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	<title>Thomas Grumke Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Globalisierte Anti-Globalisten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Mar 2012 10:20:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie vernetzen sich Rechtsextremisten international und warum? Aus: Vorg&#228;nge: (Heft 1/2012), S.60-67 I. Die Kontextbedingungen in Zeiten der Globalisierung sind f&#252;r Rechtsextremismus g&#252;nstig. Dass die Globalisierung der Entstehung beziehungsweise Verbreitung von Rechtsextremismus Vorschub leistet, kann als gesichert gelten (vgl. St&#246;ss 2004; Grumke 2006). Globalisierungsprozesse machen vielen Menschen schlicht Angst. &#8222;So wird die Angst vor scheinbar [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/197-vorgaenge/publikation/globalisierte-anti-globalisten/">Globalisierte Anti-Globalisten</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie vernetzen sich Rechtsextremisten international  und warum?</p>
<p>Aus: Vorg&auml;nge: (Heft 1/2012), S.60-67</p>
<h5>I.</h5>
<p>Die Kontextbedingungen in Zeiten der Globalisierung sind f&uuml;r Rechtsextremismus g&uuml;nstig. Dass die Globalisierung der Entstehung beziehungsweise Verbreitung von Rechtsextremismus Vorschub leistet, kann als gesichert gelten (vgl. St&ouml;ss 2004; Grumke 2006). Globalisierungsprozesse machen vielen Menschen schlicht Angst. &#8222;So wird die Angst vor scheinbar Unbew&auml;ltigbarem transportiert in Angst vor etwas, das abzuwehren nicht v&ouml;llig aussichtslos ist, in Angst vor Kriminalit&auml;t, vor Asozialen, vor Minderheiten und dergleichen, oder es wird &#8211; was oft auf das Gleiche hinauskommt &#8211; der Bedrohung eine Struktur unterstellt&#8221; (Welzk 1998: 38). Die Prozesse und Zumutungen der Globalisierung wirken hierbei als Humus f&uuml;r den Rechtsextremismus national als auch international.</p>
<p>Als Beleg hierf&uuml;r mag der Wahlerfolg der rechtsextremistischen Partei Jobbik in Ungarn als auch die Reaktion darauf gelten. In einer Gru&szlig;botschaft vom 11. April 2010 aus diesem Anlass schrieb der damalige NPD-Vorsitzende Udo Voigt:</p>
<p>&#8222;Inhaltlich gibt es viel &Uuml;bereinstimmung zwischen unseren L&auml;ndern und unseren beiden Parteien. [&#8230;] Das ungarische Volk beginnt sich mit dem heutigen Tag gegen den Ausverkauf, gegen die Ausbeutung durch Globalisierung, gegen Imperialismus und den &#8222;American-Way-of- Life&#8221; mit der geplanten multikulturellen Verschmelzung mit Fremden wirksam zu wehren. [&#8230;] Wir stehen an Eurer Seite! F&uuml;r ein freies Ungarn, Deutschland und Europa!&#8221;</p>
<p>Hiermit sind die zentralen Themen der zeitgen&ouml;ssischen extremistischen Rechten und auch die zentrale ideologische Grundlage f&uuml;r deren internationale Kooperation genannt. Rechtsextremisten haben eine eigene Begriffs- und Gedankenwelt aufgebaut, die im Folgenden kurz dargestellt werden soll, um die Grundlage f&uuml;r das Verst&auml;ndnis der internationalen Vernetzung der Szene zu erh&ouml;hen.</p>
<h5>II.</h5>
<p>Globalisierung ist gleicherma&szlig;en &uuml;ber alle nationalen Grenzen hinweg ein zentrales Kampf- und Agitationsthema f&uuml;r Rechtsextremisten. Dar&uuml;ber hinaus werden mit der rechtsextremistischen Globalisierungskritik soziale und kulturelle Themen verquickt und wiederum ethnisiert. Der Gegenentwurf ist eine re-nationalisierte, v&ouml;lkische Ordnung &#8211; also nicht weniger als die Rekonstruktion einer ethnisch definierten Volksgemeinschaft.</p>
<p>An dieser Stelle sollen Begriffsdefinitionen aus dem &#8222;Kleinen Lexikon der politischen Grundbegriffe&#8220;[2] beispielhaft herangezogen werden. Unter dem Eintrag &#8222;Globalisierung&#8221; ist zu lesen: &#8222;Globalisierung ist das Bestreben des internationalen Kapitalismus, m&ouml;glichst einheitliche, den Gewinn steigernde Rahmenbedingungen zur Heranschaffung von Arbeitskr&auml;ften, Ausbeutung der Rohstoffe sowie zum monopolistischen Warenabsatz zu schaffen&#8221;. Diese Entwicklung habe &#8222;die Zerst&ouml;rung eigenst&auml;ndiger regionaler und nationaler Lebens- und Wirtschaftsformen&#8221; bewirkt.[3] Der &#8222;Internationalismus&#8221; wird wiederum als &#8222;Gegenst&uuml;ck des Nationalismus&#8221; bezeichnet. Er sei der Versuch, &#8222;weltweit die V&ouml;lker, ihre Wirtschaft und ihre &uuml;berlieferten Lebensweisen zu beherrschen, umzuformen, und um des Gewinns willen auszubeuten&#8221; .[4] Globalisierung ist im rechtsextremistischen Verst&auml;ndnis also ein Herrschaftsinstrument derjenigen, die Nationen und deren Eigenst&auml;ndigkeit und Eigenarten im Namen des Profits einebnen und zerst&ouml;ren wollen. Eine erhebliche Gefahr geht hierbei vor allem von den USA aus, die als eine Art Globalisierungszentrale gesehen werden, denn: &#8222;Internationalismus und Globalisierung sowie der Imperialismus der ,westlichen Wertegemeinschaft&#8216; im Schlepptau der USA gef&auml;hrden die Souver&auml;nit&auml;t der V&ouml;lker in hohem Ma&szlig;e&#8220;,[5]</p>
<p>Insofern ist von dem Prozess der Globalisierung aus rechtsextremistischer Sicht nicht allein die nationale &Ouml;konomie, sondern &#8211; noch wichtiger &#8211; die nationale Kultur, Identit&auml;t und Tradition auf das &Auml;rgste bedroht. Gilt es doch f&uuml;r jede Generation, &#8222;sich auf das Neue mit der kulturellen &Uuml;berlieferung ihres Volkes sch&ouml;pferisch auseinander zu setzen&#8221; .[6] MTV, McDonalds und sonstiger von Jugendlichen konsumierter &#8222;US-amerikanischer Einheitsbrei fungieren in der rechtsextremistischen Gedankenwelt als Kultur zersetzende internationalistische Instrumente eines planvoll gesteuerten &#8222;Globalismus&#8221;. Dieser wiederum bildet das Gegenteil zu dem erw&uuml;nschten Streben nach Autarkie. Im zeitgen&ouml;ssischen Rechtsextremismus spielt der Begriff &#8222;Globalismus&#8221; eine zentrale Rolle und steht vielfach im rechtsextremistischen Kontext f&uuml;r die Macht eines geschichts- und gesichtslosen Gro&szlig;kapitals, f&uuml;r &#8222;amerikanischen Kulturimperialismus&#8221; und f&uuml;r einen &#8222;multirassischen Genozid&#8221;, der &#8222;von Washington, Wall Street und Hollywood&#8221; angeblich angestrebt wird. Eine Art Monopolstellung liegt hiernach bei den USA, insbesondere bei deren Ostk&uuml;ste (als Synonym f&uuml;r eine j&uuml;dische Vorherrschaft).Mit der von dort initiierten &#8222;&Uuml;berfremdungspolitik&#8221; solle Deutschland entscheidend geschw&auml;cht und mit dem st&auml;ndigen Hinweis auf die Verbrechen der Vergangenheit de-moralisiert und entw&uuml;rdigt werden. Begrifflich und inhaltlich ist hier zu unterscheiden zwischen dem Prozess der Globalisierung und dem &#8222;Globalismus&#8221;. In den vom Nationaldemokratischen Hochschulbund, dem Studentenverband der NPD, erstellten und in der rechtsextremistischen Bewegung weitl&auml;ufig kursierenden &#8222;12 Thesen zum Globalismus&#8220; wird der Unterschied herausgearbeitet: &#8222;Globalisierung ist der Proze&szlig;, dessen sich die Globalisten zur Durchsetzung ihrer Ziele bedienen.&#8221; Im Einzelnen wird hier weiter ausgef&uuml;hrt: &#8222;Die von den Globalisten hervorgerufenen Migrationsstr&ouml;me f&uuml;hren ebenso wie die Uniformit&auml;t der M&auml;rkte, ihrer Produkte und ihrer Kommunikation, zur Zerst&ouml;rung gewachsener Sprachen und Kulturen.&#8220;[8]</p>
<p>Rechtsextremisten sehen also den Prozess der Globalisierung als willentlich gesteuerte Vernichtung von Kulturen, Traditionen und Werten (und letztlich von Nationen und V&ouml;lkern) durch die oben beschriebenen m&auml;chtigen &#8222;Globalisten&#8221;. Im von Rechtsextremisten international verstandenen Code sind &#8222;Globalisten&#8221; auch &#8222;Ostk&uuml;ste&#8221;, ist der &#8222;Globalismus&#8221; auch &#8222;New World Order&#8221; (NWO), und sind die in diesen &#8222;Globalisierungsplan&#8221; verwickelten Regierungen und Eliten auch &#8222;Zionist Occupied Government&#8221; (ZOG). Hinter den Buchstaben ZOG verbirgt sich der Glaube an eine j&uuml;dische Weltverschw&ouml;rung, bei der alle demokratischen Regierungen sowie Banken, Medien und vieles mehr insgeheim von Juden kontrolliert werden und die unter allen Umst&auml;nden bek&auml;mpft werden muss. Und: gegen einen so m&auml;chtigen Feind kann nur gemeinsam gek&auml;mpft werden!</p>
<p>Ein weiteres Schreckensbild ist die &#8222;Eine Welt&#8221; (oder &#8222;New World Order&#8220;), die im &#8222;Kleinen Lexikon der politischen Grundbegriffe&#8220;[9] als &#8222;Wahnvorstellung&#8221; bezeichnet wird, &#8222;gespeist durch den Glauben an eine homogene ,Menschheit&#8216; ohne Bindungen und &Uuml;berlieferungen&#8221;. In diesem Zusammenhang werden gleich zwei weitere Feindbestimmungen vorgenommen, die Vereinten Nationen und die Menschenrechte: &#8222;Werk-zeug des Imperialismus zur Schaffung der ,Einen Welt&#8216; sind die ,Vereinten Nationen&#8216;. Die ideologische Leimrute zur weltweiten Durchsetzung der ,westlichen Werte&#8216; sind die ,Menschenrechte&#8220;.[10]</p>
<p>Der rechtsextremistischen Logik zufolge wird &#8222;im Namen der Menschenrechte das Individuum &uuml;ber ein bestimmtes Kollektiv gestellt, womit dessen als egoistisch geltende Interessen die angeblichen Interessen der ethnischen Gemeinschaft&#8221; &uuml;berlagern (Pfahl-Traughber 2006: 41ff.). &#8222;Das Gebot der Stunde&#8221;, stellt Karl Richter, seit 2009 stellvertretender NPD-Bundesvorsitzender und Mitglied im Rat der Stadt M&uuml;nchen, fest, &#8222;bleibt nachhaltiges und entschiedenes Opponieren gegen alles, was uns derzeit von den gro&szlig;en Br&uuml;dern angepriesen wird: Globalisierung, Menschenrechte, Multikulti, die Liberalisierung und Atomisierung aller Lebensbereiche&#8221; (Richter 2002: 1). Wer diese &#8222;Gro&szlig;en Br&uuml;der&#8221; sind, bleibt freilich offen. Wesentlich aufschlussreicher sind hier die Einlassungen in der NPD-Brosch&uuml;re &#8222;Argumente f&uuml;r Kandidaten &amp; Funktionstr&auml;ger. Eine Handreichung f&uuml;r die &ouml;ffentliche Auseinandersetzung&#8221;, in der die Frage &#8222;Warum lehnt die NPD so entschieden die Globalisierung ab?&#8221; folgenderma&szlig;en beantwortet wird: &#8222;Es handelt sich bei der Globalisierung um das planetarische Ausgreifen der kapitalistischen Wirtschaftsweise unter der F&uuml;hrung des Gro&szlig;en Geldes. Dieses hat, obwohl seinem Wesen nach j&uuml;disch-nomadisch und ortlos, seinen politisch-milit&auml;risch beschirmten Standort vor allem an der Ostk&uuml;ste der USA.&#8221; (NPD 2006: 19). Und weiter in Horst-Mahler-Manier: &#8222;Die durch die modernen Kommunikationstechnologien und Massenmedien gef&ouml;rderte kulturelle Veramerikanisierung greift die organisch gewachsenen Identit&auml;ten der V&ouml;lker an und arbeitet an einem konsumistisch abgerichteten Welteinheitsmenschen.&#8221; (Ebd.).</p>
<p>Globalisierung steht zusammenfassend im rechtsextremistischen Kontext wahrhai global f&uuml;r die Macht eines heimatlosen Gro&szlig;kapitals, f&uuml;r amerikanischen Kulturimpe rialismus und f&uuml;r einen &#8222;multirassischen Genozid&#8221; beziehungsweise ein &#8222;rassezerst&ouml; rendes Tr&uuml;mmerfeld&#8221;, das &#8222;von Washington, Wall Street und Hollywood angestrelwird&#8221;, wie es der Vorsitzende der &#8222;British National Party&#8221; (BNP), der Europaabgeord nete Nick Griffin, in einem Interview mit der Deutschen Stimme im Jahre 2002 formu lierte.[11]</p>
<h5>III.</h5>
<p>Im 21. Jahrhundert formiert sich ein transnationales Netzwerk von Rechtsextremister das von einer kollektiven Identit&auml;t und einer international kompatiblen Ideologie getragen wird. Die kollektive Identit&auml;t ist a) die eines Wei&szlig;en im Sinne einer ethnischer Zu geh&ouml;rigkeit und b) die eines dezidiert abendl&auml;ndischen Kulturkreises im Sinne eine Kulturzugeh&ouml;rigkeit. Die kompatiblen ideologischen Elemente sind die Re-Nationalisierung und Re-Ethnisiserung der Politik und die v&ouml;lkisch verfasste Gegnerschaft zur parlamentarisch demokratischen System (vgl. oben und ausf&uuml;hrlicher: Grumke 2006).</p>
<p>Wenn der Rechtsextremismus mehr sein will als die Summe nationaler Sammelbe cken des Protests gegen sozialen Wandel, progressive Diskurse und Multikulturalit&auml; wenn er seine fundamentalen Ziele auch wirklich politisch realisieren will, dann muss e auch global denken und handeln, dann muss er auch als transnationaler Akteur auftrf ten. Richard St&ouml;ss (2001: 2) stellt zutreffend fest: &#8222;Das Ausma&szlig; der Vernetzung der nationalen Rechtsextremismen, die Frage insbesondere, ob es ihnen gelingt, die nationale und internationalen Gegens&auml;tze zu &uuml;berwinden, kann als ein wichtiger Indikator f&uuml;r die Politikf&auml;higkeit und damit f&uuml;r das Bedrohungspotenzial, das vom Rechtsextremismu ausgeht, angesehen werden.&#8221; Obwohl in den eigenen L&auml;ndern oft notorisch zerstritter kristallisiert sich zumindest auf ideologischer Ebene so etwas wie eine transnational extremistische Rechte, zugespitzt: eine Internationale der Nationalisten, heraus. Auf die &nbsp;Folie gemeinsamer Feindidentifikation entwickelt sich eine engmaschiger werdend Infrastruktur mit regelm&auml;&szlig;igen Veranstaltungen, festen Kommunikationsplattforme und einem regen Austausch von Waren und Ideen.</p>
<p>Der ideelle Grundstein f&uuml;r eine transnationale Kooperation von Rechtsextremiste ist gelegt. Unabh&auml;ngig von den jeweils unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontex strukturen, Mobilisierungs- und Agitationsst&auml;rken der nationalen rechtsextremistische Szenen reicht die grenz&uuml;berschreitende Vernetzung der extremistischen Rechten scho seit vielen Jahren bis in das Europaparlament. Am 17. November 2004 besuchte der damalige NPD-Parteivorsitzende Udo Voigt auf Einladung der Abgeordneten Alessanc ra Mussolini d&auml;s Europaparlament in Stra&szlig;burg. Hier kam es dann auch zu weitere Treffen und informellen Gespr&auml;chen mit den Vorsitzenden des Front National, Jean Marie Le Pen, der Forza Nuova und der Lega Nord.12 In einer Presseerkl&auml;rung zu diese Treffen traten zu den &uuml;blichen Leitmotiven auch die strikte Ablehnung eines Et Beitritts der T&uuml;rkei und die Beschw&ouml;rung einer internationalen Solidarit&auml;t der Nationalisten:</p>
<p>&#8222;Im politischen Kampf gegen die &Uuml;berfremdung, Globalisierung und der Eind&auml;mmung des amerikanischen Wirtschaftsimperialismus herrschte &Uuml;bereinstimmung, wie in der Ablehnung eines Beitrittes der T&uuml;rkei zur EU. Nach intensiven Gespr&auml;chen kam man zu der &Uuml;bereinkunft, k&uuml;nftig in Europa besser und vor allem intensiver zusammen zuarbeiten. Die Abgeordnete Alessandra Mussolini sicherte dem Parteivorsitzenden der NPD ihre Unterst&uuml;tzung f&uuml;r nationale deutsche Anliegen im Europaparlament zu.[13]</p>
<p>Was damals noch die Ausnahme schien, ist heute die Regel. Es geh&ouml;rt seit Jahren zur Normalit&auml;t, dass rechtsextremistische Stammtermine wie das &#8222;Rudolf-Hess-Gedenken&#8221;, der 1. Mai oder das Gedenken der Bombardierung Dresdens mit massiver internationaler Beteiligung stattfanden bzw. -finden. Mit der gleichen Selbstverst&auml;ndlichkeit nehmen deutsche Rechtsextremisten an Veranstaltungen, Demonstrationen oder Konzerten von Gesinnungsgenossen im Ausland teil, wie z. B. am Franco-Gedenken in Madrid.</p>
<p>Heute sind alle Rechtsextremisten in westlichen Industriel&auml;ndern mit nahezu identischen Herausforderungen konfrontiert. Der Feind ist nicht national sondern global organisiert. Dementsprechend orientieren sich mehr und mehr Rechtsextremisten hin zu einer transnationalen Vernetzung, um gegen die schier &uuml;berm&auml;chtige (j&uuml;dische) Verschw&ouml;rung anzuk&auml;mpfen. Im Zuge dieser Entwicklung ist die Vernetzung engmaschiger geworden, haben sich Auslandskontakte intensiviert, haben sich die Kommunikationswege verbessert, herrschen ein permanenter Informationsaustausch und ein reger Veranstaltungstourismus.</p>
<p>Die Zahl international besuchter rechtsextremistischer Treffen, Veranstaltungen und Demonstrationen nimmt st&auml;ndig zu. Auf diese Weise ergibt sich ein komplexes Geflecht aus Kooperationen, das an den in diesem Beitrag dargestellten Beispielen deutlich geworden ist. Die diesem Netzwerk zu Grunde liegende pan-arische Ideologie ist quasi ei-ne moderne anti-moderne Ideologie. Geleitet von den international bekannten &#8222;14 Words&#8221; des amerikanischen Rechtsterroristen David Lane (&#8222;We must secure the existence of our people and a future for white children&#8221;) und der fundamentalen Gegnerschaft zu ZOG verf&uuml;gen Rechtsextremisten &uuml;ber einen gemeinsamen, die Vergangenheit glorifizierenden und gleichsam zukunftsweisenden Feind- und Gegenmythos, der alle sonstigen ideologischen Differenzen &uuml;berlagert. Transnational kooperierende Rechtsextremisten sind nicht schlicht Fahnen schwenkende Patrioten, sondern ausgesprochen systemkritische bzw. -feindliche fundamentale Gegner von Pluralismus, parlamentarischer Demokratie und allen ihren Vertretern. Dieser identit&auml;tsorientierte Widerstand ist eine Globalisierung des Hasses und in West- wie Osteuropa gleicherma&szlig;en ein Kampf um die Parlamente und die Zivilgesellschaft.</p>
<h5>IV.</h5>
<p>Die von Rechtsextremisten propagierte v&ouml;lkische Re-Nationalisierung und Re-Ethnisierung der Politik ist eine fundamentale Alternative sowohl zur dominanten neoliberalen Globalisierung als auch zur sozial&ouml;kologisch abgefederten Version (&#8222;Global Governance&#8220;) und muss entsprechend ernst genommen werden. Die zunehmende reflexive Moderne, d. h. der sich beschleunigende soziale und politische Wandel, leistet der Mobilisierung der extremistischen Rechten Vorschub.<br />Im 21. Jahrhundert ist eine Internationalisierung oder besser Transnationalisierung des Rechtsextremismus vor allem in einem ideologischen, aber auch in einem strukturellen Sinne, verst&auml;rkt zu beobachten. Es mag paradox erscheinen, doch der &#8222;Nationale Widerstand&#8221; muss nicht zwangsl&auml;ufig vom eigenen Land aus gef&uuml;hrt werden. Die rechtsextremistischen Anti-Globalisten &#8222;globalisieren&#8221; sich &#8211; und, um es noch komplexer zu machen: ein einigendes ideologisches Element ist dabei der Kampf gegen den &#8222;Globalismus&#8221;.<br />Die extremistische Rechte reagiert auf die Zumutungen des von ihr diagnostizierten &#8222;Globalismus&#8221;. Dabei wird &#8222;dem Trend zur Verfl&uuml;ssigung [&#8230;] mit einer Rehomogenisierung des Identit&auml;ren und einer Reaffirmation vermeintlicher Gewissheiten begegnet&#8221; (Scharenberg 2003: 663). &#8222;Globalismus&#8221; und die soziale Frage sind f&uuml;r Rechtsextremisten neue Kampagnen-, Kampf- und Propagandathemen geworden. Als Vollstrecker des Volkswillens, dem der Globalisierungsprozess zu schnell voranschreitet, sehen sich Rechtsextremisten allemal.</p>
<p>Festzuhalten ist abschlie&szlig;end:</p>
<ul>
<li>Heute kann Rechtsextremismus als internationales, modernes und vielschichtiges Ph&auml;nomen beschrieben werden (vgl. Minkenberg 1998; vgl. Greven/Grumke 2006);</li>
<li>Rechtsextremisten operieren heute von einer grundlegend anderen, sie beg&uuml;nstigenden gesellschaftlichen (multikulturelle Erlebnisgesellschaft, Globalisierung) und technologischen Basis (Internet, soziale Medien) als alle Rechtsextremisten vorher. Der transnationale Rechtsextremismus w&auml;re ferner nicht denkbar ohne das Ende des Kalten Krieges und das Angleichen der politischen und der sozio&ouml;konomischen Lebenswelten weltweit.</li>
<li>Gegnerschaft zur Globalisierung und der Einsatz f&uuml;r &#8211; wie auch immer verstandene &#8211; soziale Gerechtigkeit ist per se weder links noch rechts beheimatet;</li>
<li>&nbsp;Rechtsextremisten reagieren &#8222;auf die durch Globalisierung und Denationalisie-<br />rung beschleunigte Enttraditionalisierung und ,Entgrenzung` des Identit&auml;ren&#8221;(Scharenberg 2003: 662);</li>
<li>Rechtsextremisten sind keine Globalisierungskritiker, sondern Anti-Globalisten, ihr Ansatz ist nicht progressiv-demokratisch, sondern v&ouml;lkisch-extremistisch;</li>
<li>Das ideologische Arsenal von Volk und Nation wird von Rechtsextremisten um Kampfbegriffe wie Globalisierung, Kapitalismus, Imperialismus und Identit&auml;t erweitert und so auch international kompatibel gemacht (vgl. Grumke 2006);</li>
<li>&nbsp;Sowohl aufgrund ihrer internen strukturellen Voraussetzungen als auch einzelner externer Rahmenbedingungen &#8211; insbesondere einer &#8222;kulturellen Resonanz&#8221; bei Teilen der Bev&ouml;lkerung (vgl. Grumke 2008: 488ff ) &#8211; ist zu erwarten, dass die rechtsextremistische Bewegung sich nicht einfach ersch&ouml;pft oder durch &auml;u&szlig;ere Repression v&ouml;llig marginalisiert werden kann. Anders als vereinzelt 66&nbsp;vorg&auml;nge Heft 1/2012, S. 60&#8212;67&nbsp;Thomas Grumke: Globalisierte Anti-Globalisten&nbsp;67<br />mutet, handelt sich bei der rechtsextremistischen Bewegung in Deutschland nicht um eine &#8222;schmerzhafte Episode&#8221; (Ohlemacher 1994), sondern, wie schon in der weiter zur&uuml;ckliegenden Vergangenheit, um eine &#8222;normale Pathologie westlicher Industriegesellschaften&#8221; (Scheuch/Klingemann 1967: 12ff.)</li>
<li>Rechtsextremisten leben, wie &uuml;brigens alle Fundamentalisten, in einer hermetischen ideologischen Gegenwelt. Gesellschaftlich ist also die Frage: Wie kann die liberale Gesellschaft eine absolute Feinderkl&auml;rung annehmen, ohne ihre eigenen freiheitlichen demokratischen Ideale zu verraten?</li>
</ul>
<p>[1] &#8222;NPD freut sich &uuml;ber den Wahlerfolg der Jobbik-Partei&#8221;, Pressemitteilung der NPD vom 11.4.2010 auf: <a href="http://www.npd.de/html/714/artikel/detail/1228" target="_blank" rel="noopener">http://www.npd.de/html/714/artikel/detail/1228</a> (5.3.2012).<br />[2] Hier und im Folgenden: &#8222;Taschenkalender des Nationalen Widerstandes 2006&#8221;, hrg. vom Deutsche Stimme-Verlag, Riesa, ohne Seiten (siehe: <a href="http://www.ds-versand.de/" target="_blank" rel="noopener">http://www.ds-versand.de</a>).<br />[3] Ebd., Eintrag &#8222;Globalisierung&#8221;.<br />[4] Ebd., Eintrag &#8222;Internationalismus&#8221;.<br />[5] Ebd., Eintrag &#8222;Souver&auml;nit&auml;t&#8221;.<br />[6] Ebd., Eintrag &#8222;Kultur&#8221;.<br />[7] Ebd., Eintrag &#8222;Autarkie&#8221;.<br />[8] httpa/www.npd goettingen.de/Weltanschauung/12_Thesen_zum_Globalismus.html (5,3.2012).<br />[9] Hier und im Folgenden: &#8222;Taschenkalender des Nationalen Widerstandes 2006&#8221;, hrg. vom Deutsche Stimme-Verlag, Riesa, ohne Seiten (siehe: <a href="http://www.ds-versand.de/" target="_blank" rel="noopener">http://www.ds-versand.de</a>).<br />[10] Ebd., Eintrag &#8222;Eine Welt&#8221;.<br />[11] &#8222;Freiheitsrechte der V&ouml;lker zur&uuml;ckfordern. Interview mit Nick Griffin&#8221;, in: Deutsche Stimme, M&auml;rz 2002: 3.<br />[12] &#8222;NPD-Parteivorsitzender zu Gast bei Alessandra Mussolini in Stra&szlig;burg&#8221;, Pressemeldung vom 21.11.2004 auf <a href="http://www.npd.de/" target="_blank" rel="noopener">www.npd.de</a>.<br />[13] Ebd.</p>
<p><b>Literatur<br /></b></p>
<p>Deutsche Stimme-Verlag (Hg.) (2006): Taschenkalender des Nationalen Widerstandes 2006. Riesa. (siehe: <a href="http://www.ds-versand.de/" target="_blank" rel="noopener">http://www.ds-versand.de</a>).<br />Greven, Thomas/Grumke, Thomas (Hg.) (2006): Globalisierter Rechtsextremismus? Die extremistische Rechte in der &Auml;ra der Globalisierung. Wiesbaden.<br />Grumke, Thomas (2006): Die transnationale Infrastruktur der extremistischen Rechten. In: Greven, Thomas/Grumke, Thomas (Hg.), Globalisierter Rechtsextremismus? Die extremistische Rechte in der &Auml;ra der Globalisierung. Wiesbaden. S.130&#8211;159.<br />Grumke, Thomas (2008): Die rechtsextremistische Bewegung. In: Roth, Roland/Rucht, Dieter (Hg.):<br />Die Sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945. Ein Handbuch. Frankfurt/M.: S. 475&#8212;492.<br />Minkenberg, Michael (1998): Die neue radikale Rechte im Vergleich. USA, Frankreich, Deutschland, Opladen.<br />NPD (2006): Argumente f&uuml;r Kandidaten &amp; Funktionstr&auml;ger. Eine Handreichung f&uuml;r die &ouml;ffentliche Auseinandersetzung. Berlin.<br />Ohlemacher, Thomas (1994): Schmerzhafte Episoden. Wider die Rede von einer rechten Bewegung im wiedervereinigten Deutschland. In: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen H. 4, Jg.7: 5.16&#8212;25.<br />Pfahl-Traughber, Armin (2006): Globalisierung als Agitationsthema des organisierten Rechtsextremismus in Deutschland. In; Greven, Thomas/Grumke, Thomas (Hg.): Globalisierter Rechtsextremismus? Die extremistische Rechte in der &Auml;ra der Globalisierung. Wiesbaden. S. 30&#8212;51.<br />Richter, Karl (2002): Der Chaoskanzler&#8220;. In: Opposition, H.1, Jg. 5: 1.<br />Scharenberg, Albert (2003): Pl&auml;doyer f&uuml;r eine Mehrebenenanalyse des Rechtsextremismus. In: Deutschland Archiv, Nr. 4: S. 659&#8212;672.<br />Scheuch, Erwin K./Klingemann, Hans-Dieter (1967): Theorie des Rechtsradikalismus in westlichen Industriegesellschaften, In: Hamburger Jahrbuch f&uuml;r Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik 12. T&uuml;bingen. S. 11&#8212;29.<br />St&ouml;ss, Richard (2001): Zur Vernetzung der extremen Rechten in Europa, Arbeitshefte aus dem Otto-Stammer-Zentrum, Nr.5, Berlin.<br />St&ouml;ss, Richard (2004): Globalisierung und rechtsextreme Einstellungen. In: Bundesministerium des Innern (H~.): Extremismus in Deutschland. Berlin. S. 82&#8211;97.<br />Welzk, Stefan (1998): Globalisierung und Neofaschismus. In; Kursbuch, H. 134, Dezember: S. 37&#8212;47.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/197-vorgaenge/publikation/globalisierte-anti-globalisten/">Globalisierte Anti-Globalisten</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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