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	<title>BRD Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Die Friedensbewegung der 1980er Jahre in der BRD – Fokus West-Berlin</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/mitt-257/publikation/die-friedensbewegung-der-1980er-jahre-in-der-brd-fokus-west-berlin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 11:44:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
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		<category><![CDATA[Friedensbewegung der 1980er Jahre in der BRD – Dokumente mit Fokus auf West-Berlin]]></category>
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		<category><![CDATA[Publikationen: HU-Mitteilungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Derzeit wird in Berlin die Ausstellung Friedensbewegung der 1980er Jahre in der BRD – Dokumente mit Fokus auf West-Berlin gezeigt. Die Ausstellung wurde von der Humanistischen Union entworfen und wird von der Berliner Landeszentrale für politische Bildung gefördert. Auf sechs Roll-Ups werden ausschließlich Dokumente (Fotos, Flugblätter, Zeitungsartikel, Karikaturen etc.) der Jahre 1980-1988 aus den beteiligten [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/mitt-257/publikation/die-friedensbewegung-der-1980er-jahre-in-der-brd-fokus-west-berlin/">Die Friedensbewegung der 1980er Jahre in der BRD – Fokus West-Berlin</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Derzeit wird in Berlin die Ausstellung <em>Friedensbewegung der 1980er Jahre in der BRD – Dokumente mit Fokus auf West-Berlin</em> gezeigt. Die Ausstellung wurde von der Humanistischen Union entworfen und wird von der Berliner Landeszentrale für politische Bildung gefördert.</p>
<p>Auf sechs Roll-Ups werden ausschließlich Dokumente (Fotos, Flugblätter, Zeitungsartikel, Karikaturen etc.) der Jahre 1980-1988 aus den beteiligten Gruppen, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Hochschulen gezeigt. Die Ausstellung bietet – anlässlich des Berliner Abiturschwerpunkts in den Jahren 2026 und 2027 – die Möglichkeit, sich mit den Debatten, Zielen und (Miss-)Erfolgen der Friedensbewegung auseinanderzusetzen.</p>
<p>Die Ausstellung konnte <em>vom 9. bis zum 27. Februar 2026</em> dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 18 Uhr in der <em>Berliner Landeszentrale für politische Bildung</em> (Revaler Str. 29, 10245 Berlin) besucht werden. Zur vertiefenden Behandlung der Themen wird zusätzlich digital abrufbares Begleitmaterial angeboten.</p>
<p><em>Vom 4. März bis 3. April 2026</em> ist die Ausstellung im Foyer des Robert-Havemann-Saals im <em>Haus der Demokratie und Menschenrechte</em> zu sehen: Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin. Die Ausstellung kann dort montags und mittwochs zwischen 10:00 und 16:00 Uhr besichtigt werden, dazu wird eine Anmeldung bei Lucia Trias erbeten: <a href="mailto:veranstaltung@hausderdemokratie.de">veranstaltung@hausderdemokratie.de</a> oder Tel. 030 – 2016 5520. Das Foyer muss für Sie aufgeschlossen werden. Wenn Sie ankommen, melden Sie sich dazu bei der Hausverwaltung im Vorderhaus (1. OG).</p>
<p>Außerhalb dieser Zeiten kann bei Bedarf eine Gruppenbesichtigung der Ausstellung über die Humanistische Union organisiert werden. Dazu kontaktieren Sie bitte die Bundesgeschäftsstelle der Humanistischen Union unter <a href="mailto:info@humanistische-union.de">info@humanistische-union.de</a> oder Tel. 030 – 2045 0256.</p>
<p><em>Vollständige Exemplare der Ausstellung können von Schulen ausgeliehen werden.</em> Bei Interesse schreiben Sie bitte an Bettina Deutsch: <a href="mailto:deutsch@leibniz-gymnasium.berlin">deutsch@leibniz-gymnasium.berlin</a>.</p>
<h3 class="">Die digitale Ausstellung</h3>
<p>Wie bieten zudem die Ausstellung <em>Friedensbewegung der 1980er Jahre in der BRD – Dokumente mit Fokus auf West-Berlin </em>als kostenlose digitale Version an. Um sich die Ausstellung als PDF-Datei anzusehen und herunterzuladen, klicken Sie bitte hier:</p>
<p><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2026/02/80erFriedenTafeln_www.pdf">https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2026/02/80erFriedenTafeln_www.pdf</a>.</p>
<p><em>An der Ausstellung haben mitgewirkt: Kurt Blank-Markard, Bettina Deutsch, Philip Dingeldey, Claus Kittsteiner, Carola Otte, Wilhelm Quitzow, Brigitte Reich, Hilde Schramm und Laura von Wimmersperg.</em></p>
<h3 class="">Begleit&shy;ma&shy;te&shy;rial als Angebot zur Vertiefung einiger Aspekte der Ausstellung</h3>
<p>Zudem haben wir Begleitmaterial für die Ausstellung in Form von historischen Quellen aufbereitet. Das Begleitmaterial enthält ebenso wie die Ausstellung ausschließlich Dokumente aus den 1980er Jahren, ohne Kommentierung aus heutiger Sicht. Dieses ist auch dazu gedacht, Lehrkräften und Personen aus der politischen Bildung Arbeitsmaterial im Kontext des Schulunterrichts oder Seminaren zu bieten. Um das gesamte Begleitheft herunterzuladen, klicken Sie bitte hier:</p>
<p><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2026/02/80erFriedenBegleitmaterial_www.pdf">https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2026/02/80erFriedenBegleitmaterial_www.pdf</a>.</p>
<p>Die einzelnen Quellen, die die sechs Ausstellungstafeln ergänzen, können Sie auch unten einzeln ansehen und herunterladen. Sie finden Sie auf Website der Humanistischen Union:</p>
<p><a href="https://www.humanistische-union.de/thema/die-friedensbewegung-1980er-jahre-in-der-brd-fokus-west-berlin/">https://www.humanistische-union.de/thema/die-friedensbewegung-1980er-jahre-in-der-brd-fokus-west-berlin/</a>.</p>
<p><em>Das Begleitmaterial wurde zusammengestellt von Hilde Schramm, Wilhelm Quitzow, Brigitte Reich und Philip Dingeldey.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/mitt-257/publikation/die-friedensbewegung-der-1980er-jahre-in-der-brd-fokus-west-berlin/">Die Friedensbewegung der 1980er Jahre in der BRD – Fokus West-Berlin</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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            	</item>
		<item>
		<title>Was können wir heute aus der Friedensbewegung der 1980er Jahre lernen?</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/veranstaltungen/2026/was-koennen-wir-heute-aus-der-friedensbewegung-der-1980er-jahre-lernen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Mar 2026 11:43:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Europa / Internationales]]></category>
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		<category><![CDATA[Wolfram Beyer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Zeiten der Militarisierung, des Bellizismus, der atomaren Bedrohung und des neuen Wehrdienstes in Deutschland, braucht es mehr denn je eine Friedensbewegung und pazifistische Kräfte in Politik und Zivilgesellschaft. Doch wie kann dies gelingen? Wie können sich Menschen im Angesicht zunehmender internationaler Konflikte und Kriege für den Frieden einsetzen? Und welche Lehren können wir dabei [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In Zeiten der Militarisierung, des Bellizismus, der atomaren Bedrohung und des neuen Wehrdienstes in Deutschland, braucht es mehr denn je eine Friedensbewegung und pazifistische Kräfte in Politik und Zivilgesellschaft. Doch wie kann dies gelingen? Wie können sich Menschen im Angesicht zunehmender internationaler Konflikte und Kriege für den Frieden einsetzen? Und welche Lehren können wir dabei aus der bislang größten Friedensbewegung – jener der 1980er Jahre – ziehen? Über die historische Perspektive zu Erfolgen und Misserfolgen der Friedensbewegung der 1980er Jahre hinaus, stellt sich die Frage, wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu heutigen Kontexten bestehen und welche Anknüpfungspunkte an die damalige Friedensbewegung möglich sind.</p>
<p>Darum lädt die Humanistische Union <em>am 24. März, um 19 Uhr</em> zur Podiumsdiskussion <em>Was lernen wir aus der Friedensbewegung der 1980er Jahre heute?</em> ein. Diese findet im <em>Robert-Havemann-Saal im Haus der Demokratie und Menschenrechte (Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin)</em> statt.</p>
<p>Die Podiumsdiskussion ist der Abschluss unserer Ausstellung <a href="https://www.humanistische-union.de/thema/die-friedensbewegung-1980er-jahre-in-der-brd-fokus-west-berlin/"><em>Die</em> <em>Friedensbewegung der 1980er Jahre in der BRD – mit Fokus auf West-Berlin</em></a>, die von der Landeszentrale für politische Bildung &#8211; anlässlich des diesjährigen Abiturschwerpunkts im Fach Geschichte &#8211; gefördert wird. Vom 4. März bis 10. April 2026 wird die Ausstellung im Foyer des Robert-Havemann-Saals gezeigt. Auf sechs Roll-Ups werden ausschließlich Dokumente (Fotos, Flugblätter, Zeitungsartikel, Karikaturen etc.) der Jahre 1980 bis 1988 von beteiligten Gruppen, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Hochschulen gezeigt. Die Ausstellung bietet die Möglichkeit, sich mit den Debatten, Zielen und (Miss-)Erfolgen der Friedensbewegung auseinanderzusetzen.</p>
<p>Im Rahmen dieser Finissage soll auch diskutiert werden, wie ein Interesse an Friedenspolitik und Friedensbewegungen bei jungen Menschen entstehen kann oder verstärkt wird, und was die Ausstellung und Friedenspädagogik dazu beitragen können. Daher wird auch diskutiert, wie Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte auf die Ausstellung reagiert haben, und inwiefern die Ausstellung nicht nur historisches Wissen vermittelt, sondern auch zu Diskussionen anregen will.</p>
<p>Die Ausstellung kann während der Veranstaltung besichtigt werden.</p>
<p>Es diskutieren:</p>
<ul>
<li><strong>Hilde Schramm</strong>, Zeitzeugin, Mitwirkung an der Ausstellung</li>
<li><strong>Bettina Deutsch</strong>, Geschichtslehrerin, Mitwirkung an der Ausstellung</li>
<li><strong>Wolfram Beyer</strong>, IdK (Internationale der Kriegsgegner*innen)</li>
</ul>
<p><strong>Moderation: Hajo Funke</strong>, Politikwissenschaftler</p>
<p><em>Die Teilnahme an der Podiumsdiskussion ist, wie auch die Besichtigung der Ausstellung, </em><em>kostenlos. Um Anmeldung wird jedoch gebeten. Schreiben Sie dazu bitte eine Mail an: <a href="mailto:info@humanistische-union.de">info@humanistische-union.de</a>.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/veranstaltungen/2026/was-koennen-wir-heute-aus-der-friedensbewegung-der-1980er-jahre-lernen/">Was können wir heute aus der Friedensbewegung der 1980er Jahre lernen?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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            	</item>
		<item>
		<title>Ausstellungseröffnung: Die Friedensbewegung der 1980er Jahre in der BRD &#8211; Fokus West-Berlin</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/veranstaltungen/2026/ausstellungseroeffnung-die-friedensbewegung-der-1980er-jahre-in-der-brd-fokus-west-berlin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Jan 2026 16:15:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frieden]]></category>
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		<category><![CDATA[Wilhelm Quitzow]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vom 9. bis 27. Februar 2026 wird in der Berliner Landeszentrale für politische Bildung (Revaler Str. 29, 10245 Berlin) die Ausstellung &#8222;Friedensbewegung der 1980er Jahre in der BRD &#8211; Dokumente mit Fokus auf West-Berlin&#8220; gezeigt. Die Ausstellung wurde der Humanistischen Union entworfen und wird von der Landeszentrale für politische Bildung gefördert. Auf sechs Roll-Ups werden [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/veranstaltungen/2026/ausstellungseroeffnung-die-friedensbewegung-der-1980er-jahre-in-der-brd-fokus-west-berlin/">Ausstellungseröffnung: Die Friedensbewegung der 1980er Jahre in der BRD &#8211; Fokus West-Berlin</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vom 9. bis 27. Februar 2026 wird in der Berliner Landeszentrale für politische Bildung (Revaler Str. 29, 10245 Berlin) die Ausstellung &#8222;Friedensbewegung der 1980er Jahre in der BRD &#8211; Dokumente mit Fokus auf West-Berlin&#8220; gezeigt. Die Ausstellung wurde der Humanistischen Union entworfen und wird von der Landeszentrale für politische Bildung gefördert.</p>
<p>Auf sechs Roll-Ups werden ausschließlich Dokumente (Fotos, Flugblätter, Zeitungsartikel, Karikaturen etc.) der Jahre 1980-1988 aus den beteiligten Gruppen, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Hochschulen gezeigt. Die Ausstellung bietet – anlässlich des diesjährigen Berliner Abiturschwerpunkts – die Möglichkeit, sich mit den Debatten, Zielen und (Miss-)Erfolgen der Friedensbewegung auseinanderzusetzen.</p>
<p>Am 9. Februar von 16:30 bis 18:00 Uhr laden wir herzlich zur Eröffnungsveranstaltung ein, die mit einer Fortbildung für Lehrkräfte verbunden ist. Die teilnehmenden Lehrkräfte und Multiplikator*innen werden in die Thematik eingeführt und haben die Möglichkeit, die Ausstellung zu besichtigen. Gemeinsam soll überlegt werden, wie die Ausstellung im Unterricht und zur gezielten Abiturvorbereitung eingesetzt werden kann. Außerdem gibt es ein Gespräch mit drei Zeitzeug*innen und Initiator*innen der Ausstellung, die sich in den 1980er Jahren in der Friedensbewegung, vor allem in West-Berlin, engagierten:</p>
<ul>
<li><strong>Hilde Schramm</strong>, ehem. Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. In den 1980er Jahren lokal aktiv in der Friedensinitiative Steglitz und stadtweit in der West-Berliner Friedenskoordination aktiv sowie eine der Redakteur*innen der Berliner Friedenszeitung (FRIZ).</li>
<li><strong>Brigitte Reich</strong>, Mitbegründerin der Initiative &#8222;Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden&#8220; und Leiterin der &#8222;Arbeits- und Dokumentationsstelle Friedenserziehung&#8220; der Hochschule der Künste Berlin.</li>
<li><strong>Wilhelm Quitzow</strong>, Akad. Rat für Bildung in den Naturwissenschaften, TU Berlin, Arbeitsgebiet: Naturwissenschaften und gesellschaftliche Entwicklungen, speziell Friedenserziehung im naturwissenschaftlichen Unterricht.</li>
</ul>
<p>Die Ausstellung kann vom 9. bis zum 27. Februar jeweils dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 18 Uhr in der Berliner Landeszentrale für politische Bildung, Revaler Str. 29, 10245 Berlin besucht werden. Klassen- und Gruppenanmeldungen sind obligatorisch mindestens 3 Tage vorher über <a href="mailto:anja.witzel@senbjf.berlin.de">anja.witzel@senbjf.berlin.de</a> vorzunehmen. Zur vertiefenden Behandlung der Themen wird zusätzlich digital abrufbares Begleitmaterial angeboten. Die Ausstellung sowie das Begleitmaterial sind ab dem 10. Februar 2026 unter folgendem Link einsehbar: <a href="https://www.humanistische-union.de/thema/die-friedensbewegung-1980er-jahre-in-der-brd-fokus-west-berlin/">https://www.humanistische-union.de/thema/die-friedensbewegung-1980er-jahre-in-der-brd-fokus-west-berlin/</a></p>
<p>Vollständige Exemplare der Ausstellung können von Schulen ausgeliehen werden. Bei Interesse schreiben Sie bitte an Bettina Deutsch: <a href="mailto:deutsch@leibniz-gymnasium.berlin">deutsch@leibniz-gymnasium.berlin</a>.</p>
<p>Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Um daran teilnehmen zu können, ist eine Anmeldung bei der Berliner Landeszentrale für politische Bildung nötig. Hier kommen Sie direkt zum Anmeldeformular der Landeszentrale:</p>
<p><a href="https://www.berlin.de/politische-bildung/veranstaltungen/veranstaltungen-der-berliner-landeszentrale/online-anmelden/formular.680951.php?veranstaltung=friedensbewegung_09.02.2026">https://www.berlin.de/politische-bildung/veranstaltungen/veranstaltungen-der-berliner-landeszentrale/online-anmelden/formular.680951.php?veranstaltung=friedensbewegung_09.02.2026</a></p>
<p><em>Mit freundlicher Unterstützung der Berliner Landeszentrale für politische Bildung</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/veranstaltungen/2026/ausstellungseroeffnung-die-friedensbewegung-der-1980er-jahre-in-der-brd-fokus-west-berlin/">Ausstellungseröffnung: Die Friedensbewegung der 1980er Jahre in der BRD &#8211; Fokus West-Berlin</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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            	</item>
		<item>
		<title>Was war und zu welchem Ende kam die politische Energie der Ostdeutschen? Rede vor der Akademie der Künste vom 8.11.2019</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-250/publikation/was-war-und-zu-welchem-ende-kam-die-politische-energie-der-ostdeutschen-rede-vor-der-akademie-der-kuenste-vom-8-11-2019/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Sep 2025 10:37:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lebensweisen / Pluralismus]]></category>
		<category><![CDATA[Neonazis]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[BRD]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Dialog]]></category>
		<category><![CDATA[Ostdeutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Treuhand]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>0. Drei Jahrzehnte nach dem großen Umbruch sollte man meinen, die tragenden Linien, die zu ihm führten und seine Form bestimmten, würden sichtbar werden, ins öffentliche Bewusstsein treten. Das Gegenteil ist der Fall. Die Bundesrepublik spinnt ihr altes Selbstgespräch über Ostdeutschland fort und fort – doch inzwischen hört dort niemand mehr zu. 1. Wie kamen [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-250/publikation/was-war-und-zu-welchem-ende-kam-die-politische-energie-der-ostdeutschen-rede-vor-der-akademie-der-kuenste-vom-8-11-2019/">Was war und zu welchem Ende kam die politische Energie der Ostdeutschen? Rede vor der Akademie der Künste vom 8.11.2019</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">0.</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Drei Jahrzehnte nach dem großen Umbruch sollte man meinen, die tragenden Linien, die zu ihm führten und seine Form bestimmten, würden sichtbar werden, ins öffentliche Bewusstsein treten. Das Gegenteil ist der Fall. Die Bundesrepublik spinnt ihr altes Selbstgespräch über Ostdeutschland fort und fort – doch inzwischen hört dort niemand mehr zu.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">1.</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Wie kamen wir heran? Am Anfang stehen ein ganz präzises Datum und sogar eine einzelne Person. Es ist der 10. September 1989, die Person heißt Bärbel Bohley. Ein Jahr lang hatte diese kleine Frau das Treffen von 30 Oppositionellen aus den 15 Bezirken der DDR vorbereitet, auf dem jetzt die Bürgerbewegung „Neues Forum“ gegründet wird. (Es war übrigens der Grundgedanke, sie jenseits der Kirche und außerhalb der Opposition zu verankern.) –</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Natürlich, ein solcher weltgeschichtlicher Wirbel, wie er sich nun im Herbst 1989 entfaltet, hat 100 Bedingungen und 1000 Randbedingungen – die <i>Form des Handelns</i> aber, in denen die Menschen agieren (werden), die wurde hier gesetzt. <b>Dialog. Generalaussprache aller politischen Strömungen im Lande.</b> <b>Basisdemokratie der eigenen Bewegung. Gewaltlosigkeit von beiden Seiten.</b> Das war der Tanzpunkt der ostdeutschen Demokratie, und das blieb der Grundgestus ihres Handelns bis gegen Ende 1993.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">2.</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Wo genau im Spektrum der politischen Haltungen in der DDR entstand der Durchbruch zur Demokratisierung? – Man kann diese Einstellungen grundsätzlich in vier Viertel teilen, um sie zu verstehen. Jedes Viertel entwickelte zu verschiedenen Zeiten verschiedene Ausstrahlungs-, Abstoßungs- oder Bindekräfte. Von links nach rechts erzählt, ergibt sich: das erste Viertel unterstützte den sozialistischen Versuch aktiv, das zweite Viertel sympathisierte ihm passiv, das dritte lehnte ihn passiv ab, das vierte Viertel lehnte ihn mehr oder weniger aktiv ab.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Fragt man nach der Akzeptanz des sozialistischen Projekts in dieser Einteilung, dann fällt auf, dass es je eine linke und eine konservative Hälfte der Bevölkerung gab.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Die Demokratiebewegung begann im zweiten Viertel des politischen Spektrums; hier war die Opposition der ’80er Jahre zu Hause. Ihr Aufbruch sprang augenblicklich sowohl nach links als auch nach rechts über, also in das erste und zum dritten Viertel, weil auch hier jener Grundgestus den angestauten demokratischen Bedürfnissen entsprach.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western " align="left">3.</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Da war sie plötzlich, die große Zeit, das Wunderjahr. Sofort daran zu erkennen, dass die Menschen den Kopf höher trugen, im Betrieb wie auf der Straße, sie sahen einander ins Gesicht und ließen sich ansprechen. Offenheit begann als eigene Handlung. Was da als Neues Forum gegründet worden war, breitete sich innerhalb von 8 Wochen auf 200.000 Teilnehmer aus und diente im ganzen Land als Anfangsposition der realen politischen Differenzierung. Und das war nur die politische Bewegung. Flächendeckend wie in keinem anderen Land Osteuropas breitete sich Selbständigkeit exponentiell aus, ging in allen Lebensbereichen vor, drang in allen Sozialstrukturen durch. Anfangs waren es die Demonstrationen, bald aber schon die Absetzung von Bürgermeistern, die Neuwahl von Werkleitungen durch Belegschaftsversammlungen, die Bildung spontaner Bürgerkomitees, welche eigenmächtig Tore von Kasernen öffnen ließen, oder eben jene Erfurter Frauen, die am 4. Dezember die erste Bezirksverwaltung des MfS schlossen und versiegelten. Am 7. Dezember begann der Zentrale Runde Tisch in Berlin als oberste Instanz der Übergangszeit, ihm folgten hunderte kommunale und fachspezifische Runde Tische, an denen reale Verwaltungsentscheidungen getroffen wurden, noch bis weit in das Jahr ’90 hinein. Es gab keine Führung, es war Selbstorganisation. Hier handelten Bürger in Selbstbestimmung – landauf und landab!</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">4.</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">„Wo hatten sie das gelernt?“, fragte spitz und treffend der ostdeutsche Soziologe Wolfgang Engler schon vor 20 Jahren. Offensichtlich konnte dies nur in der DDR geschehen sein. Aber wodurch? Durch die Erfahrung sozialer Gleichstellung der überwiegenden Mehrheit der Bürger dort. Das war für westliche Augen wohl weniger offensichtlich.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Seit den 70er Jahren trat ein Umschwung im innergesellschaftlichen Gleichgewicht der DDR ein. Auf die wie in Stein gemeißelten Verstaatlichungen antwortete ein neues Sozialverhalten. Die Gleichstellung der Menschen bei Stillstellung der Eigentumsverhältnisse hatte reale Folgen. In den Betrieben lösten sich mindestens die untersten 3, 4 Stufen der alten Hierarchie auf, Arbeiter und Angestellte waren auf gleich gestellt, noch der Meister war von der ausführenden Brigade abhängig; Ingenieure, Wissenschaftler, Ärzte galten als Teilarbeiter unter anderen Arbeitern. Die Menschen orientierten sich aneinander statt an Hierarchien und Aufstiegschancen.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Es entstand eine soziale Eigendynamik, die zur Umkehr der Hierarchien tendierte und die politisch gesetzten Rahmen arbeitsalltäglich erweiterte, tatsächlich veränderte und für individuelle Lebensräume ausnutzen konnte. Das Gegenteil von westlicher Sozialisation über Marktchancen. Das war die lange Vorgeschichte und Vorbereitung von 1989. Zuletzt hockte nur noch die Regierung in einer „Nische“, keineswegs die Mehrheitsbevölkerung. Und die so oft bemühte „friedliche Revolution“ wurde in Wahrheit die kräftige Erbschaft, welche die DDR ihren Bürgern auf den Weg mitgab.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">5.</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Der Mauerfall änderte allerdings ruckartig die Zusammensetzung und die Perspektiven der Demokratiebewegung. Nun erst trat das vierte, das konservative Viertel des politischen Spektrums aus seinem Wartestand hervor. Mit ihm und seiner Ausstrahlung auf das dritte Viertel (ablehnend, aber passiv hatte ich es charakterisiert) verschob sich das politische Nahziel vom Umbau der DDR zu nationalstaatlicher Wiedervereinigung. Ab Ende Dezember dominierte das Einheitsziel die öffentliche Meinung in Ostdeutschland.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Jetzt aber waren tatsächlich alle vier Viertel unterwegs, sämtliche politischen Einstellungen, sei es, sie hatten die DDR aufgebaut, mitgetragen, ertragen oder erlitten, waren nun in Bewegung geraten und standen einander gegenüber. Die Vollständigkeit dieses Gesamtauftritts der Ostdeutschen kann man noch an der enormen Wahlbeteiligung am 18. März 1990 erkennen; sie betrug 93, 4 Prozent.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">6.</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Von jenen Wahlergebnissen ist meist nur das politische Resultat bekannt: mit 47 Prozent konnte sich die bürgerrechtlich dünn verzierte, von Helmut Kohl aufgepumpte ostdeutsche CDU zum Sieger erklären. Das entschied zugleich den Weg in die schnellstmögliche staatliche Einheit.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Allerdings zeigen die übrigen Wahlergebnisse noch anderes. 16 Prozent für die PDS, 22 für die SPD (Ost), 5 für die beiden Bürgerbewegungslisten. Da sprechen sich die politischen Haltungen aus den ersten drei Vierteln des politischen Spektrums aus. Diese Stimmen zusammen ergeben 43 Prozent. Sogar jetzt, in diesem Moment der tiefsten Erniedrigung der Reformperspektive, sieht man noch immer die zwei Hälften der DDR-Bevölkerung, die linke und die konservative, mit 43 zu 47 Punkten durchscheinen.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Ich füge hinzu: Nach 30 Jahren staatlich organisierter Einheit hat sich in Thüringen gerade wieder der gleiche Block von 44 Prozent Rot-Rot-Grün gezeigt.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">7.</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Inzwischen koppelt sich die Basis immer mehr ab vom Oberbau der Einheit, schlägt sowohl nach links wie auch nach rechts aus. Woher kommt das, warum hat sie das nötig? Es begann nicht von ihrer Seite, es begann mit der Zerstörung der eigenen medialen Öffentlichkeit und wurde zementiert durch die radikale Privatisierungsstrategie der Treuhand.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Kaum zwei Jahre nach 1990 bestand in Ostdeutschland keine einzige TV-Station, keine Rundfunkanstalt, keine größere Zeitung mit gewachsener Leser-Blatt-Bindung mehr, die nicht von einer westdeutschen Chefredaktion geleitet worden wäre. Die Generalaussprache, das politische Bewusstsein, die soziale Erinnerung, alle Selbstverständigung, die sich eine ganze Bevölkerung gerade eben erobert hatte, verwandelte sich in Entmündigung und Belehrung. In den Betrieben gaben nicht mehr die Belegschaften den Ton an, sondern unerreichbare Eigentümer den Takt vor. Und statt uns selber auszusprechen, sollten wir jetzt nur noch zuhören. Das war eine scharfe Kehre, die durchaus verstanden wurde und umgehend als Lähmung wirkte. Die politische Debatte war wieder auf die Ebene des Privatgesprächs heruntergedrückt. Das war gerade der Zustand, aus dem wir gekommen waren.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Nun begannen die Rückfälle in jene Mentalitäten, aus denen man aufgebrochen war. Der Ängstliche wurde wieder ängstlich, der Mutige wieder einsam, der Zweifler wieder schüchtern, der Sozialist wieder steif und stur, der ehemalige Oppositionelle entweder Moralist oder Karrierist, der Spießer wieder spießig etc. etc.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">8.</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Jeder einzelne Rückfall dünnte die ostdeutsche Demokratie aus. Bis 1993, als durch den neunmonatigen grandiosen Arbeitskampf der Kalibergleute von Bischofferode im Harz doch noch eine verzweifelte Hoffnung im Land aufkeimte, hielt die Demokratiebewegung an dem Grundgestus von 89 fest, dann war sie zerstreut und besiegt. Ihre Revolution war beendet.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Wie lässt sich dieser Gang der Ereignisse zusammenfassen? Seit damals quält sich auf unserem Territorium ein Volk, das schon einmal eine Gesellschaft geworden war – das wäre die soziologische Ausdrucksweise für das Phänomen. Man sollte vielleicht zeitgemäßer sagen: Hier quält sich eine Gesellschaft, die 1989/90 schon einmal demokratisch geworden war – das wäre dann eine politologische Beschreibung desselben Sachverhalts.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">9.</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Kein Ostdeutscher verachtete je die Demokratie, weder vor 1989 und erst recht nicht danach – er erkennt sie nur genauer, er nimmt sie persönlicher. Sie bedeutet ihm handhabbare Lebensumstände. Und die wollte er damals um einen vernünftigen politischen Überbau erweitern. Alle Beteiligten mussten dann schwer dazulernen, die einen gern, die anderen weniger gern. Keiner der vier politischen Haltungen blieben dabei spezifische Enttäuschungen erspart. Wenn aber auch in drei Jahrzehnten kein reales Gespräch zwischen West- und Ostdeutschland entsteht, dann liegen strukturelle Gründe vor. Da die institutionellen Voraussetzungen für einen echten Dialog so gut wie sämtlich in altbundesdeutscher Hand sind, muss die Fehlfunktion auf dieser Seite der Republik gesucht werden.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">10.</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Die Schlagwörter kennen wir: totalitär, zweite deutsche Diktatur, Unrechtsstaat, Nischengesellschaft, Mitläufertum, durchherrschte Gesellschaft usw. – Damit standen nun die, die allenfalls Zuschauer vom anderen Ufer aus gewesen waren, mitten in unserem Land und bewerteten Fabriken und Fähigkeiten, Leute und Lebensläufe, die sie nicht kannten und so auch nie kennenlernen konnten.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Nehmen wir nur das eine Beispiel, den inflationären Gebrauch von „totalitär“ zur Charakterisierung der Natur der DDR-Gesellschaft.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Dagegen steht das Ereignis selbst: Der Herbst 1989 in Ostdeutschland weist in dem größtmöglichen Maßstab eines erfolgreichen politischen Experiments aus, dass die soziale Logik der vormaligen Produktionsverhältnisse eben nicht totalitär gewesen sein kann. Und zwar gilt das für das Verhalten beider beteiligter Seiten. Der Auftritt – das Hervortreten – der ostdeutschen Demokratie und ebenso der Verlauf der Auseinandersetzung mit dem Machtapparat zeigen das an.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Unter solchen begrifflichen Masken ist die hier entstandene Gesellschaft nicht zu erkennen, sondern nur die Mutmaßungen, die vor ’89 und von außen her über uns entstanden, klappern hier weiter. Doch die alten Begriffe begreifen nicht mehr. (Für dieses Niveau der Auseinandersetzung hätte es eigentlich kein ’89 gebraucht.) Deshalb nenne ich es das „Selbstgespräch“ des Westens über den Osten.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Ein zweites Beispiel. Zusammen mit der institutionellen Zerstörung der ostdeutschen Öffentlichkeit bildet wohl das Stasi-Thema den inhaltlichen Eckstein, der ein reales Gespräch verhindert. Es ist der Schlagschatten, mit dem eine westdeutsche Vorstellungswelt die konkrete Erinnerung der Ostdeutschen bedrängt, verdrängt und verdunkelt. Man könnte auch von Missbrauch des Themas sprechen.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Woher kommt das? Aus der Prägung der westdeutschen Intelligenz durch die Auseinandersetzung mit dem Faschismus. Und wodurch entsteht das faktische Übergewicht der falschen Vergleiche? Es entsteht durch die vollständige Abwicklung der akademischen und medialen Intelligenz, die in der DDR entstanden war. Die scheinheilige (und unsaubere) Redeweise von den „zwei deutschen Diktaturen“ zeigt es an.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Argumentativ ist es bloß ein Selbstbezug, politisch aber wirkt es als Kolonialisierung.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">11.</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Das sind nur zwei der Schläge auf die Köpfe der ostdeutschen Demokratie, also auf mindestens die Hälfte der Ostdeutschen. Wir denken noch darüber nach. –</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Welche Schläge es für die zwei anderen Viertel, also für die konservative Hälfte waren, das verstehen wir nicht so genau. –</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Die AfD ist aber kein ostdeutsches Produkt, sondern eine ganz und gar westdeutsche Konsequenz. Sie verkörpert die Trennung des kleinen vom großen Bürgertum. Diese Spaltung wird daher im politischen System auch bestehen bleiben, sie kann nicht durch argumentative oder kulturelle Überlegenheit zum Verschwinden gebracht werden. Dieser Bruch bedeutet viel für die Bundesrepublik, er reicht tief und verändert sie zur Kenntlichkeit. Ihr Boden wird weiter nachgeben.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Ostdeutschland hat solches Bürgertum nicht. Hier fließen die Wahlerfolge der AfD aus anderen Quellen. Es sind vielleicht 5 Prozent ihrer hiesigen Wählerschaft, die wirklich die Überzeugungen der Parteiführung teilen. Aber die Wunde der öffentlichen Sprachlosigkeit schwärt schon lang, das mag 15 Prozent ergeben. Die aktuellen 25 Prozent sind dagegen ein echtes Lernergebnis der Ostdeutschen aus den schlechten Umgangsformen der Denkzettel-Demokratie.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">12.</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Diese neue Art Widerstand von rechts hat jedenfalls zwei verschiedene soziale Herkünfte. Die beiden deutschen Gesellschaften, wie sie aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen sind, bestehen fort. Die staatliche Vereinheitlichung hat deren Gegensätzlichkeit bislang weder deutlich erkennen noch konstruktiv auflösen können. Es ist keineswegs ausgemacht, von wo die nächsten Schritte der Demokratie ausgehen werden.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">13.</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Fragen wir abschließend. Wenn die demokratische Kompetenz von 1989 <b>heute</b> eine eigene Stimme, Öffentlichkeit und Handlungsfähigkeit hätte, was würde sie dann, an ihrem 30. Geburtstag in dem neuen Leben, sagen und tun?</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Sie würde zunächst stutzig werden über das auffällige und einfältige Gerede von der „friedlichen Revolution“. Sie würde sich dann erinnern, dass es nicht „friedlich“ war, sondern Monate unbeschreiblicher Angespanntheit waren. Sie würde erkennen, dass zu der Gewaltlosigkeit, die es ja nur war, zwei Seiten gehören.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Sie würde schließlich zu der anderen Seite sagen: Gut, wir sind noch immer anderer Meinung als Ihr – und Ihr seid es umgekehrt wahrscheinlich auch. Aber Ihr habt damals nicht geschossen, habt uns unseren Weg gehen lassen; habt Euch einer unbekannten Zukunft gebeugt. Deshalb soll von jetzt an jede verordnete Ausgrenzung enden. Also: Generalamnestie, Ende der Regelanfrage u. ä. –</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Das würde sie, denke ich, eine Generation später sagen. Und das geschähe keineswegs aus irgendwelcher „Versöhnung“, sondern einzig und allein aus Selbstachtung – aus Selbstachtung der ostdeutschen Demokratie.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="v-autoreninfo-western"><em><strong class="western">Klaus Wolfram</strong> arbeitete im Verfassungsausschuss des Zentralen Runden Tisches mit, in dem ein Verfassungsentwurf für die DDR erarbeitet wurde. Er war Koordinator der Programmkommission des Neuen Forum und Mitglied im Landessprecherrat des Neuen Forums. Wolfram ist seit 1994 als Lektor für den BasisDruck Verlag, den er mitgegründet hat. Wolfram ist außerdem Mitbegründer der Stiftung Haus der Demokratie Berlin.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-250/publikation/was-war-und-zu-welchem-ende-kam-die-politische-energie-der-ostdeutschen-rede-vor-der-akademie-der-kuenste-vom-8-11-2019/">Was war und zu welchem Ende kam die politische Energie der Ostdeutschen? Rede vor der Akademie der Künste vom 8.11.2019</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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		<title>Deutsch-deutsche Blicke auf den Faschismus zwischen Erkenntnis und abwehrender Geschichtspolitik</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-250/publikation/deutsch-deutsche-blicke-auf-den-faschismus-zwischen-erkenntnis-und-abwehrender-geschichtspolitik/</link>
		
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		<pubDate>Wed, 17 Sep 2025 10:26:40 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>2025 begingen die Deutschen den Jahrestag der Befreiung vom Faschismus zum 34. Mal gemeinsam. Der Rückblick auf die gemeinsame deutsche Geschichte jedoch erfolgte geteilt. In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und in der jungen DDR galt der 8. Mai von Anbeginn als Tag der Befreiung. Er wurde als Feiertag begangen. (Hurrelbrink 2006; Rahr/Sergijenko 2020) Die westdeutsche [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-250/publikation/deutsch-deutsche-blicke-auf-den-faschismus-zwischen-erkenntnis-und-abwehrender-geschichtspolitik/">Deutsch-deutsche Blicke auf den Faschismus zwischen Erkenntnis und abwehrender Geschichtspolitik</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="v-absatz-ohne-western">2025 begingen die Deutschen den Jahrestag der Befreiung vom Faschismus zum 34. Mal gemeinsam. Der Rückblick auf die gemeinsame deutsche Geschichte jedoch erfolgte geteilt. In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und in der jungen DDR galt der 8. Mai von Anbeginn als Tag der Befreiung. Er wurde als Feiertag begangen. (Hurrelbrink 2006; Rahr/Sergijenko 2020) Die westdeutsche Republik benötigte 40 Jahre, bis sie nicht umhinkam, diesen Tag ebenfalls als Tag der Befreiung zu deklarieren. Als Katalysator wirkte die Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Bundestag. Drei Jahrzehnte nach Weizsäckers Rede jedoch bezeichnet ein Spitzenfunktionär einer im Bundestag vertretenen rechtsextremen Partei den Hitlerfaschismus als „Vogelschiss der Geschichte“ und schwadroniert vom Stolz auf die Soldaten der Wehrmacht. Der Führer des völkischen Flügels seiner Partei tut es ihm vielfach nach, und die Vorsitzende dieser Partei erklärt Hitler zum Kommunisten. (Ratzsch et al. 2025).</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Konti&shy;nu&shy;i&shy;t&auml;ten und Diskon&shy;ti&shy;nu&shy;i&shy;t&auml;ten</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Als Repräsentanten Westdeutschlands seien die Sozialdemokraten Willy Brandt und Herbert Wehner genannt – der eine Heimkehrer aus dem schwedischen, der andere aus dem sowjetischen Exil. Es waren aber auch Heinrich Lübke und Hans Filbinger. Der eine forderte KZ-Häftlinge als Arbeitssklaven an, (Wagner 2001) der andere sprach als „furchtbarer Jurist“ noch 1945 Urteile als Marinerichter im Sinne des Nazi-Staates. (Haase 1996)</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Repräsentanten der DDR waren unter anderem Horst Sindermann, der die Konzentrationslager Mauthausen und Sachsenhausen überlebte (Pätzold et al. 2000) und dem die Wortkreation des „antifaschistischen Schutzwalls“ nachgesagt wird, sowie Klaus Gysi, der nach der Internierung in Frankreich untertauchen konnte, um während des Zweiten Weltkrieges für die KPD in den antifaschistischen Widerstand nach Deutschland zu gehen – und sich angesichts seiner jüdischen Biographie dabei besonderer Gefahren aussetzte. (König 2005) Diese exemplarisch genannten Biografien sprechen für eine Besonderheit der östlichen Republik: Sie repräsentierte trotz politischer Widersprüche das „andere Deutschland“. Und damit wirkte sie als Magnet für viele Menschen aus dem Exil: Stefan Heym, Ernst Bloch, Bertolt Brecht, aber auch Fred und Maxie Wander, die beide das ideologische Syndrom, das tief verwurzelte faschistische Denken in Österreich, nicht ertrugen. (Wander 2009)</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Es schien, als würde der Osten Deutschlands nach der Befreiung zum Sammelbecken für die Menschen aus Exil und Widerstand, der Westen hingegen zum Schonraum für ehemalige Nazis und Kriegsverbrecher. Tatsächlich aber standen hüben wie drüben jene, die das Neue zu gestalten trachteten, vor einer Bevölkerung, die nicht nur tief verstrickt war in den NS-Staat, sondern zugleich von dessen Rassismus, Antisemitismus und menschenverachtendem Weltbild geprägt war. Mit dieser Bevölkerung war kein Staat zu machen, kein bürgerlich-demokratischer und allemal kein sozialistischer. Gleichwohl war ohne sie auch kein Staat zu machen!</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Erhebliche Bedeutung kam deshalb den Funktions- und Machteliten zu, die zentrale gesellschaftliche Bereiche in den beiden neuen deutschen Staaten bestimmten und damit auch, auf welchen Traditionen das Neue aufgebaut wurde.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Auf dem Gebiet der späteren DDR dominierten die politischen Kräfte, die aus Widerstand und Exil zielgerichtet in den Osten Deutschlands gingen, wie Heym (1990) das in seiner Autobiographie mit den daran gekoppelten Widersprüchen differenziert darlegt. In der britischen Zone wurde versucht, auf sozialdemokratische Kräfte zurückzugreifen. In der US-amerikanischen Zone kooperierte man mit den beiden großen Kirchen. Das spülte auch besonders politisch Belastete wieder in hohe und höchste Positionen. (Billstein 1984; Giefer/Giefer 1991: 92ff.)</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Der Antifa&shy;schismus war vielf&auml;ltig und doch konsensual</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Die antifaschistischen Kräfte rekurrierten in ihrem Geschichtsbild auf Positionen, wie sie in Widerstand und Exil entwickelt wurden. Diese allerdings waren – wie der Widerstand gegen den Hitlerfaschismus – heterogen. Politische Gruppierungen, die sich vor der Machtübergabe an die NSDAP noch bekämpften, waren ab Januar 1933 zur Kooperation genötigt und kultivierten ihre Solidarität spätestens in den illegalen Lagerkomitees in den Konzentrationslagern (Adler 1960). Hier, wie auch im Exil und in der antifaschistischen Kulturszene, artikulierte sich indes eine spezifische Sicht auf den deutschen Faschismus und seine Ursachen, die Heinrich Mann ([1944-1946] 1975: 8) wie folgt zum Ausdruck brachte:</p>
<blockquote class="western">
<p>„Im Felde besiegt. [&#8230;] Das nächste Mal werden wir besser rüsten, sprechen einige der neuesten deutschen Gefangenen. So aber Gott will, werden sie nichts zu rüsten haben. Keine Rüstungsfabrikanten mehr, besonders nie nie wieder die Herrschaften, die sich die Industrie nannten. Hiermit beginnt die deutsche Erziehung, wenn nach Erziehung gefragt wird.“</p>
</blockquote>
<p class="v-absatz-einzug-western">Eine solche Sichtweise, das Interesse des Kapitals als ursächlich für Krieg und faschistische Herrschaft zu begreifen, durchzog den christlichen und den sozialdemokratischen Widerstand (SPD 1989), das westeuropäische Exil (Oppenheimer 1984), den kommunistischen Widerstand (Dimitroff 1935), aber desgleichen den jüdischen Widerstand gegen die Naziherrschaft (Schoeps 1997).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Diesen Konsens der antifaschistischen Kräfte artikulierte Max Horkheimer ([1939] 1988: 308f.) mit den Worten: „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.“ Hinter diese Position zurückzufallen benötigte nach dem 8. Mai 1945 und dem bald einsetzenden Kalten Krieg Zeit und eine rechte Geschichtspolitik (Steinbach 2012). Noch 1947 war angesichts dieses breiten Konsenses die CDU genötigt, ihrem Wirtschaftsprogramm eine explizit antikapitalistische Diktion zu geben: „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden.“ (Zonenausschuss der CDU für die britische Zone 1947: 3)</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western " align="left">Der Konsens des Wider&shy;standes</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Mann und Horkheimer haben den Minimalkonsens zur Erklärung der Ursachen des deutschen Faschismus durch das andere Deutschland benannt. Demzufolge handelt es sich beim System des deutschen Faschismus um ein Bündnis und vielfach einen Kompromiss zwischen der NSDAP und den Führungsschichten der deutschen Industrie, den Banken und den gesellschaftlichen Funktionseliten. Man stimmte überein bei der Zerschlagung der Arbeiterbewegung und ihrer Organisationen, zur Einführung eines Systems der Reglementierung der Belegschaften in den Betrieben, kurz, einer Eliminierung der gesellschaftlichen Organisationen der arbeitenden Menschen. Das lag im vitalen Interesse der Kapitalseite.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Die hierin erkennbare politische und wissenschaftliche Position fand sich bereits bei August Thalheimer ([1930] 1979) und Otto Bauer ([1936] 1979). Elemente dieses Denkens sind mit der von Georgi Dimitroff auf dem siebten Weltkongress der Kommunistischen Internationale 1935 vertretenen Analyse an mehreren Stellen kompatibel. Letztere sollte in der späteren DDR bestimmend werden für die Interpretation der Ursachen der faschistischen Herrschaft.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Dimitroffs Rede wird zumeist als frühes Definitionsmerkmal des Faschismus im offiziellen Geschichtsbild der DDR betrachtet. Dabei wird seine Position aber auf die Aussage reduziert, der Faschismus an der Macht sei die „die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“ (Dimitroff 1935: 6f.). Jedoch warnt er auch eindringlich, man dürfe sich „den Machtantritt des Faschismus nicht so simpel [&#8230;] vorstellen, als ob irgendein Komitee des Finanzkapitals den Beschluss faßt, an diesem und diesem Tage die faschistische Diktatur aufzurichten“ (Dimitroff 1935: 9). Wie Thalheimer hebt er die Notwendigkeit einer faschistischen Massenbasis hervor, die erst die konkrete Umsetzung des Interesses der Kapitalseite möglich mache. Allerdings bewertete Dimitroff die faschistische Massenbasis als weniger bedeutungsvoll und betonte primär das Kapitalinteresse an einer faschistischen Herrschaft. Den Gedanken der Bedeutung der Massenbasis verfolgt mit einer anders gelagerten Diktion auch Theodor W. Adorno, wenn er in seinen Studien zum autoritären Charakter von einer „Untersuchung zum potentiell faschistischen Individuum“ spricht (Adorno [1950] 1976: 1). Die darin enthaltene Erkenntnis war auch Dimitroff (1935) nicht fern, wenn er erkennt, dass die Naziideologie offenbar hegemonial geworden ist. Gleichwohl verkennt er auf fatale Weise die Bedeutung der faschistischen Massenbewegung und weicht hier von den Analysen der zeitgenössischen Autor*innen ab. Clara Zetkin ([1923] 2023: 4f.) betrachtet dies in ihrer Analyse des italienischen Faschismus wesentlich differenzierter, wenn sie die soziale Struktur der faschistischen Massenbasis hervorhebt, die proletarisch und kleinbürgerlich beeinflusst sei (Schütrumpf 2023). Dadurch exkulpierte Zetkin keinen der Beteiligten.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Alle zeitgenössischen Versuche, die Ursachen des deutschen Faschismus auszumachen, auch die psychoanalytisch konnotierten (Reich [1933] 2020), waren Analysen der historischen Prozesse, die mit ziselierten Differenzierungen den Faschismus in einer bestimmten Periode in fast allen kapitalistischen Staaten ausmachten. Mit ihm verbunden waren – so die übereinstimmenden Positionen – soziale Bewegungen, die gemeinsame Merkmale aufwiesen: Ihrer sozialen Herkunft nach rekrutieren sie sich zumeist aus den bürgerlichen Mittelschichten, die von Krise und sozialem Abstieg bedroht waren. Ideologisch waren sie durch extremen Nationalismus, Antimarxismus, Autoritarismus und Militarismus gekennzeichnet. Rassismus und Antisemitismus waren kennzeichnend und ein scheinbar antikapitalistisches und pseudosozialistisches Auftreten. Die Organisationsstruktur faschistischer Bewegungen wurde als militaristisch und vom Führerprinzip durchdrungen beschrieben. Die politische Stoßrichtung richtete sich primär gegen die Arbeiterbewegung, mit dem Ziel ihrer terroristischen Zerschlagung. Der soziale Kern des Inhalts des Herrschaftssystems des Faschismus war die vollständige Unterwerfung der abhängig Beschäftigten unter das Kommando der Besitzer der Produktionsmittel. Tendenziell erfolgte – so die Beschreibung – die Verschmelzung der Führungsgruppen von Industrie, Finanzkapital, Militär und hoher Beamtenschaft mit den Führungsgruppen der faschistischen Partei zu einer neuen oligarchischen Führungsschicht (Kühnl 2014: 97).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Mit dem Einsetzen des Kalten Krieges schwand die Analyse des deutschen Faschismus und damit der Diskurs um seine Ursachen zugunsten einer interessengeleiteten Geschichtspolitik (Frei 1997). Zuvor, in den ersten zwei Jahren nach der Befreiung vom Faschismus, schien das politische Klima in Westdeutschland so desolat, wie zu vielen Hoffnungen berechtigt. Die Erfahrungen der Menschen mit dem Faschismus hatten zwischen den verschiedensten politischen und weltanschaulichen Positionen Brücken gebaut, die zu dem gemeinsamen Ziel hätten führen können, eine faschistische Entwicklung künftig unmöglich zu machen.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Personelle Konti&shy;nu&shy;i&shy;t&auml;ten und Diskon&shy;ti&shy;nu&shy;i&shy;t&auml;ten</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Erste Brüche eines so erkennbaren Konsenses waren in den Westzonen bereits mit dem Beginn des Jahres 1946 beobachtbar (Badstübner/Thomas 1979). Die erfolgten Massenentlassungen von politisch Belasteten blieben nun aus, die politische Katharsis endete, als die Entnazifizierung den deutschen Ausschüssen übergeben wurde und im Mai 1948 die britische Besatzungsbehörde die Entlassung auch belasteter Personen verbot (Bauer 1947; Raiser 1947). Im Ergebnis darf für Westdeutschland von einer Renazifizierung gesprochen werden (Friedländer 1947). Hinzu kam, dass durch die Aufnahme des Art. 131 ins Grundgesetz und die dazu erlassenen Ausführungsbestimmungen Bund, Länder und Kommunen verpflichtet wurden, 20 Prozent ihrer Personalmittel für den Personenkreis aufzuwenden, der gerade wegen seiner fatalen politischen Vergangenheit aus dem Dienst entlassen worden war. Durch den Zustrom von in der DDR Entlassenen oder nach Westdeutschland geflohenen Beamten waren nun in der jungen BRD mehr ehemalige NSDAP-Mitglieder im öffentlichen Dienst beschäftigt als vor dem 8. Mai 1945. (Krüger 1982) Diese Rehabilitation der Täter, gepaart mit den umfangreichen temporären Entlassungsmaßnahmen unmittelbar nach dem Mai 1945 hinterließen nicht nur bei den Betroffenen die Überzeugung von der moralischen Richtigkeit ihres Tuns vor dem 8. Mai. Dieser Konnex blieb für viele Jahre bestimmend für die Haltung breiter Kreise der westdeutschen Bevölkerung gegenüber der jüngsten deutschen Geschichte.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Zwar hatten sich die alliierten Besatzungsmächte auf einen gemeinsamen Modus der Entnazifizierung geeinigt, die politische Realität in den Besatzungszonen unterschied sich jedoch. Auch innerhalb der SBZ erfolgten keine einheitlichen Vorgehensweisen. Da die sowjetischen Stellen die Ausführung in die Hände der Antifaschistischen Ausschüsse legten, entstanden die ersten Ausführungsbestimmungen zur Entnazifizierung in der SBZ im Sommer 1945 auf der Ebene der Bezirke, in denen nach unterschiedlichen Kriterien entlassen wurde, zumeist aber nach präzisen, in den Bezirken entstandenen Listen mit Funktionen im NS-Statt und in der NSDAP und ihren Gliederungen. Gleichwohl blieb die Vorgehensweise uneinheitlich. (Sareik 1964)</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">In offiziellen Verlautbarungen wurde in der DDR von einer vollständigen Säuberung des öffentlichen Lebens von ehemaligen Nazis gesprochen. Gleichwohl konnte davon angesichts der Verflechtung größter Teile der deutschen Bevölkerung in die nazistische Ideologie keine Rede sein. Dem entsprach der Befehl Nummer 201 vom 16. August 1947 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD): Er traf die Unterscheidung zwischen Kriegsverbrechern und nominellen ehemaligen Mitgliedern der NSDAP. Der letztgenannten Gruppe wurde das aktive und passive Wahlrecht zuerkannt. Eine noch weitergehende Maßnahme war der Befehl Nummer 35 der SMAD vom April 1948, als die Entnazifizierungen in der SBZ zum Abschluss gebracht werden sollten. Dies galt allerdings nur für den Kreis der vorher als nominelle ehemalige NSDAP-Mitglieder eingestuften Personen, nicht für jene, die der aktiven Teilnahme an der faschistischen Politik, an Kriegsverbrechen und an Verbrechen gegen die Menschlichkeit für schuldig befunden worden waren. (Mattedi 1966)</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Im Ergebnis gab es weder drüben noch hüben eine personelle Erneuerung des öffentlichen Lebens, was angesichts der Verstrickung der Deutschen in ihre eigene Geschichte auch unmöglich war. Im Westen jedoch war es zu umfangreichen Rehabilitationen auch extrem Belasteter gekommen und einer personellen Re-Nazifizierung der Funktions- und Machteliten. Von ihnen war die junge DDR befreit worden. Das Bildungswesen als bedeutsamer Bereich der Vermittlung eines Bildes – auch über die jüngste deutsche Geschichte – war zwar nicht, wie behauptet, im Osten vollständig erneuert worden, wohl aber durch die „Neulehrerausbildung“ um mehr als 60 Prozent „verjüngt“ worden (Sareik 1964). Trotzdem erfolgten kritische Diskussionen angesichts der politischen Haltung auch und sogar dieses Teiles der Lehrenden zur Geschichte des deutschen Faschismus. (Syniawa 1961)</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Dieser Erneuerungsprozess blieb im Westen nahezu vollständig aus und wurde dort, wo Ansätze dafür existierten, bald eingeebnet (Wulff 1964). In der Folge der widersprüchlichen Prozesse der Entnazifizierung in Westdeutschland darf von einer anfänglich flächendeckenden Bestrafung gesprochen werden. Besonders in der US-Zone wurde von „The German Mind“ ausgegangen, der Kollektivschuld aller (sic!) Deutschen, die in einem unmenschlichen Autoritarismus verhaftet seien. Der Bestrafung durch Entlassung folgte die Wiedereinstellung auch hoch belasteter Nazis zuungunsten derer, die nach der Befreiung als Unbelastete provisorisch eingestellt worden waren. Das entlastete jene moralisch, die Schuld auf sich geladen hatten. Hier ist eine Ursache für das Diktum der Mitscherlichs für die „Unfähigkeit zu trauern“ zu suchen (Mitscherlich/Mitscherlich 1968). In der Folge waren die Nachkriegszeit und die 1950er Jahre durch das Beschweigen gekennzeichnet. An die Stelle der Trauer traten Überlegungen der Revanche. So wurde 1951 auf Geheiß Konrad Adenauers eine Historikerkommission einberufen, die sich mit der Vertreibung aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten mit dem Ziel befasste, den Alliierten eine Denkschrift vorzulegen, die das erlittene Leid der Deutschen dokumentieren sollte. (Siebeck 2013)</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Zwischen Erkenntnis und abwehrender Geschichts&shy;po&shy;litik</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Es folgte eine Phase der Befassung, auch ausgelöst durch den ersten Frankfurter Auschwitzprozess (1963-1965). Sie findet bis in die 1980er Jahre statt. Ihr folgte die dritte Phase des vermehrten Gedenkens der Opfer des faschistischen Terrors (Rhein 2024). Jetzt sind auch explizit marxistische Reflexionen der Geschichte des deutschen Faschismus in Westdeutschland möglich (Abendroth/Griepenburg 1979; Opitz 1984; Kühnl 1985). Zeitgleich erfolgte eine Gegenbewegung, als Ernst Nolte mit seiner These vom kausalen Nexus zwischen den Verbrechen Stalins in der Sowjetunion und dem Holocaust den Historikerstreit auslöste. Am 24. Juli 1980 schrieb Nolte in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die Gulags in der Sowjetunion seien das faktische Prius vor Auschwitz gewesen (Nolte 1986). Der „Rassenmord“ der Faschisten sei aus Furcht vor dem älteren „Klassenmord“ durch die Bolschewiki entstanden. Nolte ([1987] 1989) vertiefte dies in seinem Buch <i>Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945</i>.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Diesem Werk Noltes ging am 5. Mai 1985 die Kranzniederlegung von US-Präsident Ronald Reagan und Bundeskanzler Helmut Kohl auf der Kriegsgräberstätte Bitburg voraus. Dieser symbolische Akt der Verbundenheit der USA mit der Bundesrepublik fand vermutlich zielgerichtet an diesem Ort statt, wo keine US-Soldaten begraben liegen, sich aber viele Gräber von SS-Soldaten befinden. Elie Wiesel bat die Bundesregierung inständig um die Wahl eines anderen Ortes. „Dieser Platz ist nicht Ihr Platz, Ihr Platz ist bei den Opfern der SS“ (zit. nach Habermas 1985). Die Kranzniederlegung in Bitburg galt als Beleg für eine Geschichtspolitik, die den Versuch unternahm, einen Schlussstrich unter die deutsche Geschichte zu ziehen, um zu einer Normalität zu gelangen, die Reagan in seiner Rede auch ökonomisch begründete, als er von einem Neuerwachen der Freiheit sprach, das er auf die Bundesrepublik bezog und in gleicher Weise auf „die neuen Demokratien Südamerikas&#8220;, mit ihren „wieder erworbenen wirtschaftlichen Freiheiten“. Der faschistische Putsch im Chile Pinochets lag erst wenige Jahre zurück. (Schimmeck 2025: 09.05 Uhr)</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Dieser Versuch der Normalisierung der Jahre des Naziterrors fiel auf fruchtbaren Boden in erheblichen Teilen der westdeutschen Bevölkerung. Die Presseberichterstattung bezüglich Bitburgs und besonders die darauf reagierenden Leser*innen ist erhellend. Durchgehend ist massive Abwehr erkennbar:</p>
<blockquote class="western">
<p>„Als ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS [gezogen], wehre ich mich dagegen, von den heutigen Meinungsmachern und Umerziehern als Verbrecher mit der politischen SS in einen Topf geworfen zu werden. Wir haben genau so wie die Wehrmacht getreu unserem Eid für Volk und Vaterland gekämpft. Will man nach 40 Jahren noch die Toten entnazifizieren?“ (Hübsch-Faust 1988: 1335)</p>
</blockquote>
<p class="v-absatz-einzug-western">Die Abwehrreaktion, keinerlei Schuld anzuerkennen, entsprach der Exkulpation der Westdeutschen, die sich auf der Grundlage der hegemonialen Totalitarismusdoktrin als Opfer eines totalitären Systems inszenieren konnten, in dessen Herrschaftsgefüge die Anpassung und das Mit-Tun der Deutschen durch Terror und Gewalt erzwungen wurde. So konnten sich die Täter*innen als Opfer stilisieren. Zugleich diente die Gleichsetzung von Faschismus und Sozialismus dazu, Denkmuster, wie den vor 1945 erworbenen Antikommunismus beizubehalten, was der psychischen und gesellschaftlichen Stabilität diente, konnte er doch im Kalten Krieg in Stellung gegen die Gesellschaften des Staatssozialismus gebracht werden.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Anders als in der wissenschaftlichen Diskussion blieben die Schulen neben differenzierten Beispielen (Mickel et al. 1993: 288ff.) in einigen Bundesländern bis zum heutigen Zeitpunkt der Totalitarismusdoktrin verpflichtet (Kühnl/Assling 1973: 204; Rhein 2019: 86ff.). Das gilt ebenso für den öffentlichen Diskurs (Arbeitsgruppe Menschenrechte und humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion 2020). An keiner Stelle wurden differenzierte Einlassungen zum komplex diskutierten Totalitarismusbegriff (vgl. Arendt [1955] 2001; Popper [1945] 2003) ins Feld geführt. Er wurde nurmehr in vulgärer Vereinfachung instrumentalisiert.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">In der DDR bestand eine weitgehende Kontinuität der Thesen Dimitroffs. Das galt besonders für die Bearbeitung des Themas in den Schulen (Nimtz 1976: 145ff.). Gleichwohl galt die Haltung von Wilhelm Pieck fort, die er am 19. Juli 1945 auf einer Kundgebung der KPD zum gesellschaftlichen Neubeginn formulierte: „Ohne diese Erkenntnis über seine Mitschuld und Mitverantwortung wird unser Volk nicht die ernsten Lehren aus dieser Katastrophe ziehen […] und sich nicht den Platz in der Gemeinschaft der anderen Völker erobern.“ (Zur Geschichte der marxistisch-leninistischen Philosophie in der DDR 1979: 117) Anders hingegen argumentierten Georg Klaus und Manfred Buhr (1972: 364): Die „[…] Niederlage des Faschismus war nicht eine Niederlage des vom Faschismus unterjochten deutschen Volkes, sondern […] ein Sieg für die deutsche Arbeiterklasse, die zu keiner Zeit eine Stütze des deutschen Faschismus gewesen ist.“ In der populären vielbändigen Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung aber wird die faschistische Massenbasis und damit die Schuld der deutschen Bevölkerung deutlich formuliert, wenn der eklektizistischen Ideologie der Nazis breiter Raum eingeräumt und betont wird, wie dies der erfolgreichen „Irreführung der Volksmassen“ gedient habe (Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED 1968: 27). Noch deutlicher wurde dieser Gedanke vom Historiker Wolfgang Ruge formuliert, der in erkennbarer Nähe zu Thalheimer den Bündnischarakter zwischen faschistischer Partei und Finanzkapital anspricht und die Notwendigkeit einer Massenbasis für die erfolgreiche Machtübergabe an die NSDAP betont (Ruge 1978: 348-351). Die faschistische Massenbasis wurde von namhaften Historikern der DDR vielfach herausgearbeitet. (Pätzold/Weißbecker 1981: 108ff.)</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Dieser Betrachtung entspricht neben vielen anderen Beispielen der Film von Konrad Wolf <i>Ich war 19</i>. Mitnichten werden die Deutschen des Jahres 1945 als resistent gegenüber der Naziideologie beschrieben, sondern erfahren jeweils starke Differenzierungen in ihren Biographien und Haltungen. Durch die episodische Struktur des Films werden tiefe Einblicke bei anhaltender Perspektive eines Ich-Erzählers möglich. Zudem deutet der Film historische Sachverhalte an, wie Übergriffe von Sowjetsoldaten gegenüber der deutschen Zivilbevölkerung, die in der Geschichtsschreibung der DDR tabuisiert waren. Was Film und Geschichtsschreibung der DDR jedoch herausarbeiteten, war das fatale Mitläufertum großer Teile der deutschen Bevölkerung, die damit erkennbare Schuld der Deutschen und die Existenz einer faschistischen Massenbasis als Voraussetzung für den Machtgewinn und -erhalt des Faschismus.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Deutlich wird, wie in der DDR an ein Bild über den Faschismus angeknüpft wird, das auf antifaschistische Traditionen verweist. Dabei war gleichwohl eine Tendenz zu Vereinfachungen erkennbar, indem die Position von Dimitroff perpetuiert wurde. Dies gilt jedoch <i>nicht</i> für den wissenschaftlichen Diskurs.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Ein solches Anknüpfen an Traditionen des Antifaschismus, des Widerstandes und des Exils war in Westdeutschland nur unmittelbar nach der Befreiung erkennbar. In dem von der Social-Media-Plattform X übertragenen Gespräch zwischen Elon Musk und der AfD-Vorsitzenden, in dem letztere Hitler als Kommunisten bezeichnet, wird mittels dieser abstrus anmutenden Position zugleich eine Kontinuität in der bundesdeutschen Geschichtsbetrachtung deutlich. Die im Folgenden gewählten Zitate zu einer unterstellten Äquivalenz von KPD und NSDAP aus Materialien für die Schulen möge dies verdeutlichen: „In einem für frühere und heutige Zeiten unvorstellbaren Maße wurden die politischen Kämpfe auf der Straße ausgetragen. [&#8230;] Am radikalsten waren die Nationalsozialisten und die Kommunisten. Sie hatten auch die größten Verluste. Beiden Parteien ging es vor allem um die Zerstörung der bestehenden Ordnung.“ (Tenbrock 1966: 108) KPD und NSDAP, als ungleiche Brüder ins Feld geführt, waren getragen vom „Vernichtungswillen. […] In den Parlamenten arbeiteten die beiden Parteien […] eng zusammen, um durch die Addition ihrer Stimmen, durch Obstruktion oder einfach durch Entfachung von Tumulten jede konstruktive Arbeit zu verhindern“ (Nationalsozialismus 1978: 13).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Eingedenk dieser an westdeutschen Schulen vertretenen Positionen nimmt es nicht Wunder, wenn die Glaubenssätze einer Alice Weidel auf fruchtbaren Boden fallen. Eine Kontinuitätslinie ist nicht zu leugnen. Wer von dieser Diffusion offiziöser Geschichtsbetrachtung weiß und die an Dimitrioff orientierte Faschismusbetrachtung in der DDR verunglimpft, dem darf mit Fug und Recht der Versuch unterstellt werden, laut nach dem Dieb zu rufen, auch wenn es in der Tat komplexere und differenziertere Interpretationen des deutschen Faschismus seitens antifaschistischer Traditionslinien gibt.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Angesichts der Themenstellung wurde im vorliegenden Aufsatz die Reflexion der Geschichte des deutschen Faschismus in den Blick genommen, nicht die Auswirkungen dieser Reflexion auf aktuelles gesellschaftliches Geschehen. Sind Erklärungsansätze für Ethnozentrismus, rechte Gewalt und eine Tendenz vieler Deutscher, eine rechtsextreme Partei zu wählen, auch in der Diffusion dominierender Geschichtsbilder zu suchen? Antworten bietet hier ein Aufsatz von Jörg Arnold (2020). Zumindest ermöglichen Geschichtsbilder, die systemische Ursachen zum Beispiel von rechter Gewalt ausklammern, einen Umgang mit rechter Gewalt, der sie zu unpolitischer Gewalt erklärt und eine unübersehbare Fülle immer gleicher rassistischer Vorfälle zu Einzelfällen herabwürdigt, denen keine ernste gesellschaftliche Gefahr zugrunde liege.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Geschichtsbilder aus Ost wie aus West tendierten zu fatalen Vereinfachungen. Die intensivere Zur-Kenntnisnahme der klugen Einlassungen einer Zetkin hätte in der DDR geholfen. Die Bezugnahme auf eine auf dümmliche Weise vereinfachte Totalitarismusdoktrin im Westen war der durchschaubare Versuch des Kaschierens der ökonomischen Strukturen, die eine faschistische Herrschaft begünstigen. Die aktuelle historische Entwicklung macht diese Gefahr virulent.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="v-autoreninfo-western"><em><strong class="western">Dr. </strong><strong class="western">Wolfram Grams</strong> ist Oberstudiendirektor a. D. Er hat Sozialpädagogik, Politik und Philosophie in Hildesheim, Hannover und Marburg studiert und bei Reinhard Kühnl mit einer Arbeit zur Kontinuität nazistischer Eliten im Bildungswesen von BRD und DDR promoviert. Er war langjährig als Lehrbeauftragter an Hochschulen, in der öffentlichen Verwaltung und in der gewerkschaftlichen Arbeit. Zahlreiche Veröffentlichungen und Vorträge zur Allgemeinen Pädagogik, Sozialarbeit, Schule und Bildungspolitik. Langjährige Tätigkeit als Direktor beruflicher Schulen mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik. Grams ist stellvertretender Vorsitzender der Humanistischen Union und Mitglied der Redaktion der <b>vor</b>gänge.</em></p>
<p class="v-zwischenüberschrift-2-western">
<h3 class="">Literatur</h3>
<p align="justify"><em>Abendroth, Wolfgang/Griepenburg, Rüdiger</em> (Hrsg.) 1979: Faschismus und Kapitalismus. Theorien über die sozialen Ursprünge und die Funktion des Faschismus, Frankfurt am Main.</p>
<p align="justify"><em>Adler, H. S.</em> 1960: Selbstverwaltung und Widerstand in den Konzentrationslagern der SS, in: <em>Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte</em>, Jg. 8, H. 3, S. 221–236.</p>
<p align="justify"><em>Adorno, Theodor W.</em> [1950] 1976: Studien zum autoritären Charakter, 2. Aufl., Frankfurt am Main.</p>
<p align="justify"><em>Arbeitsgruppe Menschenrechte und humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion</em> 2020: Menschenrechte und Freiheit gegen totalitäre Bedrohung verteidigen. Internationaler Tag der Menschenrechte, Berlin, <a href="https://www.cducsu.de/presse/pressemitteilungen/menschenrechte-und-freiheit-gegen-totalitaere-bedrohung-verteidigen">https://www.cducsu.de/presse/pressemitteilungen/menschenrechte-und-freiheit-gegen-totalitaere-bedrohung-verteidigen</a>.</p>
<p align="justify"><em>Arendt, Hannah</em> [1955] 2001: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, Totalitarismus, 8. Aufl., München/Zürich.</p>
<p align="justify"><em>Badstübner, Rolf/Thomas, Siegfried</em> 1979: Entstehung und Entwicklung der BRD 1945-1955. Restauration und Spaltung. 2. Aufl., Köln.</p>
<p align="justify"><em>Bauer, Leo</em> 1947: Entnazifizierung – Renazifizierung, in: <em>Wissen und Tat</em>, H. 12/13, S. 2–9.</p>
<p align="justify"><em>Bauer, Otto</em> [1936] 1979: Der Faschismus, in: Abendroth, Wolfgang/Griepenburg, Rüdiger (Hrsg.): <em>Faschismus und Kapitalismus. Theorien über die sozialen Ursprünge und die Funktion des Faschismus</em>, Frankfurt am Main, S. 143–168.</p>
<p align="justify"><em>Billstein, Reinhold</em> 1984: Neubeginn ohne Neuordnung. Dokumente und Materialien zur politischen Weichenstellung in den Westzonen nach 1945. 2. Aufl., Köln.</p>
<p align="justify"><em>Dimitroff, Georgi</em> 1935: Arbeiterklasse gegen Faschismus. Bericht erstattet am 2. Auf. 1935 zum 2. Punkt der Tagesordnung des Kongresses: Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale im Kampf für die Einheit der Arbeiterklasse gegen Faschismus, Moskau, Leningrad.</p>
<p align="justify"><em>Frei, Norbert </em>1997: Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit, 2. Aufl., München.</p>
<p align="justify"><em>Friedländer, Ernst </em>1947: Renazifizierung, in: <em>Die Zeit</em>, Nr. 14, S. 1.</p>
<p align="justify"><em>Giefer, Rena/Giefer, Thomas</em> 1991: Die Rattenlinie. Fluchtwege der Nazis; eine Dokumentation, Frankfurt am Main.</p>
<p align="justify"><em>Haase, Norbert </em>1996: „Gefahr für die Manneszucht“. Verweigerung und Widerstand im Spiegel der Spruchtätigkeit von Marinegerichten in Wilhelmshaven (1939 – 1945), Hannover.</p>
<p align="justify"><em>Habermas, Jürgen</em> 1985: Die Entsorgung der Vergangenheit, in: <em>Die Zeit</em> vom 17.05.1985.</p>
<p align="justify"><em>Horkheimer, Max</em> [1939] 1988: Die Juden und Europa, in: Ders.: <em>Gesammelte Werke</em>, Bd. 4., Frankfurt am Main.</p>
<p align="justify"><em>Hübsch-Faust, Monika</em> 1988: Schlussstrich-Mentalität. Bitburg, Waldheim und Höfer oder: Über den Umgang mit Vergangenheit, in: <em>Blätter für deutsche und internationale Politik</em>, Nr. 11, S. 1330-1340.</p>
<p align="justify"><em>Hurrelbrink, Peter</em> 2006: Befreiung als Prozess. Die kollektiv-offizielle Erinnerung an den 8. Mai 1945 in der Bundesrepublik, der DDR und im vereinten Deutschland, in: Schwan, Gesine/Holzer, Jerzy/Lavabre, Marie-Claire/Schwelling, Birgit (Hrsg.): <em>Demokratische politische Identität. Deutschland, Polen und Frankreich im Vergleich</em>, Wiesbaden, S. 71–119.</p>
<p align="justify"><em>Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED</em> (Hrsg.) 1968: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung in 15 Kapiteln. Kapitel IX: Periode von Herbst 1929 bis Januar 1933, Berlin/DDR.</p>
<p align="justify"><em>Popper, Karl R.</em> [1945] 2003: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Bd. 2: Falsche Propheten &#8211; Hegel, Marx und die Folgen, 8. Aufl., Tübingen.</p>
<p align="justify"><em>König, Jens</em> 2005: Gregor Gysi. Eine Biographie, 2. Aufl., Berlin.</p>
<p align="justify"><em>Krüger, Wolfgang</em> 1982: Entnazifiziert! Zur Praxis der politischen Säuberung in Nordrhein-Westfalen, Wuppertal.</p>
<p align="justify"><em>Kühnl, Reinhard</em> 1985: Die Weimarer Republik. Errichtung, Machtstruktur und Zerstörung einer Demokratie, Reinbek bei Hamburg.</p>
<p align="justify"><em>Kühnl, Reinhard</em> 2014: Faschismustheorien. Ein Leitfaden, 2., bearb. Neuaufl., Heilbronn.</p>
<p align="justify"><em>Kühnl, Reinhard/Assling, Reinhard</em> (Hrsg.) 1973: Geschichte und Ideologie. Kritische Analyse bundesdeutscher Geschichtsbücher, Reinbek bei Hamburg.</p>
<p align="justify"><em>Mann, Heinrich</em> [1944-1946] 1975: Über Schuld und Erziehung, in: <em>Freies Deutschland</em> (Reprint Leipzig).</p>
<p align="justify"><em>Mattedi, Norbert</em> 1966: Gründung und Entwicklung der Parteien in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945-1949, Bonn.</p>
<p align="justify"><em>Mickel, Wolfgang W./Waßong, Eckart/Henning, Bernd</em> (Hrsg.) 1993: Politik für berufliche Schulen. Arbeits- und Lernbuch für den politisch-zeitgeschichtlichen Unterricht, 2. Aufl., Berlin.</p>
<p align="justify"><em>Mitscherlich, Alexander/Mitscherlich, Margarete</em> 1968: Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens, München/Zürich.</p>
<p align="justify">Nationalsozialismus 1978 (Neudruck), in: <em>Informationen zur Politischen Bildung</em>, Nr. 123/126/127.</p>
<p align="justify"><em>Nimtz, Walter</em> (Hrsg.) 1976: Geschichte. Lehrbuch für Klasse 9, 7. Aufl., Berlin/DDR.</p>
<p align="justify"><em>Nolte, Ernst</em> 1986: War nicht der ‚Archipel Gulag‘ ursprünglicher als Auschwitz? In: <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung</em> vom 06.06.1986.</p>
<p align="justify"><em>Nolte, Ernst</em> [1987] 1989: Der europäische Bürgerkrieg 1917 &#8211; 1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus. 4. Aufl., Frankfurt am Main/Berlin.</p>
<p align="justify"><em>Opitz, Reinhard</em> 1984: Faschismus und Neofaschismus, Frankfurt am Main.</p>
<p align="justify"><em>Oppenheimer, Max</em> 1984: Erziehung im Exil. Die Freie Deutsche Hochschule in Großbritannien, in: <em>Informationen, Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des deutschen Widerstandes 1933-1945 e. V.</em>, H. 1, S. 6–7.</p>
<p align="justify"><em>Pätzold, Kurt/Weißbecker, Manfred</em> 1981: Geschichte der NSDAP 1920 – 1945, Köln.</p>
<p align="justify"><em>Pätzold, Kurt/Weissbecker, Manfred/Kühnl, Reinhard/Schwarz, Erika </em>(Hrsg.) 2000: Rassismus, Faschismus, Antifaschismus. Forschungen und Betrachtungen gewidmet Kurt Pätzold zum 70. Geburtstag, Köln.</p>
<p align="justify"><em>Rahr, Alexander/Sergijenko, Wladimir</em> (Hrsg.) 2020: Der 8. Mai. Geschichte eines Tages, Berlin.</p>
<p align="justify"><em>Raiser, Ludwig</em> 1947: Entnazifizierung. Politische Säuberung oder Bestrafung, in: Göttinger Universitätszeitung, H. 3.</p>
<p align="justify"><em>Ratzsch, Jörg/Venohr, Stella/Schmitt-Roschmann, Verena</em> 2025: Merkel war „erste grüne Kanzlerin“. Im Online-Gespräch mit Musk rechnet AfD-Spitzenkandidatin Weidel mit der ehemaligen Bundeskanzlerin ab, in: <em>Weser Kurier</em> vom 10.01.2025, S. 4.</p>
<p align="justify"><em>Reich, Wilhelm</em> [1933] 2020: Massenpsychologie des Faschismus. Der Originaltext von 1933, Gießen/Baden-Baden.</p>
<p align="justify"><em>Rhein, Katharina</em> 2019: Erziehung nach Auschwitz in der Migrationsgesellschaft. Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus als Herausforderungen für die Pädagogik, Weinheim.</p>
<p align="justify"><em>Rhein, Katharina</em> 2024: Erziehung nach Auschwitz heute. Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus als Herausforderung für eine kritische Bildungsarbeit, in: Hawel, Marcus/Kalmring, Stefan (Hrsg.): <em>(Ohn-)Macht überwinden! Politische Bildung in einer zerrissenen Gesellschaft</em>, Berlin, S. 135–157.</p>
<p align="justify"><em>Ruge, Wolfgang </em>1978: Deutschland von 1917-1933. Von der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution bis zum Ende der Weimarer Republik, 3. Aufl., Berlin/DDR.</p>
<p align="justify"><em>Sareik, Ruth</em> 1964: Die Demokratisierung des Grundschulwesens in der Provinz Sachsen vom Mai 1945 bis zum Erlaß des Schulgesetzes im Mai 1946, Berlin.</p>
<p align="justify"><em>Schimmeck, Tom</em> 2025: Gedenken und Kränze an einem Friedhof auch für SS-Soldaten, in: <em>Deutschlandfunk</em> vom 05.05.2025, 09:05 Uhr, <a href="https://www.deutschlandfunk.de/bitburg-kontroverse-waffen-ss-1985-100.html">https://www.deutschlandfunk.de/bitburg-kontroverse-waffen-ss-1985-100.html</a>.</p>
<p align="justify"><em>Schoeps, Julius</em> 1997: Gab es einen jüdischen Widerstand? Abwehrstrategien gegen Hitler und den NS-Terror, in: <em>Stiftung 20. Juli 1944</em> vom 18.07.1997, <a href="https://stiftung-20-juli-cms.clients.fabian.mu/storage/uploads/2018/02/28/5a96f0e92d1371997_schoeps.pdf">https://stiftung-20-juli-cms.clients.fabian.mu/storage/uploads/2018/02/28/5a96f0e92d1371997_schoeps.pdf</a>.</p>
<p align="justify"><em>Schütrumpf, Jörn </em>2023: Clara Zetkin – die erste Analytikerin des Faschismus, in: <em>Rosa-Luxemburg-Stiftung</em> vom 13.06.2023,<a href="https://www.rosalux.de/news/id/50572/clara-zetkin-die-erste-analytikerin-des-faschismus"> https://www.rosalux.de/news/id/50572/clara-zetkin-die-erste-analytikerin-des-faschismus</a>.</p>
<p align="justify"><em>Siebeck, Cornelia</em> 2013: „In ihrer kulturellen Überlieferung wird eine Gesellschaft sichtbar“? Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Assmannschen Gedächtnisparadigma, in: Lehmann, René/Öchsner, Florian/Sebald/Gerd (Hrsg.): <em>Formen und Funktionen sozialen Erinnerns. Sozial- und kulturwissenschaftliche Analysen</em>, Wiesbaden, S. 65–90.</p>
<p align="justify"><em>Sozialdemokratische Partei Deutschlands</em> 1989: Deutschland-Berichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Sopade) 1934-1940. Dritter Jahrgang 1936., 7. Aufl. 7 Bde., Frankfurt am Main.</p>
<p align="justify"><em>Steinbach, Peter </em>2012: Geschichte im politischen Kampf. Wie historische Argumente die öffentliche Meinung manipulieren, Bonn.</p>
<p align="justify"><em>Syniawa, Alois</em> 1961: Der Kampf der deutschen Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Partei bei der Durchführung der demokratischen Schulreform im Land Brandenburg in den Jahren 1945 – 1949, Berlin.</p>
<p align="justify"><em>Tenbrock, Robert Hermann</em> 1966: Europa und die Welt. Das 20. Jahrhundert, Ausg. B., Paderborn/ Hannover.</p>
<p align="justify"><em>Thalheimer, August</em> [1930] 1979: Über den Faschismus, in: Abendroth, Wolfgang/Griepenburg, Rüdiger (Hrsg.): <em>Faschismus und Kapitalismus. Theorien über die sozialen Ursprünge und die Funktion des Faschismus</em>, Frankfurt am Main, S. 19–38.</p>
<p align="justify"><em>Wagner, Jens-Christian </em>2001: Massengrab an der Raketenrampe. Historiker Jens-Christian Wagner über Heinrich Lübkes Rolle beim Einsatz von KZ-Häftlingen in Peenemünde, in: <em>Der Spiegel</em>, Nr. 22, S. 218.</p>
<p align="justify"><em>Wander, Fred</em> 2009: Das gute Leben oder von der Fröhlichkeit im Schrecken. Erinnerungen, München.</p>
<p align="justify"><em>Wulff, Hinrich</em> 1964: Im Jahrfünft der Zeitschwelle. 1945 &#8211; 1950. Sachliches und Persönliches aus schweren Jahren bremischer Schulgeschichte, Bremen.</p>
<p align="justify"><em>Zetkin, Clara</em> [1923] 2023: Der Kampf gegen den Faschismus Bericht auf dem Erweitertenplenum des Exekutivkomitees der Kommunistischen lnternationale (20. Juni 1923. Bericht auf dem Erweiterten Plenum des Exekutivkomitees der Kommunistischen lnternationale), in: <em>Marxistische Blätter</em>, H. 2, Beilage, S. 1–13.</p>
<p align="justify"><em>Zonenausschuss der CDU für die britische Zone</em> 1947: CDU überwindet Kapitalismus und Marxismus. Das Ahlener Wirtschafts- und Sozialprogramm der CDU und die grundlegenden Anträge der CDU im Landtag von Nordrhein-Westfalen, Ahlen.</p>
<p align="justify">Zur Geschichte der marxistisch-leninistischen Philosophie in der DDR. Von 1945 bis Anfang der sechziger Jahre, Bd. 3, 1979, 3 Bde., Berlin.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-250/publikation/deutsch-deutsche-blicke-auf-den-faschismus-zwischen-erkenntnis-und-abwehrender-geschichtspolitik/">Deutsch-deutsche Blicke auf den Faschismus zwischen Erkenntnis und abwehrender Geschichtspolitik</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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		<title>Parteiendemokratie und Parteiensystem in Ostdeutschland: Eine Bilanz seit 1989</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-250/publikation/parteiendemokratie-und-parteiensystem-in-ostdeutschland-eine-bilanz-seit-1989-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Sep 2025 14:45:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eine vertrackte Geschichte: Sozial&#173;de&#173;mo&#173;kratie und PDS nach dem Mauerfall Obwohl man keine kontrafaktische Geschichtsschreibung betreiben soll, ist es für einen kurzen Moment reizvoll sich vorzustellen, was hätte passieren können, wenn der Prozess der deutschen Vereinigung ab 1989 anders verlaufen wäre. Analysiert man die Entwicklung in den neuen Bundesländern, so wird bis heute – auch in [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Eine vertrackte Geschichte: Sozial&shy;de&shy;mo&shy;kratie und PDS nach dem Mauerfall</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Obwohl man keine kontrafaktische Geschichtsschreibung betreiben soll, ist es für einen kurzen Moment reizvoll sich vorzustellen, was hätte passieren können, wenn der Prozess der deutschen Vereinigung ab 1989 anders verlaufen wäre. Analysiert man die Entwicklung in den neuen Bundesländern, so wird bis heute – auch in der Politikwissenschaft – zu wenig berücksichtigt, dass es sich bei der ehemaligen DDR um eine postkommunistische Gesellschaft handelt. Anstatt deren Transformationsprozess mit anderen postkommunistischen Systemen zu vergleichen, dominierte von Beginn an die Ausrichtung auf den „großen Bruder“ im Westen, an dessen Standards es schnellstmöglich anzuschließen gelte. Die wissenschaftliche Betrachtung ist dem realen politischen Handeln hierin gefolgt.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Welche Vor- und Nachteile sich aus der Existenz dieses Bruders für den Osten ökonomisch und kulturell ergeben haben, wurde zunächst nicht und später eher zögerlich erforscht. Es könnte sich nur in einem systematischen Vergleich mit den Neudemokratien in Mittelosteuropa belegen lassen, die bei der Umgestaltung ihrer gesellschaftlichen und politischen Ordnung weitgehend auf sich gestellt waren.<a class="sdendnoteanc" href="#sdendnote1sym" name="sdendnote1anc"><sup>i</sup></a> Die Entwicklung der Parteiensysteme bietet dafür ein treffendes Beispiel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="v-autoreninfo-western"><em><strong class="western">Prof. Dr. Frank Decker</strong> ist Professor für Politische Wissenschaft an der Universität Bonn. Jüngste Buchveröffentlichungen: Freiheit – Gleichheit – Vertrauen, Bonn 2025 (hrsg. mit Thomas Hartmann-Cwiertnia und Jochen Dahm); Handbuch der deutschen Parteien, 4. Aufl., Wiesbaden 2025 (hrsg. mit Viola Neu) und Politik in stürmischer Zeit, Bonn 2023 (zusammen mit Eckhard Jesse und Roland Sturm).</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="sdendnote11">
<p><em>Dieser Artikel steht nur in der Kaufversion der Zeitschrift </em><strong>vor</strong><em>gänge zur Verfügung. Sie können das Heft hier im <a href="https://www.humanistische-union.de/service/shop/vorgaenge">Online-Shop der Humanistischen Union</a> erwerben: die Druckausgabe für 28.- € zzgl. Versand, die PDF-/Online-Version für 10.- €.</em></p>
</div>
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		<title>Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit – Der „Modernisierungsvorsprung“ und seine Herausforderungen</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-250/publikation/gleichstellung-und-geschlechtergerechtigkeit-der-modernisierungsvorsprung-und-seine-herausforderungen-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Sep 2025 13:59:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Vorbemerkung „Wir müssen nicht mehr aufholen, wir sind in vielen Dingen Vorreiter“ (Schneider 2023) und die „ostdeutsche Herkunft ist kein Makel, sondern ein Qualitätsmerkmal“ (Der Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland Ost und West 2024) – diese markigen Worte des Ostbeauftragten der Bundesregierung spiegeln wohl kaum die realen Erfahrungen vieler Ostdeutscher wider. Wie auch sollten sie [weiterlesen]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Vorbemerkung</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">„Wir müssen nicht mehr aufholen, wir sind in vielen Dingen Vorreiter“ (Schneider 2023) und die „ostdeutsche Herkunft ist kein Makel, sondern ein Qualitätsmerkmal“ (Der Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland Ost und West 2024) – diese markigen Worte des Ostbeauftragten der Bundesregierung spiegeln wohl kaum die realen Erfahrungen vieler Ostdeutscher wider. Wie auch sollten sie sich als „Vorreiter“ wahrnehmen, wenn ihre Lebensverhältnisse auch nach 35 Jahren noch nicht denen der Westdeutschen angeglichen sind? Was sollte ihr „Qualitätsmerkmal“ sein, wenn es sich bis heute nicht in der Repräsentanz von Ostdeutschen in Spitzenpositionen und Ämtern zeigt? Der jüngste Bericht zur deutschen Einheit verzichtet auf eine vergleichende Analyse der Lebensverhältnisse in Ost- und Westdeutschland, wie sie beispielsweise im Jahresbericht zur deutschen Einheit von 2020 noch vorgelegt wurde. Stattdessen werden einzelne ausgewählte Vorhaben der Bundesregierung „mit Bezug zu aktuellen Herausforderungen in Ostdeutschland“ (Der Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland Ost und West 2024) präsentiert; was daraus wird, bleibt abzuwarten. Ganz anders hatte beispielsweise Manuela Schwesig, Herausgeberin des Berichts zum 25. Jahrestag der deutschen Einheit, agiert. Sie hat ein Thema zum Gegenstand des Berichtes gemacht, Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit in Ost- und Westdeutschland, und dabei einen zentralen Befund des auf umfangreichen Daten basierenden Berichts herausgestellt: „Positive Impulse der DDR für die Gleichstellung in ganz Deutschland“ (BMFSFJ 2015: 16). Die Anerkennung dieses Ost-West-Transfers sei ein wesentlicher Beitrag zum weiteren Zusammenwachsen beider Teile Deutschlands. Diesen wertschätzenden Bezug auf ostdeutsche Lebensleistungen lassen andere Berichte zur deutschen Einheit vermissen, mehr noch, sie scheinen Themen und Bereiche dezidiert auszusparen, mit denen gezeigt werden könnte, dass in der DDR oder in Ostdeutschland zum Teil auch etwas gelungen zu sein scheint, das als „Modernisierungsvorsprung“ gedeutet werden kann. Dass der „Gleichstellungsvorsprung“ (Geißler 1992) Ostdeutschlands in Sachen Geschlechtergerechtigkeit heute teilweise gar Modellcharakter für die am „adult worker model“<a class="sdendnoteanc" href="#sdendnote1sym" name="sdendnote1anc"><sup>i</sup></a> orientierte Arbeits- und Wirtschaftspolitik der Europäischen Union hat, ist allerdings nicht in jeder Hinsicht ein Grund zum Jubeln, sondern impliziert Ambivalenzen, die gleichfalls zu diskutieren sind. Der in der Industriegesellschaft des 20. Jahrhunderts hervorgebrachte „Modernisierungsvorsprung“ (Hradil 1992) wirft heute auch Fragen hinsichtlich seiner Anschlussfähigkeit im 21. Jahrhundert auf und impliziert Herausforderungen, die systematischer herausgearbeitet werden müssen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="v-autoreninfo-western"><em><strong class="western">Prof. Dr. </strong><strong class="western">Hildegard Maria Nickel</strong> war bis 2015 Professorin für Soziologie der Arbeit und Geschlechterverhältnisse an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Soziologie der Geschlechterverhältnisse, Soziologie der Arbeit/Dienstleistungsgesellschaft und gesellschaftliche und betriebliche Transformationsprozesse.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="sdendnote11">
<p><em>Dieser Artikel steht nur in der Kaufversion der Zeitschrift </em><strong>vor</strong><em>gänge zur Verfügung. Sie können das Heft hier im <a href="https://www.humanistische-union.de/service/shop/vorgaenge">Online-Shop der Humanistischen Union</a> erwerben: die Druckausgabe für 28.- € zzgl. Versand, die PDF-/Online-Version für 10.- €.</em></p>
</div>
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		<title>Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion 1990 als strategische Weichenstellung für Wirtschaft und Gesellschaft</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-250/publikation/die-waehrungs-wirtschafts-und-sozialunion-1990-als-strategische-weichenstellung-fuer-wirtschaft-und-gesellschaft-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Sep 2025 13:02:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Einleitung In der Präambel des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland ist zu lesen, die Deutschen hätten 1990 „die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet“. Tatsächlich aber steht die Vollendung der Einheit, sofern sie als Garantie gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen Landesteilen und der gleichberechtigten Teilnahme Ost- und Westdeutscher an der Repräsentation und demokratischen Machtausübung begriffen wird, bis [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-250/publikation/die-waehrungs-wirtschafts-und-sozialunion-1990-als-strategische-weichenstellung-fuer-wirtschaft-und-gesellschaft-2/">Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion 1990 als strategische Weichenstellung für Wirtschaft und Gesellschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Einleitung</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">In der Präambel des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland ist zu lesen, die Deutschen hätten 1990 „die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet“. Tatsächlich aber steht die Vollendung der Einheit, sofern sie als Garantie gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen Landesteilen und der gleichberechtigten Teilnahme Ost- und Westdeutscher an der Repräsentation und demokratischen Machtausübung begriffen wird, bis heute aus. Die Bundestagswahl 2025 hat dies durch ihr in Ost und West erheblich voneinander abweichendes Ergebnis klar belegt. Damit wurde zugleich deutlich, dass die Einschätzung einer allmählichen Angleichung des Ostens an den Westen, wie sie alljährlich in den Berichten der Bundesregierung zum Stand der deutschen Einheit behauptet wird, nicht zutrifft. Hinter den Wahlergebnissen – insbesondere dem in allen ostdeutschen Flächenländern auffallend hohen Stimmenanteil der AfD – verbergen sich nicht nur ein (auch im Westen zu findender) ideologischer Rechtsruck und die Ablehnung der Politik der ehemaligen Ampelkoalition, sondern ebenso Enttäuschung, Frustration, Wut und Resignation vieler Ostdeutscher über den Stand der deutschen Einheit.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Ein wichtiger Grund dafür ist offenbar die andauernde ökonomische Diskrepanz zwischen Ost und West. Die hier üblicherweise ins Feld geführte Argumentation, der zufolge die Diskrepanz im wirtschaftlichen Niveau, in der Wirtschaftsstruktur, bei den Einkommen, dem Konsum, den privaten Vermögen etc. allein der ökonomischen Hinterlassenschaft der DDR geschuldet sei, greift entschieden zu kurz. Mit der Zunahme des zeitlichen Abstandes zur DDR wächst die Einsicht, dass hierfür auch die Modalitäten der Vereinigung selbst eine gewichtige Ursache sind. Dies gilt ganz besonders für die <i>Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion</i> (WWSU) als der entscheidenden Weichenstellung für den ökonomischen Einigungs- und Zukunftsprozess (vgl. die umfangreichen Analysen und Kommentare von Grosser 1998; Sarrazin 1994; Hickel/Priewe 1994; Streit 1998; Sinn 2004; Paqué 2009; Busch 2015).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="v-autoreninfo-western"><em><strong class="western">Dr. habil. Ulrich Busch</strong> geb. 1951, ist Finanzwissenschaftler. Bis 1992 war er im Bankwesen der DDR und als Hochschullehrer an der Humboldt Universität zu Berlin tätig, danach bis 2009 u.a. Dozent an der Frankfurt School of Finance and Management, der TU Berlin und der Wirtschaftsuniversität Budapest. Er ist Redakteur des sozial- und geisteswissenschaftlichen Journals Berliner Debatte Initial, Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. und der AG Alternative Wirtschaftspolitik. Publikationen zur Geld- und Finanzpolitik sowie zur Transformation in Ostdeutschland, u.a. Am Tropf. Die ostdeutsche Transfergesellschaft (2002), Teilhabekapitalismus (2013) (mit R. Land), Ein Vierteljahrhundert Deutsche Einheit (2015) (mit M. Thomas), Die Welt des Geldes (2016), Geldkritik. Theorien – Motive – Irrtümer (2020), Streitfall Ostdeutschland. Grenzen einer Transformationserzählung (2021) (mit M. Thomas).</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Dieser Artikel steht nur in der Kaufversion der Zeitschrift </em><strong>vor</strong><em>gänge zur Verfügung. Sie können das Heft hier im <a href="https://www.humanistische-union.de/service/shop/vorgaenge">Online-Shop der Humanistischen Union</a> erwerben: die Druckausgabe für 28.- € zzgl. Versand, die PDF-/Online-Version für 10.- €.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-250/publikation/die-waehrungs-wirtschafts-und-sozialunion-1990-als-strategische-weichenstellung-fuer-wirtschaft-und-gesellschaft-2/">Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion 1990 als strategische Weichenstellung für Wirtschaft und Gesellschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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		<item>
		<title>Was war eigentlich mit dem Sozialismus? – Gedanken dazu von vor und nach der Wende</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-244/publikation/was-war-eigentlich-mit-dem-sozialismus-gedanken-dazu-von-vor-und-nach-der-wende/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 May 2024 11:20:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lebensweisen / Pluralismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der folgende Beitrag ist nach Ansicht der Redaktion eine ungewöhnliche, authentische und konkrete Auskunft zum umstrittenen Thema von Ostidentität. Die Frage, die Daniel Stosiek nach dem Sozialismus in der DDR stellt, ist für ihn offensichtlich auch eine wichtige Frage nach der eigenen, ostdeutschen Identität, wie sie in der DDR entstanden ist und in seinem Leben [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-244/publikation/was-war-eigentlich-mit-dem-sozialismus-gedanken-dazu-von-vor-und-nach-der-wende/">Was war eigentlich mit dem Sozialismus? – Gedanken dazu von vor und nach der Wende</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="v-teaser-western"><em>Der folgende Beitrag ist nach Ansicht der Redaktion eine ungewöhnliche, authentische und konkrete Auskunft zum umstrittenen Thema von Ostidentität. Die Frage, die Daniel Stosiek nach dem Sozialismus in der DDR stellt, ist für ihn offensichtlich auch eine wichtige Frage nach der eigenen, ostdeutschen Identität, wie sie in der DDR entstanden ist und in seinem Leben fortwirkt. Der Systemgegensatz zwischen der DDR und der BRD, der politisch und medial als Gegensatz zwischen dem diktatorischen Unrechtsstaat DDR und der Demokratie der Bundesrepublik mehrheitlich abgehandelt wird, tabuisiert seines Erachtens die für Menschen mit DDR-Herkunft prägende Auseinandersetzung zwischen Sozialismus und Kapitalismus in der Gegenwart. Dass Stosiek seine DDR Prägungen aus diesem Gegensatz erklärt, ist ungewöhnlich, überzeugt aber durch seine konkreten Beschreibungen. Anders als die fortwährende Abwertung ostdeutscher Identität, die mit den Erfolgen der AfD stetig zunimmt, führt sein Ansatz in der Diskussion weiter.</em></p>
<p class="v-teaser-western"><em>Wichtig für die Leser*innen ist es, die Biographie Stosieks historisch einzuordnen. Stosieks Kindheit und Jugend in der DDR endet mit dem Untergang der DDR. Nach seinem Abitur wird er noch am 1. November 1989 zur NVA eingezogen. Danach setzt er sein Leben im Westen fort.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="v-absatz-ohne-western">Bei heutigen Diskussionen zu Ost-West-Themen, auch kritischen, wie dem spannenden Text von Dirk Oschmann (<i>Der Osten: eine westdeutsche Erfindung</i>), vermisse ich schmerzlich eine Auseinandersetzung mit den Fragen des Sozialismus der ostdeutschen und osteuropäischen Gesellschaften vor der Wende, sowie eine Kritik an der kapitalistischen Wirtschaft. Die DDR wird auf Diktatur und Unrechtsstaat reduziert, die westliche Welt dagegen ist eine Demokratie. Weder war in der Beschreibung die DDR sozialistisch, noch Westeuropa und die USA kapitalistisch. Diese beiden Aspekte der Wirklichkeit sind gleichsam tabu.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">In meiner Jugend habe ich in widersprüchlichen Diskurswelten gelebt. Das Elternhaus war christlich und kritisch gegenüber dem Staat, es gab aber aktive Auseinandersetzungen und Wohlwollen gegenüber vielen akzeptierten und als gut erkannten Seiten der teils verwirklichten und teils ausstehenden gesellschaftlichen Formen. Die katholische Kirche, zu der wir gehörten, verhielt sich sehr ablehnend. In der Schule war ich in der Regel mit einer kritiklosen Affirmation der DDR konfrontiert; die Schüler*innen wiederum waren oftmals, nicht durchgängig, in einem hohen Grade negativ gegenüber Staat und Ideologie eingestellt.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Für mich war bis zum Ende der DDR der Autoritarismus, am stärksten im Phänomen der <i>Mauer</i> symbolisiert, verhasst, wie auch die Gewalt, welche durch die Armee (NVA) in Bereitschaft gestellt und immer wieder ausgeübt wurde; bis ins letzte Jahr der DDR wurden Menschen, welche das Land illegal verlassen wollten, erschossen. Aber der Anspruch einer sozialistischen Gesellschaft, der Überwindung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, der internationale Geist leuchteten mir sehr ein.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Wir diskutierten über viele Widersprüche. Dazu gehörte die Frage nach dem sogenannten Volkseigentum. Warum kümmerten sich die Menschen nicht um Häuser, Ländereien oder Betriebe, wenn sie doch dem Volke, den Menschen, ihnen selber, gehörten? Funktionierte nur, was die Leute privat besaßen? Auf der anderen Seite hatte die Bevölkerung, nämlich die Menschen selber, gar nicht die Macht über das Volkseigentum, sondern die Prozesse wurden von bürokratisch organisierten Eliten bestimmt. Heute kann ich (auch mit Lektüre von Pierre Bourdieu) besser erkennen, warum real erlebte Ohnmacht zu Gleichgültigkeit und Desinteresse führen. Ein anderer Widerspruch betraf die Frage, warum sich die medial so hoch gelobte Klasse der Arbeiterschaft und Werktätigen so unmotiviert zum Arbeiten zeigte, nachdem doch die kapitalistische Ausbeutung beendet worden war. Auch hier lässt sich heute antworten, dass die Arbeiter*innen gar keine Macht hatten, sondern auch in der DDR unterdrückt und ausgebeutet wurden. Aber Widersprüche sind treibende Kräfte. Hätte es jemals 1989 die Kraft zum Umbruch gegeben, wenn es nicht den Anspruch oder die Vision des Volkseigentums gegeben hätte und somit einer direkten und aktiven Mitbestimmung über die Belange der Gesellschaft, über Wirtschaft und Politik, von den Menschen selber her? War nicht die implizite oder explizite Erwartung da, dass das Eigentum, das Eigene der Gesellschaft – einschließlich politischer, kultureller, wirtschaftlicher Zusammenhänge, dem Land, der Betriebe, der sozialen Wirklichkeit – nun wirklich den Menschen gehören und von diesen bestimmt werden sollte? Und wollten die arbeitenden Menschen nicht tatsächlich die herbeigeredete, aber noch nicht verwirklichte Befreiung von Unterdrückung und Ausbeutung wahr machen? Ein Umbruch in solchem Sinne, eine gesellschaftliche befreiende Umwälzung ohne Wiedervereinigung wäre eine Revolution gewesen, die diesen Namen verdiente; aber das, was tatsächlich geschehen ist, war keine Revolution, sondern vielleicht eine Implosion, die bekannte Übernahme des Schwächeren durch den Stärkeren.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">In meiner Schulzeit habe ich zweimal aktive Erfahrungen mit Kritik gemacht. Es wurde viel darüber diskutiert, dass man in der DDR nicht seine Meinung sagen durfte. Aber die Wirklichkeit war oft subtiler und komplexer. Es gab seit der siebenten Klasse alle zwei Wochen einen Schultag mit der Bezeichnung „Produktionsarbeit“ (PA): Das war praktische Arbeit, die teilweise mit Betrieben der Industrie oder von Baustellen verknüpft wurde. Dort erlernten wir technische Fertigkeiten, wie mit Metall oder Beton zu arbeiten. In der zehnten Klasse wurden wir auf verschiedene Betriebe der Stadt Görlitz verteilt, wo wir nun alle zwei Wochen je einen Vormittag zubrachten. Während der zehnten Klasse wurde ich einmal aufgefordert, einen Aufsatz zu schreiben – zu Fragen, die etwa beinhalteten, wie ich die sozialistische Arbeit erlebt, was ich gelernt, wie ich die Arbeiterschaft erlebt hatte. Im ersten Moment war mir danach zumute zu fluchen über eine so blöde Arbeit, in der von mir erwartet wurde, den Lehrenden und Vorgesetzten nach dem Munde zu reden und mir etwas aus den Fingern zu saugen, was mir sehr schwer fiel. Ich konnte bei Hausaufgaben der „Staatsbürgerkunde”, sprich des ideologischen Unterrichts, stundenlang vor einem Blatt Papier sitzen, ohne dass mir ein Wort zu schreiben einfiel, weil ich manchmal kaum verstand, wovon die Rede war. Aber plötzlich kam mir eine Idee: Ich könnte doch das schreiben, was ich wirklich dachte und erlebte! Dieser Gedanke war ungewöhnlich und beflügelte mich. Mein familiärer Hintergrund war zudem der, dass mein Vater immer wieder kritische Briefe an die DDR-Regierung schrieb. Mit einer solchen Motivation machte es mir auf einmal Spaß zu schreiben; ich fand es aufregend. So schrieb ich in diesem Schulaufsatz beispielsweise, dass mir die sozialistischen Arbeiter nicht sehr motiviert zum Arbeiten schienen, sie lange Pausen machten und rauchten, oder auch dass ich zwar ab der siebenten Klasse in PA einige praktische Fertigkeiten erworben und eingeübt, in der zehnten Klasse aber so gut wie nichts gelernt hätte, da ich Aufgaben, wie Sand mit einer Schubkarre zu transportieren, erhielt oder manchmal über längere Zeit gar nichts zu tun war. Ich erinnere mich, wie ein Klassenkamerad und ich zusammen die Benotung erhielten. Er hatte das genaue Gegenteil von mir geschrieben, eine reine Lobeshymne. Der Lehrer gab uns beiden eine Eins und sagte, dass er meinen kritischen Text gut fand. Über diese Entscheidung beiden gegenüber bin ich ihm heute noch dankbar.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Die zweite Erfahrung mit Kritik war mein Abituraufsatz im Deutschunterricht. Ich wählte unter mehreren Möglichkeiten ein offenes Thema, bei dem ich mir selber einen Roman aussuchen konnte. Dabei entschied ich mich für die <i>Richtstatt</i> von Tschingis Aitmatow. Ich schrieb über die Figur eines tief überzeugten Kommunisten in diesem Roman, der an der gesellschaftlichen Wirklichkeit in seinem Dorf zugrunde geht. Diese Geschichte verknüpfte ich mit den damals aktuellen Bewegungen der Perestroika in der Sowjetunion, mit dort geübter Kritik und Veränderungen, die, wie ich weiter ausführte, auch in vergleichbarer Weise in der DDR verwirklicht werden sollten. (Die DDR hatte sich seit dem Beginn der Perestroika konsequent geweigert, auch nur ein Minimum an Öffnung und Kritik, der Sowjetunion vergleichbar, zuzulassen.) Unsere Deutschlehrerin sagte uns ein paar Tage später, dass zwei der Abituraufsätze, darunter auch meiner, dem Direktor der Schule vorgelegt worden waren. Dieser Direktor war ein unkritischer Mitmacher im Staat, und wie sich nach der Wende herausstellte, bei der Stasi. Ich erhielt eine Drei für den Aufsatz mit der Begründung, dass ich das gestellte Thema nicht ganz erfasst hätte. Für mich gab es natürlich keinen Zweifel daran, dass die relativ schlechte Bewertung am politischen Thema lag. Das verschlechterte meine Abiturnote von Eins auf Zwei, aber ich bin heute noch froh darüber, dass ich geschrieben habe, was ich wirklich dachte, und was mir tatsächlich am Herzen lag.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Und sollte das, was mir damals am Herzen lag, nach der Grenzöffnung 1989 und bis heute, nicht mehr ein Herzensthema sein?</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Während der Maueröffnung war ich mehrere Monate bei der Armee der DDR, der NVA; mein Dienst begann dort am 1. November 1989, und der Mauerdurchbruch geschah am 9. November. In diesen Herbstmonaten wurde viel über Wiedervereinigung gesprochen. Mich irritierte das, weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie zwei so unterschiedliche Gesellschaften und politischen Systeme zu einem Land werden sollten. Würde es sozialistisch oder kapitalistisch sein? Als ich diese Frage einem Kommilitonen stellte, sagte er: natürlich kapitalistisch. Mir war augenblicklich klar, dass er Recht hatte. Aber mir war eiskalt dabei zumute.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Wenige Monate zuvor, im September und Oktober 1989, als die Demonstrationen und Runden Tische bereits sehr aktiv waren, hatte ich ein Praktikum im Physiologischen Institut der Charité in Berlin gemacht. Während dieses Praktikums durfte ich immer wieder an den dortigen Vorlesungen teilnehmen. Ich erinnere mich nicht mehr, ob ich irgendetwas davon verstand. Aber ich weiß noch, dass die Studierenden gemeinsam Stellungnahmen verfassten, in denen sie Dialog und Toleranz forderten. Am Ende dieser Stellungnahmen wurde immer betont, dass sie selbstverständlich keinen Zweifel daran lassen, dass sie am Sozialismus festhalten. – Wenige Monate später schien sich kein Mensch mehr daran zu erinnern. Dieser Teil der ostdeutschen Identität und Erinnerung ist verschwunden.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">War an dieser letzten Versicherung überhaupt nichts Wahres dran, war diese nur Lüge, nur eine Phrase im Sinne einer Pflichterfüllung gewesen?</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Das entscheidende Totschlagargument gegen solche Veränderungen lautete wenige Wochen später, man brauche das Fahrrad doch nicht ein zweites Mal zu erfinden.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Damals nahm ich weder an den Montagsdemonstrationen noch den Runden Tischen teil. Erst Jahre später erkannt ich klarer, dass in diesen letzten Wochen vor der Maueröffnung eine fast messianische Erwartung wuchs, in der, zumindest bei einigen Kreisen der Bevölkerung, eine Umwälzung hin zu einem Sozialismus von der Basis her zum Greifen nahe schien: Christa Wolf redete am 4. November bei einer Demonstration auf dem Alexanderplatz in Berlin von einem Sozialismus, „der den Namen auch wirklich verdient”; die Runden Tische, die eine hohe gesellschaftliche Repräsentanz verkörperten, „erfanden” die Demokratie neu, indem sie politische Entscheidungen trafen; die Regierung der DDR näherte sich der Zivilgesellschaft an, wie dies noch nie vorgekommen war, und arbeitete direkt mit dem Zentralen Runden Tisch in Berlin zusammen; das Team der Wirtschaftsministerin Christa Luft innerhalb der Regierung von Hans Modrow erarbeitete einen Reformvorschlag für die Wirtschaft der DDR, die sich sowohl marktwirtschaftlich öffnen sollte, als auch öffentliches Eigentum des Landes und der großen Betriebe beibehielt, und der Zentrale Runde Tisch akzeptierte diesen Reformvorschlag.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">In den darauffolgenden Jahren lernte ich über längere Zeit England kennen, begann in Göttingen zu studieren, wo ich jeweils die Atmosphäre genoss, dass Menschen aus ganz unterschiedlichen Teilen der Welt beziehungsweise dann Deutschlands kamen. Es faszinierte mich, mit diesen unterschiedlichsten Menschen in lebendigen, erfrischenden Kontakt zu kommen. Die Ferne verwandelte sich in Nähe. Als ich 1992 in Münster begann, Theologie zu studieren, vermisste ich zu meiner Überraschung die vielgestaltige, internationale lebendige, aufbruchsfreudige Stimmung; es war mir, als sei ich erneut in eine provinzielle Gesellschaft hineingeraten, wo die meisten Menschen, die ich nun im Studium kennenlernte, aus der näheren Umgebung stammten; der Geist der Wanderschaft, der Internationalität, aber auch des Neuanfangs war mir überhaupt nicht mehr zu spüren, und ich fühlte mich eher wie ein seltener Fremdling unter Menschen, die keine geschichtlichen Brüche erlebt hatten. Der Osten war weit weg, die „Zone”, wie manche Leute, es witzig findend, immer noch sagten. Vor allem erlebte ich nun nicht mehr die „Nähe in der Ferne”, die lebendigen Begegnungen der Menschen auf Reisen, auf Wanderung, die mich in England und Göttingen, aber auch in Taizé und in Schottland begleitet hatten.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Jetzt fühlte ich mich oft depressiv und verlassen. Dieses Gefühl hatte sicher verschiedene Ursachen, persönliche, solche, die mit der neuen Umgebung zusammenhingen, aber es lag auch (da ich in der relativen Einsamkeit jetzt weniger abgelenkt war) an der abgekoppelten, abgefertigten, dem Vergessen ausgelieferten Geschichte. Es gab keine DDR-Geschichte mehr, sondern nur noch Neue Bundesländer, als ob diese auf ein leeres Blatt gezeichnet worden wären. So haben auch die Eroberer Amerikas den Doppelkontinent „Neue Welt” genannt, als ob es dort keine Jahrtausende lange menschliche Geschichte gegeben hätte. Die politische ist von der seelischen Wirklichkeit nicht zu trennen. Mit der politisch ausgelöschten Erinnerung war ich auch mit meiner eigenen lebendigen Vergangenheit vereinsamt.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">„Doch wo Gefahr ist, wächst ein Rettendes auch.” Langsam lernte ich durch Theologie und jüdische Philosophie (wie Walter Benjamin, Franz Rosenzweig, Eveline Goodman-Thau), dass wir aus jüdischer, semitischer Tradition heraus die Zeit auch ganz anders betrachten können, als es in unserer indoeuropäischen Kultur üblich ist: <i>D</i><i>ie Geschichte ist nicht zu Ende</i>; die Hoffnungen und Träume der Vergangenheit leben weiter und wirken in die Zukunft hinein; Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind nicht radikal voneinander getrennt, sondern ineinander verwoben; der Gedanke der Erlösung bedeutet, dass sich der Gesamtzusammenhang der Geschichte verwandelt.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Und was mich immer mehr von der depressiven Stimmung befreite, war, dass ich die Befreiungstheologie Lateinamerikas sowie die westeuropäische Linke kennenlernte: Es waren studentische Protestbewegungen seit 1997, darüber hinausgehende Proteste gegen den neoliberalen Kapitalismus seit 1998. Bei den studentischen Protesten erlebte ich für einen kurzen Moment, was es bedeuten kann, wenn sich auf einmal die Studierenden einer Fakultät selber organisieren und in kleinen Gruppen anfangen, Politik zu gestalten. Das war ein wenig wie die Runden Tische am Ende der DDR. Ein Augenblick der Basisdemokratie.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Nach Abschluss meines Theologiestudiums im Jahre 2000 begab ich mich als Menschenrechtsbeobachter nach Chiapas im südlichen Mexiko. Hier hatte etwas Unglaubliches stattgefunden. Mit der „Revolution der Frauen” 1992 und einem Aufstand 1994 hatten Menschen indigener Bevölkerung es unternommen, „das Fahrrad neu zu erfinden”, was in Ostdeutschland versäumt worden war, nämlich das soziale, mitmenschliche, politische Zusammenleben neu zu gestalten. Die Zapatist*innen benennen sich nach dem Namen <i>Emiliano Zapata</i>, der während der Mexikanischen Revolution Anfang des 20. Jahrhunderts für Gerechtigkeit kämpfte. Diese Namenswahl zeigt, dass auch hier die Geschichte nicht zu Ende ist, dass die Gegenwart „eine schwache messianische Kraft” besitzt, an welche die Vergangenheit einen Anspruch hat, wie Walter Benjamin formulierte. Giorgio Agamben zufolge sollen diese Worte auf den Apostel Paulus zurückgehen, der sagte, dass die messianische Kraft in der Schwäche liege. Das, was diese Menschen, die materiell arm sind, „schwach” gegenüber Militär und kapitalistischer Wirtschaft, verwirklichen, verdient meines Erachtens den Namen der Revolution. Durch ihre basisdemokratische Praxis und, indem für sie die Veränderung der Welt mit Selbstveränderung beginnt, kommen sie nicht nur der „umwälzenden Praxis”, von der Karl Marx sprach, nahe, sondern sie haben entscheidend zu einer Erneuerung der weltweiten politisch linken, kapitalismuskritischen Bewegung beigetragen, die nun viel weniger dogmatisch ist als früher, bei geteilten <i>Fragen</i> verschiedene <i>Antworten</i> zulässt, und die statt auf Hierarchien nun auf Entscheidungen durch Konsens setzt.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Diese verschiedenen Protestbewegungen, auch die Gründung von <i>Attac</i>, der Weltsozialforen, der globalisierungskritischen Kundgebungen waren auf einmal eine internationale Welle, in der ich wieder etwas von der vermissten <i>Nähe in der Ferne</i> erlebte, eine übergreifende Nähe von Mensch zu Mensch, über alle kulturellen Abgründe hinweg.</p>
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<p class="v-autoreninfo-western"><em><strong class="western">Dr. </strong><strong class="western">D</strong><strong class="western">aniel Stosiek</strong> geboren 1970, wuchs in Görlitz, in der ehemaligen DDR, auf, studierte in Münster und Bremen Theologie und Entwicklungspolitik und war seit 2000 mehrfach in Lateinamerika tätig. Dort forschte er über Fragen indigener Völker und arbeitete im Bereich der Menschenrechte.</em></p>
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