Publikationen / vorgänge / vorgänge Nr. 250/51: Gibt es Ostdeutschland?

Partei­en­de­mo­kratie und Partei­en­system in Ostdeut­sch­land: Eine Bilanz seit 1989

Während in den anderen mittel- und osteuropäischen Transformationsländern Parteiensysteme neu geschaffen werden mussten, konnte man sie in Ostdeutschland aus der Bundesrepublik übernehmen. Jedoch hat sich das Parteiensystem verändert, und auch das Wahlverhalten zwischen Ost- und Westdeutschland unterscheidet sich inzwischen stark, was man zuletzt bei der Bundestagswahl 2025 deutlich erkennen konnte. Frank Decker rekonstruiert die Entwicklung der Parteien seit 1989 und wie sich Parteien und Wähler*innen in Ost und West unterscheiden, etwa was politische Parteien als reine Ostparteien oder das Erstarken der AfD und die jeweiligen politischen und historischen Hintergründe betrifft.

Eine vertrackte Geschichte: Sozial­de­mo­kratie und PDS nach dem Mauerfall

Obwohl man keine kontrafaktische Geschichtsschreibung betreiben soll, ist es für einen kurzen Moment reizvoll sich vorzustellen, was hätte passieren können, wenn der Prozess der deutschen Vereinigung ab 1989 anders verlaufen wäre. Analysiert man die Entwicklung in den neuen Bundesländern, so wird bis heute – auch in der Politikwissenschaft – zu wenig berücksichtigt, dass es sich bei der ehemaligen DDR um eine postkommunistische Gesellschaft handelt. Anstatt deren Transformationsprozess mit anderen postkommunistischen Systemen zu vergleichen, dominierte von Beginn an die Ausrichtung auf den „großen Bruder“ im Westen, an dessen Standards es schnellstmöglich anzuschließen gelte. Die wissenschaftliche Betrachtung ist dem realen politischen Handeln hierin gefolgt.

Welche Vor- und Nachteile sich aus der Existenz dieses Bruders für den Osten ökonomisch und kulturell ergeben haben, wurde zunächst nicht und später eher zögerlich erforscht. Es könnte sich nur in einem systematischen Vergleich mit den Neudemokratien in Mittelosteuropa belegen lassen, die bei der Umgestaltung ihrer gesellschaftlichen und politischen Ordnung weitgehend auf sich gestellt waren.i Die Entwicklung der Parteiensysteme bietet dafür ein treffendes Beispiel.

 

Prof. Dr. Frank Decker ist Professor für Politische Wissenschaft an der Universität Bonn. Jüngste Buchveröffentlichungen: Freiheit – Gleichheit – Vertrauen, Bonn 2025 (hrsg. mit Thomas Hartmann-Cwiertnia und Jochen Dahm); Handbuch der deutschen Parteien, 4. Aufl., Wiesbaden 2025 (hrsg. mit Viola Neu) und Politik in stürmischer Zeit, Bonn 2023 (zusammen mit Eckhard Jesse und Roland Sturm).

 

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