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	<title>Götz-Dietrich Opitz Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Der Terror und die Todesstrafe in den USA: Nach dem 11. September geraten die Gegner in die Defensive</title>
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		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Sep 2024 13:50:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[11. September]]></category>
		<category><![CDATA[9/11]]></category>
		<category><![CDATA[Anti-Terror-Kampf]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
		<category><![CDATA[Todesstrafe]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit der Wiederzulassung der Todesstrafe in den USA durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs im Jahre 1976 zeichnet sich eine unverkennbare und mehr als beunruhigende Entwicklung ab: Die öffentliche Befürwortung der finalen Höchststrafe nimmt tendenziell zu. Gerade nach dem 11. September 2001 ist hier ein Quantensprung zu verzeichnen. Vor allem aber gibt es einen starken [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-160/publikation/der-terror-und-die-todesstrafe-in-den-usa-nach-dem-11-september-geraten-die-gegner-in-die-defensive/">Der Terror und die Todesstrafe in den USA: Nach dem 11. September geraten die Gegner in die Defensive</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit der Wiederzulassung der Todesstrafe in den USA durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs im Jahre 1976 zeichnet sich eine unverkennbare und mehr als beunruhigende Entwicklung ab: Die öffentliche Befürwortung der finalen Höchststrafe nimmt tendenziell zu. Gerade nach dem 11. September 2001 ist hier ein Quantensprung zu verzeichnen. Vor allem aber gibt es einen starken Trend dahin, die Verhängung der Todesstrafe gegen Terroristen gut zu heißen. Bereits 1994 hatte der Kongress den Anwendungsbereich der Todesstrafe, die auf Bundesebene 1988 per Gesetzesbeschluss wiedereingeführt worden war, auf sechzig Delikte ausgedehnt. Und 1996 unterzeichnete Präsident Bill Clinton den <em>Anti-Terrorism and Effective Death Penalty Act</em>, der die Möglichkeit von Revisionsverfahren drastisch einschränkt.</p>
<p>Ihren vorläufigen Höhepunkt fand diese Entwicklung in der Verurteilung und Hinrichtung des uneinsichtigen „Oklahoma City Bomber“ Timothy McVeigh, doch ist abzusehen, dass das neu geschaffene rechtliche Instrumentarium bald auch auf andere Terroristen angewandt werden wird. McVeigh wurde im Juni 2001 hingerichtet. Zu diesem Zeitpunkt galt sein 168 Menschenleben forderndes Attentat noch als der „tödlichste terroristische Akt auf US-amerikanischem Boden“. Dann kam der 11. September mit seinen ungleich fataleren Folgen.</p>
<p>Präsident Bush rief den weltumspannenden „Krieg gegen den Terror“ aus. Er tat dies mit manichäischer Gewissheit und zivilreligiösem Anspruch als Führer einer „freien, zivilisierten“ Welt. Bushs Popularität muss als einzigartig bezeichnet werden: Nur Franklin D. Roosevelt und Harry S. Truman erhielten in Meinungsumfragen vergleichbar große Zustimmung über einen längeren Zeitraum. Gegenwärtig billigen 63 Prozent der Befragten die Amtsführung des Präsidenten.</p>
<p>Die aus US-amerikanischer Sicht epochalen Ereignisse des 11. September konnten nicht ohne Einfluss auf die Diskussion um die Todesstrafe bleiben. Der beispiellose kollektive Schock ließ die USA schmerzlich spüren, wie sehr ihre nationale Sicherheit verwundbar ist.</p>
<h3 class="">Todesstrafe und trans&shy;at&shy;lan&shy;ti&shy;sche Terror&shy;al&shy;lianz</h3>
<p>Grundsätzlich ist die öffentliche Zustimmung für die Todesstrafe wegen Hochverrats gerade in Kriegs- und Krisenzeiten sehr hoch &#8211; so wie 1942, ein Jahr nach Pearl Harbor, als die Rate bei 85 Prozent lag. Auch in dem „Kreuzzug“, den Amerika seit dem 11. September gegen seine Feinde führt, stehen die Prinzipien des „due process“, der gerechten und rechtsstaatlichen Prozessführung, unter Kriegsvorbehalt. Über 1.200 verdächtige Ausländer meist arabischer Herkunft wurden ohne Anklage oder Haftbefehl „für eine angemessene Zeit“ in Haft genommen, weil Justizminister John Ashcroft glaubte, „eine Gefahr für die Sicherheit der Nation“ zu erkennen. Von ihnen sollen sich heute noch immer 81 Personen in staatlichem Gewahrsam befinden. Mit den eiligst verabschiedeten Anti-Terror-Maßnahmen wurden zentrale Artikel der Magna Charta von 1215 und der Habeas Corpus-Akte von 1640 über Bord geworfen &#8211; nicht nur in den USA. Die nationale Sicherheitsdoktrin dient auch zur Rechtfertigung von Plänen geheimer Militärtribunale. Bushs entsprechender Exekutiverlass vom November 2001, der unter öffentlichem Druck allerdings abgemildert wurde &#8211; so müssen nunmehr Todesurteile immerhin einstimmig gefasst werden -, missachtet elementare rechtsstaatliche Grundprinzipien.</p>
<p>Am 12. Dezember 2001 erhob die US-Regierung Anklage gegen Zacarias Moussaoui, den mutmaßlichen zwanzigsten Terroristen des 11. September. Vier der sechs Anklagepunkte, die nur mit Indizien untermauert sind und lediglich den Straftatbestand einer „Verschwörung“ erfüllen, gelten als todeswürdig. Nach anhaltender Kritik und entgegen der ursprünglichen Absicht wird nun Moussaoui vor einem Zivilgericht der Prozess gemacht. Anstelle des Bundesgerichts von New York wählte das Justizministerium das <em>Eastern District Court of Virginia</em> als Verhandlungsort aus. Es ist bekannt dafür, Todesurteile häufiger auszusprechen. Moussaoui, französischer Staatsbürger marokkanischer Abstammung, lehnte jegliche konsularische Betreuung ab. Dennoch erklärte das französische Außenministerium, Paris würde darauf hinwirken, dass ein etwaiges Todesurteil gegen Moussaoui nicht vollstreckt wird. Es tat dies unter Hinweis auf die grundsätzlich ablehnende Haltung Frankreichs gegenüber der Todesstrafe. Das sechste Protokoll der Europäischen Menschenrechtskonvention von 1983, an die Frankreich gebunden ist, fordert die Abschaffung der Todesstrafe in Friedenszeiten. Die französische Regierung drohte Ende Mai damit, im Fall Moussaoui ihre Kooperation mit den USA aufzukündigen, als das US-Justizministerium ankündigte, für die Höchststrafe zu plädieren. Die Verhandlung ist wider Erwarten auf den 6. Januar 2003 verschoben worden. Der Aufschub soll es der Verteidigung erlauben, über 1.300 Disketten voller Beweismaterial zu studieren.</p>
<p>Die Ablehnung der Todesstrafe hat im Wertekatalog Europas ihren festen Platz. So hat es auch die spanische Regierung im November 2001 verweigert, acht Männer an die USA auszuliefern, wenn nicht sicher gestellt sei, dass sie sich vor Zivilgerichten verantworten können. Die Männer wurden von einem spanischen Untersuchungsrichter der Mittäterschaft an den Terroranschlägen bezichtigt. Die transatlantische Anti-Terror-Allianz hat auch auf dem Feld der Todesstrafe erste Risse bekommen.</p>
<h3 class="">Gemessen wird mit zweierlei Ma&szlig;</h3>
<p>Die US-amerikanische Öffentlichkeit reagierte auf die Erosion bürgerlicher Freiheiten und rechtsstaatlicher Prinzipien gespalten. Einem NYT/CBS <em>News Poll</em> vom Dezember 2001 zufolge machen die Amerikaner einen Unterschied zwischen gewöhnlichen Verbrechen und Terrorismus sowie zwischen US-Bürgern und Ausländern. Im Allgemeinen sind sie gewillt, ihrer Regierung weitgehend freie Hand bei der strafrechtlichen Behandlung verdächtiger Ausländer zu geben. Fast 80 Prozent der Bevölkerung unterstützen die Administrativhaft gegen Verdächtige, über 70 Prozent das Abhören von Gesprächen zwischen inhaftierten Terroristen und ihren Rechtsanwälten, 64 Prozent befürworten die Einschränkung von Grundrechten in Kriegszeiten und 40 Prozent die Einrichtung geheim tagender Militärtribunale. Auf der anderen Seite haben 65 Prozent der Befragten Sorge, ihre eigenen Bürgerrechte einzubüßen.</p>
<p>Diese auf uramerikanische Art und Weise zu verteidigen, ist ihnen offenbar viel Wert: Statistiken des FBI und anderer Quellen zeigen, dass die Verkaufszahlen von Handfeuerwaffen und Munition seit dem 11. September stark angestiegen sind. Dabei schafften sich viele Amerikaner zum ersten Mal eine Waffe an. Allein im Oktober 2001 wurden 1.029.691 Handfeuerwaffen verkauft. Da diese einmal in Umlauf gelangten Waffen häufig letztendlich in die Hände von Kriminellen geraten, sind Sicherheitsorgane und Waffengegner über diese Entwicklung mehr als besorgt. Ein erhöhter Umlauf von Handfeuerwaffen erhöhe die Gefahr von Gewalttaten in Familien, von Selbstmorden und von fahrlässigem Gebrauch.</p>
<p>Gleichzeitig ist ein weiterer Trend zu beobachten: 2001 hatten viele Großstädte in den USA im Vergleich zum Vorjahr starke Zuwächse bei Morden zu beklagen. Die Mordrate stieg bundesweit um durchschnittlich 3,1 Prozent. Experten sehen darin die ersten Anzeichen für eine Rückkehr zu wachsender Kriminalität &#8211; auch wenn die aktuelle Mordrate unter dem letzten Höchstwert von 1991 liegt. Boston und Phoenix verzeichneten Zuwächse von über 60 Prozent, wobei New York City mit einem Rückgang um 5,2 Prozent eine Ausnahme bildet. Allerdings gehört New York mit Baltimore und Washington, D.C. zu den Städten, deren Kriminalitätsraten nach dem 11. September sprunghaft anstiegen. Der Polizeichef von Washington, Charles Ramsey, sieht vor allem zwei Ursachen: den wirtschaftlichen Abschwung und die steigende Zahl von Tötungsdelikten in Familien.</p>
<p>Die Erfahrung zeigt, dass der Ruf nach der Todesstrafe zu Zeiten steigender Kriminalität lauter wird. Das Gefühl wachsender Unsicherheit spiegelt sich auch in Umfragedaten von Anfang September wider. Dem NYT/CBS <em>News Poll</em> zufolge sind immer weniger Amerikaner davon überzeugt, dass die Regierung genug tut, um terroristische Anschläge zu verhindern. Das öffentliche Klima wurde auch dadurch angeheizt, dass das Justizministerium bestimmte Berufsgruppen dazu aufrief, &#8222;verdächtige&#8220; Personen an die Behörden zu melden. Nicht zufällig stieg die öffentliche Zustimmung zur Todesstrafe nach dem 11. September wieder an, im Mai 2002 laut<em> Gallup</em> auf 72 Prozent &#8211; das ist der höchste Wert seit Mai 1995. Mehrere Einzelstaaten reagierten auf den Stimmungsumschwung mit der Einführung der Todesstrafe für terroristische Verbrechen. Auffällig ist auch, dass sich die Kritik an der Todesstrafe, die in den letzten Jahren geäußert wurde, lediglich auf deren vielfach fehlerhafte Ausführung, nicht aber auf die Institution als solche bezieht.</p>
<h3 class="">Die Erfolge der aboli&shy;tio&shy;nis&shy;ti&shy;schen Bewegung</h3>
<p>Paradoxerweise hatte die abolitionistische Bewegung in den letzten Jahren &#8211; und auch noch nach dem 11. September 2001 &#8211; beachtliche Erfolge zu verzeichnen. Unermüdlich wies sie auf systemische Mängel im Justizwesen der USA hin und forderte eine Aussetzung der Todesstrafe. Im Februar 2000 registrierte das <em>Death Penalty Information Center</em> eine sprunghaft wachsende Ablehnung der Todesstrafe. Einen Monat zuvor hatte der republikanische Gouverneur von Illinois, George Ryan, nach der Aufdeckung von dreizehn Justizirrtümern die Vollstreckung von Todesurteilen für zwei Jahre ausgesetzt. Ihm folgte im Mai dieses Jahres der Gouverneur von Maryland, Parris Glendening. Die von Ryan eingesetzte Untersuchungskommission legte im April ihren Abschlußbericht vor, die bisher umfassendste Studie zum System der Todesstrafe. Ihre vierzehn Mitglieder empfehlen einen Katalog von 85 Maßnahmen, um das staatlich angeordnete Töten von irrtümlich Verurteilten zu vermeiden. Ryan setzte Mitte Oktober sein beispielloses Vorhaben um, mithilfe dieses Katalogs binnen kurzer Zeit Anhörungen zu Gnadengesuchen von fast allen 158 Todeshäftlingen in Illinois abzuhalten. Sein eigener, wahlkämpfender Justizminister verklagte ihn deswegen vor Gericht, währenddessen Ryan insgeheim als möglicher Anwärter auf den Friedensnobelpreis gehandelt wird.</p>
<p>Lag die pauschale Zustimmung zur Todesstrafe 1994 noch bei 80 Prozent, so befürworteten 63 Prozent der Amerikaner im Jahr 2000 die Aussetzung der Todesstrafe, bis sichergestellt sei, dass sie „fair“ angewandt werde. Im Mai dieses Jahres ermittelte Gallup, dass die Zustimmung auf nur 52 Prozent sinkt, wenn als Alternative eine lebenslängliche Haftstrafe ohne Bewährung genannt wird. Im Oktober 2001 erklärte der Oberste Gerichtshof von Georgia die Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl für verfassungswidrig. Zwei Monate später verfügte ein Bundesrichter in Philadelphia die Revision des Strafmasses im Fall von Mumia Abu-Jamal, des weltweit wohl bekanntesten Todestraktinsassen. Im August 2002 wies ein Richter die Strafverfolgungsbehörden in einem bislang einmaligen Urteil an, im Fall eines ermordeten College-Studenten nicht auf Todesstrafe zu plädieren, da die Kosten des Verfahrens für den kleinen, finanzschwachen Landkreis in Ohio zu hoch seien. Er bestätigte damit die weithin unbekannte Tatsache, dass die Gesamtkosten für die Todesstrafe im Vergleich zur lebenslangen Haft weit höher sind.</p>
<p>Im Jahr 2001 verboten fünf Bundesstaaten die Exekution geistig Zurückgebliebener, und siebzehn Staaten ermöglichten die Durchführung von „post-conviction DNA testings“, ließen nun also Gentests auch nach rechtskräftigen Verurteilungen zu. Der Senat und das Repräsentantenhaus begannen Mitte Juni 2002 Anhörungen zum <em>Innocence Protection Act</em>, der Justizirrtümer vermeiden soll. Eddie Joe Lloyd, wegen Vergewaltigung und Ermordung einer 16-Jährigen verurteilt, ist der 110. Todeskandidat in Amerika, dessen Unschuld im August aufgrund einer DNS-Analyse bewiesen werden konnte. Ein Bundesrichter in Manhattan urteilte bereits Anfang Juli 2002, dass die Todesstrafe auf Bundesebene verfassungswidrig sei angesichts der wachsenden Zahl nachträglicher Freisprüche aufgrund genetischen Beweismaterials.</p>
<h3 class="">Die j&uuml;ngsten Urteile des Obersten Gerichts&shy;hofs</h3>
<p>Dass es in der öffentlichen Debatte nicht um die Abschaffung der Todesstrafe als solche, wohl aber um deren Reform geht, zeigt auch eines der jüngsten Urteile des Obersten Gerichtshofs, das am 20. Juni dieses Jahres verkündet wurde. Im Fall „Atkins versus Virginia“ wird die Hinrichtung geistig Behinderter für verfassungswidrig erklärt &#8211; ein Verbot, das sich auf das Schicksal von mehr als zweihundert der insgesamt etwa 3.700 Gefangenen auswirken könnte, denen zur Zeit in den USA die Todesstrafe droht. Aufschlussreich ist die Urteilsbegründung. Diese macht in der Frage einen „nationalen Konsens“ aus und verweist auf die Tatsache, dass seit 1989, als das Gericht im Fall „Penry versus Lynaugh“ die Hinrichtung geistig Behinderter noch zuließ, mittlerweile 18 der 38 Bundesstaaten, welche die Todesstrafe praktizieren, derartige Exekutionen verbieten. Darüber hinaus hätten weitere Bundesstaaten ihre Vollstreckung de facto ausgesetzt. Unbestritten sei auch die Auffassung, dass die Auslegung des 8. Verfassungszusatzes, dem Prinzip der &#8222;sich entwickelnden Maßstäbe der Sittlichkeit&#8220; folgend, von den derzeit gültigen Gesellschaftsnormen abhänge. Laut einer Meinungsumfrage von Gallup sind 82 Prozent der Amerikaner gegen die Hinrichtung geistig Behinderter. Nicht frei war das Gericht sicherlich auch von internationalen Einflüssen: für die Umwandlung des Todesurteils von Atkins hatten sich auch die fünfzehn Mitgliedsstaaten der Europäischen Union eingesetzt. Sie gaben zu bedenken, dass die Hinrichtung geistig Behinderter weltweit kaum noch praktiziert werde. Nach 1995 sind amnesty international zufolge nur noch in Kirgistan und in Japan geistig Behinderte hingerichtet worden.</p>
<p>Beim zweiten bedeutsamen Urteil des Obersten Gerichtshofs, dem Fall „Ring versus Arizona“, das am 24. Juni verkündet wurde, spielte die Weltmeinung keine Rolle. Hier ging es um die verfassungsrechtliche Frage, ob der Richter oder die Geschworenen die letztendliche Entscheidungsgewalt über die Verhängung der Höchststrafe haben. Eine Mehrheit von neun Richtern verhalf dem Prinzip des „<em>trial by jury</em>“ aus dem 6. Verfassungszusatz zu neuer Geltung und vertrat die von Richterin Ruth Bader Ginsburg vorgetragene Meinung, dass die Geschworenen das letzte Wort haben müssten. Das Urteil betrifft nahezu 800 Todestraktinsassen in neun Staaten, deren Todesurteile in nicht wenigen Fällen vermutlich neu verhandelt werden müssen. Das Ring-Urteil verursachte in einigen Bundesstaaten Verwirrung, da es mehr Fragen aufwarf als es beantwortete. Ein Gericht in Florida zum Beispiel, wo die Mehrzahl der betroffenen Inhaftierten lebt, erklärte deshalb das dort gültige Todesstrafen-Statut, das Mehrheitsentscheidungen der Geschworenen zulässt, vorsorglich für verfassungsgemäss. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs ging von der grundsätzlichen Gültigkeit der Todesstrafe in den USA aus und betonte die Verfassungsmäßigkeit entsprechender Gesetze in den 29 Bundesstaaten, deren Rechtspraxis bereits mit dem Urteil konform ist.</p>
<h3 class="">Anhaltender Reform&shy;wille?</h3>
<p>Die Todesstrafengegner in den USA werden an der grundsätzlichen bejahenden Haltung der Obersten Richter wohl kaum etwas ändern können. Der Oberste Richter Antonin Scalia jedenfalls befürwortet nach eigenem Bekunden die Höchststrafe aus religiös-moralischen Motiven, womit er sein Land im Gegensatz zum „postchristlichen Europa“ sieht. Trotzdem gibt es Anzeichen für einen weiter gehenden Reformwillen im obersten Richter-Kollegium. Er speist sich vor allem aus dem Einfluss der Weltmeinung, die die Hinrichtung minderjähriger Deliquenten ablehnt. Derzeit sitzen in den USA achtzig Menschen in den Todeszellen ein, die zur Tatzeit 16 oder 17 Jahre alt waren. Die USA gehören neben Iran, Pakistan, Nigeria, und Saudi-Arabien zu den insgesamt fünf Staaten weltweit, die Jugendliche Täter zum Tode verurteilen.</p>
<p>Der Oberste Gerichtshof entschied 1989 im Fall „Stanford versus Kentucky“, dass die Exekution von Minderjährigen mit der Verfassung vereinbar sei, auch wenn internationale Menschenrechtsstandards das Mindestalter bei 18 Jahren ansetzen. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich der Oberste Gerichtshof in naher Zukunft erneut mit dieser Frage befassen muss. Wie er dann entscheiden wird, ist offen.</p>
<p>Denn die Entwicklungen in den USA nach dem 11. September 2001, die vor allem dadurch gekennzeichnet sind, dass sich eine traumatisierte Nation im Krieg wähnt, könnten für die Gegner der Todesstrafe erhebliche Rückschläge zur Folge haben. Die größte Gefahr besteht wohl darin, dass die praktizierte Unterscheidung zwischen „gewöhnlichen“ Verbrechen und Terrorismus, zwischen US-Bürgern und Ausländern, die sich nach den Terroranschlägen durchgesetzt hat, verwischt wird. Der rechtliche Ausnahmezustand für die letztgenannte Gruppe könnte dann nach und nach zur normalen Praxis für die erstere werden. Fakt ist, dass mittlerweile auch die ersten US-Staatsbürger wie Terroristen angeklagt werden. Dies gilt etwa für den Muslim lateinamerikanischer Abstammung Abdullah al-Muhadschir (alias Jose Padilla), der am 8. Mai 2002 in Chicago verhaftet wurde und verdächtigt wird, an der Planung eines Terroranschlags beteiligt gewesen zu sein oder für John Walker Lindh und Yasser Esam Hamdi, die in Afghanistan gefangen genommen wurden. Das Justizministerium verweigerte Hamdi das Grundrecht, mit einem Anwalt zu sprechen, und zog in Betracht, Lindh wegen der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung anzuklagen. Ein entsprechendes Urteil hätte eine lebenslange Freiheitsstrafe zur Folge gehabt. Wäre er des Hochverrats angeklagt worden, hätte dies die Todesstrafe bedeuten können. So weit kam es aber erst gar nicht: Das Justizministerium ließ den Terrorismus-Vorwurf in einem so genannten ,plea bargain&#8216; fallen. Am 4. Oktober wurde Lindh zu zwanzig Jahren Haft verurteilt, noch bevor es zum eigentlichen Prozess kam. Es wird behauptet, das Justizministerium wollte peinliche Gerichtsverhandlungen vermeiden. Denn die Verteidigung habe beabsichtigt zu beweisen, dass die US-Administration Lindh nach seiner Festnahme unzureichend medizinisch versorgt und ihm Rechtsbeistand verweigert habe. Der als ,<em>enemy combatan</em>&#8218; eingestufte Muhadschir ist der erste ,<em>Qaeda American&#8216;</em>, der in den USA festgenommen wurde. Muhadschir wird in einem Militärgefängnis in South Carolina als „wichtiger Zeuge“ auf unbestimmte Zeit festgehalten, ohne eines konkreten Verbrechens angeklagt zu sein. Auch er darf keinen Anwalt zu Rate ziehen oder mit einem zügigen offenen Gerichtsverfahren rechnen.</p>
<p>Einen neuen Aspekt brachte Nicholas D. Kristof mit einem Artikel in der New York Times in die Debatte. Er bemerkte unter Anspielung auf McVeigh, dass „wir uns auf der Suche nach muslimischen Terroristen im Dschungel der Philippinen von unseren eigenen Stereotypen leiten lassen, […] während wir vergessen, dass es auch verrückte, blonde und blauäugige Bombenattentäter gibt“, die in der ,<em>militia movement</em>&#8218; von Michigan, Missouri und Kalifornien ihr Unwesen treiben. In Montana hätte er gehört, dass der Angriff auf das Welthandelszentrum von der Bundesregierung in Washington inszeniert worden sei, um einen Vorwand für die Aussetzung der ,<em>Bill of Rights</em>&#8218; zu haben. Und William Safire stellte die Frage, ob der mysteriöse Heckenschütze, der im Oktober &#8211; genau ein Jahr nach den Milzbrand-Briefsendungen &#8211; im Großraum Washington die paranoische Angstkultur auf die Spitze trieb, nicht genau so gut ein mit Al Qaida verbandelter Terrorist sein könnte. Am 25. Oktober wurde John Allen Muhammed, der 41-jährige Golfkriegsveteran, und sein 17-jähriger Komplize John Lee Malvo als die mutmaßlichen Serientäter gefasst. Ihnen droht nun die Todesstrafe.</p>
<p>Die <em>New York Times</em> stellte Mitte Juni mit Blick auf Muhadschir besorgt fest: „Die Regierung ist bereit, nicht nur Ausländern, sondern auch US-Staatsbürgern die Rechte zu entziehen“. Es bleibt abzuwarten, ob sich in Zeiten des Super-Patriotismus viele Amerikaner dieser Sorge um den schleichenden Verfall bürgerlicher Rechte anschließen werden. Zumindest auf dem Gebiet der Todesstrafe sind Zweifel angebracht. Die Verhaftung US-amerikanischer Staatsbürger im Rahmen der Terrorismusbekämpfung könnte der Ausgangspunkt dafür sein, dass sich die derzeitigen Parallelentwicklungen inkrementaler Reformen in punkto Todesstrafe einerseits bei gleichzeitigen, vermehrt nach innen gerichteten Bedrohungsängsten andererseits in Zukunft kreuzen und überschneiden. Diese Renationalisierung des Terrors würde vermutlich zu Ungunsten der ersteren Entwicklung verlaufen.</p>
<h3 class="">Aussetzung und Wieder&shy;zu&shy;las&shy;sung der Todesstrafe</h3>
<p>Das in den USA vorherrschende voluntaristische Demokratieverständnis, bei dem die Einbindung der Bürger in Entscheidungsprozesse &#8211; z.B. in Form des Geschworenengerichts &#8211; sehr ausgeprägt ist, kennt im Vergleich zu Europa mehr partizipatorische Elemente und ist stärker an öffentlicher Zustimmung ausgerichtet. So spielte die öffentliche Meinung im Zusammenhang mit dem Rechtsgrundsatz der „sich entwickelnden Maßstäbe der Sittlichkeit“ bereits in den 1970er Jahren eine entscheidende Rolle. Damals äußerten sich die Obersten Richter in zwei Grundsatzurteilen zur Todesstrafe. Diese fielen allerdings sehr unterschiedlich aus. Im Berufungsverfahren „Furman versus Georgia“ wandelte das Gericht vor dreißig Jahren, am 29. Juni 1972, die Todesurteile von mehr als sechshundert rechtskräftig verurteilten Schwerverbrecher in lebenslängliche Haftstrafen um. Eine Mehrheit von nur fünf Richtern war zu der Einsicht gelangt, dass der Vollzug der Todesstrafe nicht mit der US-Verfassung vereinbar sei. Das Gericht ließ aber die Todesstrafe in seinem Urteil zu „Gregg v. Georgia“, das am 2. Juli 1976 verkündet wurde, wieder zu, nachdem die betroffenen Bundesstaaten ihre Gesetzesstatuten in seinem Sinne revidiert hatten.</p>
<p>Die klageführenden Rechtsanwälte des <em>Legal Defense Fund</em> (LDF) der schwarzen Bürgerrechtsorganisation NAACP und der <em>American Civil Liberties Union</em> (ACLU) waren damals von beiden Urteilen gleichermaßen überrascht. Die Organisationen wollten mit ihrer Moratoriums-Strategie demonstrieren, dass man auf das Abschreckungspotenzial der Todesstrafe verzichten könne. Hatten Abolitionisten bisher versucht, die Todesstrafe als solche über entsprechende Parlamentsbeschlüsse zu beseitigen, bemühte man sich in den 1960er Jahren, die Todesstrafe auf dem Rechtsweg indirekt zu Fall zu bringen. Beide Organisationen griffen daher in ihrer &#8222;Rechtsstreits-Kampagne&#8220; zentrale Bestimmungen der Strafprozessordnung an.</p>
<p>In dem verfassungsrechtlichen Streit berief sich der Anwalt der ACLU, der Todesstrafen-Experte Anthony Amsterdam, erstmals 1969 auf den vom Obersten Richter Arthur Goldberg sechs Jahre zuvor geprägten Rechtsgrundsatz der &#8222;sich entwickelnden Maßstäbe der Sittlichkeit&#8220;. Amsterdam stellte fest, dass die Todesstrafe gegen diese verstoße, weswegen sie als „grausame und ungewöhnliche Strafe“ zu gelten hätte, die der 8. Artikel im Grundrechtskatalog der US-Verfassung verbietet. Man kritisierte die von Willkür geprägte Todesstrafenpraxis, die rassistischen Urteilsmuster in Prozessen schwarzer Vergewaltiger im Süden der USA, den mangelhaften Rechtsbeistand insbesondere für sozial schwache Angeklagte und die hohe Wahrscheinlichkeit, dass angesichts der gravierenden Verfahrensmängel Unschuldige unwiderruflich zu Tode kommen.</p>
<p>Der Oberste Gerichtshof gab in seinem knappen Urteil von 1972 den Klägern Recht. Vier Jahre später jedoch, 1976, gelangte er zu der Auffassung, dass die Reform der Strafprozessordnung der vergangenen Jahre nunmehr ausreichende Rechtssicherheit garantieren könnte. Entsprechend ließ er die Todesstrafe wieder zu. In der Einführung verfahrensrechtlicher Vorkehrungen berief sich das Gericht auf das vom LDF geprägte Prinzip ,<em>death is different&#8216;</em> und machte eine Reihe von Auflagen für Todesstrafenverfahren. So schrieb es die separate Berücksichtigung erschwerender und mildernder Umstände vor, es erschwerte den Ausschluss von Geschworenen mit Skrupeln gegenüber der Todesstrafe (,<em>death qualification&#8216;</em>), es verfügte, Schuldfrage und Strafmaß voneinander getrennt zu ermitteln, und es formalisierte die Entscheidungsrichtlinien für die Verhängung von Todesurteilen. Todeskandidaten erhielten Zugang zu einem gesonderten, mehrere Berufungsinstanzen umfassenden Rechtsmittelverfahren. Dennoch stieg die Zahl der Exekutionen über die Jahrzehnte allmählich wieder steil an.</p>
<p>Wie konnte es von der Aussetzung der Todesstrafe zu ihrer Wiederzulassung kommen? Eine zentrale Rolle spielt hier die Tatsache, dass die Obersten Richter 1976 das Prinzip der „sich entwickelnden Maßstäbe der Sittlichkeit“ aufgriffen. Sie waren der Ansicht, dass demoskopische Umfragen zeigen könnten, ob sich das zivilisatorische Wertgefüge der amerikanischen Nation verändert habe. Und Meinungsumfragen, die die Einstellung der Öffentlichkeit in der Frage der Todesstrafe ermittelten, ergaben Mitte der 1970er Jahre eine gewachsene Zustimmung zu ihrer Verhängung. Wurde noch 1966 mit nur 47 Prozent der niedrigste Wert der Zustimmung ermittelt, der je in den USA gemessen wurde, befürworteten 1973 bereits 63 Prozent der Befragten die Todesstrafe. Die Obersten Richter, die sich offenbar an ,<em>vox populi</em>&#8218; anlehnen wollten, konnten sich in ihrem Urteil auf diese Daten stützen. Warum aber dieser Stimmungswandel, deutete doch der globale Trend gegen die Todesstrafe, der sich nach der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vor allem von Europa aus durchsetzte, eher auf ihre totale Abschaffung denn auf ihre Wiederzulassung hin?</p>
<p>Entscheidend in dieser Hinsicht ist, dass der LDF Teil der Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre war, in der eine junge Generation schwarzer Aktivisten um politische und rechtliche Gleichstellung kämpfte. Die weiße Bevölkerung reagierte auf die gewalttätigen Rassenunruhen gegen Ende des Jahrzehnts mit zunehmender Besorgnis. In diesem aufgeheizten Klima kam das bereits in der Kolonialzeit entstandene Vorurteil, dass Kriminalität mit schwarzer Sexualität und sozialer Rebellion in Verbindung bringt, erneut zum Tragen. Damit wurde nicht nur puritanisches Gedankengut wieder hervorgeholt, sondern auch die traditionelle Wertschätzung des Vergeltungsgedankens (,<em>lex talionis&#8216;</em>) wiederbelebt. Letztere erfuhr gerade durch die konservativ-religiöse Reagan-Revolution eine neue Konjunktur.</p>
<p>Ebenso trug die traditionelle Assoziation von Verbrechen mit fremdartigen Ausländern zum Stimmungswandel bei, fiel doch die Diskussion in einen Zeitraum, in dem die Einwanderung aus Drittweltstaaten stark zunahm. Die angeblich humanitäre Hinrichtungsmethode der tödlichen Giftspritze, deren Einführung sich am 7. Dezember 2002 zum 20. Mal jährte, half dabei, den öffentlichen Widerstand gegen die Todesstrafe teilweise zu brechen.</p>
<p>Samuel P. Huntington zufolge ist die US-amerikanische Politik zur „Verheißung von Disharmonie“ verdammt. Sie entstehe im ständigen Reibungskonflikt zwischen der Realität staatlicher Institutionen und dem nationalen Glaubensbekenntnis, in dessen Zentrum die liberalen, machtkritischen Ideale der Revolution stehen. Diese öffentlichen Unmut schürende Kluft zwischen Ideal und Institution führte in der US-Geschichte zu vier Phasen intensiver gesellschaftspolitischer Reformen. Diese von Huntington „Creedal Passion Periods“ genannten Zeitabschnitte traten im Abstand von sechzig bis siebzig Jahren auf. Die Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre &#8211; einschließlich der Aktivitäten gegen die Todesstrafe &#8211; war die bisher letzte dieser Reformphasen. An deren Ende gewannen aber stets die konservativen Kräfte größtenteils wieder die Oberhand. Wenn man der Zyklustheorie Huntingtons Glauben schenkt, kann mit der nächsten Phase noch nicht so bald gerechnet werden. In diesem Licht erscheint die unter den Bedingungen des 11. September erschwerte Debatte zur Todesstrafe in den USA höchstens als deren Vorbote. Angesichts der oben skizzierten Tatsachen müssen die Amerikaner auf ihre nächste <em>Creedal Passion Period</em> und damit auch auf den endgültigen Erfolg der abolitionistischen Bewegung wohl noch gut zwanzig Jahre warten.</p>
<h3 class="">Literatur</h3>
<p><em>Amnesty International</em> 2000: United States of America Failing the Future: Death Penalty Developments, March 1998-March 2000, London</p>
<p><em>Amnesty International</em> (Sektionskoordinationsgruppe Kampagne gegen die Todesstrafe) 2001: Europa: Ein Kontinent ohne Todesstrafe?, Aachen</p>
<p><em>Bedau, Hugo Adam</em> 1992: The Case Against The Death Penalty, New York</p>
<p><em>Death Penalty Information Center</em> 2001: The Death Penalty in 2001: Year End Report, Washington, D.C.</p>
<p><em>Haines, Herbert H</em>. 1996: Against Capital Punishment: The Anti-Death Penalty Movement in America, 1972-1994, New York u. Oxford</p>
<p><em>Huntington, Samuel P</em>. 1981: American Politics: The Promise of Disharmony, Cambridge, Massachusetts</p>
<p><em>Masur, Louis P.</em> 1989: Rites of Execution: Capital Punishment and the Transformation of American Culture, 1776-1865, New York</p>
<p><em>Opitz, Götz-Dietrich</em> 2000: Zur Popularität der Todesstrafe in den USA; in: <em>Merkur</em>. <em>Deutsche Zeitschrift fair europäisches Denken</em>, 54. Jg., Heft 617/618, September 2000, S. 846-854</p>
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		<title>America First: Trump, Medien und Leidenschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 May 2017 08:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratisierung]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vorabdruck aus: vorg&#228;nge Nr. 217 (Heft 1/2017) Der Beginn der Pr&#228;sidentschaft Donald J. Trumps wurde in aller Welt aufmerksam beobachtet, oft verbunden mit einem Entsetzen &#252;ber den hastigen, in vielen Fragen kaum nachvollziehbaren Kurswechsel. Jenseits einer individuellen (V)Erkl&#228;rung des Trumpschen Kommunikations- und Politikstils geht G&#246;tz-D. Opitz der Frage nach, inwiefern sich die von Trump versprochenen [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/217-vorgaenge/publikation/america-first-trump-medien-und-leidenschaft/">America First: Trump, Medien und Leidenschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Vorabdruck aus: vorg&auml;nge Nr. 217 (Heft 1/2017)</p>
<p><i>Der Beginn der Pr&auml;sidentschaft Donald J. Trumps wurde in aller Welt aufmerksam beobachtet, oft verbunden mit einem Entsetzen &uuml;ber den hastigen, in vielen Fragen kaum nachvollziehbaren Kurswechsel. Jenseits einer individuellen (V)Erkl&auml;rung des Trumpschen Kommunikations- und Politikstils geht G&ouml;tz-D. Opitz der Frage nach, inwiefern sich die von Trump versprochenen Reformen in historischer Perspektive als Ausl&ouml;ser einer wiederkehrenden Erneuerungsdynamik verstehen lassen, die den USA seit ihrer Gr&uuml;ndung eigen sind. Er greift dabei auf Samuel P. Huntingtons These zyklischer creedal passion periods zur&uuml;ck und untersucht, inwiefern die Wahl Trumps als Vorbote einer solchen Periode gewertet werden kann. Im Mittelpunkt stehen dabei der Wandel in der politischen Kommunikation der USA im Zeitalter des Web 2.0 und die st&auml;ndigen Reibungskonflikte zwischen machtkritischen Idealen (American creed) und der aktuellen Realit&auml;t politischer Institutionen.</i></p>
<p>&#8222;<i>Von diesem Tag an wird es nur noch Amerika zuerst hei&szlig;en. Amerika zuerst!</i>&#8220;. So beschrieb Donald J. Trump in seiner in alle Welt live &uuml;bertragenen Inaugurationsrede vom 20.&nbsp;Januar 2017 die &#8222;neue Vision&#8220;, die er von den USA hat. Seine <i>inaugural address </i>bildete den H&ouml;hepunkt der Feierlichkeiten am Tag der Amtseinf&uuml;hrung des neuen US- Pr&auml;sidenten.</p>
<p>Trumps Inaugurationsrede folgte einer rhetorischen Tradition, die der kanadische Literaturwissenschaftler Sacvan Bercovitch &#8222;<i>Jeremiade</i>&#8220; nennt. Das &#8222;weltliche Gebet&#8220; war zur Kolonialzeit Teil der puritanischen Strategie zur Revitalisierung des &#8222;heiligen&#8220; Auftrags, auf dem nordamerikanischen Kontinent das Tausendj&auml;hrige Reich (Millennium) zu errichten, das die sendungsbewussten Pilgerv&auml;ter als &#8222;Auserw&auml;hlte Gottes&#8220; mit der Metapher der vorbildhaften <i>city upon the hill </i>beschrieben. Diese alte Denkfigur findet sich auch bei Trump: &#8222;<i>Wir trachten danach, unsere Lebensart als ein Beispiel strahlen zu lassen.</i>&#8220;</p>
<p>Zusammen mit einer Vielzahl religi&ouml;ser Gesten sind Antrittsreden Ausdruck eines f&uuml;r die USA typischen Ph&auml;nomens, das der Soziologe Robert N. Bellah 1966 mit dem Begriff der Zivilreligion etikettierte. Bellah wies darauf hin, dass Gott bisher in allen Inaugurationsreden angerufen wurde &#8211; mit Ausnahme der zweiten von George Washington. In der theopathischen Sprache Trumps, mit der er die Einheit seiner Landsleute beschw&ouml;rt, klingt das so: &#8222;<i>Die Bibel sagt uns, wie gut und wohltuend es ist, wenn das Volk Gottes in Eintracht lebt &#8230; Wir sollten ohne Furcht sein: wir werden &#8230; von Gott besch&uuml;tzt. &#8230; [alle Amerikaner] sind erf&uuml;llt mit dem Lebensatem desselben allm&auml;chtigen Sch&ouml;pfers.</i>&#8220;</p>
<p>Trotz strikter Trennung von Kirche und Staat im US-Verfassungssystem proklamiert Amerikas Zivilreligion, so Bellah, dass das ganze US-amerikanische Experiment der Demokratie unter dem Urteil eines gerechten Gottes stehe. Die zivilreligi&ouml;se Tradition des rhetorischen Millennialismus verbindet auf diese Weise das Sakrale mit dem S&auml;kularen. Damit m&ouml;chte sie die B&uuml;rgergemeinde nicht nur auf altbew&auml;hrte, christlich-philanthropische Tugenden einschw&ouml;ren, sondern auch republikanische &Uuml;berzeugungen und revolution&auml;re Ideale der Gr&uuml;nderv&auml;ter wachrufen, auf denen das US-amerikanische Gemeinwesen beruht.</p>
<p>Bei Trump, der f&uuml;r die &#8222;vergessenen M&auml;nner und Frauen&#8220; Amerikas spricht, steht die demokratische Norm der Volkssouver&auml;nit&auml;t im Vordergrund: &#8222;<i>Heute &uuml;bertragen wir nicht nur Macht von einer Administration zur anderen, von einer Partei zur anderen, sondern wir &uuml;bertragen Macht von Washington und geben sie Euch zur&uuml;ck, dem Volk. &#8230; Was z&auml;hlt, ist nicht, welche Partei unsere Regierung kontrolliert, sondern ob unsere Regierung vom Volk kontrolliert wird. &#8230; Der 20. Januar 2017 wird als der Tag in Erinnerung bleiben, an dem das Volk wieder der Herrscher dieser Nation wurde.</i>&#8220;</p>
<p>Die traditionelle Jeremiade baut eine eschatologische Spannung zwischen &#8222;Schon&#8220; und &#8222;Noch nicht&#8220; auf, deren Aufl&ouml;sung erst im Millennium zu erwarten ist. Ihr rhetorisches Ziel besteht darin, die Kluft zwischen Sein und Sollen zu beseitigen. Trump, der sich &#8222;<i>am Beginn eines neuen Jahrtausends [millennium]</i>&#8220; w&auml;hnt, klagt an: &#8222;<i>Zu lange hat eine kleine Gruppe in unserer Hauptstadt die Fr&uuml;chte der Regierungsarbeit geerntet, w&auml;hrend das Volk die Kosten geschultert hat. &#8230; Das Establishment sch&uuml;tzte sich selbst, aber nicht die B&uuml;rger dieses Landes. &#8230; Doch das ist Vergangenheit, jetzt schauen wir nur noch in die Zukunft. &#8230; Schutzma&szlig;ahmen [&#8222;protection&#8220;] werden zu gro&szlig;em Wohlstand und St&auml;rke f&uuml;hren.</i>&#8220;</p>
<p>&#8222;<i>Amerika</i>&#8220;, so Trump weiter, &#8222;<i>wird wieder zu siegen beginnen &#8211; siegen wie nie zuvor. &#8230; Gemeinsam werden wir Amerika wieder gro&szlig;machen.</i>&#8220; Diese Mut machende Botschaft d&uuml;rfte beim Kern seiner konservativen Anh&auml;nger im wahlentscheidenden Rust Belt der USA verstanden worden sein: Die Region f&uuml;hlt sich infolge der in den 1970er Jahren einsetzenden Deindustrialisierung zunehmend abgeh&auml;ngt und durch steigende Einwanderung aus Lateinamerika und der Karibik seit Ende der 1960er Jahre &uuml;berfremdet. Trump beschreibt gerade ihre prek&auml;re Lage im postfordistischen Amerika: &#8222;<i>&#8230; rostige Fabriken verstreut in der Landschaft wie Grabsteine &#8230; amerikanisches Blutbad</i>&#8220;.</p>
<h5>American Creed: Revolu&shy;ti&shy;o&shy;n&auml;re Ideale versus politische Insti&shy;tu&shy;ti&shy;onen</h5>
<p>Diese eschatologische Spannung ist indes nicht nur ein rhetorisches Muster, sondern auch ein geschichtsspezifisches. Die Beseitigung der Kluft zwischen Sein und Sollen ist ein Motiv, das sich durch die ganze US-amerikanische Kulturgeschichte zieht. Seit der Gr&uuml;ndung der USA stehen die machtkritischen Ideale der Revolution, die der Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington in dem Sammelbegriff des American creed zusammenfasst, st&auml;ndig in Konflikt mit der Realit&auml;t politischer Institutionen: ein permanenter, letztlich unaufl&ouml;sbarer Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit.</p>
<p>In seinem Buch mit dem Titel &#8222;<i>American Politics: The Promise of Disharmony</i>&#8220; von 1981 apostrophiert Huntington diese vorw&auml;rtsdr&auml;ngende Reibung &#8222;kognitiver Dissonanzen&#8220; mit dem K&uuml;rzel der IvI-Gap: einer Kluft der <i>ideals versus institutions</i>, deren Spannungsenergie sich mit &#8222;moralischer Leidenschaft&#8220; entladen kann. So sei im Laufe der US-Geschichte die Normallage der institutionalisierten Konfliktaustragung zwischen etablierten Interessensgruppen schon mehrmals unterbrochen worden durch Phasen gro&szlig;er sozialer Protest- und Reformbewegungen, die Huntington creedal passion periods nennt.</p>
<p>Deren allgemeines Ziel sei die &Ouml;ffnung des politischen Systems, wobei der Ma&szlig;stab dieser Demokratisierungswellen der <i>American creed </i>gewesen sei. Unter diesem Nationalglauben versteht Huntington politische Werte wie Freiheit, Gleichheit, Demokratie, Individualismus, Konstitutionalismus, Rechtsstaatlichkeit und Protestantismus. &#8222;<i>Amerikaner h&ouml;ren auf, Amerikaner zu sein, wenn sie ihre politischen Ideale aufgeben</i>&#8220;, so Huntington. Die USA definierten sich als Nation politisch &#8211; und nicht ethnisch &#8211; &uuml;ber die universalistischen Ideale der Revolution.</p>
<p>Die USA haben im Abstand von 60 bis 70 Jahren bereits vier dieser <i>creedal passion periods</i> erlebt: Die <i>Revolutionary Era </i>der 1760/1770er Jahre bildet den Prototypen, der sp&auml;teren Reformphasen als Bezugspunkt galt. Sie wurde gefolgt von der <i>Jacksonian Era</i> der 1820/1830er Jahre, der <i>Progressive Era</i> nach 1900 und den &#8222;<i>turbulenten 1960/1970er Jahren</i>&#8220; der afroamerikanischen B&uuml;rgerrechtsbewegung sowie der Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg. Im Kern ging es immer um eine verbindlichere, liberalere und demokratischere Regierung.</p>
<p>Die wichtigsten Reformerfolge der fr&uuml;heren Phasen waren die republikanische Regierungsform mit dem System der Gewaltenteilung und -verschr&auml;nkung der checks and balances, die Abschaffung der Sklaverei im Norden sowie die Einf&uuml;hrung von Grundrechten in der Bill of Rights (1); die Einf&uuml;hrung des Wahlrechts f&uuml;r alle wei&szlig;en M&auml;nner und zahlreicher neuer Wahl&auml;mter etwa f&uuml;r Richter (2); die Verabschiedung erster Anti-Kartell- sowie Verbraucher-Gesetze sowie die Einf&uuml;hrung der <i>direct primary</i> und der Direktwahl der Senatoren (3); h&ouml;here Transparenz des Regierungssystems, st&auml;rkere Rechenschaftspflicht f&uuml;r Mandatstr&auml;ger und erh&ouml;hte B&uuml;rgerbeteiligung sowie Aufhebung der Rassentrennung, durch den <i>Voting Rights Act</i> und den <i>Freedom of Information Act</i> (4).</p>
<h5>Einsatz neuer Kommu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;ons&shy;mittel in creedal passion periods</h5>
<p>Die vier <i>creedal passion periods </i>weisen zahlreiche Gemeinsamkeiten auf: etwa die weit verbreitete Unzufriedenheit und moralische Entr&uuml;stung &uuml;ber die IvI-Gap, mannigfaltige Enth&uuml;llungen &uuml;ber Machtmissbrauch oder der Einsatz neuer Massenmedien und Kommunikationsmittel. So brachte die US-Revolution erstmals &uuml;berhaupt so etwas wie die &#8222;&ouml;ffentliche Meinung&#8220; hervor, benutzte das Pamphlet als effektivste Waffe politischer Argumentation und f&uuml;hrte zu einem ph&auml;nomenalen Wachstum der Presse. In der <i>Jacksonian Era</i> erzielten die Zeitungen der nunmehr politisch unabh&auml;ngigen und f&uuml;r jedermann erschwinglichen <i>penny press </i>Rekordauflagen, bevor in der <i>Progressive Era </i>die Magazine der <i>muckrakers</i> (s.v.w. Mistkratzer, Schmutzaufw&uuml;hler, Nestbeschmutzer), die als Begr&uuml;nder des investigativen Journalismus gelten, einen unvergleichlichen Aufschwung erfuhren. In den &#8222;<i>turbulenten 1960/1970er Jahren</i>&#8220; entstand zeitgleich das nationale Fernsehen, das das Gemetzel des Vietnamkriegs in die Privathaushalte &uuml;bertrug, und eine neue nationale Presse in Gestalt von Zeitschriften wie Time und Newsweek sowie Tageszeitungen wie New York Times und The Washington Post. Letztere deckte bekanntlich den Watergate-Skandal auf, in dessen Folge US-Pr&auml;sident Richard Nixon nur durch R&uuml;cktritt seiner Amtsenthebung zuvorkam.</p>
<p>Auff&auml;llig ist au&szlig;erdem, dass jeder der vier Reformbewegungen eine Erweckungsbewegung vorausging. Diese richteten sich gegen etablierte religi&ouml;se Hierarchien und stellten die Autorit&auml;t des Klerus als Vermittler zwischen Gott und den Gl&auml;ubigen in Frage. Durch Bibellekt&uuml;re und individuelle Konversion sollte eine pers&ouml;nliche Direktverbindung zu Gott hergestellt werden. So fand im Abstand von ein bis zwei Dekaden vor der US-Revolution das <i>First Great Awakening </i>statt. Das <i>Second Great Awakening </i>l&auml;utete den <i>Jacksonianism </i>ein, bevor ein weiteres <i>Revival</i> Ende des 19. Jahrhunderts den <i>Progressivism</i> ank&uuml;ndigte. Schlie&szlig;lich ging der B&uuml;rgerrechtsbewegung eine Erweckungsbewegung in den 1950er Jahren voraus.</p>
<p>Dieser zeitliche Zusammenhang ist mehr als eine blo&szlig;e Koinzidenz, sondern ist urs&auml;chlicher Natur: Richtet sich die bereits pragmatisch ins Diesseitige gewendete Reformleidenschaft im <i>Revival </i>zun&auml;chst auf das Individuum, nimmt sie sp&auml;ter das Kollektiv ins Visier. Beide Ph&auml;nomene hatten also &auml;hnliche Funktion: W&auml;hrend die <i>Revivals</i> die Umkehr des schuldbewussten Einzelnen bef&ouml;rdern sollten, zielten die <i>creedal passion periods</i> auf die Reform der Gesellschaft als Ganzes.</p>
<p>Die Erweckungsbewegungen verleihen den sp&auml;teren Reformbewegungen nicht nur ihren religi&ouml;sen Eifer, sondern auch die neuen Formen der Massenkommunikation und &Uuml;berzeugungstechniken. Jene wurden nicht zuletzt durch einflussreiche charismatische Evangelisten erprobt: W&auml;hrend Wanderprediger wie George Whitefield noch einen besonderen Rhetorikstil &uuml;bten, versuchte sich Charles Grandison Finney in <i>camp meetings</i> und neuen Werbemethoden; Billy Sunday und Dwight Moody nutzten Zeitungen, Aush&auml;nge und Fundraising-Methoden, w&auml;hrend Billy Graham sich das Fernsehen zu eigen machte.</p>
<p>Doch was hat das nun alles mit Trump zu tun? Stehen die USA gerade wieder vor einer <i>creedal passion period</i>? Nach dem zeitlichen Raster von Huntingtons Zyklustheorie k&ouml;nnte dies ungef&auml;hr passen. Viele Beobachter gelangten schon vor etwa zehn Jahren zu der Einsch&auml;tzung, dass sich die USA mit ihrer fundamentalistischen Massenbewegung der <i>born again Christians</i> wieder in einem <i>Great Awakening</i> befinden. Ist Trumps Administration also Ausl&ouml;ser oder Vorbote der f&uuml;nften gro&szlig;en Protest- und Reformbewegung in der US-Geschichte? Wird es &uuml;berhaupt eine weitere creedal passion period geben?</p>
<h5>&bdquo;Wir haben echte Macht&ldquo;: Das Cluetrain Manifest von 1999</h5>
<p>Einen Hinweis zur Beantwortung dieser Frage liefert der Einsatz neuer Kommunikationsmittel. Das Internet ist ohne Frage das neue Massenmedium, das als Medium der Massen zunehmend in den Blick ger&auml;t. Die US-amerikanische Erfindung erinnert mit ihrer dehierarchisierenden, deinstitutionalisierenden und demokratisierenden Wirkung an die Erweckungs- und Reformbewegungen. Im Cluetrain Manifest von 1999 wurde der politische Anspruch des Internets in seiner Version als Social Web 2.0 niedergelegt. Die Sammlung von Thesen &uuml;ber das Verh&auml;ltnis von Unternehmen und ihren Kunden im digitalen Zeitalter wurde von Rick Levine, Christopher Locke, Doc Searls und David Weinberger ver&ouml;ffentlicht und von zahlreichen bekannten Experten unterschrieben.</p>
<p>Nicht zuf&auml;llig z&auml;hlt das Manifest genau 95 Thesen. In zivilreligi&ouml;ser Manier stellt es sich damit in die protestantische Tradition, die mit dem aufbegehrenden Thesenanschlag Martin Luthers gegen den p&auml;pstlichen Machtmissbrauch im Ablasswesen ihren Ausgang nahm. Das Cluetrain Manifest richtet sich &#8211; wie die <i>Progressive Era</i> &#8211; gegen die Macht von Unternehmen. Die erste der 95 Thesen zum Wesen von M&auml;rkten lautet: &#8222;M&auml;rkte sind Gespr&auml;che&#8220;. Viele weitere Thesen verdeutlichen, dass das Manifest geradezu eine Kriegserkl&auml;rung gegen&uuml;ber der Arroganz hierarchisch strukturierter Unternehmen ist:</p>
<blockquote>
<p class="bodytext">&#8222;<i>Das Internet erm&ouml;glicht Gespr&auml;che zwischen Menschen, die im Zeitalter der Massenmedien unm&ouml;glich waren (6.) &#8230; Hyperlinks untergraben Hierarchien (7.) &#8230; Kommandostrukturen entstehen aus B&uuml;rokratie und verst&auml;rken diese noch. Die Folge ist eine paranoide Unternehmenskultur (51.) &#8230; Wir haben echte Macht &#8211; und das wissen wir auch (89.) &#8230; Wir existieren sowohl innerhalb der Unternehmen, als auch au&szlig;erhalb von ihnen. Die Grenzen, die unsere Gespr&auml;che trennen, erscheinen uns wie die Berliner Mauer. &#8230; Wir wissen, dass sie fallen. Tats&auml;chlich arbeiten wir von beiden Seiten der Mauern daran, dass sie fallen (93).</i>&#8220; </p>
</blockquote>
<p>Die &#8222;echte Macht&#8220; des Social Web hat in der Tat daf&uuml;r gesorgt, dass viele &#8222;Mauern&#8220; in der Wirtschaft gefallen sind. Dank des direkten R&uuml;ckkanals wird der Konsument zum Produzent &#8211; zum Prosument, der sich mit user-generated content in Facebook, Twitter und Co. zu Wort meldet. Die Machtverschiebung zugunsten der Nutzer und ihren Gespr&auml;chen im Internet haben zum &Uuml;berdenken der One-Voice-Policy vieler Unternehmen gef&uuml;hrt. Unter dem Zwang, sich nunmehr am gegenseitigen Dialog auf Augenh&ouml;he zu beteiligen, versuchen sie, potentielle Resonanzkrisen, &#8222;Social-Media-Aufreger&#8220; oder shitstorms aufgebrachter Verbraucher zu vermeiden. Umgekehrt k&ouml;nnen NGOs breite Emp&ouml;rungswellen im Netz gegen Unternehmen ausl&ouml;sen, wie beispielsweise Greenpeace im Jahre 2010 mit seiner erfolgreichen &#8222;Kitkat&#8220;-Kampagne gegen den Schweizer Lebensmittelgiganten Nestl&eacute;.</p>
<p>Die &#8222;echte Macht&#8220; des Web&nbsp;2.0 bedeutet aber auch das Ende der einseitigen Kommunikation der klassischen <i>Gatekeeper</i>-Medien. Auch sie sind herausgefordert, sich zu &ouml;ffnen. Die bisher monologischen Massenmedien sind durchl&auml;ssiger geworden und ber&uuml;cksichtigen die vielf&auml;ltigen Formen des &#8211; haupts&auml;chlich in den USA entstandenen &#8211; Citizen Journalism semi-professioneller Blogger. Aus <i>Gatekeeper</i>-Journalisten werden <i>Gatewatcher</i>. Sie orientieren sich unter erschwerten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen st&auml;rker am Publikum und machen auch &#8211; etwa in integrierten <i>Newsrooms</i> &#8211; <i>Social-Media</i>-Kan&auml;le auf, womit sie den Trend zur digitalen Konvergenz verst&auml;rken.</p>
<p>Klassische Medien sind nur noch ein Teil im Kommunikations-Mix der corporate communication, die nunmehr imstande ist, diese zu umgehen und in eigenen web communities Reputation aufzubauen sowie Beziehungen zu ihren Stakeholdern zu pflegen &#8211; auch &uuml;ber Landesgrenzen hinweg. Das Internet hat schon lange die Staatsgrenzen der USA &uuml;berschritten und l&auml;sst das globale Dorf noch n&auml;her zusammenr&uuml;cken. Ereignisse wie der &#8222;Arabische Fr&uuml;hling&#8220; machen deutlich, welche politische Macht das Internet entfesseln kann. Insbesondere das Web 2.0 kann nicht ohne Folgen f&uuml;r die politische Kommunikation bleiben, gerade in den USA nicht.</p>
<p>Was bedeutet es aber, dass US-Pr&auml;sident Trump als notorischer Twitterer seine Agenda der Abschottung bevorzugt &uuml;ber diesen Nachrichtendienst kommuniziert? Ein US-Pr&auml;sident, der den klassischen US-Medien &ouml;ffentlich den &#8222;Krieg&#8220; erkl&auml;rt, etablierte Medien wie die New York Times, die Los Angeles Times oder CNN aus einem Pressebriefing im Wei&szlig;en Haus ausschlie&szlig;t und sich ihnen gegen&uuml;ber von seiner Beraterin Kellyanne Conway mit &#8222;alternativen Fakten&#8220; verteidigen l&auml;sst? Wie passen diese Beobachtungen zur oben skizzierten antiautorit&auml;ren und demokratisierenden Wirkung des Web 2.0?</p>
<h5>Gr&uuml;nder&shy;v&auml;&shy;ter: Misstrauen gegen&uuml;ber Zentral&shy;ge&shy;walten und Mob-Herr&shy;schaft</h5>
<p>Hierzu ein kurzer Blick in die Geschichte: Die Gr&uuml;nderv&auml;ter der USA waren von einem tiefen Misstrauen sowohl gegen&uuml;ber Zentralgewalten wie der Monarchie Englands als auch gegen&uuml;ber der Herrschaft des Mobs gepr&auml;gt. In der Streitschrift &#8222;Federalist Papers&#8220; von 1788 r&auml;sonierten Alexander Hamilton, James Madison und John Jay dar&uuml;ber, wie die Bildung tyrannischer Mehrheiten (mob rule) durch factions (s.v.w. Parteien) verhindert werden kann. Factions, &#8222;<i>angetrieben durch einen gemeinsamen Impuls der Leidenschaft</i>&#8220; (James Madison), galten in der Theorie als der gef&auml;hrlichste Feind republikanischer Gesellschaften. Vor allem Madison zeigte sich in &#8222;Federalist Nr. 10&#8221; &uuml;berzeugt davon, dass <i>&#8222;&#8230; weder Moral noch religi&ouml;se Motive angemessene Kontrolle</i>&#8220; bieten k&ouml;nnen.</p>
<p>Neben einer Reihe anderer republikanischer Vorkehrungen sah Madison im Gro&szlig;fl&auml;chenstaat eine Sicherheit: In ihm bestand die Hoffnung, dass sich der Einfluss einzelner Gruppierungen in der geographischen Weite neutralisieren und gegenseitig aufheben w&uuml;rde. Allerdings gab es damals weder nationale Zeitungen, Radio noch Fernsehen &#8211; und vor allem kein Internet! Die technischen M&ouml;glichkeiten f&uuml;hrten im Laufe der Zeit die genialen Begr&uuml;ndungen im &#8222;Federalist Nr. 10&#8221; allm&auml;hlich ad absurdum. Kein Gro&szlig;fl&auml;chenstaat ist gro&szlig; genug, um die Reichweite und Wirkungsmacht neuer Medien einzuhegen. Der Radius gerade digitaler Medien sprengt die Fesseln des Gro&szlig;fl&auml;chenstaats, der damit gegen&uuml;ber &#8222;tyrannischen Mehrheiten&#8220; und dem &#8222;Mob&#8220; immer schutzloser geworden ist.</p>
<p>Amerika war bisher imstande, anti-republikanische Mehrheiten trotz der Existenz weitreichender Medien wie dem nationalen Fernsehen zu verhindern. Demokraten und Republikaner nutzen das Fernsehen intensiv, um im historisch stabilen Zweiparteiensystem die W&auml;hlerschaft auf ihre Seite zu ziehen. Vor allem in Zeiten des Wahlkampfs &#8211; die f&uuml;r sich genommen kurze ritualisierte creedal passion periods sind, in denen die politischen Parteien, die keine formale Mitgliedschaft mit Parteibuch kennen, viel eher sozialen Bewegungen &auml;hneln.</p>
<p>F&uuml;r ihren Erfolg setzten die Parteien &#8211; neben der herk&ouml;mmlichen Medienberichterstattung &#8211; bisher vor allem auf eins: bezahlte TV-Wahlspots. Deren Einsatz gerade in <i>presidential campaigns</i> ist gigantisch. Seit 1952 Eisenhowers Wahlberater Rosser Reeves den ersten polispot konzipierte, bombardiert die moderne Wahlkampff&uuml;hrung das Wahlvolk mit Zehntausenden 30-Sekunden-Spots. Der Medienforscher Darrel West spricht daher doppeldeutig von &#8222;Luftkriegen&#8220;, die insbesondere in den wahlentscheidenden swing states mit den meisten Wechselw&auml;hlern im &#8222;&Auml;ther&#8220; (air) toben.</p>
<h5>&bdquo;Luftkriege&ldquo; im Gro&szlig;fl&auml;&shy;chen&shy;staat: Wahlspots, Twitter und Filter&shy;blasen</h5>
<p>Auch Hillary Clinton und Donald Trump attackierten sich mit zahllosen TV-Wahlspots, die auch &uuml;ber YouTube verbreitet wurden. Eine halbe Minute Sendezeit entspricht einem Textumfang von 400 bis 500 Zeichen &#8211; deutlich mehr, als die 140 Zeichen, die bei Twitter zur Verf&uuml;gung stehen. Doch ein anderer Aspekt ist entscheidender: Der bedr&auml;ngte W&auml;hler bekommt im TV Wahlspots von beiden politischen Lagern serviert. Dieser Vergleich erm&ouml;glicht grunds&auml;tzlich eine Wahlentscheidung.</p>
<p>Laut SZ-Journalistin Karin Steinberger, die selber twittert, ist die Plattform &#8222;<i>f&uuml;r jemanden, der nicht diskutieren will, wie geschaffen</i>&#8220;. Trumps politische Anh&auml;nger wie seine Gegner bewegen sich in ihrer jeweiligen &#8222;Filterblase&#8220; (Eli Pariser), in der ihnen entsprechend ihren Pr&auml;ferenzen suchmaschinen-optimierte Online-Angebote pr&auml;sentiert werden, die zu ihren Einstellungen passen. Ein Beispiel f&uuml;r diese in sich geschlossenen Welten sind die sog. Klimakritiker. In einem Tweet von 2012 leugnete Trump erstmals die anthropogene Erderw&auml;rmung; ihm zufolge eine Erfindung der Chinesen, um die Konkurrenzf&auml;higkeit der US-Industrie zu schw&auml;chen. Dies wiederholte er auch im Pr&auml;sidentschaftswahlkampf &#8211; in dem er bis zu 70 Tweets pro Tag absetzte, viele mit beleidigendem Inhalt. Insofern Trumps Leugnung eine bewusste Falschinformation ist, eigens zu dem Zweck produziert, sich in den sozialen Netzwerken &#8211; auch mit Hilfe computergesteuerter, automatisierter Social Bots &#8211; viral zu verbreiten, ist sie fake news. Das Trump Twitter Archive (@realtrumptweet) listet unter der Rubrik &#8222;Verschw&ouml;rungstheorien&#8220; 106 Tweets auf, die die Meinung implizieren, die globale Erw&auml;rmung sei fake. Sie folgen einem politischen Kalk&uuml;l: durch ihre st&auml;ndige Wiederholung werden &#8222;alternative Fakten&#8220; und fake news geschaffen, mit denen sich sp&auml;ter das Umsteuern in der Klimapolitik rechtfertigen l&auml;sst.</p>
<p>Trump wirft seinerseits den klassischen Medien vor, fake news zu verbreiten &#8211; ein Vorwurf, der ihm auf seiner ersten Pressekonferenz als Rechtfertigung diente, dem CNN-Reporter Jim Acosta das Fragerecht zu verwehren. Doch ob fake news oder pure Meinungs&auml;u&szlig;erung: Mit seinen Tweets nistet sich Trumps Gefolgschaft in einem virtuellen Raum kognitiver Konsonanzen ein, die dem eigenen Standpunkt entsprechen. &#8222;Toleranz ist der Verdacht, dass der andere Recht hat&#8220; (Kurt Tucholsky). Wer die digitalen Quellen des &#8222;anderen&#8220; ignoriert und sich in seiner Filterblase best&auml;tigt f&uuml;hlt, muss nicht bef&uuml;rchten, Widerspr&uuml;che zu seinen bisherigen Ansichten aushalten zu m&uuml;ssen.</p>
<p>Andererseits: W&auml;hrend &uuml;berhaupt nur etwa sieben Prozent der US-Amerikaner den Kurznachrichtendienst nutzen, sind darunter aber verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig viele Journalisten. Das wei&szlig; auch Trump, der in einem Interview von Bild und Times betonte, er werde auch weiterhin twittern, denn sobald er sich zu etwas &auml;u&szlig;ere, &#8222;ver&ouml;ffentlichen sie es&#8220;.</p>
<p>Trumps Verwendung von Twitter als permanenten Newsticker ist von Bedeutung: So erf&auml;hrt nicht nur seine Klientel, sondern auch die andere H&auml;lfte der USA, die ihn nicht gew&auml;hlt hat, was gerade Sache ist: &#8222;<i>Noch nie hatten wir die M&ouml;glichkeit, so viel zu lesen dar&uuml;ber, was ein Pr&auml;sident denkt</i>&#8220;, stellt der Verteidigungsexperte P. W. Singer fest. Zusammen mit Trumps populistischem Politikstil, der sich nach dem hei&szlig;en Wahlkampf kaum ge&auml;ndert hat, erinnert seine Newsticker-Twitterei an die <i>permanent campaign</i>. Sie wurde vom fr&uuml;heren US-Pr&auml;sidenten Bill Clinton erstmals im Wei&szlig;en Haus etabliert.</p>
<h5>Der &bdquo;unpo&shy;pu&shy;l&auml;rste und unvor&shy;be&shy;rei&shy;tetste Pr&auml;sident&ldquo; in der US-Ge&shy;schichte</h5>
<p>Die US-Wahlbev&ouml;lkerung ist politisch in zwei fast gleich gro&szlig;e, unvers&ouml;hnliche H&auml;lften gespalten. Das haben bereits die Wahlg&auml;nge vergangener Jahre deutlich gemacht, in denen sich die Herausforderer oft in einem Kopf-an-Kopf-Rennen gegen&uuml;berstanden. Die Politikwissenschaft spricht von &#8222;Red-Blue America&#8220;: Die liberalen und konservativen Lager entsprechen in hohem Ma&szlig; den Grenzen zwischen den Parteien, die die gute alte Tradition des &uuml;berparteilichen, kooperations- und kompromissbereiten bipartisanship verlernt haben.</p>
<p>Zu dieser Ideologisierung der politischen Lager hat langfristig das Gerrymandering beigetragen: das Zuschneiden von Wahlbezirken, um stabile Mehrheiten zu garantieren. Es war von der afroamerikanischen B&uuml;rgerrechtsbewegung urspr&uuml;nglich dazu gedacht, sicherzustellen, dass schwarze Abgeordnete &uuml;berhaupt gew&auml;hlt werden. Huntington weist auf das Paradox von Reformen hin, die anderen Zwecken dienen k&ouml;nnen als jenen, welche ihre Erfinder sich erhofft hatten: &#8222;Ein politisches System, das prinzipiell offen f&uuml;r Reform ist und durch Reform weiter ge&ouml;ffnet wird, ist auch offen f&uuml;r Gegenreform.&#8220;</p>
<p>Trump gewann die Wahl mit einer Quote von nur 46,1&nbsp;% in der popular vote, w&auml;hrend Clinton 48,2&nbsp;% erhielt und damit 2,9 Mio. Stimmen mehr auf sich vereinigen konnte. F&uuml;r Clinton stimmten mehr US-Amerikaner als f&uuml;r jeden anderen unterlegenen Kandidaten in der US-Geschichte. So konnte im Gro&szlig;fl&auml;chenstaat USA eine konservative Minderheit von Trump-Anh&auml;ngern die Mehrheit im Wahlm&auml;nnergremium erringen: 306 zu 232 &#8211; eines der knappsten Ergebnisse in der US-Geschichte.</p>
<p>Wir wissen nicht, ob Madison diese Elektoren-Mehrheit und die dahinter stehende, leidenschaftliche faction der Trump-W&auml;hler als tyrannische mob rule bezeichnet h&auml;tte. Doch kann man davon ausgehen, dass Trumps politische Gegner ihn als eben solchen betrachten: als Tyrannen. Sie w&uuml;rden wohl Elizabeth Drew beipflichten, die Trump in der Ausgabe der New York Review of Books vom 9. M&auml;rz 2017 zusammenfassend als den &#8222;unpopul&auml;rsten und unvorbereitetsten designierten Pr&auml;sidenten in der modernen Geschichte&#8220; beschrieb, &uuml;ber dessen &#8222;mentale Stabilit&auml;t&#8220; sich auch namhafte Psychologen und Psychiater Sorgen machten. Trumps &#8222;paranoider Stil&#8220; (Richard Hofstadter) im permanenten Twitter-Wahlkampf und der Medienhype um seine von Impulskontrollst&ouml;rungen gekennzeichnete, autorit&auml;re Person wird die USA nicht zur Ruhe kommen lassen. Im Gegenteil werden sich die politischen Gr&auml;ben in &#8222;Red-Blue America&#8221; wahrscheinlich noch vertiefen.</p>
<h5>Weltweite Proteste: Trumps &bdquo;verfas&shy;sungs&shy;wid&shy;rige Agenda&ldquo;</h5>
<p>Man braucht kaum die vielen Ereignisse und Ma&szlig;nahmen vor und nach der Inauguration Trumps aufzuz&auml;hlen, um zu dem Schluss zu kommen, dass der 45. Pr&auml;sident der US-Geschichte das In- und Ausland polarisiert wie selten einer zuvor: Infragestellung der NATO; m&ouml;gliche Wiedereinf&uuml;hrung von Foltermethoden; Mauerbau an der mexikanischen Grenze und Versch&auml;rfung der Einwanderungsgesetze; R&uuml;ckzug aus dem Freihandel (TPP); erschwerte Abtreibungen (Mexiko-City-Policy) oder das einstweilen im US-Kongress gescheiterte Aufweichen von &#8222;Obamacare&#8220; &#8230;</p>
<p>Trump nutzt Exekutiverlasse, um solche Ma&szlig;nahmen im Eiltempo auf den Weg zu bringen. Sie erm&ouml;glichen es ihm, am Kongress vorbei zu regieren. Am meisten Aufsehen erregte die executive order vom 27. Januar 2017: das zeitweise Einreiseverbot f&uuml;r (syrische) Fl&uuml;chtlinge und Besucher aus sieben Nahost-Staaten, in denen mehrheitlich Muslime leben und laut Trump ein hohes Terrorismusrisiko darstellen. Die Begr&uuml;ndung des Erlasses, der die &Auml;ngste nativistischer W&auml;hler adressierte, erinnerte mehrmals an die traumatischen Anschl&auml;ge von 9/11. W&auml;hrend die juristische Auseinandersetzung um dieses Dekret beweisen mag, dass das System der checks and balances funktioniert, zeigt sie doch auch, wie sehr Trump die Gewaltenteilung geringsch&auml;tzt.</p>
<p>Trumps Einreiseverbot l&ouml;ste weltweite Proteste aus. Proteste, wie sie bereits am Tag seiner Inauguration in der US-Hauptstadt und anderen Weltst&auml;dten sowie am Tag danach zu sehen waren, als der &#8222;Women&#8217;s March on Washington&#8220; mit 500-700.000 Teilnehmer_innen und vielen Solidarit&auml;tsm&auml;rschen weltweit stattfand. Laut Organisatorinnen &uuml;bertraf die Teilnehmerzahl den bis dahin geltenden Rekord bei der Demonstration gegen den Vietnamkrieg 1969.</p>
<p>Zum &#8222;Women&#8217;s March&#8221; aufgerufen hatte auch MoveOn.org, eine NGO, deren Ziel die digitale Vernetzung von Menschen ist, die sich f&uuml;r progressive Politik einsetzen. MoveOn.org wurde 1998 vom Software-Unternehmer-Ehepaar Joan Blades und Wes Boyd gegr&uuml;ndet, nachdem eine Online-Petition gegen das Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton unerwarteten Zulauf erfuhr. MoveOn.org &#8211; nach eigenen Angaben sieben Mio. Mitglieder stark &#8211; sieht sich als &#8222;Pionier des Online-Organizing&#8220; und unterst&uuml;tzt seit dem Jahr 2000 auch ausgew&auml;hlte Kandidaten im US-Pr&auml;sidentschaftswahlkampf; 2004 beispielsweise produzierte der MoveOn.org Voter Fund eigene TV-Spots in H&ouml;he von drei Mio. US-Dollar als Teil der unabh&auml;ngigen Anti-Bush-Kampagne.</p>
<p>Beteiligt an dieser Kampagne war der Politaktivist Eli Pariser, der als MoveOn.org-Direktor den Videoclip-Wettbewerb &#8222;Bush in 30 Seconds&#8220; organisierte und so Millionen von US-Dollar an Wahlkampfspenden einzuwerben half. Der heutige MoveOn.org-Direktor Ilya Sheyman macht derzeit mit Hilfe des Web 2.0 Front gegen Trumps &#8222;verfassungswidrige Agenda&#8220;, mobilisiert &uuml;ber Facebook, Twitter und Co. die &#8222;amerikanische Mehrheit&#8220; und ruft unter dem Stichwort &#8222;#RESISTTRUMP&#8220; zum Widerstand auf.</p>
<p>In Wahrheit ist es schwierig, mit Internetnutzern in einen aktiven Dialog zu treten, weil der &#8222;90-9-1-Regel&#8220; zufolge die Mehrheit schweigt. Demnach publiziert nur 1 von 100 Usern Inhalte, nur 9 von 100 kommentieren das Geschriebene, ganze 90 von 100 aber sind inaktive Zuschauer. Eine Minderheit der Onliner liefert also den L&ouml;wenanteil der Inhalte, den eine &uuml;berwiegende Mehrheit konsumiert. MoveOn.org geh&ouml;rt zu diesen einem Prozent und versucht, die Aufmerksamkeit zweier Arten von Influencern zu gewinnen: den Mass Connectors (Netzwerker mit hoher Reichweite) und den Mass Mavens (Meinungsf&uuml;hrer mit &Uuml;berzeugungskraft). Beide sollen gegen Trumps Filterblasen anschreiben, um sie zum Platzen zu bringen.</p>
<h5>Die USA als corpocracy: Der Kampf gegen &ouml;konomische Ungleich&shy;heit</h5>
<p>MoveOn.org hat sich auch den Kampf gegen &ouml;konomische Ungleichheit auf die Fahnen geschrieben. Hier Zusammenh&auml;nge zu Trump herzustellen, f&auml;llt nicht schwer, wird doch der politisch unerfahrene Quereinsteiger, Immobilienunternehmer und Milliard&auml;r bezichtigt, seine Kandidatur mit seinem eigenen Verm&ouml;gen erkauft und so die Partei der Republikaner als politischer Au&szlig;enseiter gekapert zu haben. Im US-Wahlkarussell jagt bereits seit Jahren ein Spendenrekord den n&auml;chsten. Mit fast sieben Mrd. US-Dollar war die US-Wahl 2016 die bisher teuerste, die es jemals gab.</p>
<p>Solche Spendenrekorde ergeben sich aus der Kostenexplosion professioneller Wahlk&auml;mpfe. W&auml;hrend sich die Gesamtkosten von 1952 bis Anfang der 1980er Jahre verdreifachten, hatten sich die Kosten f&uuml;r Fernsehwerbung im gleichen Zeitraum verf&uuml;nffacht. In Umfragen 2004 waren 84 Prozent der Befragten der Meinung, dass Wahlkampfspenden von Gro&szlig;konzernen exzessiv seien. Die Politikverdrossenheit speist sich letztlich aus der tendenziellen Oligarchisierung der US-Demokratie, die sich zunehmend in eine corpocracy (Charles Derber) verwandelt. Trumps Kabinett von Gener&auml;len, Bankern und &Ouml;lindustriellen, das mit Abstand reichste in der US-Geschichte, besitzt einer Berechnung zufolge mehr Verm&ouml;gen als ein Drittel der US-Bev&ouml;lkerung oder 43 Mio. US-Haushalte zusammengenommen.</p>
<p>Von diesem Trend ausgenommen ist auch nicht die &#8222;vierte Gewalt&#8220; im Land, die von stetig wachsender Medienkonzentration betroffen ist: Ende Oktober 2016 wurde bekannt, dass sich AT&amp;T f&uuml;r 85,4 Mrd. US-Dollar den Medienriesen Time Warner einverleiben werde, zu dem auch Fernsehsender wie HBO und CNN geh&ouml;ren. Trump verlautete, er w&uuml;rde den Deal blockieren, falls er Pr&auml;sident werde. Nun, wo er es ist, entfaltet der einstige Fernsehmoderator einstweilen eine andere Wirkung: Tageszeitungen wie die New York Times &#8211; die neuerdings mit dem Slogan wirbt &#8222;Just facts. No alternatives&#8220; &#8211; verzeichnen Rekordzuw&auml;chse bei den Abonnenten-Zahlen. Sie k&ouml;nnten ein Hinweis darauf sein, dass viele US-Medien, denen Trump den &#8222;Krieg&#8220; erkl&auml;rt hat, nun leichter neue Leser gewinnen. Fest steht, dass gerade die Printmedien ohnehin versuchen, verloren gegangene Marktanteile durch eine St&auml;rkung ihres investigativen Profils zur&uuml;ckzuerobern. In diesem Bem&uuml;hen ist der eine oder andere scoop gegen Trump nicht ausgeschlossen &#8211; zumal in j&uuml;ngster Zeit schon so manche Insider-Informationen aus dem Wei&szlig;en Haus nach drau&szlig;en gelangten.</p>
<p>Zudem ist noch nie so fr&uuml;h &uuml;ber ein m&ouml;gliches Impeachment gegen einen US-Pr&auml;sidenten spekuliert worden, der sich als designierter president-elect noch gar nicht im Amt befand. So liefern die FBI-Ermittlungen zu den Vorw&uuml;rfen, es habe Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland gegeben, neuen Z&uuml;ndstoff und befeuern den Konflikt zwischen den politischen Lagern.</p>
<p>Der Politikverdrossenheit der &#8222;vergessenen M&auml;nner und Frauen&#8220;, die Trump als erhofften starken Mann gegen das Establishment zur Macht verholfen hat, steht einer nicht minder frustrierten &#8222;amerikanischen Mehrheit&#8220; gegen&uuml;ber, die Trumps &#8222;verfassungswidrige Agenda&#8220; bek&auml;mpft. Gen&auml;hrt wird diese Kampflinie in &#8222;Red-Blue America&#8221; durch den Umstand, dass die USA ihren Status als full democracy verloren hat: Der aktuelle j&auml;hrliche Democracy Index der Economist Intelligence Unit stuft die USA nunmehr als &#8222;fehlerhafte Demokratie&#8221; ein. Die &auml;lteste Demokratie der Neuzeit rutscht daher auf Platz 21, noch hinter Japan und Italien. Grund sei eine Legitimationskrise, die das &ouml;ffentliche Vertrauen in die politischen Institutionen des Landes erodieren lie&szlig;e. Ein Niedergang, der &#8211; unabh&auml;ngig von der Wahl 2016 &#8211; bereits in den sp&auml;ten 1960er Jahren begann.</p>
<h5>Religi&ouml;se Rechte: Funda&shy;men&shy;ta&shy;listen und &bdquo;omni&shy;zi&shy;dales Armageddon&ldquo;</h5>
<p>Die Reihe der Indizien ist lang. Sie weist darauf hin, dass Trump in der Tat Vorbote und Katalysator f&uuml;r eine f&uuml;nfte <i>creedal passion period </i>sein k&ouml;nnte, deren Anf&auml;nge man gerade in den USA beobachten kann. Wenn diese Beobachtung zutrifft, ist jedoch unklar, welche Rolle die besondere Religiosit&auml;t der evangelikal-fundamentalistischen Bewegung in einer neuerlichen Protest- und Reformbewegung im oben beschriebenen Kausalzusammenhang spielen k&ouml;nnte. Waren die damaligen Revivals &uuml;berwiegend &#8222;postmillennialistisch&#8220; eingestimmt, so ist die seit den 1970er Jahren entstandene Erweckung vor allem &#8222;pr&auml;millennarisch&#8220; ausgerichtet. Sie erwartet die Wiederkehr Christi in der apokalyptischen Endzeitschlacht von Armageddon vor (und nicht nach) dem Anbruch des Millenniums. Inszeniert durch die elektronische Kirche von Pat Robertson seit den 1960er und kommerzialisiert durch eine wachsende Fachverlagsindustrie seit den 1970er Jahren erlebte der Pr&auml;millenialismus mit seinem literalistischen Verst&auml;ndnis der Bibel einen beeindruckenden Markterfolg. Nachdem mit Jimmy Carter der erste born again Christian US-Pr&auml;sident wurde, fand mit der Wahl Ronald Reagans 1980 die Religi&ouml;se Rechte ihre politische Heimat in der Republikanischen Partei.</p>
<p>Die Anschl&auml;ge an 9/11 im Jahr 2001 st&auml;rkten die Rolle der Religion im &ouml;ffentlichen Leben der USA, die sich seitdem im war on terrorism befinden, erheblich. Vor diesem Hintergrund dr&auml;ngte Senator Sam Brownback aus Kansas seine Partei 2004, die Trennung von Staat und Kirche aufzuheben. Der Presbyterianer Trump wurde von einer satten Mehrheit von 80% der wei&szlig;en Evangelikalen gew&auml;hlt.</p>
<p>Erleben wir also gerade eine evangelikale Revolution von oben? Wohl kaum. Laut Umfragen ist der Anteil der US-Amerikaner, der sich einen Pr&auml;sidenten mit religi&ouml;sen &Uuml;berzeugungen w&uuml;nscht, best&auml;ndig gesunken: von 72&nbsp;% (2008) &uuml;ber 67&nbsp;% (2012) auf 62&nbsp;% (2016). Zudem waren evangelikale F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeiten wie der Liberty University-Pr&auml;sident Jerry Falwell Jr., der Radiomoderator Eric Metaxas und der Theologe Wayne Grudem in der Unterst&uuml;tzung Trumps sehr gespalten. Der mehrmals geschiedene Trump, den Republikaner in den Vorwahlen als den am wenigsten religi&ouml;sen Kandidaten einsch&auml;tzten, ist von Evangelikalen nicht wegen, sondern trotz dieses schwachen religi&ouml;sen Profils gew&auml;hlt worden &#8211; und wegen seiner kritischen Haltung gegen&uuml;ber Abtreibungen.</p>
<p>Die Evangelikalen stellen jedoch ein gewichtiges W&auml;hlersegment dar, das mit anderen wei&szlig;en W&auml;hlergruppen in der ethnisch-nativistischen Abwehrhaltung gegen&uuml;ber Einwanderung und &#8222;Islamisierung&#8220; eine einflussreiche Schnittmenge im konservativen Amerika bildet. Insofern wurden mit Trumps Einreiseverbot auch die Interessen der Evangelikalen bedacht, aber eben nicht nur diese. Apokalyptische Evangelikale d&uuml;rften sich in Trumps Kabinett vor allem durch Stephen Bannon repr&auml;sentiert sehen, der im Wei&szlig;en Haus zu Trumps Berater &#8211; und als solcher zum St&auml;ndigen Mitglied im Nationalen Sicherheitsrat aufstieg. Dem fr&uuml;heren Banker, Publizisten und Chef der ultrarechten Nachrichtenseite Breitbart News Network wird eine geistige N&auml;he zu den beiden Amateur-Historikern William Strauss und Neil Howe nachgesagt, die in ihrem 1997 erschienenen Buch &#8222;The Fourth Turning&#8220; das Ende der Menschheit in einem &#8222;omnizidalen Armageddon&#8220; voraussagen.</p>
<p>Bannon, der die Untergangsszenarien von Strauss und Howe in seinem Dokumentarfilm &#8222;Generation Zero&#8220; verarbeitet hat, sagte: &#8222;<i>Wir sind in einem 100-j&auml;hrigen Krieg gegen den radikalen Islam</i>&#8220;. Seitdem wird fieberhaft spekuliert, wie stark der Einfluss dieses &#8222;Einfl&uuml;sterers&#8220; auf den US-Pr&auml;sidenten ist. Trump k&ouml;nnte radikalen Evangelikalen nicht radikal genug sein, w&auml;hrend er gem&auml;&szlig;igten Republikanern wie Demokraten als zu radikal erscheinen d&uuml;rfte. Vor diesem Hintergrund sind vielleicht taktische Koalitionen m&ouml;glich, die ein gemeinsamer Abwehrkampf zeitweise zusammenschwei&szlig;t.</p>
<p>Ebenso scheint die US-&Ouml;ffentlichkeit in Auseinandersetzung mit Trumps polarisierendem Politikstil und seiner populistischen Klientelpolitik im Begriff zu sein, Huntingtons IvI-Gap wieder verst&auml;rkt wahrzunehmen, sich zu entr&uuml;sten und mit &#8222;moralischer Leidenschaft&#8220; darauf zu reagieren. Das Brodeln der medialen Filterblasen und die Anzeichen wachsender zivilreligi&ouml;ser Leidenschaften sind kaum zu &uuml;berh&ouml;ren. So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich Huntingtons Diagnose erneut best&auml;tigt: &#8222;<i>Amerika ist keine L&uuml;ge; es ist eine Entt&auml;uschung. Aber es kann nur eine Entt&auml;uschung sein, weil es auch eine Hoffnung ist.</i>&#8220;</p>
<p><i>G&Ouml;TZ-DIETRICH&nbsp;OPITZ&nbsp;&nbsp; Jahrgang 1964, Dr. phil. der Amerikanischen Kulturgeschichte, ist freiberuflicher PR-Experte und Fundraiser, derzeit bei der Stiftung &#8222;Gesellschaft macht Schule&#8220; angestellt. An der Fresenius-Hochschule M&uuml;nchen hielt er im WS 2016/17 einen Lehrauftrag zum Thema &#8222;Journalismus und PR&#8220; ab; zahlreiche Artikel, Interviews, Vortr&auml;ge und Seminare. Monographien: Haitian Refugees Forced to Return: Transnationalism and State Politics, 1991 &#8211; 1994 (M&uuml;nster: LIT, 2004); Einwanderungsland USA &#8211; Einwanderungsland Bundesrepublik, Studienbrief der FernUniversit&auml;t an der GH Hagen (1999, mit Meike Zwingenberger); Manifest Destiny im Kalten Krieg (Frankfurt/M.: Peter Lang, 1993).</i></p>
<h5>Literatur</h5>
<p>Bellah, Robert N. &#8222;Civil Religion in America,&#8220; Daedalus, 96, 1, Winter 1967, pp. 1-21.</p>
<p>Bercovitch, Sacvan. The American Jeremiad. Madison: The University of Wisconsin Press, 1978.</p>
<p>Boyer, Paul S. When Time Shall Be No More: Prophecy Belief in Modern American Culture. Cambridge: Harvard University Press, 1992.</p>
<p>brand eins. &#8222;Habt Geduld!&#8221;, Interview mit Doc Searls und David Weinberger. Ausgabe 02/2012 &#8211; Schwerpunkt Markenkommunikation: <a href="https://www.brandeins.de/archiv/2012/markenkommunikation/habt-geduld/" target="_blank" rel="noopener">https://www.brandeins.de/archiv/2012/markenkommunikation/habt-geduld/</a></p>
<p>Cluetrain Manifesto: <a href="http://www.cluetrain.com/auf-deutsch.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.cluetrain.com/auf-deutsch.html</a></p>
<p>Derber, Charles. People Before Profit. New York: Picador, 2003.</p>
<p>Herman, Edward S. and Noam Chomsky. Manufacturing Consent. New York: Pantheon Books, 2002.</p>
<p>Hofstadter, Richard. The Paranoid Style in American Politics and Other Essays. New York: Alfred A. Knopf, 1966.</p>
<p>Huntington, Samuel P. American Politics: The Promise of Disharmony. Cambridge: Massachusetts, 1981.</p>
<p>Lanier, Jaron. Who Owns the Future? New York: Penguin Books, 2013.</p>
<p>Mast, Claudia (ed.). ABC des Journalismus. M&uuml;nchen: UKK, 2012.</p>
<p>Opitz, G&ouml;tz-Dietrich. Manifest Destiny im Kaltern Krieg: Die Inaugurationsreden US-amerikanischer Pr&auml;sidenten im Spiegel des rhetorischen Millennialismus. Frankfurt: Lang, 1993.</p>
<p>Ostendorf, Berndt. &#8222;Die Rolle der Religion in der amerikanischen Politik und Gesellschaft&#8220;. Amerika &#8211; Fremder Freund. Weimar: Rhino, 2003. S.157-183.</p>
<p>Schindler, Marie-Christine et al. PR im Social Web. Heidelberg: O&#8217;Reilly, 2014.</p>
<p>West, Darrell M. Air Wars. Washington: CQ Press, 2013.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/217-vorgaenge/publikation/america-first-trump-medien-und-leidenschaft/">America First: Trump, Medien und Leidenschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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