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	<title>Klaus Waterstradt Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Gesundheitsreform &#8211; ein Zwischenruf. Warum die Selbstbeteiligung sozial unverträglich ist</title>
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		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Nov 2024 13:27:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitsreform]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Gesundheitswesen ist in einem modernen „Sozialstaat&#8220; bekanntermaßen eines der am schwierigsten zu beherrschenden Ressorts. Wenn man als Sozialmediziner die letzten vierzig Jahre mit all ihren Bemühungen, Reformversuchen und Fehlschlägen, die stets unter den massivsten Lobbyeinwirkungen erfolgten, Revue passieren lässt, so kann man nur noch frustriert abwinken. Keiner der verschiedenen Regierungen, die sich an einer [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-163/publikation/gesundheitsreform-ein-zwischenruf-warum-die-selbstbeteiligung-sozial-unvertraeglich-ist/">Gesundheitsreform &#8211; ein Zwischenruf. Warum die Selbstbeteiligung sozial unverträglich ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Gesundheitswesen ist in einem modernen „Sozialstaat&#8220; bekanntermaßen eines der am schwierigsten zu beherrschenden Ressorts. Wenn man als Sozialmediziner die letzten vierzig Jahre mit all ihren Bemühungen, Reformversuchen und Fehlschlägen, die stets unter den massivsten Lobbyeinwirkungen erfolgten, Revue passieren lässt, so kann man nur noch frustriert abwinken. Keiner der verschiedenen Regierungen, die sich an einer Gesundheitsreform versucht haben, ist je ein akzeptabler Durchbruch gelungen.</p>
<p>Der bereits in der Vergangenheit häufig strapazierte und partiell umgesetzte Vorschlag einer Selbstbeteiligung der gesetzlich Versicherten hat nie eine Entlastung gebracht, sondern sogar eher einen Anstieg der Ausgaben für Pharmazeutik und Medizintechnik bewirkt.</p>
<p>Die sozialen Folgen waren aber stets erheblich. Ist denn für einen Menschen, der ohne Rücklagen von Lohnzahlung zu Lohnzahlung unter größter Einschränkung versucht, mit seinen paar Euro zu überleben, die Beitragszahlung zur Kranken-, Renten-, Unfall- und Pflegeversicherung nicht „Selbstbeteiligung&#8220; genug? Allein schon die Rezeptgebühr ist unsozial!</p>
<p>Noch dazu werden den Bürgern nach wie vor für ihre Gesundheit abträgliche Angebote systematisch schmackhaft gemacht. Der Medizinprofessor Hans Schäfer schrieb schon 1976: „Überkonsum an Kalorien und Genussgiften, insbesondere das Rauchen [&#8230;] sind nachweislich die verbreitetesten Ursachen unserer Krankheiten.&#8220; Angemerkt werden muss allerdings, dass durch „Konsumverzicht&#8220; keine Besserung der finanziellen Misere der Krankenversicherung zu erwarten ist — dann brechen nämlich erstmal die Steuereinnahmen weg. Hier muss auf einen langfristigen und nachhaltigen Bewusstseinswandel gewartet werden.</p>
<p>Der Sozialstaat beruht auf der solidarischen Leistungsbereitschaft aller seiner Bürger. Deshalb ist der Abbau von Sozialleistungen und der Ruf nach „Selbstbeteiligung&#8220; der gesetzlich Versicherten kein taugliches Mittel zur Kostendämpfung. Hier möchte ich eine Idee wiederholen, die ich schon im Jahr 1983 in den vorgängen vorgestellt hatte: „Wie wäre es denn, wenn man den Gedanken der Selbstbeteiligung so nachdrücklich, wie er immer verfochten wird, auf das Verursacherprinzip anwenden würde. Wenn also der Gesetzgeber jedem Hersteller von Stoffen, die sich in irgendeiner Form umwelt- und damit auch gesundheitsschädigend auswirken können, die Auflage verordnen würde (natürlich unter angemessener Strafandrohung bei Nichtbeachtung), in seinen Etat einzuplanen bzw. von seinem Umsatz abzuführen einen gewissen auszuhandelnden Prozentsatz an Finanzvolumen, der zweckgebunden dem Gesundheitswesen zur Aufklärung, Verhütung, Behandlung und Rehabilitation zur Verfügung steht.&#8220; (<em>vorgänge</em> 61, Heft 1/1983: 5) Ich bin überzeugt davon, dass unser Gesundheitswesen und der Sozialstaat mit einem Schlag saniert wären.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-163/publikation/gesundheitsreform-ein-zwischenruf-warum-die-selbstbeteiligung-sozial-unvertraeglich-ist/">Gesundheitsreform &#8211; ein Zwischenruf. Warum die Selbstbeteiligung sozial unverträglich ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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		<title>Gesundheitsrefom &#8211; ein Zwischenruf. Warum die Selbstbeteiligung sozial unverträglich ist</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-163/publikation/gesundheitsrefom-ein-zwischenruf-warum-die-selbstbeteiligung-sozial-unvertraeglich-ist/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Sep 2003 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>aus: vorgänge Nr. 163 (Heft 3/2003), S. 124/125 Das Gesundheitswesen ist in einem modernen &#8222;Sozialstaat&#8220; bekanntermaßen eines der am schwierigsten zu beherrschenden Ressorts. Wenn man als Sozialmediziner die letzten vierzig Jahre mit all ihren Bemühungen, Reformversuchen und Fehlschlägen, die stets unter den massivsten Lobbyeinwirkungen erfolgten, Revue passieren lässt, so kann man nur noch frustriert abwinken. [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-163/publikation/gesundheitsrefom-ein-zwischenruf-warum-die-selbstbeteiligung-sozial-unvertraeglich-ist/">Gesundheitsrefom &#8211; ein Zwischenruf. Warum die Selbstbeteiligung sozial unverträglich ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>aus: vorgänge Nr. 163 (Heft 3/2003), S. 124/125</p>
<p>Das Gesundheitswesen ist in einem modernen &#8222;Sozialstaat&#8220; bekanntermaßen eines der am schwierigsten zu beherrschenden Ressorts. Wenn man als Sozialmediziner die letzten vierzig Jahre mit all ihren Bemühungen, Reformversuchen und Fehlschlägen, die stets unter den massivsten Lobbyeinwirkungen erfolgten, Revue passieren lässt, so kann man nur noch frustriert abwinken. Keiner der verschiedenen Regierungen, die sich an einer Gesundheitsreform versucht haben, ist je ein akzeptabler Durchbruch gelungen.<br />Der bereits in der Vergangenheit häufig strapazierte und partiell umgesetzte Vorschlag einer Selbstbeteiligung der gesetzlich Versicherten hat nie eine Entlastung gebracht, sondern sogar eher einen Anstieg der Ausgaben für Pharmazeutik und Medizintechnik bewirkt.</p>
<p>Die sozialen Folgen waren aber stets erheblich. Ist denn für einen Menschen, der ohne Rücklagen von Lohnzahlung zu Lohnzahlung unter größter Einschränkung versucht, mit seinen paar Euro zu überleben, die Beitragszahlung zur Kranken-, Renten-, Unfall- und Pflegeversicherung nicht &#8222;Selbstbeteiligung&#8220; genug? Allein schon die Rezeptgebühr ist unsozial!</p>
<p>Noch dazu werden den Bürgern nach wie vor für ihre Gesundheit abträgliche Angebote systematisch schmackhaft gemacht. Der Medizinprofessor Hans Schäfer schrieb schon 1976: &#8222;Überkonsum an Kalorien und Genussgiften, insbesondere das Rauchen [&#8230;]sind nachweislich die verbreitetesten Ursachen unserer Krankheiten.&#8220; Angemerkt werden muss allerdings, dass durch &#8222;Konsumverzicht&#8220; keine Besserung der finanziellen Misere der Krankenversicherung zu erwarten ist &#8211; dann brechen nämlich erstmal die Steuereinnahmen weg. Hier muss auf einen langfristigen und nachhaltigen Bewusstseinswandel gewartet werden.</p>
<p>Der Sozialstaat beruht auf der solidarischen Leistungsbereitschaft aller seiner Bürger. Deshalb ist der Abbau von Sozialleistungen und der Ruf nach &#8222;Selbstbeteiligung&#8220; der gesetzlich Versicherten kein taugliches Mittel zur Kostendämpfung. Hier möchte ich eine Idee wiederholen, die ich schon im Jahr 1983 in den vorgängen vorgestellt hatte: &#8222;Wie wäre es denn, wenn man den Gedanken der Selbstbeteiligung so nachdrücklich, wie er immer verfochten wird, auf das Verursacherprinzip anwenden würde. Wenn also der Gesetzgeber jedem Hersteller von Stoffen, die sich in irgendeiner Form umwelt- und damit auch gesundheitsschädigend auswirken können, die Auflage verordnen würde (natürlich unter angemessener Strafandrohung bei Nichtbeachtung), in seinen Etat einzuplanen bzw. von seinem Umsatz abzuführen einen gewissen auszuhandelnden Prozentsatz an Finanzvolumen, der zweckgebunden dem Gesundheitswesen zur Aufklärung, Verhütung, Behandlung und Rehabilitation zur Verfügung steht.&#8220; (vorgänge 61, Heft 1/1983: 5) Ich bin überzeugt davon, dass unser Gesundheitswesen und der Sozialstaat mit einem Schlag saniert wären.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-163/publikation/gesundheitsrefom-ein-zwischenruf-warum-die-selbstbeteiligung-sozial-unvertraeglich-ist/">Gesundheitsrefom &#8211; ein Zwischenruf. Warum die Selbstbeteiligung sozial unverträglich ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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		<title>Menschenwürdiges Sterben</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/81-vorgaenge/publikation/menschenwuerdiges-sterben-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 May 1986 19:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sterbehilfe: Positionen]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>aus: vorgänge 81 (Heft 3/1986), S. 6-7 Dass Leben nicht nur Dasein und Vegetieren bedeutet, sondern das es von der Geburt bis zum Tode eine gewisse Qualität beinhaltet, dass Geburt und Tod integrierte Bestandteile des Lebens sind, dass wie bei der idealen Geburt auch im idealen Sterben das Individuum nicht einsam und allein gelassen werden [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/81-vorgaenge/publikation/menschenwuerdiges-sterben-1/">Menschenwürdiges Sterben</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>aus: vorgänge 81 (Heft 3/1986), S. 6-7</p>
<p>Dass Leben nicht nur Dasein und Vegetieren bedeutet, sondern das es von der Geburt bis zum Tode eine gewisse Qualität beinhaltet, dass Geburt und Tod integrierte Bestandteile des Lebens sind, dass wie bei der idealen Geburt auch im idealen Sterben das Individuum nicht einsam und allein gelassen werden sollte, darüber besteht heute weitverbreitete Übereinstimmung&#8230; doch die Verhältnisse, die sind nicht so!</p>
<p>Der Wandel der Lebensbedingungen in den letzten 100 Jahren brachte zwar Fortschritte in Medizin und Technik, die unzweifelhaft auch Vorteile im Ablauf der Geburt herbeiführten. Aber wenn wir die Generationsfrist zwischen Anfang und Ende eines Einzellebens einmal ausklammern, so hat der Ablauf des Sterbens eher eine Qualitätsminderung erlitten, eine angstbesetzte Verdrängung, eine Herabsetzung seines Wertes erfahren.</p>
<p>Die Wanderung vom ländlichen Dasein in Großstädte und Ballungsräume, die Auflösung der Großfamilien in kleinste Einheiten von Lebensgemeinschaften, die finanziellen Konsumbedürfnisse und -erfordernisse mit dadurch bedingter Einschränkung des zur Verfügung stehenden Wohnraums, solche Bedingungen lassen die intensiven, mit-menschlichen, zwischenmenschlichen Beziehungen verkümmern, ja sie be- und verhindern sie sogar. Alte und Kranke werden ausgesondert, isoliert. Sie stören das reibungslose Funktionieren der immer komplizierter werdenden Lebensabläufe. Welche Anstrengungen hat es gekostet, in den letzten Jahren wenigsten einigermaßen behindertengerechte Einrichtungen in Behörden und Verkehr einzuführen! Sie waren einfach vergessen worden im Zuge des rasanten Fortschritts, der nur für Starke und Gesunde ein Segen zu sein scheint. Heute muss schon für einfache gesunde Menschen ein soziales Training« eingeführt werden, weil sie sich im Umgang mit den anonymen Masseneinrichtungen der Hektik des Fortschritts nicht mehr gewachsen fühlen und mit psychophysischem Versagen antworten.</p>
<p>Unter all diesen Gesichtspunkten hatte der Europarat im Jahre 1974 eine Kommission gebildet, die z.B. die Rechte von Kranken und Sterbenden für seine Mitgliedsstaaten festlegte. Wir müssen uns das einmal klarmachen: So weit war es gekommen, dass solche Selbstverständlichkeiten vergessen oder verdrängt worden waren.</p>
<p>Nachdem die Beschlüsse verabschiedet waren, erließ im Jahr 1976 die Schweiz als erstes Land Richtlinien für die Sterbehilfe durch ihre Akademie der Medizinischen Wissenschaften. Im Jahr 1978 berief die Humanistische Union in Bremen eine internationale Arbeitskonferenz ein, um auch für die Bundesrepublik Deutschland die Diskussion über menschenwürdiges Sterben aus der medizinischen und juristischen Fachliteratur in eine breitere Öffentlichkeit zu bringen. Wir wollten z.b. das Wort vom »Beistand« beim Sterben wörtlich genommen wissen und forderten ebenfalls Richtlinien für die Sterbehilfe. Im Anschluss an die Tagung wurde ein Pass entwickelt, der als &#148;Patienten-Verfügung« den Wunsch und Willen eines Sterbenden eindeutig deklariert und der vom jeweils behandelnden Arzt partnerschaftlich respektiert werden sollte.</p>
<p>Inzwischen haben die Bundesärztekammer und die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie Richtlinien herausgegeben, die jedoch gerade in diesem Punkt die Bedeutung der zwischen-menschlichen Übereinkunft vermissen lassen und vielmehr auf fachlich-wissenschaftliche und moralisch-orthodoxe Schranken abheben.</p>
<p>Ich will hier nicht pro oder contra Hackethal Stellung beziehen, der wohl aus mitmenschlichem Verantwortungsgefühl handelt, jedoch durch Anwendung propagandistischer Mittel gerade dies Ziel verfehlt und der sicher nicht gut beraten war, als er sich zur Cyankalibeschaffung mit der Deutschen Gesellschaft für humanes Sterben (DGHS) verband, die vor einigen Jahren schon die Ausstattung kriegsvorbereitender Einrichtungen und Schutzbunker mit ausreichenden Mengen tödlich wirkender Medikamente gefordert hatte. Mit dieser Gesellschaft mit Sitz in Augsburg hat er sich inzwischen entzweit. Er wartet auf seinen Prozess. Nach Pressemitteilungen wirft ihm die Anklage Tötung auf Verlangen vor, strafbar nach § 216 StGB. Hier hat die »Humanistische Union« schon vor Jahren eine Änderung vorgeschlagen, wonach ein Zusatz eingefügt wird: die Tat ist dann nicht strafbar, wenn sie zur Ermöglichung eines menschenwürdigen Sterbens dient.</p>
<p>Angesichts unserer unseligen Vergangenheit mit der systematischen Vernichtung lebensunwerten Lebens&#147; im Großdeutschen Reich ist jedoch der Euthanasiebegriff anders als in anderen Ländern so belastet, dass die Juristen, und nicht nur sie allein, hier immer wieder von der Öffnung dieser Schranke abraten, was sicher auch wieder ein Beleg für unsere Demokratie in Kinderschuhen ist. Untertanengeist und Obrigkeitshörigkeit sind in zwei Generationen nicht zu überwinden.</p>
<p>Immerhin zeigt die zunehmende Diskussion in den Medien, dass auch bei uns ein Wandel eingeleitet ist in Richtung auf einen mehr humanen Umgang mit auf den Tod Erkrankten, die heute viel eher mit hilfsbereiten Angehörigen und Ärzten rechnen können als noch vor einem Jahrzehnt. Eine illustrierte Zeitung veröffentlichte kürzlich die Stellungnahme von 18 Ärzten in unterschiedlichen Positionen, die alle übereinstimmten für eine Leidensminderung von Sterbenden, selbst wenn eine Lebensverkürzung dabei in Kauf genommen werden muss. Die Verbindlichkeit einer Patienten-Verfügung« wird jedoch noch immer nicht anerkannt (im Gegensatz z.b. zu Erbtestamenten), obwohl hier eine ausdrückliche Strafverfolgung wegen Körperverletzung bei Nichtbeachtung angedroht wird. Der juristische Sachverhalt bei Einwilligung in eine Behandlung oder in ihrer Ablehnung sollte viel größere Beachtung finden. Es herrscht noch immer &#151; moralisch bemäntelt &#151; das hierarchische Autoritätsdenken vor.</p>
<p>Was uns abhanden gekommen ist, ist die Fähigkeit und die Möglichkeit zu selbstbestimmtem Handeln &#151; von einigen achtunggebietenden Ausnahmen der Selbsttötung abgesehen. Der Raum, die Zeit und die Muße fehlen, einem sterbenden Menschen, und sei es auch ein sehr nahestehender, so zur Seite zu stehen, dass der Vorgang, aus dem Leben zu gehen, auf beiden Seiten in gebührender Würde ertragen wird. Die Kunst des Sterbens wie sie vorzeiten geübt wurde ging verloren. Der Wert dieses Vorgangs in seinem Ertragen und in seinem Begleiten muss, auch als beispielhaft, erst wieder Anerkennung finden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/81-vorgaenge/publikation/menschenwuerdiges-sterben-1/">Menschenwürdiges Sterben</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Friedensbewegung im Gesundheitswesen</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/79-vorgaenge/publikation/friedensbewegung-im-gesundheitswesen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Jan 1986 16:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kommentar aus: vorgänge Nr. 79 (Heft 1/1986), S. 28-30 Dies ist ein schwacher Ruf. Oder ist es vielleicht doch ein starker Ruf? Ursprünglich hieß es: Ärzte warnen vor dem Atomkrieg. Warum warnen Ärzte vor dem Krieg? &#8211; Krieg ist doch keine Krankheit! Und warnen sie etwa nur vor dem Atom-Krieg? Nun, Pazifisten gab es schon [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/79-vorgaenge/publikation/friedensbewegung-im-gesundheitswesen/">Friedensbewegung im Gesundheitswesen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Kommentar</p>
<p>aus: vorgänge Nr. 79 (Heft 1/1986), S. 28-30</p>
<p>Dies ist ein schwacher Ruf. Oder ist es vielleicht doch ein starker Ruf? Ursprünglich hieß es: Ärzte warnen vor dem Atomkrieg. Warum warnen Ärzte vor dem Krieg? &#8211; Krieg ist doch keine Krankheit!</p>
<p>Und warnen sie etwa nur vor dem Atom-Krieg? Nun, Pazifisten gab es schon immer. Und seit der Anti-Atomkraft-Bewegung und der Ökologie-Bewegung gab es auch allenthalben Friedensinitiativen im Gesundheitswesen. Damit kann jeder Staat leben.</p>
<p>Als aber Ärzte sich zusammenfanden und das Ansehen ihres Berufsstandes in der Öffentlichkeit in die Waagschale warfen, um außerparlamentarisch Aufklärungsarbeit zu leisten, sich und andere zu informieren, da wurden die Medien, die Abgeordneten, die Regierenden hellhörig.</p>
<p>Schlagworte wie: &#8222;Die Überlebenden werden die Toten beneiden&#8220; und &#8222;Wir werden Euch nicht helfen können!&#8220; bewirkten in weiten Bevölkerungskreisen Nachdenken und Zustimmung. Dadurch wurden alle Friedensinitiativen im Gesundheitswesen gestärkt und wuchsen weiter an.</p>
<p>Der 5. Kongreß zur Verhinderung des Atomkrieges vom 31.10. bis 3.11.85 in Mainz wurde veranstaltet von der Friedensinitiative im Gesundheitswesen Mainz/Wiesbaden zusammen mit der IPPNW (Deutsche Sektion der internationalen Ärzte zur Verhinderung des Atomkriegs).</p>
<p>Folgerichtig hieß das Motto jetzt: Wir warnen vor dem Atomkrieg, weil alle Mitarbeiter im Gesundheitswesen, die in der Friedensbewegung aktiv sind, den Aufruf mittragen. Der Untertitel lautete: &#8222;Rüstungsstop! Abrüsten!&#8220;. Das Verhandlungsthema war erheblich ausgeweitet worden, z.B. auf Einschätzungen der Krankenschwestern und des Pflegepersonals oder etwa auf &#8222;die dritte Welt und der Krieg&#8220;. Der Kongreß wies gegenüber seinen Vorgängern weitere Besonderheiten auf, 1981 fand der erste Medizinische Kongreß in Hamburg statt, 1982 folgte Berlin, dann 1983 München, Das Echo auf den 4. Medizinischen Kongreß 1984 in Tübingen war besonders groß. So entstand die Ausweitung des Arbeitsgebietes. Etwa 60 Arbeitsgruppen und Seminare behandelten jetzt spezielle Fragen wie SDI, West-Ost-Kontakte, Zivilschutz, Beziehungen zur Gesamtärzteschaft, Frauen und Militarisierung, alltägliche Gegenwehr, Friedenserziehung, Bundeswehr und vor allem die am meisten besuchten psychologischen Fragenkomplexe.</p>
<p>Die Einzelreferate z.B. von Till Bastian, Alfred Mechtersheimer, Ulrich Gottstein, Andreas Zumach, Horst Eberhard Richter, Gert Bastian, Hans Ulrich Deppe, Elvira Kleine, Christa Nickels, Barbara Hövener, Scott Mills, Knut Sroka und Karl Bonhoeffer erscheinen im Druck zusammen mit dem Einführungsvortrag von Peter Rühmkorf: &#8222;Bleib erschütterbar und widersteh!&#8220;</p>
<p>Die Broschüre kann über die Geschäftsstelle der IPPNW Bahnhofstr. 24 in 6501 Heidesheim bezogen werden.</p>
<p>Das Wiesbadener Tagblatt schrieb: &#8222;Kein Ärztekongreß, sondern ein Stück Friedensbewegung&#8220;. Das Presse-Echo war ungewöhnlich groß (die Bericht-Ausschnitte füllen drei Ordner!), sicherlich auch mitbedingt durch die Verleihung des Friedensnobelpreises an die internationale Ärzteorganisation.</p>
<p>Um so befremdender ist die offizielle Reaktion. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium C.D. Spranger sagte seine Teilname an der vorgesehenen Podiumsdiskussion: &#8222;Ein neues Zivilschutzgesetz &#8211; humanitäre Pflicht oder Kriegsvorbereitung?&#8220; ab. Da sein Ministerium die Gesetzesvorlage bearbeitet, hätte gerade er die demokratische Pflicht gehabt, seine Intentionen öffentlich zu erläutern.</p>
<p>Stattdessen verfaßte er nach mehrfachen Anmahnungen auf über drei Schreibmaschinenseiten Tatsachenverdrehungen und Unterstellungen wie &#8222;Inhumanität&#8220; zusammen mit Ratschlägen über den &#8222;ärztlichen Auftrag&#8220;, um sein Kneifen vor dieser Auseinandersetzung zu begründen. Der Brief traf übrigens bis zum Kongreßbeginn bei uns als Veranstalter nicht ein: Wir erhielten ihn von den Medien.</p>
<p>Wie stark die Gegner der Friedensbewegung von den Sachargumenten getroffen wurden, zeigt der Versuch des CDU-Generalsekretärs H. Geißler, davon abzulenken durch die bewährte primitive Kommunismus-Unterstellung und durch seine Reklamation beim Friedensnobelpreiskomitee in Oslo, das sich auf solche Diskussion noch nie eingelassen hat.</p>
<p>Daß sich an diesen Protest neben einigen Gesinnungsfreunden noch der Kanzler Kohl anhängen mußte, zeigt einmal mehr dessen mangelndes Fingerspitzengefühl und natürlich das seiner Berater. Die Ohrfeige aus Oslo mit dem Bezug auf Kanzler Hitler&#8217;s Protest vor 49 Jahren anläßlich der Friedensnobelpreisverleihung an den KZ-Häftling Carl von Ossietzky führte hier aber kaum zur Wangenrötung.</p>
<p>Um den Alltag mit einzubeziehen, wurde am 2.11., einem verkaufsoffenen Samstag, eine große Innenstadtaktion in Wiesbaden durchgeführt. Etwa 1500 Kongreßteilnehmer hatten im Sonderzug den Rhein überquert, um die Verbundenheit mit den dortigen Friedensinitiativen zu unterstreichen und um auf die Anhäufung militärischer Einrichtungen in der gesamten Rhein-Main-Region hinzuweisen.</p>
<p>Das größte und modernste amerikanische Militär-Hospital außerhalb der Vereinigten Staaten liegt in Wiesbaden und gestaltet sich als Angelpunkt aller US-Aktionen in Europa, Afrika und Vorderasien, einschließlich der &#8222;schnellen Eingreiftruppe&#8220;, da solche Einsätze ohne die Stationierung des Hospitals gar nicht möglich wären.</p>
<p>Was viele Menschen bei uns nicht wissen: entgegen den ursprünglichen NATO-Verträgen hat sich die BRD im Brüsseler Beschluß vom 13.5.1981 verpflichtet, auch außerhalb des NATO-Gebietes zu operieren. Außerdem ist sie durch einen weiteren Vertrag (Wartime-host-nation-support-Abkommen vom 15.4.82) dazu verpflichtet, bei militärischen Operationen Unterstützung zu gewähren. So wird unser Land unversehens zum Aufmarschgebiet, zur Startrampe und zur Drehscheibe für Einsätze im Nahen Osten, die ohne Nachschub und ohne medizinische Versorgung unmöglich wären. Der Flugplatz Erbenheim, jetzt schon eine erhebliche Belästigung für 50.000 im unmittelbaren Umfeld lebende Menschen, soll auf die dreifache Hubschraubermenge gebracht werden, wogegen sich eine Bürgerinitiative von 7.500 Bürgern wendet. Das Land Hessen klagt beim Bund auch wegen der Gefährdung der Flugsicherheit von &#8222;Rhein-Main&#8220;.</p>
<p>Direkt neben den Städtischen Kliniken in Wiesbaden ist das 333. Art. Btl. des V. US-Corps stationiert, das mit operativ-taktischen Lance-Atomraketen ausgerüstet ist (Verstoß gegen Art. 18 der Genfer Konvention vom 12.8.49). Solche Zentren sind sichere Ziele möglicher Gegenschläge. Auch gefährden die ständigen Transporte von Atomraketen die Bevölkerung.</p>
<p>Alles in Allem wurde deutlich gemacht, daß bei den beiderseits in Ost und West gepflegten Feindbildern und bei den beiderseits aufgestauten A-, B- und C-Massenvernichtungsmitteln ohne völlige Kehrtwendung der absolute Holocaust nicht zu umgehen ist.</p>
<p>Es gibt ja Menschen, die ihre Hoffnung auf die Möglichkeit eines begrenzten, konventionellen Krieges bauen. Was ist allein das schon für eine Perversion des Denkens, für eine unmenschliche Denkweise! Aber sie übersehen dabei: Daß jede Seite dieser in absoluten Feindbildern Denkenden im Falle eines eintretenden Nachteils im konventionellen Kriegesgeschick das nächsthöhere Waffenregister zieht, solange bis der große Atomknall da ist. Man darf nicht unterliegen &#8211; man muß siegen!</p>
<p>Diese wahnwitzige Ideologie beherrscht das Handeln der Regierenden.</p>
<p>Auf der anderen Seite versucht man uns einzureden, durch weitere Rüstung, durch Bunkerbau, durch Zivilschutz hätten wir Chancen zu überleben. Und dies war der Grund, warum wir bereits den fünften Medizinischen Kongreß zur Verhinderung des Atomkrieges machen. Wir sind für Notfallmedizin &#8211; ganz selbstverständlich, aber wir sind gegen Kriegsmedizin, gegen alle kriegsvorbereitenden Maßnahmen, gegen kriegsvorbereitenden Bunkerbau und gegen kriegsvorbereitende Rüstung. Es ist medizinische Pflicht, rechtzeitig vorzubeugen und nicht erst Heilungsversuche zu machen, wenn keine Aussicht mehr auf Erfolg besteht.</p>
<p>Der Krieg muß geächtet werden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/79-vorgaenge/publikation/friedensbewegung-im-gesundheitswesen/">Friedensbewegung im Gesundheitswesen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ein Vorschlag zur Wiederherstellung von Gesundheit</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/61-vorgaenge/publikation/ein-vorschlag-zur-wiederherstellung-von-gesundheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Jan 1983 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.humanistische-union.de/publikationen/publikation/ein-vorschlag-zur-wiederherstellung-von-gesundheit/</guid>

					<description><![CDATA[<p>aus: vorgänge Nr. 61 (Heft 1/1983), S. 4/5 In der augenblicklichen Situation der unzureichenden Finanzen auf fast allen Gebieten (Rüstung im wesentlichen ausgenommen), hervorgerufen nicht zuletzt durch kritiklose Fortschrittsgläubigkeit und Wissenschaftsgläubigkeit (Motto: Wachstum, Wachstum über alles), bemühen sich kompetente und inkompetente Geister um das Aufzeigen einzuschlagender Schritte, um das Vorbringen von Vorschlägen zu Auswegen aus [weiterlesen]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>aus: vorgänge Nr. 61 (Heft 1/1983), S. 4/5</p>
<p>In der augenblicklichen Situation der unzureichenden Finanzen auf fast allen Gebieten (Rüstung im wesentlichen ausgenommen), hervorgerufen nicht zuletzt durch kritiklose Fortschrittsgläubigkeit und Wissenschaftsgläubigkeit (Motto: Wachstum, Wachstum über alles), bemühen sich kompetente und inkompetente Geister um das Aufzeigen einzuschlagender Schritte, um das Vorbringen von Vorschlägen zu Auswegen aus dieser Sackgasse.<br />Die meisten von ihnen kurieren wie immer am Symptom und nicht an der Wurzel des Übels, denn dazu wäre ja die ideologisch so berüchtigte &#8222;Systemveränderung&#8220; vonnöten.<br />Allerdings scheinen sich auch hier inzwischen grundlegende Denkveränderungsprozesse einzuleiten. Immerhin ist es heute schon nicht mehr ganz einfach, neue Technologien mit großzügig zukunftsweisenden&#8220; und sogar &#8222;arbeitsplatzschaffenden&#8220; Perspektiven einer begeistert konsumbereiten Öffentlichkeit anzudienen. Selbst die publicity-trächtigen Automationen und Rationalisationen der Glasfaserverkabelungen, Teletextprojekte und BIGFON-Manipulationen stoßen auf zunehmende kritische Bewertungen vielfältiger Initiativen.<br />Geistige Umweltverschmutzung ist hier das Schlagwort in Analogie zu der heute von allen Bürgern bereits als Bedrohung empfundenen Umweltverschmutzung durch Produktionsergebnisse von technischem &#8222;Fortschritt&#8220; und von Industrialisierung mit allen ihren krankmachenden Folgen.<br />Nicht nur die Vielzahl der krebserzeugenden Stoffe, nicht nur die Hautschädigungen, die Beeinträchtigung der Atmungs- und Sinnesorgane, des Herz-Kreislaufsystems oder der Verdauungsorgane, des Knochen- und Gerüstapparates, auch die unübersehbare Gefährdung der Nachkommenschaft, der folgenden Generationen, auch die Aufrüstung mit atomaren, biologischen und chemischen Kriegskampfmitteln (A-B-C Waffen), all dies liegt im Blickfeld einer wachsenden Zahl mehr ökologisch als ökonomisch denkender Menschen und führt zu Gegendruck und zur Forderung, den Frieden zu sichern ohne Rüstung.<br />Dessen ungeachtet gibt es natürlich eine große Anzahl von Menschen, die einfach den Kopf in den Sand stecken angesichts der massenhaften Einwirkungen, weil sie glauben, doch nichts mehr ändern zu können und es gibt eine beträchtliche Zahl von unaufgeklärten Mitmenschen, die mangels einschlägiger Informationen meinen, die da oben machen trotz einiger Fehler schließlich doch alles zum besten.<br />Die sogenannten denkenden Menschen finden sich zu öffentlichen Anhörungen und Diskussionen zusammen. Sie üben zum Teil auch positive Kritik und machen dabei Vorschläge, wie schon gesagt, zur Minderung der Übel und zur Verbesserung der Fehler.</p>
<p>Auf einer solchen Veranstaltung hörte ich gerade wieder die bekannten Empfehlungen zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen, nämlich die sogenannte &#8222;Selbstbeteiligung&#8220; im System der kassenärztlichen Versorgung. Dies werde schon &#8211; und eigentümlicherweise nicht das ärztliche Handeln &#8211; dazu beitragen, daß nicht über das Maß des Notwendigen hinaus die Mittel der Versicherungsgemeinschaft in Anspruch genommen werden. Daß dabei manchmal auch das Notwendige außeracht gelassen wird, ist nur ein Aspekt. Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, daß auch dort die Kostenausweitung im Gesundheitswesen durch &#8222;Selbstbeteiligung&#8220; nicht verhindert wird. Und ist bei uns etwa neben den Kosten für Arbeitslosen- und Rentenversicherung eine 13% vom Lohn betragende Beitragssumme zur Kränkenversicherung noch nicht Selbstbeteiligung genug?</p>
<p>Die Monopolmittel etwa, die der Staat einnimmt aus der systematischen Vergiftung der Bevölkerung durch den Konsum von Alkohol und Nikotin, der mit meterhohen Reklametafeln angeheizt wird, reichen bei weitem nicht aus, um die Entziehungs- und Rehabilitationsfolgen der dadurch entstandenen Körper- und Geistesschäden zu finanzieren.</p>
<p>1976 habe ich in vorgänge 21 geschrieben: &#8222;Wir müssen einsehen lernen, daß das Anreizen zum Konsum bestimmter Güter, die zum Teil als Statussymbole anzusehen sind, die primären menschlichen Bedürfnisse verdrängt und eine gesundheitsschädigende Lebensweise herbeiführt, die im Zusammenwirken mit anderen Schädigungen und Umwelteinflüssen eine krankmachende Wirkung ausübt.&#8220;</p>
<p>Und an anderer Stelle: &#8222;Im übrigen sollte in einem Sozialstaat auch nicht mit dem Versuch gespielt werden, den Versicherten, der durch eine mit Milliarden steuerbegünstigte Werbung für gesundheitsschädigende Produkte, durch raffinierte psychologische Konsumanreize zu gesundheitswidrigen Verhalten veranlaßt wurde, danach zu disziplinieren, indem die eintretenden Folgen durch Selbstbeteiligung mit Strafen belegt werden.&#8220;</p>
<p>Nun, heute, nach sechs Jahren, kann man lange suchen, um in unserer Umwelt noch Dinge auszumachen, die wir zu uns nehmen oder mit denen wir umgehen, und die keine krankmachenden Auswirkungen haben.<br />Und so kam ich in der genannten Veranstaltung auf eine Idee, die ich hier wiederholen möchte.<br />Wie wäre es denn, wenn man den Gedanken der Selbstbeteiligung so nachdrücklich, wie er immer verfochten wird, auf das Verursacherprinzip anwenden würde. Wenn der Gesetzgeber also jedem Hersteller von Stoffen, die sich in irgendeiner Form umwelt- und damit gesundheitsschädigend auswirken können, die Auflage verordnen würde, (natürlich unter angemessener Strafandrohung bei Nichtbeachtung), in seinem Etat einzuplanen, bzw. von seinem Umsatz abzuführen einen gewissen auszuhandelnden Prozentsatz an Finanzvolumen, der zweckgebunden dem Gesundheitswesen zur Aufklärung, Verhütung, Behandlung und Rehabilitation zur Verfügung steht.<br />Ich werde diesen Vorschlag den zuständigen Gremien, den Parlamentariern und den Bürgerinitiativen zur Diskussion zugänglich machen und bin der festen Überzeugung, daß so nicht allein eine deutliche Verminderung der Ausgaben der bisherigen sogenannten Kostenträger eintritt, sondern langfristig auch eine Verminderung der Ausbreitung umwelt- und gesundheitsschädigender Produkte.</p>
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		<title>Über das Recht, in Würde zu sterben</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/52-vorgaenge/publikation/ueber-das-recht-in-wuerde-zu-sterben-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Aug 1981 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sterbehilfe: Positionen]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Reise nach Oxford. aus: vorgänge Nr. 52 (Heft 4/1981), S. 22-25 Es gibt kein Recht zu sterben. Das Sterben gehört zum Leben wie die Geburt. Aber es gibt ein Menschenrecht, in Würde zu sterben.Auf dem Wege nach Oxford erinnerte ich mich an meine Mutter, die 1974 gestorben ist. Sie hatte mich im Jahre 1938, [weiterlesen]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Reise nach Oxford.</p>
<p>aus: vorgänge Nr. 52 (Heft 4/1981), S. 22-25</p>
<p>Es gibt kein Recht zu sterben. Das Sterben gehört zum Leben wie die Geburt. Aber es gibt ein Menschenrecht, in Würde zu sterben.<br />Auf dem Wege nach Oxford erinnerte ich mich an meine Mutter, die 1974 gestorben ist. Sie hatte mich im Jahre 1938, als ich ein Medizinstudium begann, mit den Worten ermahnt: &#132;Nicht wahr, du hilfst mir einmal, später, wenn es soweit ist, wenn ich sterben möchte, damit ich nicht lange leiden muss.&#148; Damals konnte ich mir noch nicht viel über die Konsequenzen eines solchen Wunsches denken.<br />Als es dann soweit war und als sie bei voller geistiger Frische im 85. Lebensjahr mich daran erinnerte, weil sie ihre Schmerzen, ihre Bettlägerigkeit, ihre Hilfsbedürftigkeit nicht mehr ertragen konnte, da versagte etwas in mir. &#132;Nun hilf mir doch&#148;, bat sie mich mehrmals, &#132;lass mir doch etwas da, wenn du gehst.&#148;<br />Ich war damals nicht dazu imstande. Heute denke ich an Derek Humphry und an Theodor Storm und bin beschämt. Ich habe meiner Mutter nicht helfen können, ich habe keine philosophischen und moralischen Gründe vorgeschoben, sondern ich habe mich gedrückt.<br />In den folgenden Jahren habe ich aufmerksam die Diskussion über Sterbehilfe in der juristischen und medizinischen Fachliteratur verfolgt und kam zu der Überzeugung, dass nur eine breite öffentliche Bewusstseinsänderung die Tabus über das Sterben, die Verdrängung aller finalen Vorgänge, überwinden helfen könne.</p>
<p>Der Europarat hatte 1976 den Beschluss gefasst, die Rechte der Kranken und Sterbenden zur Geltung zu bringen und die Mitgliedstaaten auf Richtlinien für Sterbehilfe festzulegen. Angesichts der zunehmenden enormen Erfolge der Medizintechnik &#8211; theoretisch im Dienste der Menschheit, praktisch oft unmenschliche Folgen hervorbringend &#8211; wurde über dem Leistungs- und Erfolgsstreben der Wissenschaft oft die menschliche Zuwendung und der Beistand beim Sterben vernachlässigt oder außer acht gelassen.<br />Die Humanistische Union versuchte als Bürgerrechtsorganisation im Jahre 1978 auf einer Fachkonferenz in Bremen die Fragen der Menschenwürde im Krankenhaus und des menschenwürdigen Sterbens einer breiteren öffentlichen Diskussion zuzuführen.<br />An der Veranstaltung beteiligte sich auch die &#132;Initiative für humanes Sterben nach Wunsch des Sterbenden&#148;, die dem Bund für Geistesfreiheit in Nürnberg angegliedert ist. Diese Initiative und der Bundesvorstand der HU hatten mich jetzt als Sozialmediziner beauftragt, als deutscher Delegierter der Einladung von EXIT &#8211; der Gesellschaft für das Recht, in Würde zu sterben, zu einer internationalen Konferenz in Oxford zu folgen.<br />Im ehrwürdigen University College und in der Country Hall trafen vom 11.-14. September 1980 200 Teilnehmer zusammen, die 20 Gesellschaften aus 15 Nationen repräsentierten. Hier zeigte sich, dass das Interesse der Mehrzahl der Anwesenden einer Vorstellung galt, die nicht direkt mit unserer vorher geschilderten Ausgangssituation identisch war.</p>
<p>Wir gingen davon aus, menschliche Würde zu akzeptieren im Umgang mit Kranken und Sterbenden, die Identität der Persönlichkeit anzuerkennen, ihren Wunsch und Willen zu respektieren auch dann, wenn der Kranke selbst dies nicht mehr zu artikulieren vermag. Daher auch unsere Forderung nach Anerkennung eines Sterbetestaments und nach Änderung des Strafrechtsparagraphen 216, weil ein Absetzen der lebensverlängernden Möglichkeiten auch im aussichtslosen Verlauf den Arzt in die Gefahrenzone der &#132;Tötung auf Verlangen&#148; bringt.<br />Andere sahen dort in der Anerkennung der Würde des Menschen vielmehr die Zulassung seines Rechts, als selbständiges Individuum jederzeit mit Hilfe eines sicheren, genau dosierten Mittels und ohne große Qualen aus dem Leben scheiden zu können, unabhängig von Krankheit, Leiden, Alter und Behinderung.</p>
<p>Miss Sheila Little (74) kostete ihren großen Tag gebührend aus. Sie konnte eine Broschüre vorstellen, die von der Schottischen Gesellschaft veröffentlicht wurde und in der 5 todsichere Arten der Selbsttötung durch Medikamente beschrieben sind. Diese Veröffentlichung wirkte elektrisierend auf die ganze Versammlung. In England verboten, nach dem Selbstmordgesetz von 1961 mit Strafe bedroht, kann eine solche Gebrauchsanweisung nach schottischem Recht den Mitgliedern der Schottischen Gesellschaft nicht verwehrt werden. Ein Ansturm auf die Mitgliedschaft in der Schottischen Gesellschaft setzte ein. Der Einsatz: 20 Pfund pro Jahr.<br />Die Vertreterinnen der niederländischen Gesellschaften teilten mit, dass sie ihre sterbewilligen Mitglieder einfach an Apotheken in Deutschland und besonders in der Schweiz verweisen, wo bestimmte Medikamente, die in hoher Dosierung zum Tode führen, rezeptfrei zu kaufen seien.<br />Für Angelsachsen schien dieser Aspekt der Tagung, nämlich todsichere Rezepte zu erlangen, der faszinierende Reiz. Es gab jedoch keine Rezepte, jedenfalls nicht öffentlich; Miss Sheila Little hielt ihr Exemplar streng unter Kontrolle, sie gab es nicht einmal zur Einsicht aus der Hand, um eventuelle Fotokopien zu verhindern.<br />Das Heft diente denn auch dem ungeahnten Aufschwung der Mitgliederzahlen, die übrigens allenthalben im Steigen begriffen sind.<br />Die englische Gesellschaft hatte von 1972-78 einen Anstieg von 1000 auf 2000 Mitglieder zu verzeichnen, während von 1979-80 die Zahl von 2000 auf 8000 anstieg (ebenso viele wie in Schweden. Von solchen Zahlen wagt die bundesdeutsche Initiative nur zu träumen.<br />Holland hat in 3 Gesellschaften 25.000 Mitglieder, die USA in mehreren Gesellschaften ca. 40.000. Im Staat Kalifornien existiert seit 1977 der Natural Death Act, wonach der Wille des Sterbenden, der in einem Testament festgelegt ist, zu respektieren ist.<br />Dies ist bei uns nicht der Fall. Der Arzt, der sich auf den Wunsch und Willen des Patienten beruft, wie er etwa durch einen Sterbepass, der von Angehörigen oder einem Notar gegengezeichnet ist, untermauert wird, macht sich auf Antrag nach § 216 StGB strafbar wegen Tötung auf Verlangen.</p>
<p>Hier erscheint als ein wichtiger Aspekt im Sinne der Anerkennung der Menschenrechte die Änderung des Strafrechtsparagraphen.<br />Ich glaube nicht, dass man die in Oxford erhobene Forderung der freien Entscheidung auf einen freien Tod zu jedem Zeitpunkt des Lebens einfach auf unsere Verhältnisse übertragen kann. Uns liegt zunächst mehr an einer Durchsetzung der Rechte des Menschen in Situationen der Hilfsbedürftigkeit, wie etwa im Krankenhaus oder beim Sterben (auch zu Hause).</p>
<p>Der Chef des Hartmann-Bundes und der Chef des Verbandes der niedergelassenen Ärzte wenden sich gleichermaßen gegen einen Entwicklungsrückstand in Sachen Humanität in der Krankenversorgung.<br />Der Ärztekammerpräsident Nordrhein zielte ausdrücklich auf mehr Menschlichkeit im Krankenhaus, den Krankenhausalltag freundlicher, die Krankenhausorganisation menschlicher und die medizinische Betreuung persönlicher zu gestalten. Die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen schiebt Entscheidungen in der Sache seit der Sitzung vom März 1979 vor sich her und wollte im November 1980 endlich Farbe bekennen. Das Thema ist inzwischen auf Humanität in der Krankenversorgung erweitert worden, woraus der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft mit Befriedigung ableitet, dass ein Defizit nicht allein im Krankenhausbereich erkannt wurde.</p>
<p>Auf einem interdisziplinären Fortbildungsseminar für Ärzte, Krankenschwestern, Krankenpfleger und med.-techn. Assistenten in Worms wurde darauf hingewiesen, dass zwar 85 % der schwerkranken Patienten von ihrem Arzt eine genaue Unterrichtung wünschen, dass jedoch zwei Drittel der Ärzte ihren unheilbar kranken Patienten nicht die Wahrheit sagen, weil sie glauben, die seelische Belastung sei nicht tragbar.<br />Nicht nur Laien, sondern auch die in der medizinischen Behandlung tätigen Mitarbeiter fühlen sich in der Konfrontation mit Sterbenden überfordert. Sie sollten deshalb lernen, sich bewusst mit der eigenen Gefährdung durch Krankheit sowie dem eigenen Tod auseinander zusetzen, sagte der Leiter der Tagung, Prof. Dr. Jürgen von Troschke (Institut für Medizinische Soziologie, Universität Freiburg. Er stellte mit Bedauern fest, dass für hilfreiche Gespräche ohne fromme Lüge keine genügende Ausbildung zur Verfügung stehe.</p>
<p>In diesem Zusammenhang weiter erwähnenswert: Unter der Leitung des Direktors der Abteilung für Menschenrechte und Friedensforschung der UNESCO, Karel Vasak, fand an der Universität Messina, Sizilien, vom 14. -19.3.1980 die erste Forschungs- und Bildungstagung über die Wahrheit der Menschenrechte im Schnittpunkt von Medizin und Recht statt.<br />Vom Schutz der Persönlichkeit des kranken Menschen über die Diskussion der Zulässigkeit von medizinischen Versuchen am Menschen ging der Themenkatalog bis zur Frage, wieweit bei der Möglichkeit der künstlichen Lebenserhaltung das Recht auf einen würdevollen Tod noch wahrgenommen werden kann. Menschenrechte werden offensichtlich von Ärzten und Juristen verschieden begriffen.</p>
<p>Während die eine Seite nur durch Ärzte einen angemessenen Schutz der Menschenrechte des Kranken gewährleistet sah, versuchte die andere Seite zu verdeutlichen, dass es im Schnittpunkt von Medizin und Recht Richtlinien geben müsse, die für die Erhaltung der Menschenrechte gleiche Entscheidungen in gleichgelagerten Fällen gewährleisten müssen. Einerseits wurde betont, dass es keine Pflicht des Arztes gebe, menschliches Lebens unter allen Umständen zu verlängern, sondern beim Beginn des Sterbens einen menschlichen Tod zu ermöglichen, andererseits wurde das menschliche Recht auf Leben als eine Pflicht des Arztes, dieses Leben zu retten, gedeutet. Für die Lösung bestimmter Grenzfälle wurden Richtlinien durch eine einzurichtende internationale Ethikkommission angeregt. Einem amerikanischen Vorschlag zufolge sollte der Eid auf Hippokrates wegfallen, da in ihm die Menschenrechte des Patienten nicht genannt seien.<br />Durch solche Beispiele wird deutlich, wie weltweit Besorgnis über die Einhaltung von Menschenwürde und Menschenrechten in unserem fortschrittlichen Gesundheitswesen besonders bei der Ausweitung der Medizintechnik Unbehagen verursacht und Gegensteuerung hervorruft.</p>
<p>So dezidierte Forderungen allerdings wie die auf voluntary euthanasia and suicide, das Recht auf Freitod, um auf Oxford zurückzukommen, sind aus einer nachvollziehbaren sowohl evolutionären wie archaischen Denkungsweise entstanden, die dem Individuum seine originäre persönliche Freiheit zugesteht.<br />Das Wort Euthanasie&#8220;, schönes Sterben, ist bei uns leider mit einer tausendjährigen Hypothek belastet, die eine allgemeine öffentliche Diskussion bisher verhinderte. Aktive Euthanasie wird hier bewusst ausgeklammert. Was aber ist Selbsttötung sonst?<br />Gewiss, wir nehmen meistens nur die Suizide zur Kenntnis, die nicht schön verlaufen. Aber die Ächtung der Handlung, noch aus tradierter Sicht als Selbstmord gekennzeichnet, sollte bei aufgeklärten Menschen unterbleiben. Freitod im Sinne Jean Amerys ist ein angemessenes Wort. Sofern er nicht so frei ist, halten wir Selbsttötung für eine angemessene Bezeichnung.<br />In Oxford wurde die aktive Eigenentscheidung auch häufig mit der Frage des abortion act zusammen erwähnt. Bei uns wie auch dort ist menschenwürdiges Sterben nach eigenem Wunsch und Schwangerschaftsabbruch belastet mit der Forderung nach Fremdentscheidung. Dritte sollen erkennen und anerkennen. Dies wurde als besonders schwerwiegender Eingriff in Würde und Recht des Individuums gewertet.<br />Die dort so genannte Killing society, die mordende Gesellschaft, erträgt täglich Unmassen von Unfalltoden einschließlich Kindern, die sie durch Technik und Verkehr umbringt, sie produziert und segnet Waffen, vergiftet und verseucht unseren Lebensraum und den unserer Nachkommen, aber sie entrüstet sich in moralischem Pathos über finale Entschlüsse einzelner Individuen.<br />Ich bin Mitglied geworden in der Gesellschaft für das Recht, in Würde zu sterben.</p>
<p><i>(Siehe zum Thema das Heft 36 der Vorgänge: Menschenwürdiges Sterben&#8220;.)</i></p>
<p><b>Anmerkungen:</b></p>
<p>(1) Derek Humphry, Jean´s way. 1978. Fontana/Collins.<br />(2) Theodor Storm, Ein Bekenntnis. 1887.<br />(3) Vorgänge Nr. 36/78.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Über Schwangerschaftskonfliktberatungen</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/42/publikation/ueber-schwangerschaftskonfliktberatungen-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Dec 1979 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[§ 218]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bericht der Freien Frauen- und Familienberatung der Humanistischen Union Schleswig-Holstein in Lübeck. Aus: vorgänge Nr. 42 (Heft 6/1979), S. 135-138 Unsere ärztliche Beratung arbeitet seit 1974. Bereits vor der Reform des §218 StGB, noch zur Zeit der Gutachterstellen, wurden Frauen in Schwangerschaftskonfliktsituationen, wie auch in Sexual-, Kontrazeptions- und Partnerschaftsfragen beraten. Die HU hatte 1970 die [weiterlesen]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bericht der Freien Frauen- und Familienberatung der Humanistischen Union Schleswig-Holstein in Lübeck. Aus: vorgänge Nr. 42 (Heft 6/1979), S. 135-138</p>
<p>Unsere ärztliche Beratung arbeitet seit 1974.</p>
<p>Bereits vor der Reform des §218 StGB, noch zur Zeit der Gutachterstellen, wurden Frauen in Schwangerschaftskonfliktsituationen, wie auch in Sexual-, Kontrazeptions- und Partnerschaftsfragen beraten. Die HU hatte 1970 die parlamentarische Behandlung dieses Strafrechtsparagraphen mit dem Ziel einer Fristenregelung initiiert, die nach vierjähriger in der Öffentlichkeit emotional geführter Diskussion vom Bundestag mit Mehrheit verabschiedet wurde.<br />Nach den bekannten Einsprüchen und über einjähriger Prüfung durch das Bundesverfassungsgericht wurde 1975 gegen das Votum zweier Richter, der einzigen Frau, Rupp von Brünneck und Richter Simon, die Unvereinbarkeit von Teilen des Strafrechtsänderungsgesetzes mit der Verfassung festgestellt. Die Rechtsunsicherheit in der Folgezeit führte zu erschreckender Zunahme der Ungleichbehandlung. So erhielt am 21. 6. 1976 ein geänderter § 218 StGB Rechtswirksamkeit, der nicht als &#8222;zweitbeste&#8220; Lösung angesehen werden kann.<br />Nach dem Willen des Gesetzgebers sollte die neue Gesetzesformulierung den vom Bundesverfassungsgericht belassenen engen Spielraum voll ausnutzen und den Frauen doch noch eine gewisse Hilfe bringen.</p>
<p>Um jedoch &#8222;von der Schwangeren die Gefahr einer Notlage abzuwenden, die a) so schwerwiegt, daß von der Schwangeren die Fortsetzung der Schwangerschaft nicht verlangt werden kann, und b) nicht auf eine andere für die Schwangere zumutbare Weise abgewendet werden kann&#8220; ( § 218a, Abs. 2 Nr. 3), wurden Zwangsberatungen verordnet, die das Recht auf Selbstbestimmung eines jeden Menschen, der sonst eine ärztliche Behandlung ablehnen kann, ein Krankenhaus verlassen kann und in einem Testament sein Recht auf ein menschenwürdiges Sterben verlangen kann, außeracht lassen. Vom &#8222;Sachverstand&#8220; Dritter hängt das Erkennen und Anerkennen einer Notlage ab. Die bekannte Praxis führte wiederum dazu, daß den Frauen in Not häufig Un-Recht widerfährt. Hinzu kommt, daß nennenswerte prophylaktische Maßnahmen zur rechtzeitigen und vorbeugenden Beratung bis zu dem Zeitpunkt nicht vorhanden waren und daß sie bis heute unzureichend sind.</p>
<p>Nachdem vor der Gesetzesreform in unserer ärztlichen Frauenberatung 5 Ärzte zur Verfügung standen &#8211; l Praktiker, l Kliniker, l Gynäkologe und 2 Sozialmediziner &#8211; erforderte die Notlagen-Indikation eine Umstellung des Angebots.<br />Jetzt können für jede erdenkliche Situation neben 3 Ärzten, die ohnehin die ärztliche Beratung durchführen, für die soziale Beratung zusätzlich Psychologen, Pädagogen, Erzieher, Sozialarbeiter und Juristen herangezogen werden. Unsere ausführliche und präzise Indikationsstellung wird im Gegensatz zu flüchtig unterstrichenen Vordrucken von der beachtlichen Zahl klinisch und ambulant tätiger Gynäkologen, die hilfsbereit mit uns zusammenarbeiten, sehr geschätzt. Sie sehen wie wir in der uns gegenübersitzenden Frau den ungewollt in eine Notlage geratenen Menschen. Eine Modelleinrichtung, wie sie begrüßenswerterweise durch Pro Familia in Bremen eingerichtet wurde, ist bei uns deshalb nach dem derzeitigen Stand nicht vonnöten.</p>
<p>Insgesamt wurden bisher circa 1450 Beratungen durchgeführt. Es handelte sich dabei um 538 Frauen und 87 Männer. Jede Frau wurde mindestens zweimal beraten, viele kamen öfter. 344 Frauen konnten nach dem Abbruch weiter beraten werden, das sind 64 %. Wir lesen daraus ein großes Zutrauen zu der Richtigkeit und Wirksamkeit unserer Beratungen ab.</p>
<p>Diese Frauen führen die oft angeführte These, eine Vielzahl von Frauen sei nach der Abtreibung depressiv und habe Schuldgefühle, ad absurdum. 3 von 344 Frauen äußerten hinterher Zweifel an der Richtigkeit ihres Entschlusses (0,9 %). Nach unserer Meinung können Schuldgefühle durch die Art der Beratung erzeugt werden. Frauen fühlen sich erleichtert und befreit, wenn sie aus ihrer trotz aller erdenklichen Verhütungsmaßnahmen (was ist das allein schon für eine Belastung) unerwünscht eingetretenen Situation wieder heraus sind.</p>
<p>Zum zweitenmal kamen 37, zum drittenmal 2 Frauen zum Abbruch, das sind lediglich 7,2%. Auch hier waren also die Befürchtungen mancher Seiten von 1976 grundlos, die Frauen würden hemmungslos und gesundheitsschädigend die neue Möglichkeit in Anspruch nehmen. Damit entfällt auch die Grundlage für &#8222;Abschreckungsmerkblätter&#8220; mancher Ärztekammern. Für Hinweise auf die möglichen Gefahren ist die gesetzlich vorgeschriebene ärztliche Beratung zuständig.</p>
<p>Dagegen gelang es nur bei 7 von 538 Frauen (1,3%), sie zum Austragen der Schwangerschaft zu bewegen und sie davon zu überzeugen, daß eine Abtreibung ihrer psychischen und sozialen Lage nicht angemessen ist.<br />Das durchschnittliche Alter betrug 26,6 Jahre (von 13 bis 45), davon</p>
<table bordercolor="#000000" cellspacing="0" cellpadding="2" border="0">
<tbody>
<tr>
<td>
<p class="bodytext"> unter 18 Jahre</p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">  37</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td>
<p class="bodytext"> 18-27 Jahre</p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">274</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td>
<p class="bodytext"> 28-37 Jahre </p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">196 </p>
</td>
</tr>
<tr>
<td>
<p class="bodytext"> 38-45 Jahre</p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">  31 </p>
</td>
</tr>
<tr>
<td>
<p class="bodytext"> zusammen: </p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">538</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Die durchschnittliche Schwangerschaftswoche lag bei 9,1 und zeigt sich seit 1977 von der 10. auf die 8. Woche rückläufig. &#8211; Frauen mit Kindern hatten im Schnitt 2,15 Kinder, das bedeutet auf alle Frauen umgerechnet 1,41 Kinder.<br />Mit ihrem Partner kamen zur Beratung 119 Frauen (22,2%). &#8211; Von den Partnern im Stich gelassen wurden 87 Frauen (16,2%). &#8211; 69 Ausländerinnen entsprechen 12,8%. Von allen Frauen waren       </p>
<table bordercolor="#000000" cellspacing="0" cellpadding="3" border="0">
<tbody>
<tr>
<td>
<p class="bodytext">ledig</p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">184</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td>
<p class="bodytext">verheiratet </p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">231= 42,9%</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td>
<p class="bodytext">geschieden</p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">  84</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td>
<p class="bodytext">getrennt lebend </p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">  31</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td>
<p class="bodytext">verwitwet </p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">   8</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td>
<p class="bodytext">zusammen:</p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">538 </p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Angaben über die Anwendung verschiedener Verhütungsmaßnahmen:<br />Keine Verhütung wurde nur von 8 Frauen angegeben (größtenteils beim ersten Verkehr) =1,5%.</p>
<p>1 Frau war durch Eileiterkauterisierung &#8222;sterilisiert&#8220;;<br />2 Frauen übten Selbstbeobachtung;<br />6 Frauen wurden bei liegendem IUP (Spirale oder Kupfer-T) schwanger;<br />24 Frauen übten Coitus interruptus (davon 20 Ausländerinnen);<br />26 Frauen maßen die Basaltemperatur (zum Teil neben anderen Methoden);<br />109 Frauen benutzten Kondome (im Wechsel oder neben anderen Methoden);<br />116 Frauen richteten sich nach dem Kalender (unter anderem);<br />158 Frauen nahmen die Pille;<br />253 Frauen hatten sich auf chemische Verhütungsmittel verlassen:<br />&#8212;&#8211;</p>
<p>695 (157 Doppelangaben).</p>
<p>110 Frauen wünschten Sterilisation, das sind 20,5% (dazu 21 Männer). Eine zusätzliche medizinische Indikation bestand gleichzeitig bei:</p>
<table bordercolor="#000000" cellspacing="0" cellpadding="3" background="" border="0">
<tbody>
<tr>
<td>
<p class="bodytext"> </p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">143 Frauen = 26,5%</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td>
<p class="bodytext">eugenische bei </p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">  49 Frauen = 9,2%</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td>
<p class="bodytext">kriminologische bei </p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">    2 Frauen = 0,37%</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Eine Wandlung ist ebenfalls eingetreten in der Art und Technik der Abbrüche. Bei den 538 Frauen wurden 273 stationäre und 265 ambulante Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Dabei stiegen die ambulanten Eingriffe in den dafür zugelassenen Praxiseinrichtungen stetig an.</p>
<table bordercolor="#000000" cellspacing="0" cellpadding="3" background="" border="0">
<tbody>
<tr>
<td>
<p class="bodytext"> </p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">1977</p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">1978</p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">1979 (bis Sept.) </p>
</td>
</tr>
<tr>
<td>
<p class="bodytext">ambulant</p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">27% </p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">49%</p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">61%</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td>
<p class="bodytext">stationär</p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">73%</p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">51%</p>
</td>
<td>
<p class="bodytext">39%</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Nach den uns zur Verfügung stehenden Informationen ist die Komplikationsrate bei den ambulanten Abbrüchen geringer als bei den stationären. Dies liegt offensichtlich daran, daß der ambulante Eingriff zwischen der 6. bis 10. Woche mit Schwerpunkt in der 8. Woche durchgeführt wird, während stationär mehr Risikofälle von der 8. bis zur 12. Woche anfallen.<br />Die Absaugmethode setzt sich immer mehr durch und wurde bei den von uns betreuten Frauen im letzten Jahr in 59% aller Fälle durchgeführt.</p>
<p>Auch aus unserer Kenntnis der klinischen Abbrüche bestätigt sich die Mitteilung verschiedener Autoren, daß durch die Legalisierung des Eingriffs die Zahl der prognostisch ungünstigen und kostenträchtigen langwierigen Komplikationen der früheren sogenannten &#8222;kriminellen&#8220; Aborte in den Kliniken eklatant zurück gegangen ist. Während die legalen Abbrüche einen stationären Aufenthalt zwischen 3 und 7 Tagen benötigen, lagen die früheren fieberhaften Abort-Personen oft 5 bis 7 Wochen im Krankenhaus. Dieser Faktor hat nicht nur weitreichende prophylaktische und gesundheitspolitische Bedeutung, sondern auch ökonomische.</p>
<p>Schätzungen der Abtreibungszahlen vor der Reform lagen bei Berücksichtigung aller Dunkelwerte weit über den heutigen Abbruchzahlen der Bundesstatistik. Damals wurden Elend, lebenslanges Siechtum und Todesfolgen nicht von denen beklagt, die heute wieder das Rad der Entwicklung zurückdrehen wollen und die damit die Frauen wieder in die Illegalität abdrängen. Sechs Jahre lang mußte in der Phase vor der letzten Verabschiedung der Reform gekämpft werden, um menschlichen Gesichtspunkten gegen arrogante patriarchalische Bevormundung zu einem so geringen Erfolg zu verhelfen. Bei den Schätzungen des Sachverständigen der Bundesregierung vor dem Bundesverfassungsgericht von 200.000 bis 300.000 illegalen Aborten pro Jahr zeigt die Zahl von 70.000 legalen Notlagen-Indikationen lediglich, wie viele Hindernisse noch dazu beitragen, daß die Zahl nicht über 100.000 steigt. Und solange noch Tausende von Frauen nach Holland fahren müssen, ist die Absicht des Gesetzes, die Eingriffe aus der Illegalität in die Legalität zu verlagern, nicht gelungen. Wer steigende Zahlen der legalen Abbrüche beklagt, verschweigt, daß über doppelt so viele zu erwarten waren und daß sie seit zwei Jahren erstmalig erfaßt werden. Daran gemessen kann es bei zunehmender Aufklärung und Information zum Rückgang der Abtreibungen kommen.</p>
<p>Ebenso wie die mangelhafte Aufklärung zur Familienplanung und zu Verhütungsmaßnahmen nicht nur durch unzureichende Beratungsstellen, sondern auch durch nicht ausreichend informierte Ärzte zu beklagen ist, muß auch bedauert werden, wenn Repräsentanten öffentlicher Ämter inkompetente Verlautbarungen geben und Geburtenrückgang, &#8222;Pillenknick&#8220; und Schwangerschaftsabbrüche in einen Topf werfen (von ideologisch begründeter Diffamierung ganz zu schweigen). Alle Kenner der Sachlage wissen, daß primär der fehlende Wunsch nach Kindern bzw. Nachkommenschaft und erst sekundär die entsprechenden Verhinderungsmaßnahmen wirksam wurden.<br />Ganz andere Einflußnahmen auf die Herstellung einer menschenwürdigen Lebensqualität sind vonnöten, um bei den Menschen den Wunsch nach mehr Kindern hervorzurufen. Mit Zwangsaustragungen nach ungewollten Konzeptionen kann einem Bevölkerungsrückgang nicht begegnet werden, der zudem gegenwärtig sicher keine Katastrophe bedeutet.<br />Als diskriminierend müssen veröffentlichte Vorschläge aus manchen Beratungen gewertet werden, die Frau solle doch ein Kind, wenn sie es schon nicht selbst haben könne, in ein Heim geben und zur Adoption freigeben. Eine solche inhumane Zumutung degradiert die Frau vollends zur Gebärmaschine. &#8211; Alle von uns beratenen 538 Frauen wiesen diesen Gedanken zurück.<br />Übrigens geben nicht wenige Frauen heute an, daß die Angst vor einer ungewissen Zukunft aus ökologischer Sicht sie hindert, dem Wunsch nach Kindern nachzugeben. Sie fürchten für die kommende Generation eine Zunahme der Umweltverseuchung bei den bekannt mangelhaften Kontrollmöglichkeiten und sie bangen vor dem Risiko der Strahlenverseuchung. Wer kann ihnen solche Angst nehmen?</p>
<p>Es hilft uns nicht weiter, darauf hinzuweisen, daß die von der Humanistischen Union 1970 vertretene Fristenregelung der bessere Weg zur Reform des § 218 gewesen wäre. Am 21.6.76 hat die HU erklärt, daß sie sich gegen alle Versuche wenden werde, die geringen neuen Chancen zur Hilfe für Frauen in Not durch Umgehung und Außerachtlassung der gesetzlichen Regelung zunichte zu machen.<br />Zur Einhaltung der Gesetze sind nicht nur die Bürger, sondern auch die Behörden und öffentlichen Einrichtungen verpflichtet. Dies gilt in der pluralistischen Gesellschaft auch für große Religionsgemeinschaften, die nach dem Grundgesetz kein Recht haben, auf der allgemeinverbindlichen human-ethischen Basis Prioritätsansprüche für ihre Moralvorstellung zu erheben.<br />Prof. Dr. Ulrich Klug, der Vorsitzende der Humanistischen Union, wies am 19.5.79 in Lübeck darauf hin, daß das Bundesverfassungsgericht in seinem § 218-Urteil gegen die Fristenregelung im 4. Leitsatz und in der Begründung zum Ausdruck brachte, die Strafverfolgung durch den Staat sei keineswegs unabdingbar. &#8211; So scheint sich also als bester Ausweg aus dem Dilemma des umstrittenen und unglücklichen § 218 StGB seine ersatzlose Streichung anzubieten. Als Entscheidungshilfe bliebe dem hilfsbereiten Arzt, der betroffenen Frau und ihrem Partner die schwere Last der eigenen Gewissenserforschung.</p>
<p><i>Dr. med. Klaus Waterstradt</i></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Hilfsbedürftigkeit der Helfer</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/36-vorgaenge/publikation/die-hilfsbeduerftigkeit-der-helfer-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Dec 1978 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.humanistische-union.de/publikationen/publikation/die-hilfsbeduerftigkeit-der-helfer-1/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Rezension Wolfgang Schmidbauer &#8211; Die hilflosen Helfer. aus: vorgänge Nr. 36 (Heft 6/1978), S. 122-123 Wolfgang Schmidbauer: Die hilflosen Helfer. Über die seelische Problematik der helfenden Berufe. Rowohlt Verlag Reinbek 1977. 19,80 DM. Es handelt sich um ein gut lesbares, auch für den Laien verständliches Buch über die Psychopathologie des Helfens. Schmidbauer bezeichnet Fehlformen des [weiterlesen]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension Wolfgang Schmidbauer &#8211; Die hilflosen Helfer.</p>
<p>aus: vorgänge Nr. 36 (Heft 6/1978), S. 122-123</p>
<p><i>Wolfgang Schmidbauer: Die hilflosen Helfer. Über die seelische Problematik der helfenden Berufe. Rowohlt Verlag Reinbek 1977. 19,80 DM.</i></p>
<p>Es handelt sich um ein gut lesbares, auch für den Laien verständliches Buch über die Psychopathologie des Helfens. Schmidbauer bezeichnet Fehlformen des Helfenwollens als &#8222;Helfersyndrom&#8220;, das er verdienstvoll ohne Diskriminierung darstellt. Für die von ihm beschriebene Gruppe von Menschen gewinnt das Helfen Zwangscharakter, sie können nur Hilfe geben und geben sich, als ob sie keine Hilfe brauchten. Nicht alles ist wissenschaftlich stichhaltig, es werden jedoch signifikante Tendenzen deutlich.<br />Schmidbauers Helfersyndrom wird im wesentlichen mitverursacht durch eine einseitig traditionalistische Ausbildung, die Komplexe provoziert, wenn einer sich den Anforderungen unermüdlicher altruistischer Aufopferung nicht gewachsen zeigt. Der Autor fordert, neben der Fachausbildung Selbsterfahrungsgruppen zu bilden, die der Konfliktaufhellung und Motivationsklärung dienen. Es wird eine Demokratisierung in den behördlichen und freigemeinnützigen Institutionen gefordert. Das Helfersyndrom äußert sich auch in der starren Bürokratie, im konservativen Festhalten an einem eingeschlagenen Weg, der verhindert, als notwendig erkannte Veränderungen durchzusetzen. Wegen der Fortschrittsfeindlichkeit und Unfähigkeit, Kritik zu akzeptieren, mache der Abwehrcharakter solchen Helfens aus Wohltat Plage, aus Vernunft Unsinn. Er nennt das Ergebnis bei den Hilfeempfangenden &#8222;seelische Hospitation&#8220;, ein psychischer Schaden, der sich bei Menschen einstellt, die längere Zeit in Helferinstitutionen &#8222;verwahrt&#8220; werden.<br />Es wird eine Helfer-Schützling-Hierarchie aufgebaut, um den abhängigen Partner möglichst lange darin festzuhalten. Das bestimmende Motiv ist nicht &#8222;das Beste des Schützlings&#8220;, sondern Befriedigung von Ehrgeiz und Machtausübung. Einerseits erhöht der erfolgreiche Abschluß der Behandlung das Selbstwertgefühl des Helfers, andererseits wird durch die Heilung das Ende der Abhängigkeit und der Verpflichtung zur Dankbarkeit herbeigeführt.<br />Der Eingriff in das Rollenspiel beim &#8222;rooming in&#8220; zur Vermeidung des Trennungsschocks gefährdet z.B. die alleinige Zuwendung und Dankbarkeit der Kleinkinder im Krankenhaus; unbewußt werden organisatorische und hygienische Schwierigkeiten vorgeschoben.<br />Die angeführten Beispiele finden vielfältig Bestätigung in gleichlautenden Erfahrungen bei Schwestern, Sozialarbeitern, Lehrern, Pfarrern, Ärzten, Psychologen und anderen Helfergruppen, die ihre Schützlinge in Abhängigkeit halten, um die Rolle des all-mächtigen und all-wissenden Heilenden und Helfenden nicht zu gefährden.<br />Der Helfer versucht oft zur Vertuschung oder Bagatellisierung eigener seelischer Probleme und Nöte den Eindruck von Autorität und Stärke zu erwecken; er begrüßt dagegen das Eingeständnis von Labilität und emotionalen Schwankungen bei anderen, die er als hilfsbedürftige Schutzbefohlene annimmt.<br />Schmidbauer weist dagegen nach, daß die Gruppe der hilfsbedürftigen Helfer durchaus nicht gering ist. Bei Ärzten z.B. wurden im Vergleich mit anderen sozialen Gruppen eindeutig mehr Alkohol- und Drogenabhängige, häufigere Einweisung in psychiatrische Krankenhäuser sowie mehr Selbstmorde nachgewiesen.<br />Der Autor, selbst Psychotherapeut, setzt bei solchen Angehörigen helfender Berufe, auf die das Helfersyndrom zutrifft, charakteristische Persönlichkeitsmerkmale voraus; sie wollen eigene Lebenskonflikte durch erstarrende Sozialhilferiten bewältigen. Solche Persönlichkeitsmerkmale sind:</p>
<ol>
<li>Frühkindliches Erleiden oft unbewußter Ablehnung, das nur durch Über-Ich-Empfindungen kompensiert werden kann.</li>
<li>Übermäßige narzißtische Bedürfnisse, verbunden mit Empfindlichkeit gegen jegliche Kritik.</li>
<li>Vermeidung von Beziehungen zu Nicht-Hilfsbedürftigen, d.h. keine gleichwertige Partnerschaft.</li>
<li>Vermeidung aggressiver Verhaltensweisen gegenüber Nicht-Hilfsbedürftigen.</li>
</ol>
<p>Solche Charakteristika werden in verschiedener Intensität angetroffen. Wer Kritik fürchtet und stets Lob und Anerkennung sucht, hat auch Angst vor einer echten Zweierbeziehung, die ohne kritisches Austragen von Konflikten nicht wahrhaftig wäre. So findet sich nach Schmidbauer auch eine hohe Scheidungsquote unter den Mitgliedern helfender Berufe. Imübrigen werden natürlich Helfer-Situationen nicht nur bei Helfer-Berufen angetroffen.<br />Abschließend wäre vielleicht anzumerken, daß der Titel &#8222;Die hilflosen Helfer&#8220; wohl bewußt provozierend gewählt wurde. Die Arbeit macht eigentlich mehr die Hilfsbedürftigkeit der Helfer deutlich. <br />Der Referent möchte als Arzt, Sozialmediziner und Leiter der Freien Frauen- und Familienberatung der Humanistischen Union Wolfgang Schmidbauers Folgerungen aus seinen Analysen bekräftigen; er hat sich wiederholt darin wiedergefunden. Auch andere Helfer haben ihm ähnliches bestätigt. Das Buch ist für Helfer und Nicht-Helfer zur Verbesserung ihres Selbst-Verständnisses weiterzuempfehlen.</p>
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		<item>
		<title>Die Krise unseres Gesundheitssystems</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/21-vorgaenge/publikation/die-krise-unseres-gesundheitssystems-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Jun 1976 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>aus: vorgänge Nr. 21 (Heft 3/1976), S. 33-39 Das teuerste, aber nciht das beste? Es geht um menschliche und es geht um wirtschaftliche Fragen in der Diskussion um unser Gesundheitssystem. Die einen sagen: Es ist das beste auf der Welt &#8211; die anderen sagen: dies System muß grundlegend verändert werden.Systemveränderer sind bei uns anrüchig, besonders [weiterlesen]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>aus: vorgänge Nr. 21 (Heft 3/1976), S. 33-39</p>
<h2 class="auto-created">Das teuerste, aber nciht das beste?</h2>
<p>Es geht um menschliche und es geht um wirtschaftliche Fragen in der Diskussion um unser Gesundheitssystem. Die einen sagen: Es ist das beste auf der Welt &#8211; die anderen sagen: dies System muß grundlegend verändert werden.<br />Systemveränderer sind bei uns anrüchig, besonders seitdem starke restaurative Strömungen die bisher eingeleiteten Reformansätze fortspülen, weil sie Geld kosten, das mangels wirtschaftlichen Wachstums nicht in wünschenswertem Maße zur Verfügung steht.<br />Aber auch die Vertreter des &#8222;besten Gesundheitssystems der Welt&#8220; müssen unter dem Druck weithin wachsender Kritik einräumen, daß das teuerste Gesundheitssystem nicht eine entsprechende Effizienz aufweist und daß es &#8222;Auswüchse, Engpässe, Versorgungslücken und schwarze Schafe&#8220; gibt.<br />Das Lamento über die Kostenexplosion und ihre Verursacher sowie die teils von wenig Sachkenntnis getragenen, teils planlosen, am Symptom kurierenden Versuche zur Dämpfung weiteren Ausgabenwachstums orientieren sich im wesentlichen an der ökonomischen Situation.<br />Humane Gesichtspunkte, die eigentlich Anlaß und Motor aller Schritte in der Gesundheitssicherung sein müßten, werden nur zur Bemäntelung und als Alibi für Forderungen nach wirtschaftlichen Notwendigkeiten angeführt.</p>
<h2 class="auto-created">Pauschale Argumen&shy;ta&shy;ti&shy;ons&shy;weisen</h2>
<p>Immer aber werden Vorwürfe und Anschuldigungen auf beiden Seiten anonym und mit pauschaler Argumentation erhoben. Nicht etwa, daß die mehr oder minder kompetenten Autoren die Urheberschaft für mehr oder minder erhellende Veröffentlichungen verleugnen wollten. Sie schwimmen auf der Welle der Aktualität.<br />Doch die Angegriffenen werden als anonyme Gruppen oder Verbände beschuldigt: die Ärzte, die Versicherten, die Pharma-Industrie, die Gesetzgeber, die Krankenhäuser, die Kostenträger.<br />So können sich emotionale Aktionen und Reaktionen in ihrer Wechselwirkung verstärken. Das einzelne Glied der pauschal beschuldigten Gruppe wird mit in den großen Topf geworfen, gleichgültig, ob es sich mit ihr identifiziert oder nicht.<br />Unter Ärzten gibt es solche, die sich in ständiger Hilfsbereitschaft für das Wohl ihrer Patienten ohne Rücksicht auf ihre eigene Gesundheit aufopfern, und solche, die in ihrer Berufsausübung ein Gewerbe sehen, in dem nach kaufmännischen Gesichtspunkten möglichst große Umsätze mit Profit gemacht werden.<br />Unter den Versicherten gibt es solche, die die Sozialversicherung auszunutzen trachten, und solche, die die Errungenschaften des Sozialstaates nur im äußersten Notfall in Anspruch nehmen.<br />In der Pharma-Industrie ist eine Differenzierung noch schwerer als im Krankenhauswesen, weil es beiden an Transparenz mangelt.<br />Der Gesetzgeber ist bemüht, Reformen der sozialen Sicherung voranzutreiben, deren Auswirkungen oft nicht bis in die letzte Konsequenz vorauszuberechnen sind.<br />Die Kostenträger schließlich stehen vor der Situation, höhere Einsätze fordern zu müssen oder bestimmte Leistungen nicht mehr erbringen zu können.</p>
<h2 class="auto-created">Welche Mittel stehen zru Verf&uuml;gung?</h2>
<p>Gehen wir also von der bestehenden Lage aus, dann ergibt sich die erste Frage: Welche Mittel stehen für unsere Gesundheit zur Verfügung und wer bringt sie auf?<br />Dabei stößt man dann neben den großen Posten, die in Krankenversicherung, Unfallversicherung und Rentenversicherung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern aufgebracht werden, auf die Steuermittel, die für die Gesundheitsverwaltung, die Versorgungsämter, die Gesundheitsmaßnahmen der Arbeits- und Sozialverwaltung sowie für Forschung und Lehre bereitgestellt werden müssen. Hinzu kommen die Mittel, die von den gemeinnützigen Wohlfahrtsverbänden aufgebracht werden.</p>
<h2 class="auto-created">Wohin flie&szlig;en die Mittel?</h2>
<p>Diese Mittel nun in ihrer Gesamtheit stehen unserem Gesundheitssystem zur Verfügung, d.h. sie werden zweckgebunden bereitgestellt und damit stehen wir vor der zweiten Frage: Wohin fließen die Mittel, die für unsere Gesundheit aufgebracht werden?<br />Unter diesem Aspekt treten uns wieder entgegen die vielzitierten Ausgabenberge in der stationären Behandlung, das Honorarverteilungssystem in der ambulanten Behandlung zuzüglich der Kassenleistungen bei Verordnungen und Arbeitsunfähigkeit und die Kosten für die Arzneimittelindustrie, aber auch die aus Steuermitteln ausgewiesenen Ausgaben für das gesamte öffentliche Gesundheitswesen im weitesten Sinne, für Mutterschutz, Arbeitssicherheit, Versorgungsmedizin, Forschung und Lehre und vieles mehr, insbesondere für die so dringend ausweitungsbedürftige öffentliche Aufklärung.</p>
<h2 class="auto-created">Sozial&shy;me&shy;di&shy;zi&shy;ni&shy;sche Aufkl&auml;rung ist n&ouml;tig</h2>
<p>Unter dem Druck der derzeitigen Situation, in der bei aller Kritik an einzelnen Fehlleistungen den Publikationsorganen und Medien das große Verdienst zukommt, ein Gesundheitsbewußtsein unter den Bürgern zu wecken und zu verbreiten, kommt einer gezielten sozialmedizinischen Aufklärung entscheidende Bedeutung zu. Hierbei geht es um die Verbreitung der sozialmedizinischen Erkenntnis &#8211; nicht nur unter den betroffenen Verbrauchern der Ware &#8222;Gesundheitsmaßnahmen&#8220;, sondern auch unter ihren Anbietern -, daß Gesundheit und Krankheit abhängig sind vom Eingebettetsein in Familie, Umwelt und Arbeitsplatz und daß die von allen Bürgern dafür aufzuwendenden Mittel in unmittelbarem Verhältnis stehen zum individuellem Wohlbefinden und damit zur kollektiven gesundheitlichen Sicherung.<br />Wir müssen einsehen lernen, daß das Anreizen zum Konsum bestimmter Güter, die z.T. als Statussymbole anzusehen sind, die primären menschlichen Bedürfnisse verdrängt und eine gesundheitsschädigende Lebensweise herbeiführt, die im Zusammenwirken mit anderen Schädigungen und Umwelteinflüssen eine krankmachende Wirkung ausübt.<br />Um mit Hans Schaefer zu sprechen: &#8222;Überkonsum an Kalorien und Genußgiften, insbesondere das Rauchen, die Bewegungsarmut, falsche Ernährungsformen, insbesondere aber die Hetze und der Zeitdruck, mit denen das moderne gesellschaftliche Leben untrennbar gekoppelt ist, sind nachweislich die verbreitetsten Ursachen unserer Krankheiten. Wenn man so will, läßt sich das Finanzproblem der Medizin auch so formulieren, daß der Durchschnittspatient viel Geld ausgibt, damit sein Arzt herausfindet, wie weit er, der Patient, seine Gesundheit durch sein Verhalten schon ruiniert hat.&#8220;<br />Allerdings muß hier die Aufklärung auch so vorgehen, daß nicht der Eindruck entsteht, durch &#8222;Konsumverzicht&#8220; oder ein einfaches Verbot etwa von Alkohol- und Tabakverkauf könnten kurzfristig maßgebliche Erfolge erzielt werden. In diesem Fall würden nämlich dem Staatshaushalt wiederum erhebliche Summen an Steuereinnahmen verlorengehen, denen über Jahre kein angemessener Ausgleich gegenübersteht, weil die Erfolge einer weiter verbreiteten und länger anhaltenden Gesundheit nicht schlagartig eintreten können.</p>
<h2 class="auto-created">Die Ziello&shy;sig&shy;keit mancher Aufkl&auml;&shy;rungs&shy;kam&shy;pa&shy;gnen</h2>
<p>Aber dies Beispiel zeigt gerade wieder die Notwendigkeit einer umfassenden und permanenten Aufklärung. Es berührt immer wieder enttäuschend, mit welcher Naivität hier und da großangelegte Informationsveranstaltungen von Organisationen oder Medien nicht etwa als gesteuerte Kampagne, sondern völlig ungezielt nach den Intentionen eines Urhebers durchgeführt werden. Die großen Anstrengungen von Aufklärern und Redakteuren verpuffen so auch als noch so brillantes Feuerwerk und geraten damit in den Bereich der Unwirtschaftlichkeit.<br />Die Versuche, den Kostenanstieg nur dem Leistungsbegehren der Versicherten anzulasten, sind ebenso unzulänglich, wie das Bestreben, den überdurchschnittlichen Profit der Ärzte allein verantwortlich zu machen. So wie es Patienten gibt, die Urlaubswünsche auf Kassenkosten äußern oder die mit einer vorgefertigten Wunschliste den Arzt wechseln, wenn<br />er nicht zu ihrer Erfüllung bereit ist, ebenso gibt es Ärzte, die unkritisch. eine unzumutbare Skala von Medikamenten verschreiben, die sich zum Teil gegenseitig nicht vertragen, zum Teil nicht eingenommen werden, oder solche, die ohne Untersuchung arbeitsunfähig und arbeitsfähig schreiben.</p>
<h2 class="auto-created">AUsbau der demokra&shy;ti&shy;schen Selbst&shy;ver&shy;wal&shy;tung</h2>
<p>Das demokratische Prinzip der Selbstverwaltung in den Organen der Körperschaften, Verbände und Versicherungen muß so koordiniert werden, daß Spitzenorganisationen die von der Basis aufgezeigten Schwierigkeiten und Besonderheiten sofort umsetzen können in verbindliche Beschlüsse zu allgemeingültigen Informationen, die in anhaltenden Aufklärungskampagnen den Anbietern und Abnehmern der &#8222;Ware Gesundheit&#8220; alle gebotenen Notwendigkeiten drastisch vor Augen führen.</p>
<h2 class="auto-created">Die Gefahren der sogenannten Kosten&shy;-&shy;Selbst&shy;be&shy;tei&shy;li&shy;gung</h2>
<p>Die &#8222;Grenzen des Sozialstaates&#8220; sind nie erreicht. Der soziale Staat beruht darauf, daß alle seine Bürger in solidarischer Leistungsbereitschaft füreinander einstehen. Deshalb ist der Abbau von Sozialleistungen und der Ruf nach &#8222;Selbstbeteiligung&#8220; des gesetzlich Versicherten, dessen Versicherungsbeitrag ja bereits seine Selbstbeteiligung ist, kein taugliches Mittel zur Eindämmung des Kostenanstiegs. Wir haben in den Zeiten der &#8222;Prämienrückgewähr&#8220; den Beweis dafür hinnehmen müssen, daß kurzsichtige Interessen unaufgeklärter Bürger gesundheitsabträgliche Verhaltensweisen provozieren. Auch sind in den Systemen, die mit Selbstbeteiligung arbeiten, die Kostensteigerungen ebenfalls nicht verhindert worden.<br />Weil Selbstbeteiligung den notwendigen Gang zum Arzt oder in das Krankenhaus hinauszögern oder aufzuhalten droht, können Krankheiten unerkannt bleiben oder verschleppt werden. Dies führt zu steigendem Gesundheitsrisiko und dadurch langfristig zu negativen Auswirkungen auf die Kostenentwicklung. Selbstbeteiligung kann also das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung hervorrufen.<br />Im übrigen sollte in einem Sozialstaat auch nicht mit dem Versuch gespielt werden, den Versicherten, der durch eine mit Milliarden steuerbegünstigte Werbung für gesundheitsschädigende Produkte, durch raffinierte psychologische Konsumanreize zum gesundheitswidrigen Verhalten veranlaßt wurde, danach zu disziplinieren, indem die eintretenden Folgen durch Selbstbeteiligung mit Strafen belegt werden.</p>
<h2 class="auto-created">Vorsorge und Fr&uuml;her&shy;ken&shy;nung</h2>
<p>Zur Verhinderung unbegrenzter Ausgabensteigerungen in unserem Gesundheitswesen können außer der in erster Linie angeführten umfassenden Aufklärung die Maßnahmen der Vorsorge und Früherkennung beitragen. Damit könnte langfristig bei größerer Inanspruchnahme eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Mehrzahl der Bürger aufgehalten werden. Außerdem sind alle an der Sozialversicherung direkt oder indirekt Beteiligten, nicht zuletzt der Gesetzgeber, zur Mitwirkung aufgerufen.<br />Neue kostenintensive Gesetze sollten mit genauesten Vorausberechnungen in bezug auf Kostendeckung behandelt werden. Allein das so segensreiche Rehabilitationsangleichungsgesetz erbrachte nach vorläufigen Schätzungen 1975 rund 500 Mill DM Mehraufwendungen, die 1976 auf 550 Mill DM veranschlagt werden. Mit diesem Gesetz wurde die Angleichung aller Sach- und Barleistungen sämtlicher Rehabilitationsträger erreicht, ebenso wie die nahtlose Einleitung erforderlicher Maßnahmen unabhängig von der notwendigen Feststellung des zuständigen Kostenträgers.<br />Die medizinischen Leistungen umfassen z.B. Kuren, ärztliche Behandlung, Arznei- und Hilfsmittel, Ausstattung mit orthopädischen Hilfsmitteln, Belastungserprobung und Arbeitstherapie.<br />Die beruflichen Rehabilitationsleistungen umfassen vor allem Umschulung, Ausbildung, Fortbildung, Berufsfindung und Hilfen zur Erlangung eines Arbeitsplatzes.</p>
<h2 class="auto-created">Das Problem der Kranken&shy;haus&shy;kosten</h2>
<p>Den größten Kostenanstieg bewirken die Krankenhäuser, die ambulante ärztliche Versorgung und die Pharmaindustrie. Der durchschnittliche Pflegesatz für Unterbringung, Beköstigung, Untersuchungsmaßnahmen und Behandlung beträgt im Bundesdurchschnitt zur Zeit 150 DM. Nach den bisherigen Hochrechnungen kann bis 1985 ein Tagessatz von 500 DM erreicht werden.<br />Dabei ist dem Bürger das Ansteigen der Krankenhauskosten noch relativ plausibel, weil von der Klinik optimale Leistungen erwartet werden. Auf einen Patienten trifft fast schon ein Krankenhausangestellter und auf einen Arzt kommen im Schnitt 10 &#8211; 15 Patienten. Ein Krankenhausneubau kostet pro Bett durchschnittlich 200 000 DM gegenüber 25 000 DM noch 1956. Technische Einrichtungen sollen auf dem neuesten Stand der medizinischen Wissenschaft sein. Sie sind bekanntermaßen personalintensiv. Die Personalkosten betragen im Krankenhaus ca. 70 &#8211; 75 %. Allerdings ist zur wirtschaftlichen Betriebsführung der meisten öffentlichen Krankenhäuser eine Änderung des Betriebs- und Buchungssystems erforderlich. Auf die Vorschläge der Gewerkschaft  ÖTV und der Bundesverbände der Krankenkassen kann hier verwiesen werden.<br />Mit einer Senkung der durchschnittlichen &#8222;Verweildauer&#8220; allein (im Bundesdurchschnitt Kürzung um einen Tag = eine Mrd DM pro Jahr) ist keine Kostensenkung zu erreichen, denn jedes Krankenhaus muß bemüht sein, jedes freie Bett im Sinne einer wirtschaftlichen Betriebsführung zu belegen. Hier hilft nur eine genaue Analyse des Bedarfs und die Festsetzung der erforderlichen Zahl von Akut-Betten und von Betten im Bereich der &#8222;flankierenden Maßnahmen&#8220; in den Landeskrankenhausplänen, die unter Mitwirkung aller im Gesundheitswesen relevanten Gruppen erstellt werden müssen.</p>
<h2 class="auto-created">Dioe Arztho&shy;no&shy;rare</h2>
<p>An Arzthonoraren zahlten die Krankenkassen der Bundesrepublik 1974 ca. 10 Mrd DM. Einzelheiten der Jahreseinkommen gingen durch alle Presseorgane. 1954 wurden für einen Versicherten im Bundesdurchschnitt 3,5 Krankenscheine ausgegeben. Heute sind es pro Jahr 6,5 Scheine.<br />1972 betrugen die Ausgaben für gesundheitliche Zwecke mehr als 11% des Bruttosozialprodukts. Sie setzen sich zusammen aus 55% ambulanter und stationärer Behandlung einschließlich Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. Der Einkommenssicherung der Versicherten durch Barleistungen dienten 30%. Der Rest von 15% fällt auf Ausbildung und Forschung (natürlich ohne industrielle Forschung) und Vorbeugung. Die Kosten für Gesundheitssicherung stiegen von 1968-1972 um 4% mehr als das Bruttosozialprodukt.<br />Während Bruttolöhne und -gehälter in den letzten zehn Jahren um 8,5% jahresdurchschnittlich stiegen, betrug die Umsatzsteigerung je Kassenarzt unter Einbeziehung der Vorsorgeuntersuchungen ca. 13 %.<br />Der Begriff der &#8222;doppelten Dynamisierung&#8220; der ärztlichen Einkommen besagt, daß außer den jährlich vereinbarten Tarifsteigerungen, die bisher länderweise zwischen den kassenärztlichen Vereinigungen und den Landesverbänden der Krankenkassen und jetzt erstmalig auf Bundesebene ausgehandelt werden, eine Steigerung der Fallzahlen und eine Steigerung der Leistungen pro Fall eintritt.<br />Teure technische Einrichtungen von Kliniken und Zentren könnten für ambulanten Einsatz rein zeitlich wirtschaftlicher genutzt werden. Von seiten kassenärztlicher Funktionsträger wurde z.B. der Vorschlag einer Abzeichnungspflicht der Leistungen durch den Versicherten auf dem Abrechnungsschein gemacht. Auch dadurch ist wohl mit Sicherheit eine Kostendämpfung zu erwarten.<br />Zahnärztliche Honorare stiegen noch höher an. Mehraufwendungen für Zahnersatz werden für 1975 auf 1,2 und 1976 auf 1,4 Mrd geschätzt.</p>
<h2 class="auto-created">Die Lawine dr Arznei&shy;mit&shy;tel&shy;kosten</h2>
<p>Die Steigerungsrate für Arzneimittel ufert aus. Für mindestens 75 000 auf dem Markt befindliche (davon 25 000 verschreibungspflichtige) Arzneimittel, die über die 14 000 Apotheken vertrieben werden und deren subventionierte Werbungskosten auf 1,4 Mrd geschätzt werden, mußten die Krankenkassen 1974 rd. 8 Mrd DM bezahlen (siebeneinhalbmal soviel wie 1960). Dabei erbringen 2000 führende Medikamente 95% des Umsatzes in den öffentlichen Apotheken! Dies spricht für sich. Die Pharmaindustrie läßt zum Thema Arzneimittelgesetz und Krankenkassen u.a. erklären: &#8222;Der Mangel liegt im System.&#8220; Dies ist es ja eben, was verändert werden müßte.<br />Änderungen im vorliegenden Gesetzentwurf zur Reform des Arzneimittelrechts werden jedoch bereits wieder zugunsten der Pharmaindustrie durchgesetzt. Auch der Versuch, eine vernünftige Preisgestaltung zu erreichen, um den Kassen als größtem Verbraucher mehr Rechte einzuräumen und den Versicherten vor überhöhten Preisen zu schützen, wird bereits im Keim erstickt.<br />Dabei besagt ein im Bundesgesundheitsministerium unter Verschluß befindliches Gutachten des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, daß die Teuerungsrate in den Gewinnspannen der Arzneimittelindustrie durchaus aufgefangen werden könnte und daß darüber hinaus Preissenkungen durchschnittlich über 20 % möglich seien, die je zur Hälfte von Herstellern und vom Handel getragen werden müßten.</p>
<h2 class="auto-created">DIe Zunahme der Zahl der &auml;lteren Menschen</h2>
<p>Die Zahl der Rentner wächst ständig. Die gesetzliche Krankenversicherung der Rentner kostete 1974 rd. 14,1 Mrd DM und dürfte sich bis 1978 auf 29,1 Mrd mehr als verdoppeln. Diese Zahlen verdeutlichen die Rolle der älteren Menschen im System der ärztlichen Versorgung.<br />Weil wir entweder unser Bewußtsein mehr auf die allseitige Verantwortlichkeit in der Solidargemeinschaft richten oder eben ständig größer werdende Aufgaben in Kauf nehmen müssen, deshalb muß eine wachsende Transparenz der Ausgabenseite jedem betroffenen Bürger den Weg zur Stabilität durchschaubar machen.<br />Die Ausgaben der Krankenversicherung betrugen 1960 9,5 Mrd DM, dagegen waren es 1974 bereits 51,5 Mrd DM.</p>
<h2 class="auto-created">Die Arbeit&shy;nehmer als schw&auml;chstes Glied in der Kostenkette</h2>
<p>Der Arbeitnehmer zahlt 30 % seiner Einkünfte für die gesetzliche Sozialversicherung. Er kann diese Belastung nirgendwohin abwälzen und ist das letzte und schwächste Glied in der Kostenkette.<br />Bleibt es also in unserem einseitigen Gesundheitssystem bei dem resignierenden Satz von Hans Schaefer: &#8222;In der kranken Medizin spiegeln sich die Laster unserer Gesellschaft wider. Eine jede Zeit hat sozusagen auch die Medizin und die Ärzte, die sie verdient&#8220;?</p>
<h2 class="auto-created">Wandel durch Diffe&shy;ren&shy;zie&shy;rung</h2>
<p>Ein Wandel ist möglich durch die Veränderung dieses Systems. Die anfangs angesprochene anhaltende und intensive Aufklärung und Information aller Bürger kann die Anonymität der Einrichtungen unseres Gesundheitswesens beenden und ihre Transparenz kann die Differenzierung der Erfordernisse von Soll und Haben herbeiführen:</p>
<p>a) Stärkung der Bereitschaft des Bürgers zu selbstverantwortlicher Lebensweise.<br />b) Ausbau von Vorsorge und Früherkennung.<br />c) Entlastung kostenaufwendiger Akutkrankenhäuser durch flankierende Maßnahmen einschließlich wirtschaftlicher Betriebsführung.<br />d) Verbesserung der ambulanten Versorgung unter Einbeziehung technischer stationärer und zentraler Einrichtungen sowie Überprüfung eines angemessenen Kostenaufwandes.<br />e) Verbesserung von Planung im Gesundheitssystem und ihre Erfolgskontrolle.</p>
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		<title>Zur Krise unseres Gesundheitswesens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Jan 1975 17:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>aus: vorgänge Nr. 13 (Heft 1/1975), S. 84-88 Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns in ihnen.Es gab eine Zeit, in der unser Gesundheitswesen und die sozialen Maßnahmen bei uns als fortschrittlich und vorbildlich für die anderen angesehen wurden. Auf diesem Standpunkt zu beharren, ruft jedoch berechtigte Kritik auf den Plan. Die Zeiten sind [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/13-vorgaenge/publikation/zur-krise-unseres-gesundheitswesens-1/">Zur Krise unseres Gesundheitswesens</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>aus: vorgänge Nr. 13 (Heft 1/1975), S. 84-88</p>
<p>Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns in ihnen.<br />Es gab eine Zeit, in der unser Gesundheitswesen und die sozialen Maßnahmen bei uns als fortschrittlich und vorbildlich für die anderen angesehen wurden. Auf diesem Standpunkt zu beharren, ruft jedoch berechtigte Kritik auf den Plan. Die Zeiten sind vorbei, in denen man unser Gesundheitssystem als erstklassig bezeichnen konnte. Dass es schlechtere Institutionen dieser Art auf der Welt gibt, entbindet uns nicht davon, moderne Erkenntnisse in die Tat umzusetzen. Dabei sind auch die bisherigen &#8222;Anpassungen&#8220; nicht geeignet, den eingetretenen Rückstand zu besseren Möglichkeiten auszugleichen. Die weithin sich durchsetzende Aufklärung, die immer mehr zunehmenden Erkenntnismöglichkeiten einer immer größer werdenden Zahl von Mitbürgern gibt der wachsenden Kritik an unserem Gesundheitssystem ständig neue Nahrung.<br />Hier erwiesen sich die von konservativer Seite hartnäckig vertretenen Parolen über die &#8222;beste Gesundheitssicherung der Welt&#8220; auf die Dauer nicht mehr als befriedigend. Der anhaltenden öffentlichen Diskussion ist es zu verdanken, dass heute selbst von offizieller Seite, von Ärztekammern und von ärztlichen Standesfunktionären hier und da &#8222;Engpässe&#8220; und &#8222;Versorgungslücken&#8220; zugegeben werden, wenn auch als Ausnahmen.</p>
<h2 class="auto-created">&Auml;rzte und ihre Patienten</h2>
<p>Wenn man zum Beispiel den Vorwurf klassenmäßiger Differenzierung zwischen der Behandlung von &#8222;Privatpatienten&#8220; und &#8222;Kassenpatienten&#8220; zu beschwichtigen versucht, indem man anführt, das Problem solle doch angesichts von über 90% Sozialversicherter nicht hochgespielt werden, so zeigt sich eben gerade daran, welch auffällige Unterschiede selbst bei diesem Verhältnis noch deutlich werden.<br />Die Mutter, die mit einem vor Schmerzen weinenden Kind trotz eines Bestelltermins 2 bis 3 Stunden in einem vollen Wartezimmer sitzt, muss doch verzweifeln, wenn plötzlich eine Mutter mit einem Schnupfenkind kommt und als Privatpatient sofort &#8222;vorgelassen&#8220; wird.<br />Hier wirkt sich nicht ein Organisationsfehler aus, sondern ein fundamentaler Erziehungsfehler, und zwar auf beiden Seiten: in der gewerbsmäßigen Nichtachtung des Menschen auf der einen Seite und in der geduldigen Autoritätshörigkeit auf der anderen.<br />Es gibt eine große Zahl von Ärzten, die in ihrer Berufsausübung kein Gewerbe sehen, in dem nach kaufmännischen Gesichtspunkten möglichst große Umsätze mit Profit gemacht werden, sondern die sich aufopfern ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit in ständiger Hilfsbereitschaft für ihre Mitmenschen.<br />Aber nicht alle frühzeitigen Aufbraucherscheinungen bei Ärzten, tödliche Herzinfarkte und Suicide, sind auf diese Einstellung zurückzuführen.<br />Es gibt auch den Managertod und die Stresssituation aufgrund systemimmanenter Formen des Gesundheitswesens. Hier wie dort ist eine Änderung wünschenswert.<br />Um festzustellen, ob die in der Gegenwart beanspruchten menschlichen, materiellen und finanziellen Einsätze angemessen und wirkungsvoll ausgenutzt werden, müssten sehr viel genauere Untersuchungsergebnisse und Statistiken über unser Gesundheitswesen vorliegen, als bisher der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.<br />Die Teilnahme am Gespräch über die gesundheitliche Sicherung der Bevölkerung ist kein Privileg der Ärzteschaft. Es hat lange gedauert, bis auch die anderen Partner von den Kammern und Standesverbänden akzeptiert wurden.<br />Ärzte sind sachverständig, jedoch auch nur dann, wenn sie sich mit sozialmedizinischen Fragen und Gesundheitspolitik auseinandersetzen. Dies tun auf Grund der jahrelangen öffentlichen Diskussion heute mehr Ärzte als nur die bisher dafür herausgestellten Standesvertreter. Daher kommt auch die Vielfalt der Meinungen heute in der Ärzteschaft je nach dem selbst erworbenen Standpunkt mehr zum Ausdruck als bisher und offizielle Funktionäre können nicht mehr Erklärungen für die gesamte Ärzteschaft abgeben.<br />Neue wissenschaftliche Arbeitsgebiete, wie z.B. Medizinsoziologie, beeinflussen den Erkenntnisstand. 48 % der Ärzte waren 1972 in eigener Praxis für die ambulante Versorgung der Bevölkerung (davon 90% Sozialversicherte) tätig, die anderen in Krankenhäusern, Versicherungsanstalten, diagnostischen Untersuchungszentren, Behörden und in der Forschung (52%).<br />Maßgeblich mitzureden haben neben Politikern, die sich im Gesundheitswesen engagieren, vor allem jedenfalls die Betroffenen, d.h. Mitbürger, die alle einmal Patienten sein können oder ihre legitimen Vertreter, etwa Gewerkschaften, Kassenverbände usw.<br />Mit der Erweiterung des Rechts der Krankenversicherung von den Aufgaben der kurativen Medizin (Krankheitsbekämpfung) hin zu den Zielen der Prävention und Rehabilitation (Gesundheitssicherung) ist eine neue Dimension aufgetreten, die öffentliche Initiativen erfordert.</p>
<h2 class="auto-created">Die Kosten&shy;ent&shy;wick&shy;lung</h2>
<p>In diesem Gespräch steht unvermeidlich im Vordergrund die Kostenfrage, weil alle Mittel, die für die sogenannte &#8222;Explosion&#8220; der Ausgaben des öffentlichen Gesundheitswesens aufgewendet werden, von allen Bürgern irgendwie als Sozialversicherungsbeiträge und als Steuern erbracht werden müssen. Wenn man alle Aufwendungen des Jahres 1972 für krankheitsbedingte oder gesundheitliche Zwecke nimmt, so waren dies mehr als 11 % des Bruttosozialprodukts. Davon entfielen 55 % auf den Bereich der ambulanten und stationären Behandlung sowie auf Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. Der Einkommenssicherung als Barleistungen bei Arbeitsunfähigkeit, Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit dienten 30%. Der Rest von 15 % dient der Ausbildung und Forschung (natürlich ohne industrielle Forschung) sowie der Vorbeugung. Es ist erwiesen, dass die Kosten für Gesundheitssicherung der Bevölkerung von 1968 bis 1972 stärker angestiegen sind als das Bruttosozialprodukt.<br />In der gesetzlichen sozialen Krankenversicherung ergab sich von 1960 bis 1972 eine Kostensteigerung je Versicherten um 12,5% jährlich. Dem gegenüber stieg das Bruttosozialprodukt jährlich im gleichen Zeitraum um 8,5%.<br />Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung liegen 1972 bei 27% der Gesamtkosten, die Aufwendungen für kassenärztliche Behandlung bei 21%. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß im Krankenhaus neben der technischen Modernisierung nicht nur im ärztlichen, sondern auch im pflegerischen Bereich eine erhebliche Personalerweiterung stattfand, während der ambulante Bereich weniger personalaufwändig ist.<br />Die Umsatzsteigerung je Kassenarzt wird unter Einbeziehung der Vorsorgeuntersuchungen in den letzten zehn Jahren auf 13% jährlich geschätzt. Bruttolöhne und -gehälter stiegen in diesem Zeitraum nur um 8,5 % jahresdurchschnittlich.<br />Als Ursachen der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen sind hauptsächlich drei Gründe anzuführen: a) Erhöhung der Leistungszahl; b) Verbesserung der Leistungsqualität; c) Preiserhöhung für die erbrachte Leistung.</p>
<h2 class="auto-created">Kontrolle des Arznei&shy;mit&shy;tel&shy;marktes ist n&ouml;tig</h2>
<p>In seinen Ausführungen vom Juni 1973 (DOK 12/73) zeigte sich Töns vom Bundesverband der Ortskrankenkassen erstaunt, daß in das Stabilitätsprogramm der Bundesregierung als wettbewerbs- und verbraucherpolitische Maßnahme nicht die nach dem Arzneimittelgesetz der Registrierung voraufgehende Prüfung durch das Bundesgesundheitsamt als rechtliche Grundlage für den Aufbau der Transparenz und die wirtschaftliche Verordnungsweise des Arztes zur Intensivierung des Wettbewerbs auf dem Arzneimittelmarkt aufgenommen wurde.<br />Die Versorgung der Bevölkerung im Bereich des Arzneimittelwesens ist deshalb unbefriedigend, weil der maßgebliche Einfluss der Pharmaindustrie und ihr Gewinnstreben sowohl auf die Apothekerschaft wie auf die Verbraucher zu wenig kontrolliert wurde. Diese Abhängigkeit muss jetzt in einem engmaschigen Beobachtungsnetz durchleuchtet werden.<br />Die Bundesapothekerordnung vom 6.6.68 lautet in § 1: &#8222;Der Apotheker ist berufen, die Bevölkerung ordnungsgemäß mit Arzneimitteln zu versorgen. Er dient damit der Gesundheit des einzelnen Menschen und des gesamten Volkes.&#8220; Dieser Anforderung können die Apotheker weithin nicht mehr nachkommen, weil sie vorrangig Verkäufer von Fertigpräparaten und damit Erfüllungsgehilfen der Pharmaindustrie sind.<br />Das staatlich garantierte Recht des Herstellers, allein zu entscheiden, was und wieviel, wie teuer und wo er ein Mittel auf den Markt bringt, verdeutlicht, dass in einer Veränderung der pharmazeutischen Ausbildung keine Lösung einer Arzneimittelversorgung im Interesse des Patienten und im eigenen beruflichen Interesse zu finden ist. Die entscheidenden Weichen werden im Produktionsbereich gestellt.<br />§ 368 p Abs 1 und 2 RVO sind gesetzliche Grundlage für Arzneimittelrichtlinien auf Beschluss des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen. Nach dem Arzneimittelgesetz (AMG = Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln vom 16.5.61, zuletzt geändert durch das Gesetz zur Änderung des AMG vom 5.6.74, BGBI I S. 1245) ist das Bundesgesundheitsamt durch § 21 verpflichtet, ein Arzneimittel in das Spezialitätenregister einzutragen, &#8222;wenn die Anmeldung den Anforderungen an die mit der Anmeldung vorzulegenden Unterlagen entspricht&#8220;.<br />Die gesetzliche Verpflichtung, einzutragen oder, falls einem beanstandeten Mangel nicht abgeholfen wird, abzulehnen, &#8222;schließt die Verantwortung für etwaige Schadensfolgen einer falschen Entscheidung ein&#8220; (Etmar, Kommentar zum Arzneimittelrecht). H. Hoffmann  schreibt in der Pharmazeutischen Zeitung, 1971, S. 1703 ff: &#8222;Dem Bundesgesundheitsamt ist für jede der sog. Arzneispezialitäten eine umfassende Dokumentation über die pharmakologisch-toxikologische Prüfung und klinische Erprobung mit allen ihren positiven und negativen Ergebnissen vorzulegen. Das Bundesgesundheitsamt lehnt die Eintragung ab, wenn es auf Grund der Dokumentation zu der Überzeugung gelangt, dass die Arzneispezialität a) nicht ausreichend nach dem jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis geprüft worden, b) unwirksam oder c) gesundheitsschädlich ist.&#8220;<br />Die Arzneimittelsicherheit ist durch das Gesetz um eine beachtliche Stufe angehoben worden, wenn auch Kritik in Einzelheiten noch die Durchführung beeinflussen muss.</p>
<h2 class="auto-created">Reform&shy;be&shy;d&uuml;rf&shy;tig&shy;keit der &auml;rztlichen Versorgung</h2>
<p>Mangelnde Transparenz war vor allem bisher das Hindernis, die Ursachen der offenkundig gewordenen Mängel in der ärztlichen Versorgung aufzudecken. Ehe es zu den anfangs angeführten Zugeständnissen von &#8222;Engpässen&#8220; und Reformbedürftigkeit kam, waren wütende Angriffe z B gegen die erste WWI-Studie (des heutigen Wirtschafts-  und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften): &#8222;Die Gesundheitssicherung in der BRD&#8220;, gegen den unter maßgeblicher Beteiligung von ÖTV-Ärzten durchgeführten Marburger Kongreß &#8222;Fortschritte der Medizin&#8220; und sogar gegen die Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland &#8222;Die soziale Sicherung im Industriezeitalter&#8220; voraufgegangen.<br />In der Krankenhausorganisation sind erste Erfolge zu verzeichnen, sogar auch im beginnenden Abbau hierarchischer Strukturen.<br />Im Oktober 1974 wandten sich in Kiel der Präsident der Bundesärztekammer und der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gegen das Schreckgespenst der &#8222;Verstaatlichungstendenzen&#8220;. Vorstationäre Diagnostik und nachstationäre Behandlung durch das Krankenhaus lehnten sie ab, dem Plan, an Krankenhäusern Ambulatorien einzurichten, erteilten sie gleichzeitig eine Absage, auch widersprachen sie einer Dienstverpflichtung von Ärzten und warnten vor Finanzierung der Krankenversicherung aus Steuermitteln.<br />Diesem Negativkatalog entspricht auf der anderen Seite das Beharren auf dem Status quo. Die Einschränkung der Niederlassungsfreiheit von Ärzten und die Verlagerung des Sicherstellungsauftrags von der Kassenärztlichen Vereinigung auf die Krankenkassen dürfe nur als &#8222;Notbremse&#8220; erwogen werden, wenn die Bemühungen nach der geltenden Regelung keinen Erfolg hätten. Das sei jedoch nicht zu erwarten. Die behaupteten &#8222;handgreiflichen Erfolge&#8220; allerdings täuschen nicht über die Verschleierung des Vertrauensverlustes hinweg, der aus der permanenten und verbissenen Verteidigung des &#8222;Alleinvertretungsanspruchs&#8220; der ambulanten ärztlichen Versorgung, also der Monopolstellung, resultiert.<br />Die Reformvorstellungen des Vorsitzenden der KBV ruhen auf drei Säulen: 1. Wahrung der Vertragsfreiheit; 2. Erhaltung des Sicherstellungsauftrags (= Beibehaltung des Behandlungsmonopols der Kassenärztlichen Vereinigungen); 3. Aufrechterhaltung der ärztlichen Selbstverwaltung.<br />Nach den Verlautbarungen aus der Papierflut der Aktion &#8222;Freiheit für Arzt und Patient&#8220; ist individuelle Krankenbehandlung nur in der Praxis des niedergelassenen Arztes möglich. &#8222;Kollektivmedizin&#8220; des öffentlichen Gesundheitsdienstes, &#8222;Apparatemedizin&#8220; des Krankenhauses sei bereits &#8222;sozialisiert&#8220; und nivelliere die Patienten zu anonymen Behandlungsobjekten.<br />Wenn alle Ärzte laut Berufsordnung geloben, &#8222;bei Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand ihr Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen&#8220;, so ist die Argumentation unverständlich, dass &#8222;durch die Eigengesetzlichkeit großer Dienstleistungsbetriebe, wie Krankenhäuser und öffentlicher Gesundheitsdienst, die Tendenz der Inhumanität entsteht&#8220; (vgl. Wartezimmermisere).<br />Nach einer Veröffentlichung in den Stuttgarter Nachrichten vom 24. hat der Landesvorstand der Jungen Union in Baden-Württemberg festgestellt: Ärzte verdienen zuviel. Er unterstützt deshalb den Vorschlag der Ortskrankenkassen, die Gebührenordnung durch Verträge zwischen Krankenkassen und Ärzten zu ersetzen. Anstelle von Beitragserhöhung wurde ein umfangreiches Konzept für die Krankenkassenreform empfohlen. Die CDU beklagt ebenfalls (Rheinische Post vom 27.7.74) einen katastrophalen Ärztemangel im öffentlichen Gesundheitsdienst. Der Marburger Bund sprach dazu die Warnung an Ärzte aus, unter den augenblicklichen Verhältnissen eines Konkurses des öffentlichen Gesundheitswesens in dieses einzutreten.<br />So erweisen sich die drei Säulen unseres Systems der Gesundheitssicherung, ambulante Versorgung, stationäre Einrichtungen und öffentlicher Gesundheitsdienst, als nicht mehr stabil und belastungsfähig.<br />Trotz relativ hoher Arztdichte in der BRD haben sich durch die im Wandel der Zeiten eingetretene Strukturänderung zunehmend Klagen über zu lange Wartezeiten, Abfertigung im Schnellverfahren, unpersönliche Kontakte und schlechte Versorgung in bestimmten, meist ländlichen Gebieten ergeben.<br />Die Denkschrift der EKD fordert stärkere Einbeziehung des ärztlichen Hilfspersonals in die Behandlung, auch Zulassung von Psychologen zur Behandlung, eben neue Gesundheitsberufe. Jede Kritik wird jedoch nicht als Anstoß zur Weiterentwicklung empfunden, sondern als radikale Systemveränderung. Dass sich zum diesjährigen Deutschen Ärztetag deshalb eine &#8222;Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Ärzte&#8220; bildete, die sich anlässlich der konservativen Grundhaltung gerade z.B. zum Thema &#8222;Lage der Psychiatrie&#8220; öffentlich zu notwendigen Fortschritten bekannte, zeigt, dass nicht nur eine Krise im Gesundheitswesen sondern auch in der Ärzteschaft besteht.</p>
<blockquote>
<p class="bodytext">G. W. Brück schreibt im Sozialen Fortschritt (10/74) im Zusammenhang mit der § 218-Diskussion:
</p>
<p class="bodytext">&#8222;Nur wer in Quantitäten, nicht aber in Qualitäten denkt, kann in diesem Zusammenhang von der heutigen Gesellschaft als von einer &#8218;entmoralisierten&#8216; sprechen. Eine Gesellschaft, die Kinder aufzog, um sie dann auf die ,Schlachtfelder zu schicken, war anscheinend noch nicht entmoralisiert, erst jetzt, mit der Fristenregelung ist es soweit, jetzt erst lebt man &#8218;auf Hasard&#8216;. Solche Ansichten sprechen für sich selbst und davon, unter welchem Blickwinkel man das System der sozialen Sicherung auch betrachten kann. Nur kann das nicht unser Blickwinkel sein.&#8220;</p>
</blockquote>
<p>Die Lebenserhaltungsargumente der Bundesärztekammer in Sachen § 218 widersprechen übrigens denen in Sachen Zwangsernährung von Untersuchungsgefangenen.<br />Es kommt darauf an, dass die Masse der Abhängigen sich ihrer Bedeutung gegenüber der noch immer tonangebenden Minderheit auch im Gesundheitswesen bewusst sind. Das ist die Aufgabe der kommenden Jahre.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/13-vorgaenge/publikation/zur-krise-unseres-gesundheitswesens-1/">Zur Krise unseres Gesundheitswesens</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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