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	<title>Thymian Bussemer und Alexander Lammann Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Editorial</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/164-vorgaenge/publikation/editorial-45/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Jun 2013 14:01:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>In: vorgänge 164 (Heft 4/2003), S. 1-3 Eine Demonstration, so könnte man frei nach Gertrude Stein behaupten, ist eine Demonstration ist eine Demonstration: Menschen, die für bestimmte Anliegen auf die Straße gehen, Fahnen hochhalten und Transparente schwenken. In den letzten Jahren werden die traditionellen Protestformen allerdings kräftig aufgemischt: Aktivisten schicken ihr &#132;letztes Hemd&#148; ins Kanzleramt, [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In: vorgänge 164 (Heft 4/2003), S. 1-3</p>
<p>Eine Demonstration, so könnte man frei nach Gertrude Stein behaupten, ist eine Demonstration ist eine Demonstration: Menschen, die für bestimmte Anliegen auf die Straße gehen, Fahnen hochhalten und Transparente schwenken. In den letzten Jahren werden die traditionellen Protestformen allerdings kräftig aufgemischt: Aktivisten schicken ihr &#132;letztes Hemd&#148; ins Kanzleramt, Bürgermeister steigen nackt in Schwimmbäder, massenhaft versandte E-Mails legen die Server von Regierungszentralen lahm und auch die Demonstration als solche wandelt ihr Gesicht: Phänomene wie Tute Bianche und Pink&#038;Silver beweisen, dass Demonstrationen nicht länger mehr oder minder disziplinierte Manifestationen politischer Überzeugungen sein müssen, sondern auch Foren für individuelle Selbstdarstellung und -verwirklichung, für innere Befreiungsakte und intensive Gemeinschaftsgefühle sein können. Pink &#038; Silver wurde erstmals bei den Demonstrationen in Prag anlässlich des IWF-Gipfels und beim G8-Gipfel in Genua im Sommer 2001 praktiziert und will, so die Aktivisten, &#132;mehr Pep und Power in langweilige Latschdemonstrationen bringen&#148;. Dafür wurde die Choreografie jener vorwiegend leicht bekleideten Damen kopiert, die sonst am Rand amerikanischer Baseballplätze Federboas schwenken: Die Aktivistinnen und Aktivisten üben Schritte, Lieder und Slogans ein und tanzen damit durch Straßen, Kaufhäuser, Bürogebäude und Amtsstuben. Ein so genannter &#132;Mega-Puschel&#148; ersetzt die traditionellen Fahnen und Transparente. Tute Bianche dagegen stammt aus den sozialen Zentren in Norditalien. Diese Aktionsform ließe sich als ziviler Ungehorsam mit eingebauter Selbstschutzkomponente umschreiben: Gepolsterte Overalls, Helme, Arm- und Schienbeinschützer, Handschuhe, Gasmasken und Schutzbrillen gehören zur Grundausstattung der Aktivisten. Ziel dieser Batman-mäßigen Ausrüstung ist es, &#132;Angst zu lindern, die physischen Schäden zu lindern und die Gruppe kompakt zu halten&#148;, wie Luca Casarini, der Sprecher der Tute Bianche schreibt.<br />Protest im Wandel: Dieses Heft der vorgänge will ihn nachzeichnen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem politischen Protest in der Bundesrepublik und seiner Reflexion durch eine zunehmend gut ausgebaute Wissenschaft. Deren Ursprünge liegen ganz nahe bei ihrem Gegenstand, die Professionalisierung des Protests hat auch eine Professionalisierung der Protestforschung bewirkt: Die Protestforschung trat Mitte der 1980er ans Licht der akademischen Öffentlichkeit und thematisierte erstmalig die neuen sozialen Bewegungen (NSB) der zweiten Hälfte der 1970er und der ersten Hälfte der 1980er Jahre, also vor allem Frauen-, Friedens- und Umweltbewegung. Zwei Daten markieren das prägende Jahrzehnt der NSB: die erste Bauplatzbesetzung eines AKW in Wyhl/Kaiserstuhl im Jahre 1975 und der Kampf um Wackersdorf 1986. Doch wo stehen die neuen sozialen Bewegungen heute, welchen Stellenwert hat politischer Protest in der Bundesrepublik?<br />Unsere Autorinnen und Autoren versuchen sich an einer Antwort: Dieter Ruckt nimmt den Wandel politischen Protests in der Bundesrepublik in den Blick. Von der Ausnahmeerscheinung zum alltäglichen Phänomen, vom Protest gegen das System zum Protest im System &#151; so ließen sich seine zentralen Thesen zusammenfassen. Ansgar Klein schildert die Wege und Irrwege der Protestforschung und zeigt auf, mit welchen anderen akademischen Disziplinen diese kooperieren muss, um ihren Gegenstand an-gemessen bearbeiten zu können. Holger Nehring nähert sich dem Protest aus vergleichender Perspektive: Er zeigt auf, dass die Anti-Atom-Bewegungen der 1950er Jahre in Deutschland und Großbritannien nur scheinbar identische Bewegungen waren, während letztlich nationale Traditionen für ihre Identität konstitutiv waren. Stefan Hemler verknüpft die zwei dominierenden Deutungen in der Forschung über &#132;1968&#148; &#8211; entweder generationeller Protest oder soziale Bewegung &#151; zu einem beide Stränge umfassenden Neuansatz. Eine positive Würdigung der in den letzten Jahren oft kritisierten 68er-Proteste unternimmt Belinda Davis: Sie untersucht das kreative Potenzial der damaligen Proteste und Tabubrüche und deren Einfluss auf die politische Kultur der Bundesrepublik. Jens Ivo Engels schlägt neue theoretische Kategorien vor, um Protestbewegungen genauer analysieren zu können: Am Beispiel des Umweltprotests in der Bundesrepublik verweist er auf die Bedeutung des Verhaltensstils für die jeweiligen Ausprägungen und die Durchsetzungskraft sozialer Bewegungen. Was die 68er in Deutschland von allen anderen Protestbewegungen unterscheidet, ruft Albrecht von Lucke ins Gedächtnis: Es ist die Macht der NS-Vergangenheit, die konstitutiv für diese Generation wurde und es bis heute ist. Der Erfolg von attac wurde vor allem durch eine professionelle Medienarbeit möglich; deren Wirkung untersucht Felix Kolb. Carolin Welzel analysiert die Transformation des Protests in die virtuelle Welt des Internet und fragt, ob neue soziale Bewegungen künftig noch als sozial bezeichnet werden können. Welche (un)sichtbaren Verbindungslinien zwischen Protest und Theater, zwischen Demonstrationen auf der Bühne und auf der Straße existieren, durchleuchten Christian Hippe und Patrick Ramponi an den Beispielen von Bertolt Brecht und Peter Weiss. Der Literaturbericht rundet wie immer den Thementeil ab.<br />Der Essay von Heinz Bude in diesem Heft begibt sich in das Getümmel der gegenwärtigen Sozialstaatsdebatten: Der Kasseler Soziologe zeigt, woher die unterschiedlichen Positionen zum Sozialstaat stammen, die man in den verschiedenen westdeutschen Nachkriegsgenerationen bis heute erkennen kann. Er zeigt auf, wie die Aufgaben des Sozialstaats künftig definiert werden können, ohne dass er seine Legitimität verliert. In den Kommentaren und Kolumnen diskutiert Michael Opielka, ob ein neuer Pflichtendiskurs gemeinschaftsfördernd wirken könnte. Norbert Reichling beschreibt einen vergessenen Gedenktag in der Geschichte der Judenverfolgung. Neue Gedichte von Tomas Kafka und Jörg Bernig zeigen, dass zumindest Europas Lyriker nach wie vor an der Einheit des Kontinents festhalten. Matthias Zimmer rezensiert die wesentlichen Neuerscheinungen im Adorno-Jahr.<br />Eine weit gehend protestfreie Lektüre wünschen<br />Thymian Bussemer und Alexander Lammann</p>
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		<title>Editorial</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-165/publikation/editorial-44/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Mar 2004 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>aus: Vorgänge Nr. 165 ( Heft 1/2004), S.1 Die Hure Babylon oder das heilige Jerusalem: Schon seit Jahrtausenden ist unser Stadt-Bild von extremen Gegensätzen geprägt. Erschien die moderne Großstadt vielen als gefährlicher, alles verschlingender Moloch, so verhieß sie anderen Freiheit und Selbstverwirklichung, die einzige Alternative zur &#132;Idiotie des Landlebens&#148; (Karl Marx). Doch in jüngster Zeit [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-165/publikation/editorial-44/">Editorial</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>aus: Vorgänge Nr. 165 ( Heft 1/2004), S.1</p>
<p><i>Die Hure Babylon oder das heilige Jerusalem: Schon seit Jahrtausenden ist unser Stadt-Bild von extremen Gegensätzen geprägt. Erschien die moderne Großstadt vielen als gefährlicher, alles verschlingender Moloch, so verhieß sie anderen Freiheit und Selbstverwirklichung, die einzige Alternative zur &#132;Idiotie des Landlebens&#148; (Karl Marx). Doch in jüngster Zeit verschwindet die Stadt als Möglichkeitsraum zunehmend aus der Debatte: Die Krise der deutschen Kommunen, von der allenthalben die Rede und die oft brutale Realität ist, lähmt. Der &#132;Sozialfall Kommune&#148; wird zum vorherrschenden Modell: Regelmäßig ächzt der Deutsche Städtetag laut unter neuen finanziellen Einbußen und Steuerausfällen. Abwanderung und demographischer Wandel heißen die mittlerweile viel diskutierten neuen Bedrohungen gerade ostdeutscher Kommunen; Schrumpfungrund Stadtrückbau statt Stadtumbau sind die aktuellen Stichworte der Debatte.</i></p>
<p>Doch Verfallsgeschichten können keine Lösungen für die kommunale Krise liefern. Die Idee der Stadt muss vielmehr unter veränderten Rahmenbedingungen regeneriert und transformiert werden. Max Weber hat die Stadt als Ort der Emanzipation und Keimzelle der westlichen Moderne beschrieben. Damit das weiterhin gilt, lässt sich zum Glück jenseits der Krisendiagnosen einiges tun: Der künftige Weg der Stadt soll in diesem <i>vorgänge</i>-Heft skizziert werden.</p>
<p><i>Warnfried Dettling</i> bündelt zu Beginn die wesentlichen Herausforderungen, die Städte der Gegenwart bewältigen müssen. Dazu auch gehört die Integration von Zuwanderern, die von Hartmut Häußermann und <i>Walter Siebel </i>als zentrales Problem analysiert wird. <i>Hellmut Wollmann </i>verweist auf die eigenwillige, in einem längeren historischen Prozess entstandene städtische Doppelstruktur als politische Kommune und zivilgesellschaftliche Bürgergemeinde. Die demokratische Stadt ist dabei, so<i> Nils Leopold</i>, in einem ihrer Kernbereiche akut bedroht: grassierende Videoüberwachung gefährdet die städtische Öffentlichkeit. Auch private Sicherheitsdienste haben Konjunktur: Benno Kirsch entdeckt jedoch nach wie vor im Staat den eigentlichen Verursacher freiheitsgefährdender Hypertrophie des Sicherheitsbedürfnisses, Was Kommunen gegen den neuen Trend des &#132;Graswurzel&#8220;-Rechtsextremismus tun können, beschreibt<i> Ingo Siebert</i>. Felicitas Hillmann schildert am Beispiel Berlins, welche verschiedenen Städtebilder von der gegenwärtigen Stadtforschung reproduziert werden und wie diese da-durch politisch wirksam werden. <i>Uwe-Jens Walther </i>weist der Stadtplanung als angewandte Wissenschaft künftige Wege. <i>Heike Liebmann </i>und <i>Tobias Robischon</i> führen am Beispiel des britischen Huddersfield vor, wie Städte auch hierzulande neue Potenziale für sinnvollen städtischen Wandel entwickeln könnten. Ein anderes Beispiel für neue Modelle, die Krise unserer Städte zu meistern, stellen <i>Stephanie Bock </i>und <i>Bettina Reimann </i>vor: den Forschungsverbund Stadt 2030, an dem mehrere deutsche Kommunen teilnehmen und mit verschiedenen Lösungen experimentieren. Ein dabei zunehmend beliebtes Rezept sind Public Private Partnerships; Garsten Krebs beschreibt am Beispiel von Wolfsburg und VW, welche Risiken und Chancen in einer solchen Beziehung stekken.<i> Lena Schulz </i>zur Wiesch schaut auf Jerusalems Stadtpolitik der letzten Jahrzehnte und entdeckt Möglichkeiten, den Nahostkonflikt zumindest lokal erträglicher zu machen. Ein Literaturbericht rundet wie immer den Thementeil ab.</p>
<p>Der <i>Essay </i>von <i>Michael Th. Greven </i>widmet sich dem Werk <i>Claus Offes,</i> sicher eines der einflussreichsten Sozialwissenschaftler der Bundesrepublik in den letzten Jahrzehnten. In den Kommentaren und Kolumnen greift u.a. der ehemalige Bundesverfassungsrichter<i> Jürgen Kühling </i>die heuchlerische Kopftuch-Politik der unionsregierten Länder Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg an.</p>
<p>Intellektuell anregende Lektüre wünschen wie immer</p>
<p>Thymian Bussemer und Alexander Lamm</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-165/publikation/editorial-44/">Editorial</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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