<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Gemeinsame Erklärung der Rechtsanwälte Archive - Humanistische Union</title>
	<atom:link href="https://www.humanistische-union.de/autoren/gemeinsame-erklaerung-der-rechtsanwaelte/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.humanistische-union.de/autoren/gemeinsame-erklaerung-der-rechtsanwaelte/</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Mon, 30 Aug 2021 13:41:41 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.1.2</generator>
	<item>
		<title>Der Fehler liegt im System</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/203-vorgaenge/publikation/der-fehler-liegt-im-system/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Dec 2013 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.humanistische-union.de/publikationen/publikation/der-fehler-liegt-im-system/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Nebenklagevertreter_innen im NSU-Verfahren kritisieren Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses des Bundestages als inkonsequent aus: vorg&#228;nge Nr. 203 (3-2013), S. 131-133 Kurz vor Ende der Legislaturperiode, am 22. August 2013, legte der Bundestags-Untersuchungsausschuss zum NSU seinen vorl&#228;ufigen Abschlussbericht vor. Auf 1.357 Seiten werden die Verbrechen des NSU, der Gang der Ermittlungen und die zahllosen Pannen minuti&#246;s dokumentiert. Der [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/203-vorgaenge/publikation/der-fehler-liegt-im-system/">Der Fehler liegt im System</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nebenklagevertreter_innen im NSU-Verfahren kritisieren Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses des Bundestages als inkonsequent</p>
<p>aus: vorg&auml;nge Nr. 203 (3-2013), S. 131-133</p>
<p><i>Kurz vor Ende der Legislaturperiode, am 22. August 2013, legte der Bundestags-Untersuchungsausschuss zum NSU seinen vorl&auml;ufigen Abschlussbericht vor. Auf 1.357 Seiten werden die Verbrechen des NSU, der Gang der Ermittlungen und die zahllosen Pannen minuti&ouml;s dokumentiert. Der Ausschuss und sein Bericht markieren eine Premiere: Erstmals wurde ein Untersuchungsausschuss nicht nur einstimmig von allen Abgeordneten eingesetzt, auch der Abschlussbericht wurde von allen Ausschussmitgliedern einstimmig verabschiedet. Der parlamentarische Konsens m&uuml;ndet in 47 gemeinsamen Empfehlungen, wie die Arbeit von Polizei, Justiz, Verfassungsschutz und anderen Sicherheitsbeh&ouml;rden verbessert werden m&uuml;sse, um eine vergleichbare Blindheit gegen&uuml;ber einer rassistischen Mordserie zu verhindern.</i></p>
<p><i>Die Ergebnisse des parlamentarischen Untersuchungsausschusses wurden nach ihrer Pr&auml;sentation von verschiedenen Seiten kritisiert. Wir dokumentieren hier stellvertretend eine Stellungnahme von Vertreter_innen der Nebenklage im NSU-Mordprozess am OLG M&uuml;nchen.</i></p>
<p>&#8222;Sie d&uuml;rfen nicht den Fehler machen, die Dinge aus heutiger Sicht zu beurteilen. Damals hatten wir keine Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund&#8220;, erkl&auml;rt der pensionierte Kriminaloberrat Wilfling am 11. Juli 2013 bei seiner Aussage im Prozess gegen Beate Zsch&auml;pe u.a. vor dem Oberlandesgericht M&uuml;nchen. &#8222;Jetzt tun Sie mal nicht so, als w&uuml;rde es keine t&uuml;rkische Drogenmafia geben&#8220;.</p>
<p>Wilfling ist als M&uuml;nchener Mordermittler langj&auml;hrig erfahren. Er hat B&uuml;cher &uuml;ber seine Arbeit ver&ouml;ffentlicht und w&uuml;rde sich nie als Rassist sehen. Und doch verdeutlicht seine Aussage das Problem: Das katastrophale Versagen der Ermittlungsbeh&ouml;rden bei der Aufkl&auml;rung der Verbrechen des NSU ist keine Summe der Fehler von Einzelnen. Der Fehler liegt im System. Vorurteile werden nicht hinterfragt. &#8222;Ausl&auml;nder&#8220; m&uuml;ssen von &#8222;Ausl&auml;ndern&#8220; ermordet worden sein. Hintergr&uuml;nde sind selbstverst&auml;ndlich im Bereich Organisierter Kriminalit&auml;t zu suchen.</p>
<p>Mangelndes Engagement kann man den Ermittlungsbeh&ouml;rden dabei freilich nicht vorwerfen. Hunderte Zeuginnen und Zeugen wurden selbst in der T&uuml;rkei verh&ouml;rt, Drogenhunde eingesetzt, fingierte D&ouml;nerbuden er&ouml;ffnet, verdeckte Ermittler als Journalisten eingesetzt, Steuerbanderolen auf Zigarettenschachteln &uuml;berpr&uuml;ft; selbst ein Wahrsager wurde befragt. &Uuml;ber elf Jahre fahndeten hunderte Ermittler in die falsche Richtung. Alle Zeugen, alle Analysen, alle Beweismittel, die auf rassistisch motivierte Anschl&auml;ge hindeuteten, wurden konsequent ignoriert.</p>
<p>Heute wird dazu der Bericht des Untersuchungsausschusses des Bundestages ver&ouml;ffentlicht. Genau das entscheidende Problem wird darin in der gemeinsamen Wertung nicht benannt: institutioneller Rassismus.</p>
<p>Unabh&auml;ngig von der pers&ouml;nlichen Einstellung und den Absichten der Beamten, folgen die Ermittlungsbeh&ouml;rden einer inneren Logik, Normen und Werten, deren rassistische Konsequenzen sich unter anderem in den Ermittlungen zur Mord- und Anschlagsserie des NSU wiederfinden.</p>
<p>Hochgelobt f&uuml;r das partei&uuml;bergreifende Engagement der Obleute, schafft es (nun) zu Zeiten des Wahlkampfs gerade der Untersuchungsausschuss nicht, das Problem so zu bezeichnen, wie es sich uns pr&auml;sentiert. Wir sind Rechtsanw&auml;ltInnen und NebenklagevertreterInnen im so genannten NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht M&uuml;nchen. Wir haben die Akten gelesen. Wir haben Zeuginnen und Zeugen geh&ouml;rt. Wir haben aber vor allen Dingen von unseren Mandantinnen und Mandanten erfahren, wie sie nach den Taten jahrelang selbst im Fokus der Ermittlungen stehen mussten.</p>
<p>Das hei&szlig;t:</p>
<ol>
<li>Hinterbliebene und Verletzte fordern die Anerkennung auch in der Politik, dass das systematische Versagen der Ermittlungsbeh&ouml;rden auf institutionellem Rassismus beruht. Das Problem muss klar benannt werden. Alles andere w&auml;re Augenwischerei. Morde h&auml;tten verhindert werden k&ouml;nnen. </li>
<li>Wir fordern eine Neueinsetzung des Untersuchungsausschusses in der n&auml;chsten Legislaturperiode. Eine l&uuml;ckenlose Aufkl&auml;rung der Taten des NSU und der m&ouml;glichen Verwicklungen der Ermittlungsbeh&ouml;rden und des Verfassungsschutzes ist lange nicht abgeschlossen. </li>
<li>Bei jedem Gewaltverbrechen muss in Zukunft fr&uuml;hzeitig und nachvollziehbar in den Akten vermerkt und begr&uuml;ndet werden, wenn die Ermittlungsbeh&ouml;rden der Auffassung sind, dass eine rassistisch oder neonazistisch motivierte Tat ausgeschlossen werden kann. </li>
<li>Wir fordern eine Ausbildung und stetige Qualifikation aller Polizeibeamten, die institutionellem wie individuellem Rassismus entgegenwirkt. Zudem m&uuml;ssen gut ausgebildete und szenekundige Abteilungen bei den Landespolizeien neu aufgebaut und neu besetzt werden, die sich spezifisch mit rechter Gewalt besch&auml;ftigen und allgemeine Abteilungen f&uuml;r &#8222;Staatsschutzdelikte&#8220; ersetzen. Diese Ermittlungsgruppen m&uuml;ssen zuk&uuml;nftig immer dann zwingend an den Ermittlungen beteiligt werden, wenn ein rechter Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann. </li>
<li>Bei den Staatsanwaltschaften m&uuml;ssen Abteilungen gebildet werden, die f&uuml;r rechte Gewalttaten gesondert zust&auml;ndig und ausgebildet sind. Abteilungen, die allgemein f&uuml;r &#8222;politisch motivierte&#8220; Taten oder gar zus&auml;tzlich f&uuml;r Delikte von und gegen Polizeibeamte zust&auml;ndig sind, gen&uuml;gen daf&uuml;r keinesfalls. </li>
<li>Es muss verst&auml;rkt darauf hingewirkt werden, dass BeamtInnen mit Migrationshintergrund auch in F&uuml;hrungspositionen geworben werden. Weil dies bislang offensichtlich nicht gelungen ist, sollte zur Umsetzung zun&auml;chst eine verbindliche Quote festgesetzt werden. Rassistischen Tendenzen innerhalb der Ermittlungsbeh&ouml;rden muss konsequent &#8211; auch disziplinarisch &#8211; entgegengewirkt werden.</li>
<li>Das V-Mann-System der Verfassungsschutzbeh&ouml;rden hat versagt und geh&ouml;rt aufgel&ouml;st. Es f&ouml;rdert rechtsradikale Entwicklungen mehr, als dass es sie verhindert. Der Verfassungsschutz hat gerade im Hinblick auf den NSU bewiesen, dass enorme Ressourcen in V-Leute gesteckt wurden, die nur bekannte, zu wenige oder gar bewusste Falschinformation geliefert haben. Das Geld der V-Leute ist teilweise in den Aufbau von Neonazi-Strukturen geflossen. Ein Verbotsverfahren hinsichtlich der NPD scheiterte auch an der weitgehenden Integration von V-Leuten in der Partei bis in die F&uuml;hrungsspitze. Es bleibt grunds&auml;tzlich zu diskutieren, inwieweit die notwendige Aufkl&auml;rung &uuml;ber neonazistische Aktivit&auml;ten ausschlie&szlig;lich die Polizeibeh&ouml;rden besorgen k&ouml;nnen.</li>
<li>Opfer rechter Gewalt seit 1990 sind l&uuml;ckenlos entsprechend der Liste der Amadeu Antonio Stiftung, der &#8222;Zeit&#8220; und des &#8222;Tagesspiegels&#8220; als solche anzuerkennen.</li>
<li>Die Beratungsstellen f&uuml;r Opfer rechter Gewalt m&uuml;ssen erhalten, fl&auml;chendeckend ausgebaut und gef&ouml;rdert werden.</li>
<li>Es sind auf Landes- und Bundesebene Kontrollgremien einzuf&uuml;hren, die als unabh&auml;ngige Ansprechpartner f&uuml;r Betroffene von institutionellem oder pers&ouml;nlichem Rassismus durch die Ermittlungsbeh&ouml;rden oder f&uuml;r &#8222;Whistleblower&#8220; in solchen F&auml;llen zur Verf&uuml;gung stehen. Diese sollten mit effektiven Kontrollbefugnissen ausgestattet und durch das Parlament eingesetzt werden.</li>
</ol>
<p><i>Die Rechtsanw&auml;ltinnen und Rechtsanw&auml;lte Antonia von der Behrens, Dr. Mehmet Daimag&uuml;ler, Dr. Bj&ouml;rn Elberling, Berthold Fresenius, Alexander Hoffmann, Carsten Ilius, Detlef Kolloge, Stephan Kuhn, Angelika Lex, Stephan Lucas, Og&uuml;n Parlayan, Jens Rabe, Eberhard Reinecke, Aziz Sariyar, Sebastian Scharmer, Reinhard Sch&ouml;n und Peer Stolle.</i></p>
<p><b>Literatur</b></p>
<p>Der Abschlussbericht des NSU-Untersuchungsausschusses ist erschienen als: <br />Beschlussempfehlung und Bericht des 2. Untersuchungsausschusses nach Artikel 44 des Grundgesetzes des 17. Deutschen Bundestages, BT-Drs. 17/14600 v. 22.8.2013, abrufbar unter <a href="http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/ua/2untersuchungsausschus" target="_blank" rel="noopener">http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/ua/2untersuchungsausschus</a> s/Vorl __ufer_Bericht/Vorl__ufiger_Bericht.pdf.</p>
<p>Das Deutsche Institut f&uuml;r Menschenrechte hat am 20.8.2013 ein Hintergrundpapier zum NSU-Abschlussbericht vorgelegt, abrufbar unter <a href="http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/" target="_blank" rel="noopener">http://www.institut-fuer-menschenrechte.de</a>.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/203-vorgaenge/publikation/der-fehler-liegt-im-system/">Der Fehler liegt im System</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
