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	<title>Werner Raupp Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Vom Blutzoll der christlichen Kirche. Karlheinz Deschner vollendet seine „Kriminalgeschichte des Christentums“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 Nov 2013 23:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>aus: vorgänge Nr. 203 (3-2013), S.144-145 Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. 10: 18. Jh. u. Ausblick auf die Folgezeit, Reinbek: Rowohlt 320 S., 22,95 &#8364; Die Politik der Päpste, Aschaffenburg: Alibri, erw. Neuausg., ca. 1100 S., ca. 59 &#8364;. Wohl kaum ein anderer Autor hat die dunklen Kapitel der Kirchengeschichte so ausgeleuchtet wie Karlheinz Deschner [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>aus: vorgänge Nr. 203 (3-2013), S.144-145</p>
<p><i>Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. 10: 18. Jh. u. Ausblick auf die Folgezeit, Reinbek: Rowohlt 320 S., 22,95 &#8364; <br />Die Politik der Päpste, Aschaffenburg: Alibri, erw. Neuausg., ca. 1100 S., ca. 59 &#8364;. </i></p>
<p>Wohl kaum ein anderer Autor hat die dunklen Kapitel der Kirchengeschichte so ausgeleuchtet wie Karlheinz Deschner (89), der weltweit zu den bedeutendsten wie umstrittensten Kirchenkritikern zählt. Jetzt liegt der zehnte und letzte Band seiner großangelegten &#8222;Kriminalgeschichte des Christentums&#8220; vor. Sein Lebenswerk, die Arbeit von 40 Jahren.</p>
<p>Zudem trat der aus Bamberg stammende und in Hassfurt lebende Querdenker als Romancier und Aphoristiker hervor. Sein &#338;uvre umfasst mittlerweile über fünfzig Bücher, die in mehr als einer Million Exemplaren und in zwölf Sprachen Verbreitung fanden. Schließlich ist er als Tierschützer bekannt geworden.</p>
<p>Mit missionarischem Eifer begann Deschner, ein Aufklärer und Asket vor dem Herrn, um 1970 mit seiner umfassenden Abrechnung mit den Verbrechen der christlichen Religion &#8211; eingebunkert in einem Bücherturm und ausgerüstet mit einer mechanischen Schreibmaschine, die er noch heute benutzt. 1971 stand er wegen &#8222;Kirchenbeschimpfung&#8220; vor Gericht.</p>
<p>Das Projekt der &#8222;Kriminalgeschichte&#8220; lief schon bald aus dem Ruder. Aus den abgesteckten 320 Seiten sind fast 6000 geworden, die er sich in entsagungsvoller Arbeit Jahr für Jahr abgerungen hat. Der erste Band erschien erst 1986; bereits 1992 saßen Universitätstheologen, die ja noch immer unter kirchlicher Kontrolle stehen, in einer eigens anberaumten Tagung über ihn zu Gericht.</p>
<h2 class="auto-created">Monstr&ouml;ses Unheil</h2>
<p>Von den grauseligen Erzählungen des Alten Testaments über die Alte Kirche zu den Kreuzzügen im Mittelalter; von der Inquisition und der Hexenjagd, vom &#8222;christlichen Judenmorden&#8220; über die bluttriefende Conquista in Lateinamerika (&#8222;amerikanischer Holocaust&#8220;) bis zum &#8222;grässlichen Gemetzel&#8220; des Dreißigjährigen Krieges spannt das opus magnum einen immensen Bogen.</p>
<p>Dabei erschließt es in jedem Band ein erschreckendes Panorama von Lug und Trug, Blut und Mord im Zeichen des Kreuzes; statt der verheißenen Heilsgeschichte die eines &#8222;monströsen Unheils&#8220;. Bisweilen vermag es jedoch die aus dem Nebel der Geschichte selten auftauchenden Lichtblicke nicht immer genau zu erkennen.</p>
<p>Unheil wird auch im neuen Band vernehmbar. Er berichtet von &#8222;Königen von Gottes Gnaden&#8220; &#8211; besonders vom frommen Schwedenkönig Karl XII., der sich als alttestamentlicher Kriegsherr verstand und in seinen Kriege um 370.000 Menschen verschliss &#8211; wie auch vom Niedergang des Papsttums und der beginnenden Trennung von Staat und Kirche.</p>
<p>Auch darin bringt Deschner, oft mittels sarkastischem Unterton und leidenschaftlicher Zwischenrufe, das zur Sprache, was die offizielle kirchliche Lesart noch immer geflissentlich verharmlost oder sogar verschweigt. Der humanistische Autor erweist sich wiederum als Anwalt der Millionen von Opfern, deren Namen aus den Geschichtsbüchern gelöscht wurden. Er ist empört, wenn man das &#8222;himmelschreiende Unrecht der &#8218;Heilsgeschichte&#8216; in lammfromme Sprüche verpackt, in unverschämte Lügen&#8220;.</p>
<p>Der letzte Band, der im Vergleich zu seinen Vorgängern zu kurz ausgefallen ist, führt an die Schwelle des 19. Jahrhunderts. Die fehlenden 200 Jahre sollen durch die erweiterte Neuausgabe von Deschners Werk &#8222;Die Politik der Päpste&#8220; (1991) abgedeckt werden, der noch in diesem Jahr erscheinen wird.</p>
<h2 class="auto-created">Ein moderner Voltaire</h2>
<p>Dem streitbaren Kriminalhistoriker geht es nicht um eine ausgeklügelte Darstellung oder um brandneue Forschungsergebnisse; vielmehr schreibt er als ein moderner Voltaire, der daran Anstoß nimmt, dass das sich als Liebesreligion wähnende Christentum eine breite historische Blutspur hinterlassen hat.</p>
<p>Er hat mit seiner in brillanter Sprache dicht erzählten &#8222;Kriminalgeschichte&#8220; ein alternatives Standardwerk geschaffen, das den Leser ungeschminkt hinter die Kulissen schauen lässt. Sie schließt mit den unversöhnlichen Worten: &#8222;Das Christentum wurde der Antichrist. Jene Hölle, mit der es drohte: sie war es selbst!&#8220;</p>
<p><i><b>WERNER RAUPP</b> ist Theologie- und Philosophiehistoriker. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die neuzeitliche Geistesgeschichte des 18. Jahrhunderts (bes. Aufklärung und Pietismus) wie auch das 19. und 20. Jahrhunderts (bes. Albert Schweitzer). Raupp ist Mitherausgeber der philosophischen Zeitschrift &#8222;Aufklärung und Kritik&#8220; der Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg; überdies Mitglied der Kant-Gesellschaft und des Deutschen Hilfsvereins für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene e.V.</i></p>
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		<title>Von der Blutspur der christlichen Kirche</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Oct 2008 14:38:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 202, S. 27 Der auch als Romancier und Aphoristiker bekannte Karlheinz Deschner z&#228;hlt zweifelsohne weltweit zu den bedeutendsten wie umstrittensten zeitgen&#246;ssischen Kritikern des Christentums. Seit fast einem halben Jahrhundert arbeitet der mittlerweile 84-j&#228;hrige, im unterfr&#228;nkischen Ha&#223;furt lebende Literat an einem Sittengem&#228;lde des Christentums und hat dazu wie kaum ein anderer in &#252;ber [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus: Mitteilungen Nr. 202, S. 27</p>
<div><span class="migrated-image"><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/deschner.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-4228 size-medium" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/deschner-450x450.jpg" alt="Von der Blutspur der christlichen Kirche" width="450" height="450" srcset="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/deschner-450x450.jpg 450w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/deschner-150x150.jpg 150w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/deschner-337x337.jpg 337w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/deschner-250x250.jpg 250w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/deschner.jpg 500w" sizes="(max-width: 450px) 100vw, 450px" /></a></span></p>
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</div>
<p>Der auch als Romancier und Aphoristiker bekannte Karlheinz Deschner z&auml;hlt zweifelsohne weltweit zu den bedeutendsten wie umstrittensten zeitgen&ouml;ssischen Kritikern des Christentums.  Seit fast einem halben Jahrhundert arbeitet der mittlerweile 84-j&auml;hrige, im unterfr&auml;nkischen Ha&szlig;furt lebende Literat an einem Sittengem&auml;lde des Christentums und hat dazu wie kaum ein anderer in &uuml;ber 30 B&uuml;chern dessen dunkle Geschichte ausgeleuchtet. Seine Schriften sind mittlerweile in mehr als einer Million Exemplaren verbreitet und in zw&ouml;lf Sprachen &uuml;bersetzt (auch ins Arabische).</p>
<p>Seit 1986 erscheint sein monumentales Hauptwerk &uuml;ber die vergangenen zwei Jahrtausende: &bdquo;Kriminalgeschichte des Christentums&#8220;, auf zehn B&auml;nde konzipiert. Mit dem nunmehr vorliegenden Band 9 betritt Deschner die Fr&uuml;he Neuzeit. Angesichts der durch die weltweite Ausbreitung des Christentums vorliegenden Quellen ist er im Vergleich zu seinen Vorg&auml;ngern zu kurz ausgefallen. Auch im neuen Band bietet der Kriminalhistoriker ein erschreckendes Panaroma von Lug und Trug, Blut und Mord im Zeichen des Kreuzes; statt der verhei&szlig;enen Heilsgeschichte die eines &bdquo;monstr&ouml;sen Unheils&#8220;.</p>
<p>Sichtbar wird dieses auch in der reformatorischen Kirche, besonders im calvinistisch-theokratischen Genf, wo, &auml;hnlich wie im Mittelalter, zur &bdquo;Ehre Gottes&#8220; zahlreiche &bdquo;Ketzer&#8220; auf dem Scheiterhaufen landeten. Eine breite Blutspur findet der Autor auch im konfessionellen Zeitalter (ca. 1540-1648) mit seinem von religi&ouml;sem Hass befeuerten &bdquo;gr&auml;sslichen Gemetzel&#8220; des Drei&szlig;igj&auml;hrigen Krieges. Hauptakteure jener Epoche waren die vom &bdquo;Kadavergehorsam&#8220; und &bdquo;Kriegsdienst f&uuml;r Gott&#8220; beseelten Jesuiten.</p>
<p>&Uuml;ber Europa hinaus kommt Deschner &ndash; allerdings etwas zu knapp &ndash; auf die weltweite Expansion des christlichen Abendlands zu sprechen, die bekanntlich verheerende Folgen besa&szlig;. Dem Ausgreifen auf Afrika, das den Beginn des Sklavenhandels markiert, folgt die Eroberung Amerikas (&bdquo;amerikanischer Holocaust&#8220;). Dort wurden Abermillionen der Indigenen vernichtet: im Norden von den protestantischen Briten, im S&uuml;den von den katholischen Spaniern und Portugiesen, wobei &bdquo;das Blut der H&auml;uptlinge wie Wasser floss&#8220; (so eine aztekische Chronik). Die &bdquo;Jahwe-Kriege&#8220; des Alten Testaments mitunter als Vorbild ansehend, spielte dabei der Missionsgedanke eine entscheidende Rolle, der in den Ureinwohnern &bdquo;gottlose Ungeheuer&#8220; sah. Papst Johannes Paul II. wusste dieses &bdquo;V&ouml;lkermorden&#8220; &ndash; man kann es kaum glauben &ndash; als von Gott bewirkte &bdquo;Zeit des Heils&#8220; zu legitimieren (so 1979 w&auml;hrend seines Haiti-Besuchs).</p>
<p>Auch im neuen Band, der mit dem absolutistischen, &bdquo;allerchristlichsten Sonnenk&ouml;nig&#8220; Ludwig XIV. (1638-1715) endet, geht es dem humanistischen Autor nicht um eine wohlproportionierte, &bdquo;ausgekl&uuml;gelte&#8220; Darstellung; vielmehr schreibt er, mitunter in sarkastischem Unterton, als ein moderner Voltaire, der das Geschehen durch die Augen der Opfer zu sehen sucht. So hat er mit seiner in farbiger Sprache dicht erz&auml;hlten &bdquo;Kriminalgeschichte&#8220; eine quellenreiche Alternative zur herk&ouml;mmlichen Kirchenhistoriographie geschaffen, die noch immer unter apologetischen Vorzeichen steht.</p>
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		<item>
		<title>Intolerantes Evangelium</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/188/publikation/intolerantes-evangelium/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Feb 2005 15:20:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Rezension des neuesten Werkes des Göttinger Theologen Gerd Lüdemann Mitteilungen Nr. 188, S.19 Gerd Lüdemann: Die Intoleranz des Evangeliums. Erläutert an ausgewählten Schriften des Neuen Testaments. Springe: Zu Klampen 2004, 270 S., &#128; 19,80. Über die Theologenschaft hinaus ist Gerd Lüdemann (58) mittlerweile kein Unbekannter mehr. 1994 hatte er mit einer profunden Studie über [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Rezension des neuesten Werkes des Göttinger Theologen Gerd Lüdemann</p>
<p>Mitteilungen Nr. 188, S.19</p>
<p><i>Gerd Lüdemann: Die Intoleranz des Evangeliums. Erläutert an ausgewählten Schriften des Neuen Testaments. Springe: Zu Klampen 2004, 270 S., &#128; 19,80.</i></p>
<p>Über die Theologenschaft hinaus ist Gerd Lüdemann (58) mittlerweile kein Unbekannter mehr. 1994 hatte er mit einer profunden Studie über die &#132;Auferstehung Jesu&#147; Schlagzeilen gemacht, in der er die von den meisten seiner Fachkollegen stillschweigend geteilte Überzeugung aussprach, dass Jesus lediglich in der Phantasie der Jünger auferstanden sei. Sein lautes Denken versetzte die Theologenschar in Aufregung, die evangelische Amtskirche belegte ihn daraufhin mit Zensur und betrieb seine Enthebung vom Lehrstuhl für Neues Testament. Als Ersatz hat ihm die Göttinger Hochschule den neuen Lehrstuhl &#132;Geschichte und Literatur des frühen Christentums&#147; eingerichtet. Seither darf er jedoch keine Prüfungen mehr abnehmen. Zudem leitet er das Archiv &#132;Religionsgeschichtliche Schule&#147; an der dortigen Theologischen Fakultät.</p>
<p>Auch in seinem neu erschienenen Buch sucht Lüdemann unabhängig von Theologie und Kirche die Anfänge der christlichen Religion zu beleuchten, indem er der Frage nachgeht, wie es denn um deren Toleranz bestellt sei. Seine Analyse polemischer neutestamentlicher Texte (bes. der Briefe: 2Thess., 2/3Joh, Past, Jud, 2Petr; Kap. III-VI), die er mit der jüdischen wie griechisch-römischen Kultur kontrastiert (II), führt ihn zu einem negativen Befund: Beseelt vom exklusiven Monotheismus und dem Bewusstsein der Erwähltheit verfahren die frühchristlichen Autoren, die einem streng dualistischen Weltbild anhingen, mit Andersgläubigen keineswegs zimperlich und stellen sie der &#132;ewigen Verdammnis&#147; anheim (vgl. u.a. Mk 16,16). Damit nicht genug, werden sogar christliche Dissidenten mit der Verteufelung bedacht (Jud 13) und auch die Frauen, die ja die Vertreibung aus dem Paradies zu verantworten hätten, in die zweite Reihe gestellt (1Tim 2,9-15).</p>
<p>Im Schlusskapitel (VII) zeigt der humanistisch gesinnte Autor sodann, wie krass derartige Glaubensfundamente dem modernen Selbstverständnis der christlichen Kirchen widersprechen, das chamäleonartige Züge trage (&#132;Die Kirche glaubt alles und nichts&#147; [S. 214]). Um ihre Klientel nicht zu verlieren, läsen jene in ihre heiligen Texte zumeist das hinein, was ihnen gerade zeitgemäß erschiene. Und so predigten sie auch im Namen der Bibel die von der Aufklärung erkämpfte Toleranz wie auch etwa die Gleichberechtigung der Frau; darüber hinaus empföhlen sie sich sogar dem Staat als Experten bei der Umsetzung von Toleranz in Religionsfreiheit. Demgegenüber verpflichteten sie allerdings noch immer ihre geistlichen Amtsträger auf Bibel und alte Bekenntnisse und seien tunlichst darauf bedacht, die dunklen Seiten der Bibel zu retuschieren, die von den alttestamentlichen Genozid-Erzählungen über den rechtgläubigen Rigorismus bis zur neutestamentlichen Pseudepigraphie reichten.</p>
<p>Im Anhang (VIII) bietet der Autor als Hintergrund der behandelten Texte unter anderem Auszüge aus gnostischen Originalschriften (aus dem oberägyptischen Nag Hammadi, ca. 300-350 n. Chr.). Schließlich setzt er sich noch kritisch mit dem im Neuen Testament weit verbreiteten Phänomen der Pseudepigraphie auseinander. Laut wissenschaftlicher Theologie, die ja von der Kirche vorbestellte Ergebnisse erzielen muss, sei diese wunderlicherweise aus &#132;ökumenischer Verantwortung&#147; entstanden und sei gerechtfertigt, &#132;um den wahren Glauben zu schützen&#147; (so Udo Schnelle u. Rubens Zimmermann, der in diesem Zusammenhang allen Ernstes von &#132;Lügen für die Wahrheit&#147; spricht, zit. nach Lüdemann, S. 260 f.).</p>
<p>Mit seiner unverblümten Analyse, die mitunter den sarkastischen Unterton bevorzugt und bewegende persönliche Erinnerungen einstreut, hat Lüdemann eine durchaus zuverlässige Studie vorgelegt. Sie ermöglicht auch dem Laien, sich jenseits der kirchlichen Bevormundung über die geistigen Grundlagen der christlichen Kirche zu vergewissern, der es in der Tat an der Wahrhaftigkeit mangelt.</p>
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		<item>
		<title>Kirchliche Kriminalgeschichte &#8211; Fortsetzung folgt&#8230;</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/publikation/kirchliche-kriminalgeschichte-fortsetzung-folgt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Sep 2002 13:20:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mitteilungen Nr. 179, Nr.66 Wohl kaum ein anderer Autor hat die dunklen Kapitel derGeschichte des Christentums so ausgeleuchtet wie KarlheinzDeschner, der sich nicht davor scheut, &#8222;Heiligen&#8220; die Aureolen zu l&#252;ften und Kirchenf&#252;hrer als &#8222;Verbrecher&#8220; zu bezeichnen. Seit vier Jahrzehnten arbeitet er beharrlich an einem Sittengem&#228;lde des Christentums und hat dazu &#252;ber drei&#223;ig B&#252;cher verfasst, womit [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/publikation/kirchliche-kriminalgeschichte-fortsetzung-folgt/">Kirchliche Kriminalgeschichte &#8211; Fortsetzung folgt&#8230;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mitteilungen Nr. 179, Nr.66</p>
<p>Wohl kaum ein anderer Autor hat die dunklen Kapitel der<br />Geschichte des Christentums so ausgeleuchtet wie Karlheinz<br />Deschner, der sich nicht davor scheut, &bdquo;Heiligen&ldquo; die Aureolen zu l&uuml;ften und Kirchenf&uuml;hrer als &bdquo;Verbrecher&ldquo; zu bezeichnen. Seit vier Jahrzehnten arbeitet er beharrlich an einem Sittengem&auml;lde des Christentums und hat dazu &uuml;ber drei&szlig;ig B&uuml;cher verfasst, womit er zu einem der profiliertesten Kirchen- und Religionskritiker wurde. Zudem hat der aus dem Oberfr&auml;nkischen stammende, mittlerweile 78-j&auml;hrige Literat sich als Romancier und Aphoristiker einen Namen<br />gemacht und wurde mit mehreren Auszeichnungen bedacht<br />(unter anderem International Humanist Award, Alternativer<br />B&uuml;chnerpreis, Erwin-Fischer-Preis).</p>
<p>Seit 1986 erscheint im Rowohlt Verlag sein monumentales Werk &uuml;ber die vergangenen zwei Jahrtausende: &bdquo;Kriminalgeschichte des Christentums&ldquo;, das auf zehn B&auml;nde mit etwa 6000 Seiten konzipiert ist. Nun liegt der siebte Band (13. und 14. Jahrhundert) vor, der die Zeitspanne von Kaiser Heinrich VI. (1190 bis 1197) bis Ludwig IV. den Bayern (1281 bis 1347) behandelt und abermals ein erschreckendes Panorama von Lug und Trug, Blut und Mord im Zeichen des Kreuzes bietet. In diese Zeit fallen unter anderem der Entscheidungskampf zwischen Kaiser- und Papsttum, der Sturz der Staufer, das Ende der p&auml;pstlichen Universalherrschaft sowie die &bdquo;Babylonische Gefangenschaft&ldquo; der P&auml;pste in Avignon.<br />Sein besonderes Augenmerk richtet Deschner auf die Inquisition und Kreuzz&uuml;ge (&bdquo;bewaffnete Wallfahrten&ldquo;) wie auf die Judenmassaker, denen allein 1348/49 etwa zwei Drittel der j&uuml;dischen Gemeinden in Deutschland zum Opfer fielen. Wie auch in den fr&uuml;heren B&auml;nden bringt der Kriminalhistoriker besonders das zur Sprache, was die offizielle kirchliche Lesart geflissentlich verharmlost oder gar verschweigt. Und so lesen sich manche Kapitel wie ein Gruselroman, der von Scheiterhaufen berichtet, die nie erl&ouml;schen und der den<br />Leser in modrige Kerker und Folterkammern f&uuml;hrt, wo die &bdquo;Ungl&auml;ubigen&ldquo; im Namen des christlichen Glaubens gevierteilt oder ihnen Zunge und Augen ausgeschnitten werden.<br />Die zeitgen&ouml;ssischen Theologen wussten derlei Gewalt mit grotesken Kommentaren zu legitimieren,wenn sie etwa von &bdquo;Liebe in fremder Gestalt&ldquo; sprachen oder in Anlehnung an die alttestament-lichen Genozid-Erz&auml;hlungen die Kreuzz&uuml;ge als g&ouml;ttliche Taten feierten (&bdquo;Durch Gottes Gnade wurden &uuml;ber 3000 Heiden erschlagen&ldquo;).</p>
<p>Deschner geht es nicht um eine &bdquo;ausgewogene&ldquo; Darstellung; vielmehr schreibt er, mitunter in sarkastischem Unterton, als aufkl&auml;rerischer Humanist, der daran Ansto&szlig; nimmt, dass das sich als Liebesreligion w&auml;hnende Christentum eine Unmenge von Verbrechen begangen hat. Mit seiner in lockerer Sprache verfassten &bdquo;Kriminalgeschichte&ldquo; hat er ein alternatives Standardwerk geschaffen, das den Leser ungeschminkt hinter die Kulissen schauen l&auml;sst. Damit hat er den Mythos vom seligmachenden Christentum ersatzlos entzaubert und die herk&ouml;mmliche Kirchengeschichts-schreibung zugleich entlarvt, die noch immer unter apologetischen Vorzeichen steht.</p>
<p>F&uuml;r Internet-Kundige hat der Autor &uuml;brigens eine umfangreiche<br />Homepage eingerichtet, die Adresse ist:<br /><a href="http://www.deschner.info/" target="_blank" rel="noopener">http://www.deschner.info</a></p>
<p>Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums,<br />Band 7: 13. und 14. Jahrhundert, Hamburg-Reinbek: Rowohlt<br />Verlag 2002, 572 S.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/publikation/kirchliche-kriminalgeschichte-fortsetzung-folgt/">Kirchliche Kriminalgeschichte &#8211; Fortsetzung folgt&#8230;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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