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	<title>Tagungsprotokoll: Wege zu einer neuen Psychiatrie Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Forderungen der HUMANISTISCHEN UNION</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/thema/forderungen-der-humanistischen-union/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Dec 1980 14:55:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tagungsprotokoll: Wege zu einer neuen Psychiatrie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>HUMANISTISCHE UNION aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 46 &#8211; 50 Die HUMANISTISCHE UNION fordert, dass Bund und Länder 5 Jahre nach Vorlage der Ergebnisse der. Enquete zur Lage der Psychiatrie endlich grundlegende und umfassende Reformkonzeptionen entwickeln, die wissenschaftlichen und ethischen Standards gerecht werden, so wie sie [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>HUMANISTISCHE UNION</p>
<p>aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 46 &#8211; 50</p>
<p>Die HUMANISTISCHE UNION fordert, dass Bund und Länder 5 Jahre nach Vorlage der Ergebnisse der. Enquete zur Lage der Psychiatrie endlich grundlegende und umfassende Reformkonzeptionen entwickeln, die wissenschaftlichen und ethischen Standards gerecht werden, so wie sie in vielen anderen Ländern längst zur Selbstverständlichkeit geworden sind.</p>
<ul>
<li>Der Prävention ist größtmögliche Beachtung zu schenken.<br />Prävention bedeutet zunächst die Verhinderung krankmachender Lebensumstände und Umweltbedingungen. Durch Aufklärung und Gesundheitserziehung ist ein Bewusstsein für psychosoziale Gefährdungen zu schaffen. Hier kommt den Medien und der Pädagogik eine Aufgabe zu, die sie bisher vernachlässigt haben.</li>
<li>Im Vorfeld psychischer Erkrankung gilt es, umfassende Möglichkeiten der Beratung zu schaffen, bei denen auch das soziale Umfeld des Ratsuchenden mit einbezogen werden kann. Beratung muss der Konfliktlösung dienen, Entscheidungshilfen leisten oder bei der Verarbeitung schicksalhafter Ereignisse behilflich sein. Beratungsstellen müssen multiprofessionell besetzt sein. Die Mitarbeiter sollen die Möglichkeit haben, auch außerhalb der Beratungsstellen unmittelbar an den sozialen Brennpunkten zu arbeiten. In vielen Fällen ist es nicht angebracht zu warten, bis die Gefährdeten zu ihnen kommen. Der schulpsychologische Dienst ist dringend auszubauen. Erziehungsberatungsstellen sollten der Charakter von Familienberatungsstellen erhalten. Es ist darauf zu achten, dass weltanschaulich neutrale Beratungsstellen in ausreichender Zahl vorhanden sind. Eine entsprechende personelle Besetzung muss Wartezeiten überflüssig machen.</li>
<li>Ambulante Behandlung muss absoluten Vorrang vor stationärer Behandlung haben. Ambulanzen können nur sinnvolle Arbeit leisten, wenn sie ebenso wie die Beratungsstellen multiprofessionell besetzt sind und die Mitarbeiter außer Haus in Familien und anderen Gruppierungen tätig werden dürfen. Sie müssen über die übliche Einzelbehandlung hinaus Selbsthilfegruppen initiieren und betreuen, Kontaktstellen aufbauen und erhalten, Familientherapie betreiben und gruppentherapeutische Maßnahmen ermöglichen. Eine wichtige Aufgabe fällt den Ambulanzen zu, wenn es um die Regintegrierung vorübergehend stationär behandelter psychisch Kranker geht. Hilfen bei der Wohnungs- und Arbeitsbeschaffung gehen weit über das hinaus, was zur Zeit unter psychiatrischer Betreuung verstanden wird. Dies ist bei der derzeitigen Praxis der Abrechnung von Einzelleistungen undenkbar. Es muss eine Möglichkeit der Mischfinanzierung durch Krankenkassengelder, Mittel der öffentlichen Hand und der Rentenversicherungsträger, sowie eine Möglichkeit der Abrechnung in Pauschalbeträgen gefunden werden. Entsprechende Modelle sollten entwickelt und experimentell überprüft werden. Das derzeit geplante sogenannte Psychotherapeutengesetz und der Entwurf zum Ersatzkassenvertrag unterminieren solche Bestrebungen.</li>
<li>Die Auflösung der psychiatrischen Landeskrankenhäuser ist unabdingbar.Eine Gleichstellung des psychisch Kranken mit anderen Kranken kann nur erreicht werden, wenn psychiatrische Abteilungen allgemeinen Krankenhäusern abgegliedert werden. Alle Bestrebungen, die psychiatrischen Großkliniken zu verkleinern z.B. durch Aufnahmebeschränkungen sind zu begrüßen, das Schrumpfen eines psychiatrischen Landeskrankenhauses zu einer überschaubaren, gemeindenahen Einrichtung kann jedoch nicht das eigentliche Ziel sein, denn es enthebt den Patienten nicht der Diskriminierung und sozialen Deklassierung, die es bedeutet, ehemaliger &#8222;Irrenhausinsasse&#8220; gewesen zu sein.<br />Stationäre psychiatrische Behandlung muss immer als eine möglichst kurzfristige Maßnahme angesehen werden, die, wenn irgend möglich, vermieden werden sollte. Einweisungen, vor allem Zwangseinweisungen müssen erheblich erschwert werden. Dem steht die bisherige Finanzierung psychiatrischer Kliniken, die sich an der Bettenzahl orientiert und. eine möglichst hohe Belegung voraussetzt, entgegen. Die Finanzierung stationärer psychiatrischer Behandlung muss sich aufgrund eines allgemeinen Versorgungsauftrages für ein bestimmtes Standarteversorgungs-Gebiet über einen bestimmten Jahresetat vollziehen.</li>
<li>Die bisherige hierarchische Struktur psychiatrischer Großkliniken darf nicht auf die psychiatrischen Abteilungen an allgemeinen Krankenhäusern übertragen werden. Therapiepläne sind von einem Mitarbeiterteam zu erstellen und durch psychosoziale Ausschüsse zu kontrollieren. Es wird eine Abstufung der Entmündigung gefordert. Eine regelmäßige Überprüfung des Entmündigten Statussees ist notwendig. Vormundschaften dürfen nur von Einzelpersonen, nicht aber von Behörden übernommen werden. Der Patient bzw. sein gesetzlicher Vertreter haben ihre Einwilligung in die therapeutischen <br />Maßnahmen zu geben, nachdem sie über Methode, Ziel, Nebenwirkungen und eventuelle Alternativen aufgeklärt wurden. Die Verantwortlichkeit der Behandelnden muss klar sein. die Mitarbeiter sind über die Rechte des Patienten ebenso aufzuklären, wie der Patient selbst. Kein Patient, insbesondere auch kein psychisch kranker Rechtsbrecher darf ohne Therapieangebot einfach nur &#8222;verwahrt&#8220; werden. Unabhängige Patientenanwälte oder Ombudsmänner sollten über die Einhaltung der Patientenrechte wachen.</li>
<li>Die totale Priorität medikamentöser Behandlung ist zugunsten psychotherapeutischer und sozialtherapeutischer Methoden abzubauen. Bezugspersonen des Patienten können in die Therapie mit einbezogen werden. Zu verbieten sind alle inhumanen, der Disziplinierung dienenden Maßnahmen, gewaltsame Methoden wie Schocktherapien und stereotaktische Eingriffe in das menschliche Hirn, um Verhaltensänderungen herbeizuführen.</li>
<li>Eine Koordination der bisher getrennt voneinander operierenden Einrichtungen im Bereich psychosozialer Beratung und Versorgung ist erforderlich.. Psychosoziale Ausschüsse müssen zum Zweck der Planung und Kontrolle konstituiert werden. Psychosoziale Arbeitsgemeinschaften sollten dem Gedankenaustausch, der kritischen Reflexion und der Kooperation an der Basis dienen. Es empfiehlt sich, die Ausschüsse aus den Arbeitsgemeinschaften heraus zu wählen.</li>
<li>Ziel aller psychiatrischen Bemühungen muss die Integration der psychisch Kranken und Behinderten in die Gesellschaft sein.</li>
<li>Der stationären Behandlung angeschlossen müssen abgestufte Möglichkeiten halbambulanter und ambulanter Versorgung folgen, Tages und Nachtkliniken, therapeutische Wohnheime und Wohngemeinschaften. Alle diese Einrichtungen sind gemeindenah zu organisieren, so dass der Patient seine gewohnten sozialen Bezüge beibehalten kann.</li>
<li>Ist die Familie bereit, die Pflege und Betreuung eines psychisch kranken oder behinderten Familienmitgliedes zu übernehmen, bedarf es einer Unterstützung finanzieller Art, aber auch einer Einweisung in die pflegerische Tätigkeit, sowie der Beratung bei auftretenden Schwierigkeiten. Anzuregen sind Gesprächskreise betroffener Familien.</li>
<li>Ist ein Patient nicht in der Lage oder nicht willens, in die Familie zurückzukehren, etwa weil die Ursachen seiner Erkrankung im Spannungsfeld dieser Familie zu suchen sind, ist ihm jegliche Unterstützung zu seiner Verselbständigung zu bieten, sei es, dass ihm ein Platz in einer therapeutischen Wohngemeinschaft geboten wird, sei es, dass ihm geholfen wird, eine eigene Wohnung und einen Arbeitsplatz zu finden.</li>
<li>Zu empfehlen ist die Einrichtung eines Bundesinstitutes, das die Entwicklungen im psychiatrisch/psychotherapeutischen Sektor dokumentarisch und wissenschaftlich begleitet und Hilfen für die Planungen bereitstellt.</li>
</ul>
<p>In der Öffentlichkeit muss ein Bewusstsein für diese Integrationsbemühungen geschaffen werden, d.h. durch eine bessere Kenntnis dessen, was psychische Erkrankung bedeutet und wo die Ursachen liegen, verliert sich ihr Nimbus des Unheimlichen und Bedrohlichen. Eine größere Toleranz gegenüber abweichendem Verhalten muss erreicht werden. Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit dürfen nicht zur einzig akzeptierten Verhaltensnorm werden. Menschliches Leiden und menschliche Schwäche müssen als zum Menschsein dazugehörig erkannt werden. Jede Art der Ausgliederung, Ausstoßung, jede Art des Einschließens und Zwangsverwahrens kranker Menschen ist zutiefst inhuman und eines freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaates unwürdig.</p>
<p><u>Ansätze für mögliche Aktivitäten der HUMANISTISCHEN UNION.</u></p>
<p>Die HUMANISTISCHE UNION kann in den Ortsverbänden durch öffentliche Veranstaltungen eine breitere Information der Bevölkerung über die Dringlichkeit der Psychiatrie Reform bewirken. <br />Wichtig ist dabei das Einbeziehen der Medien. Sie wird durch Publikationen zu diesem Thema die Öffentlichkeitsarbeit vertiefen.<br />Mitglieder, die aus beruflichen oder sonstigen Gründen Zugang zu psychiatrischen Einrichtungen haben, sollten wachsam sein in Bezug auf Missstände und Übergriffe. Diese sollten publik gemacht werden; gegebenenfalls ist Strafanzeige zu erstatten. Juristen der HUMANISTISCHEN UNION sollten den reformerischen Kräften innerhalb der Psychiatrie Unterstützung bieten in Fragen der Rechtsunsicherheit, sowohl bezogen auf die Patienten, als auch auf die Institution selber. Die HUMANISTISCHE UNION sollte auf die zuständigen Behörden in Bund und Ländern einwirken, damit die bereits bestehenden Rechte der Patienten nicht weiter unterlaufen, sondern endlich durchgesetzt werden. Notwendige Änderungen von Gesetzen und Erlassen sollten durch die HUMANISTISCHE UNION angeregt und über die Parlamentarier in den eigenen Reihen in die Parteien geleitet werden. Auf den Verband der Träger ist einzuwirken, damit er sich einem Forderungskatalog verpflichtet, der Humanisierung und Demokratisierung in der psychiatrischen Versorgung dient. Die Gewerkschaften müssen davon überzeugt werden, dass die berufsrechtliche Situation der in der psychosozialen Versorgung tätigen Berufsgruppen neu zu regeln ist.<br />Die HUMANISTISCHE UNION sucht Verbündete im Einsatz für eine umfassende und grundlegende Reform der Psychiatrie, sei es aus den Kreisen der Betroffenen und ihrer Angehörigen, sei es unter den fortschrittlich denkenden, in der Psychiatrie Arbeitenden, sei es bei anderen bürgerrechtlich orientierten Organisationen und Verbänden, die sich der Integration benachteiligter Randgruppen verpflichtet fühlen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Juristische Aspekte einer zukünftigen Regelung</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/thema/juristische-aspekte-einer-zukuenftigen-regelung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Dec 1980 14:40:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tagungsprotokoll: Wege zu einer neuen Psychiatrie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Arbeitsgruppe V aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 45 &#8211; 46 Stationäre Behandlung Patientenrechte Zwangseinweisung: abgestufte Entmündigung, zeitliche Begrenzung mit der Möglichkeit der juristischen Überprüfung. Einrichtung von Ombudsmännern bzw. Patientenanwälten, die demokratisch gewählt werden und unabhängig arbeiten. Entmündigung: keine Vormundschaft durch eine Behörde und Blanko-Vollmachten für ärztliche [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Arbeitsgruppe V</p>
<p>aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 45 &#8211; 46</p>
<p><u>Stationäre Behandlung</u></p>
<ol>
<li>
<div class="MsoNormal">Patientenrechte</div>
</li>
</ol>
<ul>
<li>
<div class="MsoNormal">Zwangseinweisung: abgestufte Entmündigung, zeitliche Begrenzung mit der Möglichkeit der juristischen Überprüfung. Einrichtung von Ombudsmännern bzw. Patientenanwälten, die demokratisch gewählt werden und unabhängig arbeiten.</div>
</li>
<li>
<div class="MsoNormal">Entmündigung: keine Vormundschaft durch eine Behörde und Blanko-Vollmachten für ärztliche Behandlungen.</div>
</li>
<li>
<div class="MsoNormal">Einwilligung des Patienten, bzw. seines gesetzlichen Vertreters in jede Behandlungsmaßnahme auf Grund vollständiger Information, d.h. auch Kenntnis von Alternativen und Kenntnis von Nebenwirkungen.</div>
</li>
<li>
<div class="MsoNormal">Verpflichtung der Kliniken einen Behandlungsplan vorzulegen, der auf Antrag von einem unabhängigen Gremium überprüft wird und evt. mit rechtlichen Schritten angezweifelt werden kann.</div>
</li>
<li>
<div class="MsoNormal">Zensurfreier Kontakt des Patienten zur Außenwelt.</div>
</li>
<li>
<div class="MsoNormal">Fachliche Ausbildung aller Berufsgruppen, die an einer Einweisung beteiligt sind (Richter, Polizisten).</div>
</li>
<li>
<div class="MsoNormal">Aufzeichnungen über Pflegschaften, Entmündigungen und ähnlichen Maßnahmen dürfen nicht zum Nachteil des Betroffenen gehandhabt und müssen nach Aufhebung dieser Maßnahmen vollständig gelöscht werden (Datenschutz).</div>
</li>
</ul>
<p>Wir fordern eine Umverteilung der Mittel im Sinne des Abbaus der stationären Einrichtungen und zum Ausbau einer öffentlich ambulanten Versorgung. Die Finanzierung der Krankenhäuser darf nicht mehr nach dem Bettenschlüssel erfolgen, sondern nach einem Behandlungsplan, der die stationäre und ambulante Behandlung einschließt und pauschal finanziert wird. Ziel ist es, Kapazitäten des Krankenhauses für die ambulante Betreuung freizusetzen.</p>
<p><u>Ambulatorien und Polikliniken</u></p>
<ol>
<li>
<div class="MsoNormal">Ambulante Dienste, die neben kurativen auch präventive Aufgaben übernehmen sollen, müssen multiprofessionell besetzt sein. Die Kosten werden gedeckt durch eine gemeinsame Finanzierung der Kranken- und Rentenversicherung und durch die öffentliche Hand (Mischfinanzierung).</div>
</li>
</ol>
<p>Entsprechende Finanzierungsmodelle müssen vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den verschiedenen Trägern ausgearbeitet werden.</p>
<ol start="2">
<li>
<div class="MsoNormal">Für alle im psychosozialen Bereich tätigen Berufsgruppen müssen die berufsrechtlichen Voraussetzungen im umfassenden Sinne geregelt werden.</div>
</li>
<li>
<div class="MsoNormal">Im Gesundheitsbereich eigenverantwortlich Tätige müssen das Zeugnisverweigerungsrecht haben.</div>
</li>
<li>
<div class="MsoNormal">Forderung von psychosozialen Ausschüssen, dezentralisierte, öffentliche Kontrolle und Planung als Gegengewicht zur Ärztekammer.</div>
</li>
</ol>
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			</item>
		<item>
		<title>Präventivmaßnahmen, Information und Aufklärung durch Beratungsstellen</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/thema/praeventivmassnahmen-information-und-aufklaerung-durch-beratungsstellen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Dec 1980 14:35:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tagungsprotokoll: Wege zu einer neuen Psychiatrie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Arbeitsgruppe IV aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 43 &#8211; 44 Die Arbeitsgruppe kam zu sehr pauschalen Forderungen, da Prävention im psychosozialen Bereich eine sehr umfassende Angelegenheit ist, die weit über den Bereich&#8220;Beratungsstellen&#8220;hinausgeht. Prävention bedeutet eigentlich die Bekämpfung von krankmachenden Faktoren wie Stress, Lärm, ungesunde Arbeitsbedingungen, gesellschaftliche Isolation u.s.w. [weiterlesen]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Arbeitsgruppe IV</p>
<p>aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 43 &#8211; 44</p>
<p>Die Arbeitsgruppe kam zu sehr pauschalen Forderungen, da Prävention im psychosozialen Bereich eine sehr umfassende Angelegenheit ist, die weit über den Bereich&#8220;Beratungsstellen&#8220;hinausgeht. Prävention bedeutet eigentlich die Bekämpfung von krankmachenden Faktoren wie Stress, Lärm, ungesunde Arbeitsbedingungen, gesellschaftliche Isolation u.s.w. Zu begrüßen und zu unterstützen sind die meisten Bürgerinitiativen, da sie sich unmittelbar an den Bedürfnissen des Bürgers orientieren und durch gezielte und sinnvolle Aktivität eine spontane Ventilation angestauten Unmuts ermöglichen, ein Vorgang, der nicht selten einem Selbstheilungsprozess gleichkommt. Prävention heißt aber auch eine Verbesserung zwischenmenschlicher Kommunikation. In südlichen Ländern, in denen sich das Leben stärker auf Straßen und Plätzen abspielt, ergibt sich dies sehr viel leichter. Ansätze städtebaulicher und architektonischer Art gibt es jedoch auch bei uns, z.B. durch die Zusammenlegung von Hinterhöfen und die Konzeption von Wohnstraßen. Besonders gravierend ist in unserer Gesellschaft die mangelnde Fähigkeit. zur Konfliktbewältigung. Hier könnten die Medien durch Darstellung von Modellen menschlichen Verhaltens, durch Aufzeigen von Lösungsmöglichkeiten, durch Aufklärung und Anregung zum Nachdenken eine wichtige Aufgabe übernehmen, die sie bisher vernachlässigen. Bei Konflikten in Familie und Gruppen werden die Konflikt beteiligten zumeist einfach getrennt, so wie psychisch Kranke auch aus ihrer Umgebung herausgenommen und in die psychiatrischen Kliniken abgeschoben werden. Dieser falsche Weg kann nur rückgängig gemacht werden, wenn die Konfliktpartner wieder zusammengeführt werden. Das bedeutet in letzter Konsequenz, die psychiatrischen Kliniken aufzulösen. Dies setzt jedoch voraus, dass jeder einzelne die Befähigung erwerben muss, den gestörten oder psychisch kranken Menschen zu ertragen, dass es möglich sein muss, gelegentlich von den eigenen persönlichen Problemen abzusehen, um auf den anderen einzugehen. Dabei kann es zu Konflikten zwischen den eigenen Bedürfnissen und dem Hilfsanspruch des anderen kommen. Alle bisherigen Projekte und Planungen in der Kinder und Jugendpsychiatrie, alle Maßnahmen zur Vermeidung kindlicher Verhaltensstörungen sind völlig unzureichend bzw. ganz abzulehnen. In diesem Bereich gilt es noch, ein weites Feld zu bearbeiten.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Alternative Lösungen, Ausbau ambulanter Behandlungsformen</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/thema/alternative-loesungen-ausbau-ambulanter-behandlungsformen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Dec 1980 14:05:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tagungsprotokoll: Wege zu einer neuen Psychiatrie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Arbeitsgruppe III aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 43 Bitte an die HUMANISTISCHE UNION, folgende Punkte in ihr Arbeitsprogramm aufzunehmen: Aufklärung von Patienten in und außerhalb der Kliniken (und deren Familien. Zusicherung des juristischen Beistandes und Versicherung der Solidarität. Aufklärung des Pflegepersonals über die Rechte des Patienten. [weiterlesen]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Arbeitsgruppe III</p>
<p>aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 43</p>
<p>Bitte an die HUMANISTISCHE UNION, folgende Punkte in ihr Arbeitsprogramm aufzunehmen:</p>
<ol>
<li>Aufklärung von Patienten in und außerhalb der Kliniken (und deren Familien. Zusicherung des juristischen Beistandes und Versicherung der Solidarität.</li>
<li>Aufklärung des Pflegepersonals über die Rechte des Patienten.</li>
<li>Unterstützung bei der Bildung von Bürgerinitiativen und Hilfsgemeinschaften mit einem Psychologen und Juristen als Beistand, die sich um Leute kümmern, die das Klinikum verlassen haben, keinen Anschluss finden an eine Wohngemeinschaft und nicht mehr zurückwollen in die Umgebung, die sie krank gemacht hat.Diese Gruppen müssen engen Kontakt haben zu Personen, die die Situation der Gemeinde (Beschaffung von Wohnungen, Vermittlung von Arbeitsplätzen) genau kennen und die eventuell über eine (finanzierte) Schaltstelle verfügen, wie z.B. einem Sekretariat.</li>
<li>Finden von Familien, die in der Lage sein können, einen sich auf dem Wege der Gesundung befindlichen Menschen in ihre Gemeinschaft aufzunehmen und ihm dabei behilflich sind, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern.</li>
<li>Einrichtung von regionalen Beschwerdezentren.</li>
<li>Aufarbeitung der deutschen Kollektivschuld in Form öffentlicher Veranstaltungen (nach 45 Nichtanerkennung der psychisch Kranken als Verfolgte, systematischer Ausschluss aus dem Wiedergutmachungswesen, Alleinlassen der Hinterbliebenen.</li>
</ol>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dezentralisierung und gemeindenahe Psychiatrie</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/thema/dezentralisierung-und-gemeindenahe-psychiatrie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Dec 1980 13:49:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tagungsprotokoll: Wege zu einer neuen Psychiatrie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.humanistische-union.de/thema/dezentralisierung-und-gemeindenahe-psychiatrie/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Arbeitsgruppe II aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 41 &#8211; 42 Verhinderung des Psychotherapeuten GesetzesEine berufsrechtliche Regelung für Psychologen und Psychotherapeuten darf erst dann verabschiedet werden, wenn eine ambulante Versorgungsregelung vorliegt. Eine berufsrechtliche Regelung zum jetzigen Zeitpunkt würde die Niederlassungsfreiheit aller Psychologen bedeuten und damit der Gesamtentwicklung [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/thema/dezentralisierung-und-gemeindenahe-psychiatrie/">Dezentralisierung und gemeindenahe Psychiatrie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Arbeitsgruppe II</p>
<p>aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 41 &#8211; 42</p>
<ol>
<li>Verhinderung des Psychotherapeuten Gesetzes<br />Eine berufsrechtliche Regelung für Psychologen und Psychotherapeuten darf erst dann verabschiedet werden, wenn eine ambulante Versorgungsregelung vorliegt. Eine berufsrechtliche Regelung zum jetzigen Zeitpunkt würde die Niederlassungsfreiheit aller Psychologen bedeuten und damit der Gesamtentwicklung psychosozialer Versorgung entgegenstehen.</li>
<li>Die momentane Situation in der psychiatrischen Versorgung ist gekennzeichnet: Denken in Institutionen, z.B. Patient wird an die Institution angepasst (Unterbringung nach Krankheitsbildern, nach organisatorischen Gesichtspunkten, Entmündigung und Entfernung der Patienten aus seinen sozialen Zusammenhängen).</li>
<li>Forderung: Denken in Regionen: Beispiel:<br />Die Häuser einer großen Klinik werden bestimmten Regionen zugeordnet. Das bedeutet: Der Patient wird in seinem sozialen Zusammenhang gesehen und der soziale Zusammenhang selbst wahrgenommen. Daraus ergibt sich die Verpflichtung zur Zusammenarbeit mit den psychosozialen Einrichtungen der Region.</li>
<li>Änderung des bisherigen &#8222;Belohnungssystems&#8220;:<br />Voraussetzung für eine Dezentralisierung sind:<br /><strong>a)</strong> Nicht die Bettenbelegung als Ausgangspunkt der finanziellen Regelungen benutzen sondern die Belohnung der Nicht Belegung, damit ausreichende finanzielle Unterstützung der ambulanten Einrichtungen gegeben werden kann.<br /><strong>b)</strong> Keine Belohnung für Heime durch Einweisung alter Menschen sondern finanzielle Unterstützung der Familien, damit die alten Menschen in der Familie bleiben können.<br /><strong>c)</strong> Belohnung für alle ambulanten Dienste und Erschwerung aller stationären Einweisungen.<br /><strong>d)</strong> Abschaffung der Sonderschule als Institution der Ausgrenzung Unterstützung für kleinere Klassen, Lehrkräfte usw.<br /><strong>e)</strong> Unterstützung von Selbsthilfegruppen.<br /><strong>f)</strong> Als Alternative für derzeitig bestehende Behindertenwerkstätten Ausbau von kooperativen Betrieben usw.<br /><strong>g)</strong> liefen finanzielle Anreize für Mitarbeiter im stationären Bereich, dann dafür, wenn sie bereit sind, außerhalb ihrer Einrichtung ambulant oder teilstationär tätig zu sein (nicht Extrabelohnung für das Verbleiben in stationären und geschlossenen Einrichtungen).</li>
</ol>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/thema/dezentralisierung-und-gemeindenahe-psychiatrie/">Dezentralisierung und gemeindenahe Psychiatrie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Umstrukturierung der stationären Behandlung in Richtung Humanisierung und Demokratisierung</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/thema/umstrukturierung-der-stationaeren-behandlung-in-richtung-humanisierung-und-demokratisierung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Dec 1980 13:36:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tagungsprotokoll: Wege zu einer neuen Psychiatrie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.humanistische-union.de/thema/umstrukturierung-der-stationaeren-behandlung-in-richtung-humanisierung-und-demokratisierung/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Arbeitsgruppe I aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen, Seite 40 &#8211; 41 Das Problem der Landeskrankenhäuser wurde im Laufe der Tagung immer weiter nach hinten geschoben. Der Gruppe erscheint dies symptomatisch für die Behandlung dieses Themas überhaupt, sowie für den Prozess, der sich an [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/thema/umstrukturierung-der-stationaeren-behandlung-in-richtung-humanisierung-und-demokratisierung/">Umstrukturierung der stationären Behandlung in Richtung Humanisierung und Demokratisierung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Arbeitsgruppe I</p>
<p>aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen, Seite 40 &#8211; 41</p>
<p>Das Problem der Landeskrankenhäuser wurde im Laufe der Tagung immer weiter nach hinten geschoben. Der Gruppe erscheint dies symptomatisch für die Behandlung dieses Themas überhaupt, sowie für den Prozess, der sich an ungeliebten Patienten innerhalb der Landeskrankenhäuser vollzieht, die von der Akutstation auf mittelfristige Behandlung und dann immer weiter nach hinten geschoben werden. Es ist leichter, sich mit fernliegenden, beeindruckenden Vorgängen wie der italienischen Psychiatriereform zu befassen, als mit Problemen, die hautnah und ansehbar im eigenen &#8222;Entwicklungsland&#8220; vor der Tür liegen. Einfache Formen der Demokratisierung lassen sich auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit den Patienten verwirklichen, z.B. die gemeinsame Erarbeitung einer Hausordnung, die freie Entscheidung der Patienten darüber, ob sie Besuchergruppen zulassen möchten oder nicht; insgesamt sollte eine ständige Ermutigung zur Meinungsäußerung und Mitgestaltung stattfinden. Auf der Mitarbeiterseite ist wichtig, dass im Sektor des Aus, Fort und Weiterbildung keinen Wert auf eine formalisierte Zuspitzung und Spezialisierung auf bestimmte Therapieformen gelegt wird, sondern dass allen im Pflegesektor tätigen die Realisierung der eigenen Kompetenz ermöglicht wird, dass Mitarbeiter ohne Angst vor Gängelung oder Angst vor Zwischen fällen und deren Konsequenzen Sicherheit im eigenen Tun gewinnen können. Die Erfahrung von eigener Sicherheit und eigenem Können muss das primäre Ziel des Aus und Weiterbildung sein. Oft kommen Fähigkeiten von Mitarbeitern zwar in privaten Musik oder Sportvereinen zum Tragen, werden aber in der Klinikarbeit nicht genützt, weil die festgefügte Struktur, der festgelegte Tagesablauf und die Überbetonung von Sicherheitsbestimmungen die, Mitarbeit einengen und in die Passivität drängen. Die Arbeitsgruppe bittet die HUMANISTISCHE UNION einen Katalog von Mindestforderungen an die Bundesarbeitsgemeinschaft der Träger öffentlicher Einrichtungen zu richten, ähnlich wie dieser in der Heimgesetzgebung bereits existiert. Die Mindestforderungen sollten als freie Vereinbarung der Träger verabschiedet werden, die Realisierung sollte schrittweise erfolgen und von den Trägern in regelmäßigen Abständen überprüft werden.</p>
<p><u><b>Mindestforderungen:</b></u></p>
<ol>
<li>Therapeutische Kontinuität.</li>
<li>Aufbau ambulanter Dienste an jedem Landeskrankenhaus.</li>
<li>Schrumpfung zu einer gemeindenahen Einrichtung bei gleichzeitiger personeller Verbesserung (quantitativ und qualitativ).</li>
<li>Veränderung der inneren Struktur, so dass die Mitarbeiter ihre Fähigkeiten in vielfältiger Weise einsetzen können.</li>
<li>Keine Investitionen, die der Bettenzunahme oder der Festschreibung der jetzigen Größenordnung dienen, sondern ausschließlich Investitionen zur Qualitätsverbesserung.</li>
</ol>
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		<title>Diskussionsthesen der DGVT zur Psychiatrie Reform</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/thema/diskussionsthesen-der-dgvt-zur-psychiatrie-reform/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Dec 1980 13:21:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tagungsprotokoll: Wege zu einer neuen Psychiatrie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dirk Zimmer aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 36 &#8211; 40 Angesichts der Entwicklung der Diskussion um die Enquete zur Lage der Psychiatrie, der Planungsstudie der Bundesregierung, dem vorgelegten Entwurf zum Psychotherapeutengesetz und der Bundestagsdebatte über die Psychiatrie Enquete ist bei der DGVT der Eindruck entstanden, dass [weiterlesen]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dirk Zimmer</p>
<p>aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 36 &#8211; 40</p>
<p>Angesichts der Entwicklung der Diskussion um die Enquete zur Lage der Psychiatrie, der Planungsstudie der Bundesregierung, dem vorgelegten Entwurf zum Psychotherapeutengesetz und der Bundestagsdebatte über die Psychiatrie Enquete ist bei der DGVT der Eindruck entstanden, dass das Bewusstsein nicht überall vorzufinden ist.</p>
<p>Zwar ist positiv zu vermerken, dass in der letzten Zeit die strenge Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung gelockert wurde, und es ist begrüßenswert, dass die Bundesregierung Millionen für die Forschung im Bereich Therapie/Rehabilitation zur Verfügung stellen will. Dies ist jedoch kein hinreichender Grund dafür, dass begründbare, weiterreichende Reformen und mutige Schritte vermieden und auf die lange Bank geschoben werden.</p>
<p>Aus ethischen, gesellschaftspolitischen und ökonomischen Gründen ist das vorzufindende Versorgungssystem untragbar geworden. Große Geldmengen werden für ein wenig effektives System ausgegeben:</p>
<ol>
<li>Therapeutische Hilfen werden viel zu spät angeboten (kuratives Prinzip, kaum &#8222;Krisenintervention und Prävention).</li>
<li>Immer noch wird zuviel in stationäre Einrichtungen investiert, anstatt öffentlich ambulante Dienste aufzubauen. Die Bettenzahl wird nicht schnell genug gesenkt.</li>
<li>Stationäre Einrichtungen haben oft immer noch antitherapeutischen Charakter, architektonische Lösungen scheinen leichter als ein Umdenken zu neuen therapeutischen Konzepten. </li>
<li>Die ambulante Versorgung wird weiterhin weitgehend auf der Basis des frei niedergelassenen Nervenarztes in der Einzelpraxis konzipiert (später auch Psychologen?).</li>
<li>Für die vorzufindenden psychischen und sozialen Probleme erweisen sich oft medizinische und viele traditionelle Therapien als ineffektiv. Dennoch werden oft medizinische anstelle von psychologischen und sozitherapeutischen Maßnahmen erheblich mehr gefördert.</li>
<li>Kosmetische Korrekturen wie der Entwurf zum Psychotherapeuten Gesetz oder der neu vorgelegte Entwurf eines Ersatzkassenvertrages verhindern weitreichende Neukonzeptionen.</li>
</ol>
<p><b><u>Stichpunkte für eine Perspektive:</u></b></p>
<p><u>1. Zur strukturellen Entwicklung:</u></p>
<ol>
<li>Grundsätzlich fordert die DGVT Umverteilung der Gelder, um einen massiven Abbau der stationären Versorgung zugunsten eines massiven Ausbaues der öffentlich ambulanten Versorgung zu bewirken.</li>
<li>Die öffentlich ambulanten Dienste sollen sich an sozialpsychiatrischen Konzepten orientieren, d.h. gemeindenah, gestaffelt und integriert sein, multiprofessionell arbeiten, frühzeitig intervenieren (d.h. auch Krisenintervention durchführen und präventive Aufgaben übernehmen), vorrangig Kurzzeit Therapien anwenden (u.a. vermehrt Verfahren aus der breiten Palette der Verhaltenstherapie), v.a. Hilfe zur Selbsthilfe geben und Selbsthilfepotentiale fördern, mobil sein und Angebote aufgrund der Bedürfnisse der Region planen.</li>
</ol>
<p>Um diesen Zielen näher zu kommen, sind andere als die heute sichtbaren</p>
<p><u>2. planerische Aktivitäten</u></p>
<p>vonnöten. Zur Entwicklung eines Gesamtkonzeptes und zur längerfristigen Planung und Evaluation empfehlen wir die Einrichtung einer politischen Kommission des Bundes (ähnlich <br />dem NIMH = National Institute for Mental Health in den USA).</p>
<p>Die Planungen sollten</p>
<ol>
<li>eine gründliche Bedarfserhebung für Standardversorgungsgebiete anregen (hierzu will die Bundesregierung Modellgelder zur Verfügung stellen. Dabei sollte man vom traditionellen Denken in &#8222;Betteneinheiten wegkommen und die schwerpunktmäßige Verschiebung in Richtung auf stärkere Förderung öffentlich ambulanter Einrichtungen im Auge behalten.</li>
<li>Vor allem im Bundesministerium für Arbeit und Soziales müssen neuere Konzepte zur Finanzierung alternativer und präventiver Angebote weitergedacht werden (Mischfinanzierung, Pauschalbezahlungen, Angestelltenstatus für Therapeuten).</li>
<li>Auf Bundes und Länderebene müssen die gesetzlichen Grundlagen für eine dezentralisierte öffentliche Planung und Kontrolle geschaffen werden. Psychosoziale Ausschüsse, die aus psychosozialen Arbeitsgemeinschaften erwachsen könnten, sollen die notwendigerweise permanenten Anpassungsprozesse der Versorgungsangebote überwachen und kontrollieren.</li>
<li>Die freie Einzelpraxis darf nicht als Grundmodell der ambulanten Versorgung angesehen werden.<br />·In die Bedarfsplanung müssen die Bedürfnisse der Betroffenen eingehen, eine reine Expertenplanung scheint problematisch.</li>
<li>Notwendige berufsrechtliche Lösungen für die heilkundliche Tätigkeit unterschiedlicher Berufe müssen im Rahmen eines Gesamtkonzeptes vom Bund geschaffen werden, die Anpassung des § 368 der RVO ist nötig.</li>
</ol>
<p>Neben diesen gesundheitspolitischen Perspektiven sieht die DGVT auch die Notwendigkeit zu einer</p>
<p><u>3. Änderung der therapeutischen Arbeit:</u></p>
<p>Generell scheint ein Umdenken notwendig, weg von einer biologisch-medizinischen, aber auch einer individualistisch-redaktionistischen Sichtweise zu einer stärker sozialwissenschaftlichen Orientierung hin.</p>
<ol>
<li>Es sollte ein stärkerer Druck zur Evaluation therapeutischer Verfahren und Institutionen entstehen, damit sich fortschrittliche und effektive Modelle besser durchsetzen können.</li>
<li>Stärkere Lösung der Therapie (ob stationär oder ambulant) von den Institutionen, stärkere therapeutische Aktivitäten in den Familien zu Hause, am Arbeitsplatz und in der Schule. Hierbei können präventive Maßnahmen innerhalb der Lebensfelder besser geplant werden.</li>
<li>Stärkere Einbeziehung von Laientherapeuten und Bezugspersonen.</li>
<li>Starke Betonung des Teamgedankens: Multidisziplinär besetzte Teams mit Spezialisten unterschiedlicher Herkunft arbeiten ungleich effektiver und können bessere gegenseitige Supervision sichern.</li>
<li>Stärkere Betonung der Vorsorge und frühzeitige Hilfe (Krisenintervention. Vorsicht jedoch vor Psychiatrisierung der Gesellschaft.</li>
<li>Daher starke Unterstützung von Selbsthilfeaktivitäten, Betonung der Hilfe zur Selbsthilfe (wie z.b. in der Verhaltenstherapie angestrebt.</li>
<li>Soweit noch stationär gearbeitet wird, soll der Klinikalltag als Lernmöglichkeit zum Erwerb der notwendigen Kompetenzen für eine bald mögliche Wiedereingliederung konzipiert werden. Restriktive Gestaltung ist, soweit möglich, zu verhindern.</li>
<li>Die Patientenrechte müssen neu durchdacht werden. Analog zu Regelungen in den USA ist an die Einrichtung von Patientenanwälten, evtl. Ombudsmännern zu denken, um vor der Behandlung die Einwilligung des Klienten aufgrund von Informationen zu sichern. Der Druck auf Kliniken, multidisziplinäre Angebote sowie Therapien unterschiedlicher Ausrichtung anzubieten, die wissenschaftlich untersucht wurden und effektiv und unbedenklich erscheinen.</li>
<li>Intensivere Ausbildung der verschiedenen Berufsgruppen in therapeutischen Verfahren und gemeinsame Erarbeitung von Basiskompetenzen scheint dringend nötig.</li>
</ol>
<p>Die DGVT hofft, dass nicht nur Fachleute, sondern zunehmend die Betroffenen selbst, aber auch ihre Interessenvertreter, nämlich v.a. die Gewerkschaften und Krankenkassen sowie die Politiker das Bewusstsein der Dringlichkeit eines Umdenkens bekommen. Im Moment ist dieses Problembewusstsein sicherlich noch nicht genügend verbreitet.</p>
<p>Neben der Öffentlichkeitsarbeit jedoch hoffen wir auf die Ausstrahlung pragmatischer Reformen, die auch innerhalb des vorgegebenen rechtlichen Rahmens voll ausgeschöpft werden sollten (z.b. Einrichtung von Ambulanzen an Krankenhäusern. Wir hoffen weiterhin, dass positive Beispiele aus dem Ausland (z.b. Italien oder USA) dazu beitragen, die notwendigen Entwicklungen auch bei uns in Gang zu bringen.</p>
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		<title>Die Etablierung von Berufsständen und psychosoziale Reformen</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/thema/die-etablierung-von-berufsstaenden-und-psychosoziale-reformen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Dec 1980 11:36:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tagungsprotokoll: Wege zu einer neuen Psychiatrie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Manfred Zaumseil aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 35 &#8211; 36 Wenn wir von Psychiatriereform sprechen, bedeutet das, erfinderisch darin zu sein, wie wir psychische Gesundheit der Menschen in definierten geografischen Regionen: 1. fördern, 2. erhalten und 3. wiederherstellen können. Dies ist m.e. zum größeren Teil eine [weiterlesen]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Manfred Zaumseil</p>
<p>aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 35 &#8211; 36</p>
<p>Wenn wir von Psychiatriereform sprechen, bedeutet das, erfinderisch darin zu sein, wie wir psychische Gesundheit der Menschen in definierten geografischen Regionen: 1. fördern, 2. erhalten und 3. wiederherstellen können. Dies ist m.e. zum größeren Teil eine politische und zum kleineren Teil eine fachliche Aufgabe, die man Vertretern unterschiedlicher Berufe übertragen kann. In der BRD haben wir den beklagenswerten Zustand, dass die Zuständigkeit von jedermann für psychische Gesundheit, die sich in gegenseitiger Hilfe ausdrücken kann, und die auch alltägliche Kommunal-, Landes- und Bundespolitik bestimmen kann &#8211; dass ein Bewusstsein dieser Zuständigkeit kaum existiert. Stattdessen ist das Bewusstsein der Zuständigkeit bei den Professionellen und Experten um so stärker ausgeprägt. Dies führt zu einer Expertenherrschaft über die Bedürfnisse der Betroffenen, wobei eine Definitions- und ollzugsmacht zur Zeit vom ärztlichen Berufsstand und einem System von Institutionen und darin vorgeschriebenen Rechtsformen abgesichert ist. Für den Bereich der psychischen Gesundheit heißt die implizite Annahme des Ärztestandes: Das Bedürfnis der in einer bestimmten Region wohnenden Menschen besteht darin, entweder von den in der Wissenschaft &#8222;Psychopathologie&#8220; definierten Symptomen und Krankheiten oder den damit behafteten Mitmenschen befreit zu werden. Möglichkeiten zur Überprüfung dieser Annahme bestehen nicht. Psychiater sind in diesem Verständnis zum einen Heilbehandler und zum anderen Ausgrenzer von psychisch Leidenden. Ihr rechtliches Monopol auf diese gesellschaftlichen Funktionen besteht nach wie vor.</p>
<p>Das Heilen, oder bescheidener: das Behandeln, oder technischer: das Therapieren, erweckte als Behandeln mit seelischen Mitteln &#8211; als Psychotherapieren &#8211; seit der Entwicklung der Psychoanalyse große Hoffnungen. Bald stellte sich heraus, dass man das Verhalten, Handeln und Erleben vom Menschen systematisch und gezielt auch mit Verfahren ändern kann, die eher im Bereich der Psychologie und der Sozialwissenschaften denn im Gebiet der Medizin entwickelt wurden. Da man natürlich auch solche Verhaltensweisen, Handlungen und Erlebnisweisen ändern konnte, die vorher von den Medizinern und den psychoanalytisch orientierten Psychopathologen als krank im Sinne der Reichsversicherungsordnung definiert worden waren, entdeckten Psychologen, Sozialarbeiter und Angehörige anderer Berufe, dass sie Psychotherapeuten, mithin Heilbehandler im Sinne der RVO zu sein hätten. An diesem Punkt hätte auf politischer Ebene eine Neuordnung des psychosozialen Bereichs kommen müssen, es lagen mit der Psychiatrie Enquete und der mit ihr erfolgten breiten Diskussion Möglichkeiten vor, die kurativ medizinisch und ausgrenzend bestimmte Psychiatrie zu einer gemeindenah und präventiv orientierten Sozialpsychiatrie zu machen, die nicht mehr eine medizinische Disziplin, sondern eine fachübergreifend getragene und gesundheits-, und sozialpolitisch bestimmte Anstrengung gewesen wäre. Stattdessen wurde immer deutlicher, dass die Bundesregierung ihren nach GG Art. 74, 7 möglichen Spielraum zur Neuordnung der psychosozialen Versorgung als Voraussetzung für die Neuordnung der Beziehungen der Berufe zueinander nicht nutzt, sondern sich auf eine losgelöste Neufassung <br />der Zulassung zu Heilberufen nach GG 74, 13 zurückzieht. Hierdurch haben wir nun die gänzlich unfruchtbare Situation des ständischen Kompetenzgerangels um die Heilbehandlungsbefugnis, bei dem möglichst viele Nicht Ärzte heilbehandeln, Ärzte und Analytiker die Oberaufsicht behalten und die Versicherungsträger auf keinen Fall Mehrausgaben riskieren wollen.<br />Als vorläufiger Tiefpunkt umfassender psychosozialer Reformbestrebungen sei die Lektüre des Vertragsentwurfs zwischen Ersatzkassen und Kassenärztlicher Vereinigung über die Abrechnung von Verhaltenstherapie mit Ärzten und Psychologen empfohlen.</p>
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		<title>Gedanken zur Situation der Betroffenen</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/thema/gedanken-zur-situation-der-betroffenen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Dec 1980 11:24:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tagungsprotokoll: Wege zu einer neuen Psychiatrie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Emil Thiemann aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 33 &#8211; 34 Thiemann bedankte sich bei Christa der Patientin, da sie ausgesprochen hatte, was auch seinen Unmut erregte, dass nämlich von den betroffenen Menschen, ihren Nöten, ihrer Zerrissenheit und ihren Zweifeln bisher gar nicht gesprochen wurde. Alle Reformen [weiterlesen]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Emil Thiemann</p>
<p>aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 33 &#8211; 34</p>
<p>Thiemann bedankte sich bei Christa der Patientin, da sie ausgesprochen hatte, was auch seinen Unmut erregte, dass nämlich von den betroffenen Menschen, ihren Nöten, ihrer Zerrissenheit und ihren Zweifeln bisher gar nicht gesprochen wurde. Alle Reformen gehen davon aus, dass da eine feste Gegebenheit ist, dass zwar diesen Menschen, den Kranken, eine bessere Lebensmöglichkeit gegeben werden soll, eine bessere Möglichkeit sich einzurichten in den Nischen und Sackgassen, die Reformen ja aufrechterhalten, dass man aber nicht versucht, den Menschen in seinem Anderssein zu begreifen und seine verschütteten Möglichkeiten zu wecken. Wahrscheinlich können insbesondere die Experten dies nicht, weil sie bereits eine Rolle übernommen haben, die es nicht mehr erlaubt, Unmittelbarkeit zu erleben. Der Mensch lebt seit der Instinktentbundenheit in einer Widersprüchlichkeit. Er ist vor die Wahl gestellt, dieses oder jenes zu tun, Entscheidungen zu treffen, für die er noch keine Maßstäbe hat. Die kann er nur gewinnen, indem er sich hineinbegibt in das Leben, indem er handelt und Irrtümer dabei in Kauf nimmt, indem er sich mit Schuld belädt und Leid erfährt. Dabei läuft er Gefahr, die eine Seite des Widerspruches, die für ihn nicht erträglich ist, zu verdrängen. Wenn dieses Verdrängte, das nicht kompatibel ist, sich in sein Bewusstsein schiebt, wird die Gefahr um so größer, in Projektion zu verfallen und den Wahn zu erzeugen. Aber wo der Mensch hingestellt wird innerhalb seines Sozialisationsprozesses, das ist dann Angelegenheit der gesellschaftlichen Bezüge, die viel wahnwitziger sind, als wir es begreifen. Wenn wir es begreifen würden, müssten wir wahrscheinlich auch wahnsinnig werden. Diese gesellschaftlichen Bezüge, das, was wir Normalität nennen, ist furchtbar und gewalttätig. Eigentlich müssten wir dem Patienten diese Situation darstellen, wenn wir ihn in gewisser Weise &#8222;heil&#8220; machen wollen, ihn einer Ganzheit zuführen wollen, etwa das nie völlig erreicht werden kann und eine ungeheure Aufgabe darstellt. Es wurde bereits gesagt, dass Selbstverwirklichung ein ganz gefährlicher Begriff ist. Wenn man sich selbst verwirklicht, wohin dann eigentlich? Immer in die gleiche Richtung? Dann würde man ja erstarren. <br />Aber Selbstbestimmung, Kreativität und ähnliches kann man nur in kleinen Gemeinschaften erreichen, wie es sie in den psychiatrischen Anstalten z.b. nicht gibt. Bei einer anderen Gesinnung  könnte man selbst in diesen großen Einrichtungen sehr wohl Gemeinschaften formieren, in denen es möglich wäre, so etwas wie ein Solidaritätsgefühl und ein Verantwortungsbewusstsein für sich und alle zu entwickeln. Da ihm dies in der Klinikarbeit unmöglich gemacht wurde, zog Thiemann daraus die Konsequenz, eine therapeutische Wohngemeinschaft zu gründen. Wenn die Patienten jedoch wieder nach Hause entlassen werden, stehen sie da, ohne Geld, ohne Lobby und verfallen oft der Resignation. In der gesamten sozialen Arbeit macht sich zur Zeit diese Resignation breit. Dafür wird viel Tünche darauf verwandt, diesen unseren angeblichen Sozialstaat zu rechtfertigen.</p>
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		<title>Probleme der Kinder und Jugendpsychiatrie</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/thema/probleme-der-kinder-und-jugendpsychiatrie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Dec 1980 11:14:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tagungsprotokoll: Wege zu einer neuen Psychiatrie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.humanistische-union.de/thema/probleme-der-kinder-und-jugendpsychiatrie/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Hartmut Steffen aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 32 &#8211; 33 Steffen arbeitet als Facharzt für Kinder und Jugendpsychiatrie in einem Kinderneurologischen Zentrum, dass ein ambulanzlastiges Modellinstitut ist und ursprünglich von der Idee ausging, Kinder und Jugendliche sollten im Verband der Familie behandelt werden und Eltern sollten [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/thema/probleme-der-kinder-und-jugendpsychiatrie/">Probleme der Kinder und Jugendpsychiatrie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hartmut Steffen</p>
<p>aus: Wege zu einer neuen Psychiatrie, Protokolle einer Tagung. HU-Schriften 9, München 1980, Seite 32 &#8211; 33</p>
<p>Steffen arbeitet als Facharzt für Kinder und Jugendpsychiatrie in einem Kinderneurologischen Zentrum, dass ein ambulanzlastiges Modellinstitut ist und ursprünglich von der Idee ausging, Kinder und Jugendliche sollten im Verband der Familie behandelt werden und Eltern sollten als Cotherapeuten die Therapie mit nach Hause tragen. Die Ambulanz ist jedoch ein Defizitbetrieb, der vom Sozialministerium nur deshalb getragen wird, weil es sich um ein vorbildliches Modell handelt. Steffen sieht sich ständig mit den Zahlen der Bettenbelegungen auf der Station konfrontiert und auch dafür verantwortlich gemacht, wenn die Zahlen in der Ambulanz nicht stimmen.</p>
<p>Eine besorgniserregende Entwicklung geht dahin, den bestehenden psychiatrischen Kliniken zunehmend Abteilungen für Kinder und Jugendliche anzugliedern, die modellhaft fernab von großen Städten gebaut werden. Auch die Empfehlungen der Enquete Kommission sehen 1 &#8211; 4 Betten pro 10 000 Kinder und Jugendliche vor, mit dem Ziel, flächendeckend stationär zu versorgen. Zur Zeit sind kinderpsychiatrische Abteilungen mit 60 bis 100 Betten geplant. <br />Die durchschnittliche Verweildauer liegt in der Kinderpsychiatrie bei 100 bis 400 Tage. Die Entfernung zur Klinik beträgt für die Eltern nicht selten 200 km. Es ist ein Kunstfehler, ein Kind zu patientisieren, das ein Symptom entwickelt, das einen Signalcharakter hat und auf eine Diskfunktion in der Familie hinweist. Für das Kind aber werden durch die Einweisung Weichen gestellt, die oft lebensbestimmend sind. Aus diesen Gründen ist es wichtig, dass in der Kinderpsychiatrie sowohl gemeindenah, als auch ambulant und familienorientiert gearbeitet wird. Dies muss zu einer ganz dringlichen Forderung erhoben werden.Das Vorfeld der Erwachsenenpsychiatrie ist nicht nur in der Kinderpsychiatrie, sondern auch in den Kinderkliniken, in den psychologischen Beratungsstellen, bei der pädagogischen Frühförderung, in den sozialpädiatrischen Kliniken. Es gibt praktisch vier voneinander unabhängige Aktivitäten, die stark voneinander abgegrenzt sind und zusammen wahrscheinlich viel mehr erreichen könnten. Ein Schwerpunkt liegt bei den Ambulanzen und Polikliniken in der Nähe von kinderklinischen Zentren. Sie könnten auch Familienarbeit leisten für psychosomatische Krankheiten, für chronische Krankheiten, für psychoreaktive Erkrankungen, mit denen die Kinder und ihre Familien große Schwierigkeiten haben. Konkret müsste ausgehandelt werden, dass Ambulanzen nicht immer am Ende des Jahres mit großen Schuldgefühlen ihr Defizit vorzeigen müssen, sondern über einen Pauschalbetrag, der sich zusammensetzen könnte aus Anteilen der KV, der Kassen und der Sozialhilfeträger, der kostendeckend ist und keine Einzelabrechnung erforderlich macht. Auf der anderen Seite gibt es ein funktionsfähiges, gemeindenahes, aber noch nicht gut ausgebautes System der psychologischen Beratungsstellen, die nicht Erziehungsberatungsstellen heißen sollten, weil das sehr individuumszensiert formuliert ist, sondern Familienberatungsstellen. Sie sollten interdisziplinär zusammenarbeiten und den Bereich der Prävention abdecken, den Bereich der Betreuung von Familien mit Pflege und Adoptivkindern sowie den Bereich des schulpsychologischen Dienstes, der im Augenblick im Alleingang mit Halben, Viertel oder gar nicht vorhandenen Planstellen kaum funktioniert. Das sind die beiden Kreise möglicher interdisziplinärer Zusammenarbeit. Die zur Zeit sehr isoliert voneinander arbeitenden Berufsgruppen können zusammengefasst werden in Polikliniken auf der einen Seite und in Familienberatungsstellen auf der anderen Seite. Reformen im Bereich der Kinderpsychiatrie sind von besonderer Dringlichkeit. Es geht nicht an, dass in großen Städten, wie Mainz, keine funktionsfähige kinderpsychotherapeutische Ambulanz zur Verfügung steht. Jeder Tag, den ein Kind von der Familie entfernt in Institutionen verbringt, stellt eine Gefährdung dar. Die Tatsache, dass Betten da sind und gefüllt werden müssen, weil dahinter der Rechnungshof steht, verführt dazu, z.b. Sorgerechtsgutachten so zu erstellen, dass das Kind 4 bis 6 Wochen in die Klinik aufgenommen wird, um zu beurteilen, zu welchem Elternteil es kommen soll.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/thema/probleme-der-kinder-und-jugendpsychiatrie/">Probleme der Kinder und Jugendpsychiatrie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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