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	<title>Ulrich Busch Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion 1990 als strategische Weichenstellung für Wirtschaft und Gesellschaft</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-250/publikation/die-waehrungs-wirtschafts-und-sozialunion-1990-als-strategische-weichenstellung-fuer-wirtschaft-und-gesellschaft-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Sep 2025 13:02:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensweisen / Pluralismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einleitung In der Präambel des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland ist zu lesen, die Deutschen hätten 1990 „die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet“. Tatsächlich aber steht die Vollendung der Einheit, sofern sie als Garantie gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen Landesteilen und der gleichberechtigten Teilnahme Ost- und Westdeutscher an der Repräsentation und demokratischen Machtausübung begriffen wird, bis [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Einleitung</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">In der Präambel des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland ist zu lesen, die Deutschen hätten 1990 „die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet“. Tatsächlich aber steht die Vollendung der Einheit, sofern sie als Garantie gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen Landesteilen und der gleichberechtigten Teilnahme Ost- und Westdeutscher an der Repräsentation und demokratischen Machtausübung begriffen wird, bis heute aus. Die Bundestagswahl 2025 hat dies durch ihr in Ost und West erheblich voneinander abweichendes Ergebnis klar belegt. Damit wurde zugleich deutlich, dass die Einschätzung einer allmählichen Angleichung des Ostens an den Westen, wie sie alljährlich in den Berichten der Bundesregierung zum Stand der deutschen Einheit behauptet wird, nicht zutrifft. Hinter den Wahlergebnissen – insbesondere dem in allen ostdeutschen Flächenländern auffallend hohen Stimmenanteil der AfD – verbergen sich nicht nur ein (auch im Westen zu findender) ideologischer Rechtsruck und die Ablehnung der Politik der ehemaligen Ampelkoalition, sondern ebenso Enttäuschung, Frustration, Wut und Resignation vieler Ostdeutscher über den Stand der deutschen Einheit.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Ein wichtiger Grund dafür ist offenbar die andauernde ökonomische Diskrepanz zwischen Ost und West. Die hier üblicherweise ins Feld geführte Argumentation, der zufolge die Diskrepanz im wirtschaftlichen Niveau, in der Wirtschaftsstruktur, bei den Einkommen, dem Konsum, den privaten Vermögen etc. allein der ökonomischen Hinterlassenschaft der DDR geschuldet sei, greift entschieden zu kurz. Mit der Zunahme des zeitlichen Abstandes zur DDR wächst die Einsicht, dass hierfür auch die Modalitäten der Vereinigung selbst eine gewichtige Ursache sind. Dies gilt ganz besonders für die <i>Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion</i> (WWSU) als der entscheidenden Weichenstellung für den ökonomischen Einigungs- und Zukunftsprozess (vgl. die umfangreichen Analysen und Kommentare von Grosser 1998; Sarrazin 1994; Hickel/Priewe 1994; Streit 1998; Sinn 2004; Paqué 2009; Busch 2015).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="v-autoreninfo-western"><em><strong class="western">Dr. habil. Ulrich Busch</strong> geb. 1951, ist Finanzwissenschaftler. Bis 1992 war er im Bankwesen der DDR und als Hochschullehrer an der Humboldt Universität zu Berlin tätig, danach bis 2009 u.a. Dozent an der Frankfurt School of Finance and Management, der TU Berlin und der Wirtschaftsuniversität Budapest. Er ist Redakteur des sozial- und geisteswissenschaftlichen Journals Berliner Debatte Initial, Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. und der AG Alternative Wirtschaftspolitik. Publikationen zur Geld- und Finanzpolitik sowie zur Transformation in Ostdeutschland, u.a. Am Tropf. Die ostdeutsche Transfergesellschaft (2002), Teilhabekapitalismus (2013) (mit R. Land), Ein Vierteljahrhundert Deutsche Einheit (2015) (mit M. Thomas), Die Welt des Geldes (2016), Geldkritik. Theorien – Motive – Irrtümer (2020), Streitfall Ostdeutschland. Grenzen einer Transformationserzählung (2021) (mit M. Thomas).</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Dieser Artikel steht nur in der Kaufversion der Zeitschrift </em><strong>vor</strong><em>gänge zur Verfügung. Sie können das Heft hier im <a href="https://www.humanistische-union.de/service/shop/vorgaenge">Online-Shop der Humanistischen Union</a> erwerben: die Druckausgabe für 28.- € zzgl. Versand, die PDF-/Online-Version für 10.- €.</em></p>
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		<title>Weder einholend noch überholend</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/187-vorgaenge/publikation/weder-einholend-noch-ueberholend/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Sep 2009 19:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ostdeutschlands Wirtschaft zwanzig Jahre nach dem Mauerfall aus: vorg&#228;nge Nr. 187, Heft 3/2009, S. 23-36 Mit dem Sturz Erich Honeckers am 18. Oktober und dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 begann in der DDR eine Phase demokratischer Ver&#228;nderungen und marktwirtschaftlicher Reformen, welche den Weg f&#252;r die deutsche Vereinigung frei machte. Die wichtigsten [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/187-vorgaenge/publikation/weder-einholend-noch-ueberholend/">Weder einholend noch überholend</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ostdeutschlands Wirtschaft zwanzig Jahre nach dem Mauerfall</p>
<p>aus: vorg&auml;nge Nr. 187, Heft 3/2009, S. 23-36</p>
<p>Mit dem Sturz Erich Honeckers am 18. Oktober und dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 begann in der DDR eine Phase demokratischer Ver&auml;nderungen und marktwirtschaftlicher Reformen, welche den Weg f&uuml;r die deutsche Vereinigung frei machte. Die wichtigsten Schritte auf diesem Wege waren die Vorschl&auml;ge Helmut Kohls und Hans Modrows zur Herstellung der deutschen Einheit, das Angebot des Bundeskanzlers vom 6. Februar 1990, in der DDR baldm&ouml;glichst die D-Mark einzuf&uuml;hren sowie die Volkskammerwahlen vom 18. M&auml;rz, welche zugleich ein Plebiszit &uuml;ber die W&auml;hrungsunion und die Wiedervereinigung waren. Mit dem Staatsvertrag &uuml;ber die Schaffung einer W&auml;hrungs-, Wirtschafts- und Sozialunion (WWSU) vom 18. Mai 1990 (BGBl. 1990 II, S. 537) und dessen Umsetzung am 1. Juli wurde die Einheit in &ouml;konomischer Hinsicht faktisch vollzogen. Der Beitritt der f&uuml;nf neuen L&auml;nder zur Bundesrepublik gem&auml;&szlig; Art. 23 GG (a. F.) am 3. Oktober 1990 war die staatsrechtliche Konsequenz des bereits mit der WWSU herbeigef&uuml;hrten wirtschaftlichen Anschlusses der DDR.</p>
<p>Das Konzept einer &#8222;stufenweisen Integration&#8220; bzw. eines &#8222;organischen Zusammenwachsens der beiden deutschen Staaten&#8220;, welches eine gemeinsame W&auml;hrung als kr&ouml;nenden Abschluss vorsah[1], war damit pass&eacute;. Die staatliche Vereinigung geriet f&uuml;r die ostdeutschen L&auml;nder zum &#8222;Anschluss&#8220;, die wirtschaftliche Integration zur &#8222;Rosskur&#8220; und die Sozialunion zum &#8222;Sozialfall&#8220; dauerhafter Transferabh&auml;ngigkeit. Die mentale, geistige und kulturelle Vereinigung, die so genannte <i>innere Einheit</i>, ist bis heute unvollendet.</p>
<p>Die Verantwortlichen verweisen in diesem Zusammenhang gern auf die historische Einmaligkeit der Situation 1989/90 und auf das &#8222;Zeitfenster&#8220;, das nicht ewig offen stand. Oder sie verbreiten die Legende von der vermeintlichen Alternativlosigkeit der getroffenen Entscheidung. Aber ihre Argumente &uuml;berzeugen nicht, solange die Interessenstrukturen sowie die Gewinne und Verluste der Einheit ausgeblendet bleiben. Kritiker der Wiedervereinigung wie G&uuml;nter Grass weisen deshalb immer wieder darauf hin, dass die &#8222;deutsche Einheit &#8230; ein gro&szlig;er Fehler (war). Man hat aus wahltaktischen Gr&uuml;nden und gegen alle Warnungen, auch von Fachleuten, ruck zuck die D-Mark in den Ostl&auml;ndern eingef&uuml;hrt, wodurch jegliches DDR-Produkt von einem Tag auf den anderen auf null gebracht wurde. Das brach alles weg &#8230; Das war keine Vereinigung, das war Anschluss, und zwar unter Missachtung des Grundgesetzes, in dem steht, dass das deutsche Volk im Falle der Einheit eine neue Verfassung bekommen m&uuml;sse, damit den siebzehn Millionen Ostdeutschen die M&ouml;glichkeit gegeben wird, sich einzubringen &#8230; Es hat im Osten eine Enteignung stattgefunden, wie es sie in der deutschen Geschichte noch nie gegeben hat, und das vererbt sich und wird nie aufh&ouml;ren.&#8220; (Grass 2009:3). Das ist zutreffend. Aber nichtsdestotrotz war die deutsche Vereinigung kein Fehlschlag, kein g&auml;nzlich misslungenes Unterfangen. Dies gilt auch und gerade in wirtschaftlicher Hinsicht.</p>
<p>Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall ist Ostdeutschland &#8222;kein Traditionskabinett der DDR&#8220; (Platzeck 2009: 87), sondern ein modernes Land, in dem sich viel entwickelt hat. Die ostdeutsche Wirtschaft war nach dem durch die W&auml;hrungsunion ausgel&ouml;sten Absturz einem radikalen Schrumpfungs-, Anpassungs- und Umstrukturierungsprozess ausgesetzt. Dieser ist inzwischen weitgehend abgeschlossen. Heute ist sie organischer Bestandteil der Volkswirtschaft der Bundesrepublik Deutschland und voll integriert in den Wirtschaftsraum der Europ&auml;ischen Union. Die Betriebe, die nicht abgewickelt, geschlossen oder liquidiert worden sind, wurden modernisiert und entsprechend den Bed&uuml;rfnissen des Marktes umstrukturiert. Zudem erfolgten zahlreiche Neugr&uuml;ndungen von Unternehmen.[2] Insbesondere das Verarbeitende Gewerbe, das im Ergebnis der Deindustrialisierung stark dezimiert worden war, zeichnet sich heute durch Stabilit&auml;t, Flexibilit&auml;t und Dynamik aus. Dies dokumentiert sich im gewachsenen Anteil desselben an der gesamtwirtschaftlichen Wertsch&ouml;pfung (2008: 19,6 Prozent gegen&uuml;ber 24,5 Prozent in den alten L&auml;ndern, jeweils ohne Berlin) sowie in der gestiegenen Exportquote der ostdeutschen Wirtschaft, welche mit 33,1 Prozent (2008) inzwischen bei rund 72 Prozent des westdeutschen Vergleichswertes liegt (BMWi: 2009: 5,12). Angesichts der gegenw&auml;rtigen Wirtschaftskrise wird der ostdeutschen Wirtschaft bescheinigt, &#8222;sehr gut aufgestellt&#8220; und deshalb weniger als andere Regionen von den Auswirkungen der Krise betroffen zu sein.[3] Dies ist kurzfristig als Erfolg zu werten, bedeutet aber nicht, dass Ostdeutschlands Wirtschaft rundum stabil und wettbewerbsf&auml;hig ist und alle Schw&auml;chen und Defizite bereits &uuml;berwunden w&auml;ren.</p>
<h2 class="auto-created">Zwiesp&auml;l&shy;tige Bilanz </h2>
<p>Trotz sichtbarer Erfolge und &uuml;berwiegend optimistischer Bewertungen f&auml;llt die Bilanz des Erreichten zwiesp&auml;ltig aus: Neben den positiven Ergebnissen gibt es nach wie vor langfristig wirkende strukturelle Defizite von nicht zu untersch&auml;tzendem Ausma&szlig;, ungel&ouml;ste Probleme und negative Tendenzen, welche die Zukunftsaussichten eintr&uuml;ben und einiges von dem, was in den letzten beiden Jahrzehnten geschaffen worden ist, k&uuml;nftig wieder in Frage stellen.</p>
<p>Die Defizite der ostdeutschen Wirtschaft resultieren aus der Teilung des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg, der mehr als vier Jahrzehnte andauernden Zweistaatlichkeit und den Besonderheiten und substanziellen M&auml;ngeln der Planwirtschaft der DDR. Zu einem beachtlichen Teil sind sie aber auch Folge der deutschen Vereinigung, insbesondere der &uuml;berst&uuml;rzten W&auml;hrungsunion und der einseitig an den Interessen der westdeutschen Industrie ausgerichteten Privatisierungspolitik der Treuhandanstalt. Dies betrifft insbesondere die fl&auml;chendeckende Deindustrialisierung und den daraus resultierenden unterproportionalen Besatz Ostdeutschlands mit Industrieunternehmen, zudem das weitgehende Fehlen von Konzernzentralen und Gro&szlig;betrieben sowie das &Uuml;berwiegen von Klein- und Kleinstbetrieben in der industriellen Produktion und im Dienstleistungsbereich. Ferner die geringe Vernetzung der Unternehmen untereinander und ihre relativ schwache Verankerung in der jeweiligen Region, den geringen Anteil ostdeutscher Unternehmen an Forschungs- und Entwicklungsleistungen, ihre oftmals wenig ausgebaute Pr&auml;senz auf regionalen, vor allem aber auf &uuml;berregionalen und internationalen M&auml;rkten[4], ihre nach wie vor ungen&uuml;gende Eigenkapitalausstattung und das vergleichsweise niedrige Lohn- und Einkommensniveau.</p>
<p>Einen belastenden Faktor stellt in diesem Zusammenhang die Berliner Wirtschaft dar, welche im Vergleich zur Wirtschaft anderer Metropolen eine unterproportionale Leistungskraft aufweist und durch eine ausgepr&auml;gte Fragmentierung gekennzeichnet ist (IHK 2008; DIW 2002; Busch 2007). Insgesamt ist die wirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands durch eine zunehmende regionale Disparit&auml;t charakterisiert, indem sich die westlichen und s&uuml;dlichen Landesteile besser entwickeln als die &ouml;stlichen und n&ouml;rdlichen. Dies findet in &ouml;konomischen und sozialen Indikatoren seinen Niederschlag und erlaubt es immer weniger, undifferenziert von &#8222;dem Osten&#8220; oder &#8222;den neuen Bundesl&auml;ndern&#8220; zu sprechen. Andererseits weisen die neuen Bundesl&auml;nder gerade in wirtschaftlicher Hinsicht bis heute eine Vielzahl von Gemeinsamkeiten und typischen Defiziten auf, so dass sie gegen&uuml;ber Westdeutschland nach wie vor einen relativ eigenst&auml;ndigen unterentwickelten Wirtschaftsraum bilden. Dies wiederum rechtfertigt es, sie unter einen Begriff (neue L&auml;nder) zu subsumieren und unter Einbeziehung Berlins als eine regionale Einheit (Ostdeutschland) zu behandeln.[5]</p>
<p>Zu den <i>ungel&ouml;sten Problemen </i>der ostdeutschen Wirtschaft geh&ouml;rt die Abh&auml;ngigkeit eines Gro&szlig;teils der Unternehmen von westdeutschen und ausl&auml;ndischen Konzernen, aber auch von Banken, Verwaltungen, Handelsketten, Forschungseinrichtungen usw., die ihren Sitz im Westen haben. Ebenso ihr Angewiesensein auf &ouml;ffentliche F&ouml;rdermittel und Subventionen. Der Charakter der ostdeutschen Wirtschaft als Dependenz&ouml;konomie und Transferwirtschaft (Titze 2007; Busch 2002) hat sich zwar im Zeitverlauf abgeschw&auml;cht, ist aber keineswegs &uuml;berwunden. Noch immer liegt die gesamtwirtschaftliche Absorption &uuml;ber dem Umfang der Produktion, so dass eine Produktionsl&uuml;cke klafft bzw. ein Nachfrage&uuml;berhang besteht, der &uuml;ber &ouml;ffentliche und private Transferleistungen geschlossen werden muss (vgl. Abb. 1).</p>
<p>Der relative R&uuml;ckstand und das gegen&uuml;ber Westdeutschland geringere Leistungs- und Innovationspotenzial der ostdeutschen Wirtschaft werden vor allem in &uuml;berregionalen makro&ouml;konomischen Vergleichsdaten evident, weniger dagegen in einem mikro&ouml;konomischen Vergleich von Betrieb zu Betrieb, wo schon ein h&ouml;herer Grad der Angleichung erreicht ist (vgl. Busch/K&uuml;hn/Steinitz 2009: 171ff.). Dies unterstreicht den Wert volkswirtschaftlicher Analysen f&uuml;r die wirtschaftspolitische Expertise und Diskussion.</p>
<p>Abb. 1: Bruttoinlandsprodukt und Inlandsverwendung Ostdeutschlands (ohne Berlin) 1989 bis 2008 (Mrd. Euro, jeweilige Preise) <br />XXXXX Grafik</p>
<p>Abb. 2: Bruttoinlandsprodukt und Inlandsverwendung Ostdeutschlands (ohne Berlin) 2000 bis 2008, preisbereinigt, verkettet (Basis 2000=100) in Mrd. Euro <br />XXXXXXX Grafik</p>
<p>F&uuml;r die korrekte statistische Erfassung und Bewertung des erreichten Entwicklungsstandes Ostdeutschlands seit 1990 gibt es zwei aussagekr&auml;ftige Methoden: Zum einen den Ausweis des Konvergenzgrades durch Gegen&uuml;berstellung entsprechender ost- und westdeutscher Daten, wobei letztere als Referenzwerte gelten. Zum anderen die Konstruktion einer Zeitreihe f&uuml;r bestimmte Indikatoren von 1989 bis heute. Beide Modelle sind jedoch nicht unproblematisch. In ersterem Fall werden mit Ost- und Westdeutschland bzw. den neuen und den alten Bundesl&auml;ndern Gro&szlig;regionen verglichen, ohne dass deren innere Differenziertheit hinreichend Beachtung findet. Dies st&ouml;&szlig;t immer wieder auf Kritik, zumal die Heterogenit&auml;t unter den westdeutschen L&auml;ndern weit st&auml;rker ausgepr&auml;gt ist als unter den ostdeutschen. Bei der zweiten Methode wird mit Ausgangsdaten gearbeitet, die anders gemessen und erfasst wurden (in DDR-Mark und nach dem MPS-System) als die Folgedaten (SNA-System), so dass das Rechenwerk trotz inzwischen erfolgter aufwendiger Umrechnungen[6] teilweise mit inkommensurablen Gr&ouml;&szlig;en operiert. Dies beeintr&auml;chtigt die Validit&auml;t der Aussagen und es bedarf daher einiger Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse. Jedes andere Vorgehen jedoch f&uuml;hrt zu einer Verf&auml;lschung der Botschaft. Dies gilt insbesondere f&uuml;r Zeitreihen, welche das Jahr 1991 unkommentiert als Basisjahr setzen. Infolge des transformations- und vereinigungsbedingten massiven Einbruchs der wirtschaftlichen Entwicklung in den Jahren 1990 und 1991 impliziert dieses Vorgehen einen statistischen Basiseffekt, der eine realit&auml;tsnahe Interpretation des Wirtschaftsverlaufs geradezu unm&ouml;glich macht: Der Beginn der Reihe wird zeitlich um zwei Jahre verschoben, der Crash 1990/91 f&auml;llt aus der Analyse heraus, der Aufschwung nach 1991 erscheint dadurch statistisch &uuml;berh&ouml;ht und die Gesamtbilanz wird &uuml;ber Geb&uuml;hr gesch&ouml;nt.[7] Wenn diese verzerrten Daten dann auch noch extrapoliert werden, um Zukunftsszenarien zu erstellen, gelangt man schnell zu falschen Schl&uuml;ssen. Am Ende derartiger Projektionen steht jedoch immer eine Entt&auml;uschung, da die hierauf basierenden politischen Versprechen wirtschaftlich unm&ouml;glich einl&ouml;sbar sind.[8]</p>
<p>XXXXXXX Tabelle<br />Tabelle 1: Anteil der neuen L&auml;nder (ohne Berlin) 1989 &#8211; 2008 (Deutschland = 100)</p>
<p>Das Gewicht der neuen Bundesl&auml;nder an der Bev&ouml;lkerung, der Erwerbst&auml;tigkeit, der Wirtschaftsleistung usw. Gesamtdeutschlands hat sich seit 1990 <i>nicht </i>erh&ouml;ht (vgl. Tabelle 1). In einigen Positionen, so bei der Wohnbev&ouml;lkerung, ist es sogar sp&uuml;rbar geringer geworden. Dies hat Konsequenzen: die ostdeutschen Belange verlieren im politischen Tagesgesch&auml;ft an Relevanz. Der Anteil der neuen L&auml;nder am gesamtwirtschaftlichen Produktionsvolumen Deutschlands entspricht heute in etwa dem Wert von 1989: 11,6 Prozent. Das ist gut die H&auml;lfte dessen, was Nordrhein-Westfalen j&auml;hrlich produziert und ein Drittel weniger als der Beitrag Bayerns. Positiv ver&auml;ndert haben sich infolge des R&uuml;ckgangs der Bev&ouml;lkerung und der Erwerbst&auml;tigenzahl im Zeitverlauf jedoch die Pro-Kopf-Gr&ouml;&szlig;en. Auch sind der Anteil Ostdeutschlands am Konsum und dieser selbst im Aggregat gewachsen, was auf eine gestiegene Partizipation der Ostdeutschen am gesamtgesellschaftlichen Verbrauch hindeutet. Allerdings gilt dies nur bis Ende der 1990er Jahre. Nach 1999 hat sich auch diese Gr&ouml;&szlig;e nicht weiter erh&ouml;ht, wie der inl&auml;ndische Verbrauch seit 2000 &uuml;berhaupt stagniert bzw. in realer Rechnung sogar um 10,7 Prozent zur&uuml;ckgegangen ist (vgl. Abb. 2).[9]</p>
<p>Tabelle 2: Volkswirtschaftliche Indikatoren und Relationen neue L&auml;nder (ohne Berlin) zu alten L&auml;ndern 1989 &ndash; 2008<br />XXXXXXX Tabelle</p>
<p>Dem entspricht ein Stillstand bzw. sogar R&uuml;ckgang bei der Angleichung der Einkommen: Die H&ouml;he der durchschnittlichen Monatsverdienste vollbesch&auml;ftigter Arbeitnehmer in den neuen L&auml;ndern liegt seit dem Jahr 2000 bei knapp unter 70 Prozent des Westniveaus. In den Jahren zuvor waren es schon mal f&uuml;nf Prozent mehr gewesen (Ludwig et al. 2009: 320). Im Produzierenden Gewerbe betrug die Ost-West-Relation 2007 bei Ber&uuml;cksichtigung von Sonderzahlungen 63,7 Prozent (Sch&auml;fer 2008: 591). Etwas g&uuml;nstiger stellt sich dies bei den verf&uuml;gbaren Nettoeinkommen dar. Hier betr&auml;gt die Ost-West-Relation 2008 79,6 Prozent. Elf Jahre zuvor, 1997, waren es noch 82,7 Prozent gewesen (Goebel/Habich/Krause 2009: 125). Von einem fortschreitenden Angleichungsprozess kann also keine Rede sein. Eher geht die Schere wieder weiter auf, wie alle einschl&auml;gigen Statistiken belegen.</p>
<p>Der <i>Grad der Konvergenz </i>der ostdeutschen Wirtschaft betr&auml;gt derzeit, gemessen am Niveau der westdeutschen Wirtschaft, knapp drei Viertel. Dies bedeutet gegen&uuml;ber der Ausgangssituation (1989/90) von weniger als oder gerade mal der H&auml;lfte des Vergleichsniveaus einen beachtlichen Fortschritt.[10] Gemessen an der Zielstellung des Erreichens gleichwertiger Lebensverh&auml;ltnisse, wof&uuml;r die Konvergenz der Produktivit&auml;t und des wirtschaftlichen Leistungsniveaus die entscheidende Voraussetzung bildet, ist dies jedoch nicht befriedigend. Die relative Ver&auml;nderung betr&auml;gt weniger als einen Prozentpunkt pro Jahr und hat sich im Zeitverlauf keineswegs beschleunigt, sondern eher verlangsamt. Die entscheidenden Fortschritte beim <i>Aufbau Ost </i>wurden von 1992 bis 1996 erzielt. Danach lie&szlig; die Dynamik des Aufholens erheblich nach. F&uuml;r ein Jahrzehnt, von 1997 bis 2005, war der Konvergenzprozess faktisch suspendiert. In j&uuml;ngster Zeit gab es wieder Aufholerfolge, die Konvergenzgeschwindigkeit ist aber au&szlig;erordentlich gering (vgl. Aumann/Scheufele 2009). An ein Einholen der wirtschaftsstarken L&auml;nder ist deshalb gar nicht zu denken. Bestenfalls n&auml;hern sich die neuen L&auml;nder allm&auml;hlich den strukturschwachen westdeutschen L&auml;ndern an. W&auml;hrend der Krise tritt diese Tendenz jedoch lediglich als ein geringeres Minus beim Wirtschaftswachstum, Export usw. in Erscheinung. F&uuml;r die Bundesregierung ist dies Grund genug, festzustellen, dass &#8222;der wirtschaftliche Aufholprozess wieder in Gang gekommen&#8220; sei und sich insbesondere in der Industrie &#8222;die dynamische Entwicklung der Vorjahre&#8220; fortsetze (BMVBS 2009: 5, 9).</p>
<p>In den vorstehenden Tabellen findet ein grundlegendes Problem der ostdeutschen Wirtschaftsentwicklung seinen Niederschlag: Die Ann&auml;herung beim Niveau der Arbeitsproduktivit&auml;t und beim BIP je Einwohner wurde erreicht, ohne dass sich der Anteil der neuen L&auml;nder am gesamtdeutschen BIP erh&ouml;ht hat. Das hei&szlig;t, sie wurde mit dem Abbau von Arbeitspl&auml;tzen erkauft. Zudem beruht die Entwicklung auf dem R&uuml;ckgang der Bev&ouml;lkerung durch Abwanderung und durch Verringerung der Geburtenzahl. Diese Strategie zur Erreichung von Konvergenz wird als <i>passive Sanierung </i>bezeichnet. Auf diese Weise ist es zwar m&ouml;glich, eine Region wirtschaftliche zu stabilisieren, nicht aber, sie erfolgreich zu entwickeln.[11]</p>
<p>Die <i>Zukunftsaussichten </i>der ostdeutschen Wirtschaft werden haupts&auml;chlich von zwei Tendenzen bestimmt: von der demografischen Entwicklung und vom Zur&uuml;ckbleiben der wirtschaftlichen Dynamik Ostdeutschlands gegen&uuml;ber Westdeutschland.</p>
<h2 class="auto-created">Demografie als Haupt&shy;pro&shy;blem </h2>
<p>F&uuml;r die k&uuml;nftige Entwicklung Ostdeutschlands erh&auml;lt die Bev&ouml;lkerungsentwicklung ein immer gr&ouml;&szlig;eres Gewicht. Ma&szlig;gebend daf&uuml;r sind der Negativsaldo der demografischen Wanderung, die zunehmende Alterung der Bev&ouml;lkerung und der anhaltende Geburtenr&uuml;ckgang. Diese drei Prozesse zusammen bewirken, dass die Einwohnerzahl im Zeitverlauf sichtlich schrumpft und die Altersstruktur sich sp&uuml;rbar verschiebt. Das absehbare Ausma&szlig; dieser als &#8222;demografischer Wandel&#8220; apostrophierten Ver&auml;nderung ist derart dramatisch, dass die neuen Bundesl&auml;nder von Experten der Bev&ouml;lkerungsstatistik als &#8222;das demografische Krisengebiet Europas&#8220; (Berlin-Institut 2008: 3) bezeichnet werden.</p>
<p>Die bestimmenden Faktoren hierf&uuml;r sind erstens der Fortzug gro&szlig;er Bev&ouml;lkerungsteile aus Ostdeutschland. Seit Herbst 1989 &uuml;bersteigt die Zahl der Fortz&uuml;ge die der Zuz&uuml;ge, so dass der Wanderungssaldo zwischen Ost- und Westdeutschland zwanzig Jahre in Folge negativ ist, was eine kontinuierliche Abnahme der Einwohnerzahl bewirkt.[12]</p>
<p>Zweitens die spezifische Alters- und Geschlechterstruktur der Fort- und Zuziehenden. Da mehr J&uuml;ngere fort- als zuziehen, darunter &uuml;berproportional viele Frauen, und umgekehrt mehr &Auml;ltere zu- als wegziehen, f&uuml;hrt die Wanderungsbewegung zu einer verst&auml;rkten Alterung der ostdeutschen Bev&ouml;lkerung. Drittens die niedrige Geburtenzahl von in den meisten Jahren weniger als 100.000 Lebendgeborenen im Jahr. Im Ergebnis schrumpft und altert die Bev&ouml;lkerung Ostdeutschlands mehr als jede andere Population in Europa.</p>
<p>Die Ost-West-Wanderung, verst&auml;rkt durch die damit verbundene alters-, geschlechts- und qualifikationsbezogenen Selektion, bedeutet f&uuml;r die neuen L&auml;nder einen gravierenden Verlust an Humankapital, einen dauernden &#8222;Aderlass&#8220;, wodurch sich ihr Zukunftspotenzial nachhaltig verringert. Neben der Wanderung ist die Geburtenentwicklung f&uuml;r die Bev&ouml;lkerungsreproduktion ausschlaggebend. Langfristig erweisen sich der R&uuml;ckgang der Fertilit&auml;tsrate[13] und die niedrige Geburtenzahl infolge des Fehlens geb&auml;rf&auml;higer Frauen aufgrund des starken Geburtenr&uuml;ckgangs und der hohen Abwanderungsquote in den Vorjahren als Hauptfaktoren f&uuml;r die demografische Entwicklung. Die Geburtenziffer in Ostdeutschland sank nach der Wiedervereinigung sprunghaft, von 1,57 (1989) auf den historischen Tiefstand von 0,77 im Jahr 1994. Danach stieg sie wieder an, bis auf aktuell 1,37.[14] Dies entspricht in etwa dem westdeutschen Niveau, sichert aber nicht einmal die einfache Reproduktion, wof&uuml;r eine Gr&ouml;&szlig;e von mindestens 2,1 erforderlich w&auml;re. W&auml;hrend die alten Bundesl&auml;nder die verbleibende Differenz zumindest partiell durch Zuwanderungen ausgleichen k&ouml;nnen, f&uuml;hrt die geringe Geburtenzahl im Osten zu einem dramatischen Bev&ouml;lkerungsr&uuml;ckgang. Jahr f&uuml;r Jahr &uuml;bersteigt die Zahl der Sterbef&auml;lle die Zahl der Neugeborenen (vgl. Tabelle 3). K&uuml;nftig wird jede Generation um <i>ein Drittel kleiner </i>sein als die vorherige, wodurch die Bev&ouml;lkerung im Zeitverlauf massiv abnimmt.</p>
<p>Diese Tendenz lie&szlig;e sich, wenn &uuml;berhaupt, nur <i>langfristig </i>korrigieren, durch verst&auml;rkten Zuzug von au&szlig;en oder/und durch eine sp&uuml;rbare Zunahme der Geburtenzahl. Ersteres d&uuml;rfte jedoch am politischen Klima scheitern, letzterem steht neben der allgemeinen Perspektivlosigkeit in weiten Teilen Ostdeutschlands der hohe Frauenanteil bei den Fortz&uuml;glern von 63 Prozent entgegen, welcher inzwischen zu einem &#8222;historisch einmaligen zahlenm&auml;&szlig;igen Missverh&auml;ltnis der Geschlechter&#8220;, wonach auf 100 M&auml;nner nur noch 90 Frauen kommen (Berlin-Institut 2006: 23f.), gef&uuml;hrt hat. Die Kombination aus geringer Geburtenziffer und anhaltender Abwanderung geb&auml;rf&auml;higer Frauen, die mit zeitlicher Verz&ouml;gerung zum &#8222;demografischen Echo&#8220; sinkender Geburtenzahlen f&uuml;hrt[15], erh&ouml;ht die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Bev&ouml;lkerungsr&uuml;ckgang auch in Zukunft unvermindert fortsetzt. Dabei verst&auml;rken sich die genannten Faktoren gegenseitig: Durch die Abwanderung sinkt die Lebensqualit&auml;t, was die Geburtenentwicklung negativ beeinflusst. Dies erh&ouml;ht die Perspektivlosigkeit, wodurch sich wiederum die Abwanderung verst&auml;rkt.</p>
<p>Tabelle 3: Lebendgeborene und Gestorbene in Ostdeutschland 1990 &ndash; 2006[1 ]</p>
<p>XXXXXXX Tabelle</p>
<p>Die Schrumpfung der Bev&ouml;lkerung ist seit 1989 zu einem bezeichnenden Charakteristikum Ostdeutschlands geworden. In den letzten beiden Jahrzehnten verringerte sich die Einwohnerzahl der neuen L&auml;nder von 15,2 auf 13,1 Millionen, das sind &uuml;ber zwei Millionen bzw. 14 Prozent weniger. Bis 2020 schrumpft sie um weitere 1,3 Millionen auf eine Gr&ouml;&szlig;e von dann weniger als zw&ouml;lf Millionen. Bis 2050 wird der Bev&ouml;lkerungsstand aller Voraussicht nach die 10-Millionen-Grenze unterschreiten. Das bedeutet, dass sich die ostdeutsche Bev&ouml;lkerung innerhalb eines Jahrhunderts (1950-2050) beinahe halbiert und seit 1989 um mehr als ein Drittel reduziert haben wird.</p>
<p>Mit der Schrumpfung steigt der Anteil der &Auml;lteren, w&auml;hrend der, der J&uuml;ngeren abnimmt. Dadurch erh&ouml;ht sich das Durchschnittsalter von 39 Jahren im Jahr 1989 auf 48 Jahre im Jahr 2020 und &uuml;ber 50 Jahre in der Zeit danach. Zwischen 2005 und 2020 w&auml;chst der Anteil der &uuml;ber 64-J&auml;hrigen in den neuen L&auml;ndern von 21 auf 28 Prozent. Der Anteil der unter 40-J&auml;hrigen dagegen schrumpft von 42 auf 35 Prozent.[16] Der Altersaufbau weicht damit immer st&auml;rker von der klassischen Pyramidenform ab: &#8222;Die j&uuml;ngere und mittlere Altersgruppe verlieren, die &auml;ltere gewinnt an Bedeutung.&#8220;[17] (vgl. Tabelle 4).</p>
<p>Der Schrumpfungsprozess ist keineswegs nur ein quantitatives Ph&auml;nomen. Er beinhaltet auch strukturelle und qualitative Komponenten, so die Verschiebung in den Geschlechterproportionen (M&auml;nner&uuml;berschuss), die Alterung und den R&uuml;ckgang des Bildungs-, Qualifikations- und Kulturniveaus der Residualbev&ouml;lkerung. Unter wirtschaftlichem und sozialem Aspekt wiegen diese Momente noch weit st&auml;rker als der rein quantitative R&uuml;ckgang der Einwohnerzahl.</p>
<p>XXXXXXX Tabelle<br />Tabelle 4: Bev&ouml;lkerungsentwicklung in den neuen Bundesl&auml;ndern nach Altersgruppen</p>
<p>Mit der Wohnbev&ouml;lkerung schrumpft und altert die Erwerbsbev&ouml;lkerung, was erhebliche Auswirkungen auf die Erwerbst&auml;tigkeit und damit auf Wirtschaftswachstum, Produktivit&auml;t, Innovativit&auml;t, Einkommen, Kaufkraft und Verm&ouml;gen hat. Als besonders problematisch erweist sich, dass die Zahl der Personen im erwerbsf&auml;higen Alter, das Erwerbspersonenpotenzial, und die Anzahl der <i>Erwerbst&auml;tigen </i>deutlich st&auml;rker zur&uuml;ckgehen als die Bev&ouml;lkerung insgesamt (vgl. Tabelle 5). Bis 2020 verringert sich das <i>Erwerbspersonenpotenzial </i>voraussichtlich um 20 %, bis 2050 sogar um 43 %. Im Jahr 2050 wird die Zahl der Erwerbspersonen in den neuen L&auml;ndern nur noch knapp vier Millionen betragen. Dies entspricht einem R&uuml;ckgang gegen&uuml;ber 1989 um fast 60 % (Deutsche Bank Research 2004: 40f.).</p>
<p>Tabelle 5: Erwerbst&auml;tige nach L&auml;ndern 1989 bis 2008 in 1000 Personen XXXXXXX Tabelle</p>
<h2 class="auto-created">Unzurei&shy;chende wirtschaft&shy;liche Dynamik </h2>
<p>Bei weitem nicht der einzige, aber doch der wichtigste Indikator f&uuml;r die Leistungsf&auml;higkeit einer Region ist das BIP. Ausschlaggebend f&uuml;r die wirtschaftliche Dynamik ist seine j&auml;hrliche Ver&auml;nderung, die Wachstumsrate. Unterzieht man diese einer komparativen Analyse, so lassen sich f&uuml;r die ostdeutsche Wirtschaftentwicklung bisher drei Phasen konstatieren: Zu Beginn, 1990/91, der Absturz mit zweistelligen negativen Raten, dann, von 1992 bis 1996, die Rekonstruktions- und Aufholphase mit hohen, die Entwicklung in Westdeutschland &uuml;berfl&uuml;gelnden Wachstumsraten und zuletzt, seit 1997, Stagnation mit geringen, in Ost- und West etwa gleich hohen (niedrigen) Zuwachsraten des BIP. Vergleicht man das Wirtschaftswachstum in Ost- und Westdeutschland seit 1990, so weisen die neuen L&auml;nder in zehn Jahren h&ouml;here Raten auf als die alten L&auml;nder und in neun Jahren geringere. Nimmt man Berlin hinzu, so verschlechtert sich die Bilanz f&uuml;r Ostdeutschland. Besser als die Gesamtwirtschaft schneidet das Verarbeitende Gewerbe ab: hier lagen die Wachstumsraten im vergangenen Aufschwung durchschnittlich bei 7,5 Prozent. Im Ergebnis dieser Entwicklung erh&ouml;hte sich das Leistungsniveau der ostdeutschen Wirtschaft in zwanzig Jahren von rund 55 Prozent auf 71 Prozent des westdeutschen Niveaus. Bei Fortschreibung der bisherigen Konvergenzgeschwindigkeit w&uuml;rde die Angleichung der Pro-Kopf-Einkommen in Ost und West &#8222;noch 320 Jahre&#8220; (Beyerle 2008) dauern. Um wirklich aufzuschlie&szlig;en, m&uuml;sste die Wachstumsrate Ost 15 bis 20 Jahre lang mindestens doppelt so hoch sein wie die westdeutsche. Das ist jedoch v&ouml;llig illusorisch, so dass es, n&uuml;chtern betrachtet, &#8222;keine Chance&#8220; f&uuml;r ein Aufholen mehr gibt (Ludwig 2009).</p>
<p>Tabelle 6: J&auml;hrliche Ver&auml;nderung des BIP in Prozent 2004-2009 <br />XXXXXX Tabelle</p>
<p>Die wirtschaftliche Dynamik Ostdeutschlands wird entscheidend vom Wachstum der Arbeitsproduktivit&auml;t bestimmt. 2008 lag das Produktivit&auml;tsniveau der neuen L&auml;nder bei 78,5 Prozent des Westniveaus. Bei Ber&uuml;cksichtigung der h&ouml;heren Arbeitszeiten waren es 75,1 Prozent (Gemeinschaftsprognose 2009: 58). Andere Berechnungen kommen zu &auml;hnlichen Ergebnissen (vgl. Paqu&eacute; 2009: 66). Die Ursachen f&uuml;r den nach wie vor beachtlichen R&uuml;ckstand der neuen L&auml;nder sind vor allem struktureller Natur (vgl. Busch/Mai 2007), aber auch in der geringeren Innovativit&auml;t der neuen L&auml;nder zu suchen. Ein besonders kritisch zu wertendes Faktum ist in diesem Zusammenhang der R&uuml;ckgang des relativen Niveaus der Ausr&uuml;stungsinvestitionen je Einwohner. Dabei hat sich nicht nur die Relation zu Ungunsten Ostdeutschlands verschoben, sondern es stagniert auch der Umfang der eingesetzten Mittel. Und dies ist keineswegs ein Krisenph&auml;nomen, denn selbst im Aufschwung 2004 bis 2007 hat sich die Investitionsl&uuml;cke gegen&uuml;ber den alten L&auml;ndern nicht verringert (vgl. BMVBS 2009: Anhang S. 20f.). Damit haben sich die materiell-technischen Voraussetzungen f&uuml;r den Aufholprozess zuletzt substanziell eher verschlechtert. Hinzu kommt die demografisch bedingte Ausd&uuml;nnung der personellen Ressourcen. Und nicht zuletzt der gegen&uuml;ber Westdeutschland zu verzeichnende R&uuml;ckgang der FuE-Besch&auml;ftigten sowie der FuE-Aufwendungen.[18] F&uuml;r ein forciertes produktivit&auml;tsgest&uuml;tztes Wirtschaftswachstum fehlen damit wichtige personelle und sachliche Voraussetzungen. Es ist daher mehr als fraglich, ob das Erreichen wirtschaftlicher Konvergenz selbst &#8222;zwischen den neuen L&auml;ndern und strukturschwachen westdeutschen L&auml;ndern bis zum Jahr 2019 &#8230; eine absehbare Perspektive&#8220; darstellt, wie im Bericht der Bundesregierung postuliert (BMVBS 2009: 6). Wahrscheinlicher ist eine Fortschreibung des bisherigen Abstandes.</p>
<p>Nach dem Ende der Wirtschaftskrise ist in den neuen L&auml;ndern wie in den alten mit einer wirtschaftlichen Belebung zu rechnen, nicht aber mit einer aufholenden, das westdeutsche Wirtschaftswachstum und Produktivit&auml;tsniveau &uuml;berfl&uuml;gelnden Entwicklung. Daf&uuml;r fehlen die materiellen wie personellen Voraussetzungen. Um den wirtschaftlichen Konvergenzprozess nicht g&auml;nzlich versiegen zu lassen, bedarf es auch weiterhin spezieller F&ouml;rderprogramme f&uuml;r den Osten und besonderer wirtschaftspolitischer Ma&szlig;nahmen. Die Erreichung gleichwertiger Lebensverh&auml;ltnisse wird aber trotzdem weiter auf sich warten lassen. Sie l&auml;sst sich ohne ein selbst tragendes Wachstum in Ostdeutschland und ohne wirtschaftliche Konvergenz gegen&uuml;ber dem westdeutschen Durchschnitt nicht realisieren. Davon aber ist die ostdeutsche Wirtschaft auch zwanzig Jahre nach dem Mauerfall weit entfernt.</p>
<p>[1] Es sei hier auf den &#8222;Dreistufenplan&#8220; der deutschen Vereinigung von Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann (BMWi: Tagesnachrichten Nr. 9507 vom 08.02.1990), auf die &Auml;u&szlig;erungen von Bundesbankpr&auml;sident Karl Otto P&ouml;hl, der die Einf&uuml;hrung der D-Mark in der DDR 1990 f&uuml;r eine &#8222;phantastische&#8220;, aber wenig realistische, da &#8222;verfr&uuml;hte Idee&#8220; hielt (Handelsblatt vom 07.02.1990) sowie auf den urspr&uuml;nglichen Plan von Helmut Kohl (Rede vom 17.01.1990, in: Kohl 1990: 177) verwiesen.</p>
<p>[2] Per Saldo erfolgten bis 2005 in Ostdeutschland 850.000 Existenz- und Unternehmensgr&uuml;ndungen (DIW 2009: 14).</p>
<p>[3] So besitzt die ostdeutsche Wirtschaft nach Einsch&auml;tzung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) gute Chancen, der Krise zu trotzen. Sie sei &#8222;krisengest&auml;hlt&#8220; und &#8222;sehr gut aufgestellt&#8220; sagte BDI-Pr&auml;sident Hans-Peter Keitel (Berliner Zeitung, 18.5.2009, S. 10). Durch eine aktuelle Analyse des IWH wird diese Einsch&auml;tzung etwas relativiert (vgl. IWH Presse-Mitteilung 48/2009 v. 6.8.2009).</p>
<p>[4] Vgl. Prognos AG: Chancen und Hindernisse von Auslandsstrategien ostdeutscher Unternehmen. Studie f&uuml;r das BMVBS, 30.06.2009, Berlin.</p>
<p>[5] Vgl. hierzu die Argumentation in: Busch/K&uuml;hn/Steinitz 2009, S. 103ff. sowie die &Uuml;bersichten im Atlas zur Regionalstatistik (2008) und in der Publikation des kirchlichen Herausgeberkreises: Zerrissenes Land (2007).</p>
<p>[6] Vgl. hierzu die umfangreichen Arbeiten von Gerhard Heske aus den Jahren 2005 und 2009.</p>
<p>[7] Dies wurde in der Literatur mehrfach kritisch beleuchtet, zum Beispiel bei Thierse 2001, S. 95.</p>
<p>[8] Die Jahresberichte der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit bieten hierf&uuml;r mannigfaches Demonstrationsmaterial.</p>
<p>[9] Der R&uuml;ckgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage bzw. der Inlandsverwendung seit 2000 in Ostdeutschland ist vor allem dem kr&auml;ftigen R&uuml;ckgang der Investitionst&auml;tigkeit in den Jahren 2001 bis 2005 geschuldet. Aber auch der private und der staatliche Konsum weisen in realer Rechnung in fast allen Jahren seit 2000 eine negative Ver&auml;nderungsrate auf. Im ersten Jahrzehnt nach der Vereinigung dagegen waren beide Positionen kr&auml;ftig angestiegen (vgl. Ludwig et al. 2009: 334).</p>
<p>[10] Neuesten Berechnungen zufolge lag das BIP je Einwohner der DDR 1989 bei 55,5 Prozent des Niveaus der Bundesrepublik, das BIP je Erwerbst&auml;tigen (Arbeitsproduktivit&auml;t) bei 44,7 Prozent. Der Relation der inl&auml;ndischen Verwendung lag etwas h&ouml;her, bei 57,1 Prozent (Heske 2009: 302, 304).</p>
<p>[11] Vgl. hierzu die kritische Auseinandersetzung in: Busch/Land 2006 sowie in der dort zitierten Literatur des Netzwerkes Ostdeutschlandforschung.</p>
<p>[12] Dies stellt sich etwas weniger dramatisch dar, wenn man neben der Binnenwanderung auch die Auslandswanderung in die Betrachtung einbezieht (vgl. IWH/TU Dresden/ifo Institut 2006: 10f.).</p>
<p>[13] Die allgemeine Fertilit&auml;tsrate oder Fruchtbarkeitsziffer gibt die Zahl der lebend geborenen Kinder je 1.000 Frauen im geb&auml;rf&auml;higen Alter als durchschnittliche Kinderzahl je Frau an.</p>
<p>[14] Vgl. Statistisches Bundesamt: <a href="http://www.destatis.de/" target="_blank" rel="noopener">www.destatis.de</a> (Stand: 12.08.2009).</p>
<p>[15] Lag die Zahl der Geburten in den neuen Bundesl&auml;ndern und Berlin-Ost 1989 noch bei 199.000 und 1990 bei 178.000, so sackte sie bis 1992 auf 88.300 ab. In den Folgejahren, bis 1999, wurde dieser Wert kaum mehr &uuml;berschritten. 2007 betrug die Zahl der Lebendgeborenen in Ostdeutschland einschlie&szlig;lich Berlin 131.000. Dem standen jedoch 179.500 Sterbef&auml;lle gegen&uuml;ber, so dass der Saldo weiterhin negativ ist.</p>
<p>[16] Statistische &Auml;mter des Bundes und der L&auml;nder 2007, S. 24.</p>
<p>[17] Vgl. Statistisches Bundesamt 2006: Bev&ouml;lkerung Deutschlands bis 2050, S. 17f.</p>
<p>[18] 2006 waren in Ostdeutschland 10,5 Prozent der Erwerbst&auml;tigen in FuE t&auml;tig, in Westdeutschland dagegen 12,9 Prozent. Der FuE-Aufwand machte in Ostdeutschland 2,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, in Westdeutschland aber 2,6 Prozent. Ein Drittel der ostdeutschen FuE-Aktivit&auml;ten entfiel zudem auf Berlin, und zwar &uuml;berwiegend auf den Westteil der Stadt. Ostdeutschland verlor gegen&uuml;ber 1989, aber auch gegen&uuml;ber 1995 als FuE-Standort betr&auml;chtlich an Bedeutung (vgl. Eickelpasch 2009: 84f.).</p>
<h2 class="auto-created">Literatur </h2>
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<p><i>Berlin-Institut f&uuml;r Bev&ouml;lkerung und Entwicklung </i>(2008): Das demografische Krisengebiet Europas. In: Berliner Zeitung, 22.08.</p>
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<p><i>Deutsche Bank Research </i>(2004): Perspektiven Ostdeutschlands &#8211; 15 Jahre danach. Aktuelle Themen Nr. 306, Frankfurt a. M.</p>
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<p><i>Statistische &Auml;mter des Bundes und der L&auml;nder</i> (2007): Demografischer Wandel in Deutschland, Heft 1, Wiesbaden.</p>
<p><i>Thierse, W. </i>(2001): Zukunft Ost. Perspektiven f&uuml;r Ostdeutschland in der Mitte Europas, Berlin.</p>
<p><i>Titze, M.</i> (2007): Strategien der neuen Bundesl&auml;nder im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe &#8222;Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur&#8220; &#8211; ein Vergleich, IWH-Diskussionspapier, Nr. 14, Halle.</p>
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