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	<title>Matthias Monroy Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Die Ortungswanze in der Hosentasche</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Nov 2019 21:24:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ma&#223;nahmen nach &#167;&#167; 100 StPO zum Ermitteln des Aufenthaltsorts und der Kennung von Mobiltelefonen. In: vorg&#228;nge Nr. 227 (3/2019), S. 85-94 Der technologische Wandel und die dadurch ausgel&#246;sten Diskussionen um neue &#220;berwachungstechnologien und deren Regulierung zeigt sich kaum so deutlich wie im Bereich der Telekommunikation. Die Abl&#246;sung der Festnetz- durch die Mobilkommunikation, die rasante Verbreitung [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/227/publikation/die-ortungswanze-in-der-hosentasche/">Die Ortungswanze in der Hosentasche</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ma&szlig;nahmen nach &sect;&sect; 100 StPO zum Ermitteln des Aufenthaltsorts und der Kennung von Mobiltelefonen. In: vorg&auml;nge Nr. 227 (3/2019), S. 85-94</p>
<p><i>Der technologische Wandel und die dadurch ausgel&ouml;sten Diskussionen um neue &Uuml;berwachungstechnologien und deren Regulierung zeigt sich kaum so deutlich wie im Bereich der Telekommunikation. Die Abl&ouml;sung der Festnetz- durch die Mobilkommunikation, die rasante Verbreitung von Smartphones und der Wechsel von der leitungsbezogenen zur IP-gest&uuml;tzten Daten&uuml;bertragung (die mittlerweile f&uuml;r nahezu alle digitalen Serviceangebote genutzt wird) sind nur einige Merkmale dieser Entwicklung. Der folgende Beitrag von Matthias Monroy zeigt, welche verschiedenen &Uuml;berwachungsma&szlig;nahmen an diesen Technologien ankn&uuml;pfen, die weit &uuml;ber das klassische Abh&ouml;ren von Gespr&auml;chen hinausreichen. Er erl&auml;utert die einzelnen Ma&szlig;nahmen und gibt einen &Uuml;berblick, wie oft diese von den verschiedenen Sicherheitsbeh&ouml;rden angewandt werden.</i></p>
<p>Neben der Telekommunikations&uuml;berwachung (&sect; 100a StPO) und der Online-Durchsuchung (&sect; 100b StPO) nutzen Polizeibeh&ouml;rden im Rahmen der &sect;&sect; 100 StPO technische Mittel, um den Aufenthaltsort von Mobiltelefonen zu ermitteln. Hierzu geh&ouml;ren die sogenannte Stille SMS, IMSI-Catcher und Funkzellenabfragen. Auch der Zoll und die Geheimdienste sind teilweise dazu befugt. Halbj&auml;hrliche parlamentarische Anfragen im Bundestag dokumentieren, dass sich die Zahl der Ma&szlig;nahmen f&uuml;r Bundesbeh&ouml;rden in den letzten Jahren in etwa auf gleichem Niveau bewegt. Den Zahlen einzelner L&auml;nder zufolge werden die Ermittlungsmethoden nach &sect;&sect; 100 StPO dort teilweise deutlich h&auml;ufiger genutzt als bei Bundesbeh&ouml;rden. Manche Ma&szlig;nahmen zur Lokalisierung von Telefoninhaber_innen bewegen sich in einem Graubereich und zogen rechtliche Anpassungen nach sich. Ein Urteil des Bundesgerichtshofes vom vergangenen Jahr k&ouml;nnte urs&auml;chlich sein, dass die Zahlen f&uuml;r &#8222;Stille SMS&#8220; pl&ouml;tzlich stark r&uuml;ckl&auml;ufig sind. Einige Bundesl&auml;nder schlie&szlig;en sich derzeit zu Gemeinsamen Kompetenz- und Dienstleistungszentren auf dem Gebiet der polizeilichen Telekommunikations&uuml;berwachung (GKDZ) zusammen, die in Hamburg und Leipzig/ Dresden errichtet werden. M&ouml;glicherweise wird mit diesen zentralisierten GKDZ die Anzahl der Ma&szlig;nahmen zur Telekommunikations&uuml;berwachung im Rahmen der &sect;&sect; 100 StPO weiter zunehmen.</p>
<h5>&bdquo;Stille SMS&ldquo;</h5>
<p>&#8222;Stille SMS&#8220; sind auf dem Mobiltelefon nicht sichtbar. Als &#8222;Ortungsimpulse&#8220; erzeugen sie bei den Mobilfunkanbietern Verbindungsdaten, ohne dass die Nutzer_innen dies bemerken. Die durch die &#8222;Stille SMS&#8220;&nbsp; generierten und gespeicherten Standortdaten der Telefone werden von den Beh&ouml;rden abgefragt und zur Erstellung von nachtr&auml;glichen oder Echtzeit-Bewegungsprofilen genutzt. Das BKA versendet &#8222;Stille SMS&#8220; zur Gefahrenabwehr (&sect; 53 i. V. m. &sect; 51 bzw. &sect; 52 BKAG) und zur Strafverfolgung. Die Standortdatenausleitung in Echtzeit erfolgt auf eine richterliche Anordnung nach &sect; 100i Absatz 1 Nummer 2 StPO.&nbsp;[1] Auch die Bundespolizei und der Zoll holen vor Durchf&uuml;hrung der Ma&szlig;nahme eine Anordnung nach &sect; 100i StPO ein, ebenso der Generalbundesanwalt (GBA). Der Bundesnachrichtendienst (BND) versendet die &#8222;Stille SMS&#8220; aufgrund des BND- und des G10-Gesetzes, auch das Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz (BfV) und der Milit&auml;rische Abschirmdienst (MAD) st&uuml;tzen ihre &#8222;Stille SMS&#8220; darauf.<br />Die Beh&ouml;rden nutzen die Methode in unterschiedlichem Ma&szlig;e. So werden &#8222;Stille SMS&#8220; auf Bundesebene vor allem vom BfV versandt, die Zahlen bewegen sich stets um die 100.000 &#8222;Ortungsimpulse&#8220; pro Halbjahr. Im 2. Halbjahr 2017 stiegen die heimlichen Textnachrichten beim BfV auf einen Spitzenwert von fast 180.000. Die Zahlen f&uuml;r die Bundespolizei liegen deutlich niedriger (2. Halbjahr 2018: 50.654; 1. Halbjahr 2018: 38.990; 1. Halbjahr 2019: 20.152) [2]. Eine Abnahme verzeichneten im vergangenen Jahr die Stillen SMS des Bundeskriminalamts (BKA). In der zweiten Jahresh&auml;lfte hatte die Beh&ouml;rde 21.337 versandt, rund ein Drittel weniger als zuvor, im 1. Halbjahr 2019 waren es nur 6.302.</p>
<p>Die Schwankungen erkl&auml;ren sich im Polizeibereich durch besondere Ermittlungsverfahren. So hatte die Bundespolizei in 2016 in einem Fall wegen des &#8222;<i>banden- und gewerbsm&auml;&szlig;igen Diebstahls zum Nachteil der Deutschen Bahn</i>&#8220; ermittelt.&nbsp;[3] Zu den Gr&uuml;nden des &#8222;Ausrei&szlig;ers&#8220; des BfV in 2017 ist nichts bekannt. Die Zahlen zu den einzelnen Ma&szlig;nahmen sind jedoch nur bedingt aussagekr&auml;ftig und m&uuml;ssen mit den Ermittlungsverfahren und davon betroffenen Personen ins Verh&auml;ltnis gesetzt werden. Diese werden nicht immer statistisch erfasst. So k&ouml;nnen beispielsweise die Zahlen von &#8222;Stillen SMS&#8220; deutlich zur&uuml;ckgehen, dabei aber trotzdem mehr Personen &uuml;berwacht werden.<br />W&auml;hrend die Bundesregierung zwar Angaben zu &#8222;Stillen SMS&#8220; des BKA und der Bundespolizei macht, unterbleibt hinsichtlich des BND schon immer jede Angabe. Eine &auml;hnliche Verschwiegenheit entwickelte das BMI vor sechs Jahren f&uuml;r das Finanzministerium, dessen Zollkriminal- und Zollfahndungs&auml;mter ebenfalls massenhaft Stille SMS verschicken. Im Jahr 2012 erzeugten die Zollbeh&ouml;rden fast 200.000 &#8222;Ortungsimpulse&#8220;, im darauf folgenden Halbjahr zeigte sich eine weiter stark steigende Tendenz.</p>
<p>Seit diesem Jahr hat das BMI auch die Zahlen f&uuml;r das BfV als geheim eingestuft. Zur Begr&uuml;ndung hei&szlig;t es, die Informationen seien besonders schutzbed&uuml;rftig, da sich &#8222;<i>durch die regelm&auml;&szlig;ige halbj&auml;hrliche Beantwortung [&#8230;] Einzelinformationen zu einem umfassenden Lagebild verdichten k&ouml;nnen</i>&#8220;. Die halbj&auml;hrlichen Abfragen f&uuml;hrten zu solche einer &#8222;Verdichtung&#8220;, auf diese Weise k&ouml;nnten R&uuml;ckschl&uuml;sse auf die &#8222;technischen F&auml;higkeiten&#8220; des Geheimdienstes gezogen werden.&nbsp;[4] Das mag zwar aus Sicht der Beh&ouml;rde zutreffen. Jedoch h&auml;tte die Angaben auch als &#8222;<i>VS &#8211; Nur f&uuml;r den Dienstgebrauch</i>&#8220; hochgestuft werden k&ouml;nnen, womit sie weiterhin per Hauspost an die Abgeordneten versandt w&uuml;rde. Mit der Einstufung als &#8222;VS &#8211; Geheim&#8220; darf die Antwort nur von Abgeordneten und anderen, besonders berechtigten Personen in der Geheimschutzstelle eingesehen werden. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages betonen, dass derartige Auskunftsbeschr&auml;nkungen dem verfassungsrechtlichen Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgebot unterliegen.&nbsp;[5] Die Bundesregierung muss demnach mildere, gleich geeignete Mitteln suchen, anstatt die vorher offen mitgeteilten Informationen nunmehr als &#8222;VS &#8211;Geheim&#8220; einzustufen. Auch die Verschlusssachenanweisung (VSA) bestimmt in &sect; 15 S. 3, dass ein geringerer Einstufungsgrad oder ein anderes, einer Geheimhaltung gleich geeignetes, Mittel Vorrang haben muss.</p>
<p>Ein Blick auf die Bundesl&auml;nder zeigt eine deutliche Zunahme dort verschickter &#8222;Stiller SMS&#8220;. So hat die Polizei Berlin im Jahr 2015 noch rund 138.000 heimliche Textnachrichten erstellt, 2018 hat sich die Zahl mehr als verdreifacht.&nbsp;[6] In Schleswig-Holstein wurden im Jahr 2016 rund 45.000 &#8222;Stille SMS&#8220; genutzt, diese Zahl wurde 2018 schon im ersten Halbjahr erreicht.&nbsp;[7] Eine &auml;hnliche Steigerung zeigt sich in Rheinland-Pfalz&nbsp;[8] und in Brandenburg [9]. Dort wird die Methode als &#8222;0-SMS&#8220; bezeichnet. Weitere Informationsfreiheits-Anfragen zur Zahl &#8222;Stiller SMS&#8220; liefen ins Leere.&nbsp;[10] Bundesl&auml;nder wie Bayern haben kein solches Gesetz erlassen, das Saarland oder Sachsen-Anhalt verlangen trotz Informationsfreiheitsgesetz auch bei Nichtauskunft abschreckende Geb&uuml;hren. Die meisten Ministerien halten Angaben zu den Landes&auml;mtern f&uuml;r Verfassungsschutz unter Verschluss. Dort, wo sie mitgeteilt werden, sind die Zahlen vergleichsweise niedrig. Daraus l&auml;sst sich schlie&szlig;en, dass unter den Inlandsgeheimdiensten vor allem das BfV f&uuml;r die heimliche Ortung zust&auml;ndig ist. Nicht immer bekannt ist die Zahl der Ermittlungsverfahren, f&uuml;r die in den Bundesl&auml;ndern &#8222;Stille SMS&#8220; eingesetzt werden. Nur manche Beh&ouml;rden m&uuml;ssen protokollieren, in welcher Frequenz (etwa t&auml;glich oder st&uuml;ndlich) eine Person heimlich verfolgt wird. Im Land Brandenburg konnte die H&auml;ufigkeit der Ma&szlig;nahme nur &#8222;<i>anhand der Rechnungsf&uuml;hrung</i>&#8220; beziffert werden.</p>
<h5>Funkzellenabfrage</h5>
<p>Zur Geolokalisierung von Mobiltelefonen k&ouml;nnen die Polizei, der GBA und die Zollbeh&ouml;rden nicht-individualisierte Funkzellenabfragen durchf&uuml;hren.&nbsp;[11] Dabei erkundigt sich die Polizei bei den Netzbetreibern, welche Mobiltelefone in einem konkreten Zeitraum in einer bestimmten Funkzelle genutzt wurden. Funkzellenabfragen werden auf Antrag der Staatsanwaltschaft durch das Gericht angeordnet. &sect; 100g Absatz 3 StPO erlaubt die Ma&szlig;nahme f&uuml;r Ermittlungen zu schweren oder staatsgef&auml;hrdenden Straftaten oder auch wegen des Einschleusen von Ausl&auml;ndern und Verst&ouml;&szlig;en gegen das Bet&auml;ubungsmittelgesetz. Nach einer Gesetzes&auml;nderung von 2017 k&ouml;nnen Funkzellenabfragen auch nach einem Wohnungseinbruch erfolgen.&nbsp;[12]</p>
<p>Eine Funkzelle bestimmt sich &uuml;ber den Sendemast, der einen bestimmten Radius abdeckt. Im urbanen Raum ist eine Funkzelle wenige Hundert Meter gro&szlig;, auf dem Land kann sie viele Kilometer umfassen. Anhand der Verkehrsdaten k&ouml;nnen die Polizei und der Zoll anschlie&szlig;end die zugeh&ouml;rigen Anschlussdaten abfragen. Auch ohne ein Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung heben die Firmen die Verkehrsdaten ihrer Kund_innen f&uuml;r mehrere Wochen auf. Sie werden bei jedem Telefonat, jeder gesendeten oder empfangenen SMS sowie bei der Internetnutzung des Ger&auml;ts (auch im Hintergrund) erzeugt. Protokolliert wird der Zeitpunkt einer ausgehenden oder eingehenden Verbindung, ihre Dauer sowie die Rufnummer des Kommunikationspartners. Laut dem Amtsgericht Dresden erhalten die Beh&ouml;rden au&szlig;erdem Informationen zum Abstrahlungswinkel des sich in der jeweiligen Funkzelle befindlichen Telefons. [13]</p>
<p>F&uuml;r die Bundespolizei sind die Funkzellenabfragen nicht immer ordentlich protokolliert worden, bis Mitte 2015 sollen sie &#8222;weniger als 50&#8220; betragen haben. Im Durchschnitt nimmt die Bundespolizei rund 40 Abfragen pro Halbjahr vor, im 2. Halbjahr 2018 hat sich dieser Wert auff&auml;llig verdoppelt. &Auml;u&szlig;erst selten wird die Methode vom BKA genutzt, die Zahlen liegen stets im niedrigen einstelligen Bereich. Auff&auml;llig ist deshalb ein &#8222;Ausrei&szlig;er&#8220; im 2. Halbjahr 2017 mit 149 Ma&szlig;nahmen. Funkzellenabfragen des BKA werden auch in Ermittlungsverfahren des GBA angeordnet, das BMI verweist hierzu auf vergangene Ermittlungen wegen &#8222;verfassungsfeindliche(r) Sabotage&#8220; und &#8222;Bildung einer kriminellen Vereinigung&#8220;.&nbsp;[14] Auch die Landeskriminal&auml;mter (LK&Auml;) erledigen Funkzellenabfragen f&uuml;r den GBA, in den letzten Jahren erfolgte dies beispielsweise durch Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und das Polizeipr&auml;sidium Bochum.</p>
<p>Deutlich &ouml;fter werden Funkzellenabfragen in den Bundesl&auml;ndern vorgenommen. 2012 hat die Polizei in Sachsen in 104 Verfahren Funkzellendaten abgefragt, 2017 waren es bereits 427 Verfahren.&nbsp;[15] In Berlin haben Ermittler_innen 2016 bei 491 Eins&auml;tzen Funkzellenabfragen anordnen lassen [16], die Polizei erhielt daraufhin 112 Millionen Verkehrsdatens&auml;tze. Neben schweren Straftaten wie Bandendiebstahl, Raub, Mord und Herbeif&uuml;hren einer Sprengstoffexplosion finden sich auch Ma&szlig;nahmen wegen Landfriedensbruch, Betrug sowie N&ouml;tigung. In 2017 F&auml;llen ermittelte die Polizei anschlie&szlig;end 2.222 Inhaber_innen der Telefone.</p>
<h5>IMSI-Catcher</h5>
<p>Mobile oder station&auml;re IMSI-Catcher simulieren eine Funkzelle, in die sich die Mobilfunkger&auml;te der Umgebung wegen der Signalst&auml;rke des Ger&auml;ts automatisch einbuchen. Strafverfolgungsbeh&ouml;rden und Geheimdienste nutzen IMSI-Catcher, um einer observierten Zielperson ein Telefon zuordnen zu k&ouml;nnen. Dabei werden die Ger&auml;tenummern (IMEI) und Kartennummern (IMSI) ermittelt. Daraufhin k&ouml;nnen bei den Telefonanbietern weitere Ausk&uuml;nfte angefragt werden, darunter Bestandsdaten zu den Besitzer_innen, Verkehrsdaten oder auch Inhalte von Textnachrichten. Einige IMSI-Catcher erlauben auch das Mith&ouml;ren von Gespr&auml;chen. Laut dem BMI wird diese Funktion von den Bundesbeh&ouml;rden aber nicht genutzt.</p>
<p>IMSI-Catcher sind seit 2002 im Rahmen des &sect; 100i StPO als Einsatz &#8222;technischer Mittel&#8220; f&uuml;r bestimmte Zwecke zugelassen. Bei der Bundespolizei werden sie ausschlie&szlig;lich in strafprozessualen Ermittlungsverfahren eingesetzt, das BKA nutzt sie auch zur Gefahrenabwehr. W&auml;hrend die Bundespolizei IMSI-Catcher pro Halbjahr zwischen 19 und 61 Mal genutzt hat, liegt die Zahl f&uuml;r das BKA zwischen einem und 24 Eins&auml;tzen.&nbsp;[17] In 2014 hatte das BfV 13 Ermittlungen mit IMSI-Catchern durchgef&uuml;hrt, die Zollkriminal&auml;mter 51.&nbsp;[18] Der Zoll verf&uuml;gt &uuml;ber keine eigenen IMSI-Catcher und bedient sich der Amtshilfe anderer Bundes- oder Landesbeh&ouml;rden. Das Gleiche gilt f&uuml;r den GBA, der das BKA, einzelne LK&Auml;, das Landesamt f&uuml;r Zentrale Polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen oder auch Polizeipr&auml;sidien beauftragt.</p>
<p>Die neue, f&uuml;nfte Mobilfunkgeneration (5G) erm&ouml;glicht Verbindungen mit etappenweiser Verschl&uuml;sselung. F&uuml;r mehr Sicherheit soll die Verschl&uuml;sselung bislang der offen &uuml;bertragenen IMSI und IMEI sorgen. In einigen Jahren werden die unter 3G und 4G genutzten IMSI-Catcher deshalb unbrauchbar. Die Bundesregierung pr&uuml;ft derzeit, welche &#8222;<i>technischen und rechtlichen Anpassungen</i>&#8220; der noch zu beschlie&szlig;ende neue 5G-Standard enthalten soll.&nbsp;[19] Zust&auml;ndig ist hierf&uuml;r das <i>Europ&auml;ische Institut f&uuml;r Telekommunikationsnormen </i>(ETSI), das im Dezember den finalen Release #16 beschlie&szlig;en will. M&ouml;glich w&auml;re, im geplanten Release #16 daf&uuml;r zu sorgen, dass die Verschl&uuml;sselung der &uuml;bertragenen IMSI- oder IMEI-Daten, die bei den Netzanbietern an bestimmten Punkten entschl&uuml;sselt werden, f&uuml;r eine Abfrage mit richterlichem Beschluss aufgehoben werden muss. Das ETSI kooperiert mit dem weltweiten <i>3rd Generation Partnership Project </i>(3GPP), einer Einrichtung der <i>Internationalen Telekommunikationsunion </i>(ITU) der Vereinten Nationen, die ebenfalls eine Arbeitsgruppe f&uuml;r beh&ouml;rdliche Abh&ouml;rma&szlig;nahmen betreibt. Die Bundesregierung beteiligt sich mit dem BKA, dem BfV und der Bundesnetzagentur an beiden Arbeitsgruppen.&nbsp;[20] Vermutlich um den Druck auf die Standardisierungsgremien zu erh&ouml;hen, hat das BMI seit Juli diesen Jahres auch die <i>Zentrale Stelle f&uuml;r Informationstechnik im Sicherheitsbereich</i> (ZITiS) entsandt. [21]</p>
<p>F&uuml;r das BMI kommt die Einf&uuml;hrung von 5G zur Unzeit, denn erst in 2017 hat das BKA Forschungen zur Verbesserung seiner IMSI-Catcher begonnen.&nbsp;[22] Unter dem Namen &#8222;Catch&#8220; unterst&uuml;tzt die Europ&auml;ische Kommission ein vierj&auml;hriges Projekt im Rahmen des EU-Fonds zur Inneren Sicherheit mit 338.580 Euro, weitere Partner sind nicht beteiligt. Durch Mehrfachmessungen soll die Ortung von Mobiltelefonen unter 3G und 4G genauer werden. Schlie&szlig;lich wird das Forschungsprojekt auch mit der &#8222;<i>Eigensicherung der eingesetzten Polizeibeamten</i>&#8220; begr&uuml;ndet, da die Polizist_innen stets &#8222;<i>im Nahbereich der Zielperson agieren</i>&#8220; m&uuml;ssten. Weitere Erl&auml;uterungen liefert das Bundesinnenministerium hierzu nicht.</p>
<h5>B&uuml;rger&shy;rechte und Transparenz</h5>
<p>Die Nutzung von Telefonen als Ortungswanze ist rechtlich umstritten und l&auml;sst sich nur schwer einhegen. Dies zeigt sich besonders beim Versand der &#8222;Stillen SMS&#8220;. Eine Telekommunikations&uuml;berwachung darf eigentlich nur als &#8222;passive T&auml;tigkeit&#8220; ausgef&uuml;hrt werden. Das Erzeugen eines Kommunikationsvorgangs mittels &#8222;Stiller SMS&#8220; ist aber eine aktive Ma&szlig;nahme, die nicht von den Betroffenen der Ma&szlig;nahme stammt. Dies kritisiert unter anderem Tobias Singelnstein, Professor f&uuml;r Kriminologie an der Juristischen Fakult&auml;t der Ruhr-Universit&auml;t Bochum, seit einigen Jahren.&nbsp;[23] Im letzten Jahr hatte der Bundesgerichtshof (BGH) dazu geurteilt und sich der Auffassung Singelnsteins teilweise angeschlossen.&nbsp;[24] Der Einsatz &#8222;Stiller SMS&#8220; und die Erhebung daraus generierter Standortdaten k&ouml;nnen demnach nicht auf &sect; 100a der Strafprozessordnung gest&uuml;tzt werden, da die erzeugten Standortdaten nicht im Rahmen der Telekommunikation anfallen. Bei einer &#8222;Stillen SMS&#8220; fehlt es laut dem BGH &#8222;<i>an einem menschlich veranlassten Informationsaustausch</i>&#8220;.</p>
<p>Trotzdem hat das Gericht festgestellt, dass die &#8222;Stille SMS&#8220; bei einem Verdacht auf Straftaten von &#8222;erheblicher Bedeutung&#8220; genutzt werden darf. Diese Eingriffsbefugnis ergebe sich aus &sect; 100i Abs. 1 Nr. 2 StPO. Die Vorschrift regelt den Einsatz technischer Mittel zur Ermittlung des Standorts eines Mobilfunkger&auml;tes und war bei ihrer Verabschiedung 2002 auf IMSI-Catcher zugeschnitten. Ob das Urteil die H&uuml;rde f&uuml;r den Einsatz der Ortungsimpulse in der Praxis h&ouml;her legt, ist aber unklar. Dazu schreibt das BMI, dass f&uuml;r die Bundespolizei nach dem Urteil die Einholung einer Anordnung nach &sect; 100i StPO verf&uuml;gt worden sei.&nbsp;[25] Im 2. Halbjahr 2018 waren daraufhin noch keine nennenswerten &Auml;nderungen der Praxis zu verzeichnen, im Halbjahr darauf haben sich die Ma&szlig;nahmen von Bundespolizei und BKA jedoch &#8211; wom&ouml;glich als Folge des BGH-Urteils &#8211; mehr als halbiert.</p>
<p>Im Gegensatz zur &#8222;Stillen SMS&#8220; geraten &uuml;ber eine Funkzellenabfrage massenhaft Unbeteiligte ins Raster der Polizei. Im Bereich linker sozialer Bewegungen wurde dies zuerst in 2011 offenkundig, nachdem das LKA Sachsen Funkzellenabfragen bei Demonstrationen durchgef&uuml;hrt hat. In Ermittlungen gegen eine antifaschistische Gruppe erhielt die Polizei insgesamt 1.145.055 Verkehrsdatens&auml;tze zu 330.00 Personen, deren Telefone sich in den abgefragten Funkzellen eingebucht hatten. Darunter befanden sich nicht nur Demonstrationsteilnehmer_innen, sondern vorwiegend Einwohner_innen und Besucher_innen der betreffenden Stadtteile. In Dresden hatte das LKA in drei verschiedenen Verfahren anschlie&szlig;end zu 58.911 Personen Namen und Adressen herausverlangt und im Fallbearbeitungssystem der s&auml;chsischen Polizei gespeichert. Mithilfe der Software wurden in einem Datamining-Verfahren 1.210 Personen und Telefone herausgefiltert, die zu &#8222;<i>bei Ermittlungshandlungen sichergestellten oder beschlagnahmten Mobiltelefonen, Speichermedien&#8218; oder schriftlichen Unterlagen</i>&#8220; geh&ouml;ren k&ouml;nnten. Der Abgleich mit&nbsp; Funkzellenabfragen mit anderen Ereignissen ergab weitere 844 verd&auml;chtige Telefoninhaber_innen an mindestens vier von 17 &#8222;Ereignis- bzw. Tatorten&#8220;. Als besonders verd&auml;chtig galten dabei Telefone, bei denen ein Ger&auml;t in der Vergangenheit mehr als eine SIM-Karte verwendet hatte.</p>
<p>Problematisch ist auch, dass die Bestandsdaten zu Verkehrsdaten aus Funkzellenabfragen ohne richterlichen Beschluss von den Netzanbietern beauskunftet werden.&nbsp;[26] Das l&auml;sst bef&uuml;rchten, dass in Verfahren wie in Dresden s&auml;mtliche Namen, Anschriften sowie weitere Daten von Hunderten &#8222;verd&auml;chtigen&#8220; Telefoninhaber_innen in den Ermittlungsakten landen. Laut dem Jahresbericht der Bundesnetzagentur sind die Zahlen dieser als &#8222;Beh&ouml;rdentelefonbuch&#8220; bezeichneten Bestandsdatenauskunft abermals stark gestiegen. Im Jahr 2018 wurden demnach 13,94 Millionen Ersuchen bearbeitet. Fast 750.000 dieser automatisierten Auskunftsverfahren stammten vom BfV, in &uuml;ber 11.000 F&auml;llen hat der Geheimdienst andersherum die Telefonnummern einer bestimmten Person abgefragt.&nbsp;[27] Das BKA f&uuml;hrt hierzu keine Statistiken.</p>
<p>Die von Funkzellenabfragen Betroffenen werden gew&ouml;hnlich nicht &uuml;ber die Erhebung ihrer Verkehrs- oder Bestandsdaten informiert. Aus Sicht der Polizei haben lediglich jene, gegen die sich die Ma&szlig;nahmen richteten, ein Recht auf Benachrichtigung. Aber auch diese Verd&auml;chtigen oder Beschuldigten haben beispielsweise vom LKA Sachsen keine solche Benachrichtigung erhalten. Nur das Land Berlin hat mittlerweile ein sogenanntes <i>Funkzellenabfragen-Transparenz-System </i>(FTS) eingef&uuml;hrt.&nbsp;[28] Rund 10.000 Interessierte haben ihre Mobilfunknummer dort in einer Datei hinterlegt. Falls diese Nummer dann bei einer Funkzellenabfrage erfasst wurde, werden die Inhaber_ innen nach Abschluss der Ermittlungen im Falle der Verarbeitung ihrer Verkehrsdaten benachrichtigt.</p>
<h5>Gemeinsame Kompetenz- und Dienst&shy;leis&shy;tungs&shy;zen&shy;tren</h5>
<p>Mehrere Bundesl&auml;nder schlie&szlig;en sich derzeit zu &#8222;<i>Gemeinsamen Kompetenz- und Dienstleistungszentren</i>&#8220; auf dem Gebiet der polizeilichen Telekommunikations&uuml;berwachung (GKDZ) zusammen. Zuerst hatte die Innenministerkonferenz von Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Bremen in 2008 eine Initiative zur Errichtung eines &#8222;TK&Uuml;-Zentrums Nord&#8220; beschlossen. Ein zweites GKDZ wird in Leipzig und Dresden errichtet, beteiligt sind Sachsen, Brandenburg, Th&uuml;ringen, Sachsen-Anhalt und Berlin.&nbsp;[29] Die GKDZ sollen Bau-, Investitions- sowie Betriebskosten in den beteiligten L&auml;ndern einsparen, ihre Finanzierung erfolgt anteilig nach dem K&ouml;nigsteiner Schl&uuml;ssel. Weitere Einzelheiten sind in einem Staatsvertrag geregelt.&nbsp;[30] Der Wirkbetrieb beider Zentren soll in 2020 starten. [31]</p>
<p>Das Ziel der Einrichtungen besteht laut einer Pr&auml;sentation des s&auml;chsischen Staatsministeriums des Innern im &#8222;gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche(n) Zentralisieren&#8220; polizeilicher &Uuml;berwachungsaufgaben.&nbsp;[32] Die Planung des GKDZ in Leipzig und Dresden erfolgte mithilfe externer Beratung durch die <i>ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH</i>, die im Milit&auml;rbereich regelm&auml;&szlig;ig Auftr&auml;ge der Bundesregierung &uuml;bernimmt. Daran beteiligt war das &#8222;<i>Strategie- und Forschungszentrum Telekommunikation</i>&#8220; (SFZ TK), in dem das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei und das Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz in einer &#8222;Kooperationsplattform&#8220; organisiert sind. [33]</p>
<p>Als &#8222;zentraler Dienstleister&#8220; sollen die GKDZ alle Formen der operativen Telekommunikations&uuml;berwachung ausf&uuml;hren. Aus der Pr&auml;sentation des s&auml;chsischen Staatsministeriums geht hervor, dass Server zur Ausleitung der bei den Netzanbietern abgeh&ouml;rten Telekommunikationsdaten betrieben werden. Die &uuml;ber diese Schnittstellen gesammelten Daten werden in den GKDZ gespeichert. Hierf&uuml;r werden Server mit einer &#8222;<i>Speicherf&auml;higkeit im Petabyte-Bereich</i>&#8220; eingekauft. Sofern technisch m&ouml;glich, sollen die Zentren auch die &#8222;<i>Analyse verschl&uuml;sselter Kommunikation und ggf. deren Entschl&uuml;sselung</i>&#8220; besorgen. Welche technischen Werkzeuge hierf&uuml;r genutzt werden, bleibt offen.</p>
<p>Vermutlich &uuml;bernehmen die Zentren aber auch Eins&auml;tze von &#8222;Stillen SMS&#8220; oder Trojaner-Programmen. Das best&auml;tigt die Antwort des Berliner Senats auf eine Anfrage der Piratenpartei.&nbsp;[34] Wie diese &#8222;technische Dienstleistung&#8220; umgesetzt wird, soll erst in einer sp&auml;teren &#8222;Feinplanung&#8220; definiert werden. Derzeit erfolgt der Versand von &#8222;Stillen SMS&#8220; bei den Kriminal&auml;mtern oder Geheimdiensten mithilfe kommerzieller Software, etwa von der Schweizer Firma <i>Vadian</i> oder der deutschen Firma <i>Syborg</i>.&nbsp;[35] Andere Beh&ouml;rden wie beispielsweise der GBA und der Zoll greifen auf Anlagen von Bundes- und Landespolizeibeh&ouml;rden zur&uuml;ckgreifen. In einigen Bundesl&auml;ndern werden die &#8222;Stillen SMS&#8220; nicht von den Beh&ouml;rden selbst, sondern von privaten Dienstleistern verschickt.</p>
<p>Es ist zu bef&uuml;rchten, dass die Ma&szlig;nahmen zur Telekommunikations&uuml;berwachung im Rahmen der &sect;&sect; 100 StPO unter einem zentralisierten GKDZ weiter zunehmen werden. Eine weitergehende Kritik an den Zentren hatte Hartmut Aden vor zwei Jahren in einer Stellungnahme zum Gesetzentwurf der s&auml;chsischen Staatsregierung formuliert.&nbsp; L&auml;nder&uuml;bergreifende Strukturen wie ein GKDZ seien nicht grunds&auml;tzlich wirtschaftlicher als einzelne Anlagen in den Bundesl&auml;ndern. So erh&ouml;he sich beispielsweise der &#8222;<i>Abstimmungs- und Reisebedarf</i>&#8220;, als komplexe Beh&ouml;rde erwartet Aden f&uuml;r die GKDZ einen &#8222;<i>erheblichen administrativen Aufwand</i>&#8220;. Auch sei nicht belegt, weshalb ausgerechnet die Telekommunikations&uuml;berwachung als l&auml;nder&uuml;bergreifendes Kooperationsfeld gew&auml;hlt wird. Diese wird immer im Auftrag eines der beteiligten L&auml;nder durchgef&uuml;hrt, Querverbindungen zwischen den zu bearbeitenden F&auml;llen erwartet Aden nicht. Die dort erlangten Erkenntnisse landeten weiterhin in den dezentralen polizeilichen Vorgangsbearbeitungssystemen der Landespolizeibeh&ouml;rden.</p>
<p>Schlie&szlig;lich sei auch die Verantwortung und Kontrolle der in einer Telekommunikations&uuml;berwachung erhobenen Daten im Staatsvertrag unklar formuliert. M&ouml;glich sei, dass die L&auml;nder weiterhin f&uuml;r Abh&ouml;rma&szlig;nahmen zust&auml;ndig sind und lediglich deren Auswertung in den GKDZ erfolge. Der Staatsvertrag enthalte aber keine Regelung dazu, wer f&uuml;r eine rechtswidrige Datenverarbeitung haftet. Zwar sei mit der dezentralen Zust&auml;ndigkeit aller Datenschutzbeauftragten der beteiligten L&auml;nder eine Datenschutzkontrolle gegeben, eine datenschutzrechtliche klare Regelung f&uuml;r eine &#8222;Gesamtbetrachtung&#8220; fehle jedoch. In Einzelf&auml;llen k&ouml;nne dies zu einer &#8222;<i>fragmentierten und damit unzul&auml;nglichen Kontrolle</i>&#8220; f&uuml;hren.</p>
<p><i><b>MATTHIAS MONROY </b>ist Wissensarbeiter, Aktivist und Mitglied der Redaktion der Zeitschrift B&uuml;rgerrechte &amp; Polizei/CILIP. In Teilzeit Mitarbeiter des MdB Andrej Hunko. Publiziert in linken Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien, bei Telepolis, Netzpolitik und in Freien Radios.</i></p>
<p>Anmerkungen:</p>
<p>1 I. V. m. &sect; 100g Absatz 1 Satz 3, Absatz 2 StPO.</p>
<p>2 BT-Drucksache 19/7847 vom 18.02.2019, BT-Drucksache 19/3678 vom 03.08.2018.</p>
<p>3 BT-Drucksache 18/9931 vom 07.10.2016.</p>
<p>4 Schreiben des Parlamentarischen Staatssekret&auml;rs G&uuml;nter Krings an den MdB Andrej Hunko vom 11.03.2019.</p>
<p>5 WD 3 &#8211; 3000 &#8211; 121/19.</p>
<p>6 AGH Berlin, Drucksache 18/17664 vom 07.02.2019.</p>
<p>7 <a href="https://fragdenstaat.de/anfrage/versand-stiller-sms-2016-2017-und-2018-8" target="_blank" rel="noopener">https://fragdenstaat.de/anfrage/versand-stiller-sms-2016-2017-und-2018-8</a>.</p>
<p>8 <a href="https://fragdenstaat.de/anfrage/versand-stiller-sms-2016-2017-und-2018-6/109167/anhang/AntwortschreibenHerrNAME_geschwaerzt.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://fragdenstaat.de/anfrage/versand-stiller-sms-2016-2017-und-2018-6/109167/anhang/AntwortschreibenHerrNAME_geschwaerzt.pdf</a>.</p>
<p>9 <a href="https://fragdenstaat.de/anfrage/versand-stiller-sms-2016-2017-und-2018-5/108552/anhang/20181029_polizei_brandenburg_stille_sms_geschwaerzt.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://fragdenstaat.de/anfrage/versand-stiller-sms-2016-2017-und-2018-5/108552/anhang/20181029_polizei_brandenburg_stille_sms_geschwaerzt.pdf</a>.</p>
<p>10 <a href="https://fragdenstaat.de/anfragen/?q=stiller+sms" target="_blank" rel="noopener">https://fragdenstaat.de/anfragen/?q=stiller+sms</a>.</p>
<p>11 Der BND, das BfV sowie der MAD verf&uuml;gen hierf&uuml;r &uuml;ber keine Rechtsgrundlage.</p>
<p>12 <a href="https://www.heise.de/newsticker/meldung/Bundesrat-Polizei-darf-Einbrecher-mit-Vorratsdaten-und-Funkzellenabfragen-jagen-3767230.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.heise.de/newsticker/meldung/Bundesrat-Polizei-darf-Einbrecher-mit-Vorratsdaten-und-Funkzellenabfragen-jagen-3767230.html</a>.</p>
<p>13 <a href="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2013-04-04-AG-DD-FZA.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2013-04-04-AG-DD-FZA.pdf</a>.</p>
<p>14 BT-Drucksache 19/505 vom 23.01.2018.</p>
<p>15 <a href="https://netzpolitik.org/2018/sachsen-funkzellenabfragen-vervierfachen-sich-in-fuenf-jahren" target="_blank" rel="noopener">https://netzpolitik.org/2018/sachsen-funkzellenabfragen-vervierfachen-sich-in-fuenf-jahren</a>.</p>
<p>16 AGH Berlin, Drucksache 18/1012 vom 24.04.2018.</p>
<p>17 <a href="https://netzpolitik.org/2018/halbjahreswerte-fuer-stille-sms-imsi-catcher-und-funkzellenabfragen" target="_blank" rel="noopener">https://netzpolitik.org/2018/halbjahreswerte-fuer-stille-sms-imsi-catcher-und-funkzellenabfragen</a>.</p>
<p>18 BT-Drucksache 18/2257 vom 01.08.2014.</p>
<p>19 BT-Drucksache 19/10535 vom 31.05.2019, vgl. auch ein entsprechendes Papier der rum&auml;nischen EU-Ratspr&auml;sidentschaft vom 11.04.2019 (<a href="http://statewatch.org/news/2019/jun/eu-council-europol-position-paper-5g-8268-19.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://statewatch.org/news/2019/jun/eu-council-europol-position-paper-5g-8268-19.pdf</a>) und des EU-Anti-Terrorismus-Koordinators vom 06.05.2019 (<a href="http://statewatch.org/news/2019/jun/eu-council-ctc-5g-law-enforcement-8983-19.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://statewatch.org/news/2019/jun/eu-council-ctc-5g-law-enforcement-8983-19.pdf</a>).</p>
<p>20 BT-Drucksache 17/11239 vom 26.10.2012.</p>
<p>21 S. <a href="https://netzpolitik.org/2019/5g-bundesregierung-will-anbieter-zur-ueberwachung-zwingen" target="_blank" rel="noopener">https://netzpolitik.org/2019/5g-bundesregierung-will-anbieter-zur-ueberwachung-zwingen</a>.</p>
<p>22 BT-Plenarprotokoll 18/220 vom 08.03.2017.</p>
<p>23 &#8222;Die &#8217;stille SMS&#8216; ist nicht durch die Strafprozessordnung gedeckt&#8220;, <a href="http://www.heise.de/" target="_blank" rel="noopener">www.heise.de</a> vom&nbsp; 04.04.2012.</p>
<p>24 BGH, 08.02.2018 &#8211; 3 StR 400/17.</p>
<p>25 &#8222;Seit Bekanntwerden des Beschlusses&#8220; erfolge auch in den beim GBA gef&uuml;hrten Ermittlungsverfahren die Versendung von &#8222;Stillen SMS&#8220; auf Anordnung gem&auml;&szlig; &sect; 100i Absatz 1 Nummer 2 StPO.</p>
<p>26 <a href="https://netzpolitik.org/2019/bestandsdatenauskunft-2018-behoerden-haben-alle-zwei-sekunden-abgefragt-wem-eine-telefonnummer-gehoert" target="_blank" rel="noopener">https://netzpolitik.org/2019/bestandsdatenauskunft-2018-behoerden-haben-alle-zwei-sekunden-abgefragt-wem-eine-telefonnummer-gehoert</a>.</p>
<p>27 BT-Plenarprotokoll 19/103 vom 05.06.2019.</p>
<p>28 <a href="https://fts.berlin.de/" target="_blank" rel="noopener">https://fts.berlin.de</a>.</p>
<p>29 <a href="https://www.sicherheit.sachsen.de/" target="_blank" rel="noopener">https://www.sicherheit.sachsen.de</a>.</p>
<p>30 Das &#8222;TK&Uuml;-Zentrum S&uuml;d&#8220; wurde Anfang 2018 als rechtsf&auml;hige Anstalt &ouml;ffentlichen Rechts (GKDZ A&ouml;R) gegr&uuml;ndet, die Gesamtkosten sollen 16 Millionen Euro betragen haben, vgl. <a href="https://www.mdr.de/thueringen/start-abhoerzentrum-verzoegert-sich-100.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.mdr.de/thueringen/start-abhoerzentrum-verzoegert-sich-100.html</a>.</p>
<p>31 B&uuml;rgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, Drucksachen 21/93 vom 24.03.2015, 21/10571 vom 10.10.17 und 21/16107 vom 15.02.19 sowie S&auml;chsisches Staatsministeriums des Innern, Antwort auf die Drucksache 6/15566 vom 03.01.2019.</p>
<p>32 <a href="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/GKDZ_TKUE.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/GKDZ_TKUE.pdf</a>.</p>
<p>33 BT-Plenarprotokoll 18/214 vom 25..01.2017.</p>
<p>34 AGH Berlin, Drucksache 17/17 vom 11. Januar 2016.</p>
<p>35 <a href="https://www.heise.de/newsticker/meldung/Trojaner-und-stille-SMS-ein-lukratives-Geschaeft-1633724.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.heise.de/newsticker/meldung/Trojaner-und-stille-SMS-ein-lukratives-Geschaeft-1633724.html</a>, BT-Drucksache 17/10077 vom 02. 07. 2012.</p>
<p>36 <a href="https://www.researchgate.net/publication/320711097_Stellungnahme_zum_Gesetzentwurf_der_Staatsregierung_Gesetz_zum_Staatsvertrag_uber_die_Errichtung_eines_Gemeinsamen_Kompetenz-_und_Dienstleistungszentrums_der_Polizeien_der_Lander_Berlin_Brandenburg_Sa" target="_blank" rel="noopener">https://www.researchgate.net/publication/320711097_Stellungnahme_zum_Gesetzentwurf_der_Staatsregierung_Gesetz_zum_Staatsvertrag_uber_die_Errichtung_eines_Gemeinsamen_Kompetenz-_und_Dienstleistungszentrums_der_Polizeien_der_Lander_Berlin_Brandenburg_Sa</a>.</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Cybersecurity-Initiativen als Teil einer Technologieoffensive</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/209/publikation/cybersecurity-initiativen-als-teil-einer-technologieoffensive-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Aug 2015 09:15:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Europol macht mobil, BKA ist Superuser. Aus: vorgänge Nr. 209 (Heft 1/2015), S. 54-60 (Red.) Die EU-Polizeiagentur Europol fordert die Einrichtung eines europäischen &#132;Anti-Terror-Zentrums&#147; und die Überlassung geheimdienstlicher Informationen. Im Juli geht eine Meldestelle für unliebsame Internetinhalte an den Start. Zur Erforschung und Beschaffung neuer Analysewerkzeuge steuert hier auch das Bundeskriminalamt (BKA) seine Erfahrungen bei [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/209/publikation/cybersecurity-initiativen-als-teil-einer-technologieoffensive-1/">Cybersecurity-Initiativen als Teil einer Technologieoffensive</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Europol macht mobil, BKA ist Superuser. Aus: vorgänge Nr. 209 (Heft 1/2015), S. 54-60</p>
<p><i>(Red.) Die EU-Polizeiagentur Europol fordert die Einrichtung eines europäischen &#132;Anti-Terror-Zentrums&#147; und die Überlassung geheimdienstlicher Informationen. Im Juli geht eine Meldestelle für unliebsame Internetinhalte an den Start. Zur Erforschung und Beschaffung neuer Analysewerkzeuge steuert hier auch das Bundeskriminalamt (BKA) seine Erfahrungen bei und nimmt gleichzeitig eine prominente Rolle in der Verteilung der dabei zu vergebenen Leitungsfunktionen ein.</i></p>
<p>Die Einrichtung von Europol wurde 1992 im Vertrag von Maastricht als &#132;Europäisches Polizeiamt&#147; mit Sitz in Den Haag festgeschrieben. Vorausgegangen war ein Vorschlag Deutschlands im Europäischen Rat aus dem Jahr 1991, eine &#132;Europäische Kriminalpolizeiliche Zentralstelle&#147; zu errichten, um die grenzüberschreitende Kooperation zu vereinfachen. Bis zur Ausgestaltung und Annahme eines Europol-Übereinkommens widmete sich Europol ab 1994 in der European Drug Unit (EDU) der Rauschgiftkriminalität und Geldwäsche. In ihrer Geschichtsschreibung sieht Europol 1999 als das Jahr, in dem die Behörde in ihrer heutigen Form entstand. Das Aufgabengebiet wandelte sich hin zu neuen Formen grenzüberschreitender Straftaten, darunter die Fälschung der neuen Euro-Währung und von Kreditkarten, Geldwäsche, Wirtschaftskriminalität und Korruption, Umweltkriminalität, Schutzgelderpressung, KFZ-Kriminalität oder Produktpiraterie, aber auch Kriminalitätsforschung und grenzüberschreitende Aus- und Fortbildung.</p>
<p>Vor fünf Jahren mauserte sich die &#132;Polizeibehörde&#147; Europol schließlich zur &#132;Polizeiagentur&#147; und wird seitdem wie die anderen EU-Agenturen durch den Gesamthaushalt der Europäischen Union finanziert. Das Europol-Übereinkommen wurde durch einen Ratsbeschluss ersetzt. 2011 bezog Europol ein neues Hauptquartier im Stadtteil Statenkwartier in Den Haag. Vor zwei Jahren hatte Europol seine &#132;Arbeits- und Analysedateien&#148; zu bestimmten Kriminalitätsbereichen komplett neu organisiert. Nun heißen sie &#132;Focal Points&#147; und unterteilen sich in die Bereiche &#132;organisierte Kriminalität&#147; und &#132;Terrorismus&#147;. Mitgliedstaaten können einem &#132;Focal Point&#147; nach Belieben beitreten.</p>
<h5 lang="de-DE">Anzahl gespei&shy;cherter Datens&auml;tze erh&ouml;ht sich stetig</h5>
<p>Europol hat Arbeits- oder Kooperationsabkommen mit zehn EU-Einrichtungen (darunter Eurojust und Frontex), 18 Drittstaaten und drei internationalen Einrichtungen (Interpol, UNODC, WCO) abgeschlossen. Zur besseren Zusammenarbeit mit US-Behörden unterhält Europol ein Büro in Washington. Seit vorletztem Jahr betreibt Europol das &#132;Europol Cybercrime Center&#147; (EC3). Im Jahr 2013 arbeiteten 850 Personen bei Europol, darunter 160 sogenannte &#132;Verbindungsbeamte&#147;. Sie sind für den Kontakt zu den Behörden der EU-Mitgliedstaaten verantwortlich.</p>
<p>Laut dem Jahresbericht der EU-Polizeiagentur Europol für 2013 hat sich der Anzahl gespeicherter Datensätze deutlich erhöht: So seien die im Europol Informationssystem abgelegten Objekte damals um 31% auf rund 245.000 angewachsen. Noch drastischer fiel die Zunahme gespeicherter Personen aus. Diese sei um 47% auf rund 71.000 Verdächtige oder verurteilte Straftäter_innen gestiegen. Monatlich seien rund 38.000 Nachrichten getauscht worden, der Jahresbericht spricht von 18.300 grenzüberschreitenden Maßnahmen. In 90 Fällen habe die Agentur dabei ihr &#132;mobiles Büro&#147; zur Verfügung gestellt: So kann bei Hausdurchsuchungen oder anderen Zwangsmaßnahmen jederzeit auf die Informationssysteme von Europol zugegriffen werden.</p>
<h5 lang="de-DE">Neue Werkzeuge zum Data Mining</h5>
<p>In seinem Arbeitsprogramm für 2015 kündigt die Polizeiagentur Europol die Einführung eines ganzen Arsenals neuer Analysesoftware an. Die Rede ist von &#132;fortgeschrittenen Werkzeugen für Datenverarbeitung, aufklärungsbasierte Analyse, darunter auch strategische Analyse und Analyse offener Quellen&#147;. Schon vor zwei Jahren schrieb Europol von Anwendungen zu &#132;Data Fusion&#147;. Gemeint ist Data Mining, also die Möglichkeit, die existierenden Datenbestände in Beziehung zu setzen und grafisch anzuzeigen. Das Wall Street Journal hatte darüber hinaus berichtet, dass Europol an der Entwicklung neuer digitaler Analysewerkzeuge zur Mustererkennung arbeitet. Ausweislich eines Zitats des Europol-Chefs Trols Oerting geht es dabei um Einbrüche in Wohnungen und Fahrzeuge. Eine solche Vorhersagesoftware wird derzeit von mehreren deutschen Landeskriminalämtern getestet. Data Mining und &#132;Predictive Analytics&#147; sollten laut Oerting durch ein 150 Millionen Euro-Programm von Europol beforscht werden. Dabei handelt es sich wohl um das EU-Forschungs- und Rahmenprogramm, wo Europol an einigen Projekten beteiligt ist.</p>
<p>Im Arbeitsprogramm werden die Anwendungen als &#132;future-forecasting and scenario techniques&#147; beschrieben. Es ist aber unklar, inwiefern ihr Einsatz überhaupt rechtlich einwandfrei ist. Data Mining ist Polizeibehörden in Deutschland beispielsweise verboten. Auch die neue &#132;Ma3tch&#147;-Technologie zur Echtzeit-Analyse von Finanzdaten, auf deren Einführung Europol drängt, darf vom deutschen Bundeskriminalamt (BKA) nicht angewandt werden. Würden aus Deutschland angelieferte Daten bei Europol mit automatisierten Verfahren verarbeitet, könnte es sich um einen Verstoß gegen Datenschutzbedingungen handeln. Deutschland ist laut eigenen Angaben &#132;zweitstärkster Nutzer&#147; von Europols Informationssystemen. Auf Nachfrage erklärt die Bundesregierung, ihr sei &#132;nicht bekannt, welche Anwendungen Europol für die konkrete Auswertung einzelner Ersuchen nutzt&#147;. Anfragen aus Deutschland würden &#132;ergebnisorientiert gestellt&#147;, eine Eingrenzung auf bestimmte Analysetools finde nicht statt.</p>
<h5 lang="de-DE">Zentraler Tracking-&shy;Server bei Europol</h5>
<p>Welche weiteren, neuen Anwendungen Europol nun beschaffen will ist ebenfalls unklar, die Worthülsen im Arbeitsprogramm lassen aber einige Rückschlüsse zu. So sollen Verfahren zur Auswertung und zum Vergleich biometrischer Daten eingeführt werden. Europol beabsichtigt, auf das neue EU-System zur Speicherung von Fingerabdrücken im Schengener Informationssystem zuzugreifen. Auch die Beschaffung von Software zur Erkennung von Personen und Sachen in Bild- und Videodaten steht laut dem Arbeitsprogramm auf der Europol-Wunschliste.</p>
<p>Bald sollen die Arbeiten an einem &#132;European Tracking System&#147; abgeschlossen sein, mit dem europäische Polizeibehörden ihre GPS-Peilsender (etwa an Fahrzeugen Verdächtiger) auch grenzüberschreitend betreiben können. Europol richtet hierzu einen zentralen Server ein, der außer durch die Mitgliedstaaten auch von &#132;Third Parties&#147; genutzt werden kann. Die Ausgabeformate der Peilsender werden hierfür standardisiert.</p>
<p>Die EU-Kommission hat nun zusätzliche Mittel von 12,5 Millionen Euro bereitgestellt. Als Begründung der IT-Aufrüstung dient die im Rechtsetzungsverfahren befindliche neue Europol-Verordnung, wonach die Agentur in einem &#132;erweiterten Mandat&#147; ihre Analysefähigkeiten verbessern und ausweiten soll. Geplant ist etwa, dass Europol zukünftig selbst Daten von europäischen Polizeibehörden einsammeln darf und nicht mehr auf entsprechende Lieferungen warten muss. Die Verabschiedung der neuen Verordnung ist aber nicht in Sicht: Die immensen Auswirkungen auf den Datenschutz werden von vielen EU-Abgeordneten kritisiert. Im Entwurf des Rates ist vorgesehen, dass Europol zukünftig selbst nach Informationen suchen darf. Zunächst wäre dies auf das Internet beschränkt. Personenbezogene Daten sind aber ausdrücklich eingeschlossen.</p>
<h5 lang="de-DE">BKA steuert Erfahrungen bei</h5>
<p>Auch die Fähigkeiten zur Verarbeitung von Gesichtsbildern sollen ausgebaut werden. Laut dem Bundesinnenministerium (BMI) sei das Bundeskriminalamt (BKA) von Europol um Informationen zu seinem &#132;Fotovergleichs/-identifizierungswerkzeug&#147; gebeten worden. Dabei sei es auch um Anwendungen gegangen, die beim BKA &#132;in der Erprobung oder in Planung&#147; sind. Als Hintergrund der Anfrage habe Europol ein &#132;stark angestiegenes Datenvolumen&#147; beklagt. Insbesondere fielen immer mehr Bilder und Videoaufnahmen &#132;im Zusammenhang mit der &#130;Syrienreisen-Problematik&#8217;&#147; an. Gemeint sind wohl &#132;ausländische Kämpfer&#147;: Angehörige der EU-Mitgliedstaaten, die sich in Syrien oder dem Irak islamistischen Gruppen anschließen und später nach Europa zurückkehren. Europol hat hierzu ein eigenes Analyseprojekt &#132;Travellers&#147; gestartet, an dem auch das BKA teilnimmt. In umfangreichen Dossiers werden alle verfügbaren Informationen über einzelne Personen zusammengetragen. Die erst letztes Jahr begonnene Datensammlung enthielt zum Stichtag 31. Januar Beiträge zu 2.835 Personen.</p>
<p>Nun ist die Einrichtung eines &#132;Europäischen Zentrum zur Terrorismusbekämpfung&#147; bei Europol geplant. Auch die EU-Kommission schlägt mittlerweile ein solches &#132;European Counter Terrorism Centre&#147; (ECTC) vor. Bisher waren entsprechende Pläne lediglich vom Anti-Terrorismusbeauftragten der EU befürwortet worden. Vor einem Monat hatte schließlich Europol selbst für ein ECTC geworben. Die Polizeiagentur will auf diese Weise auch geheimdienstliche Informationen (&#132;intelligence data&#147;) speichern und analysieren. Europol will dadurch &#132;zentrale Nachrichtenlücken&#147; (&#132;key intelligence gaps&#147;) schließen.</p>
<h5 lang="de-DE">&#132;Vorran&shy;giger Infor&shy;ma&shy;ti&shy;ons&shy;ka&shy;nal&#147; f&uuml;r geheim&shy;dienst&shy;liche Infor&shy;ma&shy;ti&shy;o&shy;nen?</h5>
<p>Das vorgeschlagene ECTC folgt offensichtlich dem Vorbild amerikanischer &#132;Fusion Centres&#147; und dem deutschen &#132;Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum&#147; (GTAZ) in Berlin-Treptow. Dort arbeiten alle zuständigen Polizei- und Geheimdienstbehörden in themenspezifischen Arbeitsgruppen zusammen. Derartige Analysegruppen existieren bei Europol mit den &#132;Focal Points&#147;. Nur eine Woche nach dem Europol-Papier hat auch die Justiz-Agentur Eurojust einen offensichtlich abgestimmten, gleichlautenden Vorschlag zur Verarbeitung von &#132;intelligence data&#147; gemacht. Europol und Eurojust machen sich mit dem neuen Vorschlag den Umstand zunutze, dass es keine einheitliche Definition für den Begriff &#132;intelligence data&#147; gibt.</p>
<p>Europol will sogar zum &#132;vorrangigen Informationskanal&#147; für &#132;intelligence data&#147; werden. Die Daten könnten von Geheimdiensten der Mitgliedstaaten angeliefert werden. In Deutschland wäre dies das Bundesamt für den Verfassungsschutz. Derzeit darf Europol keine als &#132;Geheim&#147; oder &#132;Vertraulich&#147; eingestufte Daten verarbeiten. Das könnte sich laut dem Europol-Papier vom März ändern. Das EU-Anti-Terror-Zentrum soll abgeschottete, abhörsichere Hochsicherheitstrakte erhalten. Dies wäre nötig, um die Anforderungen für die Verarbeitung als vertraulich oder geheim eingestufter Informationen zu erfüllen.</p>
<p>Europol begründet seine Vorschläge mit Aufforderungen des Rates, seine Anstrengungen zum Informationsaustausch unter den Mitgliedstaaten zu verstärken. Derartige Formulierungen waren womöglich gar nicht als Aufforderung zum Aufbau einer geheimdienstlichen Kriminalpolizei gedacht, finden sich aber seit 9/11 in vielen Ratsdokumenten. Auch in den Beschlüssen zur Einrichtung des Schengener Informationssystems, des SWIFT-Abkommens oder Abkommen zum Tausch von Fluggastdaten tauchen Formulierungen zur Verarbeitung von &#132;intelligence data&#147; auf.</p>
<h5 lang="de-DE">Meldestelle f&uuml;r Inter&shy;ne&shy;tin&shy;halte</h5>
<p>Inzwischen hat Europol auch Details zu einer geplanten &#132;EU-Meldestelle für Internetinhalte&#147; skizziert. In einem Konzeptpapier werden Aufgabenbereiche und Vorgehensweisen dieser &#132;EU Internet Referral Unit&#147; beschrieben. Die Pläne zum Aufbau der Meldestelle sind erst seit einem Treffen der EU-Innenminister_innen im März 2015 bekannt.</p>
<p>Im April hatte die EU-Kommission in ihrer &#132;Europäischen Sicherheitsagenda&#147; erklärt, die Meldestelle solle bereits ab dem 1. Juli einsatzbereit und dem ebenfalls noch nicht errichteten &#132;Europäischen Zentrum zur Terrorismusbekämpfung&#147; angegliedert werden. Der Fokus beider Einrichtungen liege demnach zunächst auf islamistischem Terrorismus. Die EU-Mitgliedstaaten sollen nun Kontaktstellen für die Meldestelle benennen. In Deutschland läge die Zuständigkeit wohl bei der Staatsschutzabteilung des Bundeskriminalamts (BKA). Für Mitte April hatte Europol die nationalen Ableger der Meldestelle zu einem operativen Treffen eingeladen.</p>
<p>Europol will mithilfe der neuen Einrichtung den &#132;terroristischen Missbrauch des Internets&#147; eindämmen. Geplant seien sowohl &#132;präventive&#147; als auch &#132;pro-aktive&#147; Maßnahmen. So würden unliebsame Inhalte oder Accounts bei Sozialen Medien markiert und entsprechende Informationen unter den Behörden der EU-Mitgliedstaaten verteilt. Eine &#132;dynamische Aufklärung&#147; soll weitere Informationen zu den dahinter stehenden Personen oder Organisationen besorgen.</p>
<h5 lang="de-DE">&bdquo;Besei&shy;ti&shy;gung&#147; und Sperre</h5>
<p>In der &#132;Europäischen Sicherheitsagenda&#147; hatte die Kommission davon gesprochen, die Meldestelle solle die Mitgliedstaaten bei der &#132;Beseitigung gewalttätiger extremistischer Online-Inhalte&#147; unterstützen. Auch im nun veröffentlichten Europol-Dokument ist die Rede vom &#132;removal of content&#147;. Die ebenfalls erwähnte Sperre (&#132;suspension&#147;) bezieht sich wohl auf Accounts bei Sozialen Medien. Vor jeder Maßnahme soll Europol eine &#132;ganzheitliche Risikoeinschätzung&#147; vornehmen. Diese sollte auch die möglichen Auswirkungen auf die Leser_innen der zu entfernenden Inhalte bewerten.</p>
<p>Doch die Accounts und Webseiten werden von Polizeien und Geheimdiensten auch zur Beobachtung oder Infiltration genutzt. Das Offline-Nehmen von Internetauftritten soll deshalb unterbleiben, wenn sie brauchbare Informationen liefern oder für Ermittlungen benötigt werden. Genannt werden Twitter-Accounts, die &#150; sofern das Geotagging aktiviert ist &#150; GPS-Koordinaten in ISIS-Gebieten offenlegen könnten. Auch würden Geheimdienste über Twitter Informationen über &#132;lokale Ereignisse&#147; erhalten.</p>
<p>Die Meldestelle soll laut der Kommission eng &#132;mit Partnern aus der Wirtschaft&#147; kooperieren. Gemeint sind unter anderem Google, Facebook und Microsoft, mit denen Europol bereits im Oktober vergangenen Jahres zu einem Abendessen zusammenkam. Im Mai ist ein weiteres Treffen geplant. Dort sollen auch &#132;Bedenken der Strafverfolgungsbehörden in Bezug auf die neuen Verschlüsselungstechniken Raum gegeben werden&#147;.</p>
<h5 lang="de-DE">BKA legt Grundstein</h5>
<p>Das deutsche BKA hatte 2007 den Grundstein für die neue Meldestelle gelegt. Damals startete der deutsche Staatsschutz bei Europol das Projekt &#132;Check the Web&#147;, das ebenfalls &#132;Veröffentlichungen terroristischer Organisationen und von Personen aus dem islamistisch-jihadistischen Spektrum&#147; speichert und analysiert. Die Abteilung beschäftigt Linguist_innen für sieben beobachtete Sprachen, darunter auch russisch. Gespeichert werden Videos, Audiodateien, Textveröffentlichungen und Erklärungen. Eine eigens angelegte Analysedatei enthält Daten über mehr als 10.000 &#132;Dokumente und Individuen&#147;. Als &#132;assoziierte Drittstaaten&#147; dürfen derzeit auch die Schweiz und Australien darauf zugreifen.</p>
<p>Die neue Meldestelle will nicht nur auf dem Projekt &#132;Check the Web&#147; aufbauen. Auch die Expertise des gerade einmal zwei Jahre alten &#132;Cybercrime-Zentrums&#147; (EC3) soll bei der Analyse und Beseitigung unliebsamer Inhalte helfen. Im Europol-Dokument werden dessen Fähigkeiten zur &#132;Cyber-Aufklärung&#147; und forensischen Analyse gelobt. Das Zentrum habe auch gute Erfahrung in der Analyse von Massendaten.</p>
<p>Laut der Antwort auf eine Kleine Anfrage ist das BKA an mindestens 17 Maßnahmen von Europol beteiligt, die sämtlich die bessere Ausforschung und Kontrolle des Internet zum Ziel haben. So sollen etwa eine &#132;Internetauswertungskoordinierungsgruppe&#147; gegründet und &#132;Maßnahmen gegen inkriminierte Kommunikationsplattformen&#147; gestartet werden. Die Maßnahmen waren von Europol zuerst im ebenfalls nicht öffentlichen &#132;Operativen Aktionsplan zur Priorität &#130;Cyberangriffe&#145;&#147; aufgeführt worden. Zwar wird als Zeitraum für die Maßnahmen sämtlich das Jahr 2015 angegeben. Einige von ihnen werden aber laut der Bundesregierung erst 2016 beendet.</p>
<h5 lang="de-DE">Ausge&shy;rechnet mit Gro&szlig;bri&shy;tan&shy;nien &#132;Cyber&shy;be&shy;dro&shy;hung&#147; auf Mitglied&shy;s&shy;taaten abwehren</h5>
<p>Mehrere der Projekte werden sogar vom BKA geleitet, bei anderen fungiert die deutsche Behörde als &#132;Co-Leiter&#147; oder als &#132;Unterstützer&#147;. Worin sich die konkrete Beteiligung ausdrückt bleibt unklar, auch die personellen Ressourcen werden nicht mitgeteilt. Laut der Antwort auf eine frühere Kleine Anfrage sind &#132;Aktionsleiter&#147; &#132;insbesondere für die Koordination der Aktivitäten der Teilnehmer an der Maßnahme verantwortlich&#147;. Sie sollten sich des Weiteren &#132;mit den Co-Aktionsleitern zur weiteren Gestaltung der Maßnahme abstimmen und weitere Teilnehmer einbinden&#147;.</p>
<p>Bekannt war bislang lediglich die deutsche Teilnahme an der Arbeitsgruppe &#132;Joint Cyber Action Task Force&#147; (J-CAT). Die Einheit ging im September 2014 bei Europol an den Start und gehört zum European Cybercrime Center. Im Fokus stehen Hackerangriffe, Botnets, Bitcoins und NutzerInnen, die sich via TOR und I2P unsichtbar machen. Die J-CAT soll Bedrohungen möglichst im Vorfeld analysieren und ihre Gefährlichkeit gewichten. Hierfür werden sowohl &#132;offene Quellen&#147; als auch polizeiliche Erkenntnisse aus Ermittlungen genutzt.</p>
<p>Eine der neuen Arbeitsgruppen soll &#132;Cyberbedrohungen mit Auswirkung auf zwei oder mehr Mitgliedstaaten&#147; identifizieren. Die Aktionsleitung ist ausgerechnet Großbritannien übertragen, das nach Medienberichten selbst für einen Cyberangriff auf EU-Einrichtungen verantwortlich sein soll und dabei den Trojaner &#132;Regin&#147; einsetzte. Die Co-Aktionsleitung der Maßnahme liegt bei Europol. Die EU-Agentur hatte damals kein Mandat erhalten, den mutmaßlich vom britischen Geheimdienst GCHQ durchgeführten Angriff aufzuklären.</p>
<p><i><b>MATTHIAS MONROY</b></i> <i>ist Wissensarbeiter, Aktivist und Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Bürgerrechte &#038; Polizei/CILIP. In Teilzeit Mitarbeiter des MdB Andrej Hunko. Publiziert in linken Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien, bei Telepolis, Netzpolitik und in Freien Radios.</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/209/publikation/cybersecurity-initiativen-als-teil-einer-technologieoffensive-1/">Cybersecurity-Initiativen als Teil einer Technologieoffensive</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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		<title>Neues aus der Festung Europa (vollständig)</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Apr 2015 09:59:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bewegungsmelder, Zusammenarbeit mit Folterstaaten, weitere Datenbanken, aber keine Seenotrettung: Wie die Europ&#228;ische Union die Grenz&#252;berwachung aufr&#252;stet, aus: vorg&#228;nge Nr. 208 (Heft 4/2014), S. 79-88 (Red.) Nahezu t&#228;glich sterben an den EU-Au&#223;engrenzen Menschen: an den Grenzz&#228;unen in den spanischen Enklaven Ceuta und Melilla, entlang der Grenzen in Osteuropa, in Griechenland und der T&#252;rkei. Die Trag&#246;dien im [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/208/publikation/neues-aus-der-festung-europa-vollstaendig/">Neues aus der Festung Europa (vollständig)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Bewegungsmelder, Zusammenarbeit mit Folterstaaten, weitere Datenbanken, aber keine Seenotrettung: Wie die Europ&auml;ische Union die Grenz&uuml;berwachung aufr&uuml;stet, aus: vorg&auml;nge Nr. 208 (Heft 4/2014), S. 79-88</p>
<p><i>(Red.) Nahezu t&auml;glich sterben an den EU-Au&szlig;engrenzen Menschen: an den Grenzz&auml;unen in den spanischen Enklaven Ceuta und Melilla, entlang der Grenzen in Osteuropa, in Griechenland und der T&uuml;rkei. Die Trag&ouml;dien im Mittelmeer mit Hunderten von Toten setzen sich fort. Wider die Einhaltung von Menschenrechten nimmt die EU die Tode dieser Menschen in Kauf und bleibt bei ihrer politischen Strategie der Grenzsicherung. Die Grausamkeit der dabei zum Einsatz kommenden Mittel wird in der Regel verschwiegen.</i></p>
<p>Einen &#8222;neuen Grad der Grausamkeit&#8220;(1) nannte die Pressesprecherin der EU-Grenzagentur Frontex die beiden ausgemusterten Frachtschiffe &#8222;Ezadeen&#8220; und &#8222;Blue Sky M&#8220;, mit denen zu Beginn des Jahres 2015 rund 1.300 gr&ouml;&szlig;tenteils syrische Fl&uuml;chtlinge Kurs auf die Europ&auml;ische Union genommen hatten. Beide Schiffe stachen Ende Dezember vermutlich im t&uuml;rkischen Mersin in See. Beim Erreichen italienischer Gew&auml;sser hatte die Besatzung das Weite gesucht oder sich unter die Passagiere gemischt. Nun ermittelt die Polizei und wertet die Handydaten der Reisenden aus, um zu erfahren, wer zu den Organisatoren der &Uuml;berfahrt geh&ouml;rt.</p>
<p>Dass manche Menschen aus der Not von Gefl&uuml;chteten Kapital schlagen, ist nicht von der Hand zu weisen. Andererseits gehen sie aber auch ein hohes Risiko ein, denn bei Ergreifen drohen satte Strafen. 25 Jahre nach dem deutschen Mauerfall gelten Fluchthelfer_innen nicht mehr als Helden, sondern als &#8222;Schlepper&#8220;, &#8222;Schleuser&#8220; oder &#8222;Menschenschlepper&#8220;. Das Wording ist doppelb&ouml;dig: Fluchthelfer_innen gelten als Kriminelle, die Gefl&uuml;chteten als Opfer. Die kommerzielle Fluchthilfe w&auml;re aber &uuml;berfl&uuml;ssig, w&uuml;rde sich die EU f&uuml;r sichere &Uuml;berfahrten einsetzen. Nicht nur die B&uuml;rgermeisterin von Lampedusa fordert deshalb sichere Korridore, um den Gefl&uuml;chteten halsbrecherische &Uuml;berfahrten und viel Geld zu ersparen.</p>
<p>Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 2014 mindestens 3.400 Menschen im Mittelmeer ertrunken,(2) eine deutliche Zunahme gegen&uuml;ber den Vorjahren. Angesichts der ebenfalls zunehmenden &Uuml;berwachung der Land- und Seegrenzen der EU-Mitgliedstaaten warnt Frontex seit l&auml;ngerem vor einem zunehmenden &#8222;Migrationsdruck&#8220; auch &uuml;ber das Schwarze Meer. Die Agentur scheint Recht zu behalten: Anfang November sank im Bosporus ein Schiff mit 40 afghanischen Migranten_innen, mindestens 24 von ihnen starben.</p>
<p>Grausam sind nicht die kreativen M&ouml;glichkeiten, mit denen Migranten_innen stets aufs Neue die Hindernisse bei der Einreise umgehen. Grausam ist vielmehr das System, das die Schutzsuchenden &uuml;berhaupt zu neuen Mitteln und Routen zwingt.</p>
<h5>&bdquo;Task Force Mittelmeer&ldquo; zur Verhin&shy;de&shy;rung unerw&uuml;nschter Migration</h5>
<p>Nachdem im Oktober 2013 &uuml;ber 800 Migranten_innen bei zwei Schiffskatastrophen vor Lampedusa ertrunken waren, hatte die EU eine &#8222;Task Force Mittelmeer&#8220; ins Leben gerufen.(3) Die Gruppe erarbeitet Vorschl&auml;ge zur Verhinderung unerw&uuml;nschter Migration und gibt diese an die EU-Mitgliedstaaten weiter. Au&szlig;er Frontex und der EU-Polizeiagentur Europol macht auch der Ausw&auml;rtige Dienst, der f&uuml;r die Au&szlig;en- und Milit&auml;rpolitik der EU zust&auml;ndig ist, bei der &#8222;Task Force&#8220; mit. Ziel ist die Erstellung eines Konzeptes f&uuml;r Grenz&uuml;berwachungsma&szlig;nahmen &#8222;von Zypern bis Spanien&#8220;. Geraten wird, st&auml;rker mit den Durchreisel&auml;ndern &Auml;gypten, Libyen und Algerien zu kooperieren. Die unverz&uuml;gliche R&uuml;ckf&uuml;hrung von ausreisepflichtigen Migrante_innen soll oberste Priorit&auml;t haben. Auch die bessere Nutzung &#8222;moderner &Uuml;berwachungstechnologien&#8220; wird empfohlen.</p>
<p>Immerhin macht die &#8222;Task Force Mittelmeer&#8220; auch Vorschl&auml;ge, die den Gefl&uuml;chteten selbst zugute kommen sollen. Um etwa deren Situation in den Herkunftsl&auml;ndern zu verbessern m&uuml;ssten neue Schutzprogramme eingerichtet und verst&auml;rkt werden. Programme in Libyen, Tunesien und &Auml;gypten sollten auf- oder ausgebaut werden, damit dort funktionierende Asylsysteme entstehen. Auch dahinter d&uuml;rfte sich aber das Bed&uuml;rfnis nach mehr Migrationskontrolle verbergen: Denn geraten wird ebenfalls, dass die EU mit den nordafrikanischen L&auml;ndern Abschiebeabkommen unterzeichnet, um die in der EU unwillkommenen Gefl&uuml;chteten m&ouml;glichst schnell wieder loszuwerden.</p>
<h5>&bdquo;Mare Nostrum&ldquo; schrumpft zu &bdquo;Triton&ldquo;</h5>
<p>Nach der doppelten Katastrophe vor Lampedusa hatte Italien die Operation &#8222;Mare Nostrum&#8220; (&#8222;Unser Meer&#8220;) gestartet. Mehrere Schiffe, Flugzeuge und Drohnen des Milit&auml;rs patrouillierten auf dem Mittelmeer zwischen Italien im Norden und &Auml;gypten, Tunesien und Libyen im S&uuml;den, um Migranten_innen in ihren zumeist &uuml;berf&uuml;llten Booten aufzugreifen und zum italienischen Festland zu bringen. Zun&auml;chst als Militarisierung der Migrationsabwehr kritisch be&auml;ugt, entwickelte sich &#8222;Mare Nostrum&#8220; tats&auml;chlich zu einer gro&szlig; angelegten Rettungsaktion: Mehr als 140.000 Menschen sollen allein bis zum Herbst auf dem Meer aufgegriffen worden sein.(4)</p>
<p>Italien hatte stets betont, es handle sich bei der gro&szlig;en Zahl Gefl&uuml;chteter um ein europ&auml;isches Problem, weshalb die EU gemeinsam reagieren m&uuml;sse. Die Regierung drohte mehrmals an, &#8222;Mare Nostrum&#8220; ersatzlos einzustellen. Gleichzeitig hagelte es Kritik von der italienischen Rechten, die die Mission als Ermutigung zu illegalen &#8222;Schleusungen&#8220; darstellte. Gefl&uuml;chtete w&uuml;rden regelrecht ermutigt, mit seeunt&uuml;chtigen Booten aufs Meer zu fahren, um sich dann retten zu lassen.</p>
<p>Im Sommer k&uuml;ndigte die EU-Kommission an, &#8222;Mare Nostrum&#8220; durch eine Mission &#8222;Frontex Plus&#8220; zu ersetzen. Daraus wurde jedoch nichts: Nach Verhandlungen mit Italien betonten Frontex und die Kommission, es handele sich keineswegs um einen Ersatz f&uuml;r die gro&szlig;angelegte italienische Seenotrettung im Mittelmeer. Stattdessen w&uuml;rde Frontex seine bereits existierenden Missionen vor der italienischen K&uuml;ste neu strukturieren und in einer neuen Mission &#8222;Triton&#8220; zusammenfassen. Nun wartet Frontex seit November in italienischen Hoheitsgew&auml;ssern darauf, wer es &uuml;berhaupt noch bis Europa schafft. &#8222;Triton&#8220; ist mit einem bescheidenen Budget von monatlich 2,9 Millionen Euro ausgestattet. &#8222;Mare Nostrum&#8220; verf&uuml;gte &uuml;ber monatlich rund 9 Millionen Euro.(5)</p>
<h5>EU nimmt neues Grenz&shy;&uuml;ber&shy;wa&shy;chungs&shy;system in Betrieb</h5>
<p>Vor einem Jahr hat die EU ihr neues Grenz&uuml;berwachungssystem EUROSUR gestartet(6). Ziel ist zun&auml;chst die Bek&auml;mpfung unerw&uuml;nschter Migration auf See. Boote mit Gefl&uuml;chteten sollen m&ouml;glichst noch aufgehalten werden, bevor sie die Gew&auml;sser von EU-Mitgliedstaaten erreichen. Als Hauptquartier von EUROSUR fungiert der Sitz von Frontex in Warschau, wo in einer neuen Kommandozentrale jeder Vorfall an einer EU-Au&szlig;engrenze grafisch angezeigt wird.</p>
<p>Au&szlig;er den Alarmmeldungen der Mitgliedstaaten erh&auml;lt Frontex Zugriff auf ein satellitengest&uuml;tztes Aufkl&auml;rungssystem. Etliche EU-Forschungsprogramme haben bereits satellitengest&uuml;tzte Anwendungen f&uuml;r Polizei- und Grenzbeh&ouml;rden entwickelt. Die Forschungen zielten auf die Entwicklung einer Software, die bestimmte Risikoindikatoren verarbeitet, etwa langsam fahrende Boote, bekannte Migrationsrouten oder das Ablegen von unbesiedeltem Gebiet. Auf diese Weise k&ouml;nnten Boote mit Gefl&uuml;chteten automatisiert aufgesp&uuml;rt werden. Auch Daten aus Schiffsortungssystemen werden eingebunden. Gro&szlig;e Schiffe sind zur Mitf&uuml;hrung von Transpondern verpflichtet, die stets den aktuellen Standort und Schiffsdaten mitteilen. Im Herbst meldete die EU-Kommission einen ersten Erfolg: In Kooperation von Frontex mit der EU-Agentur f&uuml;r die Sicherheit des Seeverkehrs und dem EU-Satellitenzentrum sei es erstmals gelungen, mit EUROSUR ein Schlauchboot mit Migrant_innen aufzusp&uuml;ren.</p>
<h5>Ein neues Kontroll&shy;system mit dem niedlichen Namen &bdquo;Seepferd&shy;chen&ldquo;</h5>
<p>Im Oktober vergangenen Jahres hatte der EU-Rat Schlussfolgerungen zur besseren Handhabung von &#8222;Migrationsstr&ouml;men&#8220; ver&ouml;ffentlicht(7). Dort hei&szlig;t es, dass vermehrt mit Libyen, Tunesien und &Auml;gypten zusammengearbeitet werden m&uuml;sse. So soll etwa der Handel mit Booten verhindert werden, damit Migranten_innen erst gar nicht in Richtung Europa in See stechen k&ouml;nnen.</p>
<p>Deutschland verhandelt derzeit ein Polizeiabkommen mit &Auml;gypten, obwohl den dortigen Sicherheitsbeh&ouml;rden von Menschenrechtsorganisationen Folter und Misshandlung vorgeworfen wird. Auch in Libyen und Tunesien ist die Bundesregierung an der Reorganisation des Sicherheitsapparates beteiligt.</p>
<p>Um die L&auml;nder des Arabischen Fr&uuml;hlings in die EU- Migrationsabwehr zu integrieren, errichtet die Regierung Spaniens das kleinere grenzpolizeiliche &Uuml;berwachungsnetzwerk &#8222;Seepferdchen Mittelmeer&#8220; (&#8222;Seahorse Mediterraneo&#8220;). An dem von der spanischen Guardia Civil gef&uuml;hrten Projekt wollen alle s&uuml;dlichen EU-Mitgliedstaaten teilnehmen, die eine Au&szlig;engrenze am Mittelmeer haben (Frankreich, Italien, Portugal, Malta, Griechenland und Zypern). Das Projekt folgt einem bereits existierenden Netzwerk &#8222;Seepferdchen Atlantik&#8220;, das ebenfalls unter spanischer Leitung steht. Auch Mauretanien, Marokko, Senegal, Gambia, Guinea Bissau und die Kap Verden sind dort mit &#8222;regionalen Koordinierungszentren&#8220; angeschlossen. &#8222;Seepferdchen Mittelmeer&#8220; soll ab 2015 in Betrieb genommen werden. Dann k&ouml;nnen alle teilnehmenden Staaten Informationen &uuml;ber Zwischenf&auml;lle und Patrouillen per Satellitenkommunikation &#8222;in Beinahe-Echtzeit&#8220; austauschen.</p>
<p>Vor zwei Jahren hat die Regierung in Tripolis eine Erkl&auml;rung unterzeichnet, wonach das Land an &#8222;Seepferdchen Mittelmeer&#8220; mitarbeiten will und hierf&uuml;r Lagenzentren der Marine und der K&uuml;stenwache in Benghasi und Tripolis einrichtet. (7)&nbsp;Beide Beh&ouml;rden unterstehen dem Verteidigungsministerium. Mit dem libyschen Milit&auml;r war vereinbart worden, im April 2014 eine Ausschreibung f&uuml;r &#8222;gemeinsame Infrastruktur&#8220; zu ver&ouml;ffentlichen. Hierzu geh&ouml;rt sowohl die Ausr&uuml;stung als auch die Beschaffung von Hard- und Software.</p>
<p>&#8222;Seepferdchen Mittelmeer&#8220; und damit auch die libysche K&uuml;stenwache wird in EUROSUR integriert. Zwar d&uuml;rfen bei EUROSUR nur EU-Mitglieder teilnehmen. Dessen ungeachtet fordert der Rat der Europ&auml;ischen Union nun aber weitere Anstrengungen, um auch andere &#8222;relevante Staaten&#8220; Nordafrikas zur Teilnahme an &#8222;Seepferdchen Mittelmeer&#8220; zu bewegen. Genannt werden Tunesien, Algerien und &Auml;gypten. Laut der EU-Kommission sei der Druck auf die L&auml;nder aber nicht ausreichend. Aus einem Kommissionsdokument geht hervor, dass auch Tunesien mit &#8222;Schiffen, Fahrzeugen, technischer Ausr&uuml;stung und Trainings&#8220; aus EU-Mitteln unterst&uuml;tzt wird. Ein &auml;hnliches Projekt sei f&uuml;r &Auml;gypten &#8222;in der Pipeline&#8220;. Mit anderen afrikanischen L&auml;ndern sei ebenfalls eine &#8222;Verbesserung des Austauschs von Aufkl&auml;rungsdaten&#8220; angestrebt.</p>
<h5>EU-Po&shy;li&shy;zei&shy;zen&shy;tren in &bdquo;Dritt&shy;staaten&ldquo;</h5>
<p>Mittlerweile existieren in der gesamten EU rund 40 sogenannte Zentren f&uuml;r die Polizei- und Zollzusammenarbeit. Sie wurden nach Wegfall der Binnengrenzkontrollen errichtet und sollen die benachbarten Sicherheitsbeh&ouml;rden miteinander verzahnen. Gew&ouml;hnlich bestehen sie aus zwei Mitgliedstaaten. Nun verlagern sich diese Einrichtungen allerdings an die EU-Au&szlig;engrenzen: Im bulgarischen Swilengrad wird derzeit das erste Zentrum aufgebaut, an dem mit der T&uuml;rkei ein Nicht-EU-Staat mitarbeitet. Auch die EU-Agenturen Frontex und Europol sollen mitarbeiten. Eine entsprechende Absichtserkl&auml;rung zwischen der griechischen, t&uuml;rkischen und bulgarischen Regierung ist mittlerweile unterzeichnet, nun wird ein endg&uuml;ltiger Rahmenvertrag ausgehandelt.</p>
<p>Vergangenen Sommer schlug die italienische Regierung vor, in Libyen oder Tunesien ein solches Zentrum f&uuml;r die Polizei- und Zollzusammenarbeit anzusiedeln.(9) Demnach soll der Polizeiposten dabei helfen, einen &#8222;G&uuml;rtel&#8220; um den Mittelmeerraum und den Balkan zu ziehen. Sowohl das Zentrum in Bulgarien als auch jenes in Libyen oder Tunesien soll nach dem Vorschlag Informationen mit zwei italienischen Kommandozentralen austauschen, die daf&uuml;r in der Region Apulien und auf Sizilien errichtet werden. Italien w&uuml;rde dabei von seiner traditionell guten Polizeizusammenarbeit auf dem Balkan profitieren.</p>
<p>Die Regierung in Rom ist sich offenbar bewusst, dass ein EU-Polizeiposten in Nordafrika von keiner existierenden Regelung gedeckt w&auml;re. Weder Frontex noch Europol haben beispielsweise mit Tunesien oder Libyen Arbeitsabkommen unterzeichnet. Italien schl&auml;gt daher vor, &#8222;Ad hoc-Vereinbarungen&#8220; mit den L&auml;ndern abzuschlie&szlig;en. Es handelt sich dabei um eine neue Vorgehensweise, die &#8222;nicht auf die Zur&uuml;ckweisung irregul&auml;rer Migranten&#8220; beschr&auml;nkt sei. Die Zentren k&ouml;nnten als &#8222;Antenne&#8220; dienen, um bestimmte Kriminalit&auml;tsph&auml;nomene aufzukl&auml;ren. Genannt werden &#8222;Terrorismus, illegale Einwanderung, Menschenhandel und organisiertes Verbrechen&#8220;.</p>
<h5>Seit wann sind Grenzen intel&shy;li&shy;gent?</h5>
<p>Neben der Grenz&uuml;berwachung werden auch Grenzkontrollsysteme aufger&uuml;stet. Die EU-Mitgliedstaaten haben sich darauf geeinigt, das seit 2008 geplante System &#8222;Intelligente Grenzen&#8220; dieses Jahr in einem Pilotprojekt zu testen.(10) Bei allen Grenz&uuml;bertritten an den EU-Au&szlig;engrenzen sollen Reisende zuk&uuml;nftig bis zu zehn Fingerabdr&uuml;cke abgeben. Dies betr&auml;fe s&auml;mtliche Angeh&ouml;rigen von &#8222;Drittstaaten&#8220;, also jenen L&auml;ndern au&szlig;erhalb der EU. Dabei soll es keine Rolle spielen, ob diese aus gesch&auml;ftlichen, touristischen oder schutzbed&uuml;rftigen Gr&uuml;nden einreisen. Ziel ist, sogenannte Over-Stayer aufzusp&uuml;ren. Gemeint sind Personen, die zwar mit einem legalen Aufenthaltstitel (gew&ouml;hnlich ein Visum) einreisen, die dort festgeschriebene Aufenthaltsdauer aber &uuml;berschreiten.</p>
<p>Zu diesem &#8222;Ein-/Ausreiseystem&#8220; soll sich ein weiteres Programm zur Bevorzugung von &#8222;vertrauensw&uuml;rdigen Vielreisenden&#8220; gesellen. F&uuml;r eine Geb&uuml;hr von 20 Euro k&ouml;nnen vorab biometrische Daten auf einer Chipkarte hinterlegt werden. Damit k&ouml;nnen die Reisenden elektronische Kontrollgates nutzen, wie sie derzeit auch an mehreren deutschen Flugh&auml;fen installiert werden.</p>
<p>Das gesamte &#8222;Ma&szlig;nahmenpaket intelligente Grenzen&#8220; soll nach gegenw&auml;rtigem Stand 1,35 Milliarden Euro kosten und wird massive Investitionen f&uuml;r biometrische Systeme zur Folge haben. Viele Mitgliedstaaten hatten Bedenken wegen der hohen Kosten f&uuml;r die grenzpolizeiliche Datensammlung ge&auml;u&szlig;ert. Allerdings f&uuml;hrte dies nicht zum Abbruch des Projekts. Im Gegenteil konnten sich jene Staaten durchsetzen, die das System f&uuml;r polizeiliche Zwecke erweitern wollen, denn erst dadurch w&uuml;rde es sich lohnen.</p>
<h5>Mehr Kontrolle auch an den Binnen&shy;grenzen</h5>
<p>Urspr&uuml;nglich sollte die Aufr&uuml;stung der EU-Au&szlig;engrenzen mit dem Abbau der Binnengrenzen einhergehen. Das Schengener Abkommen regelt diese Freiz&uuml;gigkeit, die einst als gr&ouml;&szlig;te Errungenschaft der Europ&auml;ischen Union galt: Jeder Mensch, unabh&auml;ngig von seiner Herkunft, hat das Recht die Grenzen zwischen den Mitgliedstaaten ohne jede Kontrolle zu &uuml;berqueren.</p>
<p>Alle am Schengen-System teilnehmenden Regierungen (auch Island, die Schweiz und Norwegen) verpflichten sich, s&auml;mtliche Kontrollstellen an den Binnengrenzen abzubauen. Lediglich beim Vorliegen einer &#8222;ernsthaften Bedrohung&#8220; d&uuml;rfen die Grenzstationen wieder besetzt werden.</p>
<p>Ungeachtet dessen werden Migranten_innen signifikant h&auml;ufig nach rassistischen Kriterien in grenznahen Bereichen kontrolliert und durchsucht. Nun m&uuml;ssen sich Gefl&uuml;chtete bei der Durchreise durch Schengen-Staaten noch mehr vorsehen als ohnehin. Bereits zum siebten Mal haben die EU-Mitgliedstaaten eine gro&szlig;angelegte Polizeioperation f&uuml;r beinahe das gesamte Gebiet der Europ&auml;ischen Union durchgef&uuml;hrt.(11) Zwei Wochen lang wurde an Bahnh&ouml;fen, Autobahnen und Flugh&auml;fen verst&auml;rkt kontrolliert. Solche &#8222;Gemeinsamen Polizeioperationen&#8220; werden von der jeweils amtierenden EU-Pr&auml;sidentschaft organisiert. Die italienische Operation firmierte als &#8222;Mos maiorum&#8220;, was &uuml;bersetzt etwa &#8222;Die Sitten der Ahnen&#8220; bedeutet. Im alten Rom war damit die unbedingte Einhaltung von Recht und Ordnung gemeint, um den Aufstieg zur Weltmacht zu sichern. Dies schloss religi&ouml;sen und milit&auml;rischen Gehorsam ein.</p>
<p>Die halbj&auml;hrlichen Operationen sind mittlerweile zur Regel geworden, nur Griechenland hatte w&auml;hrend seines EU-Vorsitzes darauf verzichtet. Die Kontrollen werden dabei gr&ouml;&szlig;tenteils aus dem regul&auml;ren Dienst heraus vorgenommen: Denn auch au&szlig;erhalb solcher Operationen sind die Polizeibeh&ouml;rden im Rahmen ihrer grenz- und bahnpolizeilichen Aufgabenwahrnehmung t&auml;glich an Bahnh&ouml;fen, Flugh&auml;fen und bekannten Fernstra&szlig;en auf der Pirsch nach Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus. Insgesamt sind an &#8222;Gemeinsamen Polizeioperationen&#8220; bis zu 20.000 Polizisten_innen beteiligt. Bei den vergangenen Operationen &#8222;Mitras&#8220;, &#8222;Hermes&#8220; oder &#8222;Perkunas&#8220; waren in Deutschland jeweils um die 2.000 Menschen ohne g&uuml;ltige Papiere festgestellt worden. Wie viele von ihnen daraufhin inhaftiert wurden, ist nicht bekannt.</p>
<p>Alle anfallenden Informationen werden an die verantwortliche Regierung und schlie&szlig;lich an die EU-Grenzagentur Frontex weitergereicht. Die anonymisierten Daten zu Geschlecht, Staatsangeh&ouml;rigkeit, Reiserouten und Ziell&auml;ndern werden dann in Risikoanalysen verarbeitet, mit denen Frontex Migrationsstr&ouml;me darstellt und Prognosen &uuml;ber zuk&uuml;nftige Routen entwirft.</p>
<h5>&bdquo;Notfall&shy;me&shy;cha&shy;nismus&ldquo; bei zu viel Migration</h5>
<p>Die mit Abstand meisten Gefl&uuml;chteten reisen &uuml;ber Italien in die EU ein. Gem&auml;&szlig; den Dublin-Vertr&auml;gen ist Italien damit f&uuml;r die Bearbeitung von Asylantr&auml;gen der Betroffenen sowie deren Unterbringung zust&auml;ndig. Deutschland und Frankreich, aber auch einige andere Mitgliedstaaten werfen Italien allerdings vor, nicht wie vorgeschrieben von allen irregul&auml;r Eingereisten die Fingerabdr&uuml;cke abzunehmen. So k&ouml;nnten diese ungehindert weiterreisen und in anderen L&auml;ndern um Asyl nachsuchen.&nbsp;</p>
<p>Schon kurz nach den Revolten in Tunesien, &Auml;gypten und Libyen hatten Deutschland und Frankreich vorgesorgt. Auf Druck der beiden Regierungen hat die EU 2013 Jahr das Schengener Abkommen um einen &#8222;Notfallmechanismus&#8220; erg&auml;nzt.(12) Die Grenzposten an Binnengrenzen d&uuml;rfen nun wieder in Betrieb genommen werden, wenn ein anderer Mitgliedstaat von zu viel unerw&uuml;nschter Migration an seiner EU-Au&szlig;engrenze betroffen ist. Ein solches Verfahren war bereits bekannt, wenn unliebsame Gipfeldemonstranten_innen und Fu&szlig;ballfans f&uuml;r bis zu vier Wochen an der Aus-&nbsp; oder Einreise gehindert werden sollten.</p>
<p>Der damalige Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und sein franz&ouml;sischer Amtskollege schlugen f&uuml;r den neuen &#8222;Notfallmechanismus&#8220; ebenfalls eine Dauer von 30 Tagen vor. Allerdings geht die schlie&szlig;lich verabschiedete &Auml;nderung deutlich dar&uuml;ber hinaus: Zun&auml;chst d&uuml;rfen die Binnengrenzen eines Landes f&uuml;r sechs Monate kontrolliert werden. Dieser Zeitraum kann dreimal verl&auml;ngert werden, insgesamt also bis zu 24 Monate. Die neue Regelung gilt seit dem vergangenen Herbst.</p>
<p>Gem&auml;&szlig; dem nun versch&auml;rften Schengener Abkommen m&uuml;ssen die bis zu zwei Jahre w&auml;hrenden Grenzkontrollen gut begr&uuml;ndet werden: M&ouml;glich sind sie dann, wenn einer Regierung &#8222;anhaltende schwerwiegende M&auml;ngel&#8220; bei den Kontrollen ihrer EU-Au&szlig;engrenzen vorgeworfen werden k&ouml;nnen und das Funktionieren des Schengen-Raums &#8222;insgesamt gef&auml;hrdet ist&#8220;. Wenn es dadurch in einem anderen Land zu einer &#8222;ernsthaften Bedrohung der &ouml;ffentlichen Ordnung oder der inneren Sicherheit&#8220; kommt, darf wieder kontrolliert werden.</p>
<h5>Deutsche Polizei patrouil&shy;liert in Norditalien</h5>
<p>Faktisch sind deutsche Innenministerien allerdings l&auml;ngst bei versch&auml;rften Kontrollen der Binnengrenzen behilflich. Seit mehreren Jahren sind deutsche Polizist_innen in Norditalien unterwegs, um dort zusammen mit italienischen Grenzbeh&ouml;rden irregul&auml;re Migrant_innen aufzusp&uuml;ren.(13) Auch Polizisten_innen aus &Ouml;sterreich sind beteiligt. Die Patrouillen zielen offenbar auf grenz&uuml;berschreitende Z&uuml;ge auf italienischem Hoheitsgebiet. Seit November wurden diese &#8222;trilateralen Streifen&#8220; deutlich verst&auml;rkt.</p>
<p>Ziel ist laut einer Mitteilung des Bundesinnenministeriums eine &#8222;Erh&ouml;hung der Kontrolldichte&#8220;. In die neuen Ma&szlig;nahmen seien die bayerische Polizei, die Bundeszollverwaltung und &#8222;weitere Sicherheitspartner sowie die Eisenbahnunternehmen&#8220; eingebunden. Weitere Details, etwa zu deren T&auml;tigkeiten, werden nicht genannt. Laut dem Bundesinnenministerium haben Deutschland, &Ouml;sterreich und Italien vereinbart, die europ&auml;ischen &#8222;Bem&uuml;hungen zur Eind&auml;mmung der illegalen Migration&#8220; durch &#8222;weitere konkrete bi- und trilaterale Aktivit&auml;ten&#8220; zu erg&auml;nzen. Benannt werden diese aber nicht.</p>
<h5>Neue Infor&shy;ma&shy;ti&shy;ons&shy;sys&shy;teme sind unterwegs</h5>
<p>Zu den im Schengener Abkommen festgelegten &#8222;Ausgleichsma&szlig;nahmen&#8220; geh&ouml;ren Datenbanken wie das Schengener Informationssystem (SIS), das nicht nur der Migrationskontrolle dient. Mittlerweile gibt es das SIS in einer zweiten Generation, nun k&ouml;nnen auch biometrische Daten angeh&auml;ngt werden. Neue Datensammlungen sind unterwegs. Mittlerweile ist auch der Vorschlag eines EU-Passagierdatensystems nach US-Vorbild wieder auf der Agenda. Vor jedem interkontinentalen Flug, vermutlich aber auch bei allen Verkehren innerhalb der EU-Mitgliedstaaten sollen Grenzbeh&ouml;rden umfangreiche Personendaten austauschen, um diese mit eigenen Datenbanken abzugleichen.</p>
<p>Weil der &Uuml;berblick langsam verloren geht, hat die EU mittlerweile eine eigene Agentur f&uuml;r das Betriebsmanagement von IT-Gro&szlig;systemen (eu-LISA) eingerichtet. Die Agentur in Estland ist ausschlie&szlig;lich f&uuml;r migrantische Datensammlungen zust&auml;ndig. Derzeit werden dort das Visa-Informationssystem, die Fingerabdruckdatenbank und das Schengener Informationssystem verwaltet. Sp&auml;ter soll die geplante Vorratsdatenspeicherung zu Ein- und Ausreisen hinzukommen, auch die Passagierdatensammlung k&ouml;nnte von eu-LISA verantwortet werden.</p>
<p>Allerdings gibt es weit mehr europ&auml;ische Informationssysteme: Daten werden &uuml;ber die EU-Polizeiagentur Europol oder die internationale Polizeiorganisation Interpol an &#8222;Drittstaaten&#8220; weitergegeben. Weitere Kan&auml;le der digitalen Zusammenarbeit sind die &uuml;ber 40 Zentren f&uuml;r die Polizei- und Zollzusammenarbeit und die bei verschiedenen Beh&ouml;rden angesiedelten &#8222;Verbindungsbeamten&#8220;. Im &#8222;schwedischen Rahmenbeschluss&#8220; und dem &#8222;Vertrag von Pr&uuml;m&#8220; sind ebenfalls Absprachen zur Datenverarbeitung festgelegt. Getauscht werden DNA-Profile, Fingerabdr&uuml;cke und Daten aus Fahrzeugregistern.</p>
<h5>Wer verdient eigentlich an der Aufr&uuml;stung der Grenzen?</h5>
<p>Seit dem Sommer 2013 geh&ouml;rt Kroatien zur Europ&auml;ischen Union, ist aber noch kein Vollmitglied des Schengen-Raums. Die Kontrollen an den Binnengrenzen, also zu den umliegenden EU-Mitgliedstaaten, werden deshalb aufrechterhalten. Das gilt auch f&uuml;r Bulgarien und Rum&auml;nien, die mittlerweile einem harten Kontrollverfahren unterworfen wurden: In einem regelm&auml;&szlig;igen Fortschrittsbericht stellt die EU-Kommission Forderungen auf, die die beiden L&auml;ndern im darauf folgenden Jahr abarbeiten m&uuml;ssen.</p>
<p>Eine der wichtigsten Voraussetzungen zum Schengen-Beitritt ist die Installation moderner Grenzsicherungssysteme. Der Beitritt Rum&auml;niens erforderte f&uuml;r seinen insgesamt 3.147 Kilometer langen Grenzverlauf h&ouml;here Investitionen: F&uuml;r eine Milliarde Euro kaufte die Regierung ein Grenz&uuml;berwachungssystem von EADS (mittlerweile umbenannt in Airbus Defence and Space). In Rum&auml;nien d&uuml;rfte man sich daran nur ungut erinnern: Zwar wird in jedem Fortschrittsbericht zum Schengen-Beitritt die Bek&auml;mpfung der Korruption angemahnt. Der Auftrag an EADS wurde aber ohne Ausschreibung vergeben, was im Inland sowie bei der EU heftige Kritik nach sich zog und dem Konzern Ermittlungen wegen Korruption einbrachte.(14)</p>
<p>Auch der EU-Beitritt Bulgariens lie&szlig; die Kassen europ&auml;ischer R&uuml;stungskonzerne klingeln: Die in Bremen ans&auml;ssige Firma ATLAS hatte der Regierung ein seeseitiges &Uuml;berwachungssystem f&uuml;r die 350 Kilometer lange K&uuml;ste verkauft. Das zust&auml;ndige Innenministerium verf&uuml;gt &uuml;ber neue Patrouillenboote, ein Oberfl&auml;chenradar, fl&auml;chendeckende Video&uuml;berwachung und die Einbindung von Schiffsortungssystemen. Obwohl das Parlament dagegen stimmte, hat Bulgarien die Landgrenze zur T&uuml;rkei inzwischen mit einem rund 30 Kilometer langen Zaun verst&auml;rkt. Im Dezember 2014 k&uuml;ndigte die Regierung an, den Zaun um weitere 130 Kilometer zu verl&auml;ngern.</p>
<p>Die EU-Au&szlig;engrenzen werden in beispielloser Weise zur Migrationsabwehr hochger&uuml;stet. Deutsche Firmen verdienen daran pr&auml;chtig. Die EU-Grenzpolitik wird aber nur zu weiteren Toten f&uuml;hren, denn die von Gefl&uuml;chteten gew&auml;hlten Routen werden zusehends riskanter. Das hat auch die Grenzagentur FRONTEX erkannt, die nun prognostiziert, dass der Landweg &uuml;ber die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla st&auml;rker frequentiert werden wird. Die in drei Reihen angeordneten, meterhohen Grenzz&auml;une sind mit einem Klingendraht gesichert, der beim &Uuml;berklettern schwere, mitunter auch t&ouml;dliche Verletzungen verursacht. Wieder f&uuml;hrt die Spur nach Deutschland: Der spanische Hersteller &#8222;European Security Fence&#8220; unterh&auml;lt eine Adresse in Berlin, nur unweit des B&uuml;ros der EU-Kommission am Pariser Platz(15)</p>
<p><i>MATTHIAS MONROY&nbsp;&nbsp; ist Wissensarbeiter, Aktivist und Mitglied der Redaktion der Zeitschrift B&uuml;rgerrechte &amp; Polizei/CILIP. In Teilzeit Mitarbeiter des MdB Andrej Hunko. Publiziert in linken Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien, bei Telepolis, Netzpolitik und in Freien Radios.</i></p>
<h5>Anmerkungen:</h5>
<p>(1) Tagesspiegel v. 3.1.2015, <a href="http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/fluechtlinge-im-mittelmeer" target="_blank" rel="noopener">http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/fluechtlinge-im-mittelmeer</a>&#8211; fluechtlingsschiff-ezadeen-erreicht-hafen-in-sueditalien/11177638.html</p>
<p>(2) Mitteilung der VN v. 2.10.204, <a href="http://www.unhcr.de/presse/nachrichten/artikel/f548caed0d5f371feadc267799d15278/-baaf86cb9e.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.unhcr.de/presse/nachrichten/artikel/f548caed0d5f371feadc267799d15278/-baaf86cb9e.html</a></p>
<p>(3) Pressemitteilung der EU-Kommission v. 3.12.2014, <a href="http://europa.eu/rapid/press-release_IP-13-1199_de.htm" target="_blank" rel="noopener">http://europa.eu/rapid/press-release_IP-13-1199_de.htm</a></p>
<p>(4) Tageszeitung v. 3.10.2014, <a href="http://www.taz.de/%21146982/" target="_blank" rel="noopener">http://www.taz.de/!146982/</a></p>
<p>(5) Tageszeitung v. 3.10.2014, <a href="http://www.taz.de/%21146982/" target="_blank" rel="noopener">http://www.taz.de/!146982/</a></p>
<p>(6) Netzpolitik.org v. 1.12.2014, <a href="https://netzpolitik.org/2014/hauptquartier-der-eu-grenzagentur" target="_blank" rel="noopener">https://netzpolitik.org/2014/hauptquartier-der-eu-grenzagentur</a>&#8211; frontex-nimmt-satellitenaufklaerung-in-betrieb</p>
<p>(7) Ratsdokument 14141/14, <a href="http://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-14141-2014-INIT/de/" target="_blank" rel="noopener">http://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-14141-2014-INIT/de/</a> pdf</p>
<p>(8) Telepolis v. 19.11.2014, <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/43/43358/1.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.heise.de/tp/artikel/43/43358/1.html</a></p>
<p>(9) BT-Drucksache 18/3024.</p>
<p>(10) Netzpolitik.org v. 22.12.2014, <a href="https://netzpolitik.org/2014/eu-testet-neue-vorratsdatenspeicherung-von-fingerabdruecken-kriegen-grenzueberschreitend-eingesetzte-spitzel-nun-das-schlottern/" target="_blank" rel="noopener">https://netzpolitik.org/2014/eu-testet-neue-vorratsdatenspeicherung-von-fingerabdruecken-kriegen-grenzueberschreitend-eingesetzte-spitzel-nun-das-schlottern/</a></p>
<p>(11) Statewatch v. 6.10.2014, <a href="http://www.statewatch.org/news/2014/oct/migrant-hunt.htm" target="_blank" rel="noopener">http://www.statewatch.org/news/2014/oct/migrant-hunt.htm</a></p>
<p>(12) Pressemitteilung des BMI v. 30.5.2013, <a href="http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/" target="_blank" rel="noopener">http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/</a> DE/2013/05/ji.html</p>
<p>(13) Telepolis v. 1.12.2014, <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/43/43474/1.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.heise.de/tp/artikel/43/43474/1.html</a></p>
<p>(14) DIE WELT v. 15.11.2014, <a href="http://www.welt.de/wirtschaft/article134369894/Bestechungsverdacht-bei-Auftragsvergabe-an-Airbus.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.welt.de/wirtschaft/article134369894/Bestechungsverdacht-bei-Auftragsvergabe-an-Airbus.html</a></p>
<p>(15) S. <a href="http://www.esfdeutschland.de/pdfs/Katalog_ESF.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://www.esfdeutschland.de/pdfs/Katalog_ESF.pdf</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/208/publikation/neues-aus-der-festung-europa-vollstaendig/">Neues aus der Festung Europa (vollständig)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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		<title>International agierende Spitzel</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/grundrechte-report/2012/publikation/international-agierende-spitzel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 May 2012 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[GG: Artikel 20]]></category>
		<category><![CDATA[GRR: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Grundrechte-Report 2012, Seite 160 Mit der Enttarnung des britischen verdeckten Ermittlers Mark Kennedy (alias Mark Stone) begann im Januar 2011 in Gro&#223;britannien und Deutschland eine Auseinandersetzung &#252;ber die zunehmende grenz&#252;berschreitende Spitzelausleihe. Kennedy beschn&#252;ffelte seit 2003 linke Bewegungen in Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und D&#228;nemark wie auch in den USA. Er arbeitete f&#252;r eine Abteilung der [weiterlesen]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Grundrechte-Report 2012, Seite 160</p>
<p>Mit der Enttarnung des britischen verdeckten Ermittlers Mark Kennedy (alias Mark Stone) begann im Januar 2011 in Gro&szlig;britannien und Deutschland eine Auseinandersetzung &uuml;ber die zunehmende grenz&uuml;berschreitende Spitzelausleihe. Kennedy beschn&uuml;ffelte seit 2003 linke Bewegungen in Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und D&auml;nemark wie auch in den USA. Er arbeitete f&uuml;r eine Abteilung der britischen &bdquo;National Extremism Tactical Coordination Unit&ldquo;, die Ende der 1990er Jahre gegr&uuml;ndet wurde, um anarchistische und globalisierungskritische Gruppen sowie die wachsende Tierrechtsbewegung auszuforschen. Der Spitzel hat erkl&auml;rt, er sei mit einem manipulierten Telefon ausgestattet gewesen, &uuml;ber das seine Vorgesetzten jederzeit seine Position orteten. Wie andere mittlerweile aufgeflogene britische Spitzel bewegte sich Kennedy im antikapitalistischen Dissent!-Spektrum, das seit 2005 gegen Gipfeltreffen von G8 und NATO mobilisiert.</p>
<p>Die Verhandlung gegen Tierrechtsaktivisten in &Ouml;sterreich enth&uuml;llte weitere Details grenz&uuml;berschreitender Spitzelei: Im inzwischen mit Freispr&uuml;chen beendeten Gerichtsverfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung wurde eine verdeckte Ermittlerin vernommen, die an Treffen in Holland und der Schweiz teilgenommen hatte. Sie war ebenfalls mit einem manipulierten Mobiltelefon ausger&uuml;stet, &uuml;ber das ihr stets mitreisender Polizeif&uuml;hrer sogar im Raum gef&uuml;hrte Gespr&auml;che mith&ouml;rte. Zwar wurden die verdeckten Ma&szlig;nahmen zur &bdquo;Gefahrenabwehr&ldquo; angeordnet, die erschn&uuml;ffelten Ergebnisse wurden indes einer eigens f&uuml;r die Ermittlungen eingerichteten Sonderkommission geliefert.</p>
<p>Mit Simon Bromma wurde im Dezember 2010 in Heidelberg auch ein deutscher Polizist mit internationaler verdeckter Verwendung &ouml;ffentlich gemacht (vgl. Martin Heiming, Grundrechte-Report 2011, S. 34 ff.): Der Beamte des Landeskriminalamtes Baden-W&uuml;rttemberg operierte unter anderem in Br&uuml;ssel. Bei seiner nur durch Zufall erfolgten Enttarnung redete sich Bromma heraus, seine Schn&uuml;ffelei h&auml;tte einer &bdquo;Informationssammlung und Gefahrenpr&auml;vention&ldquo; gedient. M&ouml;glich ist, dass Bromma der Br&uuml;sseler Polizei bei einer der gr&ouml;&szlig;ten anlasslosen Massenfestnahmen Belgiens rund um das &bdquo;No Border Camp&ldquo; im September 2010 behilflich war. Damit h&auml;tte das baden-w&uuml;rttembergische Innenministerium direkt geholfen, in Belgien das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit einzuschr&auml;nken.</p>
<h2 class="auto-created">Deutsche Beh&ouml;rden sind tonangebend</h2>
<p>In Deutschland findet die Verwendung ausl&auml;ndischer Spitzel gr&ouml;&szlig;tenteils in Verantwortung der Bundesl&auml;nder statt. Das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) &uuml;bernimmt eine Scharnierfunktion und bahnt Eins&auml;tze &uuml;ber seine internationalen Kontakte an. Inzwischen wurde bekannt, dass allein f&uuml;r den G8-Gipfel in Heiligendamm rund ein Dutzend ausl&auml;ndische Spitzel vermittelt wurden, darunter verdeckte Polizisten ebenso wie private Informanten. BKA-Pr&auml;sident J&ouml;rg Ziercke informierte, dass auch deutsche Polizeispitzel l&auml;ngst international bei Gipfelprotesten eingesetzt sind: Zum G8-Gipfel 2005 wurden demnach f&uuml;nf nach Gro&szlig;britannien entsandt. Derlei Austausch sei laut Ziercke &uuml;blich und f&auml;nde auch bei &bdquo;Hooligans, im Umfeld von Weltmeisterschaften oder bei anderen gro&szlig;en Sportereignissen&ldquo; Anwendung.</p>
<p>Das deutsche Innenministerium brachte unter deutscher EU-Pr&auml;sidentschaft 2007 eine Entschlie&szlig;ung des Rates auf den Weg, um &bdquo;rechtliche und tats&auml;chliche Probleme&ldquo; des internationalen Spitzeltauschs beiseite zu schaffen. Keine Regierung darf ihre Polizeikr&auml;fte ohne vorherige Erlaubnis auf fremdem Hoheitsgebiet t&auml;tig werden lassen. Eins&auml;tze m&uuml;ssen angemeldet und genehmigt werden, bilaterale Vertr&auml;ge legen n&auml;here Bestimmungen fest und treffen Vereinbarungen etwa zur Dauer oder Berichtspflicht.</p>
<p>Offiziell gibt es keine internationale Institution, die f&uuml;r die grenz&uuml;berschreitende Synchronisierung der Spitzeldienste zust&auml;ndig w&auml;re. Hinter den Kulissen existiert indes seit 2001 eine &bdquo;European Cooperation Group on Undercover Activities&ldquo; (ECG). Mitglieder sind fast alle EU-Staaten, hinzu kommen Albanien, Kroatien, Mazedonien, Norwegen, Russland, Schweiz, Serbien, T&uuml;rkei und die Ukraine. Auch die EU-Polizeiagentur Europol nimmt teil. Laut Bundesregierung steht angeblich keine &bdquo;Koordinierung oder Verabredung grenz&uuml;berschreitender Eins&auml;tze&ldquo; auf der Agenda der ECG. Das klingt verharmlosend, zumal es aus Berlin ebenso hei&szlig;t, dass die &bdquo;Er&ouml;rterung der internationalen Zusammenarbeit&ldquo; anhand von &bdquo;Fallbeispielen&ldquo; vorgenommen w&uuml;rde. Die innerhalb der Arbeitsgruppe entstehenden Kontakte d&uuml;rften zudem f&uuml;r die jeweilige bi- oder multilaterale Verabredung zuk&uuml;nftiger Eins&auml;tze grundlegend sein. Derart nebul&ouml;s vorangetriebene Spitzeleins&auml;tze sind f&uuml;r Parlamentarier nicht kontrollierbar, f&uuml;r eine demokratische &Ouml;ffentlichkeit ohnehin nicht.</p>
<p>Ziercke hatte sich zur Kontrolle der deutsch-britischen Spitzelausleihe im Innenausschuss des Bundestages in nicht-&ouml;ffentlicher Sitzung zudem in bislang nicht aufgekl&auml;rte Widerspr&uuml;che verstrickt. Zuvor galt, dass der Polizist Mark Kennedy im Land Berlin nicht aktiv gewesen sei und von dort &bdquo;nicht berichtet&ldquo; habe. Obwohl Kennedy in der britischen Zeitung &bdquo;Daily Mail&ldquo; erkl&auml;rt, aus Berlin sogar Beweismittel nach Gro&szlig;britannien geschafft zu haben, will der BKA-Pr&auml;sident lediglich eine Anwesenheit zur &bdquo;Legendenst&uuml;tzung&ldquo; erkennen. Die Rolle spielte er mit Hingabe: Als &bdquo;Mark Stone&ldquo; wurde er beim Berliner Landeskriminalamt aktenkundig wegen des Anz&uuml;ndens eines M&uuml;llcontainers im Rahmen einer linksradikalen Demonstration Ende 2007. Hierf&uuml;r wurde er verhaftet. Ein eingeleitetes Ermittlungsverfahren wurde sp&auml;ter eingestellt. Kennedy hat sich selbst gegen&uuml;ber der Staatsanwaltschaft nicht zu erkennen gegeben und im gesamten Verfahren seine falschen Papiere benutzt. Inzwischen wurde bekannt, dass die britische Polizei hierzu eine entsprechende Dienstanweisung erlassen hatte. Ein verdeckt operierender Polizist hatte in Gro&szlig;britannien unter seinem falschen Namen sogar folgsam unter Eid ausgesagt.</p>
<h2 class="auto-created">Spitze&shy;le&shy;in&shy;s&auml;tze entziehen sich Straf&shy;ver&shy;fol&shy;gung und Justiz</h2>
<p>Die straf- und zivilrechtlichen Verst&ouml;&szlig;e von Mark Kennedy werden auch zuk&uuml;nftig nicht geahndet. Die Bundesregierung meint, das eingestellte Ermittlungsverfahren gegen &bdquo;Mark Stone&ldquo; w&uuml;rde als Strafverfolgung ausreichen &#8211; obwohl der Staatsanwalt nicht ber&uuml;cksichtigen konnte, dass es sich in Wirklichkeit um einen Polizisten gehandelt hatte.</p>
<p>Aktivisten m&uuml;ssen jedenfalls hohe H&uuml;rden &uuml;berwinden, um die Verletzung ihrer Grundrechte zu verfolgen. Ihr Auskunftsrecht ist nicht grenz&uuml;berschreitend geregelt, obschon die Betroffenen der grenz&uuml;berschreitenden Spitzelei hieran berechtigtes Interesse haben: Die britischen Polizisten sind sexuelle Beziehungen eingegangen, haben Wohnungen betreten und &#8211; jedenfalls in Gro&szlig;britannien &#8211; die anwaltliche Verteidigungsstrategie von Aktivisten ausgeforscht.</p>
<p>Die international agierenden Spitzel werden als heimliche Waffe gegen die europaweite Vernetzung antikapitalistischer Gruppen in Stellung gebracht. Die Eins&auml;tze sollen die erstarkenden internationalen Vernetzungen antikapitalistischer Zusammenh&auml;nge aufsp&uuml;ren. Hierf&uuml;r wird tief in die Privatsph&auml;re der Ausgeforschten eingedrungen. Weil f&uuml;r derartige Eingriffe zur Gefahrenabwehr schwerlich richterliche Beschl&uuml;sse besorgt werden k&ouml;nnen, konstruieren die Beh&ouml;rden gern Ermittlungsverfahren wegen &bdquo;Verschw&ouml;rung&ldquo; oder &bdquo;krimineller Vereinigung&ldquo;. Damit soll auf EU-Ebene (und mit der T&uuml;rkei und Russland sogar dar&uuml;ber hinaus) jener Mechanismus etabliert werden, wie er auch f&uuml;r die bilaterale deutsch-britische Spitzelausleihe grundlegend war: Mit selbst fabrizierten dubiosen &bdquo;Risikoanalysen&ldquo; wird eine Bedrohung inszeniert, zu deren konspirativen Handhabung sich die Beh&ouml;rden bereits entsprechende grenz&uuml;berschreitende Werkzeuge geschaffen haben. Auf der Strecke bleiben Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit und &ouml;ffentliche Kontrolle.</p>
<p>Doch es gibt Gegenwehr im Spitzel- und &Uuml;berwachungsdickicht: Unter dem Titel &bdquo;Ma&szlig;nahmen gegen Observation&ldquo; ist eine beeindruckende Brosch&uuml;re im Internet erschienen, die Handreichungen zum Erkennen und Vermeiden von Spitzelei und &Uuml;berwachung liefert (<a href="http://media.de.indymedia.org/media/2011/06/310342.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://media.de.indymedia.org/media/2011/06//310342.pdf</a>).</p>
<h2 class="auto-created">Literatur</h2>
<p>Monroy, Matthias, Using false documents against &ldquo;Euro-anarchists&rdquo;: the exchange of Anglo-German undercover police highlights controversial police operations, <a href="http://www.statewatch.org/analyses/no-146-undercover-exchange-protests.pdf" target="_blank" rel="noopener">www.statewatch.org/analyses/no-146-undercover-exchange-protests.pdf</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/grundrechte-report/2012/publikation/international-agierende-spitzel/">International agierende Spitzel</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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