Workshop-Konzeption

Hintergrund: Die Sorge um den Datenschutz treibt derzeit viele Menschen um: Immer neue Skandale um die Überwachung von Mitarbeitern und Kunden durch Firmen, aber auch die Flut staatlich verordneter Datensammeleien haben dazu beigetragen, dass sich mehr und mehr (junge) Menschen für das Recht auf informationelle Selbstbestimmung interessieren und entsprechend engagieren wollen. Mit dem „Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung“ (AK Vorrat) hat sich erstmals seit Jahren eine soziale Bewegung gebildet, die sich dem Schutz der Kommunikationsdaten verschrieben und das Thema zum Gegenstand von Politisierungsprozessen junger Menschen gemacht hat. Aus dem AK Vorrat ging die größte Verfassungsbeschwerde in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschlands hervor, zudem veranstaltet er seit 2007 jährliche Demonstrationen gegen Überwachung („Freiheit statt Angst“), an denen sich Zehntausende beteiligen. Motivation ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für erfolgreiche politische Partizipation. Die Erfahrungen der Humanistischen Union, aber auch beim AK Vorrat zeigen, dass Interessierte oft Schwierigkeiten haben, sich in bestehenden Gruppierungen / Vereinen aktiv einzubringen. In vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen fehlt es an einer systematischen Vermittlung von Fähigkeiten, wie Interessierte ihren eigenen beruflichen Hintergrund, ihre Persönlichkeit sowie Zeit und Engagement effektiv in ein Projekt einbringen können. So wissen die Interessenten nicht, welche Fähigkeiten sie gewinnbringend einbringen können, welche Formen des politischen Engagements möglich sind. Andererseits erleben viele ehrenamtlich Aktive in fachlichen Debatten ein Kompetenzgefälle, dass ihnen die Durchsetzung ihrer Anliegen erschwert. Schließlich müssen auch politische Aktionsformen und mögliche Handlungsansätze immer wieder neu ein geübt werden. Diesen Problemen stellt sich der Workshop „Meine Daten gehören mir. Datenschutz als Event – Text – Bild“. Sein Ziel ist eine Professionalisierung bürgerrechtlichen Engagements ehrenamtlich aktiver Datenschützer. Der Workshop bietet dazu im ersten Teil eine Einführung in Grundlagen des Datenschutzrechtes, die rechtspolitische Entwicklung der letzten Jahre und aktuelle Streitfragen. Anhand eines aktuellen Themas, das von den Kursteilnehmer/innen ausgewählt wird, sollen dann verschiedene Handlungs- und Aktionsformen erprobt werden, mit denen sich die bürgerrechtliche Kritik an dem ausgewählten Beispiel formulieren lässt. Der Workshop geht dabei von der Prämisse aus, dass sich Arbeitstechniken und Methoden in einem praxisnahen Umfeld am besten erlernen lassen, zumal wenn die Beteiligten eine hohe Eigenmotivation (ihr Interesse an einer Stärkung des Datenschutzes) mitbringen. Die Teilnehmer sollen nicht nur etwas über den Datenschutz lernen, sondern zugleich an einer aktiven Bürgerrechtsarbeit partizipieren.

Der Workshop wird durch mehrere Experten begleitet, die themenspezifisches Wissen mitbringen bzw. methodische Qualifikationen vermitteln sollen. Er knüpft an das ausgeprägte Interesse zu Datenschutzthemen bei der Zielgruppe an und will dieses nutzen, um die Kompetenzen zur Formulierung eigener bürgerrechtlich-politischer Positionen sowie deren medialer Darstellung zu erweitern. Die Experten kommen teilweise aus den Reihen der Humanistischen Union, zum Teil aus deren Umfeld. Bei der Auswahl der geeigneten Referenten wird auf deren fachliche Qualifikation Wert gelegt, um die mit dem Workshop verbundenen Lernziele zu erreichen.

Übersicht:

Der Workshop „Meine Daten gehören mir. Datenschutz als Event – Text – Bild“ soll Möglichkeiten des bürgerrechtlichen Engagements für die Belange des Datenschutzes aufzeigen. Er verbindet eine gezielte Vertiefung datenschutzrechtlichen Vorwissens mit der methodischen Schulung zu politischen Handlungsansätzen. Nach einer gemeinsamen Einführung in Grundlagen und rechtspolitische Streitfragen des Datenschutzes werden die Teilnehmer/innen in drei Arbeitsgruppen unterschiedliche Herangehensweisen an die Aufbereitung eines gemeinsam gewählten Themas erproben. Der Workshop vermittelt dabei Grundlagen, wie bürgerrechtliche Anliegen durch symbolische Aktionsformen, durch aufbereitete Texte oder verschiedene Bildstile transportiert werden können. Die erarbeiteten Projekte und Materialien sollen die Teilnehmer/innen am Ende gemeinsam umsetzen bzw. präsentieren.

Event Politische Anliegen können in unterschiedlicher Weise vorgebracht werden: mit verschiedenen Veranstaltungsformen vom Streitgespräch bis zur Fachtagung; mit symbolischen Aktionen, die vor allem auf eine mediale Wahrnehmung zielen; durch Aktionen, durch die gezielt andere Menschen zum Mitmachen angestiftet werden sollen. Welche Erfahrungen gibt es in der Bürgerrechtsszene mit verschiedenen Aktionsformen? Welche Aktionsform eignet sich für welche Situation? Was ist bei der Vorbereitung und Planung von Veranstaltungen u.a. Aktivitäten zu beachten? Wie gewinne ich Mitstreiter für ein Vorhaben? Eine von den Teilnehmern auszuwählende Veranstaltung oder Aktion zum Beispielthema des Workshops soll gemeinsam vorbereitet werden. Lernziele: Grundlagen der Kampagnenarbeit, Vermittlung von best practices der Organisationsarbeit Zielgruppe und Voraussetzungen: erste Erfahrungen in der Mitarbeit in politischen Gruppen, etwa dem AK Vorrat, den Regionalgruppen der Humanistischen Union und anderswo

Text Das beste Argument nützt wenig, wenn es nicht bei den Adressaten ankommt. Ziel dieser AG ist es, die reichhaltigen Formen des Textes als ein Mittel zu erschließen, mit dem sich politische Botschaften gezielt an die Frau/den Mann bringen lassen. Unter Anleitung eines Journalisten sollen verschiedene Schreibstile erprobt werden. Im Anschluss sollen die Teilnehmenden gemeinsam zu dem Beispielthema ein Flugblatt oder Hintergrundtexte für eine Webseite verfassen. Lernziele: Textformate für Artikel, Faltblätter und Webseiten; Übersicht der verschiedenen Textgenres, die sich für die „politische Literatur“ eignen Zielgruppe und Voraussetzungen: Interessenten, die bereits eigene Texte zu Themen der Tagespolitik verfasst haben, z.B. in Blogs oder Zeitschriften; Grundlagen des Sprachverständnisses und der Rechtschreibung

Bild Politische Ansichten, aber auch Meinungen und Stimmungen lassen sich mitunter schneller durch Bilder transportieren. Mit Bildern können nicht nur neue Zielgruppen angesprochen werden, eine erfolgreiche Medienarbeit bürgerrechtlichen Engagements verlangt in zunehmenden Maße nach einer multimedialen Darbietung. Wo und wie lassen sich Bilder effektiv in der politischen Kampagnenarbeit nutzen? Wie lassen sich Themen mit einfachem Aufwand „bebildern“? Was ist bei der Dokumentation von Veranstaltungen oder Aktionen zu beachten? Lernziele: grundlegende Techniken der Fotoreportage und fotografischer Ausdrucksmittel, Erstellung von Genrefotos Zielgruppe und Voraussetzungen: Freizeit-Fotografen, die den Umgang mit ihrer Kamera beherrschen; Grundlagenkenntnisse der elektronischen Bildbearbeitung

Der Workshop ist so konzipiert, dass die Teilnehmer nur an jeweils einer der drei Arbeitsgruppen teilnehmen können. Jedoch soll durch den Ablauf des Workshops, als auch die Anregung zu einer Fortsetzung des gewählten Projektes nach dem Wochenende versucht werden, dass alle Beteiligten einen Eindruck von den verschiedenen Aktionsmöglichkeiten erhalten und die Arbeitsergebnisse aller Gruppen kohärent werden. Die nötige Rückkopplung wird durch eine professionelle Moderation der Gruppen im Plenum sichergestellt, mit der Erkenntnisse und Ergebnisse der einzelnen AGs zusammengeführt werden.

Ziel: Den Teilnehmern sollen durch den Workshop die verschiedenen Formen und Möglichkeiten des aktiven Einsatzes für Datenschutz als Bürgerrecht näher gebracht werden. Durch die Planung konkreter Aktionen während des Workshops werden die Teilnehmer in die Lage versetzt, selbständig Projekte durchzuführen.

Zielgruppe: Eingeladen sind alle interessierten Bürgerinnen und Bürger. Wir wenden uns ausdrücklich nicht nur an Mitglieder der HU, sondern an alle, die etwas über den Einsatz für Bürgerrechte in einer zivilgesellschaftlichen Organisationen lernen wollen.

Engagement von Freiwilligen: Sowohl die Veranstalter als auch einige der geladenen Bürgerrechtler bringen sich unentgeltlich in den Workshop ein. Allerdings beruht die Idee des Workshops auf der Vermittlung von Expertenwissen, das möglicherweise nicht ausschließlich unentgeltlich eingeworben werden kann.

hu/projekte/einsteiger/workshop.txt · Zuletzt geändert: 2009-11-04 11:53 von Sven Lueders
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