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	<title>Petra Pansegrau Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>&#8222;Winds of change&#8220;</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/179-vorgaenge/publikation/winds-of-change/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Sep 2007 21:05:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der globale Klimawandel im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Politik und Medien aus : vorg&#228;nge Heft 3/2007,S .102-109 Mindestens seit Mitte der 1980er Jahre bewegt die Debatte um Ursachen und Auswir&#173;kungen der globalen Klima&#173;pro&#173;ble&#173;matik immer mal wieder die deutsche &#214;ffent&#173;lich&#173;keit. Mediale Schlag&#173;zeilen wie &#8222;Die Erde wird ein &#246;der Stern&#8220;, &#8222;Massentod im Morast&#8220; oder &#8222;Warten bis wir alle [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der globale Klimawandel im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Politik und Medien</p>
<p>aus :  vorg&auml;nge Heft 3/2007,S .102-109</p>
<h2 class="auto-created">Mindestens seit Mitte der 1980er Jahre bewegt die Debatte um Ursachen und Auswir&shy;kungen der globalen Klima&shy;pro&shy;ble&shy;matik immer mal wieder die deutsche &Ouml;ffent&shy;lich&shy;keit. Mediale Schlag&shy;zeilen wie &bdquo;Die Erde wird ein &ouml;der Stern&ldquo;, &bdquo;Massentod im Morast&ldquo; oder &bdquo;Warten bis wir alle gegart sind&ldquo; leiten rei&szlig;erische Katas&shy;tro&shy;phen&shy;mel&shy;dungen ein und berufen sich dabei nicht auf religi&ouml;s verblendete Unter&shy;gangs&shy;pro&shy;pheten, sondern auf Wissen&shy;schaftler, die die Ratio&shy;na&shy;lit&auml;t der modernen Wissen&shy;schaft verk&ouml;rpern. Die Politik reagiert mit den in ihrer Macht stehenden Mitteln zur Abwendung der Katas&shy;tro&shy;phe: Die Diskussion der Geset&shy;zes&shy;lage in Bezug auf M&ouml;glich&shy;keiten der CO2 Reduzie&shy;rungen und die Ver&auml;nderung der Insti&shy;tu&shy;ti&shy;onen und Forschungs&shy;land&shy;schaft. Im Folgenden soll nachge&shy;zeichnet werden, wie sich die unter&shy;schied&shy;li&shy;chen Diskurse zum Klimawandel in der Wissen&shy;schaft, der Politik und den Medien entwickelt haben und welche kommu&shy;ni&shy;ka&shy;tiven Risiken damit verbunden sein k&ouml;nnen. In abschlie&shy;&szlig;enden Abschnitten werden die j&uuml;ngeren Entwick&shy;lungen und insbe&shy;son&shy;dere die aktuelle Situation im Jahr 2007 abgebildet, die deutlich machen, dass ein Diskurs &uuml;ber kommende Umwelt&shy;ka&shy;ta&shy;s&shy;tro&shy;phen sich jeweils neu erschaffen und damit die gesell&shy;schaft&shy;liche Wirklich&shy;keit jeweils neu struk&shy;tu&shy;rierten kann.(1)</h2>
<p><b>Klimawandel &#8211; die ultimative Katastrophe</b></p>
<p>1986 erschien auf der Titelseite des deutschen Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL die bildliche Horrorvision einer der wohl schlimmsten vorstellbaren, vom Menschen selbst erzeugten Katastrophen: Der K&ouml;lner Dom zur H&auml;lfte unter Wasser, das Bild ist zur Ikone des Klimawandels in Deutschland geworden und referierte auf eine wissenschaftliche Warnung, die ungew&ouml;hnlich deutlich und dramatisch formuliert worden war. Was war bis dahin geschehen?</p>
<p>Die ersten fr&uuml;hen wissenschaftlichen Warnungen vor den m&ouml;glichen Auswirkungen steigender CO2-Emissionen gab es bereits seit Mitte der 1970er Jahre. Auch wenn in diesen Jahren noch die Erforschung des nat&uuml;rlichen Klimawandels als dynamisches System dominant war, wurden einige Studien ver&ouml;ffentlicht, die auf einen m&ouml;glichen anthropogenen Einfluss auf die Stabilit&auml;t des Weltklimas hinwiesen. Zu Beginn der 1980er Jahre gewannen die Warnungen an Deutlichkeit und Dramatik. Insbesondere der Arbeitskreis Energie (AKE) der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) griff das Thema auf und stellte es in einen engen Zusammenhang mit der Frage nach zuk&uuml;nftigen Energiequellen. Anfang 1986 trat der AKE dann mit einer &#8222;Warnung vor der drohenden Klimakatastrophe&#8220; an die &Ouml;ffentlichkeit, die die &#8222;vollst&auml;ndige Unbewohnbarkeit der Erde&#8220; ank&uuml;ndigte. Dieser Aufruf argumentierte deutlich f&uuml;r eine Politik der drastischen CO2-Reduzierungen:</p>
<p>&#8222;Um die drohende Klimakatastrophe zu vermeiden, muss bereits jetzt wirkungsvoll damit begonnen werden, die weitere Emission der genannten Spurengase drastisch einzuschr&auml;nken.&#8220; (zitiert nach einem vollst&auml;ndigen Abdruck des Aufrufs in der Frankfurter Rundschau vom 19.9.1986).</p>
<p>Die Forderung nach einer ver&auml;nderten Energiepolitik m&uuml;ndete sehr unverhohlen in den langfristigen Ausbau der Kernenergie, die in den Monaten nach dem Tschernobyl-Unfall auf dem Tiefpunkt ihrer Akzeptanz in Deutschland angekommen war. Entgegen bis dahin erfolgloser Versuche, die Aufmerksamkeit der Medien und der Politik f&uuml;r den drohenden Klimawandel zu erlangen und damit als Argument f&uuml;r den Ausbau der Kernenergie zu etablieren, zeigte dieser Aufruf schnell Wirkung in der Politik und den Medien.(2) Auffallend an diesem Aufruf war vor allem, dass er extrem dramatische und &uuml;bertriebene Folgen und Zeitr&auml;ume des anthropogenen Klimawandels aufzeigte, dass beispielsweise der m&ouml;gliche Anstieg der mittleren Oberfl&auml;chentemperatur um 9&deg;C in Poln&auml;he einen Anstieg des Meeresspiegels um &#8222;bis zu 10 Metern&#8220; und damit ein &Uuml;berschwemmungsszenario bedeuten k&ouml;nnte. Dies war versehen mit der verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig konkreten Zeitangabe &#8222;unwiderruflich in den n&auml;chsten 50 Jahren&#8220;. Insbesondere die im Aufruf signalisierte Dringlichkeit lie&szlig; sofortiges Handeln notwendig erscheinen. In einem zweiten Aufruf 1987 wurde die Katastrophenwarnung zwar abgeschw&auml;cht, die im Text enthaltenen Handlungsanweisungen an die Politik jedoch beibehalten. Das Klimaproblem wurde damit zu einem st&auml;ndigen Thema sowohl auf der politischen wie auch der medialen Agenda. Die wissenschaftlichen Publikationen adressierten zunehmend und expliziter politische Handlungs- und Entscheidungsinstanzen:</p>
<p>&#8222;Mein Wunsch lautet deshalb: Rasche Verabschiedung einer weltweiten Klimakonvention mit zugeh&ouml;rigen Protokollen zur Minderung der Emissionen einzelner Spurengase (&#8230;). Gleichzeitig sollten die Industrienationen, die Hauptverursacher, massiv einsteigen in eine Politik der effizienteren Energienutzung (&#8230;). Aber auch die Verlangsamung der Bev&ouml;lkerungszunahme ist von zentraler Bedeutung f&uuml;r eine erfolgreiche Emissionsminderung&#8220; (H. Gra&szlig;l 1989 in: Phys. Bl. 45).</p>
<p>&#8222;Um das Klima&auml;nderungssignal nachweisen und um es eindeutig den &Auml;nderungen im CO2 und anderen Treibhausgasen zuzuschreiben, ist es notwendig diese Probleme zu reduzieren. Dieses erfordert einen massiven Ausbau der Rechnerkapazit&auml;ten, eine Verbesserung der Modelle und globale kontinuierliche Messkampagnen&#8220; (U. Cubasch et al. 1995 in: Phys. B1. 51).</p>
<p>Begleitet waren die Studien der Klimawissenschaftler zu allen Zeiten von einer Reihe wissenschaftlicher Ungewissheiten, die sowohl Ursachen, als auch Ausma&szlig; und Folgen der Klimaproblematik betrafen (so war beispielsweise eine Publikation von U. Cubasch 1995 &#8222;Klimamodelle &#8211; Wo stehen wir? Erreichtes und Probleme bei der Vorhersage und dem Nachweis anthropogener Klima&auml;nderungen mit globalen Klimamodellen&#8220; betitelt). Auf Grund der erheblich gewachsenen Datenverarbeitungskapazit&auml;ten gelang es den Wissenschaftlern aber, glaubw&uuml;rdige Modellrechnungen durchzuf&uuml;hren und Szenarien &uuml;ber zuk&uuml;nftige Entwicklungen zu entwerfen, die Klimawandel als eine globale Bedrohung aufzeigten. Auf internationaler Ebene waren es vor allem die Berichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), das 1988 gegr&uuml;ndet worden war und regelm&auml;&szlig;ig Berichte &uuml;ber die aktuellen wissenschaftlichen Einsch&auml;tzungen des anthropogen Klimawandel ver&ouml;ffentlicht, die zu einer erheblichen Glaubw&uuml;rdigkeit der wissenschaftlichen Warnung gef&uuml;hrt haben. Wissenschaftliche Warnungen haben gemeinhin eine hohe Glaubw&uuml;rdigkeit, weil sie zumeist auf Berechnungen, gesicherten Methoden und sorgf&auml;ltigen Pr&uuml;fungen in ihrer Kommunikationsgemeinschaft beruhen. Die Warnungen der Klimawissenschaftler vor dem anthropogenen Klimawandel blieben dementsprechend nicht auf die innerfachlichen Auseinandersetzungen beschr&auml;nkt. Sie zwangen die Politiker, wo immer ihnen die Bew&auml;ltigung der Folgen oder gar die M&ouml;glichkeit der Abwendung der Katastrophe zugerechnet werden konnte, zum Handeln.</p>
<p>So hatte auch im politischen Diskurs die Katastrophenwarnung der DPG eine ausl&ouml;sende Wirkung. Nachdem das Problem bis dahin nur vereinzelt diskutiert worden war, ver&auml;nderte sich die Landschaft der politischen Entscheidungs- und Beratungsgremien danach rasant. Bereits im Jahr 1987 wurde die erste Enquete-Kommission &#8222;Vorsorge zum Schutz der Erdatmosph&auml;re&#8220; einberufen. In den Folgejahren intensivierte sich die politische Aktivit&auml;t nochmals durch die Gr&uuml;ndung des Klimabeirats (1988), die Kabinettsbeschl&uuml;sse zur CO2-Minderung (1990 und 1991), die Einsetzung einer zweiten Enquete-Kommission (1990), die Unterzeichnung der Klimarahmenkonvention (1992) und regelm&auml;&szlig;ige internationale &#8222;Klimagipfel&#8220;. Der Verweis auf die drohende Klimakatastrophe reichte jedoch nicht, um die fehlende Akzeptanz f&uuml;r die Kernenergie wiederherzustellen. Der Ausbau der Kernenergie stellte f&uuml;r die Regierung offenbar keine Option ihrer Klimaschutzpolitik dar. W&auml;hrend der ganzen Zeit stellte die Wissenschaft einen wichtigen Referenzpunkt f&uuml;r die Bearbeitung des Klimaproblems durch die Politik dar. Daher wurden neben den genannten Aktivit&auml;ten eine Reihe von gro&szlig;en Forschungsinstituten gegr&uuml;ndet und mit hohen &ouml;ffentlichen F&ouml;rdermitteln ausgestattet. Begr&uuml;ndet wurde das politische Engagement mit der Dringlichkeit des Problems. Zwei Beispiele illustrieren das:</p>
<p>&#8222;Wir haben &#8211; ich sagte es schon &#8211; wahrscheinlich nicht mehr viel Zeit zum gegensteuern. Was ist also zu tun? Wenn die Menschheit einen Klimakollaps vermeiden will, muss sofort gehandelt werden, denn die n&auml;chsten Jahre entscheiden dar&uuml;ber, ob die Erde im dritten Jahrtausend noch bewohnbar bleibt.&#8220; (Dr. Hartenstein, SPD, 22.9.1988).</p>
<p>&#8222;Die Arbeiten der Enquete-Kommission haben best&auml;tigt, dass der wissenschaftliche Sachverstand zum Thema Klimaproblematik, zur Treibhauskatastrophe so gesichert ist, dass deutlich wird, dass dringender Handlungsbedarf besteht und weiterer Aufschub nicht m&ouml;glich ist. (Lippold, CDU/CSU, 20.1.1995).</p>
<p>Eine weit reichende politische Entscheidung war bereits im Jahr 1992 mit der nationalen Selbstverpflichtung zur Reduzierung der CO2-Emissionen um 25 Prozent bis zum Jahr 2005 getroffen worden. Dieses im Rahmen der Vorverhandlungen zur Konferenz f&uuml;r Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de Janeiro selbst gesteckte Ziel konnte zwar nie ereicht werden, nichtsdestotrotz war mit dieser Ma&szlig;nahme die Transformation des Klimathemas in einen Gegenstand der politischen Regulierung und parlamentarischen Routinen vollzogen worden. Die fr&uuml;hzeitige Selbstverpflichtung zu einer substantiellen Reduzierung der CO2-Emissionen wurde nun zunehmend zu einem Glaubw&uuml;rdigkeitsproblem f&uuml;r die Regierung.</p>
<p>Die deutschen Medien reagierten in spezifischer Weise. Sie griffen die in der Wissenschaft geborene Metapher von der &#8222;Klimakatastrophe&#8220; auf und machten sie gleicherma&szlig;en zum Orientierungs- und Bezugspunkt ihrer Kommunikation. In den gro&szlig;en Print Medien liegen die Berichterstattungen zur Klimakatastrophe seit Mitte der 1980er Jahre auf quantitativ ungew&ouml;hnlich hohem Niveau. Die noch immer vorhandenen wissenschaftlichen Ungewissheiten in der Erforschung des anthropogenen Klimawandels wurden von den Medien bis weit in die 1990er Jahre hinein nahezu vollst&auml;ndig ausgeblendet. Das markanteste Merkmal des Mediendiskurses ist eine Transformation des hypothetischen Charakters wissenschaftlicher Prognosen und damit der Unsicherheit des Wissens in Gewissheiten. Schon zu einem sehr fr&uuml;hen Zeitpunkt der Berichterstattung wird mit Verweis auf die autoritative Quelle Wissenschaft und deren Methoden die Sicherheit des Wissens konstatiert:</p>
<p>&#8222;Inzwischen aber haben Chemiker und Physiker &#8211; nach zahlreichen Messungen mit Satelliten und Simulationsversuchen in Labors &#8211; keinen Zweifel mehr, dass sich der fatale &#8222;Gew&auml;chshauseffekt&#8220; tats&auml;chlich einstellt&#8220; (Der Spiegel 35/1977, 144).</p>
<p>&#8222;Nach Ansicht amerikanischer Wissenschaftler ist der gr&ouml;&szlig;te Teil davon auf die Erw&auml;rmung und die damit verbundene Ausdehnung der Wassermassen zur&uuml;ckzuf&uuml;hren; (&#8230;) Wenn die Vorhersagen &uuml;ber die globale Erw&auml;rmung durch den zunehmenden Kohlendioxidgehalt der Atmosph&auml;re stimmen, ist in den n&auml;chsten 70 Jahren mit einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels um 20 &#8211; 30 Zentimeter zu rechnen&#8220; (FAZ 14.4.1982, 33)</p>
<p>Nach der Ver&ouml;ffentlichung des DPG-Aufrufs entwickelt sich in den deutschen Medien ein Katastrophendiskurs, der sich u. a. darin &auml;u&szlig;ert, dass die Medien sich in der dramatischen Darstellung k&uuml;nftiger Bedrohungen durch den Klimawandel gegenseitig &uuml;berbieten.</p>
<p>&#8222;&Uuml;berraschend war die Katastrophe nicht gekommen. Wissenschaftler hatten beizeiten gewarnt. (&#8230;) Das Desaster, der weltweite Klima-Gau ist nicht mehr aufzuhalten&#8220; (Der Spiegel 33/1986, 122/23).</p>
<p>&#8222;&#8230;ist eine oft gestellt Frage gerade auch angesichts der nun drohenden Klima-Katastrophe. Zu resignieren w&auml;re t&ouml;dlich, f&uuml;hrte letztlich zum Untergang der Menschheit&#8220; (SZ 30./31.7.1988, 86).</p>
<p>Durch die Beibehaltung der metaphorischen Konstruktion &#8222;Klimakatastrophe&#8220; gelingt es den Medien, einerseits die &ouml;ffentliche Aufmerksamkeit und andererseits den Druck auf die Politik zu erh&ouml;hen. Aus Sicht der untersuchten Massenmedien h&auml;tte ein schnelles und deutlicher verantwortungsvolles Handeln, das aufgrund der fr&uuml;hen wissenschaftlichen Warnungen vor der Klimakatastrophe auch m&ouml;glich gewesen w&auml;re, die gef&uuml;rchteten Ausma&szlig;e der Katastrophe positiv beeinflussen k&ouml;nnen. Den Politikern wird &#8211; zum Teil sehr direkt und offen &#8211; vorgeworfen, die vielf&auml;ltigen wissenschaftlichen Warnungen in den Wind geschlagen und sich zu lange auf die Unsicherheiten berufen zu haben. Die Wege zu einem wirksamen Handeln hat sich die Politik dadurch aus Sicht der Medien selbst verbaut.</p>
<p>&#8222;In den Konzernzentrale der Auto-, Energie- und Chemieproduzenten und nat&uuml;rlich auf den Chefsesseln der Politik der neunziger Jahre treiben obskure Gestalten ihr Unwesen, die die Zukunft unserer Kinder ruinieren&#8220; (FAZ 6.5.1994, 32).</p>
<p>&#8222;Nur noch Katastrophen-Management (&#8230;) bleibt als Gesetz des Handelns &uuml;brig&#8220; (Der Spiegel 12/1995, 19/21).</p>
<h2 class="auto-created">Die kommu&shy;ni&shy;ka&shy;tive Risiken f&uuml;r Wissen&shy;schaft, Politik und die Medien</h2>
<p>Die oberfl&auml;chliche Betrachtung zeigt bereits, dass der anthropogene Klimawandel in der Politik und den Medien ganz unterschiedlich wahrgenommen wird. So eindeutig wie die weltumspannenden politischen Aktivit&auml;ten es nahe legen, ist die Wahrnehmung des &ouml;kologischen Risikos nicht. Die Breite und der lange Zeitraum der Diskussion verdecken den Umstand, dass die Bedrohung aus wissenschaftlicher Sicht noch keine wirklich gesicherte Erkenntnis darstellt. Es bleibt nach wie vor umstritten, welche Sicherheit und Glaubw&uuml;rdigkeit die Modellrechnungen und Simulationen k&uuml;nftiger Klimaentwicklungen zugewiesen werden kann. Soweit &uuml;berhaupt absehbar, wird der Klimawandel an unterschiedlichen Orten der Welt vermutlich unterschiedliche Folgen haben. Daraus ergibt sich, dass verschiedene nationale Regierungen und nationale Medien das Problem auch sehr unterschiedlich wahrnehmen, kommunizieren und mit unterschiedlicher Dringlichkeit versehen. Die divergierenden Wahrnehmungen und damit die Handlungsweisen, die sie begr&uuml;nden, gef&auml;hrden nicht nur die Kommunikation im Hinblick auf das &ouml;kologische Risiko, sie gef&auml;hrden auch die Urheber der Kommunikationen selbst. Neben den &ouml;kologischen Risiken bestehen damit auch Risiken der Kommunikation, die im Folgenden kurz beleuchtetet werden sollen.</p>
<p>Die Klimatologie hat sich von einem sehr randst&auml;ndigen Forschungsgebiet zu einem bedeutenden Forschungszweig entwickelt, der einen erheblichen politischen Stellenwert besitzt. Bestehende Institute und Einrichtungen wurden mit erheblich h&ouml;heren Forschungsmitteln ausgestattet, neue Institute wurden gegr&uuml;ndet und universit&auml;re Einrichtungen haben extrem an Bedeutung gewonnen. Trotz der erheblich ver&auml;nderten Forschungslandschaft und der weiterhin erheblichen &ouml;ffentlichen Aufmerksamkeit mehren sich aber seit Mitte der 1990er Jahre die Stimmen, die die fr&uuml;hen wissenschaftlichen Warnungen als &uuml;bertrieben, voreilig und strategisch bezeichnen. Damit ist in hohem Ma&szlig;e auch die Glaubw&uuml;rdigkeit der Wissenschaft gef&auml;hrdet. Wenn es Wissenschaftlern gelingt, mit Warnungen vor kommenden Katastrophen an die &Ouml;ffentlichkeit zu treten, wird ihnen h&auml;ufig geglaubt. Sie k&ouml;nnen jedoch ihre Glaubw&uuml;rdigkeit auch verlieren, wenn die vorhergesagte Katastrophe nicht eintritt bzw. das prognostizierte Ausma&szlig; sich als &uuml;bertrieben erweist. Die Wissenschaft ist aufgrund der inh&auml;renten Unsicherheit ihrer Prognosen von dem kommunikativen Risiko des Verlusts der Glaubw&uuml;rdigkeit bedroht. Dies kann insbesondere dann erheblich Folgen nach sich ziehen, wenn die Warnungen eine gro&szlig;e politische und &ouml;ffentliche Aufmerksamkeit erreicht haben.</p>
<p>In der Politik werden wissenschaftliche Warnungen oftmals als Handlungsanweisungen wahrgenommen. F&uuml;r die Politik bedeuten solche Warnungen dann riskante Entscheidungsoptionen. Sowohl ein zu fr&uuml;hes Reagieren als auch ein langes Ignorieren k&ouml;nnten sich als falsch und damit gleicherma&szlig;en riskant erweisen. Die Politik sieht sich also vor das Dilemma gestellt, dass sie entweder durch Nichthandeln Legitimationsverlust erleidet oder diesen durch &uuml;berzogene Selbstverpflichtungen und Ma&szlig;nahmen auf die Zukunft verschiebt.</p>
<p>Durch den globalen Klimawandel ist eine sehr spezifische Bedrohung f&uuml;r die Politik entstanden, sollten sich die fr&uuml;hen wissenschaftlichen Warnungen tats&auml;chlich als verfr&uuml;ht herausstellen. Indem die deutsche Politik den Klimawandel auf ihre Agenda gesetzt und den wissenschaftlichen Warnungen geglaubt hat, hat sie letztlich auch ihre eigene Legitimit&auml;t riskiert. Sollten die Warnungen zur&uuml;ckgenommen werden, ist die Legitimation der Politik als Ganzes aber vor allem die einzelner Politiker (und damit ihrer Wahlchancen) in besonderer Weise gef&auml;hrdet. Das Klimaproblem bedeutet also neben dem &ouml;kologischen Risiko f&uuml;r die Politik, dass sie dar&uuml;ber hinaus vom Risiko des Legitimationsverlusts bedroht ist.</p>
<p>F&uuml;r die Medien stellt sich das Problem weniger dramatisch aber durchaus spezifisch dar. Katastrophendiskurse in den Medien sind durch &Uuml;berbietungen gekennzeichnet und geraten irgendwann auch an ihre Grenzen. Inzwischen spricht vieles daf&uuml;r, dass die Entwicklung von immer konkreteren und immer dramatischeren Untergangsszenarien die Glaubw&uuml;rdigkeit der Medienberichterstattung gef&auml;hrdet und zu &Uuml;bers&auml;ttigungstendenzen f&uuml;hrt. Eine gewisse &#8222;Katastrophenm&uuml;digkeit&#8220; auch bei einer durchaus an &ouml;kologischen Themen interessierten Leserschaft war nicht &uuml;bersehen. Damit gef&auml;hrden die Medien die Aufmerksamkeit f&uuml;r ihre eigenen Produkte. Mit sinkender Aufmerksamkeit ist aber auch das Risiko des Verlusts von Marktchancen verbunden. Seit Mitte der 1990er Jahre hat das Medieninteresse begonnen abzubr&ouml;ckeln. Die Zeit schlussfolgerte am 25.7.1997 dann auch &#8222;Den Meteorologen ist die Katastrophe abhanden gekommen&#8220;. Immer h&auml;ufiger las man nun von Skepsis gegen&uuml;ber der eigenen urspr&uuml;nglichen Position. Neu und aufmerksamkeits relevant war nun zunehmend die Gegenposition. Auf diese Weise gelingt es den Medien dann letztlich doch noch dem Risiko des Verlusts der Aufmerksamkeit zu begegnen.</p>
<h2 class="auto-created">Vor der Katastrophe oder nach der Katas&shy;tro&shy;phe?</h2>
<p>Wo stehen wir heute? Zu Beginn des neuen Jahrtausends dominierten andere Themen die Berichterstattung der deutschen Medien. Die steigende Arbeitslosigkeit und die Gefahr durch eine neue Phase des internationalen Terrorismus schienen allemal eine gr&ouml;&szlig;ere Bedrohung darzustellen als ein k&uuml;nftiger Klimawandel. Auch wenn die Forschung schon seit l&auml;ngerem von einem breiten Konsens in der wissenschaftlichen Klimadebatte ausging und zu der Aussage &uuml;bergegangen war, dass der Klimawandel bereits begonnen habe, konnte das Thema keine mit den 1990er Jahren vergleichbare &ouml;ffentliche Aufmerksamkeit erlangen, obwohl die Quantit&auml;t der Berichterstattung und die politischen Aktivit&auml;ten sich kaum ver&auml;ndert haben.</p>
<p>Seit Anfang 2007 ist allerdings wieder Bewegung in die &ouml;ffentliche Debatte um den anthropogenen Klimawandel geraten. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) hat in drei Etappen im Februar, April und Mai 2007 seinen aktuellen, vierten Bericht ver&ouml;ffentlicht. Die nationale und internationale Politik &auml;u&szlig;ert sich regelm&auml;&szlig;ig zu Einsch&auml;tzungen &uuml;ber Dramatik und Folgen des Klimawandels und im April 2007 besch&auml;ftigte sich erstmalig der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf Druck Gro&szlig;britanniens mit der Frage, welche Gefahren f&uuml;r den Weltfrieden durch die zunehmende Erw&auml;rmung der Erde entstehen. Selbst die bis dato &uuml;berwiegend skeptische amerikanische Regierung stellt w&auml;hrend des G8-Gipfels Anfang Juli 2007 die Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls in Aussicht.</p>
<p>Die Medienaufmerksamkeit zeigt f&uuml;r das 1. Quartal des Jahres 2007 einen enormen Anstieg in der H&auml;ufigkeit ihrer Berichterstattung zum Klimawandel. Dies wurde u. a. ausgel&ouml;st durch die medienwirksam inszenierte Ver&ouml;ffentlichung des IPCC-Reports an wechselnden Orten (Paris, Br&uuml;ssel, Bangkok) mit jeweils einigen Wochen Abstand und in gro&szlig; angek&uuml;ndigten Pressekonferenzen. Hinzu kam quasi zeitgleich ein ungew&ouml;hnlich warmes Winter- und Fr&uuml;hjahrswetter in Deutschland. Begleitet wird diese Intensit&auml;t von einer Parallelit&auml;t der warnenden und skeptischen Stimmen. War die Formulierung von Klimaskepsis in den fr&uuml;heren Jahren noch eine Randerscheinung, so ist sie jetzt eine sehr viel sichtbarere Variante der Berichterstattung. Der &#8222;Spiegel&#8220; berichtete in der Woche, in der der dritte Teil des IPCC -Reports erschien, aus distanzierter Beobachterperspektive &uuml;ber die Verhandlungen des Weltklimarats und stellt die rivalisierenden Positionen unter der &Uuml;berschrift &#8222;Sirenen des Weltgewissens&#8220; dar (Der Spiegel 18/2007, 80). Nur eine Woche sp&auml;ter &#8211; und damit drei Tage nach Ver&ouml;ffentlichung des IPCC -Berichts &#8211; wechselte das Nachrichtenmagazin dann vollends die Seiten, in dem es die Comic-Zeichnung eines schwitzenden Frauenkopfs und der Sprechblase &#8222;Hilfe &#8230; die Erde schmilzt&#8220; sowie den Untertitel &#8222;Die gro&szlig;e Klimahysterie&#8220; auf das Titelblatt nahm. Im Heft selbst erschien der Leitartikel &#8222;Abschied vom Weltuntergang&#8220;, der in ungew&ouml;hnlich deutlicher Weise die Abkehr von der bisherigen Position zeigte (Der Spiegel 19/2007). In der FAZ fanden sich schon im M&auml;rz 2007 &Uuml;berschriften wie &#8222;Ist der Klimawandel nichts als Schwindel?&#8220; (23.3.2007) und &#8222;Klimawandel ist die nat&uuml;rlichste Sache der Welt&#8220; (30.3.2007). Am 11. Juni 2007 strahlte der TV-Sender RTL eine Diskussion aus, der die deutsche Version des BBC Films &#8222;The Great Global Warming Swindle&#8220; vorangestellt worden war. Die wissenschaftliche Expertise zur Klimamandelproblematik wird also insgesamt kritischer und als weniger aussagekr&auml;ftig beurteilt. Das bedeutet aber nicht zwangsl&auml;ufig, dass ein so genannter Backflash eingesetzt hat, sondern zun&auml;chst lediglich, dass die Diskussion differenzierter und polarisierter geworden ist. Dass davon auch die politischen Ma&szlig;nahmen nicht unber&uuml;hrt bleiben k&ouml;nnen, erstaunt kaum noch.</p>
<p>&#8222;Die CO2-Keule wird dazu benutzt, uns ein schlechtes Gewissen einzureden, und sie wird als Alibi von den Politikern verwendet, um nicht nur den Steuerzahler immer h&ouml;her zu belasten, sondern auch die unsinnigsten Projekte zu f&ouml;rdern&#8220; (FAZ 24.7.2007, Ti)</p>
<p>In den Tagen, in denen dieser Beitrag entsteht, ist eine bizarre Diskussion entbrannt, die zun&auml;chst in der FAZ gef&uuml;hrt und ver&ouml;ffentlicht wird. Am 30.8.2007 publiziert Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut f&uuml;r Klimafolgenforschung (PIK) einen Artikel unter der &Uuml;berschrift &#8222;Alles nur Klimahysterie?&#8220;, in welchem er in ungew&ouml;hnlich scharfer Weise die Skeptiker des Klimawandels in den Medien und der Wissenschaft angreift. Damit ist insofern eine neue Qualit&auml;t erreicht, als es nicht mehr um den kontroversen Austausch von mehr oder weniger konkurrierenden Positionen geht, sondern um offene &#8211; und namentliche &#8211; Diffamierung. In der darauf folgenden Woche, am 5.9.2007, antwortet ein Teil der von Rahmsdorf wegen unlauterer Methoden und Falschaussagen attackierter Wissenschaftler und Journalisten in der FAZ, dass &#8222;vielmehr (&#8230;) Stil und Inhalt (auf) eine tiefe Unsicherheit und ein bizarres Geltungsbed&uuml;rfnis hinweisen&#8220;. Am 12. September 2007 schaltet sich Spiegel-Online unter dem Titel &#8222;Die rabiaten Methoden des Klimaforschers Rahmstorf&#8216; ein und stellt die Argumente des Klimawissenschaftlers und der Klimaskeptiker gegen&uuml;ber, allerdings nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Rahmstorf sich &#8222;die Erziehung von Journalisten vorstellt&#8220; (<a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0%2C1518%2C505095-2%2C00.htm1" target="_blank" rel="noopener">http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,505095-2,00.htm1</a>).</p>
<p>Es bleibt zu beobachten, wie dieser Streit weiter gef&uuml;hrt wird und vor allem wie die gesellschaftlichen Systeme weiterhin mit dem Klimaproblem umgehen werden. Die Beobachtung der gesellschaftlichen Wahrnehmung des anthropogenen Klimawandels zeigt, dass ein Diskurs &uuml;ber kommende Umweltkatastrophen zu unterschiedlichen Zeiten und unterschiedlichen Bedingungen sich jeweils neu erschaffen kann und dann jeweils neue gesellschaftliche Wirklichkeiten konstruiert.</p>
<p>Wenngleich die Schwierigkeiten, eine verbindliche weltweite Klimaschutzkonvention zu verabschieden nach wie vor un&uuml;berwindlich erscheinen, l&auml;sst doch die politische Wahrnehmung und Bedrohung des Problems &#8211; fernab von der medialen Verarbeitung &#8211; erkennen, dass der anthropogene Klimawandel als &ouml;kologisches Risiko ernst genommen wird. Schlie&szlig;lich handelt es sich um die ultimative, die gr&ouml;&szlig;te und zugleich auch die letzte denkbare Katastrophe, die durch die Sorglosigkeit oder Uners&auml;ttlichkeit im Umgang mit Ressourcen vom Menschen selbst verursacht zu werden droht.</p>
<p>(1)Teile der folgenden Abschnitte sind ausf&uuml;hrlicher ver&ouml;ffentlicht in Pansegrau, P. , Engels, A. &amp; Peter Weingart 2000. Alle reden vom Klima. Kommunikationen zum Klimawandel zwischen Wissenschaft, Politik und Massenmedien. In: Forschung an der Universit&auml;t Bielefeld 22/2000.</p>
<p>(2)Vgl. hierzu ausf&uuml;hrlicher Weingart, P., Engels, A. &amp; Petra Pansegrau 2002. Von der Hypothese zur Katastrophe. Der anthropogene Klimawandel im Diskurs zwischen Wissenschaft, Politik und Massenmedien. Leske + Budrich.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/179-vorgaenge/publikation/winds-of-change/">&#8222;Winds of change&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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