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	<title>Gerd Lüdemann Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Denis Diderot  Weiß man je, wohin man geht?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Dec 2010 06:25:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mitteilungen Nr. 211 (4/2010), S. 18/19 Denis Diderot &#8211; Wei&#223; man je, wohin man geht? Ein Lesebuch. Herausgegeben von Werner Raupp Diderot Verlag, Rottenburg/N., 2. Aufl. 2009&#160; (2008), 480 S., 60 Abb.,Vorwort: Peter Prange, 27,90 &#8364;ISBN: 978-3-936088-95-3 Mit dieser Anthologie &#252;ber die ausnehmend &#8222;bunte Gedankenwelt&#8220; (S. 18) des ber&#252;hmten franz&#246;sischen Aufkl&#228;rers und Enzyklop&#228;disten, die ein [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mitteilungen Nr. 211 (4/2010), S. 18/19</p>
<div><span class="migrated-image"><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/diderot-cover.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-4110 size-medium" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/diderot-cover-306x450.jpg" alt="Denis Diderot &#8211; Wei&szlig; man je, wohin man geht?" width="306" height="450" srcset="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/diderot-cover-306x450.jpg 306w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/diderot-cover-510x750.jpg 510w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/diderot-cover-408x600.jpg 408w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/diderot-cover-229x337.jpg 229w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/diderot-cover.jpg 600w" sizes="(max-width: 306px) 100vw, 306px" /></a></span></p>
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<p><i>Denis Diderot &#8211; Wei&szlig; man je, wohin man geht? Ein Lesebuch. Herausgegeben von Werner Raupp <br />Diderot Verlag, Rottenburg/N., 2. Aufl. 2009&nbsp; (2008), 480 S., 60 Abb.,<br />Vorwort: Peter Prange, 27,90 &#8364;<br />ISBN: 978-3-936088-95-3</i></p>
<p>Mit dieser Anthologie &uuml;ber die ausnehmend &#8222;bunte Gedankenwelt&#8220; (S. 18) des ber&uuml;hmten franz&ouml;sischen Aufkl&auml;rers und Enzyklop&auml;disten, die ein Jahr nach ihrem Erscheinen bereits in zweiter Auflage vorliegt, er&ouml;ffnet der T&uuml;binger Philosophiehistoriker und FH-Dozent Werner Raupp seine popul&auml;rwissenschaftliche Reihe &#8222;Humanismus &#8211; neu entdeckt&#8220;. Diese weitet den Begriff &#8222;Humanismus&#8220; stark aus und besitzt eine politische wie &ouml;kophile Intention (vgl. Vorwort, S. 17-20).</p>
<p>Der mit eindrucksvollen Illustrationen (besonders Stichen) geschm&uuml;ckte Band schildert zun&auml;chst kompakt die bekannten Eckdaten von Diderots Leben und Werk, der als Prototyp der Moderne seiner Zeit in vielerlei Hinsicht voraus war (Einf&uuml;hrung, S. 21-70). Dabei markiert der Herausgeber Diderots philosophischen Denkweg, der vom Theismus &uuml;ber den Skeptizismus und Deismus hin zu einem materialistisch-monistischen Weltbild f&uuml;hrt: zu &#8222;einem vitalistischen resp. hylozoistischen Materialismus und Pantheismus&#8220; (S. 56). Damit verbunden werden mehrere geistesgeschichtliche Linien sichtbar, die auch seine demokratische Gesinnung umfassen (S. 63-69).</p>
<p>Der Hauptteil (S. 71-434) gliedert sich in acht Kapitel und bietet auch etliche deutsche Erst&uuml;bersetzungen dar. Zu den &Uuml;bersetzern z&auml;hlen neben dem Herausgeber und der T&uuml;binger Romanistin Iris Raupp auch Lessing, Goethe und der Diderot-Kenner Hans Magnus Enzensberger. Der Textteil beginnt mit zum Teil am&uuml;santen Beitr&auml;gen &uuml;ber Diderots durchaus abenteuerliche Vita und bringt neben Schiller u. a. Rousseaus &#8222;Bekenntnisse&#8220; zu Geh&ouml;r (Kp. 1). <br />Sodann folgen Texte aus der epochalen Enzyklop&auml;die (28 Bde., 1751-1772), die von &#8222;Amerika&#8220; &uuml;ber &#8222;Geschichte&#8220; (von Voltaire verfasst) bis zu &#8222;Liebe der Geschlechter&#8220; wie auch zur &#8222;Nat&uuml;rlichen Gleichheit&#8220; und &#8222;Z&ouml;libat&#8220; reichen. Angef&uuml;gt sind Briefe, die den heftigen Streit um das von Kirche und Staat unterdr&uuml;ckte Monumentalwerk belegen, das bekanntlich zum &#8222;Durchbruch der aufkl&auml;rerischen und antifeudalen Denkrichtung&#8220; verhalf und so die Franz&ouml;sische Revolution von 1789 mit vorbereitete (S. 36). Zukunftsweisend ist auch Jean le Rond d&#8217;Alemberts ber&uuml;hmte Einleitung (&#8222;Discours pr&eacute;liminaire&#8220;), die nachdr&uuml;cklich f&uuml;r die empirische Methode eintritt (Kp. 2).</p>
<p>Das 3. Kapitel behandelt in drei Abschnitten die Kunst: u. a. die &uuml;beraus moderne Abhandlung &uuml;ber das &#8222;Paradox des Schauspielers&#8220; (1773-1778), die auch noch im 20. Jahrhundert Bert Brecht beeinflusste (&#8222;Theater&#8220;); die plauderhaften Salons (1759-1781), Berichte &uuml;ber die im Louvre stattfindenden Ausstellungen (&#8222;Bildende Kunst&#8220;); &Auml;u&szlig;erungen zur weniger bekannten Musiktheorie und zum heftigen &#8222;Buffonistenstreit&#8220; (1752-54), der auch politische Dimension besa&szlig; (&#8222;Musik&#8220;).</p>
<p>Ausf&uuml;hrlich ist das folgende Kapitel 4 geraten, das Ausschnitte aus den Romanen bietet: die bis ins 20. Jahrhundert als skandal&ouml;s angesehene Kloster-Satire &#8222;Die Nonne&#8220; (1760) sowie die dialogischen St&uuml;cke &#8222;Rameaus Neffe&#8220; (1761/62) &#8211; in der &Uuml;bersetzung Goethes (1805) &#8211; und &#8222;Jacques, der Fatalist&#8220; (1773-75). Mit diesen Erz&auml;hlungen hat sich der Aufkl&auml;rer in die Weltliteratur eingeschrieben. Er sucht darin, zuweilen in pikaresker Weise, der Frage nach gelingender Lebensorientierung nachzusp&uuml;ren. Humorvoll ist schlie&szlig;lich die Erz&auml;hlung vom &#8222;alten Hausrock&#8220;, den Hans Magnus Enzensberger mit sprachlicher Brillanz &uuml;bertrug.<br />Dann folgen die philosophischen Texte (Kp. 5): hervorgehoben seien die aphoristischen &#8222;Philosophischen Gedanken&#8220; (1746), die das intolerante Christentum mit seinen &#8222;H&ouml;llenstrafen&#8220; kritisieren, und die materialistische Poesie vom &#8222;Traum d&#8217;Alemberts&#8220; (1769), die den Menschen als Kind der unendlichen Evolution ansieht, verankert in der &#8222;gro&szlig;en Kette&#8220; des Lebens.</p>
<p>Kurzweilig gehalten ist auch das 6. Kapitel, das den Polygraphen als markanten Wegbereiter der Demokratie wie als scharfen Kritiker des Kolonialismus und der Sklaverei vorstellt: nicht zuletzt in den &#8222;Beobachtungen &uuml;ber den &#8218;Nakaz&#8216; der Zarin Katharina II.&#8220; (1774), eine der deutschen Erst&uuml;bersetzungen. Der kritische Kommentar zu Katharinas neuer Gesetzgebung gipfelt in den Worten: &#8222;Es gibt nur einen wahren Herrscher: die Nation; es gibt nur einen wahren Gesetzgeber: das Volk&#8220; (S. 365). Harsch wusste Diderot &uuml;berdies dem &#8222;Kriegstreiber&#8220; Friedrich II., d. G. entgegenzutreten (&#8222;Seiten gegen einen Tyrannen&#8220;, 1771).</p>
<p>Der vorletzte Teil bietet sodann 22 zum Teil &uuml;beraus lebhafte Briefe Diderots: u. a. an Voltaire, Madame de Pompadour, David Hume, Carl Philipp Emanuel Bach und Katharina d. Gr. sowie freilich an die kongeniale Geliebte, Sophie Volland. Das 8. Kapitel betrachtet schlie&szlig;lich den Aufkl&auml;rer &#8222;im Spiegel seiner Zeitgenossen und der Nachwelt&#8220;, wobei der Herausgeber eine illustre Schar von K&ouml;pfen versammelt hat: von Lessing (1751) &uuml;ber Goethe (1812/13) und Ludwig B&ouml;rne (1831) bis zu Enzensberger (1994).</p>
<p>Den Schlussteil (S. 435-480) bilden neben einer allerdings etwas kurz geratenen Bibliographie ein ausf&uuml;hrliches Quellenregister sowie eine Diderot-Chronik und ein Namen-Glossar. Angeh&auml;ngt ist schlie&szlig;lich ein kurzer Abschnitt mit provokanten &#8222;Gedankensplittern&#8220; als &#8222;Einstimmung in die neue Buchreihe&#8220;. Insgesamt ist die Auswahl und die Aufbreitung der Texte vorz&uuml;glich gelungen &#8211; und so stellt die sch&ouml;n aufgemachte Anthologie sowohl ein vielversprechender Auftakt der neuen Buchreihe wie auch eine gegl&uuml;ckte Einladung zur Lekt&uuml;re des Diderotschen &#338;uvre dar, das im deutschsprachigen Raum immer noch viel zu wenig bekannt ist. Dort sucht die Anthologie nunmehr ihresgleichen.&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/211/publikation/denis-diderot-weiss-man-je-wohin-man-geht/">Denis Diderot  Weiß man je, wohin man geht?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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