrechte senkten, war f&uuml;r B&uuml;rgerrechtler der Verfassungswandel, den das Grundgesetz in 60 Jahren erfuhr. Angefangen bei der schrittweisen Bindung aller staatlichen Gewalt an die Grundrechte bis zur Ausgestaltung des Artikels 2 als allgemeinem Auffang-Grundrecht hat sich das Grundgesetz in seiner Anwendung als sehr flexibel bewiesen &#8211; und so sch&uuml;tzt es heute wie selbstverst&auml;ndlich E-Mails und Computerfestplatten, obwohl daran 1949 niemand denken konnte.</p>
<p><i>(Zusammenfassung: Sven L&uuml;ders)</i></p>
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		<title>Das Anikonische des Grundgesetzes und die Galerie der Kanzler</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 14:15:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 9 Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Das zeigte Horst Bredekamp mit seinem Beitrag &#252;ber die Ikonografie des Grundgesetzes und die Galerie der Kanzler. Entgegen dem Programm, das die Verfassung noch als anikonisches Dokument angek&#252;ndige, pr&#228;sentierte der Vortrag eine Bildgeschichte des Grundgesetzes, mit der Bredekamp bereits in [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 9</p>
<div><span class="migrated-image"><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_bredekamp.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-4164 size-medium" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_bredekamp.jpg" alt="Das Anikonische des Grundgesetzes und die Galerie der Kanzler" width="600" height="400" srcset="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_bredekamp.jpg 600w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_bredekamp-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a></span></p>
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<p>Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Das zeigte Horst Bredekamp mit seinem Beitrag &uuml;ber die Ikonografie des Grundgesetzes und die Galerie der Kanzler. Entgegen dem Programm, das die Verfassung noch als anikonisches Dokument angek&uuml;ndige, pr&auml;sentierte der Vortrag eine Bildgeschichte des Grundgesetzes, mit der Bredekamp bereits in der Typografie des Dokumentes ansetzte.</p>
<p>Die Urkunde des Grundgesetzes zeichne sich durch einen modernen Schrifttyp aus, der sich bewu&szlig;t von traditionellen Schriftz&uuml;gen absetze. Damit distanziere sich das Grundgesetz nicht nur von der bisherigen Staats- und Verfassungstradition Deutschlands, es negiere zugleich den herrschaftlichen Charakter des Dokumentes. Dieses Motiv einer protestantischen Enthaltsamkeit gegen&uuml;ber der Macht und ihren Symbolen verfolgte Bredekamp in den Bildern des Unterzeichnungsaktes und der Galerie der Kanzler.</p>
<p>Die Aufnahmen von Erna Wagner-Hehmke zeigen die Tristesse und Enthaltsamkeit bei der Ratifikation des Grundgesetzes. Aufgereiht sitzen die Vertreter des Parlamentarischen Rates und der L&auml;nder, um einem Staatsakt beizuwohnen, der diesen Titel kaum verdient. Einziges Symbol ist eine aufgespannte Deutschlandfahne, die in das Podium hinein ragt.</p>
<p>Die Unterzeichnung selbst findet an einem wei&szlig; eingedeckten Podium statt, an dem ein Ministerpr&auml;sident nach dem anderen auf einem Holzschemel Platz nimmt. Die Dokumentation des Geschehens vermeidet jede &Uuml;berh&ouml;hung der Protagonisten, eine feierliche Atmosph&auml;re kommt nicht auf. Bredekamp erl&auml;uterte, wie mit fotografischen Mitteln das Selbstverst&auml;ndnis einer provisorischen, in ihrer Selbsreflektion gehemmten Staatsmacht stilisiert wird.</p>
<p>Das bisweilen ironisch anmutende Selbstverst&auml;ndnis durchzieht auch die Galerie der Kanzler, der sich Bredekamp abschlie&szlig;end widmete. Fallen politische Weltbilder und Pers&ouml;nlichkeiten auch weit auseinander, so eint die Kanzlergalerie von Adenauer bis Kohl der Versuch, die Staatsm&auml;nner als reflektierte, geistvolle Menschen darzustellen und sie von ihrem ikonografischen Vorbild &#8211; dem F&uuml;rstengem&auml;lde &#8211; abzusetzen.</p>
<p>Umstritten blieb allein die Deutung des j&uuml;ngsten Bildnisses (G. Schr&ouml;der), dessen Bruch mit der Tradition enthaltsamer Staatsmacht offensichtlich ist.</p>
<p><i>(Zusammenfassung: Sven L&uuml;ders)</i></p>
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		<title>Gleichheit und Differenz</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 14:10:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 10 Wer darf eigentlich mitfeiern, wenn zur Party f&#252;r den 60. Geburtstag des Grundgesetzes eingeladen wird? Die Zusammenstellung einer fiktiven G&#228;steliste nutzte Susanne Baer, um eine kleine Geschichte des Gleichheitsgrundsatzes zu entwerfen. Artikel 3 sei die Geschichte eines &#8222;Grundrechts von unten&#8220;, f&#252;r dessen Anerkennung und Durchsetzung immer wieder mobilisiert [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 10</p>
<div><span class="migrated-image"><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_baer.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-4165 size-medium" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_baer.jpg" alt="Gleichheit und Differenz" width="600" height="400" srcset="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_baer.jpg 600w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_baer-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a></span></p>
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<p>Wer darf eigentlich mitfeiern, wenn zur Party f&uuml;r den 60. Geburtstag des Grundgesetzes eingeladen wird? Die Zusammenstellung einer fiktiven G&auml;steliste nutzte Susanne Baer, um eine kleine Geschichte des Gleichheitsgrundsatzes zu entwerfen. Artikel 3 sei die Geschichte eines &#8222;Grundrechts von unten&#8220;, f&uuml;r dessen Anerkennung und Durchsetzung immer wieder mobilisiert werden musste.</p>
<p>Der Streit um Gleichheit und Differenz in der Verfassung begann bereits im parlamentarischen Rat, wo sich Elisabeth Selbert als eine von vier Frauen mit ihrer Forderung nach Gleichberechtigung zun&auml;chst nicht durchsetzen konnte. Die Gegenargumte sind noch heute gel&auml;ufig &#8211; sie reichten von der Banalisierung (&#8216;Ist doch klar&#8230; Wollen wir ja alle&#8230;&#8217;) bis zur offenen Ablehnung (&#8216;Im Privaten geht das aber zu weit&#8230;&#8217;). Um die antifeministische Front zu durchbrechen, organisierte Selbert gemeinsam mit Frauenverb&auml;nden eine Postkartenaktion. Die veranlasste schlie&szlig;lich die FDP zum Einlenken und verhalf dem allgemeinen Gleichheitssatz zum Durchbruch.</p>
<p>Die Ern&uuml;chterung &uuml;ber den vermeintlichen Erfolg stellte sich bald ein: Auch so selbstverst&auml;ndliche Folgen wie gleicher Lohn f&uuml;r Frauen und M&auml;nner blieben aus, Artikel 3 Absatz 2 blieb zun&auml;chst ein &#8222;schlafendes Grundrecht&#8220;. Dass daraus mehr wurde, ist nicht zuletzt jenen &uuml;ber 100 Beschwerdef&uuml;hrer/innen zu danken, die gegen diskriminierende Praktiken in Karlsruhe, Kassel oder Leipzig klagten. Die Geschichte des Artikel 3 sei deshalb, so Baer, vor allem eine &#8222;Geschichte der Juristinnen und Juristen, die zur Protestbewegung befugt haben, und der B&uuml;rgerrechtsorganisationen und Gewerkschaften&#8220;.</p>
<p>Bei den zumeist m&auml;nnlichen Spruchk&ouml;rpern der Gerichte trafen die Forderungen auf unterschiedliches Geh&ouml;r: W&auml;hrend der allgemeine Gleichheitsgrundsatz in Karlsruhe eine &#8222;klare Erfolgsgeschichte&#8220; verzeichnen konnte &#8211; immer wieder wurde der Gesetzgeber zu rationalem Handeln ermahnt &#8211; ignorierten die Richter Forderungen nach einer Gleichbehandlung von M&auml;nnern und Frauen oft, lieferten f&uuml;r manche Form der Diskriminierung (1957 Homosexualit&auml;t) gar biologische Begr&uuml;ndungen ab. Viele Richterinnen und Richter mochte Baer deshalb nicht zur Party einladen &#8211; zu sehr seien die Gerichte im Bad des Zeitgeistes geschwommen.</p>
<p><i>(Zusammenfassung: Sven L&uuml;ders)</i></p>
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		<item>
		<title>Geschichte des Grundgesetzes</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/geschichte-des-grundgesetzes-1/</link>
		
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		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 10 Ein Blick auf die Entstehungsgeschichte des Grundgesetzes zeigt: Die heute verbreitete Begeisterung f&#252;r unsere Verfassung war nicht immer vorhanden. Als sich im August 1948 die &#8222;Verfassungseltern&#8220; zum Konvent trafen, war ein Teil der Deutschen noch in der Gesinnung des Nationalsozialismus gefangen, der andere Teil von seiner Unschuld &#252;berzeugt. [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 10</p>
<div><span class="migrated-image"><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_bommarius.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-4166 size-medium" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_bommarius.jpg" alt="Geschichte des Grundgesetzes" width="600" height="400" srcset="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_bommarius.jpg 600w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/gg60_bommarius-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a></span></p>
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<p>Ein Blick auf die Entstehungsgeschichte des Grundgesetzes zeigt: Die heute verbreitete Begeisterung f&uuml;r unsere Verfassung war nicht immer vorhanden. Als sich im August 1948 die &#8222;Verfassungseltern&#8220; zum Konvent trafen, war ein Teil der Deutschen noch in der Gesinnung des Nationalsozialismus gefangen, der andere Teil von seiner Unschuld &uuml;berzeugt.</p>
<p>Zudem herrschte die Auffassung, dass es sich bei der Gr&uuml;ndung Westdeutschlands nur um eine &Uuml;bergangsl&ouml;sung handle, das Grundgesetz nur provisorischen Charakter habe. Christian Bommarius zitierte in seiner Vorlesung zur Geschichte des Grundgesetzes eine Umfrage aus dem M&auml;rz 1949, wonach 40% der befragten Westdeutschen dem Grundgesetz gleichg&uuml;ltig gegen&uuml;ber standen, 33% zeigten sich m&auml;&szlig;ig und nur 21% st&auml;rker daran interessiert.</p>
<p>Bommarius widmete sich den Umst&auml;nden, unter denen das Grundgesetz entstand. Sein Vortrag erz&auml;hlte von den 77 M&auml;nnern und Frauen, die drei Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur, im beginnenden Kalten Krieg zusammen kamen, um &uuml;ber eine demokratische Verfassung zu beraten. In keinem anderen westdeutschen Nachkriegsparlament sa&szlig;en so viele Nazi-Gegner und Nazi-Opfer wie im parlamentarischen Rat.</p>
<p>Unter diesen Voraussetzungen war es, so Bommarius, um so erstaunlicher, dass sich mit dem Grundgesetz eine &#8222;kopernikanische Wende&#8220; im Staatsbild der Deutschen vollzog: Mit der neuen Verfassung endete der deutsche Obrigkeitsstaat und wurde durch einen Staat der B&uuml;rger ersetzt, die von nun an Freiheitsgarantien gegen&uuml;ber dem Staat genossen. Am neuen Staats- und Menschenbild hob Bommarius insbesondere die Garantie der Menschenw&uuml;rde hervor, Artikel 1 Absatz 1 Grundgesetz.</p>
<p>Bommarius warnte davor, dass dieser Kerngedanke unserer Verfassung zunehmend unter die R&auml;der gerate: &#8222;Wer die einschl&auml;gigen Karlsruher Urteile der letzten Jahre liest, muss den Eindruck haben, dass die Menschenw&uuml;rde noch was gilt, nur mit ihrer Garantie durch die Politik ist es nicht mehr weit her&#8220;, kritisierte er. Die Urteile zum gro&szlig;en Lauschangriff, der Online-Durchsuchung und dem Luftsicherheitsgesetz machten deutlich, dass die in den Grundrechten enthaltene Abstandsgarantie zwischen Staat und B&uuml;rgern nicht immer gewahrt werde.</p>
<p><i>(Zusammenfassung: Nina Eschke)</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/geschichte-des-grundgesetzes-1/">Geschichte des Grundgesetzes</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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		<item>
		<title>60 Jahre Grundgesetz  Feierlichkeiten mit schalem Nachgeschmack</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/60-jahre-grundgesetz-feierlichkeiten-mit-schalem-nachgeschmack/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 13:50:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Verband: Beirat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 11 Eingezwängt zwischen Bierständen, Wurstbuden und zur Schau gestellten Panzerfahrzeugen der Bundeswehr stand das kleine Zelt des Bundesverfassungsgerichts auf der &#132;Festmeile&#8220; am Brandenburger Tor. Nur wenige hörten zu, als die Richterin Hohmann-Dennhardt und der neue Vizepräsident Voßkuhle von zwei Journalistinnen zur Thematik der Gleichberechtigung von Mann und Frau befragt [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/60-jahre-grundgesetz-feierlichkeiten-mit-schalem-nachgeschmack/">60 Jahre Grundgesetz  Feierlichkeiten mit schalem Nachgeschmack</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 11</p>
<p>Eingezwängt zwischen Bierständen, Wurstbuden und zur Schau gestellten Panzerfahrzeugen der Bundeswehr stand das kleine Zelt des Bundesverfassungsgerichts auf der &#132;Festmeile&#8220; am Brandenburger Tor. Nur wenige hörten zu, als die Richterin Hohmann-Dennhardt und der neue Vizepräsident Voßkuhle von zwei Journalistinnen zur Thematik der Gleichberechtigung von Mann und Frau befragt wurden.</p>
<p>Die beiden Richter erzählten anschaulich, wie der Gesetzgeber immer wieder zur Korrektur gezwungen werden musste. Dabei lässt der Verfassungssatz &#132;Männer und Frauen sind gleichberechtigt&#8220; doch an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Aber auch in anderen Bereichen sind Verfassungsverstöße keine Ausnahme &#8211; es drängt sich sogar der Eindruck auf, dass diese sich in den letzten Jahren häufen.</p>
<p>So hat das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber des Bundes in den letzten fünf Jahren zweimal attestiert, gegen die Menschenwürde, das höchste Gut unserer Verfassung, verstoßen zu haben (beim &#132;Lauschangriff&#8220; in der Strafprozessordnung sowie dem &#132;Rettungsabschuss&#8220; im Luftsicherheitsgesetz). Viele Parlamentarier und Regierungsmitglieder müssten also schuldbewusst den Kopf senken, wenn an die im Grundgesetz enthaltenen Verpflichtungen erinnert wird. Statt dessen wurde Selbstbeweihräucherung im großen Stil betrieben und suggeriert, dass die Regierenden die besten Freunde der Verfassung seien.</p>
<p>Die Besonderheit des Grundgesetzes gegenüber den meisten &#132;einfachen&#8220; Gesetzen hat der ehemalige Verfassungsrichter Dieter Grimm bei einem Vortrag am 4. Mai erklärt: Während der Bürger durch Gesetze üblicherweise mit verschiedenen Pflichten belastet wird, räumt ihm unsere Verfassung bestimmte Freiheiten ein und unterwirft die Staatsgewalt entsprechenden Bindungen. Von manchen Regierungspolitikern wird denn auch geklagt, die Verfassung würde immer stärker zur &#132;Kette, die den Bewegungsspielraum der Politik lahmlegt&#8220; (Schäuble in der F.A.Z. v. 13.9.1996).</p>
<p>Die Staatsgewalt an die Kette zu legen und damit zugleich die Freiheit der Bürger zu schützen, ist aber gerade die wichtigste Funktion moderner Verfassungen. Wenn und soweit sie diese Aufgabenstellung erfolgreich bewältigen, gibt es allen Anlass, ihre Jahrestage gebührend zu feiern &#150; aber nicht durch die Regierungen als den Adressaten der Verfassungen, sondern durch den Souverän in der Demokratie, also durch das Volk und nicht zuletzt auch durch die Bürgerrechtsorganisationen, die sich als echte Verfassungsfreunde engagieren.</p>
<p>Deshalb ist es nur zu begrüßen, dass die Humanistische Union gemeinsam mit dem Berliner Institut für Recht und Gesellschaft der Humboldt-Universität eine Ringvorlesung mit dem Titel &#132;60 Jahre Grundgesetz &#150; Anspruch und Wirklichkeit&#8220; veranstaltet. Die Namen einiger Referentinnen und Referenten lassen dann auch eine bürgerrechtliche Perspektive auf die einzelnen Regelungsgegenstände erwarten, so der oben schon erwähnte Dieter Grimm sowie der angesehene Redakteur Christian Bommarius, der unlängst mit einem Buch zur Entstehungsgeschichte des Grundgesetzes hervorgetreten ist, oder der Trierer Strafrechtler Mark Zöller, der die europäische Strafgesetzgebung unter die grundgesetzliche Lupe nimmt.</p>
<p>Beim Weiterlesen der Referentenliste allerdings stutzt man unwillkürlich: Über das Verhältnis zwischen Politik und Bundesverfassungsgericht soll &#8222;unsere&#8220; Justizministerin Brigitte Zypries reden, die als konsequente Verteidigerin der Grundrechte bisher kaum in Erscheinung getreten ist. Und weiter: Ein Thema, das in der Arbeit der Humanistischen Union eine zentrale Stellung einnimmt und angesichts von gesetzgeberischen Segnungen wie z. B. dem neuen BKA-Gesetz hohe Aktualität besitzt, ist &#8222;Sicherheit und Freiheit&#8220;. Hierüber referieren soll ausgerechnet der Politikwissenschaftler Herfried Münkler, der in seinen Veröffentlichungen auch völkerrechtswidrige Bundeswehreinsätze rund um die Welt rechtfertigt: &#8222;Humanitäre Militärinterventionen sind politische und finanzielle Investitionen ins Gemeinwohl&#8220; (Münkler in der F.A.Z. v. 9.10.06).</p>
<p>Hätte ein so hochsensibles Thema wie das Verhältnis zwischen Sicherheit und Freiheit nicht einen Referenten oder eine Referentin verdient, der oder die die entsprechenden Vorgaben des Grundgesetzes und des Völkerrechts ernster nimmt? Sowohl die Vorsitzende unserer Bürgerrechtsorganisation als auch unser stellvertretender Vorsitzender hätten als ausgewiesene Fachleute doch sicher eine Menge zu dieser Thematik sagen können. <br />Ein anderes Thema fehlt bei der Ringvorlesung völlig, nämlich die aktuellen Folgerungen aus dem Verfassungsgebot der Sozialstaatlichkeit.</p>
<p>Wie weit sich inzwischen die soziale Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland geöffnet hat, lässt sich in jeder guten Tageszeitung nachlesen. Und was die Möglichkeiten des Staates zur Bewältigung der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise betrifft, hüllt sich das Grundgesetz keineswegs in Schweigen, wie schon die Lektüre der Art. 14 und 15 zeigt. Die Auslassung dieser Thematik ist vermutlich kein Zufall; offenbar haben sich die Verantwortlichen nicht an diese politisch brisante und sperrige Problematik herangetraut (wie übrigens schon bei der Ringvorlesung zum 50.</p>
<p>Geburtstag des Grundgesetzes, als erst nach langen Debatten noch eine Veranstaltung zu &#132;Grundgesetz und Bundeswehr&#8220; in das Programm aufgenommen wurde &#8211; immerhin war 1999 das Jahr des Kosovo-Krieges!). Anscheinend geht es bei der jetzigen Ringvorlesung eher um Hochschulmarketing durch die Präsentation klingender Namen und weniger um eine Darstellung bürgerrechtlich orientierter Sichtweisen.</p>
<p>Die Beteiligung der Humanistischen Union an dieser Veranstaltung erhöht vielleicht unseren Bekanntheitsgrad, gefährdet allerdings unsere Glaubwürdigkeit als Nichtregierungsorganisation von engagierten Verfassungsverteidigern. Es bleibt dabei: 60 Jahre Grundgesetz sind &#132;kein Grund, sich auszuruhen!&#8220; (Voßkuhle, NJW-Editorial Heft 21/2009).</p>
<p><i>Prof. Dr. Martin Kutscha<br />ist Mitglied des Beirats der Humanistischen Union</i></p>
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		<title>60 Jahre Grundgesetz  mehr Demokratie wagen! Kongress der Humanistischen Union Frankfurt</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 13:47:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Veranstaltungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt: Veranstaltungsberichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 12/13 Am 23. Mai war ein runder Geburtstag: Unser Grundgesetz wurde 60 Jahre alt. Der Frankfurter Ortsverband w&#252;rdigte den Jubilar mit einem Kongress &#8211; nicht nur am historischen Tag, sondern auch an historischem Ort: im Frankfurter I.G.-Farben-Haus. Dort hatte der amerikanische Milit&#228;rgouverneur am 1. Juli 1948 den Ministerpr&#228;sidenten der [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 12/13</p>
<div><span class="migrated-image"><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/podiumgg60.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-4167 size-medium" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/podiumgg60-590x450.jpg" alt="60 Jahre Grundgesetz &#8211; mehr Demokratie wagen! Kongress der Humanistischen Union Frankfurt" width="590" height="450" srcset="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/podiumgg60-590x450.jpg 590w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/podiumgg60-768x586.jpg 768w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/podiumgg60-787x600.jpg 787w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/podiumgg60-442x337.jpg 442w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/podiumgg60.jpg 800w" sizes="(max-width: 590px) 100vw, 590px" /></a></span></p>
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<p>Am 23. Mai war ein runder Geburtstag: Unser Grundgesetz wurde 60 Jahre alt. Der Frankfurter Ortsverband w&uuml;rdigte den Jubilar mit einem Kongress &#8211; nicht nur am historischen Tag, sondern auch an historischem Ort: im Frankfurter I.G.-Farben-Haus. Dort hatte der amerikanische Milit&auml;rgouverneur am 1. Juli 1948 den Ministerpr&auml;sidenten der Trizonen-L&auml;nder den Auftrag erteilt, eine Verfassung f&uuml;r das Gebiet der Trizone auszuarbeiten.</p>
<p>Peter Menne wies in seiner Einf&uuml;hrung auf Besonderheiten dieser deutschen Verfassung hin: den provisorischen Charakter (g&uuml;ltig bis zu dem Tag, &#8222;an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist&#8220;); die uneingel&ouml;sten Versprechen, die das Grundgesetz aus der Weimarer Verfassung &uuml;bernahm, aber bis heute nicht verwirklicht (z.B. die Abschaffung der staatlichen Leistungen an die Kirchen).<br />Mit vier Referaten blickte der Kongress im ersten Teil zur&uuml;ck: Was hat sich in den letzten 60 Jahren wie entwickelt? Der zweite Teil schauten nach vorn: Wo wollen wir hin, welche Weiterentwicklungen sind n&ouml;tig? Es referierten:</p>
<ul>
<li><em><strong>Prof. Dr. Rosemarie Will</strong>: Gibt es ein &#8222;Grundrecht auf Sicherheit&#8220;?</em></li>
<li><em><strong>Dr. Werner Konitzer</strong>: Asyl und Migration: Zur Geschichte eines politischen Rechts in der Bundesrepublik.</em></li>
<li><em><strong>Dr. des. Volker Mittendorf</strong>: Direkte Demokratie im Grundgesetz &#8211; ein uneingel&ouml;stes Versprechen?</em></li>
<li><em><strong>Dr. Sascha Liebermann</strong>: Den Sozialstaat auf das Fundament stellen, auf dem die Demokratie schon ruht &#8211; durch ein bedingungsloses Grundeinkommen.</em></li>
</ul>
<p>Werner Konitzer ist stellvertretender Direktor des Fritz Bauer Instituts, das der Ortsverband Frankfurt ebenso als Mitveranstalter gewinnnen konnte wie die Frankfurter Rundschau, die den Kongress gro&szlig; ank&uuml;ndigte.</p>
<p>Im ersten Referat widmete sich die Bundesvorsitzende der HU, Rosemarie Will, der rechtstheoretischen Frage, ob es ein &#8222;Grundrecht auf Sicherheit&#8220; geben k&ouml;nne. Dabei griff sie eine Figur auf, die der Bonner Staatsrechtler Josef Isensee 1983 entworfen hat. Nach Isensee sei s&auml;mtlichen explizit formulierten Grundrechten noch ein &#8222;Grundrecht auf Sicherheit&#8220; vorgelagert. Um jenes zu gew&auml;hrleisten, d&uuml;rfe der Staat die speziellen Freiheiten beschr&auml;nken.</p>
<p>Rosemarie Will zeigte auf, wie mit dieser Denkfigur s&auml;mtliche Grundrechte ausgehebelt werden k&ouml;nnen. Die Auswirkungen Isenseeschen Sicherheitsdenkens verdeutlichte sie am Beispiel des Fernmeldegeheimnisses: Aus dem Sicherheitsziel folge, dass potentielle T&auml;ter am besten vor dem falschen Gebrauch ihrer Handlungsm&ouml;glichkeiten gesch&uuml;tzt werden m&uuml;ssen. Deshalb w&uuml;rden technische M&ouml;glichkeiten zum Abh&ouml;ren und &Uuml;berwachen des Telefonverkehrs (z.B. Verbindungsdaten: Wer hat wann, von wo aus wen angerufen?) bedenkenlos ausgesch&ouml;pft. Allein schon die Zahl richterlich angeordneter Telefon&uuml;berwachungen schnellte in den letzten Jahren in die H&ouml;he; das geheimdienstliche Abh&ouml;ren komme noch hinzu.</p>
<p>Werner Konitzer zeigte am Beispiel des Asylrechts, wie sich Wahrnehmung und Auslegung von Grundrechten unter wechselnden politischen Bedingungen ver&auml;ndern. So wurde das Asylrecht in den Beratungen des Parlamentarischen Rates und in den ersten Jahren der BRD noch als ein Schutzrecht f&uuml;r Personen aufgefasst, die sich selbst politisch bet&auml;tigt hatten und deswegen verfolgt wurden. Das &auml;nderte sich in der &Auml;ra des Kalten Krieges: Nun wurde praktisch jeder, der aus dem Ostblock kam, als &#8216;Widerstandsk&auml;mpfer&#8217; betrachtet. Im Zuge dessen &auml;nderte sich die Auffassung dar&uuml;ber, wer Asylant sein kann. Es kam nicht mehr auf eigene politische Aktivit&auml;t an. Dieser Wandel griff eine soziologische Einsicht auf, wonach die politische Verfolgung kaum davon abh&auml;ngt, ob das Verfolgungsopfer in irgendeiner Weise aktiv war oder vollkommen unauff&auml;llig lebte. Allein ausschlaggebend ist die Motivation der T&auml;ter, die ihr Opfer aus politischen, religi&ouml;sen oder rassischen Vorstellungen heraus verfolgen. So hatten sich die durch die Nationalsozialisten verfolgten Juden zum &uuml;berwiegenden Teil nicht in irgendeiner Weise exponiert, sondern lebten ganz durchschnittlich. Nach der ersten Asylauffassung w&auml;re ihnen daher kein Schutz gew&auml;hrt worden. Das &auml;nderte sich mit der neuen, im Kalten Krieg gepr&auml;gten Auffassung des Asylstatus, der nun nicht mehr auf eigenen Taten, sondern auf den Opferstatus abstellte.</p>
<p>Seit den 70er Jahren wurde Deutschland &#8211; wie andere europ&auml;ische L&auml;nder auch &#8211; faktisch zum Einwanderungsland. W&auml;hrend das jedoch bei den europ&auml;ischen Nachbarn diskutiert wurde, entwickelte sich in Deutschland eine eigenartige Fehlwahrnehmung: die Zuwanderung wurde negiert, stattdessen jeder Migrant als &#8222;Asylant&#8220; aufgefasst. Daraus entwickelte sich eine populistische Diskussion &uuml;ber die sog. &#8222;Asylantenschwemme&#8220;. Tats&auml;chlich wuchs die Zahl der Fl&uuml;chtlinge insbesondere aus der Dritten Welt, die personellen Ressourcen des Amtes zur Anerkennung von Asylbewerbern wurden jedoch nicht aufgestockt &#8211; so dass es zum Stau bei der Asylantragsbearbeitung kommen musste. Auch aufgrund der &uuml;berlangen Bearbeitungszeiten wuchsen die Fl&uuml;chtlingsaufnahmelager &uuml;berproportional an. Die Pogrome gegen Asylsuchende in Hoyerswerda (9/1991) oder Rostock-Lichtenhagen (8/1992) f&uuml;hrten nicht etwa dazu, dass die Politik die Asylsuchenden sch&uuml;tzte. Im Gegenteil: Die von der Polizei nicht unterbundenen &Uuml;bergriffe wurden in der politischen Debatte als Argument gegen Asylbewerber genutzt. Am Ende der Diskussion stand eine &Auml;nderung des Grundgesetzes im Mai 1993, mit der das Asylrecht faktisch abgeschafft wurde.</p>
<p>&#8212;</p>
<p>Der R&uuml;ckblick auf die Entwicklung des Grundgesetzes fiel insgesamt kritisch aus. Wenn auch nur an zwei Beispielen ausgef&uuml;hrt, standen weitere massive Grundrechtsbeschr&auml;nkungen seit Mai 1949 im Hintergrund. Doch konnte das nicht davon abhalten, auch den Blick nach vorn, auf w&uuml;nschenswerte Verbesserungen unserer Verfassung zu richten. Der Nachmittag stand im Zeichen zukunftsweisender Konzepte sowohl f&uuml;r das politische System (Volksentscheid) wie f&uuml;r das &ouml;konomische System (bedingungsloses Grundeinkommen). Zu beiden Themenkomplexen hatte der Ortsverband Frankfurt kompetente Referenten gewinnen k&ouml;nnen:</p>
<p>Volker Mittendorf lehrt und forscht zu B&uuml;rgerbeteiligung und direkter Demokratie an der Universit&auml;t Wuppertal. Er engagiert sich bei Mehr Demokratie e.V. und promovierte 2006 in Marburg zum Thema. Seine Dissertation &#8222;Die Qualit&auml;t kollektiver Entscheidungen&#8220; erscheint im Oktober 2009 bei Campus. Sascha Liebermann geh&ouml;rt zu den Gr&uuml;ndern der &#8222;Initiative Freiheit statt Vollbesch&auml;ftigung&#8220;, die sich seit 2003 f&uuml;r die Einf&uuml;hrung eines bedingungslosen Grundeinkommens einsetzt.</p>
<p>Volker Mittendorf pl&auml;dierte f&uuml;r Volksentscheide auf allen Ebenen. Er wies darauf hin, dass dies in manchen L&auml;ndern auf kommunaler Ebene bereits erfolgreich praktiziert werde. In den deutschen Bundesl&auml;ndern sei die Situation sehr verschieden, aber insgesamt noch unbefriedigend, erst recht auf Bundesebene. Mittendorf betonte, dass die B&uuml;rger sich f&uuml;r &ouml;ffentliche Belange sehr viel st&auml;rker verantwortlich f&uuml;hlen, wenn sie sich an den Sachdiskussionen beteiligen k&ouml;nnen. Die Legitimation politischer Entscheidungen w&uuml;rde steigen &#8211; entgegen dem jetzt zu beobachtenden Trend. Mittendorf verglich die Zust&auml;nde mit denen in der Schweiz. Deren lange direktdemokratische Tradition ist bekannt. Mittendorf hob weniger bekannte Nebeneffekte hervor,&nbsp; z.B. die gr&ouml;&szlig;ere Verst&auml;ndlichkeit von Gesetzestexten: dank &ouml;ffentlicher Debatte w&uuml;rden diese in der Schweiz nicht allein von Fachjuristen formuliert. So k&ouml;nnten bestimmte juristische Textformen vermieden werden, wie z.B. Verweise, die insbesondere Nichtjuristen die Lekt&uuml;re erschweren.</p>
<p>Mittendorf betonte, dass f&uuml;r eine qualifizierte Willensbildung eine ausreichend lange &ouml;ffentliche Debatte wichtig ist. Er unterschied hier das griechische Demos als wohlinformiert abstimmendes Volk vom r&ouml;mischen Plebs, der von Volkstribunen benutzt wurde, um ihre Entscheide absegnen zu lassen.</p>
<p>Sascha Liebermann stellte mit dem bedingungslosen Grundeinkommen einen innovativen Ansatz f&uuml;r die Sozialpolitik vor. Ausgangspunkt seiner &Uuml;berlegungen ist die Entwicklung der Arbeitsproduktivit&auml;t in Deutschland: so konnte die Produktion in den letzten Jahren stetig wachsen, bei einem ebenso stetigen R&uuml;ckgang der daf&uuml;r ben&ouml;tigten Arbeitszeit. Zum anderen stellte Liebermann dar, wie unzul&auml;nglich unsere Lebensqualit&auml;t erfasst wird, wenn man sie auf rein &ouml;konomische Faktoren reduziert. Ein wesentlicher Teil unserer Lebensqualit&auml;t beruhe auf ehrenamtlich erbrachtem Engagement, nicht nur in Feuerwehr oder Sportverein. Die Summe der ehrenamtlichen Arbeitsstunden liege doppelt so hoch wie die der bezahlten Arbeitsstunden. Dennoch beruhe die gesellschaftliche Wertsch&auml;tzung &#8211; calvinistisch gepr&auml;gt &#8211; noch immer auf der verg&uuml;tet erbrachten Arbeit.</p>
<p>Liebermann stellte ein Konzept vor, wie bei gleichen Kosten f&uuml;r die Unternehmen das Volkseinkommen neu verteilt werden k&ouml;nne. Finanziert werden solle dies ausschlie&szlig;lich &uuml;ber Konsumsteuern, w&auml;hrend die Einkommensteuer abgeschafft werde &#8211; so werde die Arbeitskraft billiger. Wenn in gleichem Ma&szlig; die indirekte Steuer erh&ouml;ht werde, bleiben die Kosten f&uuml;r die Unternehmen konstant. F&uuml;r arbeitende Menschen bleibt die Summe aus niedrigerem Einkommen plus bedingungslosem Grundeinkommen gleich. Diejenigen aber, die heute Arbeitslosengeld I oder II oder sonstige Hilfen zum Lebensunterhalt ben&ouml;tigen, verbessert sich die Situation entscheidend: Sie bekommen erstens eine bessere Grundausstattung, zweitens entfallen s&auml;mtliche, teils entw&uuml;rdigende Pr&uuml;fungen und Bewilligungen. Der hohe Pr&uuml;faufwand in den Bewilligungsverfahren ist volkswirtschaftlich unproduktiv &#8211; und kann vollst&auml;ndig entfallen.</p>
<p>Liebermann begeisterte mit seinem charismatischen Vortrag, an den sich eine ausf&uuml;hrliche Diskussion anschloss. Seine Thesen bestimmten auch das abschlie&szlig;ende Podium, mit dem der Kongress endete.</p>
<p><i>Peter Menne<br />ist Vorsitzender des Ortsverbandes Frankfurt und bereitete den Kongress ma&szlig;geblich vor.</i></p>
<p><i>In der angeh&auml;ngten PDF-Datei finden Sie die Einf&uuml;hrungsrede von Peter Menne zur Tagung.</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/205-206/publikation/60-jahre-grundgesetz-mehr-demokratie-wagen-kongress-der-humanistischen-union-frankfurt/">60 Jahre Grundgesetz  mehr Demokratie wagen! Kongress der Humanistischen Union Frankfurt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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