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	<title>Jörg Ukrow Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Jenseits der Grenze &#8211; Rechtspopulismus in Polen und Ungarn*</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Nov 2018 20:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In: vorg&#228;nge 224 (4/2018), S. 57 &#8211; 75 Polen und Ungarn waren 1989/1990 Protagonisten bei der &#220;berwindung der illiberalen Irrwege des 20. Jahrhunderts. Doch in den Jahren danach wandelte sich das politische System in diesen Staaten zu einer rechtspopulistischen und demokratiegef&#228;hrdenden Herrschaft. Der Autor schildert detailliert diesen Weg. Er legt nicht nur die einzelnen Wahlergebnisse [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/224/publikation/jenseits-der-grenze-rechtspopulismus-in-polen-und-ungarn-1/">Jenseits der Grenze &#8211; Rechtspopulismus in Polen und Ungarn*</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In: vorg&auml;nge 224 (4/2018), S. 57 &#8211; 75</p>
<p><i>Polen und Ungarn waren 1989/1990 Protagonisten bei der &Uuml;berwindung der illiberalen Irrwege des 20. Jahrhunderts. Doch in den Jahren danach wandelte sich das politische System in diesen Staaten zu einer rechtspopulistischen und demokratiegef&auml;hrdenden Herrschaft. Der Autor schildert detailliert diesen Weg. Er legt nicht nur die einzelnen Wahlergebnisse dar, sondern auch die sich daraus ergebenden politischen Ver&auml;nderungen in sozialpolitischer und in rechtsstaatlicher Sicht sowie die fremden- und judenfeindlichen Ressentiments. Er zeigt die Reaktionen der EU und schlie&szlig;lich die Ankn&uuml;pfungspunkte f&uuml;r die Gegenstrategien auf.</i></p>
<h2 class="auto-created">I. Einleitung</h2>
<p>Polen und Ungarn kam im Prozess der deutschen und europ&auml;ischen Einigung ab 1988/89 eine besondere Rolle zu. Ohne die <i>Solidarnosc</i>-Bewegung in Polen w&auml;ren die &Uuml;berwindung des Kalten Krieges in Europa und die deutsche Wiedervereinigung ebenso wenig m&ouml;glich gewesen wie ohne die ungarische Grenz&ouml;ffnung und die Abl&ouml;sung der sog.<i> Breschnew</i>-Doktrin durch die sog. <i>Sinatra</i>-Doktrin[1] im Zuge der Abkehr Polens und Ungarns von totalit&auml;ren Herrschaftsstrukturen.[2] Schon im R&uuml;ckblick auf die freiheitliche Vorreiterrollen dieser beiden mittel- und osteurop&auml;ischen Staaten, die entscheidend zur Entwicklung und rechtlichen Verankerung eines gemeinsamen, auf Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gest&uuml;tzten europ&auml;ischen Wertekanons &uuml;ber die &#8222;Charta von Paris f&uuml;r ein neues Europa&#8220; vom November 1990[3] bis zu Art. 2 des Vertrags &uuml;ber die Europ&auml;ische Union[4] beigetragen haben, k&ouml;nnen Gef&auml;hrdungen dieses europ&auml;ischen Wertefundaments durch rechtspopulistische Erfolge in diesen Staaten europ&auml;ische Mitb&uuml;rgerInnen im Allgemeinen und Deutsche im Besonderen nicht unbeeindruckt lassen. Aber auch die Orientierung von <i>Jaroslaw Kaczynski</i>, der pr&auml;genden Figur der derzeitigen polnischen Regierungspartei <i>Prawo i Sprawiedliwosc </i>(<i>PiS</i>, dt. Recht und Gerechtigkeit),[5] wie von <i>Viktor Orb&aacute;n</i>, Mitbegr&uuml;nder und Vorsitzender der Partei <i>Fidesz</i> &ndash; Ungarischer B&uuml;rgerbund sowie von 1998 bis 2002 und seit 2010 erneut ungarischer Regierungschef,[6] am Denken von <i>Carl Schmitt</i>, dem staatsrechtlichen Architekten autorit&auml;rer Herrschaft am Ende der Weimarer Republik,[7] muss aus deutscher Perspektive beunruhigen. Waren Polen und Ungarn im Zeitenwechsel 1989/90 Protagonisten einer &Uuml;berwindung von illiberalen Irrwegen des 20. Jahrhunderts, so scheinen sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts Avantgarde einer Abkehr von Globalisierung und Europ&auml;isierung zu werden. Das zur Jahrtausendwende beschworene <i>&#8222;Ende der Geschichte&#8220;</i> (<i>Fukuyama</i>) i.S. eines globalen Siegeszugs der Prinzipien des Liberalismus in Form von Demokratie und Marktwirtschaft erf&auml;hrt transatlantisch eine rechtspopulistische Korrektur. &Ouml;konomische und gesellschaftliche Fehlentwicklungen und Angst vor den Folgen der Globalisierung spielen hierbei ebenso eine Rolle wie die Suche nach Sicherheit in traditionellen Identit&auml;tsvorstellungen bei Ablehnung zumindest einzelner kultureller &Ouml;ffnungsprozesse. Zudem d&uuml;rfte die Sozialisation im Kreis volksdemokratischer Machtaus&uuml;bung die Orientierung von Polen wie Ungarn auf F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeiten mit Personenkult-Ans&auml;tzen[8] beg&uuml;nstigt haben.</p>
<h2 class="auto-created">II. Die Tendenz der Verste&shy;ti&shy;gung rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;scher Macht&shy;aus&shy;&uuml;bung in Polen und Ungarn</h2>
<h2 class="auto-created">1. Polen</h2>
<p>Bei den Parlamentswahlen in Polen am 25. Oktober 2015 errang die nationalkonservative, rechtspopulistische Partei <i>Prawo i Sprawiedliwosc </i>(<i>PiS</i>), unter Aussch&ouml;pfung des bei der Pr&auml;sidentschaftswahl im Mai 2015 gewonnenen Momentums, bei einer Wahlbeteiligung von lediglich 50,9&nbsp;Prozent &ndash; Ausdruck der asymmetrischen Mobilisierung der politischen Lager in Polen &ndash; 37,6&nbsp;Prozent der Stimmen und erhielt mit 235 der 460 Mandate im <i>Sejm</i>, dem polnischen Unterhaus, (wie auch im polnischen Senat) eine absolute Mehrheit. Seit dem 16. November 2015 regiert (erstmals in der Geschichte der Dritten Polnischen Republik) eine von einer einzigen Partei, der <i>PiS</i>, allein getragene Regierung. Die Koalition aus liberalkonservativer <i>Platforma Obywatelska (PO)</i> und <i>Polskie Stronnictwo Ludowe (PSL)</i> wurde nach zwei Legislaturperioden abgew&auml;hlt und hat zusammen nur noch 154 Mandate im Parlament.[9]</p>
<p>Drei Jahre nach ihrer Wahl ist die Unterst&uuml;tzung der Polinnen und Polen f&uuml;r die <i>PiS </i>gleichbleibend hoch. Umfragen ergeben sogar, dass bei der voraussichtlich im Herbst 2019 anstehenden n&auml;chsten Parlamentswahl noch mehr W&auml;hlerinnen und W&auml;hler f&uuml;r <i>Jaroslaw Kaczynskis </i>politisches Lager stimmen k&ouml;nnten als 2015.[10] Diese hohe Zustimmung d&uuml;rfte weniger in den nachfolgend dargestellten, nicht nur in Polen besonders kontrovers diskutierten justiz- und medienpolitischen Ma&szlig;nahmen zur Sicherung des Machterhalts begr&uuml;ndet sein. Vielmehr d&uuml;rfte eine Kombination aus 1. sozialpolitischen Ma&szlig;nahmen wie einer gro&szlig;z&uuml;gigen Kindergeldregelung, einer Senkung des Renteneintrittsalters und einer Anhebung des Mindestlohns, 2. einer geschichtspolitisch durch Mythen aufgeladenen[11] identit&auml;ren Politik der Ausrichtung auf eine nach innen gegen&uuml;ber Nicht-Minderheiten solidarische und nach au&szlig;en stolze nationale Gemeinschaft, die auch kulturpolitisch gef&ouml;rdert wird,[12] und 3. einem Freund-Feind-Ansatz, der im Angriff auf die bisherigen Eliten die Wiederherstellung der moralischen Ordnung und der Gerechtigkeit im Staat behauptet, f&uuml;r Wahlsieg und fortdauernde Umfrageerfolge der <i>PiS</i> entscheidend sein. Fremdenfeindlichkeit bewegt sich dabei durchaus in einer Traditionslinie mit volksdemokratischer Rhetorik.[13] Solidarit&auml;t kann bei diesem Ansatz der <i>PiS</i> nur in Bezug auf &#8222;das Volk&#8220; eingefordert werden; wobei zu diesem exklusiven Kreis Menschen, die sich nicht an soziale Normen halten, wie etwa Straft&auml;ter, ebenso wenig geh&ouml;ren wie alle &#8222;Anderen&#8220;, nicht zuletzt auch Fl&uuml;chtlinge oder Nicht-Katholiken.[14]</p>
<h2 class="auto-created">2. Ungarn</h2>
<p>Ungarn wird seit 2010 unver&auml;ndert von Parteien des nationalkonservativen bis rechtsextremen Spektrums dominiert. In drei Parlamentswahlen 2010, 2014 und 2018 konnten diese Kr&auml;fte unter F&uuml;hrung der Fidesz parlamentarische Mehrheiten erringen und verteidigen. Bei der Parlamentswahl am 8. April 2018 gewann <i>Fidesz</i> in einem Wahlb&uuml;ndnis mit der KDNP (<i>Kereszt&eacute;nydemokrata N&eacute;pp&aacute;rt</i> &ndash; deutsch: Christlich-Demokratische Volkspartei) 49,27&nbsp;Prozent der Listen-Stimmen und mit 133 von 199 Mandaten denkbar knapp erneut eine Zweidrittelmehrheit im ungarischen Parlament. Zweitst&auml;rkste Partei wurde mit 19,06&nbsp;Prozent der Listen-Stimmen und 26 Mandaten im Parlament die rechtsextremistische <i>Jobbik</i>. Linke, liberale und gr&uuml;ne politische Kr&auml;fte scheiterten teilweise spektakul&auml;r mit ihren Wahlzielen.[15] In Ungarn wurden seit der Regierungs&uuml;bernahme von <i>Viktor Orb&aacute;n</i> 2010 die Unabh&auml;ngigkeit der Justiz unterminiert, &ouml;ffentliche und private Medien drangsaliert, Fl&uuml;chtlingen die Solidarit&auml;t verweigert, NGOs als &#8222;ausl&auml;ndische Agenten&#8220; diskreditiert, Universit&auml;ten in ihrer Freiheit beschr&auml;nkt und die EU d&auml;monisiert.[16] Kritisch zur Wahl und zum Wahlausgang in Ungarn 2018 &auml;u&szlig;erten sich auch vor diesem Hintergrund Wahlbeobachter der Organisation f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE): Sie stellten fest, dass die Parlamentswahlen <i>&#8222;durch eine allgegenw&auml;rtige &Uuml;berschneidung zwischen den Ressourcen des Staates und der Regierungspartei (gekennzeichnet waren), die die F&auml;higkeit der Kandidaten zum Wettbewerb auf Augenh&ouml;he unterminierte. Die W&auml;hler hatten eine breite Palette von politischen Optionen, aber Einsch&uuml;chterung und fremdenfeindliche Rhetorik, Medienvoreingenommenheit und undurchsichtige Wahlkampffinanzierung schr&auml;nkten den Raum f&uuml;r eine echte politische Debatte ein und behinderten die F&auml;higkeit der W&auml;hler, eine umfassend informierte Entscheidung zu treffen&#8220;.[</i>17]</p>
<h2 class="auto-created">III. Sozial&shy;po&shy;litik mit nationaler Akzen&shy;tu&shy;ie&shy;rung als mitent&shy;schei&shy;dende Basis rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;scher Erfolge</h2>
<p>Dass rechtspopulistische Erfolge in Europa nicht vorrangig oder gar ausschlie&szlig;lich &uuml;ber objektive &ouml;konomische Befunde erkl&auml;rbar sind &#8211; zumindest wenn man herrschender volkswirtschaftlicher Lehrmeinung folgt &ndash;, belegen auch die Beispiele Polens und Ungarns:</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &bull; Ungarn (0,288) und Polen (0,298) lagen beim sog. Gini-Koeffizienten[18] 2015 besser als eine Vielzahl von Staaten, in denen populistische Bewegungen bislang nicht re&uuml;ssieren konnten.[19] Gleiches gilt f&uuml;r die relative Armut[20] in Polen (10,4&nbsp;%) und Ungarn (10,1&nbsp;%). Auch wenn man das Durchschnittseinkommen der oberen 20&nbsp;% in Verh&auml;ltnis zum Durchschnittseinkommen der unteren 20&nbsp;% setzt, weisen Polen (4,7) und Ungarn (4,5) keine markanten Unterschiede zu den insoweit bestplatzierten Staaten der EU auf.</p>
<p>Allerdings stagniert seit einigen Jahren die Einkommensungleichheit im OECD-Raum auf historisch hohem Niveau. Im OECD-Schnitt hat der Gini-Koeffizient 2014 den Wert 0,318 erreicht, gegen&uuml;ber 0,315 im Jahr 2010. Dies ist der h&ouml;chste Wert seit Mitte der 1980er Jahre.[21] Gerade in Staaten wie Polen und Ungarn, deren Bev&ouml;lkerung unter realsozialistischer Herrschaft besonders auf ein Gleichheitsversprechen hin sozialisiert wurde, kann diese Entwicklungstendenz seit dem Ende der volksdemokratischen Herrschaften eine Angriffsfl&auml;che f&uuml;r rechtspopulistische Kritik an gebrochenen Versprechen des Wohlstands f&uuml;r alle liefern. Vor diesem Hintergrund lassen sich rechtspopulistische Erfolge insbesondere in diesen beiden Staaten nicht zuletzt auch auf die Wahrnehmung erheblicher Teile der jeweiligen Bev&ouml;lkerung zur&uuml;ckf&uuml;hren, dass die fr&uuml;heren, auf eine Einbindung Polens und Ungarns in europ&auml;ische und globale Vernetzungen als alternativlos setzenden Regierungen nicht in ausreichendem Ma&szlig;e auf ihre Bed&uuml;rfnisse eingegangen sind und dass das gegenw&auml;rtige System nicht wirksam genug f&uuml;r eine bessere Zukunft f&uuml;r sie selbst und ihre Kinder sorgt.[22] Daher kommt einer offensiven Sozialpolitik in Polen wie Ungarn eine besondere Bedeutung zu: Die dortigen rechtspopulistischen Regierungen versprechen gro&szlig;z&uuml;gige Sozialleistungen f&uuml;r Familien von Einheimischen und f&uuml;llen Budgetposten, bei denen progressive Vorg&auml;ngerregierungen unter wirtschaftsliberalen Spardiktaten vielfach keinen Spielraum gesehen hatten. Die antiglobalistisch-nationalistische Tendenz des ungarischen Rechtspopulismus kommt nicht zuletzt auch in den politischen Forderungen nach einer Renationalisierung des Bankensektors und einer Verringerung der Abh&auml;ngigkeit von Fremdw&auml;hrungsverschuldung zum Ausdruck.[23] Dass die betreffenden Parteien parallel hierzu soziale Teilhaberechte, Einflussm&ouml;glichkeiten zivilgesellschaftlicher Kr&auml;fte und nicht zuletzt auch Selbstbestimmungsrechte von Frauen beschneiden, scheint bei der Wahlentscheidung selbst breiter Teile der weiblichen Bev&ouml;lkerung oftmals nachrangig zu sein.[24]</p>
<h2 class="auto-created">IV. Abbau der Unabh&auml;n&shy;gig&shy;keit von Justiz und Medien als gemeinsames Instrument zur dauerhaften, demokra&shy;tie&shy;ge&shy;f&auml;hr&shy;denden Stabi&shy;li&shy;sie&shy;rung von Herrschaft</h2>
<p>In erkennbarer Parallelit&auml;t zu den illiberalen Entwicklungen im Russland <i>Wladimir Putins</i>,[25] die ihrerseits ideologische Parallelen zum antidemokratischen Denken <i>Carl Schmitts </i>aufweisen,[26] bem&uuml;hen sich die Regierungen in Polen und Ungarn um eine &#8222;Vertikale der Macht&#8220;.[27] Verfassungsrechtliche Gewaltenteilungsstrukturen im Staatsorganisationsrecht, nicht zuletzt die Unabh&auml;ngigkeit der Justiz, stehen einer solchen Machtkonzentration ebenso entgegen wie unabh&auml;ngige, regierungskritische Medien. Es entspricht insoweit vertrauten Mustern autorit&auml;rer Herrschaftsaus&uuml;bung, dass in Polen wie Ungarn nicht zuletzt die Justiz- und Medienpolitik zu Feldern der Machtsicherung und -ausdehnung wurden.[28]</p>
<h2 class="auto-created">1. Polen</h2>
<p><b>a) Die Aush&ouml;hlung der Unabh&auml;ngigkeit des Verfassungsgerichtshofs </b></p>
<p>Unmittelbar nach dem Wahlerfolg der <i>PiS</i> bei den Parlamentswahlen vom 25. November 2015 brachte die neue Parlamentsmehrheit den Entwurf einer Novelle zum Gesetz &uuml;ber den Verfassungsgerichtshof ein,[29] die nach sieben Tagen verabschiedet wurde.[30] Zugleich fasste der <i>Sejm</i> einen Beschluss, der die fr&uuml;heren Parlamentsbeschl&uuml;sse vom Oktober 2015 zur Wahl von f&uuml;nf Richtern durch die damalige parlamentarische Mehrheit, die zun&auml;chst nicht vom der <i>PiS</i> zugeh&ouml;rigen Staatspr&auml;sidenten <i>Andrzej Duda </i>vereidigt wurden, f&uuml;r ung&uuml;ltig erkl&auml;rte. Das in dieser Angelegenheit durch die neue parlamentarische Minderheit angerufene Verfassungstribunal forderte das Parlament auf, die Wahl neuer Richter so lange zu vertagen, bis es zu einem Urteil in diesem Fall gekommen sei. Dennoch w&auml;hlte der <i>Sejm</i> zwei Tage nach dieser Entscheidung f&uuml;nf neue Richter, die der Pr&auml;sident unverz&uuml;glich vereidigte.</p>
<p>Das Verfassungstribunal wurde nun wegen der <i>Sejm</i>-Beschl&uuml;sse angerufen, die Richterwahlen vom Oktober 2015 f&uuml;r ung&uuml;ltig zu erkl&auml;ren und neue Richter zu berufen. Anfang Dezember 2015 erkannte das Verfassungstribunal die Oktober-Wahl dreier Richter als verfassungskonform an und unterstrich die Pflicht des Staatspr&auml;sidenten, die drei Richter unverz&uuml;glich zu vereidigen, was nicht geschah.[31] Der Justizkonflikt eskalierte, als sich die polnische Ministerpr&auml;sidentin <i>Beata Szydlo </i>ab M&auml;rz 2016 weigerte, Urteile des Verfassungstribunals, das in einer der <i>PiS</i>-Parlamentsmehrheit nicht genehmen Zusammensetzung tagte, zu ver&ouml;ffentlichen. Der in einem solchen Ausma&szlig; innerhalb der EU bislang nicht bekannte Angriff auf die Unabh&auml;ngigkeit des Verfassungsgerichtes eines Mitgliedstaates durch Exekutive und Legislative dieses Mitgliedstaates veranlasste die Europ&auml;ische Kommission als H&uuml;terin der europ&auml;ischen Vertr&auml;ge, im Januar 2016 erstmalig in der EU-Geschichte einen Dialog auf der Grundlage des Rahmens zur St&auml;rkung des Rechtsstaatsprinzips aufzunehmen.[32] Die im Rahmen dieses Dialogs seitens der Europ&auml;ischen Kommission entwickelten Empfehlungen[33] wurden nachfolgend von der <i>PiS</i>-Regierung und ihrer Parlamentsmehrheit ebenso weithin ignoriert und abgelehnt[34] wie das Gutachten der sog. <i>Venedig-Kommission</i> vom M&auml;rz 2016 zur <i>PiS</i>-Novelle des Gesetzes &uuml;ber das Verfassungstribunal, in dem die Unvereinbarkeit dieser Novelle mit den europ&auml;ischen Standards und mit der polnischen Verfassung festgestellt wurde.[35]</p>
<h2 class="auto-created">b) Zus&auml;tzliche Schritte zum Abbau von Rechts&shy;s&shy;taat&shy;lich&shy;keit und Gewal&shy;ten&shy;tei&shy;lung</h2>
<p>Weitere Gesetze, die die Rechtsstaatlichkeit Polens unterh&ouml;hlen k&ouml;nnen, betreffen die Struktur der ordentlichen Gerichte, das Oberste Gericht (<i>Sad Najwyzszy</i>), den Landesgerichtsrat (<i>Krajowa Rada Sadownictwa </i>&ndash; <i>KRS</i>) und die Nationale Hochschule f&uuml;r Gerichtsbarkeit und Staatsanwaltschaft (<i>Krajowa Szkola Sadownictwa i Prokuratury</i>).[36] Die Vereinbarkeit der betreffenden Novellen namentlich mit Art.&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 der polnischen Verfassung, wonach sich die Ordnung der Republik Polen auf die Trennung und das Gleichgewicht der gesetzgebenden, der vollziehenden und der rechtsprechenden Gewalt st&uuml;tzt, wird mit guten Gr&uuml;nden in Zweifel gezogen. Auch die Vereinbarkeit dieser Regelungen mit europ&auml;ischen rechtsstaatlichen Standards wird u.a. von der Venedig-Kommission des Europarates bezweifelt.[37] Ungeachtet national wie europ&auml;isch und international ge&auml;u&szlig;erter Bedenken unterzeichnete der polnische Staatspr&auml;sident am 24. Juli 2017 die Gesetzesnovelle &uuml;ber die Struktur der ordentlichen Gerichte. Danach war der Justizminister w&auml;hrend einer &Uuml;bergangszeit von sechs Monaten uneingeschr&auml;nkt befugt jeden Gerichtsvorsitzenden und seinen Stellvertreter abzuberufen. Seit Ablauf der &Uuml;bergangszeit ist eine negative Stellungnahme des Landesgerichtsrates hinsichtlich der Absetzung eines Vorsitzenden f&uuml;r den Minister nur dann bindend, wenn der Beschluss mit Zweidrittelmehrheit gefasst wurde. Bei der Berufung von Vorsitzenden entf&auml;llt die obligatorische Zustimmung der Richter im entsprechenden Gericht bzw. des Landesrates. Der Justizminister erh&auml;lt zudem die M&ouml;glichkeit, Richter zu bef&ouml;rdern und Gerichtsvorsitzende mit Gehaltszus&auml;tzen zu belohnen.[38] Am 21. Dezember 2017 unterzeichnete der polnische Staatspr&auml;sident die Novelle des Gesetzes &uuml;ber das Oberste Gericht. Am 2.&nbsp;Juli 2018 hat die Europ&auml;ische Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren[39] wegen dieses Gesetzes eingeleitet. Die Kommission ist der Auffassung, dass das Gesetz gegen den Grundsatz der richterlichen Unabh&auml;ngigkeit und auch der Unabsetzbarkeit von Richtern verst&ouml;&szlig;t und Polen somit seinen Verpflichtungen nach Art. 19 Abs. 1 des EU-Vertrags in Verbindung mit Art. 47 der Charta der Grundrechte der EU nicht nachkommt. Am 14. August 2018 beschloss die Europ&auml;ische Kommission, als 2. Etappe des Vertragsverletzungsverfahrens wegen dieses Gesetzes eine mit Gr&uuml;nden versehene Stellungnahme an Polen zu richten. Die polnischen Beh&ouml;rden haben nun einen Monat Zeit, die erforderlichen Ma&szlig;nahmen zu treffen, um dieser Stellungnahme nachzukommen. Ergreifen die polnischen Beh&ouml;rden keine angemessenen Ma&szlig;nahmen, kann die Kommission den Europ&auml;ischen Gerichtshof anrufen. Ebenfalls am 21.&nbsp;Dezember 2017 unterzeichnete der polnische Staatspr&auml;sident die Novelle des Gesetzes &uuml;ber den Landesgerichtsrat.[40] Auch wenn die unterzeichnete Gesetzes&auml;nderung die Einwirkungsm&ouml;glichkeiten der Parlamentsmehrheit auf die Wahl der Mitglieder, die in der urspr&uuml;nglichen Novelle vom 12.&nbsp;Juli 2017 vorgesehen war,[41] etwas abschw&auml;chte,[42] bleibt es bei rechtsstaatlich bedenklichen Einwirkungsm&ouml;glichkeiten der parlamentarischen Mehrheit auf die Zusammensetzung dieses Rates. Diese wurde dadurch unmittelbar wirksam, dass die Amtszeit aller bisherigen Ratsmitglieder vorzeitig endete.[43]</p>
<h2 class="auto-created">c) Einschr&auml;n&shy;kung der Unabh&auml;n&shy;gig&shy;keit der Medien</h2>
<p>In Polen k&ouml;nnen Medien zwar frei berichten, allerdings wurden die M&ouml;glichkeiten, das parlamentarische Geschehen in Polen journalistisch zu verfolgen, seit Ende 2015 durch die <i>PiS</i>-Mehrheit zunehmend eingeschr&auml;nkt.[44] Nach dem Regierungswechsel ist Polen auf der Rangliste der Pressefreiheit des Vereins &#8222;Reporter ohne Grenzen&#8220; um 40 Pl&auml;tze auf Rang 58 von 180 Staaten gefallen.[45] In Bezug auf die in der polnischen Verfassung verankerte Medienaufsichtsbeh&ouml;rde, den Landesrundfunk- und -fernsehrat (<i>Krajowa Rada Radiofonii i Telewizji &ndash; KRRiT</i>), nahm die neue <i>PiS</i>-Mehrheit bereits im Dezember 2015 eine &Auml;nderung des Rundfunk- und Fernsehgesetzes vor, die eine sofortige Umbesetzung des <i>KRRiT</i> und damit einhergehend auch der Aufsichtsr&auml;te und der Vorst&auml;nde der &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien erm&ouml;glichte. In diese Strategie der Machtsicherung f&uuml;gte sich die Gr&uuml;ndung einer neuen Beh&ouml;rde, des Nationalen Medienrates, im Juni 2016 ein. Diese Beh&ouml;rde &uuml;bernahm die Aufsicht &uuml;ber den fr&uuml;heren &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstalter TVP, der zum &#8222;nationalen&#8220; Medium wurde. Zu dessen Direktor wurde ein fr&uuml;herer PiS-Abgeordneter, <i>Jacek Kurski</i>, bestellt, der den Sender offiziell &#8222;apolitisch&#8220; ausrichten sollte, w&auml;hrend in der Praxis insbesondere im Nachrichtenangebot des Senders politische Regierungspropaganda mit pers&ouml;nlichen Attacken auf politische Gegner der <i>PiS</i> und deren Familien zu beobachten ist.</p>
<p>Zwar nutzen selbst viele <i>PiS</i>-W&auml;hler statt der Regierungspropaganda mittlerweile lieber das private TVN.[46] Doch auch die Unabh&auml;ngigkeit von TVN wird nunmehr unterminiert: Ende 2016 wurde <i>KRRiT</i> erstmals aus der <i>PiS</i>-Fraktion im <i>Sejm</i> aufgefordert, TVN die noch bis 2021 (TVN24) und 2024 (TVN) laufenden Sendelizenzen zu entziehen.[47] Anfang Juli 2017 forderten die Steuerbeh&ouml;rden zudem von TVN umgerechnet 26 Millionen Euro f&uuml;r ein Gesch&auml;ft von 2012 nach, das zuvor vom Finanzminister und der Steuerpr&uuml;fung steuerfrei gestellt worden war. Am 11. Dezember folgte <i>KRRiT</i> mit einem Bu&szlig;geld von umgerechnet gut 351 000 Euro f&uuml;r eine angeblich rechtswidrige Parlaments-Berichterstattung. Bei einem wiederholten Versto&szlig; droht TVN der Lizenzentzug. Die polnische Regierung plant zudem, ausl&auml;ndischen Besitz an Medienkonzernen nach russischem und ungarischem Vorbild auf 20 Prozent zu beschr&auml;nken. Dies &ouml;ffnet den Weg f&uuml;r eine direkte oder indirekte Nationalisierung des polnischen Medienmarktes bei gesellschaftsrechtlicher Dominanz von Parteig&auml;ngern und Sympathisanten der <i>PiS</i>.</p>
<h2 class="auto-created">2. Ungarn</h2>
<p><i>Viktor Orb&aacute;n</i> hat seine parlamentarische Zweidrittelmehrheit schon in der 2010 startenden Legislaturperiode f&uuml;r eine Verfassungs&auml;nderung genutzt, die u.&nbsp;a. eine st&auml;rkere Einflussnahme der Exekutive auf das Rechtssystem und die Medien zul&auml;sst. Verbunden mit einer Ausrichtung auf eine konservativ-christliche, historisierende Rhetorik ist das am 1.1.2012 in Kraft getretene neue ungarische Grundgesetz[48] u.&nbsp;a. durch die Einschr&auml;nkung der Befugnisse des Verfassungsgerichts, die Abberufung des Datenschutzbeauftragten und des Pr&auml;sidenten des Obersten Gerichtes sowie das Recht des Chefs der ungarischen Justizverwaltung (Pr&auml;sident des Justizamtes), f&uuml;r jeden Rechtsstreit das Gericht auszuw&auml;hlen, gekennzeichnet. Eine Blockadem&ouml;glichkeit in Bezug auf eine Abkehr von der konservativen Revolution unter der <i>Fidesz</i>-Herrschaft stellt das Hochstufen einer Vielzahl von f&uuml;r das allt&auml;gliche Regierungsgesch&auml;ft erheblichen Gesetzen zu sogenannten Kardinalgesetzen (&#8222;<i>sarkalatos t&ouml;rv&eacute;ny</i>&#8222;) dar, die nach dem neuen Grundgesetz nur mit einer Zweidrittelmehrheit ge&auml;ndert werden k&ouml;nnen.[49] Eine solche Mehrheit f&uuml;r eine R&uuml;ckkehr zum demokratischen, rechtsstaatlichen und freiheitlichen <i>status quo ante </i>zeichnet sich mit Blick auf die Zerfaserung der politischen Oppositionskr&auml;fte nicht ab; vielmehr hatte und hat diese mangelnde Geschlossenheit des Oppositionslagers in Verbindung mit dem ungarischen Mehrheitswahlrecht gro&szlig;en Anteil an den Wahlerfolgen der Fidesz.</p>
<h2 class="auto-created">3. Die Reaktion der EU</h2>
<p>Ausschlie&szlig;lich[50] im Gefolge der auf das polnische Justizsystem bezogenen Rechts&auml;nderungen unter Missachtung der seitens der Europ&auml;ischen Kommission ge&auml;u&szlig;erten massiven rechtsstaatlichen Bedenken unterbreitete die Europ&auml;ische Kommission am 20. Dezember 2017 dem Rat der EU erstmalig einen begr&uuml;ndeten Vorschlag zur Annahme eines Beschlusses nach Art. 7 Abs. 1 EUV.[51] Am 1.&nbsp;M&auml;rz 2018 unterst&uuml;tzte das Europ&auml;ische Parlament (EP) mit deutlicher Mehrheit (422 Stimmen bei 147 Gegenstimmen und 48 Enthaltungen) den Vorschlag der EU-Kommission, Art. 7 Abs. 1 EUV zu aktivieren und Polen aufzufordern, sich damit auseinanderzusetzen. Der Rat der EU wurde dabei aufgefordert, &#8222;im Einklang mit den Bestimmungen nach Artikel 7 Absatz 1 EUV rasch t&auml;tig zu werden&#8220;.[52] Zudem hat das EP am 12. September 2018 &#8211; wiederum mit deutlicher Mehrheit (448 Stimmen bei 197 Gegenstimmen und 48 Enthaltungen)[53] &ndash; die EU-Mitgliedstaaten aufgefordert, nach Art. 7 EUV festzustellen, ob Ungarn Gefahr l&auml;uft, die EU-Grundwerte zu verletzen. Damit hat das EP erstmals die Initiative ergriffen, ein Verfahren gegen einen EU-Mitgliedstaat einzuleiten, um eine systemrelevante Bedrohung der Grundwerte der EU zu verhindern. Die Bedenken des EP betreffen (1.) die Funktionsweise des Verfassungs- und des Wahlsystems, (2.) die Unabh&auml;ngigkeit der Justiz, (3.) Korruption und Interessenkonflikte; (4.) Privatsph&auml;re und Datenschutz, (5.) das Recht auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung, (6.) die Wissenschaftsfreiheit, (7.) die Religionsfreiheit, (8.) die Vereinigungsfreiheit, (9.) das Recht auf Gleichbehandlung, (10.) die Rechte von Personen, die einer Minderheit angeh&ouml;ren, einschlie&szlig;lich Roma und Juden, (11.) die Grundrechte von Migranten, Asylsuchenden und Fl&uuml;chtlingen und (12.) wirtschaftliche und soziale Rechte.[54] Allerdings d&uuml;rfte es sich im Ergebnis unter den derzeitigen Bedingungen der Zusammenarbeit von Polen und Ungarn um ein stumpfes Sanktionsschwert der EU handeln: Denn die PiS-Regierung d&uuml;rfte auf die Zusicherung <i>Viktor Orb&aacute;ns </i>vertrauen, dass er sein Veto gegen eine Feststellung des Europ&auml;ischen Rates einlegen werde, dass eine schwerwiegende und anhaltende Verletzung der in Art. 2 EUV genannten Werte durch Polen vorliegt.[55] Gleiches gilt auch umgekehrt. Da f&uuml;r die Feststellung des Europ&auml;ischen Rates nach Art. 7 Abs. 2 EUV Einstimmigkeit erforderlich ist, d&uuml;rfte das Art. 7-Verfahren unter den obwaltenden rechtspopulistischen Mehrheiten in einzelnen EU-Mitgliedstaaten ins Leere laufen. Der Vertrag &uuml;ber die Europ&auml;ische Union leidet insoweit unter dem Geburtsfehler einer Blockadem&ouml;glichkeit bereits von zwei sich solidarisch verbindenden Mitgliedstaaten, die beide die Werte der EU missachten.[56] Ob diese Blockade durch ein paralleles, gemeinsames Verfahren gegen Polen und Ungarn umgangen werden k&ouml;nnte, ist rechtlich nicht gekl&auml;rt.[57] Im &Uuml;brigen d&uuml;rfte es voraussichtlich auch in weiteren Mitgliedstaaten der EU Bedenken gegen eine solche Aufweichung von eigenen politischen Einflussm&ouml;glichkeiten auf das Verfahren des Art.&nbsp;7 EUV geben.</p>
<h2 class="auto-created">V. Menta&shy;li&shy;t&auml;ts&shy;un&shy;ter&shy;schiede als Ankn&uuml;p&shy;fungs&shy;punkte nachhal&shy;tiger rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;scher Erfolge in Polen und Ungarn</h2>
<p>Die Ankn&uuml;pfungspunkte f&uuml;r den Erfolg der rechtspopulistischen Ideologie in Polen und Ungarn lassen sich nicht zuletzt auch bei einem Vergleich der Einstellung der Bev&ouml;lkerung zur aktuellen &ouml;konomischen und gesellschaftlichen Situation und der Erwartungshaltungen bez&uuml;glich politischer Schwerpunktsetzungen erschlie&szlig;en:[58] Die wirtschaftliche Situation des Landes wird in Polen und Ungarn (66&nbsp;% bzw. 54&nbsp;%: gut) im Fr&uuml;hjahr 2018 erneut deutlich besser eingestuft als im EU-Durchschnitt (49&nbsp;% gut). Gleiches gilt f&uuml;r die Einsch&auml;tzung der Aussichten f&uuml;r die wirtschaftliche Situation des Landes in den n&auml;chsten zw&ouml;lf Monaten in Polen und Ungarn (nur 16&nbsp;% bzw. 17&nbsp;% erwarten eine Verschlechterung) im Vergleich zum EU-Durchschnitt (23&nbsp;% erwarten eine Verschlechterung). Auch bei den Erwartungen zur Entwicklung der Besch&auml;ftigungssituation in den n&auml;chsten zw&ouml;lf Monaten sind negative Erwartungen in Polen und Ungarn (nur 13&nbsp;% bzw. 16&nbsp;% erwarten eine Verschlechterung) deutlich weniger ausgepr&auml;gt als im EU-Durchschnitt (20&nbsp;% erwarten eine Verschlechterung). Ansatzpunkte f&uuml;r eine Wechselstimmung in Polen und Ungarn sind damit nicht ausgepr&auml;gt.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &bull; Deutlich voneinander abweichend sind die Schwerpunktsetzungen in Bezug auf politische Herausforderungen: W&auml;hrend in Polen und Ungarn Fragen der Gesundheit und sozialen Sicherheit bei 38&nbsp;% (Polen) oder gar 46&nbsp;% Ungarn der Bev&ouml;lkerung zu den beiden wichtigsten Herausforderungen z&auml;hlen, ist dies im EU-Durchschnitt nur bei 23&nbsp;% der Fall. Umgekehrt z&auml;hlt die Arbeitslosigkeit, die im EU-Durchschnitt bei 25&nbsp;% der Bev&ouml;lkerung zu den zwei dr&auml;ngendsten Problemen z&auml;hlt, in der polnischen Bev&ouml;lkerung nur bei 10&nbsp;% und in der ungarischen Bev&ouml;lkerung nur bei 14&nbsp;% zu den beiden dr&auml;ngendsten Problemen.<br />&nbsp;&nbsp;&nbsp; &bull; Bemerkenswert ist, dass zwei Fragen aus Sicht der Polen und der Ungarn mit deutlichem Abstand zur Einsch&auml;tzung im EU-Durchschnitt die wichtigsten Herausforderungen f&uuml;r die EU bilden: Fragen der Immigration (Ungarn: 56&nbsp;% &#8211; Polen: 45&nbsp;% &#8211; EU28: 38&nbsp;%) und des Terrorismus (Polen: 42&nbsp;% &#8211; Ungarn: 38&nbsp;% &#8211; EU28: 29&nbsp;%). Gerade letzteres &uuml;berrascht, da weder Polen noch Ungarn bislang Opfer terroristischer Attacken wurden. <br />&nbsp;&nbsp;&nbsp; &bull; W&auml;hrend sich im Durchschnitt der Bev&ouml;lkerung der EU-28 68&nbsp;% f&uuml;r eine gemeinsame Migrationspolitik aussprechen, sind es in Polen lediglich 51&nbsp;% und in Ungarn sogar nur 48&nbsp;% der Bev&ouml;lkerung.<br />&nbsp;&nbsp;&nbsp; &bull; Deutlicher noch sind die Reserven gegen&uuml;ber weiteren Vergemeinschaftungen im Bereich der Wirtschafts- und W&auml;hrungspolitik: w&auml;hrend sich im Durchschnitt der Bev&ouml;lkerung der EU-28 61&nbsp;% f&uuml;r eine europ&auml;ische Wirtschafts- und W&auml;hrungsunion mit einer gemeinsamen W&auml;hrung, dem Euro, aussprechen, sind es in Polen lediglich 34&nbsp;% der Bev&ouml;lkerung. Auch in Ungarn ist die Bev&ouml;lkerung mit lediglich 53&nbsp;% Zustimmung zu dieser Integrationsvertiefung deutlich kritischer als der EU-Durchschnitt eingestellt.</p>
<p>Damit k&ouml;nnen rechtspopulistische Kr&auml;fte in Polen und Ungarn auf breite Zustimmung zu einer Europa-Konzeption setzen, die sich deutlich vom Mainstream westeurop&auml;ischer integrationsfreundlicher Kr&auml;fte unterscheidet.</p>
<h2 class="auto-created">VI. Fremden- und juden&shy;feind&shy;liche Ressen&shy;ti&shy;ments als N&auml;hrboden rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;scher Erfolge</h2>
<p>Rechtspopulismus lebt von der Ausgrenzung von und Schuldzuweisung f&uuml;r wirtschaftliche und gesellschaftliche Fehlentwicklungen an Minderheiten. In Polen kann diese Strategie nicht zuletzt auch an eine jahrhundertealte antisemitische Traditionslinie ankn&uuml;pfen. Ungeachtet des Einsatzes von <i>Johannes Paul II.</i> gegen dieses fatale Erbe im katholischen Volksglauben[59] lebt es in Polen trotz des Fehlens eines relevanten j&uuml;dischen Bev&ouml;lkerungsanteils[60] fort,[61] ja es scheint sich sogar &ndash; auch im Verhalten zu sonstigen Minderheiten &#8211; zu verst&auml;rken: Eine Untersuchung des &#8222;Zentrums f&uuml;r das Studium von Vorurteilen&#8220; an der Universit&auml;t Warschau zeigt auf, dass binnen zwei Jahren nicht zuletzt antisemitische Hassreden zunehmend akzeptiert und im Internet und im polnischen Fernsehen immer popul&auml;rer werden.[62] Das Eindringen von Hassreden in die allgemeine &ouml;ffentliche Debatte, wie es auch in Ungarn zu beobachten ist, scheint die Ausgrenzung bestimmter sozialer Gruppen zu bef&ouml;rdern und gleichzeitig die Grundlagen einer demokratischen Zivilgesellschaft zu bedrohen. Die Desensibilisierung gegen&uuml;ber Fremden- und Minderheitenfeindlichkeit in der Adoleszenz bildet dabei einen problematischen Humus f&uuml;r die nachhaltige Akzeptanz ideologischer Versatzst&uuml;cke des Rechtspopulismus.[63] Der zunehmende Kontakt mit Anti-Einwanderer- und Anti-Fl&uuml;chtlinge-Hassrede bef&ouml;rdert zudem ein weiteres rechtspopulistisches Moment &ndash; die Unterst&uuml;tzung eines auf eine starke Exekutive ausgerichteten Staates unter allm&auml;hlicher Abschmelzung von <i>checks and balances</i>, nicht zuletzt in Form der rechtsstaatlichen B&auml;ndigung der Regierung.[64] Auf die gr&ouml;&szlig;te gesellschaftliche Verbreitung in Polen treffen negative oder beleidigende Aussagen gegen&uuml;ber Fl&uuml;chtlingen und Schwulen.[65] Wahrgenommene Bedrohungen und &Auml;ngste sind die Hauptursachen f&uuml;r die entsprechenden Vorurteile in der polnischen Bev&ouml;lkerung &ndash; wobei diese Bedrohungs&auml;ngste insbesondere im Internet als Raum der sozialen Enthemmung, zunehmend aber auch im regierungsseitig kontrollierten Fernsehen, aufgegriffen, best&auml;tigt und bef&ouml;rdert werden.[66] Allerdings berichten sowohl j&uuml;ngere als auch &auml;ltere Polen von einem deutlichen Anstieg der Kontakte mit hasserf&uuml;llten Aussagen in Bezug auf Juden, Muslime, Ukrainer und Schwarze auch beim &ndash; zunehmend regierungsseitig kontrollierten &ndash; Fernsehen.[67] So sind Polen z.B. zunehmend weniger bereit, Juden als Mitarbeiter, Nachbarn oder Familienmitglieder zu akzeptieren, obwohl mehr als 80&nbsp;% aller Polen noch nie einen Juden getroffen haben.[68] Dass Regierungsaktivit&auml;ten oder Aktivit&auml;ten der sie tragenden Parteien und Fraktionen, die die Bedeutung nationaler oder ethnischer Reinheit betonen oder die rassische, religi&ouml;se oder sonstige Minderheiten f&uuml;r Missst&auml;nde in der polnischen und ungarischen Gesellschaft verantwortlich machen, sehr schnell sehr gef&auml;hrlich werden k&ouml;nnen, ist nicht zuletzt aus der deutschen Vergangenheit, aber auch aus der Vergangenheit Polens und Ungarns in der Zwischenkriegszeit ein vertrautes Bild. <i>&#8222;Normen, die Minderheiten vor Angriffen sch&uuml;tzen und die viele Jahrzehnte brauchten, um geschaffen zu werden, k&ouml;nnen binnen k&uuml;rzester Zeit verschwinden, wenn zu wenige gewillt sind, sie zu verteidigen&#8220;</i>.[69]</p>
<h2 class="auto-created">VII.&nbsp; Ankn&uuml;p&shy;fungs&shy;punkte f&uuml;r eine Gegen&shy;stra&shy;tegie</h2>
<p>Die anti-aufkl&auml;rerische Grundlinie der Rechtspopulisten in Ungarn und Polen ruft nicht nur aus innereurop&auml;ischen Motiven nach einer Reaktion: Denn die EU kann die Werte der Solidarit&auml;t, der Menschenrechte, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit weltweit &ndash; beispielsweise in der T&uuml;rkei, in Russland oder China &ndash; nicht &uuml;berzeugend anpreisen, wenn sie selbst nicht dazu in der Lage ist, diese Werte im Haus der EU durchzusetzen.[70] Eine erfolgversprechende Gegenstrategie wird nicht zuletzt durch Br&uuml;che in gesamteurop&auml;ischen Traditionslinien erfolgreicher, aufkl&auml;rerisch inspirierter Politikgestaltung belastet. Die Linearit&auml;t des namentlich sozialdemokratischen Fortschrittsversprechens seit der Entwicklung der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert ist dabei nicht zuletzt durch einen Bruch mit Traditionslinien des Gerechtigkeits- und Solidarit&auml;tsprojekts dieser Bewegung bedroht. Was in Deutschland mit Blick auf Umfragen droht, ist in Polen bzw. Ungarn bereits vollzogen: die Abl&ouml;sung der sozialdemokratischen Partei als Interessenvertretung klassischen sozialdemokratischen Milieus durch rechtspopulistische Kr&auml;fte in der W&auml;hlerInnengunst. Ebenso wenig wie es der DDR nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 dauerhaft gelang, mit Bert Brecht ein eigenes Volk zu begr&uuml;nden, wird es sozialdemokratischen Parteien in West wie Ost gelingen, eine eigene Anh&auml;ngerschaft zu etablieren, die in einem unter Wahl-Blickwinkel ausreichendem Umfang postmateriell und multikulturell orientiert ist. Die Suche nach einer Addition von kulturellen Minderheiten-Ansprachen als Ausgangspunkt f&uuml;r (relative) Wahl-Mehrheiten verspricht nirgendwo nachhaltigen Erfolg. Die staatlichen Bem&uuml;hungen, zivilgesellschaftliche Widerstandskraft gegen die rechtspopulistische Umformung des polnischen und ungarischen Gemeinwesens zu schw&auml;chen, sind bislang erkennbar nicht durchgehend erfolgreich. So ist z.B. die polnische Justizreform Gegenstand von nachhaltigen, wenn auch personell immer noch &uuml;berschaubaren Protesten in Polen. Kritik aus der EU an diesen Bem&uuml;hungen um eine &#8222;Vertikale der Macht&#8220; kann sich auf ein fortdauernd positives Image der EU st&uuml;tzen.[71] Es ist deshalb institutionelle wie zivilgesellschaftliche Fantasie und Kreativit&auml;t der und innerhalb der EU gefragt, um Polen wie Ungarn zu verdeutlichen, dass die Bem&uuml;hungen um eine &#8222;<i>EU &agrave; la carte</i>&#8220; &ndash; fortdauernde Sicherstellung &ouml;konomischer und finanzieller Vorteile aus der EU-Mitgliedschaft bei Negierung und Aush&ouml;hlung der Grundwerte des Art. 2 EUV &ndash; ein zum Scheitern verurteilter Irrweg sind.[72]</p>
<p>Erfolgreiche Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen Polen und Ungarn k&ouml;nnen anti-populistische Kr&auml;fte in diesen Mitgliedstaaten im politischen Kampf gegen das Konzept der Rosinenpickerei st&auml;rken: So hat die Europ&auml;ische Kommission im Streit &uuml;ber die Umverteilung von Fl&uuml;chtlingen im Dezember 2017 beschlossen, Polen und Ungarn wie auch Tschechien vor dem Europ&auml;ischen Gerichtshof (EuGH) zu verklagen,[73] nachdem der EuGH zuvor im September 2017 deutlich die Rechtm&auml;&szlig;igkeit des Umverteilungsmechanismus bei der Bew&auml;ltigung der Fl&uuml;chtlingskrise betont hatte.[74] Allerdings w&auml;re es auch f&uuml;r die Eind&auml;mmung und Zur&uuml;ckdr&auml;ngung rechtspopulistischer Tendenzen in Polen und Ungarn vorteilhaft, wenn im europ&auml;ischen und im transnationalen Diskurs st&auml;rker als bislang anerkannt w&uuml;rde, dass viele Menschen ungeachtet abstrakter Wachstumsraten wirklich zu k&auml;mpfen haben und dass einige der Vorw&uuml;rfe gegen die sp&auml;testens seit den 1990er Jahren feststellbaren Akzentverschiebungen im und Abschiede vom klassischen Modell sozialstaatlich geb&auml;ndigter Marktwirtschaft durchaus gerechtfertigt sind. Nur wer auch im transnationalen Dialog bereit ist, die Gef&auml;hrdungen durch Globalisierung und europ&auml;ische Integration ebenso in den Blick zu nehmen wie deren Chancen, d&uuml;rfte f&auml;hig sein, in f&uuml;r rechtspopulistische Parolen offenen gesellschaftlichen Milieus Geh&ouml;r zu finden.[75] Dazu z&auml;hlt, sich rechtspopulistischer Themen wie insbesondere dem Streben nach innerer, sozialer und kultureller Sicherheit mit eigenen Antworten anzunehmen.[76] Zu einer solchen Re-Politisierung geh&ouml;rt auch der &ouml;ffentliche Diskurs nicht nur &uuml;ber das &#8222;wie&#8220;, sondern auch &uuml;ber das &#8222;ob&#8220; einer vertieften europ&auml;ischen Integration. Auch in Polen und Ungarn erscheint ein solcher Wettbewerb zwischen integrations- und globalisierungsfreundlichen &#8222;Kosmopoliten&#8220; und nationalstaatsorientierten &#8222;Kommunitaristen&#8220;[77] mit Blick auf eine Durchbrechung rechtspopulistischer Filterblasen hilfreich.[78] Denn dem rechtspopulistischen Euroskeptizismus d&uuml;rfte man mit einer europapolitischen TINA-Strategie[79] kaum erfolgversprechend begegnen k&ouml;nnen.[80]</p>
<p>Um ihrer Verantwortung als H&uuml;ter des Gemeinwohls gerecht zu werden, m&uuml;ssen nicht zuletzt die kulturellen und politischen Anh&auml;ngerInnen einer auf ein f&ouml;derales, staatsrechtlich verdichtetes Europa ausgerichteten Europa-Konzeption transnationale Formate und Formeln finden, um bei unterschiedlichen Bev&ouml;lkerungsgruppen &#8211; einschlie&szlig;lich der bisherigen Anh&auml;nger rechtspopulistischer Bewegungen in Polen und Ungarn &ndash; so schwer dies auch sein mag, mehr konstruktives Engagement zu erreichen.[81] In diesen Diskursen, die die weitere Entwicklung einer europ&auml;ischen &Ouml;ffentlichkeit bef&ouml;rdern k&ouml;nnten, sollte allerdings offen und offensiv bekannt werden, dass das Bashing von Minderheiten weder unter dem Blickwinkel des gemeinsamen Wertefundaments noch unter dem Blickwinkel volkswirtschaftlicher Rationalit&auml;t eine &uuml;berzeugende Antwort auf die Krise des Wohlstandsversprechens f&uuml;r alle sein kann und ist.</p>
<p>Auch im Verh&auml;ltnis zu Polen und Ungarn verspricht unter normativen wie &ouml;konomischen Aspekten ein <i>Containment</i> des Rechtspopulismus um so eher zu gelingen, je nachhaltiger eine Politik auf nationaler polnischer und ungarischer Ebene eingefordert und auf EU-Ebene bef&ouml;rdert wird, die Wohlstand, wirtschaftliche und soziale Sicherheit und W&uuml;rde f&uuml;r alle gleichzeitig anstrebt und f&ouml;rdert.[82] Eine fortdauernde Mitgliedschaft rechtspopulistischer Parteien in demokratischen europ&auml;ischen Parteienfamilien gef&auml;hrdet einen solchen Politikansatz.[83] Auch in Polen und Ungarn muss k&uuml;nftig zudem der Eindruck vermittelt werden k&ouml;nnen, dass die Errungenschaften des demokratischen Sozialstaates nicht nur in nationalstaatlichen Strukturen, sondern auch im europ&auml;ischen Staatenverbund bewahr- und ausbaubar sind. Eine deutlichere Betonung sozialstaatlicher Errungenschaften &uuml;ber die EU wie z.B. der Lohngleichheit und Gleichbehandlung von M&auml;nnern und Frauen[84] sowie der Antidiskriminierungspolitik auch aus nicht geschlechtsbezogenen Gr&uuml;nden[85] k&ouml;nnte hierzu einen wichtigen, aber sicherlich keinen hinreichenden Beitrag leisten. Eine solche Politik verspricht um so mehr Erfolg, je mehr sie auch personell glaubw&uuml;rdig verk&ouml;rpert wird. Parteien, die in der Zusammensetzung ihrer F&uuml;hrungsschicht[86] wie auch in deren Auftreten elit&auml;r wirken, haben weder diesseits noch jenseits der Grenzen eine realistische Chance, massenkompatibel zu bleiben oder wieder zu werden. Es bedarf deshalb in Polen wie Ungarn Kandidaten, die f&auml;hig sind, den Polen und den Ungarn jeweils eine alternative &#8222;politische Erz&auml;hlung&#8220; zu der von <i>Kaczynski</i> bzw. <i>Orb&aacute;n</i> mit einer neue Vision vom &#8222;guten Leben&#8220; in diesen Staaten anzubieten.[87] Parallelen zur Situation in Deutschland sind insoweit kaum &uuml;bersehbar.</p>
<p><b>DR. J&Ouml;RG UKROW</b><i>&nbsp;&nbsp; war viele Jahre lang Rundfunkreferent in der Saarl&auml;ndischen Staatskanzlei sowie als Lehrbeauftragter am Europa-Institut, Sektion Rechtswissenschaft, t&auml;tig. Seit 2003 ist er stellvertretender Direktor der Landesmedienanstalt Saarland (LMS) sowie seit 2017 gesch&auml;ftsf&uuml;hrendes Vorstandsmitglied des Instituts f&uuml;r Europ&auml;isches Medienrecht (EMR).</i></p>
<h2 class="auto-created">Anmerkungen:</h2>
<p>* Der Beitrag ist in Liebe und Dankbarkeit meinem verstorbenen Vater Siegfried Ukrow gewidmet.</p>
<p>1 Der Begriff geht auf <i>Gennadi Gerassimow</i>, den damaligen Pressesprecher des sowjetischen Au&szlig;enministers <i>Eduard Schewardnadse</i> zur&uuml;ck, der am 25. Oktober 1989 w&auml;hrend eines Besuchs in Helsinki gegen&uuml;ber Journalisten ausf&uuml;hrte: &#8222;You know the Frank Sinatra song, I Did It My Way? Poland and Hungary are now doing it their way. I think the &#8218;Brezhnev Doctrine&#8216; is dead. We now have the Sinatra Doctrine.&#8220; Vgl. <i>Gaddis</i>, The Cold War, 2005, S. 247 f.</p>
<p>2 Vgl. z.B. <i>Hofmann</i>, Polen und Deutsche, 2011, S. 291 ff.; <i>R&ouml;dder</i>, Deutschland einig Vaterland, 2009, S. 50 ff.</p>
<p>3 Bulletin, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Nr. 137 v. 24.11.1990, S. 1409 ff.</p>
<p>4 Nach Art. 2 EUV sind <i>&#8222;(d)ie Werte, auf die sich die Union gr&uuml;ndet, &#8230; die Achtung der Menschenw&uuml;rde,Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschlie&szlig;lich der Rechte der Personen, die Minderheiten angeh&ouml;ren. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarit&auml;t und die Gleichheit von Frauen und M&auml;nnern auszeichnet.&#8220;</i></p>
<p>5 Vgl. <i>Vetter</i>, Nationalismus im Osten Europas, 2017, S. 55 f.; <i>Pilawski/Politt</i>, Polens Rolle r&uuml;ckw&auml;rts, 2016, S. 73 ff.</p>
<p>6 Vgl. <i>Koenen</i>, Feinde, &uuml;berall Feinde. Die Welt, wie sie Viktor Orb&aacute;n sieht, in: Quo vadis, Hungaria? Kritik der ungarischen Vernunft, 2011 [= OSTEUROPA, 12/2011], S. 105 ff.; <i>T&oacute;th</i>, Macht statt Recht.<br />Deformation des Verfassungssystems in Ungarn, OSTEUROPA, 63. Jg., 4/2013, 21 (24)</p>
<p>7 Vgl. <i>Schmitt</i>, Der Begriff des Politischen, 1932; <i>ders</i>., Legalit&auml;t und Legitimit&auml;t, 1932; hierzu z.B. <i>Mehring</i>, Carl Schmitt, 2009, S. 247 ff.</p>
<p>8 Vgl. <i>Kurski</i>, Dampfwolke des Absurden, 22.03.2017(<a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/polen-dampfwolke-des-absurden-1.3428064" target="_blank" rel="noopener">https://www.sueddeutsche.de/politik/polen-dampfwolke-des-absurden-1.3428064</a>).</p>
<p>9 Vgl. <i>Bachmann</i>, Zur Entwicklung der polnischen Demokratie, APuZ 10-11/2018, 9 (9)</p>
<p>10 Vgl. <a href="http://badaniawyborcze.pl/" target="_blank" rel="noopener">http://badaniawyborcze.pl/</a>; <a href="https://dorzeczy.pl/kraj/69120/Sondaz-dla-DoRzeczypl-PiSznow" target="_blank" rel="noopener">https://dorzeczy.pl/kraj/69120/Sondaz-dla-DoRzeczypl-PiSznow</a>&#8211;<br />zyskuje-Nowoczesna-wraca-do-Sejmu.html</p>
<p>11 Zu diesen geschichtspolitischen, vielfach mythenumrankten Determinanten des <i>PiS</i>-Erfolgs z&auml;hlen nicht zuletzt der Kampf um die Deutungshoheit &uuml;ber die Jahre des &Uuml;bergangs von volksdemokratischer<br />Diktatur zu Demokratie in Polen sowie die Legendenbildung um den Flugzeugabsturz von Smolensk 2010, bei dem der damalige Staatspr&auml;sident und Bruder des PiS-Vorsitzenden ums Leben<br />kam; vgl. hierzu z.B. <i>Kerski</i>, Polnische Widerspr&uuml;che, europ&auml;ische Widerspiegelungen: Was uns trennt, verbindet uns, APuZ 10-11/2018, 4 (4); <i>Michalski</i>, Der Mythos in der polnischen Politik nach 1989, 2017 (<a href="http://www.laender-analysen.de/polen/pdf/PolenAnalysen210.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://www.laender-analysen.de/polen/pdf/PolenAnalysen210.pdf</a>, S. 2 ff.)</p>
<p>12 Vgl. <i>Kaluza</i>, Stolz auf Polen. Das Ringen um das patriotische Narrativ in Polens Kulturpolitik nach 2015, 2018 (<a href="http://www.laender-analysen.de/polen/pdf/PolenAnalysen219.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://www.laender-analysen.de/polen/pdf/PolenAnalysen219.pdf</a>, S. 2 ff.)</p>
<p>13 Vgl. <i>Kerski</i>, Polnische Widerspr&uuml;che, europ&auml;ische Widerspiegelungen: Was uns trennt, verbindet uns, APuZ 10-11/2018, 4 (5).</p>
<p>14 Vgl. Gdula/D bska/Trepka, Dobra zmiana w Miastku. Neoautorytaryzm w polskiej polityce z perspektywy malego miasta, 2017; Sutowski, &#8222;Guter Wandel&#8220; zum &#8222;neuen Autoritarismus&#8220; &#8211; und wie<br />weiter?, APuZ 10-11/2018, S. 15 ff.</p>
<p>15 Die sozialdemokratische <i>Magyar Szocialista P&aacute;rt </i>(MSZP) verlor mit 13,66 % mehr als die H&auml;lfte ihrer Listen-Stimmen und ihre Stellung als zweitst&auml;rkste Partei mit nur noch 11,91 % der Stimmen und 20 Parlamentssitzen. Die sozialliberale <i>Demokratikus Koal&iacute;ci&oacute; </i>(DK), die sich 2011 vom MSZP abgespaltet hat, errang mit 5,37 % Listen-Stimmanteil 9 Mandate. Die gr&uuml;ne <i>Lehet M&aacute;s a Politika </i>(LMP) errang mit 7,06 % der Listen-Stimmen 8 Mandate. Vgl. zum Ganzen <a href="http://www.valasztas.hu/dyn/pv18/szavossz/hu/orszlist.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.valasztas.hu/dyn/pv18/szavossz/hu/orszlist.html</a>, <a href="http://www.valasztas.hu/dyn/pv18/szavossz/hu/l22.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.valasztas.hu/dyn/pv18/szavossz/hu/l22.html</a> sowie<br />Gdula/Debska/Trepka, Dobra zmiana w Miastku. Neoautorytaryzm w polskiej polityce z perspektywy malego miasta, 2017; Sutowski, &#8222;Guter Wandel&#8220; zum &#8222;neuen Autoritarismus&#8220; &#8211; und wie weiter?, APuZ 10-11/2018, S. 15 ff.</p>
<p>16 Vgl. z.B. ein Interview der Bertelsmann-Stiftung mit <i>Viviane Reding</i>, MdEP, fr&uuml;here EU-Kommissarin f&uuml;r Justiz, Grundrechte und B&uuml;rgerschaft, <a href="http://www.bertelsmann-stiftung.de/layer/themen/" target="_blank" rel="noopener">http://www.bertelsmann-stiftung.de/layer/themen/</a><br />aktuelle-meldungen/2017/september/rechtsstaat-in-polen-und-ungarn-unter-beschuss-unseregrundwerte-werden-angegriffen/.</p>
<p>17 S. <a href="https://www.osce.org/odihr/elections/hungary/377410?download=true" target="_blank" rel="noopener">https://www.osce.org/odihr/elections/hungary/377410?download=true</a>.</p>
<p>18 Der <i>Gini</i>-Koeffizient (auch <i>Gini</i>-Index) ist ein statistisches Ma&szlig; zur Darstellung von Ungleichverteilungen (vorliegend) im Einkommen. entwickelt wurde. Er bewegt sich zwischen einem Wert von 0 (bei einer gleichm&auml;&szlig;igen Verteilung) und 1 (wenn nur eine Person das komplette Einkommen erh&auml;lt, d.h. bei maximaler Ungleichverteilung); vgl. <i>Atkinson</i>, Ungleichheit, 2015, S. 27 ff.</p>
<p>19 Zu diesen und den folgenden Werten vgl. <a href="https://www.compareyourcountry.org/inequality?lg=de" target="_blank" rel="noopener">https://www.compareyourcountry.org/inequality?lg=de</a></p>
<p>20 Ber&uuml;cksichtigt wird hier der Anteil der Bev&ouml;lkerung mit weniger als 50 % des mittleren Einkommens (Median) im jeweiligen Land.</p>
<p>21 Vgl. <a href="https://www.compareyourcountry.org/inequality?lg=de" target="_blank" rel="noopener">https://www.compareyourcountry.org/inequality?lg=de</a>; OECD, Divided We Stand, 2011, S. 22(<a href="http://www.oecd.org/els/soc/49499779.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://www.oecd.org/els/soc/49499779.pdf</a>)</p>
<p>22 Vgl. <i>Duss</i>, &raquo;Trump sieht die Welt als Nullsummenspiel&laquo;, FES Info 1/2018, 6</p>
<p>23 Vgl. <i>Stadler</i>, BayernLB-Research &#8211; L&auml;nderanalyse Ungarn, 16.12.2016 (<a href="https://www.internationalesgeschaeft.de/SK-Passau/download/laenderinformationen/Laenderinformation_Ungarn.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://www.internationalesgeschaeft.de/SK-Passau/download/laenderinformationen/Laenderinformation_Ungarn.pdf</a>)</p>
<p>24 Vgl. <i>Menge</i>, W&uuml;tende wei&szlig;e Frauen? &Uuml;ber das weibliche Gesicht des Rechtspopulismus in Europa, FES Info 1/2018, 8 (9).</p>
<p>25 Vgl. <i>Mommsen</i>, Putins &#8222;gelenkte Demokratie&#8220;: &#8222;Vertikale der Macht&#8220; statt Gewaltenteilung, in: Buhbe/Gorzka (Hrsg.), Russland heute, 2007, S. 235 ff.</p>
<p>26 Vgl. z.B. <i>Kurylo</i>, Russia and Carl Schmitt: the hybridity of resistance in the globalised world, 2016(<a href="https://www.nature.com/articles/palcomms201696.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://www.nature.com/articles/palcomms201696.pdf</a>); <i>Lewis</i>, Carl Schmitt in Moscow: Counter-Revolutionary Ideology and the Putinist State, 2017, S. 13 ff. (<a href="http://www.laender-analysen/" target="_blank" rel="noopener">http://www.laender-analysen</a>.<br />de/russland/rad/pdf/Russian_Analytical_Digest_211.pdf).</p>
<p>27 Vgl. <i>Kr&ouml;kel</i>, Rechtspopulismus in Polen: Kaczynskis Kampf gegen angebliche postkommunistische Eliten, 6.1.2017 (<a href="http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtspopulismus/239926/rechtspopulismus-in-polen" target="_blank" rel="noopener">http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtspopulismus/239926/rechtspopulismus-in-polen</a>)</p>
<p>28 Zu den herrschaftsstabilisierenden Ma&szlig;nahmen der PiS geh&ouml;rten neben der Eingrenzung unabh&auml;ngiger Gewalten auf der zentralen Staatsebene nicht zuletzt auch eine Re-Zentralisierung der Herrschaft in Polen sowie M&ouml;glichkeiten der Einwirkungen auf die Freiheit und Gleichheit der Wahl durch die Zusammensetzung der Wahlkommission, die &uuml;ber die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Wahlen wacht; vgl. Bachmann, Zur Entwicklung der polnischen Demokratie, APuZ 10-11/2018, 9 (11 f.).</p>
<p>29 Vgl. hierzu und zum Folgenden <i>Doering</i>, Demontierte Justiz, 18.07.2017 (<a href="https://www.freiheit.org/demontierte-justiz" target="_blank" rel="noopener">https://www.freiheit.org/demontierte-justiz</a>); <i>Machinska</i>, Das polnische Justizwesen, Polen-Analysen Nr. 204, 2017, 2 (42ff.)</p>
<p>30 Ustawa z dnia 19 listopada 2015 r. o zmianie ustawy o Trybunale Konstytucyjnym, abrufbar &uuml;ber <a href="http://dziennikustaw.gov.pl/du/2015/1928/1" target="_blank" rel="noopener">http://dziennikustaw.gov.pl/du/2015/1928/1</a></p>
<p>31 Vgl. die die &Auml;nderungen des Gesetzes &uuml;ber den Verfassungsgerichtshof betreffenden Entscheidungen des Verfassungsgerichtshofs vom 3. und 9. Dezember 2015, <a href="http://trybunal.gov.pl/en/hearings/judgments/art/8748-ustawa-o-trybunale-konstytucyjnym/" target="_blank" rel="noopener">http://trybunal.gov.pl/en/hearings/judgments/art/8748-ustawa-o-trybunale-konstytucyjnym/</a> sowie <a href="http://trybunal.gov.pl/en/hearings/judgments/art/8792-nowelizacja-ustawy-o-trybunale-konstytucyjnym/" target="_blank" rel="noopener">http://trybunal.gov.pl/en/hearings/judgments/art/8792-nowelizacja-ustawy-o-trybunale-konstytucyjnym/</a>.</p>
<p>32 Zum Verlauf dieses Dialogs vgl. European Commission &#8211; Fact Sheet &#8211; Commission action on the Rule of Law in Poland: Questions &amp; Answers, 20.12.2017 (<a href="http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO" target="_blank" rel="noopener">http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO</a>&#8211;<br />17-5368_en.htm).</p>
<p>33 Empfehlung (EU) 2016/1374 der Kommission v. 27.7.2016 zur Rechtsstaatlichkeit in Polen (ABl. EU 2016 L 217/53); Empfehlung (EU) 2017/146 v. 21.12.2016 (ABl. EU 2017 L 22/65), Empfehlung (EU)<br />2017/1520 v. 26.7.2017 (ABl. EU 2017 L 228/19) und Empfehlung (EU) 2018/103 v. 20.12.2017 (ABl. EU 2018 L 17/50). Diese Empfehlungen betrafen u.a. die vollst&auml;ndige Vollstreckung der Urteile des Verfassungstribunals in Bezug auf die Richterwahlen, die Bekanntmachung und vollst&auml;ndige Vollstreckung der Urteile des Verfassungstribunals sowie die Garantie der automatischen Bekanntmachung zuk&uuml;nftiger Urteile, unabh&auml;ngig von den Entscheidungen der Exekutive oder Legislative, die Garantie der &Uuml;bereinstimmung aller Gesetzesnovellen zum Verfassungstribunal mit den Urteilen dieses Verfassungsgerichts sowie das Unterlassen von T&auml;tigkeiten und &ouml;ffentlichen Aussagen, die die Legitimierung und das wirksame Handeln des Verfassungstribunals untergraben k&ouml;nnten.</p>
<p>34 Vgl. hierzu und zum Folgenden <i>Machinska</i>, Das polnische Justizwesen, Polen-Analysen Nr. 204, 2017, 2 (4 ff.). Der polnische Premierminister <i>Morawiecki </i>erkl&auml;rte am 4. Juli 2018 vor dem Europ&auml;ischen Parlament, Polen verbitte sich Belehrungen zu Struktur und Arbeitsweise seines Justizwesens. Dies sei eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes. Schlie&szlig;lich r&auml;ume man doch mit dem kommunistischen Erbe innerhalb der Richter-&#8222;Kaste&#8220; auf; vgl. <a href="http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+CRE+20180704+ITEM-004+DOC+XML+V0//" target="_blank" rel="noopener">http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+CRE+20180704+ITEM-004+DOC+XML+V0//</a><br />DE; <a href="https://www.dw.com/de/polen-will-ein-anderes-europa/a-44525873" target="_blank" rel="noopener">https://www.dw.com/de/polen-will-ein-anderes-europa/a-44525873</a>.</p>
<p>35 <i>Venice Commission</i>, Opinion on amendments to the Act of 25 June 2015 on the Constitutional Tribunal of Poland, adopted by the Venice Commission at its 106th Plenary Session (Venice, 11-12 March 2016), CDL-AD(2016)001-e (<a href="http://www.venice.coe.int/webforms/documents/?pdf=CDL-AD(2016" target="_blank" rel="noopener">http://www.venice.coe.int/webforms/documents/?pdf=CDL-AD(2016</a>)<br />001-e). Nicht nur die Europ&auml;ische Kommission und die Venedig-Kommission des Europarates, sondern u.a. auch der Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen, die Organisation f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der Menschenrechtskommissar des Europarats sowie Vertreter der Justiz aus ganz Europa (darunter das Netz der Pr&auml;sidenten der obersten Gerichtsh&ouml;fe der Europ&auml;ischen Union und das Europ&auml;ische Netz der R&auml;te f&uuml;r das Justizwesen) kritisierten die polnischen Justizreformen; vgl. <a href="http://europa.eu/rapid/press-release_IP-17-5367_de.htm" target="_blank" rel="noopener">http://europa.eu/rapid/press-release_IP-17-5367_de.htm</a>.</p>
<p>36 Vgl. hierzu und zum Folgenden <i>Machinska</i>, Das polnische Justizwesen, Polen-Analysen Nr. 204, 2017, 2 (4 ff.)</p>
<p>37 Vgl. <i>Venice Commission</i>, Poland &#8211; Opinion on the Draft Act amending the Act on the National Council of the Judiciary; on the Draft Act amending the Act on the Supreme Court, proposed by the Presi &#8211;<br />dent of Poland, and on the Act on the Organisation of Ordinary Courts, adopted by the Commission at its 113th Plenary Session (Venice, 8-9 December 2017), CDL-AD(2017)031-e (<a href="http://www.venice.coe.int/webforms/documents/?pdf=CDL-AD(2017)031-e" target="_blank" rel="noopener">http://www.venice.coe.int/webforms/documents/?pdf=CDL-AD(2017)031-e</a>)</p>
<p>38 Am 20. Dezember 2017 beschloss die Europ&auml;ische Kommission, das Vertragsverletzungsverfahren gegen Polen wegen Versto&szlig;es gegen EU-Recht durch das Gesetz &uuml;ber die ordentlichen Gerichte in die n&auml;chste Phase &uuml;berzuleiten und vor dem Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union Klage gegen Polen zu erheben. Vgl. &#8222;Rechtsstaat in Polen bedroht: EU-Kommission l&ouml;st Artikel 7-Verfahren aus&#8220;, <a href="https://ec.europa.eu/germany/news/20171220-polen_de" target="_blank" rel="noopener">https://ec.europa.eu/germany/news/20171220-polen_de</a></p>
<p>39 Auch die Vereinbarkeit der Novelle mit Art. 180 Abs. 1 und Art. 183 Abs. 3 der polnischen Verfassung ist h&ouml;chst fraglich: Nach der erstgenannten Verfassungsnorm sind die polnischen Richter unabsetzbar, nach der zweitgenannten Norm wird der Erste Pr&auml;sident des Obersten Gericht vom Pr&auml;sidenten der Republik Polen f&uuml;r eine 6-j&auml;hrige Amtszeit berufen.</p>
<p>40 Diese Einrichtung ist nach Art. 186 Abs. 1 der polnischen Verfassung berufen, die Unabh&auml;ngigkeit der Gerichte und der Richter zu sch&uuml;tzen. Soweit Normativakte die Unabh&auml;ngigkeit der Gerichte und der Richter ber&uuml;hren, kann der Rat nach Art. 186 Abs. 2 der Verfassung beim Verfassungstribunal die &Uuml;berpr&uuml;fung ihrer Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit beantragen.</p>
<p>41 Dieser sah zun&auml;chst eine Wahl mit einfacher Mehrheit vor.</p>
<p>42 Der zust&auml;ndige Sejm-Ausschuss legt nunmehr eine Liste aus 15 Kandidaten fest. Sollte bei der anschlie&szlig;enden Wahl im Sejm keine qualifizierte Dreif&uuml;nftel-Mehrheit erreicht werden, erfolgt die Wahl mit absoluter Mehrheit.</p>
<p>43 Auch die Novelle des Gesetzes &uuml;ber die Nationale Hochschule f&uuml;r Gerichtsbarkeit und Staatsanwaltschaft begegnet rechtsstaatlichen Bedenken. Der KRS stellte fest, dass die vorgeschlagenen<br />Neuerungen &#8222;nicht der St&auml;rkung der Garantie des Rechts auf ein faires Verfahren, sondern allein der Erweiterung der Befugnisse des Justizministers in Bezug auf das Funktionieren des allgemeinen<br />Gerichtswesens dienen&#8220;. Auch laut Gutachten der Europ&auml;ischen Kommission wird die durch die Novelle bef&ouml;rderte Abh&auml;ngigkeit der Gerichtsassessoren vom Justizminister negativen Einfluss auf Unabh&auml;ngigkeit und Effizienz des Gerichtswesens haben.</p>
<p>44 Vgl. hierzu und zum Folgenden <i>Gasior/Wnuk</i>, Poland: tracking the shrinking space for press and media freedom, 20.3.2018 (<a href="https://ecpmf.eu/news/threats/poland-tracking-the-shrinking-spacefor-press-freedom" target="_blank" rel="noopener">https://ecpmf.eu/news/threats/poland-tracking-the-shrinking-spacefor-press-freedom</a>); <i>Hassel</i>, Polens Regierung will Fernsehsender kontrollieren, 18.12.2017 (<a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/polen-polens-regierung-will-fernsehsender-kontrollieren-1.3795562" target="_blank" rel="noopener">https://www.sueddeutsche.de/politik/polen-polens-regierung-will-fernsehsender-kontrollieren-1.3795562</a>) sowie <a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/polen/" target="_blank" rel="noopener">https://www.reporter-ohne-grenzen.de/polen/.</a></p>
<p>45 Vgl. <a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/polen/alle-meldungen/meldung/immer-mehr-hetzegegen-journalisten-in-europa/" target="_blank" rel="noopener">https://www.reporter-ohne-grenzen.de/polen/alle-meldungen/meldung/immer-mehr-hetzegegen-journalisten-in-europa/</a>.</p>
<p>46 Dessen Abendnachrichten &#8222;Fakty&#8220; sind die mit Abstand meistgesehene Nachrichtensendung Polens. Auch im Internet ist die TVN24-Seite eins der popul&auml;rsten Angebote.</p>
<p>47 In einer konzertierten Aktion wurde daraufhin die Regulierungsbeh&ouml;rde mit 12.000 Antr&auml;gen auf Lizenzentzug &uuml;bersch&uuml;ttet.</p>
<p>48 Vgl. hierzu und zum Folgenden <i>Jakab/Sonnevend</i>, Kontinuit&auml;t mit M&auml;ngeln: Das neue ungarische Grundgesetz, Za&ouml;RV 72 (2012), 79 (79 f., 83 ff., 93 ff.)</p>
<p>49 Nach dem Grundgesetz werden u.a. der Schutz der Familie (Art. L Abs. (3) GG), die Anforderungen an die Bewahrung und den Schutz des nationalen Verm&ouml;gens und an die verantwortliche Bewirtschaftung des nationalen Verm&ouml;gens sowie die Bestimmung des ausschlie&szlig;lichen Eigentums des Staates und seiner ausschlie&szlig;lichen wirtschaftlichen T&auml;tigkeit und die Beschr&auml;nkungen und Voraussetzungen zur Ver&auml;u&szlig;erung nationalen Verm&ouml;gens von aus volkswirtschaftlicher Sicht gesteigerter Bedeutung (Art. 38 GG), die grundlegenden Regeln der Tragung &ouml;ffentlicher Lasten und des Altersrentensystems (Art. 40 GG) sowie die detaillierten Regeln der T&auml;tigkeit des Haushaltsrats (Art. 44 Abs. 5 GG), der seinerseits einer &uuml;ber die laufende Legislaturperiode weit hinausreichenden faktischen Kontrolle durch die Fidesz zug&auml;nglich gemacht wurde, durch Kardinalgesetz geregelt.</p>
<p>50 <i>Reporter ohne Grenzen </i>bedauerte es vor diesem Hintergrund, <i>&#8222;dass die Europ&auml;ische Kommission die Angriffe der polnischen Regierung auf die Medienfreiheit ignoriert und das Strafverfahren nur mit Gefahren f&uuml;r<br />die Unabh&auml;ngigkeit der Justiz begr&uuml;ndet. Die st&auml;ndigen Angriffe der polnischen Regierung auf die Pressefreiheit und die Unabh&auml;ngigkeit der Medien d&uuml;rfen nicht folgenlos bleiben&#8220;</i>, <a href="https://www.reporter-ohnegrenzen.de/polen/alle-meldungen/meldung/eu-ignoriert-angriffe-auf-die-medienfreiheit/" target="_blank" rel="noopener">https://www.reporter-ohnegrenzen.de/polen/alle-meldungen/meldung/eu-ignoriert-angriffe-auf-die-medienfreiheit/</a>.</p>
<p>51 Vgl. Vorschlag f&uuml;r einen Beschluss des Rates zur Feststellung der eindeutigen Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung der Rechtsstaatlichkeit durch die Republik Polen, COM (2017) 835<br />(<a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=COM:2017:0835:FIN" target="_blank" rel="noopener">https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=COM:2017:0835:FIN</a>) Nach Artikel 7 Abs. 1 EUV kann der Rat mit der Mehrheit von vier F&uuml;nfteln seiner Mitglieder feststellen, dass die eindeutige Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung der in Artikel 2 EUV verankerten gemeinsamen Werte durch einen Mitgliedstaat besteht. Im Ergebnis dieses Verfahrens k&ouml;nnen letztlich die<br />Stimmrechte dieses Mitgliedstaates im Rat ausgesetzt werden.</p>
<p>52 <a href="http://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20180226IPR98615/rechtsstaatlichkeit-inpolen-parlament-will-eu-massnahmen-unterstutzen" target="_blank" rel="noopener">http://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20180226IPR98615/rechtsstaatlichkeit-inpolen-parlament-will-eu-massnahmen-unterstutzen</a></p>
<p>53 Ob damit die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit der abgegebenen Stimmen erreicht wurde, ist mit Blick auf die Behandlung der Stimmenthaltungen umstritten.</p>
<p>54 <a href="http://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20180906IPR12104/rechtsstaatlichkeit-inungarn" target="_blank" rel="noopener">http://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20180906IPR12104/rechtsstaatlichkeit-inungarn</a>&#8211;<br />parlament-fordert-rat-zum-handeln-auf</p>
<p>55 <i>Kurski</i>, Dampfwolke des Absurden, 22.03.2017(<a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/polendampfwolke" target="_blank" rel="noopener">https://www.sueddeutsche.de/politik/polendampfwolke</a>&#8211;<br />des-absurden-1.3428064).</p>
<p>56 Zur Einordnung des Einstimmigkeitserfordernisses vgl. auch <i>Tr&auml;bert</i>, Sanktionen der Europ&auml;ischen Union gegen ihre Mitgliedstaaten, 2010, S. 361 ff.</p>
<p>57 Zu diesem Ansatz vgl. <i>Scheppele</i>, Can Poland be Sanctioned by the EU? Not Unless Hungary is Sanctioned Too, 2016 (<a href="https://verfassungsblog.de/can-poland-be-sanctioned-by-the-eu-not-unlesshungary-is-sanctioned-too/" target="_blank" rel="noopener">https://verfassungsblog.de/can-poland-be-sanctioned-by-the-eu-not-unlesshungary-is-sanctioned-too/</a>); <i>Thiele</i>, Art. 7 EUV im Quadrat? Zur M&ouml;glichkeit von Rechtsstaats-Verfahren gegen mehrere Mitgliedsstaaten, 2017 (<a href="https://verfassungsblog.de/art-7-euv-im-quadratzur-moeglichkeit-von-rechtsstaats-verfahren-gegen-mehrere-mitgliedsstaaten/" target="_blank" rel="noopener">https://verfassungsblog.de/art-7-euv-im-quadratzur-moeglichkeit-von-rechtsstaats-verfahren-gegen-mehrere-mitgliedsstaaten/</a>)</p>
<p>58 Vgl. f&uuml;r die nachfolgenden Angaben <i>European Commission</i>, Standard Eurobarometer 89. The key indicators. Hungary. Spring 2018, <a href="http://ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/index.cfm/" target="_blank" rel="noopener">http://ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/index.cfm/</a><br />ResultDoc/download/DocumentKy/83569; <i>European Commission</i>, Standard Eurobarometer 89. Thekey indicators. Poland. Spring 2018, <a href="http://ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/index" target="_blank" rel="noopener">http://ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/index</a>.<br />cfm/ResultDoc/download/DocumentKy/83579</p>
<p>59 Vgl. <i>Weigel</i>, Zeuge der Hoffnung, 2. Aufl. 2003, S. 868 ff.</p>
<p>60 Das organisierte j&uuml;dische Leben in Polen d&uuml;rfte auf ca. 10.000 Mitglieder j&uuml;discher Gemeinden gest&uuml;tzt sein &ndash; was nur 0,02 Prozent der polnischen Bev&ouml;lkerung entspricht; vgl. <a href="http://humanistische-union.de/https%3A/forward" target="_blank" rel="noopener">https://forward</a>.<br />com/news/world/360967/anti-semitism-spikes-in-poland-stoked-by-populist-surge-against-refugees/.</p>
<p>61 Beg&uuml;nstigt wird dies durch eine nationalistische Radikalisierung von Teilen der katholischen Kirche, insbesondere durch den wachsenden, seitens der Amtskirche vielfach unterst&uuml;tzten Einfluss von <i>Tadeusz Rydzyk</i>, dessen Medien einen enormen Einfluss auf viele Gl&auml;ubige haben. Vgl. hierzu <i>Kerski</i>, Polnische Widerspr&uuml;che, europ&auml;ische Widerspiegelungen: Was uns trennt, verbindet uns, APuZ 10-11/2018, 4 (4); <i>Mechtenberg</i>, Das Verh&auml;ltnis zwischen Kirche und Staat unter der PiS-Regierung, 2018 (<a href="http://www.laender-analysen.de/polen/pdf/PolenAnalysen213.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://www.laender-analysen.de/polen/pdf/PolenAnalysen213.pdf</a>, S. 2 ff.)</p>
<p>62 2016 gab die H&auml;lfte der jungen Polen zu, Hassreden zu benutzen. Vgl. <i>Winiewski, Hansen </i>et al., Mowa nienawissci, mowa pogardy. Raport z badania przemocy werbalnej wobec grup mniejszossciowych,<br />2017, S. 6(<a href="http://www.batory.org.pl/upload/files/pdf/MOWA_NIENAWISCI_MOWA_POGARDY_INTERNET" target="_blank" rel="noopener">http://www.batory.org.pl/upload/files/pdf/MOWA_NIENAWISCI_MOWA_POGARDY_INTERNET</a>.<br />pdf).</p>
<p>63 Vgl. a.a.O., S. 135</p>
<p>64 Vgl. a.a.O., S. 133</p>
<p>65 Vgl. a.a.O., S. 31 ff.</p>
<p>66 Vgl. a.a.O., S. 43 ff.</p>
<p>67 Vgl. a.a.O., S. 47 ff.</p>
<p>68 Mehr als die H&auml;lfte der Polen &ndash; fast 56 % &ndash; war 2016 nicht bereit, einen Juden als Familienmitglied zu akzeptieren &ndash; &uuml;ber 10 % mehr als in 2014. Ein Drittel der Polen (32,2 %) war 2016 nicht gewillt, einen Juden als Nachbarn akzeptieren (2014: 26,7 %). Und 15,1 % wollten 2016 einen Juden als Mitarbeiter nicht akzeptieren (2014: 10 %).</p>
<p>69 Duss, &raquo;Trump sieht die Welt als Nullsummenspiel&laquo;, FES Info 1/2018, 6</p>
<p>70 Vgl. hierzu auch ein Interview der Bertelsmann-Stiftung mit <i>Viviane Reding</i>, MdEP, fr&uuml;here EUKommissarin f&uuml;r Justiz, Grundrechte und B&uuml;rgerschaft, <a href="http://www.bertelsmann-stiftung.de/" target="_blank" rel="noopener">http://www.bertelsmann-stiftung.de/</a><br />layer/themen/aktuelle-meldungen/2017/september/rechtsstaat-in-polen-und-ungarn-unter-beschuss-unsere-grundwerte-werden-angegriffen/</p>
<p>71 Polen (positiv: 50 % &#8211; negativ: 12 %) haben ein deutlich besseres Bild von der EU als der Durchschnitt der Bev&ouml;lkerung der EU-28 (positiv: 40 % &#8211; negativ: 21 %). 80 % der polnischen Bev&ouml;lkerung<br />empfindet sich als europ&auml;ische B&uuml;rgerInnen &ndash; im Vergleich zu 70 % im Durchschnitt der EU-28. Polen empfinden die Vorteile der EU-Integration durchgehend intensiver als der Durchschnitt der<br />Bev&ouml;lkerung der EU-28 &ndash; nicht zuletzt im Zusammenhang mit den M&ouml;glichkeiten der Arbeitnehmerfreiz&uuml;gigkeit, von denen Polen zudem auch deutlich intensiver Gebrauch gemacht habe als der<br />Durchschnitt der Bev&ouml;lkerung der EU-28. In letzterem unterscheidet sich die Situation in Polen im &Uuml;brigen deutlich von der Situation in Ungarn: Hier liegt die Wahrnehmung pers&ouml;nlicher Vorteile aus der Freiz&uuml;gigkeit innerhalb der EU unterhalb der Durchschnittswerte in der EU-28; vgl. <i>European Commission</i>, Standard Eurobarometer 89. The key indicators. Hungary. Spring 2018, <a href="http://humanistische-union.de/http%3A/ec" target="_blank" rel="noopener">http://ec</a>.-<br />europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/index.cfm/ResultDoc/download/DocumentKy/83569;<br /><i>European Commission</i>, Standard Eurobarometer 89. The key indicators. Poland. Spring 2018,<br /><a href="http://ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/index.cfm/ResultDoc/download/Document" target="_blank" rel="noopener">http://ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/index.cfm/ResultDoc/download/Document</a><br />-Ky/83579</p>
<p>72 Die Europ&auml;ische Kommission hat bereits deutlich gemacht, dass k&uuml;nftig Strukturbeihilfen f&uuml;r Polen und andere Staaten daran gekn&uuml;pft werden k&ouml;nnten, ob die Empf&auml;ngerstaaten alle rechtsstaatlichen<br />Kriterien erf&uuml;llen. Auch diese Drohung mit dem Haushalt hat allerdings einen Haken: Polen m&uuml;sste dieser Regelung im Zuge der Haushaltsverhandlungen zustimmen, s. <a href="https://www.dw.com/de/europarat-r%FCgt-polen-erneut-wegen-justizreform/a-43183456" target="_blank" rel="noopener">https://www.dw.com/de/europarat-r&uuml;gt-polen-erneut-wegen-justizreform/a-43183456</a></p>
<p>73 <a href="https://ec.europa.eu/germany/news/20171207-vertragsverletzungen-kommission-verklagt-tschechische" target="_blank" rel="noopener">https://ec.europa.eu/germany/news/20171207-vertragsverletzungen-kommission-verklagt-tschechische</a>&#8211;<br />republik-ungarn-und-polen_de.</p>
<p>74 EuGH, Urteil vom 06.9.2017 in den verbundenen Rechtssachen C-643/15 und C-647/15, <i>Slowakei und Ungarn / Rat</i>, ECLI:EU:C:2017:631</p>
<p>75 Vgl. <i>H&ouml;pner</i>, Wacht endlich auf aus dem linksliberalen Schlaf!, 17.8.2018 (<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/gruende-fuer-die-sammlungsbewegung-aufstehen-der-linken-15741233.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/gruende-fuer-die-sammlungsbewegung-aufstehen-der-linken-15741233.html</a>)</p>
<p>76 Vgl. <i>Painter</i>, Der Irrweg der Zeigefinger-&Uuml;berzeuger. Gegen Populismus braucht es Argumente, keinen Moralismus, 14.4.2014 (<a href="https://www.ipg-journal.de/schwerpunkt-des-monats/populismus-ineuropa/artikel/detail/der-irrweg-der-zeigefinger-ueberzeuger-349/" target="_blank" rel="noopener">https://www.ipg-journal.de/schwerpunkt-des-monats/populismus-ineuropa/artikel/detail/der-irrweg-der-zeigefinger-ueberzeuger-349/</a>)</p>
<p>77 Vgl. zu diesen Kategorien <i>Hillebrand</i>, Zeit der Populisten? Die Frage nach der Rolle des Nationalstaats birgt reichlich Z&uuml;ndstoff, FES Info 1/2018, S. 3</p>
<p>78 Bestandteil eines solchen Wettbewerbs k&ouml;nnte auch die Frage sein, ob der Anwendungsbereich der Grundrechte-Charta der EU (einschlie&szlig;lich ihrer verfahrensrechtlichen Absicherungen) dahin erweitert wird, dass sie auch geltend gemacht werden kann, wenn die EU-Mitgliedstaaten nicht ausschlie&szlig;lich Recht der EU anwenden.</p>
<p>79 Abk. f&uuml;r &#8222;There is no alternative&#8220;.</p>
<p>80 Vgl. <i>Gerrits</i>, Populismus in Europa. Weshalb die praktizierte Entpolitisierung der europ&auml;ischen Integration den Populisten in die H&auml;nde spielt, 7.4.2014 (<a href="https://www.ipg-journal.de/schwerpunktdes" target="_blank" rel="noopener">https://www.ipg-journal.de/schwerpunktdes</a>&#8211;<br />monats/populismus-in-europa/artikel/detail/populismus-in-europa-338/)</p>
<p>81 Vgl. <i>Anheier</i>, Wie man mit Populisten streitet, 19.7.2018 (<a href="https://www.project-syndicate.org/commentary/political-polarization-debate-populists-1968-by-helmut-k--anheier-2018-07/german" target="_blank" rel="noopener">https://www.project-syndicate.org/commentary/political-polarization-debate-populists-1968-by-helmut-k&#8211;anheier-2018-07/german</a>)</p>
<p>82 Vgl. <i>Hillebrand</i>, Die populistische Herausforderung &ndash; Eine Einf&uuml;hrung, in: ders. (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa. Gefahr f&uuml;r die Demokratie?, 2015, 7 (10 f.).</p>
<p>83 Vgl. kritisch j&uuml;ngst auch <i>Roth/Naidoo</i>, Wo stehen Europas Christdemokraten?, FAZ v. 7.9.2018, S. 8 sowie bereits <i>Ukrow</i>, W&auml;chst Europa an seinen rechtspopulistischen Feinden?, vorg&auml;nge Nr. 216<br />(2016), 47 (51).</p>
<p>84 Vgl. <i>Epiney/Freiermuth </i>Abt, Das Recht der Gleichstellung von Mann und Frau in der EU, 2003; <i>Langenfeld</i>, Die Gleichbehandlung von Mann und Frau im Europ&auml;ischen Gemeinschaftsrecht, 1990.</p>
<p>85 Vgl. Agentur der EU f&uuml;r Grundrechte (FRA)/Europ&auml;ischer Gerichtshof f&uuml;r Menschenrechte/Europarat, Handbook on European non-discrimination law, 2. Aufl. 2018 (abrufbar &uuml;ber <a href="http://fra.europa.eu/en/publication/2018/handbook-european-law-non-discrimination" target="_blank" rel="noopener">http://fra.europa.eu/en/publication/2018/handbook-european-law-non-discrimination</a>)</p>
<p>86 Vgl. zur Problemlage <i>Hartmann</i>, Die Abgehobenen, 2018; <i>Walter</i>, Libert&auml;rer Schein der Lifestyle-Linken, DER SPIEGEL 26/23.6.2018, 38 (39).</p>
<p>87 Vgl. <i>Gdula</i>, Nowy Autorytaryzm, 2018; <i>Sutowski</i>, &#8222;Guter Wandel&#8220; zum &#8222;neuen Autoritarismus&#8220; &ndash; und wie weiter?, APuZ 10-11/2018, 15 (17 f.).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/224/publikation/jenseits-der-grenze-rechtspopulismus-in-polen-und-ungarn-1/">Jenseits der Grenze &#8211; Rechtspopulismus in Polen und Ungarn*</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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		<title>Wer ist gegen Europa? &#8211; Analyse der Wahlen in der EU nach dem Brexit-Referendum</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Dec 2017 10:51:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>vorg&#228;nge Nr. 220 (Heft 4/2017), S. 69 &#8211; 79 Die Wahlen in Frankreich, &#214;sterreich, den Niederlanden, Bulgarien und Tschechien haben nicht nur europakritischen Parteien erhebliche Stimmenzuw&#228;chse gebracht, sondern zugleich der sozialdemokratischen Parteienfamilie in Europa &#8211; mit Ausnahme der Labour Party &#8211; eine Niederlage beschert. Der Autor stellt die Wahlergebnisse im Einzelnen vor und untersucht auch [weiterlesen]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>vorg&auml;nge Nr. 220 (Heft 4/2017), S. 69 &#8211; 79</p>
<p><i>Die Wahlen in Frankreich, &Ouml;sterreich, den Niederlanden, Bulgarien und Tschechien haben nicht nur europakritischen Parteien erhebliche Stimmenzuw&auml;chse gebracht, sondern zugleich der sozialdemokratischen Parteienfamilie in Europa &#8211; mit Ausnahme der Labour Party &#8211; eine Niederlage beschert. Der Autor stellt die Wahlergebnisse im Einzelnen vor und untersucht auch das Wahlverhalten nach Alter, Einkommen, Wohnsitz und Bildungsstand. Schlie&szlig;lich weist er auf die besondere Bedeutung der europ&auml;ischen Grundwerte und die Verantwortung der Medien hin.</i></p>
<p><b>Einleitung</b></p>
<p>Europa gewinnt (wieder) an Relevanz &#8211; auch in den Augen seiner V&ouml;lker. Es wird zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen &#8211; in den Wahlen zum Europ&auml;ischen Parlament, die nicht mehr l&auml;nger die verl&auml;ngerte Werkbank nationaler parteipolitischer Diskurse zu werden versprechen. Die Wahlen und Abstimmungen der letzten beiden Jahre kennzeichnet die Sorge um ein Erstarken populistischer Str&ouml;mungen, mit dem sich die politischen Koordinaten der EU wie des Westens dramatisch verschoben haben. Donald Trump hat den demokratischen Diskurs &uuml;ber die Zukunft Europas auch transatlantisch wieder interessanter gemacht.[1] Nichts ist f&uuml;r immer &#8211; auch nicht das auf eine vorrangig &ouml;konomische Triebfeder ausgerichtete Integrationsprojekt EU. Das Ende der Geschichte im Sinne der von Francis Fukuyama ge&auml;u&szlig;erten Erwartung eines globalen Siegeszuges von Liberalismus, Demokratie und Marktwirtschaft ist zumindest vertagt. <br />Mit dem Sieg von &Ouml;VP und FP&Ouml; bei den Parlamentswahlen in &Ouml;sterreich und dem Wahlerfolg von Andrej Babi&#353; &#8222;Aktion unzufriedener B&uuml;rger&#8220; (ANO) in Tschechien hat sich der Kreis von Mitgliedstaaten, die durch Parteien mitregiert werden (d&uuml;rften), die gegen eine weitere Vertiefung der EU eingestellt sind und sich f&uuml;r eine R&uuml;ckgewinnung traditioneller staatlicher Souver&auml;nit&auml;t einsetzen, nochmals deutlich erweitert. Das Ungarn Victor Orbans und das Polen der von Lech Kaczyinski dominierten PiS-Regierung d&uuml;rften im Kreis der EU-Mitgliedstaaten strategische Partner gewinnen.<br />Die EU erlebt aber nicht nur eine in erheblichen Teilen der Bev&ouml;lkerung von Mitgliedstaaten der EU geduldete oder gar bef&ouml;rderte Enttabuisierung der Aush&ouml;hlung tragender europ&auml;ischer Grundwerte. Dieser Prozess wird vielmehr begleitet und bef&ouml;rdert durch eine Ent-TINA[2]-isierung der bisherigen Integrationslogik, die selbst Angeh&ouml;rige der Funktionseliten der EU auf europ&auml;ischer[3] und mitgliedstaatlicher Ebene[4] erfasst. Wer gegen die EU in ihrer bisherigen Ausgestaltung ist, muss (auch deshalb) kein Gegner Europas sein. <br />Allerdings erscheint eine Weiterentwicklung der EU au&szlig;erhalb der Wahrung des bisherigen Besitzstandes kaum vorstellbar. Insofern stellt das Brexit-Votum des Vereinigten K&ouml;nigreichs eine dramatische europ&auml;ische Zeitenwende dar. Die Briten haben mit 51,9 % f&uuml;r einen Ausstieg aus der EU gestimmt. F&uuml;r Gegner der EU stellt dieser Paukenschlag einen pr&auml;zedenzlosen Bezugspunkt f&uuml;r eine R&uuml;ckabwicklung europ&auml;ischer Integration dar, f&uuml;r die EU selbst eine erhebliche Einbu&szlig;e an politischem und &ouml;konomischem Gewicht im Rahmen der Globalisierung. Indessen hat sich die Bef&uuml;rchtung,[5] dass der Brexit einen Dominoeffekt auch auf andere europ&auml;ische L&auml;nder aus&uuml;ben k&ouml;nnte, die in einen populistisch initiierten Zyklus von Referenden in dritten Mitgliedstaaten wie Frankreich oder den Niederlanden zum EU-Austritt m&uuml;nden k&ouml;nnten, zumindest bislang als unbegr&uuml;ndet erwiesen. <br />Der folgende Beitrag bem&uuml;ht sich im Blick auf die nationalen Wahlen und Abstimmungen der vergangenen zw&ouml;lf Monate in Mitgliedstaaten der EU um eine differenzierte Betrachtung der Haltungen zum Projekt einer immer engeren Union der V&ouml;lker Europas, wie es in der Pr&auml;ambel des EU-Vertrages als Verfassungsurkunde der bestehenden EU angelegt ist. Bei der Frage, wer Gegner Europas ist, orientiert sich der Beitrag dabei normativ an den Grundwerten der EU, wie sie nicht nur im Vertrag &uuml;ber die Europ&auml;ische Union verankert sind.</p>
<p><b>Wahlergebnisse und Alarmsignale f&uuml;r Europa</b></p>
<p>Der Ausgang der Wahlen in den Mitgliedstaaten der EU l&auml;sst zumindest in den Staaten West- und Mitteleuropas einen gemeinsamen Trend der &#8211; allerdings unterschiedlich intensiven -&#8211; St&auml;rkung rechtspopulistischer und EU-kritischer Kr&auml;fte erkennen.</p>
<p>Bei den Pr&auml;sidentschaftswahlen in Frankreich erreichte Marine LePen im ersten Wahlgang am 23. April 2017 7 678 491 Stimmen und einen Stimmenanteil von 21,30 % der abgegebenen Stimmen. Zum zweiten Mal in der Geschichte der franz&ouml;sischen Pr&auml;sidentschaftswahlen qualifizierte sich ein Mitglied des Front National f&uuml;r die Stichwahlen. Erneut gelang es, eine sog. republikanische Solidarit&auml;t gegen dieses Mitglied zu aktivieren, was in den Sieg von Emmanuel Macron am 7. Mai 2017 mit einem Stimmenanteil von 66,10 % m&uuml;ndete. W&auml;hrend allerdings Jean-Marie LePen 2002 im zweiten Wahlgang nur 5.525.906 Stimmen errang, waren es bei seiner Tochter, Nachfolgerin und Konkurrentin Marine LePen&nbsp; 10.638.475 Stimmen.[6] Bei den anschlie&szlig;enden Parlamentswahlen gewannen KandidatInnen des Front National im ersten Wahlgang am 11. Juni 2017 nur 2.990.454 Stimmen und bei der Stichwahl am 18. Juni 2017 sogar nur 1.590.869 Stimmen. Dem Front National, geh&ouml;ren nunmehr acht (zuvor: zwei) Abgeordnete in der 577 Sitze umfassenden franz&ouml;sischen Nationalversammlung an.[7]&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <br />Nicht nur auf der rechten, sondern auch auf der linken Seite des politischen Spektrums Frankreichs erzielten EU-kritische Kr&auml;fte zumindest Achtungserfolge: Jean-Luc M&eacute;lenchon erreichte im ersten Wahlgang der franz&ouml;sischen Pr&auml;sidentschaftswalen mit 7.059.951 Stimmen einen Anteil von 19,58 % der abgegebenen Stimmen &#8211; knapp weniger als der im erste Wahlgang drittplatzierte Kandidat Fran&ccedil;ois Fillon. Im ersten Wahlgang der franz&ouml;sischen Parlamentswahlen erreichte M&eacute;lenchons Partei La France insoumise (zu deutsch: Das unbeugsame Frankreich) mit 2.497.622 Stimme einen Stimmenanteil von 11,03 % der abgegebenen Stimmen.&nbsp; M&eacute;lenchon spricht sich u.a. f&uuml;r ein Ende der Unabh&auml;ngigkeit der EZB, eine Abschaffung des Stabilit&auml;ts- und Wachstumspakts und eine umfassende Neuverhandlung der europ&auml;ischen Vertr&auml;ge aus. Falls diese Verhandlungen scheitern sollten, soll Frankreich die europ&auml;ische W&auml;hrungsunion oder nach einem Referendum die EU selbst verlassen.[8]<br />Bei der 2. Runde der Pr&auml;sidentschaftswahlen in &Ouml;sterreich errang der Kandidat der rechtspopulistischen FP&Ouml; Norbert Hofer in der Wiederholung der Stichwahl am 4. Dezember 2016 mit 2.124.661 Stimmen einen Stimmanteil von 46,21 % der abgegebenen Stimmen und unterlag damit denkbar knapp Alexander Van der&nbsp; Bellen, dem fr&uuml;heren Vorsitzenden der &ouml;sterreichischen Gr&uuml;nen.[9]&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <br />Bei den Nationalratswahlen am 15. Oktober 2017 wurde die konservative &Ouml;VP unter dem neuen Vorsitzenden und amtierenden Au&szlig;enminister Sebastian Kurz mit 1.595.526 Stimmen und einem Stimmenanteil von 31,47&nbsp;% (2013: 1.125.876 Stimmen &#8211; 23,99 %) st&auml;rkste politische Kraft im &ouml;sterreichischen Bundesparlament. Die FP&Ouml; erzielte mit 1.316.442 Stimmen und einem Stimmenanteil von 25,97 % (2013: 962.313 Stimmen &#8211; 20,51 %) zwar ein nur marginal schlechteres Ergebnis als die SP&Ouml; &#8211; aber in absoluten Stimmzahlen das beste Ergebnis und beim Stimmgewicht nach 1999 (26,91 %) das zweitbeste Ergebnis bei Nationalratswahlen ihrer bisherigen Parteigeschichte. Die Einbu&szlig;en der FP&Ouml; im Vergleich zu Umfragen zu Beginn des Jahres d&uuml;rften nicht zuletzt auch in der &Uuml;bernahme programmatischer Punkte der FP&Ouml;, insbesondere im Bereich der Fl&uuml;chtlings-und Migrationspolitik, durch die &Ouml;VP unter ihren neuen Vorsitzenden eine Ursache haben. Die sogenannte W&auml;hlerstromanalyse f&uuml;r &Ouml;sterreich[10] zeigt, dass die &Ouml;VP besonders Nichtw&auml;hlerInnen mobilisieren konnte &#8211; hier gewann sie 102 000 Stimmen hinzu. Aber auch bei der rechtspopulistischen FP&Ouml; konnte die &Ouml;VP viele Stimmen abgreifen, ebenso wie bei den Gr&uuml;nen. Die FP&Ouml; wiederum konnte bei den Sozialdemokraten viele W&auml;hlerInnen&nbsp;abwerben.<br />Bei den Parlamentswahlen in den Niederlanden am 15. M&auml;rz 2017 errang die offen islamfeindliche Partij voor de Vrijheid des Rechtspopulisten Geert Wilders deutliche Stimmengewichte im Vergleich zur Parlamentswahl 2012: 1.372.941 Stimmen (2012: 950.263) und 13,1 % Stimmanteil (2012: 10,1 %). Die PVV wurde damit zwar zur zweitst&auml;rksten parteipolitischen Kraft in den Niederlanden, blieb aber deutlich hinter den Erfolgserwartungen w&auml;hrend des Wahlkampfes und &#8211; trotz deren Stimmenverlusten &#8211; hinter der liberal-konservativen Volkspartij voor Vrijheid en Democratie (VVD) des niederl&auml;ndischen Ministerpr&auml;sidenten Mark Rutte mit 2.238.351 Stimmen (2012: 2.504.948) und 21,3 % Stimmanteil (2012: 26,6 %) zur&uuml;ck. St&auml;rkste Gewinner bei den Parlamentswahlen waren die gr&uuml;ne Parteien GroenLinks mit einem Gewinn von 6,8 % auf 9,1 % der Stimmen, die linksliberale Partei D66 mit einem Gewinn von 4,2 % auf 12,2 % der Stimmen sowie der christdemokratische CDA mit einem Gewinn von 3,9 % auf 12,4 % der Stimmen.[11] VVD, CDA, D66 und ChristenUnie (3,4 % der Stimmen) bilden seit Oktober 2017 die neue niederl&auml;ndische Regierung.[12]<br />Bei den Parlamentswahlen in Bulgarien am 26. M&auml;rz 2017 errang das rechtspopulistische bis &#8211;extremistische Wahlb&uuml;ndnis Vereinigte Patrioten einen Stimmenanteil von 9,07 % (-2,73 %). Die neue rechtspopulistische Kraft Wolja errang 4,15 % der Stimmen. Die offen EU- und demokratiekritische Bulgarische Sozialistische Partei, die Nachfolgepartei der fr&uuml;heren sozialistischen Staatspartei, konnte ihren Stimmenanteil um 11,80 % auf 27,20 % steigern.[13] Im Nachgang zur Parlamentswahl bildete die dem christdemokratisch-konservativen europ&auml;ischen Parteiverbund EVP angeh&ouml;rige liberal-konservative, pro-europ&auml;ische GERB als st&auml;rkste parlamentarische Kraft (32,65 % der Stimmen) zusammen mit den Vereinigten Patrioten eine von der Wolja-Partei parlamentarisch unterst&uuml;tzte Koalition.<br />In Tschechien gewann bei den Parlamentswahlen am 20. und 21. Oktober 2017 Andrej Babi&#353; mit seiner ANO-Partei fast&nbsp;30&nbsp;% der Stimmen. Der Populist hat in den wenigen Jahren der politischen Existenz seiner Partei mehrere EU-kritische Positionswechsel vollzogen: von pro-EU zu EU-Skepsis, von Zustimmung zur Einwanderung ins alternde und um Arbeitskr&auml;fte ringende Tschechien zur Ablehnung, vom Euro-Bef&uuml;rworter zum&nbsp;Euro-Gegner. Die neue Protestpartei Die Piraten gewann, nicht zuletzt dank Unterst&uuml;tzung junger W&auml;hlerInnen fast 11 % der Stimmen. Die gegen die EU positionierten Kommunisten b&uuml;&szlig;ten zwar erheblich Stimmen ein, sind aber mit 8 % weiterhin stark im Parlament vertreten.&nbsp;Alarmierend bei den Parlamentswahlen in Tschechien ist insbesondere der Erfolg der neuen rechtsradikalen Bewegung Freiheit und direkte Demokratie von Tomio Okamura. Diese Bewegung fordert ein Verbot des Islams und ein Referendum &uuml;ber einen EU-Austritt Tschechiens. &#8222;Nein zum Islam, nein zum Diktat der EU!&#8220; sowie &#8222;Geld den Anst&auml;ndigen, nicht den Parasiten!&#8220; sind nur einige Beispiele ihrer zwischen Populismus und Extremismus chargierenden Slogans. Diese Partei wurde mit 10,6 % und 22 Mandaten viertst&auml;rkste Kraft im tschechischen Parlament.[14] Die einzige Partei, die einen explizit proeurop&auml;ischen Wahlkampf gef&uuml;hrt hatte, die konservative TOP 09 des fr&uuml;heren Au&szlig;enministers Karel Schwarzenberg, schaffte es nur knapp &uuml;ber die F&uuml;nf-Prozent-H&uuml;rde.</p>
<p>Eine weitgehende Gemeinsamkeit der j&uuml;ngsten Wahlen ist der Niedergang der sozialdemokratischen Parteienfamilie in Europa.</p>
<p>Bei den Pr&auml;sidentschaftswahlen in Frankreich erreichte der Kandidat der Parti Socialiste&nbsp; Beno&icirc;t Hamon im ersten Wahlgang am 23. April 2017 mit 2.291.288 Stimmen und einem Stimmenanteil von 6,36 % der abgegebenen Stimmen weit abgeschlagen erstmalig in der Geschichte der franz&ouml;sischen Pr&auml;sidentschaftswahlen nur den f&uuml;nften Platz unter den BewerberInnen. Das Debakel f&uuml;r den PS setzte sich bei den anschlie&szlig;enden Parlamentswahlen vor: Dort gewannen KandidatInnen der Parti Socialiste im ersten Wahlgang am 11. Juni 2017 mit 1.685.677 Stimmen nur 7,44 % der abgegebenen Stimmen, im zweiten Wahlgang mit 1.032.842 Stimmen nur noch 5,68 % der abgegebenen Stimmen und damit 30 von 577 Mandaten in der Nationalversammlung. <br />Beim ersten Wahlgang der &ouml;sterreichischen Pr&auml;sidentschaftswahlen errang der Kandidat der SP&Ouml; Rudolf Hundstorfer am 24. April 2016 lediglich 482.790 Stimmen und einen Stimmenanteil von 11,28 %.[15] Erstmalig in der Geschichte der zweiten &ouml;sterreichischen Republik nach 1945 gelang damit einer von der SP&Ouml; unterst&uuml;tzten Person nicht der Einzug zumindest in die zweite Runde der Pr&auml;sidentschaftswahlen.[16] <br />Dieses Debakel (das in vergleichbarer Weise auch die &Ouml;VP erlitt), konnte die SP&Ouml; bei den Nationalratswahlen 2017 nicht ausgleichen: Die SP&Ouml; unter Vorsitz von Bundeskanzler Christian Kern gewann mit 1.361.746 Stimmen einen Stimmanteil von 26,86 % (2013: 1.258.605 Stimmen / 26,82 %) und konnte damit ihren absoluten Stimmenanteil zwar erh&ouml;hen, aber ihr prozentual schlechtestes Ergebnis von 2013 nur marginal verbessern.<br />Den gr&ouml;&szlig;ten Verlust bei den niederl&auml;ndischen Parlamentswahlen erlitt die sozialdemokratische Partij van de Arbeid, die nur noch 5,7 % und damit ihr historisch schlechtestes Wahlergebnis erreichte &#8211; nachdem sie 2012 mit 24,8 % noch (knapp hinter der VVD) zweitst&auml;rkste parteipolitische Kraft und Regierungspartei geworden war.<br />Den gr&ouml;&szlig;ten Verlust bei den tschechischen Parlamentswahlen erlitt die sozialdemokratische ?SSD, die nur noch 7 % und damit ihr historisch schlechtestes Wahlergebnis erreichte &#8211; nachdem sie 2013 mit 20,5 % noch Wahlsiegerin gewesen war.</p>
<p>Mit Blick auf die traditionell antinationalistische und proeurop&auml;ische Ausrichtung dieser Parteienfamilie und die Probleme, die mit diesem Niedergang f&uuml;r den demokratischen Diskurs &uuml;ber die Zukunft unserer Gesellschaft verbunden sein k&ouml;nnen, ist auch dieser Entwicklung ein Gef&auml;hrdungspotential f&uuml;r Europa eigen.<br />Einen Ausrei&szlig;er aus diesem Niedergang bildet lediglich die Labour Party unter Vorsitz von Jeremy Corbyn: Sie erhielt bei den vorgezogenen Unterhauswahlen am 8. Juni 2017 40 % der Stimmen (ein Zuwachs von 9,5 %) und konnte die Anzahl ihrer Sitze im Unterhaus, in dem die konservative Premierministerin May nunmehr eine von der nordirischen DUP tolerierte Minderheitsregierung f&uuml;hrt, im Vergleich zur vorherigen Wahl 2015 auf 262 von 650 Abgeordneten (+30) steigern.[17]<br />Soziodemographische Erkenntnisse aus den j&uuml;ngsten Wahlen und Abstimmungen<br />Je &auml;lter W&auml;hlerInnen sind, um so st&auml;rker sind tendenziell EU-kritische Einstellungen aktivierbar.</p>
<p>Beim britischen Referendum zur EU-Mitgliedschaft pr&auml;ferierten &auml;ltere Bev&ouml;lkerungsteile den Brexit, j&uuml;ngere den Verbleib in der EU.[18] Bei den &uuml;ber 65-J&auml;hrigen lag die Zustimmung zum EU-Austritt bei 63 %, bei den 50- bis 64-J&auml;hrigen immerhin noch bei 56 %. Unter den 25-49-J&auml;hrigen waren hingegen 55 % sog. Remainers, bei den 18-24-J&auml;hrigen sogar 80 %.<br />Hinter dem Wahlerfolg von Sebastian Kurz in &Ouml;sterreich steht zwar keine einzelne Bev&ouml;lkerungsgruppe. Allerdings waren seine Zustimmungswerte bei den &uuml;ber 60-J&auml;hrigen mit 36&nbsp;% (Stimmenanteil insgesamt: 31,6 %) am h&ouml;chsten. Bei den bis 29-J&auml;hrigen holte die Partei demgegen&uuml;ber nur 28 %, bei den 30 bis 59-J&auml;hrigen 31 %. Fast spiegelbildlich hierzu stellen sich die Werte bei der FP&Ouml; dar: Diese schnitt bei den bis 29-J&auml;hrigen (bei einem Stimmenanteil von 26 % insgesamt) mit 30 % am besten und bei den &uuml;ber 60-J&auml;hrigen mit 19 % am schlechtesten ab.<br />In einem mehrheitlich EU-kritisch eingestellten gesellschaftlichen Umfeld[19] wurde Andrej Babi&#353; mit seiner Bewegung ANO mit einem Programm, das auf die Priorit&auml;ten&nbsp; &#8222;Sicherheit&#8220;, &#8222;effektiver und wirtschaftlicher Staat&#8220;, &#8222;Investitionen in unser Land&#8220;, &#8222;Investitionen in unsere Leute&#8220; setzte, vor allem von mittleren und &auml;lteren Altersgruppen gew&auml;hlt. Bei den &uuml;ber 60-J&auml;hrigen erzielte er bei einem Gesamt-Stimmenanteil bei den tschechischen Parlamentswahlen von 29,6 % sogar 41 %.[20]<br />Ein disparateres Bild zeigt sich insoweit bei den Pr&auml;sidentschaftswahlen in Frankreich: Die schw&auml;chste Zustimmung erfuhr LePen dort nach Befragungen zwischen erstem und zweitem Wahlgang in der Altersgruppe der 60-69-J&auml;hrigen (30 %) sowie der Altersgruppe der mindestens 70 Jahre alten W&auml;hlerInnen (22 %). Aber auch bei den 18-24-J&auml;hrigen waren die Zustimmungswerte f&uuml;r LePen unterdurchschnittlich (34 %). Diese W&auml;hlergruppe, die in der ersten Runde der Pr&auml;sidentschaftswahlen noch mit relativer Mehrheit Jean-Luc M&eacute;lenchon gew&auml;hlt hatten, &auml;u&szlig;erten in der Befragung kurz vor der Stichwahl mit deutlicher Mehrheit (66 %) die Absicht, Macron zu w&auml;hlen. Die st&auml;rkste Zustimmung erfuhr LePen in der Altersgruppe zwischen 35 und 49 Jahren (43 %).[21] Die &uuml;ber s&auml;mtlichen Bev&ouml;lkerungsgruppen beobachtbaren Einbr&uuml;che in den Zustimmungswerten f&uuml;r LePen d&uuml;rften nicht zuletzt auch in ihrer &uuml;bereinstimmend als wenig sachkundig und pr&auml;sidentiell empfundenen Performance bei dem TV-Duell mit Macron begr&uuml;ndet liegen.[22]</p>
<p>Manches spricht daf&uuml;r, dass &auml;ltere Mitb&uuml;rgerInnen st&auml;rker als j&uuml;ngere in Zeiten tats&auml;chlicher oder&nbsp; vermeintlicher politischer, &ouml;konomischer oder gesellschaftlicher Krisen zu einer nostalgischen &#8222;Kehrtwende ins Gestern&#8220;&nbsp; neigen und unter der Sehnsucht nach der &#8222;guten alten Zeit&#8220; leiden, in der die Dinge noch unilateraler und vor allem &uuml;berschaubarer schienen.[23] J&uuml;ngere Mitb&uuml;rgerinnen, die nur die Zeit der europ&auml;ischen Erweiterung und Vertiefung kennen, k&ouml;nnen sich ein Leben mit Grenzen l&auml;ngst nicht mehr vorstellen.<br />Eine zweite Erkenntnis aus den untersuchten Wahlen: In st&auml;dtischen Milieus sind tendenziell EU-kritische Einstellungen weniger stark verbreitet als in l&auml;ndlichen.</p>
<p>Die W&auml;hlerInnen in den gro&szlig;en britischen St&auml;dten stimmten in vielen F&auml;llen gegen den EU-Austritt. In London waren fast 60 % der W&auml;hler Remainers, in Manchester sogar mehr als 60 %, in Liverpool 58,2 %. In l&auml;ndlichen Regionen wie Yorkshire war demgegen&uuml;ber der Anteil der Brexiteers besonders stark. Im dortigen Wahlbezirk East Lindsey etwa stimmten 71 % und damit nahezu drei Viertel der W&auml;hler f&uuml;r den Brexit. Hier erzielte die UKIP auch in der Vergangenheit gro&szlig;e Erfolge.<br />Befragungen zwischen erstem und zweitem Wahlgang bei der Pr&auml;sidentschaftswahl in Frankreich zufolge war der Anteil von Personen, die LePen w&auml;hlen wollten, in St&auml;dten mit mehr als 100.000 Einwohnern am geringsten, in l&auml;ndlichen Gebieten am h&ouml;chsten.[24]<br />Die proeurop&auml;isch eingestellte tschechische Partei TOP 09 erzielte in Prag mit 13&nbsp;% ihren h&ouml;chsten Stimmenanteil; au&szlig;erhalb der Hauptstadt schnitt sie erheblich schw&auml;cher ab.</p>
<p>Im Hinblick auf die Zukunft des Projekts Europa besonders bedeutsam ist eine dritte Erkenntnis: Bei ArbeiterInnen und Personen mit geringem Bildungs- und Berufsabschluss sind tendenziell EU-kritische Einstellungen st&auml;rker aktivierbar als bei sozial besser gestellten Bev&ouml;lkerungsgruppen mit h&ouml;herem Bildungs- und Berufsabschluss.</p>
<p>In der YouGov-Umfrage vom Juni 2016 sprachen sich unter den Befragten der so genannten &#8222;ABC1&#8220;-Gruppe, die in der britischen Marktforschung die Mitglieder einer der drei h&ouml;chsten sozio&ouml;konomischen Gruppen bezeichnet, 59&nbsp;% klar f&uuml;r einen Verbleib in der EU aus. In der &#8222;C2DE&#8220;-Gruppe der drei niedriger gestellten Schichten votierten hingegen 61&nbsp;% f&uuml;r den Brexit.<br />Befragungen zwischen erstem und zweitem Wahlgang bei der Pr&auml;sidentschaftswahl in Frankreich zufolge verdienen Macron-W&auml;hler mehr Geld als die seiner Kontrahentin. 75 % der Befragten, die im 2. Wahlgang f&uuml;r Macron stimmen wollten, haben in ihrem Haushalt mehr als 3.000 Euro zur Verf&uuml;gung. Befragte mit der Absicht, Le Pen zu w&auml;hlen, sind mit 45 % dagegen am ehesten in der Einkommensgruppe unter 1.250 Euro vertreten.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <br />Je besser ausgebildet die W&auml;hler waren, desto eher planten sie, Macron zu w&auml;hlen: W&auml;hrend 45 % der W&auml;hlerInnen mit einem geringeren Bildungsabschluss als dem bac, d.h. dem franz&ouml;sischen Abitur, planten, f&uuml;r LePen zu stimmen, waren es bei W&auml;hlerInnen mit mindestens dem bac+3, d.h. W&auml;hlerInnen mit dreij&auml;hrigem Studium und Erwerb der licence, nur 19 %.[25]<br />Wie schon bei fr&uuml;heren Wahlen in &Ouml;sterreich hat die FP&Ouml; auch 2017 unter Arbeitern besonders gut abgeschnitten. Insgesamt gaben hier 59 % ihre Stimme den Freiheitlichen (bei einem Wahlergebnis von 26 %). Die Sozialdemokraten, die klassischen Vertreter der Arbeiter, kamen in dieser Bev&ouml;lkerungsgruppe nur noch auf 19 %.[26]</p>
<p>Dies ist nicht zuletzt auch Ausfluss eines fiskal- und sozialpolitischen Defizits der vertieften europ&auml;ischen Integration &uuml;ber die Vertr&auml;ge von Maastricht und Amsterdam, in der die Balance zwischen Freiheits-, Gleichheits- und Solidarit&auml;tsversprechen zu zerbrechen und das Versprechen auf Wohlstand f&uuml;r alle zur Chim&auml;re zu werden droht.[27] Ein Vergleich zwischen deutscher Wiedervereinigung und europ&auml;ischer Integration belegt insoweit paradigmatisch bemerkenswerte Unterschiede: die deutsche Wiedervereinigung wurde innenpolitisch durch den Abschluss einer Wirtschafts-, W&auml;hrungs- und Sozialunion besiegelt, w&auml;hrend der Euro nur im Rahmen einer Wirtschafts- und W&auml;hrungsunion eingef&uuml;hrt wurde, bei der schon nominell die soziale Komponente fehlte und die wirtschaftliche Angleichung der Lebensverh&auml;ltnisse in der EU weder vertraglich hinreichend vorgegeben noch im Zeichen der nationalen Pr&auml;gung des politischen Diskurses bei Wahlen erfolgversprechend erscheint.</p>
<p><b>Gefahren f&uuml;r Europa im Lichte der Grundwerte der EU &#8211; eine europarechtliche Einordnung</b></p>
<p>Nicht jede Gegnerschaft zu bisherigen sekund&auml;rrechtlichen Akten der EU, verbunden mit dem Wunsch, diese in unionsrechtskonformer Weise zu &auml;ndern, begr&uuml;ndet eine Gegnerschaft zur EU. Selbst der Wille zur &Auml;nderung von EUV und AEUV als &#8222;Verfassungsurkunden&#8220; der EU begr&uuml;ndet eine solche Gegnerschaft. Die Gegnerschaft geht vielmehr nur mit einer Ablehnung der Grundwerte der EU einher, die nunmehr in Art. 2 EUV verankert sind:<br />&#8222;Die Werte, auf die sich die Union gr&uuml;ndet, sind die Achtung der Menschenw&uuml;rde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschlie&szlig;lich der Rechte der Personen, die Minderheiten angeh&ouml;ren. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarit&auml;t und die Gleichheit von Frauen und M&auml;nnern auszeichnet.&#8220;<br />Es handelt sich hierbei nicht um isoliert der EU eigene Grundwerte. Auch europ&auml;ische Staaten, die (noch) nicht der EU angeh&ouml;rten oder angeh&ouml;ren, wie z.B. die T&uuml;rkei und die damalige UdSSR, aber auch au&szlig;ereurop&auml;ische Staaten wie Kanada und die USA, haben sich mit der &#8222;Charta von Paris f&uuml;r ein neues Europa&#8220;[28] als Schlussdokument der&nbsp;KSZE-Sondergipfelkonferenz am 21. November 1990 kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands auf Grundwerte verst&auml;ndigt, die mit denen des Art. 2 EUV im Wesentlichen deckungsgleich sind. Dies gilt nicht zuletzt f&uuml;r das Bekenntnis zu Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Auch f&uuml;r die Nicht-EU-Mitgliedstaaten T&uuml;rkei und Russische F&ouml;deration beansprucht diese Charta fortdauernde Geltung.<br />Nicht jede Verletzung eines der vorgenannten Grundwerte begr&uuml;ndet eine Gegnerschaft zu Europa. Dies ist &#8211; in Anlehnung an Art. 7 EUV &#8211; nur bei einer nachhaltigen Ablehnung dieser Grundwerte der Fall, insbesondere dann, wenn sich diese qualifizierte Gegnerschaft in einer staatlichen wiederholten Verletzung dieser Werte &auml;u&szlig;ert.[29]<br />Eine solche nachhaltige Ablehnung stellt es z.B. dar, wenn die FP&Ouml; in ihrem Wahlprogramm zur Nationalratswahl 2017 ausschlie&szlig;lich &ouml;sterreichische Staatsb&uuml;rger in den Genuss ihrer &#8222;Forderungen zur Beseitigung der Fairness-Krise&#8220; gelangen lassen will, die EMRK durch eine &#8222;&Ouml;sterreichische Menschenrechtskonvention&#8220;, &#8222;die auch das Heimatrecht der &Ouml;sterreicher sch&uuml;tzt&#8220;, ersetzen will, und eine &#8222;sektorale Schlie&szlig;ung des &ouml;sterreichischen Arbeitsmarktes f&uuml;r EU-Ausl&auml;nder und Drittstaatsangeh&ouml;rige zum Schutz heimischer Arbeitnehmer&#8220; fordert.[30] <br />Eine besondere Gef&auml;hrdungslage f&uuml;r Europa &#8211; Einschr&auml;nkungen der Freiheit und Missachtung der Verantwortung der Medien<br />Als Karl F&uuml;rst zu Schwarzenberg, der fr&uuml;here tschechische Au&szlig;enminister, gefragt wurde, was denn der gr&ouml;&szlig;te Konstruktionsfehler bei der Osterweiterung der Europ&auml;ischen Union w&auml;re, wies er auf die fehlende Unabh&auml;ngigkeit der Justiz hin. Das ist richtig, greift aber zu kurz. Denn die Freiheit der Medien ist genauso wichtig f&uuml;r eine demokratische Gesellschaft.[31] Aber die EU wird nicht nur durch einen zunehmenden Zugriff staatlicher Stellen auf die Medien sowie durch die Ballung von politischer und medialer Macht bedroht.[32] In nennenswertem Umfang erfolgt eine solche Gef&auml;hrdung bereits heute auch durch Hass und Fake News in sozialen Netzwerken. Um Gefahren f&uuml;r das Projekt Europa im Zeitalter von Digitalisierung und Globalisierung nachhaltig abwehren und eind&auml;mmen zu k&ouml;nnen, bedarf es deshalb auch einer werteorientierten Kommunikationsordnung, die das Internet nicht als de facto unregulierbaren Raum toleriert, sondern den Jugendschutz und den Schutz der Menschenw&uuml;rde auch digital ernst nimmt. <br />Die geplante Digitalunion[33] ist insoweit ein wichtiger, aber noch nicht hinreichender Schritt. Zur Selbstbehauptung Europas braucht es auch den Mut, gegen au&szlig;ereurop&auml;ische Intermedi&auml;re wie Google oder Facebook europ&auml;ische Konkurrenten in Stellung zu bringen. Nur mit einer digitalen Industriepolitik Europas beh&auml;lt es seine Wettbewerbsf&auml;higkeit, ohne die seine soziale Dimension nicht ausbaubar ist.&nbsp; Auch Kleinm&uuml;tigkeit stellt deshalb eine Gefahr f&uuml;r ein demokratisches, freies, solidarisches und soziales Europa dar.</p>
<p><b>DR.&nbsp;J&Ouml;RG UKROW</b>&nbsp;&nbsp; <i>war viele Jahre lang Rundfunkreferent in der Saarl&auml;ndischen Staatskanzlei sowie als Lehrbeauftragter am Europa-Institut, Sektion Rechtswissenschaft t&auml;tig. Seit 2011 ist er Landesvorsitzender der Europa-Union Saar sowie seit diesem Jahr gesch&auml;ftsf&uuml;hrendes Vorstandsmitglied des Instituts f&uuml;r Europ&auml;isches Medienrecht (EMR).</i></p>
<h5>Anmerkungen:<br /></h5>
<p>1 Vgl. Krastev, Europad&auml;mmerung, 2017, S. 129 f.</p>
<p>2 TINA = There is no alternative.</p>
<p>3 Vgl. <i>Juncker</i>, Rede zur Lage der Union 2017, <a href="http://europa.eu/rapid/press-release_SPEECH-17-3165_de.htm" target="_blank" rel="noopener">http://europa.eu/rapid/press-release_SPEECH-17-3165_de.htm</a>; Report by President Donald Tusk to the European Parliament on October European Council meetings and presentation of the Leaders&#8216; Agenda, <a href="http://www.european-council.europa.eu/en/press/press-releases/2017/10/24/tusk-report-european-parliament-strasbourg/pdf" target="_blank" rel="noopener">http://www.european-council.europa.eu/en/press/press-releases/2017/10/24/tusk-report-european-parliament-strasbourg/pdf</a></p>
<p>4 Vgl. insbesondere die Europa-Rede des franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten <i>Macron </i>am 26. September 2017 <a href="http://www.elysee.fr/declarations/article/initiative-pour-l-europe-discours-d-emmanuelmacron-pour-une-europe-souveraine-unie-democratique/" target="_blank" rel="noopener">http://www.elysee.fr/declarations/article/initiative-pour-l-europe-discours-d-emmanuelmacron-pour-une-europe-souveraine-unie-democratique/</a></p>
<p>5 Zu einer solchen Dystopie vgl. <i>Ukrow</i>, W&auml;chst Europa an seinen rechtspopulistischen Feinden? Vorg&auml;nge Nr. 216 (4/2016), S. 47 ff.</p>
<p>6 Vgl. <a href="https://www.interieur.gouv.fr/Elections/Les-resultats/Presidentielles/elecresult__presidentielle-2017/%28path%29/presidentielle-2017/FE.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.interieur.gouv.fr/Elections/Les-resultats/Presidentielles/elecresult__presidentielle-2017/(path)/presidentielle-2017/FE.html</a></p>
<p>7 Vgl. <a href="https://www.interieur.gouv.fr/Elections/Les-resultats/Legislatives/elecresult__legislatives-2017/%28path%29/legislatives-2017/FE.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.interieur.gouv.fr/Elections/Les-resultats/Legislatives/elecresult__legislatives-2017/(path)/legislatives-2017/FE.html</a>. Der Front National scheint seit den Pr&auml;sidentschafts- und Parlamentswahlen in eine versch&auml;rfte innerparteiliche Krise zu geraten; vgl. <a href="https://www.eurotopics.net/de/186557/schwaecht-machtkampf-den-front-national" target="_blank" rel="noopener">https://www.eurotopics.net/de/186557/schwaecht-machtkampf-den-front-national</a>.</p>
<p>8 Vgl. <a href="http://melenchon.fr/2016/09/23/plan-b-continue-chemin/" target="_blank" rel="noopener">melenchon.fr/2016/09/23/plan-b-continue-chemin/</a> sowie z.B. <i>Rousset/Mazuir</i>, Jean-Luc M&eacute;lenchon : son r&eacute;sultat &agrave; la pr&eacute;sidentielle, son parcours, son programme, <a href="https://www.lesechos.fr/elections/dossiers/0211690187738/0211690187738-presidentielle-2017-jean-luc-melenchon-sa-campagne-son-projet-2057500.php#DGRlqRvtEWYYqjoB.99" target="_blank" rel="noopener">https://www.lesechos.fr/elections/dossiers/0211690187738/0211690187738-presidentielle-2017-jean-luc-melenchon-sa-campagne-son-projet-2057500.php#DGRlqRvtEWYYqjoB.99</a></p>
<p>9 Vgl. <a href="http://www.bmi.gv.at/412/Bundespraesidentenwahlen/Bundespraesidentenwahl_2016/files/Kundmachung_BWB_BPW16_Ergebnis_2WG_WH.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://www.bmi.gv.at/412/Bundespraesidentenwahlen/Bundespraesidentenwahl_2016/files/Kundmachung_BWB_BPW16_Ergebnis_2WG_WH.pdf</a></p>
<p>10 Vgl. <a href="http://www.sora.at/themen/wahlverhalten/wahlanalysen/waehlerstromanalysen/nrw17.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.sora.at/themen/wahlverhalten/wahlanalysen/waehlerstromanalysen/nrw17.html</a></p>
<p>11 Vgl. <a href="https://www.kiesraad.nl/adviezen-en-publicaties/rapporten/2017/3/kerngegevens-tweedekamerverkiezing-2017/kerngegevens-tweede-kamerverkiezing-2017" target="_blank" rel="noopener">https://www.kiesraad.nl/adviezen-en-publicaties/rapporten/2017/3/kerngegevens-tweedekamerverkiezing-2017/kerngegevens-tweede-kamerverkiezing-2017</a></p>
<p>12 <a href="https://www.heise.de/tp/features/Niederlande-Viererkoalition-aus-Wirtschaftsliberalen-Linksliberalen-Katholiken-und-Kalvinisten-3856203.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.heise.de/tp/features/Niederlande-Viererkoalition-aus-Wirtschaftsliberalen-Linksliberalen-Katholiken-und-Kalvinisten-3856203.html</a></p>
<p>13 Vgl. <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/bulgarien-populisten-dominieren-bei-wahl-im-aermsten-eu-land-a-1140110.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.spiegel.de/politik/ausland/bulgarien-populisten-dominieren-bei-wahl-im-aermsten-eu-land-a-1140110.html</a></p>
<p>14 Vgl. <i>Hassel</i>, Tschechien r&uuml;ckt nach rechts, SZ v. 23.10.2017, S. 1; <i>van de Rakt</i>, Nach der Wahl in Tschechien: Das Ende der liberalen Demokratie in &#8222;Osteuropa&#8220;?, <a href="https://www.boell.de/de/2017/10/26/tschechien-nach-der-wahl" target="_blank" rel="noopener">https://www.boell.de/de/2017/10/26/tschechien-nach-der-wahl</a></p>
<p>15 Vgl. <a href="http://wahl16.bmi.gv.at/1604-0.html" target="_blank" rel="noopener">wahl16.bmi.gv.at/1604-0.html</a></p>
<p>16 Vgl. <a href="http://www.bmi.gv.at/412/Bundespraesidentenwahlen/Historischer_Rueckblick.aspx" target="_blank" rel="noopener">www.bmi.gv.at/412/Bundespraesidentenwahlen/Historischer_Rueckblick.aspx</a></p>
<p>17 Vgl. <a href="http://researchbriefings.parliament.uk/ResearchBriefing/Summary/CBP-7979#fullreport" target="_blank" rel="noopener">researchbriefings.parliament.uk/ResearchBriefing/Summary/CBP-7979</a></p>
<p>18 Beim Brexit-Referendum wurden keine umfassenden Nachwahlbefragungen durchgef&uuml;hrt. Pr&auml;zise Daten zur W&auml;hlerstruktur und dem Abstimmverhalten gibt es deshalb nicht, wohl aber Hinweise durch Umfragen bei insgesamt 3766 W&auml;hlern des britischen Meinungsforschungsinstitut YouGov und der Zeitung &#8222;The Times&#8220; vom 20. bis 22. Juni 2016 kurz vor dem Referendum.</p>
<p>19 In einer Umfrage der Forschungsabteilung des Soziologischen Instituts CVVM gaben im Sommer 2017 nur 56 % der Befragten an, dass sie der EU-Mitgliedschaft des Landes zustimmen. 76 % meinten, dass Tschechien nicht ausreichend Einfluss auf Entscheidungen und Verhandlungen in der EU habe. Vgl. <i>van de Rakt</i>, Nach der Wahl in Tschechien: Das Ende der liberalen Demokratie in &#8222;Osteuropa&#8220;?, <a href="https://www.boell.de/de/2017/10/26/tschechien-nach-der-wahl" target="_blank" rel="noopener">https://www.boell.de/de/2017/10/26/tschechien-nach-der-wahl</a></p>
<p>20 Vgl. van de Rakt, Nach der Wahl in Tschechien: Das Ende der liberalen Demokratie in &#8222;Osteuropa&#8220;? <a href="https://www.boell.de/de/2017/10/26/tschechien-nach-der-wahl." rel="nofollow noopener">https://www.boell.de/de/2017/10/26/tschechien-nach-der-wahl.</a></p>
<p>21 Vgl. <a href="https://www.franceculture.fr/politique/age-diplome-revenus-qui-vote-macron-qui-vote-lepen" rel="nofollow noopener">https://www.franceculture.fr/politique/age-diplome-revenus-qui-vote-macron-qui-vote-lepen</a></p>
<p>22 Vgl. hierzu z.B. <a href="https://www.theguardian.com/world/2017/may/04/french-election-marine-lepen-and-emmanuel-macron-trade-insults-in-tv-debate" target="_blank" rel="noopener">https://www.theguardian.com/world/2017/may/04/french-election-marine-lepen-and-emmanuel-macron-trade-insults-in-tv-debate</a></p>
<p>23 Vgl. hierzu Bauman, Retrotopia, 2017, S. 15</p>
<p>24 L&auml;ndliche Gebiete: 43 % LePen &#8211; 57 % Macron; St&auml;dte mit 100.000 Einwohnern und Gro&szlig;raum Paris 28 % LePen &#8211; 72 % Macron; vgl. <a href="https://www.franceculture.fr/politique/age-diplome-revenus-quivote-macron-qui-vote-le-pen" target="_blank" rel="noopener">https://www.franceculture.fr/politique/age-diplome-revenus-quivote-macron-qui-vote-le-pen</a>.</p>
<p>25 Vgl. <a href="https://www.franceculture.fr/politique/age-diplome-revenus-qui-vote-macron-qui-vote-lepen." rel="nofollow noopener">https://www.franceculture.fr/politique/age-diplome-revenus-qui-vote-macron-qui-vote-lepen.</a></p>
<p>26 Vgl. <i>Brunner/Moscovici</i>, Wer in &Ouml;sterreich wen gew&auml;hlt hat, <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/waehlergruppen-breite-basis-fuer-kurz-1.3710242" target="_blank" rel="noopener">http://www.sueddeutsche.de/politik/waehlergruppen-breite-basis-fuer-kurz-1.3710242</a>.</p>
<p>27 Vgl. <i>Gu&eacute;rot</i>, Der neue B&uuml;rgerkrieg, 2017, S. 23 ff.</p>
<p>28 Vgl. <a href="http://www.bundestag.de/blob/189558/21543d1184c1f627412a3426e86a97cd/charta-data.pdf" target="_blank" rel="noopener">www.bundestag.de/blob/189558/21543d1184c1f627412a3426e86a97cd/charta-data.pdf</a></p>
<p>29 Die Bedeutung dieser nicht zuletzt auch grundrechtlichen Komponente des europ&auml;ischen Grundwerte-Kanons hat der &ouml;sterreichische Bundespr&auml;sident Van der Bellen anl&auml;sslich der Beauftragung des Vorsitzenden der &Ouml;VP, Sebastian Kurz, mit der Regierungsbildung in &Ouml;sterreich am 20. Oktober 2017 unterstrichen; vgl. <a href="http://www.bundespraesident.at/newsdetail/artikel/erklaerung-desbundespraesidenten-zum-regierungsbildungsauftrag-an-sebastian-kurz/" target="_blank" rel="noopener">http://www.bundespraesident.at/newsdetail/artikel/erklaerung-desbundespraesidenten-zum-regierungsbildungsauftrag-an-sebastian-kurz/</a></p>
<p>30 Vgl. <a href="https://www.fpoe.at/fileadmin/user_upload/www.fpoe.at/dokumente/2017/Wahlprogramm2017/Wahlprogramm_8_9_low.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://www.fpoe.at/fileadmin/user_upload/www.fpoe.at/dokumente/2017/Wahlprogramm2017/Wahlprogramm_8_9_low.pdf</a>.</p>
<p>31 Vgl. <i>Siebenhaar</i>, Verteidiger der Demokratie gesucht, <a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/medienkommissar/der-medien-kommissar-verteidiger-der-demokratie-gesucht-/20490666.html." target="_blank" rel="noopener">http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/medienkommissar/der-medien-kommissar-verteidiger-der-demokratie-gesucht-/20490666.html.</a></p>
<p>32 So ist z.B. der Aufstieg von <i>Andrej Babi&#353; </i>ohne sein Medienimperium kaum vorstellbar. Vgl. <i>Siebenhaar</i>,Verteidiger der Demokratie gesucht, <a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/medienkommissar/der-medien-kommissar-verteidiger-der-demokratie-gesucht-/20490666.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/medienkommissar/der-medien-kommissar-verteidiger-der-demokratie-gesucht-/20490666.html</a>.</p>
<p>33 Vgl. <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/mariya-gabriel-im-interview-kein-europaeisches-google-15266391.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0" target="_blank" rel="noopener">http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/mariya-gabriel-im-interview-kein-europaeisches-google-15266391.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0</a>.</p>
<p><b>DR.&nbsp;J&Ouml;RG UKROW</b>&nbsp;&nbsp; <i>war viele Jahre lang Rundfunkreferent in der Saarl&auml;ndischen Staatskanzlei sowie als Lehrbeauftragter am Europa-Institut, Sektion Rechtswissenschaft t&auml;tig. Seit 2011 ist er Landesvorsitzender der Europa-Union Saar sowie seit diesem Jahr gesch&auml;ftsf&uuml;hrendes Vorstandsmitglied des Instituts f&uuml;r Europ&auml;isches Medienrecht (EMR).</i></p>
<h5>Anmerkungen:<br /></h5>
<p>1 Vgl. Krastev, Europad&auml;mmerung, 2017, S. 129 f.</p>
<p>2 TINA = There is no alternative.</p>
<p>3 Vgl. <i>Juncker</i>, Rede zur Lage der Union 2017, <a href="http://europa.eu/rapid/press-release_SPEECH-17-3165_de.htm" target="_blank" rel="noopener">http://europa.eu/rapid/press-release_SPEECH-17-3165_de.htm</a>; Report by President Donald Tusk to the European Parliament on October European Council meetings and presentation of the Leaders&#8216; Agenda, <a href="http://www.european-council.europa.eu/en/press/press-releases/2017/10/24/tusk-report-european-parliament-strasbourg/pdf" target="_blank" rel="noopener">http://www.european-council.europa.eu/en/press/press-releases/2017/10/24/tusk-report-european-parliament-strasbourg/pdf</a></p>
<p>4 Vgl. insbesondere die Europa-Rede des franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten <i>Macron </i>am 26. September 2017 <a href="http://www.elysee.fr/declarations/article/initiative-pour-l-europe-discours-d-emmanuelmacron-pour-une-europe-souveraine-unie-democratique/" target="_blank" rel="noopener">http://www.elysee.fr/declarations/article/initiative-pour-l-europe-discours-d-emmanuelmacron-pour-une-europe-souveraine-unie-democratique/</a></p>
<p>5 Zu einer solchen Dystopie vgl. <i>Ukrow</i>, W&auml;chst Europa an seinen rechtspopulistischen Feinden? Vorg&auml;nge Nr. 216 (4/2016), S. 47 ff.</p>
<p>6 Vgl. <a href="https://www.interieur.gouv.fr/Elections/Les-resultats/Presidentielles/elecresult__presidentielle-2017/%28path%29/presidentielle-2017/FE.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.interieur.gouv.fr/Elections/Les-resultats/Presidentielles/elecresult__presidentielle-2017/(path)/presidentielle-2017/FE.html</a></p>
<p>7 Vgl. <a href="https://www.interieur.gouv.fr/Elections/Les-resultats/Legislatives/elecresult__legislatives-2017/%28path%29/legislatives-2017/FE.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.interieur.gouv.fr/Elections/Les-resultats/Legislatives/elecresult__legislatives-2017/(path)/legislatives-2017/FE.html</a>. Der Front National scheint seit den Pr&auml;sidentschafts- und Parlamentswahlen in eine versch&auml;rfte innerparteiliche Krise zu geraten; vgl. <a href="https://www.eurotopics.net/de/186557/schwaecht-machtkampf-den-front-national" target="_blank" rel="noopener">https://www.eurotopics.net/de/186557/schwaecht-machtkampf-den-front-national</a>.</p>
<p>8 Vgl. <a href="http://melenchon.fr/2016/09/23/plan-b-continue-chemin/" target="_blank" rel="noopener">melenchon.fr/2016/09/23/plan-b-continue-chemin/</a> sowie z.B. <i>Rousset/Mazuir</i>, Jean-Luc M&eacute;lenchon : son r&eacute;sultat &agrave; la pr&eacute;sidentielle, son parcours, son programme, <a href="https://www.lesechos.fr/elections/dossiers/0211690187738/0211690187738-presidentielle-2017-jean-luc-melenchon-sa-campagne-son-projet-2057500.php#DGRlqRvtEWYYqjoB.99" target="_blank" rel="noopener">https://www.lesechos.fr/elections/dossiers/0211690187738/0211690187738-presidentielle-2017-jean-luc-melenchon-sa-campagne-son-projet-2057500.php#DGRlqRvtEWYYqjoB.99</a></p>
<p>9 Vgl. <a href="http://www.bmi.gv.at/412/Bundespraesidentenwahlen/Bundespraesidentenwahl_2016/files/Kundmachung_BWB_BPW16_Ergebnis_2WG_WH.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://www.bmi.gv.at/412/Bundespraesidentenwahlen/Bundespraesidentenwahl_2016/files/Kundmachung_BWB_BPW16_Ergebnis_2WG_WH.pdf</a></p>
<p>10 Vgl. <a href="http://www.sora.at/themen/wahlverhalten/wahlanalysen/waehlerstromanalysen/nrw17.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.sora.at/themen/wahlverhalten/wahlanalysen/waehlerstromanalysen/nrw17.html</a></p>
<p>11 Vgl. <a href="https://www.kiesraad.nl/adviezen-en-publicaties/rapporten/2017/3/kerngegevens-tweedekamerverkiezing-2017/kerngegevens-tweede-kamerverkiezing-2017" target="_blank" rel="noopener">https://www.kiesraad.nl/adviezen-en-publicaties/rapporten/2017/3/kerngegevens-tweedekamerverkiezing-2017/kerngegevens-tweede-kamerverkiezing-2017</a></p>
<p>12 <a href="https://www.heise.de/tp/features/Niederlande-Viererkoalition-aus-Wirtschaftsliberalen-Linksliberalen-Katholiken-und-Kalvinisten-3856203.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.heise.de/tp/features/Niederlande-Viererkoalition-aus-Wirtschaftsliberalen-Linksliberalen-Katholiken-und-Kalvinisten-3856203.html</a></p>
<p>13 Vgl. <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/bulgarien-populisten-dominieren-bei-wahl-im-aermsten-eu-land-a-1140110.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.spiegel.de/politik/ausland/bulgarien-populisten-dominieren-bei-wahl-im-aermsten-eu-land-a-1140110.html</a></p>
<p>14 Vgl. <i>Hassel</i>, Tschechien r&uuml;ckt nach rechts, SZ v. 23.10.2017, S. 1; <i>van de Rakt</i>, Nach der Wahl in Tschechien: Das Ende der liberalen Demokratie in &#8222;Osteuropa&#8220;?, <a href="https://www.boell.de/de/2017/10/26/tschechien-nach-der-wahl" target="_blank" rel="noopener">https://www.boell.de/de/2017/10/26/tschechien-nach-der-wahl</a></p>
<p>15 Vgl. <a href="http://wahl16.bmi.gv.at/1604-0.html" target="_blank" rel="noopener">wahl16.bmi.gv.at/1604-0.html</a></p>
<p>16 Vgl. <a href="http://www.bmi.gv.at/412/Bundespraesidentenwahlen/Historischer_Rueckblick.aspx" target="_blank" rel="noopener">www.bmi.gv.at/412/Bundespraesidentenwahlen/Historischer_Rueckblick.aspx</a></p>
<p>17 Vgl. <a href="http://researchbriefings.parliament.uk/ResearchBriefing/Summary/CBP-7979#fullreport" target="_blank" rel="noopener">researchbriefings.parliament.uk/ResearchBriefing/Summary/CBP-7979</a></p>
<p>18 Beim Brexit-Referendum wurden keine umfassenden Nachwahlbefragungen durchgef&uuml;hrt. Pr&auml;zise Daten zur W&auml;hlerstruktur und dem Abstimmverhalten gibt es deshalb nicht, wohl aber Hinweise durch Umfragen bei insgesamt 3766 W&auml;hlern des britischen Meinungsforschungsinstitut YouGov und der Zeitung &#8222;The Times&#8220; vom 20. bis 22. Juni 2016 kurz vor dem Referendum.</p>
<p>19 In einer Umfrage der Forschungsabteilung des Soziologischen Instituts CVVM gaben im Sommer 2017 nur 56 % der Befragten an, dass sie der EU-Mitgliedschaft des Landes zustimmen. 76 % meinten, dass Tschechien nicht ausreichend Einfluss auf Entscheidungen und Verhandlungen in der EU habe. Vgl. <i>van de Rakt</i>, Nach der Wahl in Tschechien: Das Ende der liberalen Demokratie in &#8222;Osteuropa&#8220;?, <a href="https://www.boell.de/de/2017/10/26/tschechien-nach-der-wahl" target="_blank" rel="noopener">https://www.boell.de/de/2017/10/26/tschechien-nach-der-wahl</a></p>
<p>20 Vgl. van de Rakt, Nach der Wahl in Tschechien: Das Ende der liberalen Demokratie in &#8222;Osteuropa&#8220;? <a href="https://www.boell.de/de/2017/10/26/tschechien-nach-der-wahl." rel="nofollow noopener">https://www.boell.de/de/2017/10/26/tschechien-nach-der-wahl.</a></p>
<p>21 Vgl. <a href="https://www.franceculture.fr/politique/age-diplome-revenus-qui-vote-macron-qui-vote-lepen" rel="nofollow noopener">https://www.franceculture.fr/politique/age-diplome-revenus-qui-vote-macron-qui-vote-lepen</a></p>
<p>22 Vgl. hierzu z.B. <a href="https://www.theguardian.com/world/2017/may/04/french-election-marine-lepen-and-emmanuel-macron-trade-insults-in-tv-debate" target="_blank" rel="noopener">https://www.theguardian.com/world/2017/may/04/french-election-marine-lepen-and-emmanuel-macron-trade-insults-in-tv-debate</a></p>
<p>23 Vgl. hierzu Bauman, Retrotopia, 2017, S. 15</p>
<p>24 L&auml;ndliche Gebiete: 43 % LePen &#8211; 57 % Macron; St&auml;dte mit 100.000 Einwohnern und Gro&szlig;raum Paris 28 % LePen &#8211; 72 % Macron; vgl. <a href="https://www.franceculture.fr/politique/age-diplome-revenus-quivote-macron-qui-vote-le-pen" target="_blank" rel="noopener">https://www.franceculture.fr/politique/age-diplome-revenus-quivote-macron-qui-vote-le-pen</a>.</p>
<p>25 Vgl. <a href="https://www.franceculture.fr/politique/age-diplome-revenus-qui-vote-macron-qui-vote-lepen." rel="nofollow noopener">https://www.franceculture.fr/politique/age-diplome-revenus-qui-vote-macron-qui-vote-lepen.</a></p>
<p>26 Vgl. <i>Brunner/Moscovici</i>, Wer in &Ouml;sterreich wen gew&auml;hlt hat, <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/waehlergruppen-breite-basis-fuer-kurz-1.3710242" target="_blank" rel="noopener">http://www.sueddeutsche.de/politik/waehlergruppen-breite-basis-fuer-kurz-1.3710242</a>.</p>
<p>27 Vgl. <i>Gu&eacute;rot</i>, Der neue B&uuml;rgerkrieg, 2017, S. 23 ff.</p>
<p>28 Vgl. <a href="http://www.bundestag.de/blob/189558/21543d1184c1f627412a3426e86a97cd/charta-data.pdf" target="_blank" rel="noopener">www.bundestag.de/blob/189558/21543d1184c1f627412a3426e86a97cd/charta-data.pdf</a></p>
<p>29 Die Bedeutung dieser nicht zuletzt auch grundrechtlichen Komponente des europ&auml;ischen Grundwerte-Kanons hat der &ouml;sterreichische Bundespr&auml;sident Van der Bellen anl&auml;sslich der Beauftragung des Vorsitzenden der &Ouml;VP, Sebastian Kurz, mit der Regierungsbildung in &Ouml;sterreich am 20. Oktober 2017 unterstrichen; vgl. <a href="http://www.bundespraesident.at/newsdetail/artikel/erklaerung-desbundespraesidenten-zum-regierungsbildungsauftrag-an-sebastian-kurz/" target="_blank" rel="noopener">http://www.bundespraesident.at/newsdetail/artikel/erklaerung-desbundespraesidenten-zum-regierungsbildungsauftrag-an-sebastian-kurz/</a></p>
<p>30 Vgl. <a href="https://www.fpoe.at/fileadmin/user_upload/www.fpoe.at/dokumente/2017/Wahlprogramm2017/Wahlprogramm_8_9_low.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://www.fpoe.at/fileadmin/user_upload/www.fpoe.at/dokumente/2017/Wahlprogramm2017/Wahlprogramm_8_9_low.pdf</a>.</p>
<p>31 Vgl. <i>Siebenhaar</i>, Verteidiger der Demokratie gesucht, <a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/medienkommissar/der-medien-kommissar-verteidiger-der-demokratie-gesucht-/20490666.html." target="_blank" rel="noopener">http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/medienkommissar/der-medien-kommissar-verteidiger-der-demokratie-gesucht-/20490666.html.</a></p>
<p>32 So ist z.B. der Aufstieg von <i>Andrej Babi&#353; </i>ohne sein Medienimperium kaum vorstellbar. Vgl. <i>Siebenhaar</i>,Verteidiger der Demokratie gesucht, <a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/medienkommissar/der-medien-kommissar-verteidiger-der-demokratie-gesucht-/20490666.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/medienkommissar/der-medien-kommissar-verteidiger-der-demokratie-gesucht-/20490666.html</a>.</p>
<p>33 Vgl. <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/mariya-gabriel-im-interview-kein-europaeisches-google-15266391.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0" target="_blank" rel="noopener">http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/mariya-gabriel-im-interview-kein-europaeisches-google-15266391.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0</a>.</p>
<p>Eine weitgehende Gemeinsamkeit der j&uuml;ngsten Wahlen ist der Niedergang der sozialdemokratischen Parteienfamilie in Europa.</p>
<p>Bei den Pr&auml;sidentschaftswahlen in Frankreich erreichte der Kandidat der Parti Socialiste&nbsp; Beno&icirc;t Hamon im ersten Wahlgang am 23. April 2017 mit 2.291.288 Stimmen und einem Stimmenanteil von 6,36 % der abgegebenen Stimmen weit abgeschlagen erstmalig in der Geschichte der franz&ouml;sischen Pr&auml;sidentschaftswahlen nur den f&uuml;nften Platz unter den BewerberInnen. Das Debakel f&uuml;r den PS setzte sich bei den anschlie&szlig;enden Parlamentswahlen vor: Dort gewannen KandidatInnen der Parti Socialiste im ersten Wahlgang am 11. Juni 2017 mit 1.685.677 Stimmen nur 7,44 % der abgegebenen Stimmen, im zweiten Wahlgang mit 1.032.842 Stimmen nur noch 5,68 % der abgegebenen Stimmen und damit 30 von 577 Mandaten in der Nationalversammlung. <br />Beim ersten Wahlgang der &ouml;sterreichischen Pr&auml;sidentschaftswahlen errang der Kandidat der SP&Ouml; Rudolf Hundstorfer am 24. April 2016 lediglich 482.790 Stimmen und einen Stimmenanteil von 11,28 %.[15] Erstmalig in der Geschichte der zweiten &ouml;sterreichischen Republik nach 1945 gelang damit einer von der SP&Ouml; unterst&uuml;tzten Person nicht der Einzug zumindest in die zweite Runde der Pr&auml;sidentschaftswahlen.[16] <br />Dieses Debakel (das in vergleichbarer Weise auch die &Ouml;VP erlitt), konnte die SP&Ouml; bei den Nationalratswahlen 2017 nicht ausgleichen: Die SP&Ouml; unter Vorsitz von Bundeskanzler Christian Kern gewann mit 1.361.746 Stimmen einen Stimmanteil von 26,86 % (2013: 1.258.605 Stimmen / 26,82 %) und konnte damit ihren absoluten Stimmenanteil zwar erh&ouml;hen, aber ihr prozentual schlechtestes Ergebnis von 2013 nur marginal verbessern.<br />Den gr&ouml;&szlig;ten Verlust bei den niederl&auml;ndischen Parlamentswahlen erlitt die sozialdemokratische Partij van de Arbeid, die nur noch 5,7 % und damit ihr historisch schlechtestes Wahlergebnis erreichte &#8211; nachdem sie 2012 mit 24,8 % noch (knapp hinter der VVD) zweitst&auml;rkste parteipolitische Kraft und Regierungspartei geworden war.<br />Den gr&ouml;&szlig;ten Verlust bei den tschechischen Parlamentswahlen erlitt die sozialdemokratische ?SSD, die nur noch 7 % und damit ihr historisch schlechtestes Wahlergebnis erreichte &#8211; nachdem sie 2013 mit 20,5 % noch Wahlsiegerin gewesen war.</p>
<p>Mit Blick auf die traditionell antinationalistische und proeurop&auml;ische Ausrichtung dieser Parteienfamilie und die Probleme, die mit diesem Niedergang f&uuml;r den demokratischen Diskurs &uuml;ber die Zukunft unserer Gesellschaft verbunden sein k&ouml;nnen, ist auch dieser Entwicklung ein Gef&auml;hrdungspotential f&uuml;r Europa eigen.<br />Einen Ausrei&szlig;er aus diesem Niedergang bildet lediglich die Labour Party unter Vorsitz von Jeremy Corbyn: Sie erhielt bei den vorgezogenen Unterhauswahlen am 8. Juni 2017 40 % der Stimmen (ein Zuwachs von 9,5 %) und konnte die Anzahl ihrer Sitze im Unterhaus, in dem die konservative Premierministerin May nunmehr eine von der nordirischen DUP tolerierte Minderheitsregierung f&uuml;hrt, im Vergleich zur vorherigen Wahl 2015 auf 262 von 650 Abgeordneten (+30) steigern.[17]<br />Soziodemographische Erkenntnisse aus den j&uuml;ngsten Wahlen und Abstimmungen<br />Je &auml;lter W&auml;hlerInnen sind, um so st&auml;rker sind tendenziell EU-kritische Einstellungen aktivierbar.</p>
<p>Beim britischen Referendum zur EU-Mitgliedschaft pr&auml;ferierten &auml;ltere Bev&ouml;lkerungsteile den Brexit, j&uuml;ngere den Verbleib in der EU.[18] Bei den &uuml;ber 65-J&auml;hrigen lag die Zustimmung zum EU-Austritt bei 63 %, bei den 50- bis 64-J&auml;hrigen immerhin noch bei 56 %. Unter den 25-49-J&auml;hrigen waren hingegen 55 % sog. Remainers, bei den 18-24-J&auml;hrigen sogar 80 %.<br />Hinter dem Wahlerfolg von Sebastian Kurz in &Ouml;sterreich steht zwar keine einzelne Bev&ouml;lkerungsgruppe. Allerdings waren seine Zustimmungswerte bei den &uuml;ber 60-J&auml;hrigen mit 36&nbsp;% (Stimmenanteil insgesamt: 31,6 %) am h&ouml;chsten. Bei den bis 29-J&auml;hrigen holte die Partei demgegen&uuml;ber nur 28 %, bei den 30 bis 59-J&auml;hrigen 31 %. Fast spiegelbildlich hierzu stellen sich die Werte bei der FP&Ouml; dar: Diese schnitt bei den bis 29-J&auml;hrigen (bei einem Stimmenanteil von 26 % insgesamt) mit 30 % am besten und bei den &uuml;ber 60-J&auml;hrigen mit 19 % am schlechtesten ab.<br />In einem mehrheitlich EU-kritisch eingestellten gesellschaftlichen Umfeld[19] wurde Andrej Babi&#353; mit seiner Bewegung ANO mit einem Programm, das auf die Priorit&auml;ten&nbsp; &#8222;Sicherheit&#8220;, &#8222;effektiver und wirtschaftlicher Staat&#8220;, &#8222;Investitionen in unser Land&#8220;, &#8222;Investitionen in unsere Leute&#8220; setzte, vor allem von mittleren und &auml;lteren Altersgruppen gew&auml;hlt. Bei den &uuml;ber 60-J&auml;hrigen erzielte er bei einem Gesamt-Stimmenanteil bei den tschechischen Parlamentswahlen von 29,6 % sogar 41 %.[20]<br />Ein disparateres Bild zeigt sich insoweit bei den Pr&auml;sidentschaftswahlen in Frankreich: Die schw&auml;chste Zustimmung erfuhr LePen dort nach Befragungen zwischen erstem und zweitem Wahlgang in der Altersgruppe der 60-69-J&auml;hrigen (30 %) sowie der Altersgruppe der mindestens 70 Jahre alten W&auml;hlerInnen (22 %). Aber auch bei den 18-24-J&auml;hrigen waren die Zustimmungswerte f&uuml;r LePen unterdurchschnittlich (34 %). Diese W&auml;hlergruppe, die in der ersten Runde der Pr&auml;sidentschaftswahlen noch mit relativer Mehrheit Jean-Luc M&eacute;lenchon gew&auml;hlt hatten, &auml;u&szlig;erten in der Befragung kurz vor der Stichwahl mit deutlicher Mehrheit (66 %) die Absicht, Macron zu w&auml;hlen. Die st&auml;rkste Zustimmung erfuhr LePen in der Altersgruppe zwischen 35 und 49 Jahren (43 %).[21] Die &uuml;ber s&auml;mtlichen Bev&ouml;lkerungsgruppen beobachtbaren Einbr&uuml;che in den Zustimmungswerten f&uuml;r LePen d&uuml;rften nicht zuletzt auch in ihrer &uuml;bereinstimmend als wenig sachkundig und pr&auml;sidentiell empfundenen Performance bei dem TV-Duell mit Macron begr&uuml;ndet liegen.[22]</p>
<p>Manches spricht daf&uuml;r, dass &auml;ltere Mitb&uuml;rgerInnen st&auml;rker als j&uuml;ngere in Zeiten tats&auml;chlicher oder&nbsp; vermeintlicher politischer, &ouml;konomischer oder gesellschaftlicher Krisen zu einer nostalgischen &#8222;Kehrtwende ins Gestern&#8220;&nbsp; neigen und unter der Sehnsucht nach der &#8222;guten alten Zeit&#8220; leiden, in der die Dinge noch unilateraler und vor allem &uuml;berschaubarer schienen.[23] J&uuml;ngere Mitb&uuml;rgerinnen, die nur die Zeit der europ&auml;ischen Erweiterung und Vertiefung kennen, k&ouml;nnen sich ein Leben mit Grenzen l&auml;ngst nicht mehr vorstellen.<br />Eine zweite Erkenntnis aus den untersuchten Wahlen: In st&auml;dtischen Milieus sind tendenziell EU-kritische Einstellungen weniger stark verbreitet als in l&auml;ndlichen.</p>
<p>Die W&auml;hlerInnen in den gro&szlig;en britischen St&auml;dten stimmten in vielen F&auml;llen gegen den EU-Austritt. In London waren fast 60 % der W&auml;hler Remainers, in Manchester sogar mehr als 60 %, in Liverpool 58,2 %. In l&auml;ndlichen Regionen wie Yorkshire war demgegen&uuml;ber der Anteil der Brexiteers besonders stark. Im dortigen Wahlbezirk East Lindsey etwa stimmten 71 % und damit nahezu drei Viertel der W&auml;hler f&uuml;r den Brexit. Hier erzielte die UKIP auch in der Vergangenheit gro&szlig;e Erfolge.<br />Befragungen zwischen erstem und zweitem Wahlgang bei der Pr&auml;sidentschaftswahl in Frankreich zufolge war der Anteil von Personen, die LePen w&auml;hlen wollten, in St&auml;dten mit mehr als 100.000 Einwohnern am geringsten, in l&auml;ndlichen Gebieten am h&ouml;chsten.[24]<br />Die proeurop&auml;isch eingestellte tschechische Partei TOP 09 erzielte in Prag mit 13&nbsp;% ihren h&ouml;chsten Stimmenanteil; au&szlig;erhalb der Hauptstadt schnitt sie erheblich schw&auml;cher ab.</p>
<p>Im Hinblick auf die Zukunft des Projekts Europa besonders bedeutsam ist eine dritte Erkenntnis: Bei ArbeiterInnen und Personen mit geringem Bildungs- und Berufsabschluss sind tendenziell EU-kritische Einstellungen st&auml;rker aktivierbar als bei sozial besser gestellten Bev&ouml;lkerungsgruppen mit h&ouml;herem Bildungs- und Berufsabschluss.</p>
<p>In der YouGov-Umfrage vom Juni 2016 sprachen sich unter den Befragten der so genannten &#8222;ABC1&#8220;-Gruppe, die in der britischen Marktforschung die Mitglieder einer der drei h&ouml;chsten sozio&ouml;konomischen Gruppen bezeichnet, 59&nbsp;% klar f&uuml;r einen Verbleib in der EU aus. In der &#8222;C2DE&#8220;-Gruppe der drei niedriger gestellten Schichten votierten hingegen 61&nbsp;% f&uuml;r den Brexit.<br />Befragungen zwischen erstem und zweitem Wahlgang bei der Pr&auml;sidentschaftswahl in Frankreich zufolge verdienen Macron-W&auml;hler mehr Geld als die seiner Kontrahentin. 75 % der Befragten, die im 2. Wahlgang f&uuml;r Macron stimmen wollten, haben in ihrem Haushalt mehr als 3.000 Euro zur Verf&uuml;gung. Befragte mit der Absicht, Le Pen zu w&auml;hlen, sind mit 45 % dagegen am ehesten in der Einkommensgruppe unter 1.250 Euro vertreten.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <br />Je besser ausgebildet die W&auml;hler waren, desto eher planten sie, Macron zu w&auml;hlen: W&auml;hrend 45 % der W&auml;hlerInnen mit einem geringeren Bildungsabschluss als dem bac, d.h. dem franz&ouml;sischen Abitur, planten, f&uuml;r LePen zu stimmen, waren es bei W&auml;hlerInnen mit mindestens dem bac+3, d.h. W&auml;hlerInnen mit dreij&auml;hrigem Studium und Erwerb der licence, nur 19 %.[25]<br />Wie schon bei fr&uuml;heren Wahlen in &Ouml;sterreich hat die FP&Ouml; auch 2017 unter Arbeitern besonders gut abgeschnitten. Insgesamt gaben hier 59 % ihre Stimme den Freiheitlichen (bei einem Wahlergebnis von 26 %). Die Sozialdemokraten, die klassischen Vertreter der Arbeiter, kamen in dieser Bev&ouml;lkerungsgruppe nur noch auf 19 %.[26]</p>
<p>Dies ist nicht zuletzt auch Ausfluss eines fiskal- und sozialpolitischen Defizits der vertieften europ&auml;ischen Integration &uuml;ber die Vertr&auml;ge von Maastricht und Amsterdam, in der die Balance zwischen Freiheits-, Gleichheits- und Solidarit&auml;tsversprechen zu zerbrechen und das Versprechen auf Wohlstand f&uuml;r alle zur Chim&auml;re zu werden droht.[27] Ein Vergleich zwischen deutscher Wiedervereinigung und europ&auml;ischer Integration belegt insoweit paradigmatisch bemerkenswerte Unterschiede: die deutsche Wiedervereinigung wurde innenpolitisch durch den Abschluss einer Wirtschafts-, W&auml;hrungs- und Sozialunion besiegelt, w&auml;hrend der Euro nur im Rahmen einer Wirtschafts- und W&auml;hrungsunion eingef&uuml;hrt wurde, bei der schon nominell die soziale Komponente fehlte und die wirtschaftliche Angleichung der Lebensverh&auml;ltnisse in der EU weder vertraglich hinreichend vorgegeben noch im Zeichen der nationalen Pr&auml;gung des politischen Diskurses bei Wahlen erfolgversprechend erscheint.</p>
<p><b>Gefahren f&uuml;r Europa im Lichte der Grundwerte der EU &#8211; eine europarechtliche Einordnung</b></p>
<p>Nicht jede Gegnerschaft zu bisherigen sekund&auml;rrechtlichen Akten der EU, verbunden mit dem Wunsch, diese in unionsrechtskonformer Weise zu &auml;ndern, begr&uuml;ndet eine Gegnerschaft zur EU. Selbst der Wille zur &Auml;nderung von EUV und AEUV als &#8222;Verfassungsurkunden&#8220; der EU begr&uuml;ndet eine solche Gegnerschaft. Die Gegnerschaft geht vielmehr nur mit einer Ablehnung der Grundwerte der EU einher, die nunmehr in Art. 2 EUV verankert sind:<br />&#8222;Die Werte, auf die sich die Union gr&uuml;ndet, sind die Achtung der Menschenw&uuml;rde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschlie&szlig;lich der Rechte der Personen, die Minderheiten angeh&ouml;ren. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarit&auml;t und die Gleichheit von Frauen und M&auml;nnern auszeichnet.&#8220;<br />Es handelt sich hierbei nicht um isoliert der EU eigene Grundwerte. Auch europ&auml;ische Staaten, die (noch) nicht der EU angeh&ouml;rten oder angeh&ouml;ren, wie z.B. die T&uuml;rkei und die damalige UdSSR, aber auch au&szlig;ereurop&auml;ische Staaten wie Kanada und die USA, haben sich mit der &#8222;Charta von Paris f&uuml;r ein neues Europa&#8220;[28] als Schlussdokument der&nbsp;KSZE-Sondergipfelkonferenz am 21. November 1990 kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands auf Grundwerte verst&auml;ndigt, die mit denen des Art. 2 EUV im Wesentlichen deckungsgleich sind. Dies gilt nicht zuletzt f&uuml;r das Bekenntnis zu Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Auch f&uuml;r die Nicht-EU-Mitgliedstaaten T&uuml;rkei und Russische F&ouml;deration beansprucht diese Charta fortdauernde Geltung.<br />Nicht jede Verletzung eines der vorgenannten Grundwerte begr&uuml;ndet eine Gegnerschaft zu Europa. Dies ist &#8211; in Anlehnung an Art. 7 EUV &#8211; nur bei einer nachhaltigen Ablehnung dieser Grundwerte der Fall, insbesondere dann, wenn sich diese qualifizierte Gegnerschaft in einer staatlichen wiederholten Verletzung dieser Werte &auml;u&szlig;ert.[29]<br />Eine solche nachhaltige Ablehnung stellt es z.B. dar, wenn die FP&Ouml; in ihrem Wahlprogramm zur Nationalratswahl 2017 ausschlie&szlig;lich &ouml;sterreichische Staatsb&uuml;rger in den Genuss ihrer &#8222;Forderungen zur Beseitigung der Fairness-Krise&#8220; gelangen lassen will, die EMRK durch eine &#8222;&Ouml;sterreichische Menschenrechtskonvention&#8220;, &#8222;die auch das Heimatrecht der &Ouml;sterreicher sch&uuml;tzt&#8220;, ersetzen will, und eine &#8222;sektorale Schlie&szlig;ung des &ouml;sterreichischen Arbeitsmarktes f&uuml;r EU-Ausl&auml;nder und Drittstaatsangeh&ouml;rige zum Schutz heimischer Arbeitnehmer&#8220; fordert.[30] <br />Eine besondere Gef&auml;hrdungslage f&uuml;r Europa &#8211; Einschr&auml;nkungen der Freiheit und Missachtung der Verantwortung der Medien<br />Als Karl F&uuml;rst zu Schwarzenberg, der fr&uuml;here tschechische Au&szlig;enminister, gefragt wurde, was denn der gr&ouml;&szlig;te Konstruktionsfehler bei der Osterweiterung der Europ&auml;ischen Union w&auml;re, wies er auf die fehlende Unabh&auml;ngigkeit der Justiz hin. Das ist richtig, greift aber zu kurz. Denn die Freiheit der Medien ist genauso wichtig f&uuml;r eine demokratische Gesellschaft.[31] Aber die EU wird nicht nur durch einen zunehmenden Zugriff staatlicher Stellen auf die Medien sowie durch die Ballung von politischer und medialer Macht bedroht.[32] In nennenswertem Umfang erfolgt eine solche Gef&auml;hrdung bereits heute auch durch Hass und Fake News in sozialen Netzwerken. Um Gefahren f&uuml;r das Projekt Europa im Zeitalter von Digitalisierung und Globalisierung nachhaltig abwehren und eind&auml;mmen zu k&ouml;nnen, bedarf es deshalb auch einer werteorientierten Kommunikationsordnung, die das Internet nicht als de facto unregulierbaren Raum toleriert, sondern den Jugendschutz und den Schutz der Menschenw&uuml;rde auch digital ernst nimmt. <br />Die geplante Digitalunion[33] ist insoweit ein wichtiger, aber noch nicht hinreichender Schritt. Zur Selbstbehauptung Europas braucht es auch den Mut, gegen au&szlig;ereurop&auml;ische Intermedi&auml;re wie Google oder Facebook europ&auml;ische Konkurrenten in Stellung zu bringen. Nur mit einer digitalen Industriepolitik Europas beh&auml;lt es seine Wettbewerbsf&auml;higkeit, ohne die seine soziale Dimension nicht ausbaubar ist.&nbsp; Auch Kleinm&uuml;tigkeit stellt deshalb eine Gefahr f&uuml;r ein demokratisches, freies, solidarisches und soziales Europa dar.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/220-vorgaenge/publikation/wer-ist-gegen-europa-analyse-der-wahlen-in-der-eu-nach-dem-brexit-referendum-1/">Wer ist gegen Europa? &#8211; Analyse der Wahlen in der EU nach dem Brexit-Referendum</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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		<title>Wächst Europa an seinen rechtspopulistischen Feinden?</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Dec 2016 15:37:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Europ&#228;ische wehrhafte Demokratie und Schutz der Grundwerte in der EU. In: vorg&#228;nge Nr. 216 (4/2016), S. 47-67 Der rechtspopulistische und rechtsextremistische Bewegungen und Parteien gewinnen zunehmend an Einfluss in der Europ&#228;ischen Union (EU). Das gilt f&#252;r osteurop&#228;ische Staaten wie sog. alte Demokratien Westeuropas, gef&#228;hrdet die normativen und demokratischen Grundlagen der EU und beeintr&#228;chtigt deren au&#223;enpolitische [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Europ&auml;ische wehrhafte Demokratie und Schutz der Grundwerte in der EU. In: vorg&auml;nge Nr. 216 (4/2016), S. 47-67</p>
<p><i>Der rechtspopulistische und rechtsextremistische Bewegungen und Parteien gewinnen zunehmend an Einfluss in der Europ&auml;ischen Union (EU). Das gilt f&uuml;r osteurop&auml;ische Staaten wie sog. alte Demokratien Westeuropas, gef&auml;hrdet die normativen und demokratischen Grundlagen der EU und beeintr&auml;chtigt deren au&szlig;enpolitische Handlungsf&auml;higkeit. J&ouml;rg Ukrow benennt in seinem Beitrag Ursachen dieser Entwicklung, beschreibt die Gefahren, die der Union nach innen wie au&szlig;en daraus erwachsen, und skizziert m&ouml;gliche politische wie rechtliche Schritte zur aktiven Bek&auml;mpfung der rechtspopulistischen Parteien, die bisher ungeachtet ihrer nationalistischen Ausrichtung enorm von der finanziellen F&ouml;rderung durch die EU profitieren. </i></p>
<h5>Verst&auml;rkte europ&auml;ische Zusam&shy;me&shy;n&shy;a&shy;r&shy;beit der Rechts&shy;po&shy;pu&shy;listen &ndash; eine Dystopie*</h5>
<p>24. M&auml;rz 2017: Am Vorabend der offiziellen Feiern zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung der R&ouml;mischen Vertr&auml;ge kommen der neu gew&auml;hlte italienische Ministerpr&auml;sident Beppe Grillo, der ungarische Ministerpr&auml;sident Viktor Orban, der polnische Regierungschef Jaros?aw Kaczinski, der &ouml;sterreichische Bundespr&auml;sident Norbert Hofer und der designierte niederl&auml;ndische Ministerpr&auml;sident Geert Wilders zusammen und beschlie&szlig;en einen f&uuml;nf-Punkte-Plan f&uuml;r ein &#8222;Europa der Sicherheit und des Rechts&#8220;. Bestandteile eines kurzfristig umzusetzenden Aktionsplans sind die dauerhafte R&uuml;ckkehr zu Grenzkontrollen an den Au&szlig;engrenzen ihrer L&auml;nder, die Festlegung von Kontingenten f&uuml;r Muslime auf dem Arbeitsmarkt, die Begrenzung von Leistungen f&uuml;r Muslime innerhalb der sozialen Sicherungssysteme der EU-Mitgliedstaaten, die K&uuml;ndigung der Europ&auml;ischen Menschenrechtskonvention und der Genfer Fl&uuml;chtlingskonvention sowie die Aussetzung der Grundrechte-Charta der EU. &#8222;Wir wollen eine Absicherung der abendl&auml;ndischen Kultur und ihrer Werte. Die EU hat hierbei versagt. Wir bieten den &uuml;brigen Mitgliedstaaten der EU Verhandlungen &uuml;ber ein neues Projekt Europa an &#8211; ein Europa der Vaterl&auml;nder statt eines undemokratischen Superstaates. Sollten diese Verhandlungen keinen Erfolg haben, werden wir die EU gemeinsam verlassen&#8220;, hei&szlig;t es in der Abschluss-Erkl&auml;rung des neu eingerichteten &#8222;Gipfels der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts&#8220;. Der russische Pr&auml;sident Wladimir Putin begr&uuml;&szlig;t die Erkl&auml;rung gemeinsam mit dem US-Pr&auml;sidenten Donald Trump als &#8222;Grundlage f&uuml;r eine neue Ara der Kooperation und Sicherheit zwischen San Francisco und Wladiwostok&#8220;. Die Umfragewerte von Marine Le Pen signalisieren wenige Tage danach ihren Sieg im zweiten Wahlgang bei den franz&ouml;sischen Pr&auml;sidentschaftswahlen.</p>
<p>Diese aus b&uuml;rgerrechtlicher Perspektive erschreckende Vision erscheint mit Blick auf j&uuml;ngste Entwicklungen nicht mehr v&ouml;llig abwegig. Sicherheit in ihren verschiedenen Facetten &#8211; innere Sicherheit, soziale Sicherheit, &auml;u&szlig;ere Sicherheit &#8211; ist aus Sicht vieler B&uuml;rger in der EU bedroht.1 Mit dieser Angst agieren rechtspopulistische Kr&auml;fte zunehmend erfolgreich. Die dramatische Ausbreitung anti-europ&auml;ischer wie anti-demokratischer Einstellungen bis in die gesellschaftliche Mitte von Mitgliedstaaten der EU2 ist eine Reaktion auf diese Angst und f&ouml;rdert zugleich den Erfolg von Rechtspopulisten. Ihr Aufstieg erfolgt zeitgleich mit einer Verallt&auml;glichung,3 ja einem Erodieren des Charismas der europ&auml;ischen Integration. Ein demokratisch vereintes Europa, wie z.B. in der Pr&auml;ambel des Grundgesetzes als Zielperspektive aufgezeigt,4 ist nach dem Brexit-Votum offenbar in weite Ferne ger&uuml;ckt. Erste politische Bem&uuml;hungen, dem desintegrativen Potential dieses Votums mit einer Initiative f&uuml;r ein b&uuml;rgern&auml;heres, demokratischeres und sozialeres Europa zu begegnen,5 drohen im Sande zu verlaufen. Ein st&auml;rker integriertes Europa scheint den Demokratie-Test nicht zu bestehen. Die gescheiterten Referenden zur geplanten Europ&auml;ischen Verfassung in Frankreich und den Niederlanden wirken hier als fortdauerndes Menetekel. Der Zeitgeist weist offenbar zunehmend zur&uuml;ck in eine nationalistische und anti-demokratische Richtung.6</p>
<h5>Rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;sche Grenzen des Wachstums f&uuml;r ein vereintes Europa?</h5>
<p>Demokratie kann es in der EU als repr&auml;sentativ-demokratischem Staaten- und Verfassungsverbund7 nur als Mehrebenen-Demokratie8 geben. Vertiefung wie Erweiterung dieses Integrationsverbundes bed&uuml;rfen einer demokratischen Legitimation auf den Ebenen der Union wie der Mitgliedstaaten. Sp&auml;testens nach der prim&auml;rrechtlichen Verankerung dieses demokratischen Legitimationsverbundes in Art. 10 EUV folgt aus diesem Verbund, dass Gef&auml;hrdungen des demokratischen Prozesses auf einer der Ebenen unmittelbare Auswirkungen auf die Funktionsf&auml;higkeit des Verbundes insgesamt begr&uuml;nden k&ouml;nnen. Zudem ger&auml;t auch eine immer engere Union als Zielperspektive der EU9 ins Wanken, wenn das repr&auml;sentativ-demokratische Movens auf einer der beiden demokratischen Legitimationsebenen ins Stottern ger&auml;t.10</p>
<p>F&uuml;r viele EU-B&uuml;rger ist die zunehmende Europ&auml;isierung des demokratischen Prozesses intransparent und l&ouml;st Zweifel an den eigenen Mitwirkungsm&ouml;glichkeiten aus.11 Die Zunahme der sozio&ouml;konomischen Ungleichheit, die Prekarisierung der unteren Schichten, der Bedeutungsverlust von Volksparteien, Gewerkschaften und anderen gro&szlig;en kollektiven Organisationen, die f&uuml;r die politische Sozialisation gerade des unteren Schichtungsdrittels der Gesellschaft eine wichtige Rolle im 20. Jahrhundert spielten, blockierte Aufstiegschancen und gebrochene Aufstiegsversprechen haben in der gesamten EU die Politik- und Demokratieverdrossenheit bildungsferner B&uuml;rger gen&auml;hrt12 und bef&ouml;rdern einen Prozess der &#8222;Aush&ouml;hlung&#8220; der europ&auml;ischen Demokratien.13</p>
<p>Zus&auml;tzliche Gef&auml;hrdungen der demokratischen Legitimationsf&auml;higkeit einer Union Europas drohen durch eine politische Str&ouml;mung, die sowohl in der politikwissenschaftlichen Forschung als auch in der politischen und medialen &Ouml;ffentlichkeit als &#8222;Rechtspopulismus&#8220; bezeichnet wird.14 Zwar tritt diese Str&ouml;mung nicht als monolithischer gesamteurop&auml;ischer Block in Erscheinung. Die kulturelle und historische Vielfalt innerhalb der EU wirkt gerade bei Parteien, die sich auf das jeweilige nationale Erbe als Bezugspunkt fixieren, hemmend bei der Verdichtung rechtspopulistischer Vernetzung.</p>
<p>So beziehen sich rechtspopulistische Kr&auml;fte in Ost- und Mitteleuropa aufgrund ihrer Traditionen meist auf autorit&auml;re Politikkonzepte aus der ersten H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts. Dagegen inszenieren sich die Rechtspopulisten in den alten Demokratien mitunter als &#8222;wahre Vertreterin&#8220; der demokratischen Traditionen und Werte ihres Landes. Das Nebeneinander von gemeinsamer Abwehr-Haltung und nationalen Besonderheiten im Konzept der &#8222;Fremden&#8220;-Entrechtung zeigt sich auch im Identit&auml;tsverst&auml;ndnis der Rechtspopulisten: Von einem antisemitischen Grundkonsens kann keine Rede mehr sein, wohl aber von einem anti-muslimischen Kern von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. In Osteuropa erscheinen die &#8222;Feindgruppen&#8220; in der Regel anders und breiter gefasst als in Westeuropa, der Hass ist h&auml;ufig aggressiver und richtet sich vornehmlich gegen Juden, ethnische Minderheiten und Homosexuelle.15 Hier mag die kulturelle Pr&auml;gung von vier Jahrzehnten real existierender sozialistischer Moral ebenso fortwirken wie das orthodoxe, katholisch-verklemmte Erbe von Jahrhunderten. Auch die &Auml;ngste gegen&uuml;ber einer globalisierten Welt scheinen in osteurop&auml;ischen L&auml;ndern weiter verbreitet. Insofern wirkt sich m&ouml;glicherweise die versp&auml;tete Integration dieser L&auml;nder in den europ&auml;isch-transatlantischen Wirtschafts- und Werteverbund &auml;hnlich problematisch aus wie die versp&auml;tete Nationenbildung Deutschlands im 19. Jahrhundert: &Uuml;bersteigerter Nationalismus wirkt als Folge zu lange unterdr&uuml;ckten Selbst-Bewusstseins.</p>
<p>Zwar unterscheiden sich historische Herkunft, politische Programmatik und W&auml;hlermilieus rechtspopulistischer Parteien in nicht unerheblichem Umfang. Bei den Positionierungen zu gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragestellungen gibt es, je nach Thema, inhaltliche Schnittfl&auml;chen zu rechten wie linken Positionen im parteipolitischen Spektrum.16 Doch wenn rechtspopulistische Bewegungen in so unterschiedlichen L&auml;ndern wie D&auml;nemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden, &Ouml;sterreich, Polen, der Slowakei, oder Ungarn immer st&auml;rker werden, muss es gemeinsame und (daher) systemische Ursachen geben. Diese w&uuml;rden durch die schwerpunktm&auml;&szlig;ige oder gar alleinige Betrachtung nationaler Erfolgsfaktoren ausgeblendet. Aus demokratischer Perspektive gibt es im organisierten Rechtspopulismus in Europa besorgniserregende &Uuml;bereinstimmungen, die ungeachtet des Gebots differenzierender Analyse eine gemeinsame Betrachtung rechtfertigen.</p>
<h5>Rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;sche Erfolge in der EU &ndash; eine Zwischen&shy;bi&shy;lanz</h5>
<p>Nicht nur in &Ouml;sterreich (Freiheitliche Partei &Ouml;sterreichs, FP&Ouml;), den Niederlanden (Partij voor de Vrijheid, PVV), im Baltikum (z.B. Lettland: Te?vzemei un Bri?vi?bai/LNNK) und in Skandinavien (z.B. Schweden: Sverigedemokraterna, SD; D&auml;nemark: Dansk Folkeparti, DF) ist rechtspopulistischen Parteien inzwischen &#8211; z.&nbsp;T. schon wiederholt &#8211; der Sprung in die jeweiligen nationalen Parlamente gelungen. In Finnland (Perussuomalaiset, kurz Perus; deutsch seit 2012: Die Finnen), Polen (Prawo i Sprawiedliwos?c?, PiS), Ungarn (Fidesz17 &#8211; Magyar Polg&aacute;ri Sz&ouml;vets&eacute;g; deutsch: Fidesz &#8211; Ungarischer B&uuml;rgerbund), in der Slowakei und in Kroatien sind rechtspopulistische Kr&auml;fte sogar seit einiger Zeit Teil von Regierungskoalitionen.18</p>
<p>Wahlerfolge haben Rechtspopulisten aber nicht nur auf der Ebene der Mitgliedstaaten der EU vorzuweisen. Ungeachtet ihrer Fundamental-Kritik an der EU ist es rechtspopulistischen Kr&auml;ften auch gelungen, ihre Stellung innerhalb des Europ&auml;ischen Parlaments (EP) auszubauen und finanzielle F&ouml;rderungen seitens der EU zu aktivieren.</p>
<p>Rechtspopulistische und -extremistische Parteien und W&auml;hlergruppen konnten bei den Wahlen zum EP im Mai 2014 rund 140 von 751 Sitzen erobern. In Frankreich wurde der Front National (FN) mit 26&nbsp;% der Stimmen st&auml;rkste Kraft, im Vereinigten K&ouml;nigreich wurde dies die United Kingdom Independent Party (UKIP) mit sogar 28&nbsp;% der Stimmen. In Ungarn errang die rechtspopulistische Fidesz-Partei von Regierungschef Viktor Orban 51,5&nbsp;% der Stimmen, die rechtsextreme Partei Jobbik erzielte hier zudem 14,7&nbsp;%. In Polen gewann die rechtspopulistische PiS (deutsch: Recht und Gerechtigkeit) 31,78&nbsp;% der Stimmen und der Kongres Nowej Prawicy (KNP, deutsch: Kongress der Neuen Rechten) 7,2 % der Stimmen. In D&auml;nemark wurde die DF mit 23&nbsp;% der Stimmen st&auml;rkste Partei, in &Ouml;sterreich erzielte die rechtspopulistische FP&Ouml; fast 8&nbsp;% Zuwachs und landete mit 20,5&nbsp;% auf dem dritten Platz. Gleiches gelang der rechtspopulistischen Partei Die Finnen mit fast 13&nbsp;% der Stimmen.</p>
<p>Allerdings konnten rechtspopulistische Parteien nicht &uuml;berall in Europa Stimmengewinne verzeichnen. In Belgien, Italien und den Niederlanden verloren der Vlaams Belang (VB), die Lega Nord (LN) und die Partij voor de Vrijheid (PVV) zwischen drei und sechs Prozent. Auch in den von der Wirtschafts- und Finanzkrise seit 2007/2008 besonders betroffenen EU-Mitgliedstaaten Griechenland und Spanien blieben rechtspopulistische Parteien ohne besondere Wahlerfolge. Es gibt zudem auch weiterhin Mitgliedstaaten wie Irland oder Portugal, in denen rechtspopulistische oder -extremistische Parteien zumindest seit deren EU-Mitgliedschaft keine Rolle mehr spielen.19</p>
<p>Ob der politische Erfolg von rechtspopulistischen Parteien wie des FN &uuml;ber das Mehrheitswahlrecht wie in Frankreich auch weiterhin einged&auml;mmt werden kann, erscheint offen. Aber selbst wenn es weiterhin &#8222;republikanische&#8220; Absprachen zur Vermeidung von rechtspopulistischen Erfolgen in Stichwahlen geben sollte,20 zeichnet sich doch eine Pr&auml;gung der politisch-programmatischen Agenda f&uuml;hrender Repr&auml;sentanten anderer Parteien durch Anleihen bei rechtspopulistischen Positionen ab.21 Insbesondere in Referenden wie z.B. der Abstimmung in den Niederlanden zum EU-Ukraine-Assoziierungsabkommen (am 6. April 2016)22 gewinnen rechtspopulistische Positionen ein erhebliches Gewicht.</p>
<p>Dies mag eine weitere programmatische Gemeinsamkeit rechtspopulistischer Bewegungen in Europa bef&ouml;rdern: Sie k&auml;mpfen f&uuml;r eine St&auml;rkung der plebiszit&auml;ren Demokratie im Verfassungsgef&uuml;ge ihrer Heimatl&auml;nder. Wo sie &#8211; wie in Ungarn &#8211; an der Macht sind, bedienen sie sich dabei auch des Instruments der manipulativen Befragung, um anti-humanit&auml;re und anti-pluralistische Ressentiments zus&auml;tzlich zu bef&ouml;rdern.23</p>
<p>Nach den Wahlen vom Mai 2014 haben sich im EP acht Fraktionen24 gebildet, von denen zwei ein rechtspopulistisches Profil aufweisen: Die Fraktion &#8222;Europa der Freiheit und der direkten Demokratie&#8220; mit aktuell 45 Abgeordneten und die Fraktion &#8222;Europa der Nationen und Freiheit&#8220; mit aktuell 38 Fraktionsmitgliedern.</p>
<p>St&auml;rkste Kr&auml;fte innerhalb der Fraktion &#8222;Europa der Freiheit und der direkten Demokratie&#8220; sind die britische United Kingdom Independent Party25 mit derzeit 22 und die italienische F&uuml;nf-Sterne-Bewegung mit 17 Abgeordneten. Weitere Abgeordnete kommen aus Schweden, Frankreich, Litauen, Polen und Tschechien.</p>
<p>St&auml;rkste Kraft innerhalb der Fraktion &#8222;Europa der Nationen und Freiheit&#8220; ist der franz&ouml;sische Front National (FN) mit 20 MdEP. Der Fraktion geh&ouml;ren ferner 5 Mitglieder der italienischen Lega Nord, je vier Mitglieder der &ouml;sterreichischen FP&Ouml; und der niederl&auml;ndischen Partei f&uuml;r die Freiheit (PVV) sowie Abgeordnete des polnischen KNP, des belgischen Vlaams Belang (VB), aus dem Vereinigten K&ouml;nigreich und Rum&auml;nien an.</p>
<p>Mit Blick auf die inhaltlich-programmatischen Schnittmengen zwischen diesen Fraktionen erscheint weder eine thematische noch eine organisatorische Ann&auml;herung von vornherein ausgeschlossen.26 Einen gewissen Schutz vor einer solchen Ann&auml;herung bietet allerdings die offene F&uuml;hrungsfrage in einer solchen kooperativen Verdichtung.</p>
<p>Als besonderes Problem f&uuml;r eine aktive Eind&auml;mmungspolitik gegen&uuml;ber dem Einfluss rechtspopulistischer Kr&auml;fte auf die EU erweist sich im &Uuml;brigen, dass einzelne Parteifamilien des konservativ-liberalen Spektrums bereit waren und sind, entsprechende Parteien in ihrer Parteifamilie bzw. in ihrer EP-Fraktion aufzunehmen. Die fortdauernde Mitgliedschaft der Fidesz-Partei in der EVP und deren EP-Fraktion sowie das gelegentliche Hofieren dieser Partei auch mit Blick auf innerstaatliche Debatten behindert die konsequente Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus auf der Ebene eines Konsenses wertegebundener Demokraten. Gleiches gilt f&uuml;r die Mitgliedschaft der Dansk Folkeparti in der Fraktion der &#8222;Europ&auml;ischen Konservativen und Reformer (EKR)&#8220;, einer Abspaltung der EVP-Fraktion unter F&uuml;hrung der britischen Tories. Rechtspopulisten sind im parlamentarischen Alltag des EP salonf&auml;hig geworden.</p>
<h5>Rechts&shy;po&shy;pu&shy;lismus in Europa &ndash; Ursachen und Kennzeichen bei europ&auml;isch verglei&shy;chender Betrachtung</h5>
<p>F&uuml;nf miteinander verwobene Mobilisierungsstrategien rechtspopulistischer Bewegungen sind bei einer europ&auml;isch vergleichenden Betrachtung besonders bedeutsam:27 Diese bem&uuml;hen sich, (1.) sich mit Tabubr&uuml;chen gegen &#8222;political correctness&#8220; als Sprachrohr einer &#8222;schweigenden Mehrheit&#8220; zu profilieren, (2.) soziale und &ouml;konomische Probleme als Ausfluss des Versagens etablierter, auf Pluralismus und repr&auml;sentativer Demokratie gest&uuml;tzter politischer Prozesse zu brandmarken und hierdurch f&uuml;r sich zu nutzen, (3.) die etablierten politischen Akteure als per se korrupt und machtversessen zu diskreditieren, (4.) eine nationale Identit&auml;tszuschreibung als attraktiv und zukunftsgerichtet zu kennzeichnen sowie (5.) die Mechanismen medialer Skandalisierung28 zur Profilierung undifferenzierter politischer L&ouml;sungsans&auml;tze f&uuml;r gesellschaftliche Konflikte zu bef&ouml;rdern.29 Dabei profitieren die Bewegungen von aktuellen gesellschafts-, sozial- und wirtschaftspolitischen Krisen: einer Verteilungs- und Zugangskrise, einer Repr&auml;sentationskrise der Politik sowie einer Identit&auml;tskrise. Allen diesen Krisenph&auml;nomenen ist eigen, dass sie durch die jahrzehntelange Ausbreitung des Neoliberalismus in Wissenschaft, Medien und Politik seit den 1970er Jahren bef&ouml;rdert wurden.30 Der Aufstieg des Rechtspopulismus wurde insoweit auch durch einen Politikansatz bef&ouml;rdert, der auf &#8222;marktkonforme Demokratie&#8220;31 statt auf eine demokratische und soziale B&auml;ndigung der Marktkr&auml;fte im Interesse von Wohlstand f&uuml;r alle setzt.</p>
<p>Auch das nationalistisch verengte &#8222;K&uuml;mmerer&#8220;-Image, um das sich rechtspopulistische Kr&auml;fte im Zeichen (neo-)liberaler Verweise auf die Selbstverantwortung jedes Einzelnen bem&uuml;hen, d&uuml;rfte f&uuml;r diesen Aufstieg hilfreich sein: Rechtspopulistische wie -extremistische Parteien rekurrieren auf Abstiegs-, Verlust- und Bedrohungs&auml;ngste weiter Teile der Bev&ouml;lkerung in den Mitgliedstaaten der EU, betonen ihre Anteilnahme an den Sorgen von Krisenverlierern um ihre Zukunft und verhei&szlig;en soziale W&auml;rme in der nationalen (Volks-)Gemeinschaft.32<br />Dieser Appell an latente &Auml;ngste, Vorurteile und Ressentiments,33 verbunden mit der Ansprache weitverbreiteter Aversionen und Ressentiments gegen&uuml;ber Arbeitsmigranten, Asylbewerbern und Ausl&auml;ndern34 generell, hat mit dem Abbau wohlfahrtsstaatlicher Strukturen seit den 1990er Jahren,35 verst&auml;rkt nochmals seit der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007/200836 und der Fl&uuml;chtlingskrise 2015 zus&auml;tzlichen Resonanzboden in einer Vielzahl von EU-Mitgliedstaaten gefunden. Insofern kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich ohne wirksame Gegenstrategien der Aufstieg des Rechtspopulismus auch in Westeuropa fortsetzt und es ihnen gelingt, W&auml;hler aus der Mittelschicht anzusprechen.37</p>
<p>Eine solche Selbstentfesselung des Rechtspopulismus kann bef&ouml;rdert werden durch die Betonung politisch-kultureller B&uuml;rgerlichkeit:38 Von einer &#8222;autorit&auml;ren Bewegung mit menschlichem Antlitz&#8220; kann man bei rechtspopulistischen Kr&auml;ften insoweit sprechen, als der Ruf nach einer starken F&uuml;hrungsfigur sowie nach der Einschr&auml;nkung von Pluralismus und bestimmten Minderheitenrechten einhergeht mit dem Bem&uuml;hen um zivile, b&uuml;rgerliche Umgangsformen, der Betonung einer vermeintlichen Werteorientierung des eigenen politischen Handelns sowie der Selbstinszenierung als &#8222;Anwalt des kleinen Mannes&#8220;.39</p>
<p>Allen Ausformungen rechtspopulistischer Str&ouml;mungen ist aus dem Blickwinkel eines freiheitlich-demokratischen, an den menschenrechtlich fundierten Grundwerten des modernen westlichen Verfassungsstaates orientierten Gesellschafts- und Staatsverst&auml;ndnisses eigen, dass sie Politik nicht als pragmatisches Handeln zu sittlichen Zwecken40 verstehen, sondern als eine auf Ausgrenzung und Mobilisierung von Affekten ausgerichtete Angelegenheit. Nicht zuletzt mit Blick auf verschiedene Facetten des Prozesses der Europ&auml;isierung41 und Globalisierung42 bem&uuml;hen sich Rechtspopulisten um Profilierung als Feinde einer offenen, grenzenlosen Gesellschaft, die nicht f&uuml;r die Freiheit, sondern f&uuml;r die Sicherheit planen.43 Insoweit kann man von einem anti-pluralistischen44 wie einem anti-integrativen Grundkonsens der Rechtspopulisten in der EU sprechen. In osteurop&auml;ischen Staaten wird die scharfe Ablehnung der EU vielfach auch noch durch den Widerwillen bef&ouml;rdert, die nach dem Ende des Ostblocks 1989/90 wiedergewonnene Souver&auml;nit&auml;t gleich wieder nach Br&uuml;ssel, Luxemburg und Stra&szlig;burg abzugeben.45</p>
<p>In Abgrenzung zu rechtsextremistischen Positionen verzichten rechtspopulistische Kr&auml;fte zwar auf die Leugnung nazistischer und faschistischer Menschheitsverbrechen.46 Sie beteiligen sich vergangenheitspolitisch allerdings an apologetischen Tendenzen, das Erbe der Unmenschlichkeit zu entsorgen47 und totalit&auml;re Fehlwege in der Geschichte der Nationen als Vergangenheit vergehen zu lassen.48 An die Stelle einer differenzierten, auch selbstkritischen Befragung der Nationalgeschichte soll der uneingeschr&auml;nkte Stolz auf das historische Erbe treten. In Abgrenzung zu Rechtsextremisten verzichten Rechtspopulisten auf die Bef&uuml;rwortung von Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele sowie auf die Aufforderung zum Umsturz der bestehenden Verfassungsordnung.49 Rechtspopulistische Parteien wollen sich in Wahlen bew&auml;hren. Sie setzen nicht auf die Abschaffung des formalen Wahlakts, wohl aber auf die Schaffung von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die den demokratischen Wechsel zu ihren Lasten erheblich erschweren.</p>
<p>Der freiheitliche, s&auml;kularisierte Staat lebt nach dem sog. B&ouml;ckenf&ouml;rde-Diktum50 von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Rechtspopulistische Kr&auml;fte zielen auf die Erosion dieser Voraussetzungen. Sie bem&uuml;hen sich insbesondere um die Schaffung von medialen, zivilgesellschaftlichen und staatsorganisatorischen Rahmenbedingungen, die einen dauerhaften Abschied vom freiheitlich-pluralen Staatsverst&auml;ndnis in der politischen Praxis erm&ouml;glichen.<br />Hinsichtlich dieser Schritte in Richtung auf eine &#8222;Versteinerung der politischen Verh&auml;ltnisse &uuml;ber die Legislaturperiode hinaus&#8220;51 sind die &Uuml;berg&auml;nge zwischen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus teilweise flie&szlig;end.52 Beide eint eine programmatische Ausrichtung, die durch ein Freund-Feind-Denken, die Ablehnung und die Forderung nach Ausschluss von &#8222;Fremdem&#8220; sowie eine nationalistische resp. v&ouml;lkische Ausrichtung der Wirtschafts- und Sozialpolitik gepr&auml;gt ist. Als &#8222;Schuldige&#8220; f&uuml;r aktuelle wie andauernde Krisen und damit als &#8222;Feinde&#8220; werden &#8222;die da oben&#8220;, insbesondere &#8222;die Kaste&#8220;, &#8222;das Finanzkapital&#8220;, die &#8222;Altparteien&#8220;, die &#8222;L&uuml;genpresse&#8220;, etc. und eben auch die EU, sowie &#8222;unten&#8220; Muslime, Fl&uuml;chtlinge, Fremde etc. identifiziert.53 Gem&auml;&szlig; dieser rechtspopulistischen Abgrenzungstheorie muss das &#8222;Fremde&#8220; aus Staat und Gesellschaft ausgeschlossen werden, um das &Uuml;berleben der eigenen Nation und damit des eigenen Selbst zu sichern. Wie weit diese Forderung nach Exklusion von Menschen reicht, die anderen Ethnien, Religionen oder gesellschaftlichen Randgruppen angeh&ouml;ren (z.&nbsp;B. Behinderte, Obdachlose oder Arbeitslose), differiert zwischen den rechtspopulistischen Programmen in Europa &#8211; das Grundprinzip bleibt indessen unber&uuml;hrt.</p>
<p>Rechtspopulistische Parteien z&auml;hlen in der EU zu den entschiedensten Kritikern von Neoliberalismus, Globalisierung und Wohlfahrtsstaatsabbau &#8211; allerdings mit einer klaren nationalistischen Note.54 Insofern k&ouml;nnen W&auml;hlerwanderungen von fr&uuml;heren W&auml;hlern linker Parteien, namentlich von Arbeitern mit einem relativ niedrigen formalen (Aus-)Bildungsstand55 hin zu rechtspopulistischen Parteien nicht &uuml;berraschen.56 Insbesondere in den skandinavischen L&auml;ndern, in denen soziale Gerechtigkeit traditionell ein hoher Wert ist,57 kritisieren rechtspopulistische Parteien offensiv den aktuellen Abbau des Sozialstaates. Beim Auf- und Ausbau des Wohlfahrtsstaates bis in die 1960er-Jahre hinein sei der starke gesellschaftliche Zusammenhalt und die nationale Solidarit&auml;t nur m&ouml;glich gewesen, weil es kaum Migranten/-innen in der Gesellschaft gegeben habe. Kern dieses zentralen Bestandteils der rechtspopulistischen Programmatik ist ein umfassender, auf wirtschaftliche, soziale und kulturelle Fragen ansprechender Protektionismus, der auf den Schutz und die Bevorzugung des eigenen Volks58 und preference nationale59 gerichtet ist.60</p>
<p>Aus &ouml;konomisch-sozialer Perspektive l&auml;sst sich der Aufstieg rechtspopulistischer Kr&auml;fte in Europa als ein Aufstand der Modernisierungsverlierer kennzeichnen. Dieser richtet sich sowohl gegen die wachsenden Einkommensunterschiede, Massenarbeitslosigkeit und relative Marginalisierungstendenzen,61 als auch gegen das bisherige Unverm&ouml;gen sowie den vielfach fehlenden Willen der etablierten Parteien (einschlie&szlig;lich der sozialdemokratischen) und Eliten, diesen Prozessen wirksam entgegenzusteuern. Auf die zunehmenden sozialen Unterschiede reagieren Rechtspopulisten nicht mit Bem&uuml;hungen um eine soziale Korrektur des Europ&auml;isierungs- und Globalisierungsprozesses, sondern mit der vollst&auml;ndigen Ablehnung &ouml;konomischer Globalisierungs- und Modernisierungsprozesse als solcher.62</p>
<p>Soziale und &ouml;konomische Motive allein k&ouml;nnen den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien und Parteienb&uuml;ndnisse nicht erkl&auml;ren.63 Globalisierungskritisch sind Rechtspopulisten auch deshalb, weil es ihnen nach der Programmatik ihrer Parteien um die Bewahrung und den Schutz der eigenen kulturellen und nationalen Identit&auml;t geht,64 wobei sie an eine kulturelle Verunsicherung in weiten Teilen der Bev&ouml;lkerung ankn&uuml;pfen k&ouml;nnen65. Insoweit setzt die rechtspopulistische Programmatik auf politische, und kulturelle Selbstverteidigung gegen&uuml;ber dem &#8222;Fremden&#8220;, sei dieses &#8222;Fremde&#8220; die europ&auml;ische Integration, Migration oder der wachsende islamische Bev&ouml;lkerungsanteil. Auch in der Mitgliedschaft rechtspopulistischer Parteien scheint die anti-islamische Einstellung von besonderer Bedeutung.66 Die Verteidigung des &#8222;Rechts auf kulturelle Differenz&#8220;67 und des &#8222;Rechts auf Identit&auml;t&#8220; sowie deren Bewahrung vor Multikulturalismus und Globalisierung weisen einen klaren integrationsfeindlichen Akzent auf. Rechtspopulisten offerieren die ethnisch homogene Gesellschaft als Identifikationsm&ouml;glichkeit, indem sie Begriffe wie &#8222;Nation&#8220; und &#8222;Volk&#8220; &uuml;berh&ouml;hen.68 Integrationsprojekte wie der Euro und Schengen stellen aus Sicht von Rechtspopulisten deshalb besonders aggressiv zu bek&auml;mpfende Fehlentwicklungen dar, weil sie auf freiheitliche und solidarische &Uuml;berwindung nationalstaatlichen Denkens gerichtet sind. Umgekehrt drohen Entsolidarisierungseffekte innerhalb der EU im Zuge der aktuellen Krisen rechtspopulistisches Denken weiter zu bef&ouml;rdern. Das Brexit-Votum hat sowohl in seiner plebiszit&auml;ren wie in seiner anti-solidarischen Bedeutung diesen Politikansatz weiter gest&auml;rkt.</p>
<p>Die &#8222;Erkl&auml;rungstheorien&#8220; rechtspopulistischer Kr&auml;fte f&uuml;r politische, &ouml;konomische und soziale Missst&auml;nde sind durch ihre einfache und dichotome Sichtweise gepr&auml;gt: Sie trennen zwischen Gut und B&ouml;se, zwischen Freund und Feind &#8211; und nehmen nicht selten den Charakter von Verschw&ouml;rungstheorien an.69 Undifferenzierte Pauschalurteile &uuml;ber &#8222;den Islam&#8220;, die ihn tendenziell mit dem politisch ideologisierten Islam (Islamismus) oder gar islamistischem Terrorismus gleichsetzen, sind neben der EU-Kritik ein Markenkern des Rechtspopulismus.70 Generell wird &#8222;dem Islam&#8220; dabei vorgeworfen, er stehe &#8222;abendl&auml;ndischen&#8220; Grundwerten und Normen wie der Trennung von Kirche und Staat, Demokratie, der Gleichwertigkeit von Mann und Frau, der Freiheit der Religion und der Meinungs&auml;u&szlig;erung sowie dem Respekt vor Minderheiten diametral entgegen. Mit dieser islamophoben Grundrichtung wird zugleich den rechtspopulistischen Forderungen nach &#8222;nationaler Pr&auml;ferenz&#8220; in Bezug auf Arbeitspl&auml;tze und wohlfahrtsstaatliche Leistungen ein ideologischer Unterbau verliehen.71</p>
<p>Nicht nur gemeinsame &#8222;Feindbilder&#8220; im gesellschaftlichen Raum, sondern auch eine gemeinsame medien- und netzpolitische Konzeption f&ouml;rdert Aufstieg wie Zusammenarbeit rechtspopulistischer Kr&auml;fte in Europa. Dazu z&auml;hlen die Kritik an der &#8222;Systempresse&#8220; und die Aus- oder Gleichschaltung bisheriger vielfaltssichernder Organisationsformen im Bereich der Medien bei eigener Regierungs&uuml;bernahme, sowie die offensive Nutzung neuer Medien. Insoweit wiederholt sich durchaus ein aus autorit&auml;ren und totalit&auml;ren Systemen bekanntes Muster der Parallelit&auml;t von gestrigem Inhalt und moderner Darbietungsform.72</p>
<h5>Rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;sche Heraus&shy;for&shy;de&shy;rungen f&uuml;r die Werte&shy;o&shy;ri&shy;en&shy;tie&shy;rung der EU</h5>
<p>Die EU war von Beginn an mehr als eine blo&szlig;e Wirtschaftsgemeinschaft. Die Werteorientierung des europ&auml;ischen Integrationsprozesses hat nunmehr in Art. 2 EUV eine normative Verankerung gefunden.73 Je st&auml;rker allerdings die pluralistische Vielfalt (auch normativ) fixiert wurde, um so bedeutsamer wurde das Beharren auf traditionellen Werteorientierungen als Scho&szlig; rechtspopulistischen Wachstums. An die Stelle eines auf die Verkn&uuml;pfung von Erbe und Austausch, von Bewahrung und Offenheit f&uuml;r Neues gerichteten kulturellen Ansatzes, wie er das kulturelle Verst&auml;ndnis der EU pr&auml;gt,74 tritt ein hermetisches kulturelles Selbst-Verst&auml;ndnis, in dem Fremdes nicht als Chance, sondern als Gefahr wahrgenommen wird.</p>
<p>Mit dem Anwachsen rechtspopulistischer Str&ouml;mungen innerhalb der EU und ihrer Mitgliedstaaten gewinnt die Frage nach der Handlungs- und Abwehrf&auml;higkeit der EU als Wertegemeinschaft zunehmendes Gewicht.75 Denn der Umstand, dass eigene Mitgliedstaaten fundamentale Grunds&auml;tze der Achtung der Menschenw&uuml;rde, der Rechtsstaatlichkeit, der Wahrung der Menschenrechte, des Pluralismus und der Toleranz missachten, stellt die Glaubw&uuml;rdigkeit der EU im Innern wie nach au&szlig;en76 in Frage: Ein Dulden wertemissachtenden Verhaltens der Regierungen von EU-Mitgliedstaaten provoziert Nachahmungseffekte in weiteren Mitgliedstaaten und beeintr&auml;chtigt die F&auml;higkeit der EU, glaubhaft die Einhaltung dieser Werte auch in Drittstaaten einzufordern. Die Unterst&uuml;tzung rechtspopulistischer Kr&auml;fte durch die russische Regierung entspringt erkennbar auch dem Bem&uuml;hen um eine Schw&auml;chung des Wertefundaments der EU.77 Die Frage, wie wehrhaft die europ&auml;ische Demokratie ist,78 ber&uuml;hrt mithin die Entwicklungs- und Gestaltungsperspektiven der EU nach innen wie nach au&szlig;en.</p>
<p>Mit Blick auf die Wehrhaftigkeit der europ&auml;ischen Demokratie erscheint jede Finanzierung rechtspopulistischer Kr&auml;fte durch die EU als Widerspruch in sich. Eine solche F&ouml;rderung findet nicht nur &uuml;ber die beiden genannten, offen rechtspopulistischen Fraktionen sowie die Mitwirkung in anderen Fraktionen statt, die sich zu ihrer Gr&uuml;ndung auf Kompromisse bei einem konsequenten Kampf gegen Rechtspopulismus in der EU einlie&szlig;en.. Rechtspopulistische Parteien werden auch auf der Grundlage des Art.&nbsp;224 AEUV gef&ouml;rdert.79 Finanzierungsf&auml;hig ist eine solche Partei nach geltender Rechtslage zwar nur, wenn ihr Programm und ihre T&auml;tigkeiten im Einklang mit den Werten stehen, auf die sich die Union gem&auml;&szlig; Artikel 2 EUV gr&uuml;ndet. Dessen ungeachtet erfahren aktuell F&ouml;rderung aus EU-Mitteln:</p>
<ul>
<li>die im Oktober 2009 gegr&uuml;ndete und im Februar 2012 vom EP anerkannte &#8222;Europ&auml;ische Allianz der nationalen Bewegungen&#8220; (Alliance of European National Movements, AENM). Ihr geh&ouml;ren als Mitgliedsparteien die ungarische Jobbik sowie weitere rechtsextreme Parteien aus Belgien, Bulgarien, Italien, Polen, Portugal, Slowenien, Spanien und dem Vereinigten K&ouml;nigreich an. </li>
<li>die im Herbst 2010 gegr&uuml;ndete und im Februar 2011 durch das EP anerkannte &#8222;Europ&auml;ische Allianz f&uuml;r Freiheit&#8220; (European Alliance for Freedom, EAF), der u.a. f&uuml;hrende Politiker von FN, FP&Ouml; und VN angeh&ouml;ren. </li>
<li>die im Oktober 2014 gegr&uuml;ndete und im Dezember 2014 anerkannte &#8222;Bewegung f&uuml;r ein Europa der Nationen und der Freiheit&#8220; (Mouvement pour l&#8217;Europe des nations et des libert&eacute;s, MENL). Ihr geh&ouml;ren als Mitgliedsparteien der FN,80 die FP&Ouml;, der VB, die Lega Nord und die tschechische Svoboda a p?&iacute;m&aacute; demokracie an.81 </li>
</ul>
<h5>Rechts&shy;po&shy;pu&shy;lismus als m&ouml;glicher Katalysator einer wehrhaften europ&auml;&shy;i&shy;schen Demokratie und Rechts&shy;s&shy;taat&shy;lich&shy;keit</h5>
<p>Es ist eine beunruhigende Entwicklung, dass in Mitgliedstaaten, in denen rechtspopulistische Parteien f&uuml;hrend an der Regierung beteiligt sind, die Politik dieser Regierungen zunehmend autokratische Z&uuml;ge aufweist. Besonderes Kennzeichen sind insbesondere Schritte zu einer Politik der Machtkonzentration und -absicherung nicht zuletzt durch Einschr&auml;nkung der Medienfreiheit sowie der Unabh&auml;ngigkeit der Justiz.82</p>
<p>Um Fehlentwicklungen des demokratischen Prozesses, die dessen Bestand gef&auml;hrden, unterbinden zu k&ouml;nnen, hat sich w&auml;hrend und nach den Erfahrungen mit totalit&auml;ren und autorit&auml;ren politischen Systemen nicht nur in Deutschland,83 sondern auch in anderen EU-Mitgliedstaaten84 das Konzept der wehrhaften Demokratie entwickelt: Durch eine gesellschaftliche und politische Auseinandersetzung, aber auch mit Mitteln des Rechts soll die Demokratie gegen Feinde und Gef&auml;hrder verteidigt werden. In Deutschland erlebt dieses Konzept mit Blick auf das laufende NPD-Parteiverbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht eine aktuelle Bew&auml;hrungsprobe (s. dazu den Beitrag von Will in diesem Heft).</p>
<p>Auch in der EU als demokratischem Integrationsverbund ist wehrhafte Demokratie im Werden. M&ouml;gliche Adressaten entsprechender Abwehrma&szlig;nahmen gegen demokratie- und pluralismusgef&auml;hrdende Aktivit&auml;ten sind sowohl rechtspopulistisch regierte Mitgliedstaaten als auch rechtspopulistische europ&auml;ische politische Parteien.</p>
<p>Das sch&auml;rfste Schwert, dass der EU-Vertrag gegen Mitgliedstaaten zur Verf&uuml;gung stellt, die sich gegen das Wertefundament des europ&auml;ischen Demokratie- und Verfassungsverbundes stellen, ist dessen Artikel 7.85 Indessen ist die Aktivierung dieses Instruments materiell- und verfahrensrechtlich an hohe H&uuml;rden gekoppelt: Auf begr&uuml;ndeten Vorschlag eines Drittels der Mitgliedstaaten der EU, des EP oder der Europ&auml;ischen Kommission kann der Rat nach Art. 7 Abs. 1 EUV mit der Mehrheit von vier F&uuml;nfteln seiner Mitglieder nach Zustimmung des EP86 feststellen, dass die eindeutige Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung der in Art. 2 EUV genannten Werte durch einen Mitgliedstaat besteht. Bei gleicher Ausgestaltung des Initiativrechts sowie des Mitwirkungsrechts des EP kann der Europ&auml;ische Rat nach Art. 7 Abs. 2 EUV (nur) einstimmig feststellen, dass eine schwerwiegende und anhaltende Verletzung der in Art. 2 EUV genannten Werte durch einen Mitgliedstaat vorliegt. Wurde die Feststellung nach Art.&nbsp;7 Abs.&nbsp;2 EUV getroffen, so kann der Rat gem&auml;&szlig; Art. 7 Abs. 3 EUV mit qualifizierter Mehrheit beschlie&szlig;en, bestimmte Rechte auszusetzen, die sich aus der Anwendung der Vertr&auml;ge auf den betroffenen Mitgliedstaat herleiten, einschlie&szlig;lich der Stimmrechte des Vertreters der Regierung dieses Mitgliedstaats im Rat.</p>
<p>F&uuml;r beide Feststellungen &#8211; sowohl die Gefahr als auch das tats&auml;chliche Vorliegen einer schwerwiegenden Verletzung der in Art. 2 EUV genannten Werte durch einen Mitgliedstaat &#8211; besteht ein Beurteilungsspielraum.87 Er kann ebenso wie das Ermessen, ob gegen einen Mitgliedstaat eingeschritten wird, in einer am Grundsatz &#8222;im Zweifel f&uuml;r die Wahrung von Demokratie und Pluralismus&#8220; ausgerichteten Weise ausge&uuml;bt werden. Gem&auml;&szlig; Art. 354 Abs. 1 AEUV wirkt der betroffene Mitgliedstaat bei den entsprechenden Abstimmungen in Rat und Europ&auml;ischem Rat nicht mit, bei der Berechnung des Drittels oder der vier F&uuml;nftel der Mitgliedstaaten nach Art. 7 Abs. 1 und 2 EUV wird er au&szlig;erdem nicht ber&uuml;cksichtigt. <br />Allerdings existieren divergierende Einsch&auml;tzungen der politischen Akteure dar&uuml;ber, ob ein Eingreifen in einem rechtspopulistisch regierten Mitgliedstaat notwendig ist, und &uuml;ber welche generellen Mittel die EU in solchen F&auml;llen verf&uuml;gen soll. Ob sich die EU &uuml;ber Art. 7 EUV als eigenst&auml;ndiger Akteur bei der Verteidigung normierter gemeinsamer Werte gegen renitente Mitgliedstaaten profilieren kann, bleibt deshalb offen.88 Gegen eine solche Profilierungsm&ouml;glichkeit sprechen nicht zuletzt die erforderlichen Quoren in Rat und Europ&auml;ischem Rat: Je mehr rechtspopulistische Kr&auml;fte auf das Regierungshandeln von Mitgliedstaaten Einfluss nehmen k&ouml;nnen, um so schwerer ist bereits die Aktivierung des Schutzmechanismus nach Art. 7 Abs. 1 EUV. Schon hier kann sich &#8211; i.&nbsp;S. einer &#8222;Koalition der Betroffenen&#8220;89 &#8211; eine Sperrminorit&auml;t von Regierungen von Mitgliedstaaten etablieren, die von rechtspopulistischen Kr&auml;ften mitgetragen werden oder zumindest auf deren Tolerierung angewiesen sind. Dies gilt erst recht f&uuml;r die Beschlussfassung im Europ&auml;ischen Rat. Mit Blick auf den erreichten Einfluss rechtspopulistischer Bewegungen auf Regierungen einerseits und den Grad ihrer Zusammenarbeit andererseits d&uuml;rften sich beim derzeitigen Stand der Dinge Art.&nbsp;7 Abs.&nbsp;2 und 3 EUV als stumpfes Schwert im Kampf gegen rechtspopulistische Gef&auml;hrdungen und Verletzungen der Werteordnung der EU erweisen.</p>
<p>Der juristische Instrumentenkasten f&uuml;r einen solchen Kampf ist indes nicht auf Art.&nbsp;7 EUV begrenzt: Die Europ&auml;ische Kommission (auf der Grundlage von Art.&nbsp;258 AEUV) sowie dritte Mitgliedstaaten (auf der Grundlage von Art. 259 AEUV) k&ouml;nnen gegen einen Mitgliedstaat, der die Werteordnung des Art. 2 EUV verletzt, ein Vertragsverletzungsverfahren vor dem EuGH einleiten. Ein solches Verfahren kann nicht nur auf eine Verletzung von sekund&auml;rem Unionsrecht wie z.B. dem Anti-Diskriminierungsrecht gest&uuml;tzt werden.90 Vielmehr ist auch Art. 2 EUV selbst ein geeigneter Pr&uuml;fungsma&szlig;stab f&uuml;r die Beurteilung der Frage, ob ein Mitgliedstaat seinen unionsrechtlichen Pflichten gen&uuml;gt. Es widerspr&auml;che dem sog. effet utile dieser Regelung, wenn man sie nicht auch zum Bezugspunkt f&uuml;r Vertragsverletzungsverfahren machen k&ouml;nnte.91 Dieses Instrumentarium zu nutzen ist beim derzeitigen Stand der Judikatur des EuGH keine Frage un&uuml;berwindbarer Rechtshindernisse, sondern der rechtspolitischen Bereitschaft, im Kampf gegen rechtspopulistische Gef&auml;hrdungen der Werteordnung auch juristische Risiken einzugehen.</p>
<p>Diesen Mut zum juristischen Risiko bei der wehrhaft-demokratischen Bew&auml;ltigung rechtspopulistischer Herausforderungen braucht es auch beim Kampf gegen Verletzungen der Werteordnung durch rechtspopulistische Parteien. Zwar scheidet ein Verbot rechtspopulistischer Parteien in der EU regelm&auml;&szlig;ig wegen der engen Grenzen, die einem solchen Verbot nicht zuletzt mit dem Grundsatz der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit durch Art. 11 EMRK in der Auslegung durch den Europ&auml;ischen Gerichtshof f&uuml;r Menschenrechte gesetzt sind,92 aus. Ob durch das Europ&auml;ische Parlament anerkannte politische Parteien i.&nbsp;S. der EU-Verordnung Nr. 1141/2014 &uuml;berhaupt tauglicher Adressat mitgliedstaatlicher Verbotsma&szlig;nahmen sein k&ouml;nnen, erscheint rechtlich fraglich. Auch hier w&uuml;rde gelten, dass die M&ouml;glichkeiten eines Parteiverbotes zeitlich eng begrenzt sind. Mit Aussicht auf Erfolg initiierbar w&auml;re ein solches Verbot nur innerhalb eines engen Zeitkorridors, wenn die Partei ein Mindestma&szlig; an politischer Relevanz bereits erreicht hat, dann aber nur solange, wie sie noch nicht an der Regierung eines EU-Mitgliedstaates beteiligt ist oder diese unterst&uuml;tzt.<br />Nicht wahrgenommen wurden bislang die M&ouml;glichkeiten auf der Grundlage der EU-Verordnung Nr. 1141/2014, einer europ&auml;ischen politischen Partei die Eintragung nach Art. 3 dieser Verordnung und damit auch die Grundlage f&uuml;r ihre Finanzierung aus EU-Mitteln zu entziehen. Ein solches Controling im Interesse wehrhafter europ&auml;ischer Demokratie ist sowohl von Amts wegen als auch auf Initiative des EP, des Rates und der Kommission der EU m&ouml;glich. Zum einen hat die Beh&ouml;rde f&uuml;r europ&auml;ische politische Parteien und europ&auml;ische politische Stiftungen gem&auml;&szlig; Art. 10 Abs.1 dieser Verordnung von Amts wegen regelm&auml;&szlig;ig zu pr&uuml;fen, ob die eingetragenen Parteien die Beachtung der Grundwerte des Art. 2 EUV in ihrer Programmatik wie in ihrem Handeln weiterhin erf&uuml;llen. Zum anderen k&ouml;nnen das EP, der Rat oder die Kommission gem&auml;&szlig; Art. 10 Abs. 2 der Verordnung die Beh&ouml;rde auffordern zu pr&uuml;fen, ob eine bestimmte europ&auml;ische politische Partei die Grundwerte wahrenden Voraussetzungen gem&auml;&szlig; Art. 3 Abs. 1 Buchst. c erf&uuml;llt. In solchen F&auml;llen ersucht die Beh&ouml;rde den gem&auml;&szlig; Art. 11 eingerichteten Ausschuss unabh&auml;ngiger Pers&ouml;nlichkeiten diesbez&uuml;glich um eine Stellungnahme. Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Stellungnahme entscheidet die Beh&ouml;rde, ob sie der betreffenden Partei durch L&ouml;schen aus dem in Art. 7 der Verordnung geregelten Register die Anerkennung entzieht. Eine solche L&ouml;schung darf aber gem&auml;&szlig; Art. 10 Abs. 3 der Verordnung nur im Falle eines offensichtlichen und schwerwiegenden Versto&szlig;es gegen die Werteordnung des Art. 2 EUV erfolgen &#8211; insoweit besteht ein Beurteilungsspielraum der Akteure.</p>
<h5>Abkehr von europ&auml;&shy;i&shy;scher Konsens&shy;de&shy;mo&shy;kratie und Entwicklung einer europ&auml;&shy;i&shy;schen &Ouml;ffent&shy;lich&shy;keit in Reaktion auf die rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;sche Heraus&shy;for&shy;de&shy;rung?</h5>
<p>Offen bleibt, wie jenseits des Einsatzes rechtlicher Instrumente politisch erfolgreich gegen rechtspopulistische Gef&auml;hrdungen der europ&auml;ischen Werteordnung agiert werden kann. Eine Politik der Entzauberung durch Regierungsbeteiligung, wie sie z.&nbsp;B. Fran&ccedil;ois Mitterand in Bezug auf die PCF w&auml;hrend seiner Pr&auml;sidentschaft gelang,93 ist nach den bisherigen Erfahrungswerten zumindest kein sicherer Weg, um das Erstarken rechtspopulistischer Parteien einzud&auml;mmen.</p>
<p>Ob ein dezentraler Demokratieschutz &uuml;ber b&uuml;rgerschaftliches Engagement allein ein geeignetes Instrument zur Wertewahrung sein kann,94 erscheint in mehrfacher Hinsicht fraglich: Eine solche dezentrale Kontrolle der Wertewahrung setzt eine rechtsstaatliche Substanz in den Mitgliedstaaten voraus, die bei einer politischen Entscheidungsgewalt von Rechtspopulisten gerade nicht mehr besteht. Zudem droht zivilgesellschaftliche Konfliktbereitschaft gegen&uuml;ber rechtspopulistischen Kr&auml;ften ins Leere zu laufen, solange nicht gleichzeitig reale Ursachen des rechtspopulistischen Aufstiegs bek&auml;mpft werden. Dazu geh&ouml;ren nicht zuletzt auch Antworten auf die Frage, wie eine grundwerte-geleitete Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik auf nationaler und europ&auml;ischer Ebene i.&nbsp;S. einer &#8222;guten Gesellschaft&#8220; k&uuml;nftig gestaltet und vermittelt werden sollte.95</p>
<p>Der Ansatz des EU-Kommissionspr&auml;sidenten Juncker, der im Vorfeld der Stichwahl um das Amt des &ouml;sterreichischen Bundespr&auml;sidenten behauptete, &#8222;mit den Rechtspopulisten (sei) weder eine Debatte noch ein Dialog m&ouml;glich&#8220;,96 vermag im Lichte der bisherigen Erfahrungen in Europa ebenso wenig zu &uuml;berzeugen wie die &Uuml;bernahme rechtspopulistischer Rhetorik, etwa der Ablehnung des Multikulturalismus und &#8222;exzessiver&#8220; Zuwanderung oder die propagierte R&uuml;ckkehr zu christlich-abendl&auml;ndischen Wurzeln im politischen Handeln.97</p>
<p>Rechtspopulistische Parteien verlieren nicht an Zustimmung durch Ausgrenzung oder Anbiederung, sondern durch offensive Auseinandersetzung mit ihren Themen und Akteuren. Zu einer solchen Bereitschaft, offen f&uuml;r die Werteordnung des Art. 2 EUV einzutreten, sollte auch der Mut z&auml;hlen, aktiv und konsequent die Verrohung der politischen Sprache und Kultur in alten wie neuen Medien zu thematisieren. Klammheimliche Freunde des Rechtspopulismus sind auch solche Journalisten, die unkritisch, undifferenziert und unreflektiert Vorurteile &uuml;ber Politiker und Politik im Allgemeinen und die EU, ihre Organen, Strukturen, Arbeitsprozesse und ihren Output im Besonderen bedienen. Zu einer medialen Gegenstrategie gegen die anti-europ&auml;ischen Affekte des Rechtspopulismus geh&ouml;rt gr&ouml;&szlig;ere Pr&auml;senz und Transparenz der Berichterstattung &uuml;ber EU und Globalisierung ebenso wie die Bereitschaft von Medienakteuren, sich jenseits klassischer Qualit&auml;tsmedien mit dem Rechtspopulismus auseinander zu setzen.</p>
<p>Gefordert sind mit Blick auf das rechtspopulistische Feindbild EU aber nicht nur Dritte, sondern auch die Organe der EU selbst. Die Abkehr von einem operativen wie kommunikativen TINA-Ansatz (&#8222;There is no alternative&#8220;) bei Tempo und Schwerpunkten der europ&auml;ischen Integration k&ouml;nnte die Attraktivit&auml;t f&uuml;r Rechtspopulisten deutlich senken. Ein entsprechender Neustart m&uuml;sste allerdings im Zweifel auch den strategischen Ansatz einer gro&szlig;en Koalition im Europ&auml;ischen Parlament und in der Europ&auml;ischen Kommission kritisch hinterfragen.98<br />Das offene Austragen von Streitthemen in der EU, wie es sich z.B. beim Umgang mit der Euro-Krise, in der Fl&uuml;chtlingspolitik und den Freihandelsabkommen in j&uuml;ngster Zeit verst&auml;rkt abzeichnet, k&ouml;nnte die Wurzeln einer gemeinsamen demokratischen Identit&auml;t auf europ&auml;ischer Ebene st&auml;rken. Auch der innereurop&auml;ische Diskurs &uuml;ber den Umgang mit rechtspopulistischen Herausforderungen kann erkennbar als Katalysator f&uuml;r das Entstehen einer europ&auml;ischen &Ouml;ffentlichkeit wirken &#8211; einer &Ouml;ffentlichkeit, ohne deren Bestehen aus Sicht des Bundesverfassungsgerichts99 weitere vertiefende Integrationsschritte in Europa ausgeschlossen sind.</p>
<p>Abschlie&szlig;end k&ouml;nnte man in Ankn&uuml;pfung an Arturo Ui mit Blick auf m&ouml;gliche ungewollte rechtspopulistische Impulse f&uuml;r die Perspektive eines demokratisch vereinten Europa festhalten: &#8222;Der Scho&szlig;, aus dem dies kroch, ist fruchtbar schon.&#8220;</p>
<p><b>DR.&nbsp;J&Ouml;RG&nbsp;UKROW</b><i>&nbsp;&nbsp; war viele Jahre lang Rundfunkreferent in der Saarl&auml;ndischen Staatskanzlei sowie als Lehrbeauftragter am Europa-Institut, Sektion Rechtswissenschaft t&auml;tig. Seit 2011 ist er Landesvorsitzender der Europa-Union Saar sowie seit diesem Jahr gesch&auml;ftsf&uuml;hrendes Vorstandsmitglied des Instituts f&uuml;r Europ&auml;isches Medienrecht (EMR). </i></p>
<h5>Anmerkungen</h5>
<p>* Das Manuskript dieses Beitrags wurde am 25.9.2016 abgeschlossen &#8211; die Bedingungen f&uuml;r die Dystopie haben sich mit dem Ausgang der &ouml;sterreichischen Bundespr&auml;sidenten-Wahl ge&auml;ndert.</p>
<p>1 Migration und Terrorismus erweisen sich nach den Ergebnissen des j&uuml;ngsten Standard-Eurobarometers 85 vom Fr&uuml;hjahr 2016 als mit deutlichem Abstand dringlichste Sorgen der B&uuml;rger auf EU-Ebene.</p>
<p>2 Vgl. hierzu Stollreiter, Ist Europa auf dem &#8222;rechten&#8220; Weg?, 2011, S. 1.</p>
<p>3 Vgl. zur Verallt&auml;glichung charismatischer Herrschaft Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 5. rev. Aufl., 1980, S. 661.</p>
<p>4 Vgl. hierzu Calliess, Staatsrecht III &#8211; Bez&uuml;ge zum V&ouml;lker- und Europarecht, 2014, S. V, 200 f.; R&uuml;&szlig;, Vereintes Europa &#8211; das unerreichbare Staatsziel?, 2005, S. 19 ff.</p>
<p>5 Vgl. Gabriel/Schulz, Europa neu gr&uuml;nden, 24.06.2016; Verhofstadt, Draft Report on possible evolutions of and adjustments to the current institutional set-up of the European Union (2014/2248(INI)).</p>
<p>6 Zur ideengeschichtlichen Traditionslinie solcher Ans&auml;tze vgl. z.B. Sontheimer, Antidemokratische Denkens in der Weimarer Republik, 1962.</p>
<p>7 Zur Einordnung der EU durch das Bundesverfassungsgericht als Staatenverbund vgl. BVerfGE 89, 155 (181, 184) sowie z.B. Calliess (Hrsg.), Verfassungswandel im europ&auml;ischen Staaten- und Verfassungsbund, 2007.</p>
<p>8 Vgl. hierzu di Fabio, Mehrebenendemokratie in Europa, 2001(abrufbar unter <a href="http://www.whi-berlin.eu/documents/difabio.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://www.whi-berlin.eu/documents/difabio.pdf</a>); Maurer, Mehrebenendemokratie und Mehrebenenparlamentarismus: Das Europ&auml;ische Parlament und die nationalen Parlamente nach Lissabon, in: Kadelbach (Hrsg.), Europ&auml;ische Integration und parlamentarische Demokratie, 2009, S. 19 ff.</p>
<p>9 Nach Art. 1 Abs. 2 EUV stellt dieser Vertrag &#8222;eine neue Stufe bei der Verwirklichung einer immer engeren Union der V&ouml;lker Europas dar, in der die Entscheidungen m&ouml;glichst offen und m&ouml;glichst b&uuml;rgernah getroffen werden&#8220;.</p>
<p>10 Vgl. auch Franzius, Ist Ungarn &uuml;berall? Merkmale und Entwicklungen der Demokratiegef&auml;hrdungen in Europa, 2013, S. 14 (abrufbar unter <a href="http://adb.de/node/178" target="_blank" rel="noopener">http://adb.de/node/178</a>).</p>
<p>11 Vgl. hierzu Bastgen, Die Demokratisierungspotenziale europ&auml;ischer NGOs, 2015, S. 47 ff.</p>
<p>12 Vgl. Merkel, Ist die Krise der Demokratie eine Erfindung?, in: ders. (Hrsg.), Krise der Demokratie &#8211; Wahrheit oder Mythos, 2015, S. 473 ff.</p>
<p>13 Vgl. Mair, Ruling The Void: The Hollowing Of Western Democracy, 2013.</p>
<p>14 Vgl. Albrecht (Hrsg.), Europa rechtsau&szlig;en. Rechtsextremisten und Rechtspopulisten im Europ&auml;ischen Parlament, 3. Aufl. 2015; Bathke/Spindler (Hrsg.), Neoliberalismus und Rechtsextremismus in Europa. Zusammenh&auml;nge &#8211; Widerspr&uuml;che &#8211; Gegenstrategien, 2006; Bauer, Rechtspopulismus in Europa. Verg&auml;ngliches Ph&auml;nomen oder auf dem Weg zum politischen Mainstream?, 2010; H&auml;usler/ Roeser, Rechtspopulismus in Europa und die rechtspopulistische L&uuml;cke in Deutschland, 2014; Hartleb, Nach ihrer Etablierung. Rechtspopulistische Parteien in Europa. Begriff &#8211; Strategie &#8211; Wirkung, 2011; Langenbacher/Schellenberg (Hrsg.), Europa auf dem &#8222;rechten&#8220; Weg? Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in Europa, 2011; van Kessel, The populist cat-dog: applying the concept of populism to contemporary European party systems, Journal of Political Ideologies 19 (2014), S. 99 ff.; ders., Populist Parties in Europe. Agents of Discontent?, 2015; ders./Pirro, Discontent on the Move: Prospects for Populist Radical Right Parties in the 2014 European Parliament Election, Intereconomics 49 (2014), S. 4 ff.</p>
<p>15 Vgl. Schellenberg, in: Stollreiter, Ist Europa auf dem &#8222;rechten&#8220; Weg?, 2011, S. 4.</p>
<p>16 Vgl. Hillebrand, Die populistische Herausforderung &#8211; Eine Einf&uuml;hrung, in: ders. (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 7 (9).</p>
<p>17 Fidesz ist die Abk&uuml;rzung von Fiatal Demokrat&aacute;k Sz&ouml;vets&eacute;ge, dem &#8222;Bund Junger Demokraten&#8220;, der 1988 gegr&uuml;ndet wurde und aus dem die Partei hervorging.</p>
<p>18 Gleiches gilt au&szlig;erhalb der EU, aber in einer f&uuml;r die europ&auml;ische Debatte dennoch bedeutsamen Weise f&uuml;r die Schweizerische Volkspartei (SVP) sowie die norwegische Fremskrittspartiet (FrP; deutsch: Fortschrittspartei).</p>
<p>19 Vgl. hierzu auch Bogumil, Erfolg und Misserfolg der populistischen radikalen Rechten in Deutschland und Europa. Eine Ursachenanalyse, MIP 21 (2015), 40 (40).</p>
<p>20 Vgl. hierzu f&uuml;r die 2. Runde der franz&ouml;sischen Regionalwahlen am 13. Dezember 2015 z.B. Althoff, Kr&auml;ftig durchgesch&uuml;ttelt: Frankreichs Parteiensystem im Umbruch, 15.12.2015 (abrufbar unter <a href="https://www.boell.de/de/2015/12/15/kraeftig-durchgeschuettelt-frankreichs-parteiensystem-im-umbruch" target="_blank" rel="noopener">https://www.boell.de/de/2015/12/15/kraeftig-durchgeschuettelt-frankreichs-parteiensystem-im-umbruch</a>).</p>
<p>21 Vgl. Blume, R&uuml;ckkehr unter alter Fahne, 24.08.2016 (abrufbar unter <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-08/frankreich-nikolas-sarkozy-kandidatur-analyse" target="_blank" rel="noopener">http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-08/frankreich-nikolas-sarkozy-kandidatur-analyse</a>); zur Wandelung der &ouml;sterreichischen Fl&uuml;chtlingspolitik in Reaktion auf steigende Umfragewerte der FP&Ouml; s. Kr&auml;mer/Solveen, Der Vormarsch der Euro-Gegner, Commerzbank &#8211; Woche im Fokus v. 20. Mai 2016, 2 (2 f.).</p>
<p>22 Der Vorsitzende der PVV, Geert Wilders, bezeichnete das gescheiterte Referendum als &#8222;Anfang vom Ende der EU&#8220;; vgl. z.B. <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/niederlaender-stimmen-gegen-eu-ukraine-assoziierungsabkommen-14164948.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/niederlaender-stimmen-gegen-eu-ukraine-assoziierungsabkommen-14164948.html</a>.</p>
<p>23 Das Europ&auml;ische Parlament hat in einer Entschlie&szlig;ung vom 10. Juni 2015 (2015/2700(RSP), Tz. 5) die von der ungarischen Regierung eingeleitete &ouml;ffentliche Befragung zum Thema Migration und die damit zusammenh&auml;ngende landesweite Plakataktion verurteilt und betont, dass Inhalt und Sprache dieser konkreten Befragung in Ungarn zu den Themen Immigration und Terrorismus in h&ouml;chstem Ma&szlig;e irref&uuml;hrend, mit Vorurteilen behaftet und unausgewogen sind und einen auf Vorurteilen beruhenden und unmittelbaren Bezug zwischen Migration und Bedrohungen f&uuml;r die Sicherheit herstellen.</p>
<p>24 Zur Bildung einer Fraktion im EP sind nach Art. 32 der geltenden Gesch&auml;ftsordnung des EP mindestens 25 Abgeordnete erforderlich, und in jeder Fraktion m&uuml;ssen Abgeordnete aus wenigstens einem Viertel der (derzeit 28) EU-Mitgliedstaaten, d.h. aktuell aus sieben Mitgliedstaaten vertreten sein.</p>
<p>25 Die UKIP-Abgeordneten werden wie s&auml;mtliche MdEP des Vereinigten K&ouml;nigreichs im Zuge des Brexit aus dem Europ&auml;ischen Parlament ausscheiden. Wann dies geschieht, ist mit Blick auf die noch ausstehende Mitteilung nach Art. 50 Abs. 2 EUV wie mit Blick auf die erst danach startenden Verhandlungen &uuml;ber die Rahmenbedingungen des Ausscheidens des Vereinigten K&ouml;nigreichs aus der EU noch offen. Zwar w&uuml;rde die Fraktion &#8222;Europa der Freiheit und der direkten Demokratie&#8220; innerhalb der laufenden Legislaturperiode des EP nach dem Ausscheiden der UKIP-Mitglieder die notwendige Mindestanzahl von 25 Abgeordneten nicht mehr erreichen. Allerdings sieht Art. 32 Abs. 3 der Gesch&auml;ftsordnung des EP vor, dass, falls die Zahl der Mitglieder einer Fraktion unter die vorgeschriebene Schwelle zur&uuml;ckgeht, der Pr&auml;sident des EP mit Zustimmung der Konferenz der Pr&auml;sidenten, die aus ihm und den Vorsitzenden der Fraktionen im EP besteht (Art. 26 der Gesch&auml;ftsordnung des EP) ihr Weiterbestehen bis zur n&auml;chsten konstituierenden Sitzung des Parlaments gestatten, sofern die Mitglieder weiterhin mindestens ein F&uuml;nftel der Mitgliedstaaten vertreten und die Fraktion bereits l&auml;nger als ein Jahr besteht. Beides w&auml;re bei der Fraktion &#8222;Europa der Freiheit und der direkten Demokratie&#8220; nach einem Ausscheiden der UKIP-Mitglieder der Fall. Allerdings wendet der Pr&auml;sident diese Ausnahmeregelung nicht an, wenn es hinreichend Anhaltspunkte f&uuml;r die Vermutung gibt, dass sie missbr&auml;uchlich in Anspruch genommen wird. Rechtsstreitigkeiten sind hier nicht ausgeschlossen</p>
<p>26 Vgl. Schmidtke, Das Europ&auml;ische Parlament &#8211; Hochburg der Rechtspopulisten?, 2016; dies./Oppelland, Parlamentsaktivit&auml;ten der Rechtsau&szlig;enparteien im Europ&auml;ischen Parlament, 2015.</p>
<p>27 Vgl. zum Folgenden Bauer, Rechtspopulismus in Europa, 2010, S. 7 ff.; Langenbacher/Schellenberg, Einleitung: Ein Sammelband zu Erscheinungsformen und Entwicklung der radikalen Rechten in Europa, in: dies. (Hrsg.), Europa auf dem &#8222;rechten&#8220; Weg? Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in Europa, 2011, S. 11 ff.</p>
<p>28 Vgl. hierzu Kepplinger, Die Mechanismen der Skandalisierung, 3. Aufl. 2012.</p>
<p>29 Vgl. zu Letzterem auch Meyer, Populismus und Medien, in: Decker (Hrsg.), Populismus, 2006, 81 (82).</p>
<p>30 Vgl. Bathke/Spindler (Hrsg.), Neoliberalismus und Rechtsextremismus in Europa. Zusammenh&auml;nge &#8211; Widerspr&uuml;che &#8211; Gegenstrategien, 2006; Schulmeister, Der Scho&szlig; ist fruchtbar noch, Freitag, 26.05.2016</p>
<p>31 Der Begriff geht zur&uuml;ck auf ein Statement von Angela Merkel, wonach Wege zu finden seien, &#8222;wie die parlamentarische Mitbestimmung so gestaltet wird, dass sie trotzdem auch marktkonform ist&#8220;; vgl. Institut f&uuml;r Sprach- und Literaturwissenschaft der TU Darmstadt, Unwort des Jahres 2011, <a href="http://www.unwortdesjahres.net/fileadmin/unwort/download/pressemitteilung_unwort2011_01.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://www.unwortdesjahres.net/fileadmin/unwort/download/pressemitteilung_unwort2011_01.pdf</a>, S. 2.</p>
<p>32 Vgl. zu dieser Gemeinsamkeit auch Betz, Rechtspopulismus in Westeuropa: Aktuelle Entwicklungen und politische Bedeutung, &Ouml;ZP 2002, 251 (252); Schulmeister, Der Scho&szlig; ist fruchtbar noch, Freitag, 26.05.2016.</p>
<p>33 Vgl. zur Pr&auml;senz solche rechtspopulistischer wie -extremistische Positionen f&ouml;rdernder Einstellungen in der Bev&ouml;lkerung von EU-Mitgliedstaaten z.B. Zick/K&uuml;pper/H&ouml;vermann, Die Abwertung der Anderen. Eine europ&auml;ische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung, 2011.</p>
<p>34 Vgl. hierzu Betz, Rechtspopulismus in Westeuropa: Aktuelle Entwicklungen und politische Bedeutung, &Ouml;ZP 2002, 251 (253); Camus, Frankreichs Front National auf dem Weg an die Macht?, in: Hillebrand (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 24 (26).</p>
<p>35 Vgl. hierzu Swank/Betz, Globalization, the welfare state and right-wing populism in Western Europe, Socio-Economic Review 2003, 215 ff.</p>
<p>36 Vgl. hierzu Kriesi/Pappas (Hrsg.), European populism in the shadow of the great recession, 2015.</p>
<p>37 Vgl. zum Anwachsen der W&auml;hlerschaft des FN bei Facharbeitern und ungelernten Angestellten im Handel, bei Handwerkern, Gesch&auml;ftsinhabern und Unternehmern Camus, Frankreichs Front National auf dem Weg an die Macht?, in: Hillebrand (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 24 (28).</p>
<p>38 Vgl. zum Konzept Fest, B&uuml;rgerlichkeit als Lebensform, 2007, 9 (12 ff.).</p>
<p>39 Vgl. zur Abgrenzung von Rechtspopulismus und Rechtsextremismus auch Bryant, Rechtspopulismus = Rechtsextremismus?, in: Stiftung SPI (Hrsg.), &#8222;Das wird man ja wohl noch sagen d&uuml;rfen &#8230;!&#8220; Zur Auseinandersetzung mit rechtspopulistischen Argumentationsweisen, 2011, 8 (10 ff.).</p>
<p>40 Vgl. hierzu Schmidt, Maximen politischen Handelns, 1981, S. 20.</p>
<p>41 Zur Bedeutung von Globalisierung und Europ&auml;isierung f&uuml;r das demokratische Gemeinwesen vgl. Calliess, Staatsrecht III &#8211; Bez&uuml;ge zum V&ouml;lker- und Europarecht, 2014, S. 2 ff.; Grimm, Die Zukunft der Verfassung II &#8211; Auswirkungen von Europ&auml;isierung und Globalisierung, 2012; Marschall, Das politische System Deutschlands, 2. Aufl. 2011, S. 241 ff.</p>
<p>42 Zur Bedeutung von Globalisierung und Europ&auml;isierung das Anwachsen rechtspopulistischer Str&ouml;mungen in Europa vgl. Hillebrand, Die populistische Herausforderung &#8211; Eine Einf&uuml;hrung, in: ders. (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 7 (7 f.).</p>
<p>43 &#8222;Wir m&uuml;ssen f&uuml;r die Freiheit planen und nicht f&uuml;r die Sicherheit, wenn auch vielleicht aus keinem anderen Grund als dem, dass nur die Freiheit die Sicherheit sichern kann&#8220;, Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Bd. II, 8. Aufl.2003, S. 224.</p>
<p>44 Vgl. hierzu auch Rosenberger, Rechtspopulismus, in: Fr&ouml;lich-Steffen u.a. (Hrsg.), Populisten an der Macht, 2005, 35 (46).</p>
<p>45 Vgl. auch Franzius, Ist Ungarn &uuml;berall? Merkmale und Entwicklungen der Demokratiegef&auml;hrdungen in Europa, 2013, S. 14 (abrufbar unter <a href="http://adb.de/node/178" target="_blank" rel="noopener">http://adb.de/node/178</a>).</p>
<p>46 Beim Front National unter der F&uuml;hrung von Marine Le Pen z&auml;hlt diese Abkehr von der Verharmlosung der NS-Verbrechen durch den fr&uuml;heren FN-Vorsitzenden, ihren Vater Jean-Marie Le Pen, der z.B. die NS-Gaskammern wiederholt als &#8222;Detail der Geschichte&#8220; bezeichnet hat, zur Politik der &#8222;Entd&auml;monisierung&#8220; des FN; vgl. hierzu Camus, Frankreichs Front National auf dem Weg an die Macht?, in: Hillebrand (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 24 (25); Mayer, From Jean-Marie to Marine Le Pen: Electoral Change on the Far Right, Parliamentary Affairs, 66. Jg. H. 1 (2013), 160 ff.</p>
<p>47 Zu geschichtspolitischen Ankn&uuml;pfungspunkten im sog. Historikerstreit vgl. Habermas, Eine Art Schadensabwicklung. Die apologetischen Tendenzen in der deutschen Zeitgeschichtsschreibung, ZEIT v. 11. Juli 1986.</p>
<p>48 Zu geschichtspolitischen Ankn&uuml;pfungspunkten im sog. Historikerstreit vgl. Nolte, Vergangenheit, die nicht vergehen will, FAZ v. 6. Juni 1986.</p>
<p>49 Ausdruck der fortbestehenden Abgrenzung ist z.B., dass die klar rechtsextremen Vertreter der griechischen Partei &#8222;Goldenen Morgenr&ouml;te&#8220; und der ungarischen Partei &#8222;Jobbik&#8220; (deutsch: Bewegung f&uuml;r ein besseres Ungarn) sowie Udo Voigt von der NPD, die bei den Wahlen zum Europ&auml;ischen Parlament 2014 ein Mandat errungen haben, auch von rechtspopulistisch gepr&auml;gten Fraktionen nicht aufgenommen wurden, sodass diese Abgeordneten als Fraktionslose innerhalb des EP weitgehend isoliert sind.</p>
<p>50 B&ouml;ckenf&ouml;rde, Staat, Gesellschaft, Freiheit, 1976, S. 60.</p>
<p>51 Vgl. zur Entwicklung in Ungarn Franzius, Ist Ungarn &uuml;berall? Merkmale und Entwicklungen der Demokratiegef&auml;hrdungen in Europa, 2013, S. 14 (abrufbar unter <a href="http://adb.de/node/178" target="_blank" rel="noopener">http://adb.de/node/178</a>).</p>
<p>52 Dies spricht gegen die These, Populismus und Extremismus seien einander ausschlie&szlig;ende Kategorien. Vgl. zu dieser These Bogumil, Erfolg und Misserfolg der populistischen radikalen Rechten in Deutschland und Europa. Eine Ursachenanalyse, MIP 21 (2015), 40 (41); Mudde, Populist Radical Right Parties in Europe, 2007, S. 23 ff.</p>
<p>53 Vgl. Schulmeister, Der Scho&szlig; ist fruchtbar noch, Freitag, 26.05.2016</p>
<p>54 Vgl. FN, Notre Projet. Programme Politique du Front National, o.J., S. 47 ff.; PVV, H&uacute;n Brussel, &oacute;ns Nederland, 2012, S. 10 ff.; VB, Uw stok achter de deur, 2014, S. 9 ff.</p>
<p>55 Vgl. hierzu Andersen/Bj&oslash;rklund, Radical right-wing populism in Scandinavia: from tax revolt to neo-liberalism and xenophobia, in: Hainsworth (Hrsg.): The Politics of the Extreme Right, 2000, 193 (216 f.); dies., Scandinavia and the Far Right, in: Davies/Jackson (Hrsg.), The Far Right in Europe. An Encyclopedia, 2008, 147 ff.; Betz, Entre succ&egrave;s et &eacute;chec: l.extr&ecirc;me droite &agrave; la fin des ann&eacute;es quatre-vingt-dix, in: Perrineau (Hrsg.): Les crois&eacute;s de la soci&eacute;t&eacute; ferm&eacute;e, 2001, 407 (413 f.); Mayer, Ces Fran&ccedil;ais qui votent FN, 1999, S. 224 f.; Ulram, Sozialprofil und Wahlmotive der FP&Ouml;-W&auml;hler: Zur Modernit&auml;t des Rechtspopulismus am Beispiel des Ph&auml;nomens Haider, in: Loch/Heitmeyer (Hrsg.): Schattenseiten der Globalisierung, 2001, 206 (216).</p>
<p>56 Vgl. auch Hillebrand, Die populistische Herausforderung &#8211; Eine Einf&uuml;hrung, in: ders. (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 7 (9 f.).</p>
<p>57 Vgl. hierzu Koler,hler, Det svenska folkhem &#8211; vom schwedischen &#8222;Volksheim&#8220; zum Wohlfahrtsstaat Schweden, Zeitschrift fu]r ausla]ndisches und internationales Arbeits- und Sozialrecht 1987, 203 ff.</p>
<p>58 Vgl. Fischer, &#8222;Eigen volk eerst&#8220; &#8211; rechtspopulistische Diskursstrategien am Beispiel des belgischen Vlaams Belang, 2009; Jean-Marie Le Pen, &#8222;les fran&ccedil;ais d&#8217;abord&#8220; (1984) oder der Slogan des FP&Ouml;-Parteiprogramms: &#8222;&Ouml;sterreich zuerst&#8220;.</p>
<p>59 Vgl. die Pressemitteilung des FN-Generalsekret&auml;rs Nicolas Bay v. 18.9.2015: &#8222;Face &agrave; la priorit&eacute; &eacute;trang&egrave;re, la pr&eacute;f&eacute;rence nationale !&#8220;.</p>
<p>60 Vgl. hierzu Betz, Rechtspopulismus in Westeuropa: Aktuelle Entwicklungen und politische Bedeutung, &Ouml;ZP 2002, 251 (257).</p>
<p>61 Vgl. hierzu Atkinson, Ungleichheit, 2016; Kuhn/van Elsas/Hakhverdian/van der Brug (2016), An ever wider gap in an ever closer Union. Rising inequalities and euroscepticism in 12 West European democracies, 1976-2008, Socio-economic review 14. Jg. H. 1 (2016), 27 ff.</p>
<p>62 Vgl. hierzu Betz, Rechtspopulismus in Westeuropa: Aktuelle Entwicklungen und politische Bedeutung, &Ouml;ZP 2002, 251 (258); Decker, Parteien unter Druck. Der neue Rechtspopulismus in den westlichen Demokratien, 2000, S. 33 ff. 70 ff., 329 ff.; Ignazi, The silent counter-revolution. Hypotheses on the emergence of extreme right-wing parties in Europe, European Journal of Political Research, 22. Jg. H. 1 (1992), 3 ff.</p>
<p>63 Vgl. hierzu Betz, Rechtspopulismus in Westeuropa: Aktuelle Entwicklungen und politische Bedeutung, &Ouml;ZP 2002, 251 (258 ff.); Minkenberg, The Renewal of the Radical Right: Between Modernity and Anti-modernity,in: Government and Opposition, 35 Jg. H. 2 (2000), 170 ff.; van der Brug/Fennema/Tillie, Anti-immigrant parties in Europe: Ideological or protest vote?, in: European Journal of Political Research, 37. Jg. H. 1 (2000), 77 ff.</p>
<p>64 Vgl. hierzu Veugelers, Right-Wing Extremism in Contemporary France: A &#8220;silent counter-revolution&#8221;? The sociological quarterly 41. Jg. H. 1 (2000), 19 ff.</p>
<p>65 Vgl. hierzu Bouvet, L&#8217;insecurit&eacute; culturelle, 2015, S. 127 f.</p>
<p>66 Vgl. hierzu Berbuir, Das politische Selbstverst&auml;ndnis von Mitgliedern rechtspopulistischer Parteien als Indikator f&uuml;r eine Verortung im politischen Spektrum &#8211; eine qualitative Analyse, MIP 19 (2013), 63 (71).</p>
<p>67 Vgl. hierzu Betz, Rechtspopulismus in Westeuropa: Aktuelle Entwicklungen und politische Bedeutung, &Ouml;ZP 2002, 251 (253); Hafez, Islamophober Populismus, 2010, S. 42.</p>
<p>68 Vgl. Schellenberg, in: Stollreiter, Ist Europa auf dem &#8222;rechten&#8220; Weg?, 2011, S. 4.</p>
<p>69 Vgl. Sottopietra, Ph&auml;nomen Rechtspopulismus, 1998, S. 7.</p>
<p>70 Bryant/Chuing, Einleitung, in: Stiftung SPI (Hrsg.), &#8222;Das wird man ja wohl noch sagen d&uuml;rfen &#8230;!&#8220; Zur Auseinandersetzung mit rechtspopulistischen Argumentationsweisen, 2011, 4 (4).</p>
<p>71 Vgl. auch Betz, Rechtspopulismus in Westeuropa: Aktuelle Entwicklungen und politische Bedeutung, &Ouml;ZP 2002, 251 (254).</p>
<p>72 Vgl. zur Medienstrategie rechtspopulistischer Parteien auch Barlen/Brandstetter, Fremdenfeindlich 2.0 &#8211; Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in der digitalen Welt, in: Decker/Henningsen/Jakobsen, (Hrsg.), Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Europa: Die Herausforderung der Zivilgesellschaft durch alte Ideologien und neue Medien, 2015, 303 ff.</p>
<p>73 Danach sind &#8222;(d)ie Werte, auf die sich die Union gr&uuml;ndet, &#8230; die Achtung der Menschenw&uuml;rde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschlie&szlig;lich der Rechte der Personen, die Minderheiten angeh&ouml;ren. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarit&auml;t und die Gleichheit von Frauen und M&auml;nnern auszeichnet&#8220;. Vgl. hierzu z.B. Herdegen, Die Europ&auml;ische Union als Wertegemeinschaft, in: Festschrift f&uuml;r Rupert Scholz, 2007, S. 139 ff.; Mandry, Europa als Wertegemeinschaft, 2009; Niedobitek/Sommermann (Hrsg.), Die Europ&auml;ische Union als Wertegemeinschaft, 2013.</p>
<p>74 Vgl. Ress/Ukrow, in: Grabitz/Hilf/Nettesheim (Hrsg.).Das Recht der Europ&auml;ischen Union, 2016, Art. 167 AEUV Rn. 85 ff.</p>
<p>75 Vgl. hierzu Hau, Sanktionen und Vorfeldma&szlig;nahmen zur Absicherung der europ&auml;ischen Grundwerte. Rechtsfragen zu Art. 7 EU, 2002; Hummer/Obwexer, Die Wahrung der &#8222;Verfassungsgrunds&auml;tze&#8220; der EU, EuZW 2010, 485; Klamt, Die Europ&auml;ische Union als Streitbare Demokratie. Rechtsvergleichende und europarechtliche Dimensionen einer Idee, 2012; Niedobitek, Die Europ&auml;ische Union als Wertegemeinschaft, in: Neuss u.a. (Hrsg.): Kooperationsbeziehungen in der neuen Europ&auml;ischen Union, 2012, 205; Sandfort, Der Schutz der gemeinsamen Werte (Art. 2 EUV) innerhalb der EU am Beispiel Ungarns, 2014; Serini, Sanktionen der Europ&auml;ischen Union bei Versto&szlig; eines Mitgliedstaats gegen das Demokratie- oder Rechtsstaatsprinzip, 2009; Tr&auml;bert, Sanktionen der Europ&auml;ischen Union gegen ihre Mitgliedstaaten. Die Sanktionsverfahren nach Art. 228 Abs. 2 EGV und Art. 7 EUV, 2010, S. 16.</p>
<p>76 Vgl. Ukrow, Grundrechte und die Gemeinsame Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik der Europ&auml;ischen Union, in: Br&ouml;hmer (Hrsg.), Der Grundrechtsschutz in Europa, 2002, S. 139 ff.</p>
<p>77 Vgl. hierzu Perger, Die neue Dimension des Populismus: Die europ&auml;ische Rechte und die eurasische Herausforderung der liberalen Demokratie, in: Hillebrand (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 128 (133 f.).</p>
<p>78 Vgl. Benz, Wie wehrhaft ist die europ&auml;ische Demokratie, 2016.</p>
<p>79 Aktuell erfolgt die entsprechende Finanzierungsregelung auf dieser Grundlage durch die Verordnung (EU, Euratom) Nr. 1141/2014 des Europ&auml;ischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 &uuml;ber das Statut und die Finanzierung europ&auml;ischer politischer Parteien und europ&auml;ischer politischer Stiftungen, Amtsblatt EU 2014 v. 4.11.2014 Nr. L 317/1. Vgl. zur Fortentwicklung des europ&auml;ischen Parteienrechts durch diese Verordnung Merten, Neue Impulse im europ&auml;ischen Parteienrecht, MIP 19 (2013), S. 30 ff.; Motika, Kontrolle und Sanktionen im System der Finanzierung der Europarteien, in: Poguntke u.a. (Hrsg.), Auf dem Weg zu einer europ&auml;ischen Parteiendemokratie, 2013, S. 69 ff.</p>
<p>80 Der FN geh&ouml;rte zuvor der Europ&auml;ischen Allianz der nationalen Bewegungen (englisch Alliance of European National Movements, AENM, franz&ouml;sisch Alliance europ&eacute;ens des mouvements nationaux, AEMN) an, einem Sammelbecken von Parteien, die als rechtsextrem eingestuft werden k&ouml;nnen. Auch dieser europ&auml;ischen politischen Partei hat das EP f&uuml;r die Zeit von 2012 bis 2015 Parteienfinanzierung in H&ouml;he von insgesamt fast 1,5 Mio. &#8364; zuerkannt. Dem EP geh&ouml;rt aus diesem Kreis nur noch Abgeordnete der ungarischen Jobbik-Partei an. Aufgel&ouml;st ist inzwischen nach &ouml;ffentlich gewordenen Unregelm&auml;&szlig;igkeiten die Bewegung f&uuml;r ein Europa der Freiheit und der Demokratie (engl. Movement for a Europe of Liberties and Democracy, franz. Mouvement pour l&#8217;Europe des libert&eacute;s et de la d&eacute;mocratie, MELD). Ihr geh&ouml;rten zeitweise u.a. die Dansk Folkeparti und die Lega Nord an.</p>
<p>81 Der AENM wurde f&uuml;r 2012 bis 2015 jeweils zwischen 289 und 454 T&#8364; , der EAF f&uuml;r 2011 bis 2013 jeweils zwischen 360 und 385 T&#8364;, f&uuml;r 2014 ca. 521 T&#8364; und f&uuml;r 2015 ca. 496 T&#8364; und der MENL f&uuml;r 2015 1,17 Mio. Euro als Parteienfinanzierung zuerkannt; vgl. <a href="http://www.europarl.europa.eu/pdf/grants/Grant_amounts_parties%2003-2015_new%20logo.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://www.europarl.europa.eu/pdf/grants/Grant_amounts_parties%2003-2015_new%20logo.pdf</a>.</p>
<p>82 In Ungarn hat diese Entwicklung zwischenzeitlich durch die eine Verfassungs&auml;nderung erm&ouml;glichenden parlamentarischen Mehrheitsverh&auml;ltnisse eine Absicherung erfahren, die &uuml;ber die Unw&auml;gbarkeiten demokratischen Regierungswechsels im Zuge von Wahlen hinausreichen. Vgl. hierzu die kritische Haltung der sog. Venedig-Kommission des Europarates, <a href="http://www.venice.coe.int/webforms/documents/?pdf=CDL-AD%282013%29012-e" target="_blank" rel="noopener">http://www.venice.coe.int/webforms/documents/?pdf=CDL-AD%282013%29012-e</a>.</p>
<p>83 Vgl. Thiel, Wehrhafte Demokratie, 2003.</p>
<p>84 Vgl. Klamt, Die Europ&auml;ische Union als Streitbare Demokratie. Rechtsvergleichende und europarechtliche Dimensionen einer Idee, 2012, S. 36 ff.</p>
<p>85 Vgl. zu diesem Sanktionsverfahren Klamt, Die Europ&auml;ische Union als Streitbare Demokratie. Rechtsvergleichende und europarechtliche Dimensionen einer Idee, 2012, S. 311 ff.; Sandfort, Der Schutz der gemeinsamen Werte (Art. 2 EUV) innerhalb der EU am Beispiel Ungarns, 2014, S. 26 ff.</p>
<p>86 F&uuml;r die Zwecke des Art. 7 EUV beschlie&szlig;t das Europ&auml;ische Parlament nach Art. 354 Abs. 4 AEUV mit der Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen und mit der Mehrheit seiner Mitglieder.</p>
<p>87 Vgl. Schorkopf, in: Grabitz/Hilf/Nettesheim (Hrsg.), Das Recht der Europ&auml;ischen Union, 2016, Art. 7 EUV Rdnr. 21, 29 ff.</p>
<p>88 Vgl. Benz, Wie wehrhaft ist die europ&auml;ische Demokratie, 2016, S. 58 ff., 99 ff.</p>
<p>89 Schorkopf, in: Grabitz/Hilf/Nettesheim (Hrsg.), Das Recht der Europ&auml;ischen Union, 2016, Art. 7 EUV Rdnr. 21.</p>
<p>90 Vgl. hierzu EuGH, Rs. C-286/12, Kommission/Ungarn, ECLI:EU:C:2012:687; dazu z.B. Vincze, The ECJ as the Guardian of the Hungarian Constitution, (2013) 19 European Public Law 19 (2013), S. 489 ff.</p>
<p>91 So aber f&uuml;r die Rechtslage vor dem Vertrag von Lissabon, vgl. Frowein, Die rechtliche Bedeutung des Verfassungsprinzips der parlamentarischen Demokratie f&uuml;r den europ&auml;ischen Integrationsprozess, Europarecht 18 (1983), 301 (310 f.); Hau, Sanktionen und Vorfeldma&szlig;nahmen zur Absicherung der europ&auml;ischen Grundwerte. Rechtsfragen zu Art. 7 EU. 2002, S. 54 ff.; wie hier z.B. auch Murswiek, Die heimliche Entwicklung des Unionsvertrages zur europ&auml;ischen Oberverfassung. Neue Zeitschrift f&uuml;r Verwaltungsrecht 28 (2009), 481 (482); Sandfort, Der Schutz der gemeinsamen Werte (Art. 2 EUV) innerhalb der EU am Beispiel Ungarns, 2014, S. 21 ff.</p>
<p>92 Nach der Rechtsprechung des EGMR muss ein Parteiverbot gesetzlich vorgesehen sein, ein legitimes Ziel verfolgen, und es muss eine &#8222;dringende gesellschaftliche Notwendigkeit&#8220; geben, die Partei zu verbieten; vgl. hierzu z.B. EGMR, Urteil v. 13.2.2003 (GK), Wohlfahrtspartei u.a., Nr. 41340/98 u.a.; Urteil v. 30.10.2005, United Macedonian Organisation Ilinden &#8211; Pirin u.a., Nr. 59489/00 sowie Emek, Parteiverbote und Europ&auml;ische Menschenrechtskonvention, 2007, S. 133 ff.; Pabel, Parteiverbote auf dem europ&auml;ischen Pr&uuml;fstand, Zeitschrift f&uuml;r ausl&auml;ndisches &ouml;ffentliches Recht und V&ouml;lkerrecht 63 (2003), 921 (925 ff.).</p>
<p>93 Vgl. hierzu D&ouml;rr, Fran&ccedil;ois Mitterrand und der PCF &#8211; Die Folgen der r&eacute;&eacute;quilibrage de la gauche f&uuml;r den Parti Communiste Fran&ccedil;ais, MIP 17 (2011) S. 43 ff.</p>
<p>94 Vgl. zu einem solchen Ansatz Franzius, Ist Ungarn &uuml;berall? Merkmale und Entwicklungen derDemokratiegef&auml;hrdungeninEuropa, 2013, S. 17, abrufbar unter abrufbar unter <a href="http://adb.de/node/178" target="_blank" rel="noopener">http://adb.de/node/178</a>).</p>
<p>95 Vgl. Decker/Henningsen/Jakobsen, Revolte von rechts, in: dies. (Hrsg.), Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Europa: Die Herausforderung der Zivilgesellschaft durch alte Ideologien und neue Medien, 2015, 13 (24).</p>
<p>96 &laquo;Avec l&#8217;extr&ecirc;me droite, il n&#8217;y a ni d&eacute;bat ni dialogue possible &raquo;, zitiert nach <a href="http://www.lemonde.fr/europe/article/2016/05/20/la-france-a-une-idee-de-l-europe-a-defendre_4922934_3214.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.lemonde.fr/europe/article/2016/05/20/la-france-a-une-idee-de-l-europe-a-defendre_4922934_3214.html</a></p>
<p>97 Vgl. zu entsprechenden Tendenzen z.B. Camus, Frankreichs Front National auf dem Weg an die Macht?, in: Hillebrand (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 24 (27).</p>
<p>98 Vgl. im Ansatz auch Grabbe/Lehne, Can the EU Survive Populism?, 14. Juni 2016, <a href="https://www.humanistische-union.de/http%3A/carnegieeu" target="_blank" rel="noopener">http://carnegieeu</a> rope.eu/2016/06/14/can-eu-survive-populism/j1vb (&#8222;over the longer term the grand coalition could increase voters&#8217; frustration&#8221;).</p>
<p>99 Vgl. BVerfGE 123, 267 (359); kritisch zur These des BVerfG z.B. Ukrow, Von Luxemburg lernen hei&szlig;t Integrationsgrenzen bestimmen, Zeitschrift f&uuml;r europarechtliche Studien 17 (2014), 119 (124).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/216/publikation/waechst-europa-an-seinen-rechtspopulistischen-feinden-1/">Wächst Europa an seinen rechtspopulistischen Feinden?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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