<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Behinderung Archive - Humanistische Union</title>
	<atom:link href="https://www.humanistische-union.de/schlagwort/behinderung/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.humanistische-union.de/schlagwort/behinderung/</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Fri, 20 Mar 2026 14:04:49 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0</generator>
	<item>
		<title>„Lasst uns Inklusion überall von Anfang an leben!“ Marburger Leuchtfeuer für Ottmar Miles-Paul</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/pressemeldungen/lasst-uns-inklusion-ueberall-von-anfang-an-leben-marburger-leuchtfeuer-fuer-ottmar-miles-paul/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Jun 2024 10:36:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgerrechtspreise]]></category>
		<category><![CDATA[Marburger Leuchtfeuer]]></category>
		<category><![CDATA[Aktion Mensch]]></category>
		<category><![CDATA[Behindertenbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Inklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Marburg: Leuchtfeuer]]></category>
		<category><![CDATA[Marburg: Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Marburger LEuchtfeuer]]></category>
		<category><![CDATA[Ottmar Miles-Paul]]></category>
		<category><![CDATA[Rechte von Behinderten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.humanistische-union.de/?post_type=presse&#038;p=19398</guid>

					<description><![CDATA[<p>„Ottmar Miles-Paul hat mit seinem herausragenden Einsatz Geschichte geschrieben und das Leben für sehr viele Menschen verbessert. Er ist der Beweis dafür, wie viel ein einzelner Mensch in einem demokratischen Staat verändern kann“, so Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Preisverleihung. Die Humanistische Union und die Universitätsstadt Marburg haben Miles-Paul mit dem 20. Marburger [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/pressemeldungen/lasst-uns-inklusion-ueberall-von-anfang-an-leben-marburger-leuchtfeuer-fuer-ottmar-miles-paul/">„Lasst uns Inklusion überall von Anfang an leben!“ Marburger Leuchtfeuer für Ottmar Miles-Paul</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Ottmar Miles-Paul hat mit seinem herausragenden Einsatz Geschichte geschrieben und das Leben für sehr viele Menschen verbessert. Er ist der Beweis dafür, wie viel ein einzelner Mensch in einem demokratischen Staat verändern kann“, so Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Preisverleihung. Die Humanistische Union und die Universitätsstadt Marburg haben Miles-Paul mit dem 20. Marburger Leuchtfeuer für dessen Engagement für die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen geehrt.  „Ottmar Miles-Paul darf mit gutem Recht als Vater der deutschen Behindertenbewegung gelten, auch wenn er sich selber einmal als ihr Kind bezeichnet hat“, erklärte der Marburger HU-Regionalvorsitzende Franz-Josef Hanke. „Er setzt sich auf besonders eindrucksvolle Weise dafür ein, unsere Welt gerechter zu machen – gerade, wenn es darum geht, Schranken im Kopf aufzubrechen“, betonte zudem Spies.</p>
<p>Die Laudation bei der Preisverleihung hielt die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer. „Wir ehren heute einen Menschen, der unermüdlich soziale Bürgerrechte stärkt, der kraftvoll für gelebte Inklusion eintritt und dessen Optimismus kein Ende kennt. Ottmar Miles-Paul hat das Leben vieler Menschen zum Besseren gewendet und weiß, dass Empowerment und Mitbestimmung auf das Engste verbunden sind. Er erinnert uns mit seinem Wirken und seiner zuversichtlichen Grundhaltung daran, dass eine inklusive Gesellschaft eine bessere Gesellschaft ist“, so Dreyer. Zum Abschluss ihrer Laudatio richtete die Ministerpräsidentin noch persönliche Worte an den Preisträger: „Lieber Ottmar, Dein Leuchtfeuer hat eine helle, wegweisende Botschaft: Wir haben viele Zukunftschancen für eine inklusive Gesellschaft. Lasst sie uns nutzen und lasst uns Inklusion überall von Anfang an leben!“</p>
<p>Miles-Pauls Erfolge und sein Engagement sind vielfältig. Bekannt ist er etwa dafür, dass er nach dem Leitsatz „Nicht über Menschen, sondern mit Menschen“ arbeitet. Dabei richtete sich sein Augenmerk vor allem auf die Rechte von Menschen mit Behinderungen, denen er stets Mut macht, ihre Rechte selbstbewusst und selbstbestimmt wahrzunehmen. 1987 gründete er den Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (FaB) in Kassel. 1990 folgte die Gründung der bundesweiten Interessengemeinschaft für ein selbstbestimmtes Leben Behinderter (ISL). Am 5. Mai 1992 begingen Behinderte erstmals den &#8222;Europäischen Protesttag zur Gleichstellung Behinderter, den die ISL und das Europäische Netzwerk zur Selbstbestimmung Behinderter unter maßgeblicher Mitwirkung von Miles-Paul ausgerufen hatten</p>
<p>ISL-Sprecherin Prof. Dr. Sigrid Arnade bedankte sich während der Preisverleihung bei Miles-Paul für seine Arbeit für die Interessengemeinschaft und sein „uneitles, unfrustrierbares und unermüdliches Engagement“ mit dem er sich 1996 unter anderem an der Aktion Grundgesetz beteiligte. Ziel war ein Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das dem zuvor erkämpften Grundgesetzartikel 3 Absatz 3 Satz 2 „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ in der Rechtspraxis verankern sollte. In der Folge setzte er sich auch für eine Namensänderung der damaligen „Aktion Sorgenkind“ ein, die seit 2000 den Namen „Aktion Mensch“ trägt. Um auf seine Themen aufmerksam zu machen, sei er auch mal in die Spree gesprungen oder habe eine Nacht angekettet am Reichstagsufer verbracht. „Danke, dass du ein nie verlöschendes Leuchtfeuer warst, bleibst und bist.“</p>
<p>Ende der 90er-Jahre erfolgte unter seiner Mitwirkung die Gründung der „Kooperation Behinderter im Internet“ (KoBI) als europaweiter Zusammenschluss von Behinderten-Websites. Im August 2002 wurde daraus ein Verein, der seither die <a href="https://kobinet-nachrichten.org">kobinet-nachrichten</a> als Informationsplattform über Behinderung und Sozialpolitik im Internet veröffentlicht. Von Anfang an war Ottmar Miles-Paul ehrenamtlicher Redakteur dieses Projekts.</p>
<p>Vom 1. Januar 2008 bis zum 31. Dezember 2012 fungierte Miles-Paul als Behindertenbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz. Danach kehrte er zurück in die außerparlamentarische Behindertenbewegung. Ab 2013 setzte er sich für ein Bundesteilhabegesetz ein, das 2016 dann auch erlassen wurde. „Mit Behinderungen ist zu rechnen und es gibt noch viel zu tun“, so Miles-Paul, der damit deutlich macht, dass er sich noch weiter engagieren werde.</p>
<p>Egon Vaupel, Sprecher der Jury, die über die Auswahl des Preisträgers entscheidet, nannte Miles-Paul den „Vater der deutschen Behindertenbewegung“, der immer klar in der Sache aber zugleich freundlich und vermittelnd sei. Mit seiner respektvollen Haltung sei Ottmar Miles-Paul ein Vorbild und eine Ermutigung für alle, sich für ihre eigenen Rechte wie auch die der benachteiligten Mitmenschen einzusetzen. Deshalb verleiht die Jury Ottmar Miles-Paul das Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte 2024 in Anerkennung seines herausragenden Engagements für die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen sowie sein jahrzehntelanges Eintreten für eine barrierefreie Demokratie. Franz Josef Hanke, Vorsitzender der Humanistischen Union Marburg hob hervor: „Barrierefreie Demokratie würde ich als Etikett auf das schreiben, wofür du dich einsetzt.“ Er hoffe, dass die Auszeichnung für Miles-Paul auch den rund 100 Gästen Mut mache, sich noch stärker zu engagieren.</p>
<p>Miles-Paul selbst bezeichnete es als große Ehre, sich in die Preisträger*innen des Marburger Leuchtfeuers einreihen zu dürfen. Der Kasseler freute sich, in Marburg zu sein, wo er gelernt habe, sich „für den Frieden und Freiheit einzusetzen“. „Meine Familie hat mich gelehrt: Wenn man etwas erreichen will, dann geht das nur gemeinsam. Deshalb nehme ich das Leuchtfeuer gerne an und trage den Funken als Empowerment an viele Menschen weiter.“ Gleichzeitig appelliert er, weiter gemeinsam für Barrierefreiheit für Alle zu kämpfen, denn „das können wir nur mit vielen Verbündeten schaffen“.</p>
<p>Seit 2005 verleihen die Universitätsstadt Marburg und die Humanistische Union jährlich das „Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte“. Die undotierte Auszeichnung soll den Einsatz für gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben würdigen und zum Engagement für benachteiligte Personen und Personengruppen ermutigen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/pressemeldungen/lasst-uns-inklusion-ueberall-von-anfang-an-leben-marburger-leuchtfeuer-fuer-ottmar-miles-paul/">„Lasst uns Inklusion überall von Anfang an leben!“ Marburger Leuchtfeuer für Ottmar Miles-Paul</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<media:content url="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2024/05/Marburger-Leuchtfeuer.jpg" medium="image"></media:content>
            	</item>
		<item>
		<title>Termine / Veranstaltungen in den Regionen</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/mitteilungen-251/publikation/termine-veranstaltungen-in-den-regionen-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 May 2024 14:08:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Marburger Leuchtfeuer]]></category>
		<category><![CDATA[Verein]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinsnachrichten]]></category>
		<category><![CDATA[Behindertenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Inklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Malu Dreyer]]></category>
		<category><![CDATA[Marburg: Leuchtfeuer]]></category>
		<category><![CDATA[Marburg: Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Marburger LEuchtfeuer]]></category>
		<category><![CDATA[Ottmar Miles-Paul]]></category>
		<category><![CDATA[Pluralismus]]></category>
		<category><![CDATA[Verbandsnachrichten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.humanistische-union.de/?post_type=publikation&#038;p=19386</guid>

					<description><![CDATA[<p>Marburg: Das Marburger Leuchtfeuer 2024 geht an Ottmar Miles-Paul Zum 20. Mal verleihen die Humanistische Union (HU) und die Stadt Marburg in diesem Jahr das „Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte“. Im Jubiläumsjahr erhält Ottmar Miles-Paul die undotierte Auszeichnung. Die Preisverleihung findet am 3. Juni, 15:00 Uhr, im Foyer des Erwin-Piscator-Haus (1. Stock, Biegenstraße 15, 35037 [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/mitteilungen-251/publikation/termine-veranstaltungen-in-den-regionen-3/">Termine / Veranstaltungen in den Regionen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h4>Marburg: Das Marburger Leuchtfeuer 2024 geht an Ottmar Miles-Paul</h4>
<p>Zum 20. Mal verleihen die Humanistische Union (HU) und die Stadt Marburg in diesem Jahr das „Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte“. Im Jubiläumsjahr erhält Ottmar Miles-Paul die undotierte Auszeichnung.</p>
<p>Die Preisverleihung findet am 3. Juni, 15:00 Uhr, im Foyer des Erwin-Piscator-Haus (1. Stock, Biegenstraße 15, 35037 Marburg) statt.</p>
<p>Bekanntgegeben hat die Jury ihre Entscheidung am Rande einer Lesung des designierten Preisträgers am Donnerstag, dem 2. Mai 2024, im Vila Vita Hotel Rosenpark. Vor gut 40 Gästen hat Miles-Paul zusammen mit der Sprecherin Sabine Lohner dort seinen ersten Kriminalroman <em>Zündeln an den Strukturen</em> vorgestellt. Das Buch handelt von einem Brandanschlag auf eine Werkstatt für behinderte Menschen (WfBM).</p>
<p>In Empfang nehmen wird Miles-Paul die undotierte Auszeichnung am 3. Juni aus den Händen von Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Jury-Sprecher Egon Vaupel. Die Laudatio auf den Behindertenrechtsaktivisten hält die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Sie kennt ihn aus mehrjähriger Zusammenarbeit während seiner Tätigkeit als Behindertenbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz.</p>
<p>„Mit dem Marburger Leuchtfeuer würdigt die Jury den herausragenden Einsatz von Ottmar Miles-Paul für die selbstbestimmte Teilhabe behinderter Menschen an allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens“, heißt es in der Preisbegründung der Jury. Er gab den Anstoß zur Umbenennung der „Aktion Sorgenkind“ in „Aktion Mensch“ und zur Verankerung des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai. Er hat die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben (ISL) mitgegründet und ist von Beginn an ehrenamtlicher Redakteur der kobinet-nachrichten zum Thema „Behinderungen“.</p>
<p>„Ottmar Miles-Paul darf mit gutem Recht als Vater der deutschen Behindertenbewegung gelten, auch wenn er sich selber einmal als ihr Kind bezeichnet hat“, erklärte der Marburger HU-Regionalvorsitzende Franz-Josef Hanke. „Wir freuen uns auf die Preisverleihung und die Laudatio seiner einstigen Weggefährtin Malu Dreyer. Das wird wahrscheinlich eine sehr würdige Jubiläumsfeier werden.“</p>
<p style="text-align: right;"><em>Franz-Josef Hanke</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/mitteilungen-251/publikation/termine-veranstaltungen-in-den-regionen-3/">Termine / Veranstaltungen in den Regionen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<media:content url="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2024/05/Marburger-Leuchtfeuer.jpg" medium="image"></media:content>
            	</item>
		<item>
		<title>Inklusion – Bildung – Identität: Inklusive Bildungsprozesse als Werkzeug zur Herausbildung einer menschlichen Identität</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-244/publikation/inklusion-bildung-identitaet-inklusive-bildungsprozesse-als-werkzeug-zur-herausbildung-einer-menschlichen-identitaet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 May 2024 11:03:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensweisen / Pluralismus]]></category>
		<category><![CDATA[Ableismus]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Identitätspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Inklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen mit Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Pluralismus]]></category>
		<category><![CDATA[Recht auf Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.humanistische-union.de/?post_type=publikation&#038;p=19344</guid>

					<description><![CDATA[<p>Dass Identitätspolitik nicht nur Abspaltung voneinander oder Fanatismus bedeutet, sondern auch zur Emanzipation dienen kann, zeigt Wolfram Grams in seinem Beitrag. Er beleuchtet die (inzwischen identitätspolitisch gewendeten) Prinzipien der Inklusion und der Identität in Bezug auf Bildungsprozesse in Deutschland. Dabei konzentriert er sich auf das Beispiel der Emanzipation behinderter Menschen und beschreibt deren Identitätspolitik und [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-244/publikation/inklusion-bildung-identitaet-inklusive-bildungsprozesse-als-werkzeug-zur-herausbildung-einer-menschlichen-identitaet/">Inklusion – Bildung – Identität: Inklusive Bildungsprozesse als Werkzeug zur Herausbildung einer menschlichen Identität</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="v-teaser-western"><em>Dass Identitätspolitik nicht nur Abspaltung voneinander oder Fanatismus bedeutet, sondern auch zur Emanzipation dienen kann, zeigt Wolfram Grams in seinem Beitrag. Er beleuchtet die (inzwischen identitätspolitisch gewendeten) Prinzipien der Inklusion und der Identität in Bezug auf Bildungsprozesse in Deutschland. Dabei konzentriert er sich auf das Beispiel der Emanzipation behinderter Menschen und beschreibt deren Identitätspolitik und Selbstermächtigung. Diese wird aber nur durch den Blick auf die lange Zeit ihrer Diskriminierung bis zur Vernichtung behinderter Menschen durch die faschistische Politik der Ausmerze verständlich.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="v-absatz-ohne-western">Dem Diktum von Karl Marx, „daß der wirkliche geistige Reichtum des Individuums ganz von dem Reichtum seiner wirklichen Beziehungen abhängt […],“ (Marx/Engels 1973 [1845/46]: 37) stimmen heute Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen häufig zu (beispielsweise Leggewie 1999; Prengel 2018; Bregman 2020; Junger 2017). In der Lebenswirklichkeit vieler Menschen zeigt sich jedoch eher eine ausgeprägte Armut an „wirklichen Beziehungen“. Jean-Jacques Rousseau zufolge sind wir beispielsweise tatsächlich nur dann freie Menschen, wenn wir fähig sind, uns mit anderen Menschen zusammenzuschließen und gemeinsam in der Vielfalt des Zusammenschlusses der Vielen die Bedingungen festlegen, auf deren Grundlage wir zusammenleben wollen, anstatt sich im Kampf um Anerkennung in Egoismus, Gier und Wettbewerb zu flüchten (Rousseau [1762] 1978). Das Ideal einer solchen humanistischen Ordnung der Gleichheit und Solidarität in der Aufklärung wurde aber durch den einsetzenden (auch aus der Aufklärung stammenden) Wirtschaftsliberalismus fundamental konterkariert. Er schuf den egoistischen <i>homo oeconomicus</i>. Die jüngere Herausbildung des Neoliberalismus schließlich radikalisierte und brutalisierte den bereits im Wirtschaftsliberalismus angelegten <i>homo oeconomicus</i> abermals: Der von Bedürfnissen geleitete Mensch, der seine Bedürfnisse durch Tauschhandel befriedigen solle, wird nun abgelöst vom Subjekt als Unternehmer seiner selbst (Foucault 2014), der auf dem Markt anbietet, was er hat, und dafür vielleicht bekommt, was er braucht. Ob dieser Mensch produziert, konsumiert oder verkauft, er investiert zwingend in sich selbst, um so seine eigene Befriedigung zu produzieren. Es ist nun tatsächlich der Wettbewerb zwischen Vereinzelten und nicht die „Kooperation“, die den Austausch strukturiert.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Während der Wirtschaftsliberalismus den Subalternen noch die Chance der Solidarität ermöglichte, mit dem Ziel der gemeinsamen kooperativen Gestaltung zumindest eines Teils ihrer ökonomischen Verhältnisse, bleibt dem Subjekt als Klein-Unternehmer nur die Konkurrenz. Wer in dem sich so herausbildenden Wettbewerb nur Güter und Arbeitskraft „minderer Güte“ anzubieten hat, erlebt – neben der damit verbundenen ökonomischen Armut – Ausgrenzung und den Verlust sozialer Anerkennung und wird damit von einer Vielzahl sozialer Güter ausgeschlossen. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben wird eingeschränkt und primär ökonomisch definiert.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Menschen mit Behinderungen, Frauen, People of Color und viele andere gesellschaftliche Gruppen erleben diesen sozialen Ausschluss konkret. Es ist dieser Ausschluss, die Isolation von der gesellschaftlichen Teilhabe, die Kämpfe um Identität der Betroffenen erforderlich macht. Seit der Herausbildung der kapitalistischen Gesellschaft belegt der Kampf der arbeitenden Menschen um bessere Lebensbedingungen dies zuvörderst. Die organisierte Bewegung der Arbeiter*innen ist auch der Kampf für die Teilhabe am Leben und an den Gütern, die diese Menschen selbst produzieren. Im Rahmen der damit zusammenhängenden sozialen Auseinandersetzungen bildete die Klasse der Arbeitenden eine eigene Kultur und eine spezifische Identität aus. Neben einer Fülle wissenschaftlicher Literatur (Hobsbawm 1998) arbeiteten dies äußerst differenziert besonders Alfredo Bauer (2012) und Johannes R. Becher (1977) aus unterschiedlichen Perspektiven in Romanform heraus.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Der Emanzipationskampf der organisierten Arbeiter*innen war zugleich ein Kampf um eine eigenständige Identität. Dies ist die kulturelle Dimension des Kampfes der Klasse um politische und ökonomische Partizipation. (Susemichel/Kastner 2022) Diese Position teilt Georg Auernheimer. Er charakterisiert in seinem Buch <i>Identität und Identitätspolitik</i> die Identität als soziales Konstrukt als eine Erfindung der kapitalistischen Moderne. Auernheimer weist schlüssig nach, dass auch die Entwicklung des Nationalstaates und damit der nationalen Zugehörigkeit an die Entwicklung des Kapitalismus gekoppelt ist. (Auernheimer 2020b) An dieses Projekt nationaler Zugehörigkeit und Identität knüpfen rechte Kräfte an. Bei ihren Versuchen, die nationalstaatlichen Strukturen und Gesetzmäßigkeiten auf frühe Gesellschaften zu übertragen, sie somit als etwas Ewiges und Naturgegebenes darzustellen, blenden sie nicht umsonst ökonomische und soziale Entwicklungen aus. Identität kann im Rahmen der bürgerlichen Gesellschaft auf Nationalität und damit auf Staatszugehörigkeit beruhen, aber auch auf sozialem Status, Zugehörigkeit zu einer Klasse, sexueller Orientierung, religiösem Bekenntnis oder auch kultureller Prägung. (Auernheimer 2020a) Die Entgegensetzung von kultureller Differenz und sozialer Ungleichheit wird gegenwärtig bewusst geschürt. Auf diese Weise wird ein Gegensatz geschaffen, der implizit ausschließt, dass soziale Ungleichheit auch durch Identitätspolitik bekämpft werden kann. (Susemichel/Kastner 2022) Der mit Fug und Recht als Faschist zu bezeichnende Björn Höcke verdeutlichte dies im Sommerinterview des Mitteldeutschen Rundfunks mit seinen explizit völkischen Positionen zu einer „gesunden Schule“. Er tat dies in der Tradition völkischer Ideologie, als „krank“ auszuschließen, was als anders deklariert wird. (Sänger 2023)</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Identitätspolitik aber war und ist auch ein nicht zu unterschätzendes politisches Mittel der Emanzipation marginalisierter und diskriminierter Gruppen, die im glücklichen Fall im Verlauf ihrer identitätspolitischen Befassung eine eigene gesellschaftliche und auch individuelle Identität entwickeln, auf deren Grundlage dann ein solidarisches Miteinander und gegenseitige Hilfe möglich werden. Organisierter Widerstand solcher Minderheiten kann zu ihrer Gleichstellung und zur Integration in die bürgerliche Mehrheitsgesellschaft führen, aber auch in deren Abkapselung münden, so sie nicht die Solidarität mit anderen ebenfalls marginalisierten Gruppen suchen. Um dem Missverständnis vorzubeugen, das Spannungsverhältnis zwischen Selbstbestimmung und Antidiskriminierung einerseits und Ausgrenzung und Abspaltung auf kultureller Ebene andererseits nicht wahrzunehmen, setze ich den Fokus in den weiteren Darlegungen auf den Zusammenhang der Komponenten. Dabei verwende ich also das Konzept der <i>Identitätspolitik</i> als positiven Begriff.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Im Folgenden möchte ich auch deshalb diesen Vorgang am Beispiel der Emanzipation behinderter Menschen durch deren Identitätspolitik beschreiben, die aber nur durch den Blick auf die lange Zeit ihrer Diskriminierung bis zur Vernichtung behinderter Menschen durch die faschistische Politik der Ausmerze verständlich wird (Schmidt 1983; Becker 2020; Grams 2009; Grode 1987, 1994).</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Angriffe auf das Recht auf Leben</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Der Jurist Karl Binding und der Psychiater Alfred Hoche machten im Jahre 1918 mit einem Buch Furore, in dem sie die Tötung behinderter und psychisch kranker Menschen forderten: „Die Anstalten, die der Idiotenpflege dienen, werden anderen Zwecken entzogen; [&#8230;] es ist eine peinliche Vorstellung, daß ganze Generationen von Pflegern neben diesen leeren Menschenhülsen dahinaltern“ (Binding/Hoche 2018: 55). Beide schufen eine der Grundlagen für die industrielle Ermordung Behinderter und Kranker im deutschen Faschismus (Schepker 2022; Levi 2013). Binding und Hoche jedoch waren nicht der Ausgangspunkt für die Diskriminierung behinderter Menschen, sie waren nur eine weitere Etappe, der Faschismus ein furchtbarer Höhepunkt. Gleichwohl setzte sich die Ausgrenzung und Isolation fort. Einen mit Binding und Hoche durchaus vergleichbaren erneuten Vorstoß in utilitaristischer Manier unternahm der australische Ethiker Peter Singer 70 Jahre später in den 1980er und 1990er Jahren: Er vertrat die Position, dass die Summe des Glücks einer Familie ohne ein behindertes Kind größer sei als mit einem. Ob dessen sei es eine Option, das behinderte Kind zu töten. „Sofern der Tod eines geschädigten Säuglings zur Geburt eines anderen Kindes mit besseren Aussichten auf ein glücklicheres Leben führt, ist die Gesamtsumme des Glücks größer, wenn der behinderte Säugling getötet wird“ (Singer 1984: 183). Besonders pointiert hat Singer seine Ansicht in einem gemeinsam mit Helga Kuhse verfassten Buch formuliert: „We think that some infants with severe disabilities should be killed.“ Für die deutsche Ausgabe haben Autor und Autorin den Satz ein wenig relativiert: „Wir sind der Meinung, dass es unter bestimmten Umständen ethisch gerechtfertigt ist, das Leben mancher schwerstbehinderter Neugeborener zu beenden“ (Kuhse/Singer 1993: 25).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Auch in den Folgejahren erfolgen Angriffe auf das Lebensrecht behinderter Menschen: Der einer gewissen Affinität zu Singer nicht nur verdächtige Reinhard Merkel schreibt in seiner Habilitationsschrift, dass der Schutz des Rechts auf das Leben mit dem Schutz des bloßen biologischen Überlebens verwechselt werden würde. Das Recht auf Leben wird von Merkel auf das Recht auf ein Leben mit der Fähigkeit, Lebensinteressen zu haben, reduziert. Er hält deshalb im Jahre 2001 am Begriff des „Unwerten Lebens“ fest. Der Wert eines Lebens könne nur nach seiner zu erwartenden Qualität und Quantität aus der Innenperspektive des „leidenden“ Kindes heraus beurteilt werden. Aus dieser Sicht sei die Tötung schwerstbehinderter Säuglinge nicht nur geboten, sondern geradezu Pflicht. (Merkel 2001)</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Die dieser Position innewohnende Anmaßung, die Innenperspektive des behinderten Kindes einnehmen zu können, ist evident. Die darin erkennbare Tötungsabsicht macht den Zynismus deutlich. Behinderten Menschen wird das Mensch-Sein abgesprochen. Sie werden zu Nicht-Menschen, zu Objekten erklärt, mit denen nach Gutdünken verfahren werden darf. Die Kontinuität dieses Denkens zu NS-Traditionen ist deutlich.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Die philosophische Debatte um den Begriff der <i>Person</i> kann hier nicht ausgebreitet werden. Ich verweise stattdessen auf den Nachweis von Wolfgang Jantzen, dass jeder biologische Mensch eine Person ist. Jeder Mensch besitzt als spezifisches Gattungsmerkmal die Eigenschaft Person zu sein. „Person ist damit jenes soziale Verhältnis, das den Menschen erst zum Menschen macht, und dessen Aberkennung für ihn tödlich ist“ (Jantzen 1996: 45).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Angesichts dieser Gefahr – der Aberkennung ihres Rechtes auf Leben – formierten sich behinderte Menschen zunehmend als identitätspolitische soziale Bewegung (Christoph 1983; Sierck 1985, 2013). Es bildete sich die „Krüppelbewegung“, den diffamierenden Begriff des Krüppels aufgreifend, wird er zum Identifikationsbegriff. Eine soziale Kraft formierte sich.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Als Singer mit seinen Positionen an die Öffentlichkeit trat, ließen es Menschen mit Behinderungen nicht mehr unwidersprochen zu, ihr Lebensrecht infrage zu stellen. Unter der Losung „Unser Lebensrecht ist nicht diskutierbar!“ formierten sich Aktionsbündnisse, die Vorträge Singers in Dortmund und in Marburg verhinderten (Siebert 1999). Mit der aktuellen Diskussion um Cancel Culture vergleichbar erfolgte der Aufschrei prompt (Anstötz 1995). Die Meinungsfreiheit schien besonders jenen gefährdet, die mit den Positionen Singers übereinstimmten, so der Sonderpädagoge Christoph Anstötz. Er „[…] hatte mit seiner Ethik-Grammatik (dass ein Kind sein Lebensrecht erst innerhalb der ersten Lebenswochen erwerben muss) nicht nur Feinde. Er verstand sich als Verfechter des Rationalen gegen die Gefühlsdramaturgie“ (Weirauch 2013: 197).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Irrationale Gefühlsdramaturgie sei demgegenüber – Anstötz folgend – die vehemente Verteidigung des Selbstbestimmungsrechts und des Lebens behinderter Menschen, wie auch deren Angst um ihr Leben angesichts der historischen Erfahrungen im deutschen Faschismus und ihrer Erfahrungen angesichts der Ausgrenzungen und des weiterhin feststellbaren Utilitarismus. „Das fast selbstverständliche Verhindern von Krüppel-Elend betrifft auch uns lebende Krüppel. Ich lebe dennoch sehr intensiv und erschrecke bei dem Gedanken, dass es eine wachsende Bereitschaft gibt, so etwas wie mich von Anfang an zu verhindern […]“ (Christoph 1983: 35).</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Behinderung und Arbeit</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Franz Christoph, ein Exponent der „Krüppelbewegung“, deutet damit eine schreckliche Kontinuität des Umgangs mit behinderten Menschen an. Diese Kontinuität der Betrachtung einer Menschengruppe als unwert paart sich mit der utilitaristischen Haltung gegenüber behinderten Menschen auf dem Marktplatz, auf dem die Ware Arbeitskraft gehandelt wird. Wolfgang Jantzen (1974) kreierte hierfür den zutreffenden Begriff der Arbeitskraft behinderter Menschen als <i>Arbeitskraft minderer Güte</i>. Die mit dem Label „behindert“ versehene Ich-AG handelt sich auf dem Markt nur schlecht unter den verschärften Bedingungen des <i>homo oeconomicus</i> unter neoliberaler Prämisse. (vgl. auch Brown 2015) Im Feld der <i>homini oeconomici</i> schwinden Wert und Ansehen, Würde und Dignität mit dem Verlust der ökonomischen Wertigkeit.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">In diesem Dilemma bewegen sich behinderte Menschen und die „Krüppelbewegung“ als identitätspolitische soziale Bewegung, die zudem äußerst heterogen ist. Unter den Bedingungen der Verwertbarkeit der Ware Arbeitskraft werden Menschen an ihrem „Wert“ im Sinne ihrer Verwertbarkeit gemessen.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western " align="left">Inklusion und Bildung</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">In diesem Spannungsfeld befinden sich die Interessen der betroffenen Menschen und ihren in der „Krüppelbewegung“ organisierten politisch handelnden Teilen. Ihre berechtigten Forderungen nach Inklusion, nach gemeinsamer Beschulung behinderter und nichtbehinderter Kinder, der Auflösung isolierender Großeinrichtungen, nach Integration auch in den „Ersten Arbeitsmarkt“ steht bei letzterem in der Regel ein vulgäres Profitstreben entgegen, das sich darin Bahn bricht, ob sich die Beschäftigung behinderter Menschen rentiert. Unternehmer*innen entrichten eher die vom Gesetzgeber geforderte Ausgleichsabgabe bei Nichtbeschäftigung von Menschen mit Behinderungen, als sie nicht hinlänglich rentabel zu beschäftigen. „Die magere Bilanz der Bußgeldfestsetzungen nach § 238 Abs. 1 Nr. 1 SGB IX ist daher nicht ein Zeichen dafür, dass sich die Verfolgung der Täter nicht lohnt, sondern ein Zeichen dafür, dass kein politischer Wille an einer effektiven Verfolgung besteht“ (Düwell 2023).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Nicht zuletzt ob dieser Einschätzung des ehemaligen Vorsitzenden Richters am Bundesarbeitsgericht kann als Gemeinplatz betrachtet werden, Behinderung als soziale Konstruktion aufzufassen. Deshalb definierte Jantzen bereits 1973 <i>Behinderung</i>. Sie könne</p>
<blockquote class="western">
<p>„[…] nicht als naturwüchsig entstandenes Phänomen betrachtet werden. Sie wird sichtbar und damit als Behinderung erst existent, wenn Merkmale und Merkmalskomplexe eines Individuums aufgrund sozialer Interaktion und Kommunikation in Bezug gesetzt werden zu gesellschaftlichen Minimalvorstellungen über individuelle und soziale Fähigkeiten. Indem festgestellt wird, dass ein Individuum aufgrund seiner Merkmalsausprägung diesen Vorstellungen nicht entspricht, wird Behinderung offensichtlich, sie existiert als sozialer Gegenstand erst von diesem Augenblick an.“ (Jantzen [1973] 1987: 18)</p>
</blockquote>
<p class="v-absatz-einzug-western">Mehrere jahrzehntelang andauernde Auseinandersetzungen um Integration und Deinstitutionalisierung durch Eltern behinderter Kinder, durch die sich formierende politische Bewegung Behinderter selbst, durch engagierte Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen haben spätestens nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 zu neuen gesellschaftlichen Formen des Lebens von und dadurch mit behinderten Menschen geführt. Damit einhergehend und mit dem Sichtbarwerden behinderter Menschen im Alltag hat sich der Begriff der <i>Inklusion</i> zu einer quasireligiösen Metapher verwandelt. Früher bekämpft, wird sie nun von den engagiertesten Vertreter*innen des Ausgrenzens Behinderter genutzt. Wer noch vor 40 Jahren von Integration sprach, wurde von der Mehrheit der in Psychiatrie, Heil- und Sonderpädagogik Verantwortlichen zum „Gottseibeiuns“ erklärt. Heute hingegen wird die Inklusion von den hier genannten als sakrosankt erklärt. „Behinderung beim Namen zu nennen, gilt hier bereits als Diskriminierung“ (Jantzen 2018: 7).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Die Inklusion, durch die UN-Behindertenrechtskonvention in den Status eines Menschenrechtes erhoben, wird anders als noch vor wenigen Jahrzehnten nicht mehr offen bekämpft, stattdessen wird das Label <i>Inklusion</i> auch für subtile Be-Sonderung verwendet. So befinden sich viele Förderschulen in privater Trägerschaft, häufig im Besitz der Kirchen oder von Sozialverbänden und Stiftungen auf einträgliche Weise getragen. „Alle Privatschulen finanzieren sich auch über Pro-Kopf-Zuweisungen pro Kind. Die Inklusion behinderter Schüler in allgemeine Schulen könnte den Exodus behinderter Kinder zur Folge haben und damit den Privatschulen durch eine Abstimmung mit den Füßen die finanzielle Grundlage entziehen“ (Wocken 2010: 25). Auch die Interessen der Lehrer*innenverbände sind eindeutig. Jene, die der Dreigliedrigkeit des Schulwesens das Wort reden, unterminieren die Integration behinderter Menschen in die Regelschule – zuvörderst der Philologenverband. Sein Festhalten am Fortbestand des Gymnasiums sichert den sozialen Ausschluss spezifischer Gruppen behinderter Kinder und Jugendlicher. (Thielecke 2022; Mängel 2010)</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Auf äußerst subtile Weise setzt sich jedoch eine Gegnerschaft zur Inklusion über perfide Formen des Ableismus durch. Ableismus bezeichnet jene Form der Diskriminierung, bei der Menschen Benachteiligungen und Vorbehalten ausgesetzt sind, denen bestimmte Fähigkeiten (<i>ability</i>) nicht zugetraut werden. (Campbell 2009; Aguayo-Krauthausen 2023) Auch aus diesem Grund darf Behinderung als soziale Konstruktion begriffen werden. (Jantzen 1987: 18) Die Betrachtung des Nächsten unter dem Gesichtspunkt normativ geltender Fähigkeitsansprüche bedeutet den Ausschluss all jener, die dem nicht gerecht werden können. Demnach sind Menschen nicht behindert, sondern werden an der Aneignung des sozialen Erbes gehindert, an der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben behindert. Im Zuge einer drastischen Bewertung des Ableismus bezeichnet ihn deshalb die Behindertenpädagogin Simone Danz (2017: 286) gar als „Fähigkeitsfaschismus“. Ungeachtet einer hier wenig differenzierten Verwendung des Faschismusbegriffs wird die tiefe Unmenschlichkeit des Ableismus erkennbar, der sozialen Ausschluss und Isolation bewirkt, wie auch die massenhafte Vernichtung menschlichen Lebens im deutschen Faschismus Heterogenität und Diversität vernichtete. (Boysen/Friebel 2023)</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Gleichwohl ist der Ableismus tief in die gesellschaftlichen Strukturen und ihre Institutionen eingewoben. Die Institution Schule basiert darauf und bewirkt zugleich einen Lernfaktor, der ableistisches Denken (und Fühlen) zur zweiten Natur der Menschen werden lässt. Die Institution Schule passt Kinder an die von ihr vorgegebenen Fähigkeitsanforderungen an. Damit ist sie eine Institution des sozialen Ausschlusses.</p>
<blockquote class="western">
<p>„In der inklusiven Pädagogik ist die Anpassung der Schule an die Schüler Programm. Der Schüler ist gleichsam die Konstante, die Schule die Variable. Die Gegenreden aus dem Lager der separierenden Pädagogik folgen genau der entgegengesetzten Programmatik. Es gibt ein feststehendes System von Schulformen, in das die verschiedenen Schüler einsortiert werden müssen. Für die ‚begabungsgerechte&#8216; Schule werden die passenden Schüler gesucht. Das System Schule steht unveränderlich fest, die zu lösende Aufgabe ist die Auswahl (‚Selektion‘) der richtigen Schüler.“ (Wocken 2010: 26)</p>
</blockquote>
<p class="v-absatz-einzug-western">Die deutsche Schule ist eine Schule der Aussonderung, zu der auch die vielen tausend Kinder gehören, die wegen nicht erbrachter Leistungen, was ihnen allein angelastet wird, aus ihren sozialen Bezugsgruppen herausgerissen werden, wenn sie ein Schuljahr in einer neuen Schulklasse wiederholen müssen. Oder die Kinder, die jährlich aus dem gleichen Grund „abgeschult“ und „niedriger“ eingestuft werden. Sie müssen in eine andere Schulform wechseln. Dies sind zumeist die Kinder, die wegen ihrer sozialen Lage ohnehin schwierigere Ausgangsbedingungen zu verkraften haben.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Inklusion aber bedeutet den radikalen Abschied von der bisherigen Pädagogik der Aussonderung. Inklusion verlangt als reale Utopie daher den Abschied von jeder Form des Ableismus. Inklusion bedeutet auch und gerade die Begründung gemeinsamen Lernens in wechselseitiger Infragestellung aller im Lernprozess Handelnden. In der Konsequenz bedeutet dies eine Pädagogik der Befreiung, wie der brasilianische Pädagoge Paulo Freire (1979; 1980) sie beschrieb. Er plädiert für eine Pädagogik des Dialogs, der gleichberechtigten Begegnung von Menschen. Weil Dialog diese Form der gleichberechtigten Begegnung zwischen Menschen ist, die die Welt benennen, darf keine Situation entstehen, in der einige Menschen auf Kosten anderer die Welt benennen. Der Dialog entgleist, wenn er zu einem Instrument zur Beherrschung von Menschen wird. Der Dialog zielt auf die Beherrschung der Welt durch die im Dialog Befindlichen (Freire 1979). Nur auf diese Weise hilft die pädagogische Praxis dem Menschen bei der Herausbildung seiner Identität. Im Zentrum einer inklusiven Pädagogik steht ein völliges Neudenken von Didaktik, ist doch die gegenwärtige Praxis geprägt von dem sie beherrschenden Erzieher, der das Subjekt des Prozesses ist. Das führt bei den zu Erziehenden zum Objektstatus und zur mechanischen Memorierung des erzählten Inhalts, den sie einem Gefäß gleich aufgenommen haben. Je fügsamer sich die Gefäße füllen lassen, desto besser werden sie bewertet. Dies ist eine Ursache für die häufige Ineffizienz nachhaltigen Lernens in der Schule. Als eine Grundvoraussetzung für diese Pädagogik hält Georg Feuser fest: „Der selbst von Lehrern in Integrationsklassen kaum zu vollziehende Sprung ins kalte Wasser ist es, den Unterricht ausgehend von dem Schüler mit dem niedrigsten Entwicklungsniveau zu planen, d.h. ihn für diesen zu planen und dann bis in die Bereiche seiner wissenschaftlichen Fassung hinein auszudifferenzieren“ (Feuser 1989: 40). Feuser deutet damit die enorme Differenziertheit einer inklusiven Didaktik an, deren Ziel es ist, allen Lernenden zu ermöglichen, auf ihrem jeweils höchsten Entwicklungsniveau an einem gemeinsamen Gegenstand zu lernen (Müller 2018; Kornmann 2022).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Eine solche Vorgehensweise würde bedeuten, die Ausgeschlossenen nicht in das alte System einzuschließen, sondern sie als Gleiche partizipieren zu lassen. Damit wäre ein Ziel der Inklusion nicht die Inklusion selbst, sondern die Transformation der Bildungsinstitutionen, in denen Bildung – Wolfgang Klafki zufolge – als ein Prozess verstanden wird, der auf Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Solidarisierungsfähigkeit zielt. Bildung ereignet sich dann im Medium des Allgemeinen und gruppiert sich um die lebensbedeutsamen „Schlüsselthemen“ menschlichen Lebens, wie Liebe und Sexualität, Krieg und Frieden, Technikentwicklung und ihre Folgen, Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen oder ihre Zerstörung. Alle diese Fragen sind für Lernende jeden Alters und Entwicklungsstandes prinzipiell zugänglich, wenn ihren je spezifischen Entwicklungsbesonderheiten und individuellen Voraussetzungen entsprochen wird. (Manske/Obuchova 2004)</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Entsprechend ist Bildung die Entwicklung auf höheres Niveau und auf höherem Niveau, (Klafki 1991) ist Bildung die Aneignung der Welt. Das findet auf allen individuellen Entwicklungsebenen statt, auf der des Säuglings wie der forschender Intellektueller. Jeder Entwicklungsebene gemeinsam ist jedoch, dass sie der Entwicklung auf ein nächstes Niveau bedarf. An der Entwicklung dauerhaft gehindert zu werden, löst tiefste Krisen aus. Die Aneignung der Welt als psychischer Prozess erfordert auf jeder Entwicklungsstufe gleichermaßen Energie und Ausdauer und ist deshalb in höchstem Maße zu achten. Lernentwicklungsstufen zu missachten, ist ob dessen töricht, aber ableistische Praxis. Für eine erfolgreiche pädagogische und Bildungspraxis ist Ableismus kontraproduktiv. Er diffamiert die Lernenden und löst das Gefühl der Unfähigkeit aus. Gleichwohl wirkt der Ableismus wie die Last des Sisyphos: Die Emotionen als die niedrigsten, ältesten und primären Systeme, zugleich aber als die höchsten und am spätesten entwickelten, in ihrer Ausbildung nur dem Menschen eigenen Systeme, öffnen und schließen sein Gehirn. (Jantzen 2020; Vygotskij 2001) Sozialer Ausschluss, Isolation, Diffamierung, jede Form der Demütigung und Angst führen zu Emotionen, die eine Öffnung des Gehirns für Neues erschweren. Diese Öffnung aber ist unerlässlich, um den Lernenden die Sache zu erschließen und die Sache den Lernenden. (Klafki 1964)</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western " align="left">Fazit</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Es konnte nachgewiesen werden, wie stark behinderte Menschen in ihren Bildungsprozessen behindert werden oder auch, dass sie behindert sind, weil sie behindert werden. Mit der Herausbildung einer identitätspolitischen Bewegung behinderter Menschen – der „Krüppelbewegung“ – erfolgte erstmals eine kollektive Emanzipationsinitiative. Dieser selbstbewusste Befreiungsakt wurde unterstützt durch die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention, durch vielfältige Initiativen im Bildungs- und Wissenschaftsbetrieb, gleichzeitig aber auch torpediert durch menschenverachtende Positionen, wie sie sich in den Publikationen von Singer, Anstötz und Kuhse manifestierten, aber auch in der „Bioethikkonvention“, die medizinische Forschung an nichteinwilligungsfähigen Menschen vorsah (Köbsell 1999). Derartige Tendenzen setzen sich angesichts der Debatte um die Regelung der Triage fort, die behinderte Menschen benachteiligen könnte (Arnold 2023; Arnold et al. 2022).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Die identitätspolitischen Auseinandersetzungen behinderter Menschen, die von Frauen, von Menschen mit internationaler Geschichte, von Muslimen, Menschen differenzierten Geschlechts, solchen verschiedener sexueller Orientierungen und anderen Gruppen mehr haben alle das Bestreben gemeinsam, ihren gesellschaftlichen Ausschluss, ihre Marginalisierung zu beenden und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Die Formierung als identitätspolitische Emanzipationsbewegung setzt ein politisches Klima voraus, in dem die Unterdrückung der je betroffenen Gruppe aufhört hegemonial zu sein. Die Gruppe kann sich bei noch vorhandener rückwärtsgewandter Gegenwehr öffentlich äußern. Die Geschichte der Frauenbewegung belegt dies eindrucksvoll. Ebenso die Überschneidungen verschiedener identitätspolitischer sozialer Bewegungen, wie die der Frauen- und der „Krüppelbewegung“, als behinderte Frauen eindrucksvoll und selbstbewusst ihre gesellschaftliche Dysfunktionalität beschrieben.<a class="sdendnoteanc" href="#sdendnote1sym" name="sdendnote1anc"><sup>i</sup></a> (Boll/Eckert 1986)</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Die Emanzipationsprozesse marginalisierter gesellschaftlicher Gruppen dienen zugleich einer über die Gruppe hinausgehenden Humanisierung der Gesellschaft. Ihre „Integration“ bedeutet, dass der Anteil der Menschen wächst, die teilhaben können und wollen und dass der Anteil der Menschen wächst, die ihre Interessen selbstbewusst äußern. In dem Maße, in dem dies gelingt, wächst zugleich das Konfliktpotenzial einer Gesellschaft, was zu begrüßen ist, da nun Konflikte um soziale und ökonomische Ressourcen ausgehandelt werden können, was zum Abbau sozialer Privilegien führen kann. Im Gefolge dessen werden kulturelle Dominanzverhältnisse und Deutungshoheiten neu ausgehandelt. Der Erfolg einer solchen Strategie kann an einer Reihe deutscher Großstädte beobachtet werden. Dort wird, anders als in ländlichen Regionen besonders im Ostteil der Republik, in wenigen Jahren die Anzahl der Kinder mit internationaler Geschichte dominieren. Wo in Ermangelung von Menschen mit internationalem Hintergrund kein Aushandlungsprozess möglich ist, sind die Ressentiments ungleich größer als dies etwa in Bremen, Berlin und Hamburg der Fall ist. (El-Mafaalani 2019) Vergleichbare Prozesse sind in inklusiven Schulen zu beobachten: Seitens der behinderten Schüler*innen wachsen Zuversicht und Selbstbewusstsein, auf der Seite der nichtbehinderten Kinder und Jugendlichen werden Vorurteile abgebaut, Solidarität und Zugewandtheit wachsen (Vaudlet 2001). Die Herstellung gemeinsamer Lebens- und Lernumfelder dient der Erweiterung der Entwicklungsmöglichkeiten aller.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">In diesem Sinne bieten solche identitätspolitischen Bewegungen, die nicht auf Abspaltung beharren, sondern für eine inklusive Gemeinschaft einstehen, einen bedeutsamen Beitrag für den Demokratisierungsprozess einer Gesellschaft. Die Bearbeitung und der Kampf um die Lösung sozialer Fragen – wie Klasseninteressen – sind von eminenter Bedeutung für alle Menschen. Die sich hier entwickelnde Solidarität darf sich nicht auf die Solidarität unter Gleichen beschränken. Ziel einer sich dergestalt entwickelnden Kultur ist gerade die Solidarität mit den Menschen, mit denen man nicht das Milieu, das Geschlecht oder die Hautfarbe teilt. Solidarität kann auf einem ethischen Verständnis gründen, das Rassismus und Dominanz gegenüber anderen Menschen eine Absage erteilt. (Susemichel/Kastner 2022: 37)</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Ein Disput über die Relevanz der Klassenauseinandersetzung, um die Soziale Frage versus – anderen – Identitätspolitiken, ist ob dessen obsolet: Identitätspolitik dient dem Humanisierungs- und Demokratisierungsprozess einer Gesellschaft, wenn sie der Emanzipation derer dient, die ihre je spezifischen sozialen und kulturellen Interessen vertreten. Identitäre Politik in einem rückwärtsgewandten nationalistischen Interesse hingegen dient immer dem Zweck, von emanzipatorischen Bestrebungen der Verbesserung der Lebenssituation der Betroffenen abzulenken, wie dies die behindertenfeindlichen und ausgrenzenden Aussagen aus den Reihen Rechtsextremer belegen.<a class="sdendnoteanc" href="#sdendnote2sym" name="sdendnote2anc"><sup>ii</sup></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="v-autoreninfo-western"><em><strong class="western">Dr. </strong><strong class="western">Wolfram Grams</strong> ist Oberstudiendirektor a. D. Er hat Sozialpädagogik, Politik und Philosophie in Hildesheim, Hannover und Marburg studiert und bei Reinhard Kühnl mit einer Arbeit zur Kontinuität nazistischer Eliten im Bildungswesen von BRD und DDR promoviert. Er war langjährig als Lehrbeauftragter an Hochschulen, in der öffentlichen Verwaltung und in der gewerkschaftlichen Arbeit. Zahlreiche Veröffentlichungen und Vorträge zur Allgemeinen Pädagogik, Sozialarbeit, Schule und Bildungspolitik. Langjährige Tätigkeit als Direktor beruflicher Schulen mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik. Grams ist stellvertretender Vorsitzender der Humanistischen Union und Mitglied der Redaktion der <b>vor</b>gänge.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3 class="">Literatur</h3>
<p align="justify"><em>Aguayo-Krauthausen, Raúl</em> 2023: Wer Inklusion will, findet einen Weg. Wer sie nicht will, findet Ausreden, Hamburg.</p>
<p align="justify"><em>Anstötz, Christoph</em> (Hrsg.) 1995: Peter Singer in Deutschland. Zur Gefährdung der Diskussionsfreiheit in der Wissenschaft; eine kommentierte Dokumentation, Frankfurt am Main/Berlin.</p>
<p align="justify"><em>Arnold, Jörg</em> 2023: Endstation „Triage“ bei Menschen mit Behinderungen? In: <em>Zeitschrift für Disability Studies ZDS</em>, H. 1, S. 1–17.</p>
<p align="justify"><em>Arnold, Jörg et al.</em> 2022: Endstation Triage? Gefahren der Priorisierung für die Menschenrechte, in: <em>vorgänge. Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik</em>, Nr. 237/238 = Jg. 61, H. 1-2, S. 183–188.</p>
<p align="justify"><em>Auernheimer, Georg</em> 2020a: Identität in der Ideologie der Neuen Rechten, in: <em>Forum Wissenschaft</em>, Jg. 37, H. 4, S. 57–61.</p>
<p align="justify"><em>Auernheimer, Georg</em> 2020b: Identität und Identitätspolitik, Köln.</p>
<p align="justify"><em>Bauer, Alfredo</em> 2012: Die Vorgänger. Romanzyklus, Wien.</p>
<p align="justify"><em>Becher, Johannes R.</em> 1977: Abschied, Leipzig.</p>
<p align="justify"><em>Becker, Heinz</em> 2020: Die große Welt und die kleine Paula. Eine Geschichte der Behinderung.</p>
<p align="justify"><em>Binding, Karl/Hoche, Alfred</em> (Hrsg.) 2018: Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens. Ihr Maß und ihre Form. Zweite Auflage, Leipzig.</p>
<p align="justify"><em>Boll, Silke/Eckert, Barbara</em> (Hrsg.) 1986: Geschlecht: behindert, besonderes Merkmal: Frau. Ein Buch von behinderten Frauen. 2. Auflage, München.</p>
<p align="justify"><em>Boysen, Wibke/Friebel, Harry</em> 2023: Gas und Gift, in: <em>Der Freitag</em> vom 27.07.2023, S. 11.</p>
<p align="justify"><em>Bregman, Rutger</em> 2020: Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit, 4. Auflage, Hamburg.</p>
<p align="justify"><em>Brown, Wendy</em> 2015: Die schleichende Revolution. Wie der Neoliberalismus die Demokratie zerstört, Berlin.</p>
<p align="justify"><em>Campbell, Fiona Kumari</em> 2009: Contours of ableism. The production of disability and abledness, Basingstoke.</p>
<p align="justify"><em>Christoph, Franz</em> 1983: Krüppelschläge. Gegen die Gewalt der Menschlichkeit, Reinbek.</p>
<p align="justify"><em>Danz, Simone</em> 2017: Menschenwürde &#8211; Menschenrecht – Ableismus, in: <em>Behindertenpädagogik</em>, Jg. 56; H. 3, S. 283–292.</p>
<p align="justify"><em>Düwell, Franz Josef</em> 2023: Schriftliche Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung von Sachverständigen in Berlin am 27. März 2023 zum Gesetzentwurf der Bundesregierung, Entwurf eines Gesetzes zur Förderung eines inklusiven Arbeitsmarkts 20/5664. Ausschussdrucksache 20(11)320. Hrsg. v. Deutscher Bundestag. Deutscher Bundestag, Ausschuss für Arbeit und Soziales, Berlin.</p>
<p align="justify"><em>El-Mafaalani, Aladin</em> 2019: Alle an einen Tisch. Zwischen Teilhabe und Diskriminierung, in: <em>Aus Politik und Zeitgeschichte,</em> H. 9-11, S. 41–45.</p>
<p align="justify"><em>Feuser, Georg </em>1989: Allgemeine integrative Pädagogik und entwicklungslogische Didaktik, in: <em>Behindertenpädagogik</em>, Jg. 28, H. 1, S. 4–48.</p>
<p align="justify"><em>Foucault, Michel </em>2014: Die Geburt der Biopolitik. Vorlesung am Collège de France, 1978 &#8211; 1979, 3. Auflage, Frankfurt am Main.</p>
<p align="justify"><em>Freire, Paulo</em> 1979: Pädagogik der Unterdrückten. Bildung als Praxis der Freiheit, Reinbek.</p>
<p align="justify"><em>Grams, Florian</em> 2009: Vom Erbgesundheitsgericht über die Tiergartenstraße zu Peter Singer; Eine nicht mehr unwidersprochene Entwicklung. Die bundesdeutsche Eugenikdebatte im Spiegel der Krüppelbewegung, in: Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): <em>Justiz und Erbgesundheit. Zwangssterilisation, Stigmatisierung, Entrechtung: „Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ in der Rechtsprechung der Erbgesundheitsgerichte 1934-1945 und seine Folgen für die Betroffenen bis in die Gegenwart</em>. Unter Mitarbeit von Helia-Verena Daubach. Recklinghausen: Justizakademie des Landes NRW, S. 161–171.</p>
<p align="justify"><em>Grode, Walter</em> 1987: Die „Sonderbehandlung 14f13“ in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches. Ein Beitrag zur Dynamik faschistischer Vernichtungspolitik. Zugl.: Hannover, Univ., Diss., 1986. Frankfurt am Main.</p>
<p align="justify"><em>Grode, Walter</em> 1994: Nationalsozialistische Moderne. Rassenideologische Modernisierung durch Abtrennung und Zerstörung gesellschaftlicher Peripherien, Frankfurt am Main.</p>
<p align="justify"><em>Hobsbawm, Eric J.</em> 1998: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, 5. Auflage, München.</p>
<p align="justify"><em>Jantzen, Wolfgang</em> 1974: Sozialisation und Behinderung. Studien zu sozialwissenschaftlichen Grundfragen der Behindertenpädagogik, Gießen.</p>
<p align="justify"><em>Jantzen, Wolfgang</em> 1987: Allgemeine Behindertenpädagogik, Bd. 1: Sozialwissenschaftliche und psychologische Grundlagen, Weinheim.</p>
<p align="justify">Jantzen, Wolfgang 1996: A Down’s is a person! Zum Verhältnis von Allgemeinem und Differenz in Philosophie und Pädagogik, in: <em>Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete (VHN)</em>, Jg. 35, H. 1, S. 32–46.</p>
<p align="justify"><em>Jantzen, Wolfgang</em> 2018: Inklusion und Dekolonisierung als Prinzipien jeglicher Pädagogik. Pädagogik bei Geistiger Behinderung – Professionalität und Professionalisierung im Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit. 40. Konferenz der Lehrenden der Geistigbehindertenpädagogik an wissenschaftlichen Hochschulen in deutschsprachigen Ländern. Universität Rostock. Rostock, 31.05.2018.</p>
<p align="justify"><em>Jantzen, Wolfgang</em> 2020: Seele, Sinn und Emotionen. Essays zu Grundfragen der Humanwissenschaften, Gießen.</p>
<p align="justify"><em>Junger, Sebastian</em> 2017: Tribe. Das verlorene Wissen um Gemeinschaft und Menschlichkeit, München.</p>
<p align="justify"><em>Klafki, Wolfgang</em> 1964: Das pädagogische Problem des Elementaren und die Theorie der kategorialen Bildung. 3./4. Auflage, Weinheim/Bergstr.</p>
<p align="justify"><em>Klafki, Wolfgang</em> 1991: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik, Weinheim.</p>
<p align="justify"><em>Köbsell, Swantje</em> 1999: Mogelpackung &#8211; die ‚Bioethik-Konvention‘ des Europarates und ihre Bedeutung für Menschen mit Behinderungen, in: <em>Behindertenpädagogik</em>, Jg. 38, H. 1, S. 85–96.</p>
<p align="justify"><em>Kornmann, Reimer</em> 2022: „Eine Schule für Alle“, in: Grams, Florian/Hoffmann, Ilka (Hrsg.): <em>„Sich vor niemandem bücken – höchstens um ihm aufzuhelfen“. Zum Gedenken an Wolfgang Jantzen,</em> Berlin, S. 39–53.</p>
<p align="justify"><em>Kuhse, Helga/Singer, Peter</em> 1993: Muß dieses Kind am Leben bleiben? Das Problem schwerstgeschädigter Neugeborener. Von der Autorin und dem Autor überarbeitete und erweiterte deutsche Ausgabe, Erlangen.</p>
<p align="justify"><em>Leggewie, Claus</em> 1999: Die multikulturelle Gesellschaft. „Kulturele Vielfalt statt kulturelle Einfalt“, in: Pongs, Armin (Hrsg.): <em>In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich? Gesellschaftskonzepte im Vergleich</em>, München, S. 147–167.</p>
<p align="justify"><em>Levi, Primo</em> 2013: Ist das ein Mensch? Ein autobiographischer Bericht, 4. Auflage, München.</p>
<p align="justify"><em>Mängel, Annett</em> 2010: Ständische Schule. Fortwährende Ungleichheit durch das gegliederte Schulsystem, in: Müller-Heidelberg, Till et al. (Hrsg.): <em>Grundrechte-Report 2010</em>, Frankfurt am Main, S. 73–77.</p>
<p align="justify"><em>Manske, Christel/Obuchova, Ludmilla Filipovna</em> 2004: Entwicklungsorientierter Lese- und Schreibunterricht für alle Kinder. Die nichtlineare Didaktik nach Vygotskij. Weinheim/Basel.</p>
<p align="justify"><em>Marx, Karl; Engels, Friedrich</em> 1973 [1845/46]: Werke, Bd. 3., 4. Auflage, Berlin.</p>
<p align="justify"><em>Merkel, Reinhard</em> 2001: Früheuthanasie. Rechtsethische und strafrechtliche Grundlagen ärztlicher Entscheidungen über Leben und Tod in der Neonatalmedizin. Zugl.: Frankfurt (Main), Univ., Habil.-Schr., 1997, Baden-Baden.</p>
<p align="justify"><em>Müller, Frank J.</em> 2018: Blick zurück nach vorn &#8211; WegbereiterInnen der Inklusion. Unter Mitarbeit von Hans Eberwein, Wolfgang Jantzen, Reimer Kornmann, Rainer Maikowski, Ulf Preuss-Lausitz, Helmut Reiser et al., Gießen.</p>
<p align="justify"><em>Prengel, Annedore</em> 2018: Pädagogik der Vielfalt. Verschiedenheit und Gleichberechtigung in Interkultureller, Feministischer und Integrativer Pädagogik. 4. Auflage, Wiesbaden.</p>
<p align="justify"><em>Rousseau, Jean-Jaques</em> 1978 [1762]: Der Gesellschaftsvertrag, Frankfurt am Main.</p>
<p align="justify"><em>Sänger, Lars</em> 2023: Faktencheck: Höcke und die „Gleichschaltung“ der Bildungspolitik, in: Mitteldeutscher Rundfunk vom 09.08.2023. Online verfügbar unter: <a href="https://www.ardmediathek.de/video/mdr-thueringen-journal/mdr-thueringen-sommerinterviews-2023-bjoern-hoecke-afd/mdr-fernsehen/Y3JpZDovL21kci5kZS9zZW5kdW5nLzI4MjA0MS80MDk4NDYtMzkwMjgz">https://www.ardmediathek.de/video/mdr-thueringen-journal/mdr-thueringen-sommerinterviews-2023-bjoern-hoecke-afd/mdr-fernsehen/Y3JpZDovL21kci5kZS9zZW5kdW5nLzI4MjA0MS80MDk4NDYtMzkwMjgz</a> (zuletzt geprüft am 29.08.2023).</p>
<p align="justify"><em>Schepker, Klaus </em>2022: Euthanasie &#8211; Kinder- und Jugendpsychiatrie in der NS-Zeit &#8211; gegen das Vergessen, aus der Geschichte lernen, in: Die Verbände im Kontaktgespräch Psychiatrie (Hrsg.): <em>Gegen das Vergessen – Aus der Geschichte lernen. Dokumentation der Begleitveranstaltung zum Gedenken an die Dokumentation der Begleitveranstaltung zum Gedenken an die Opfer von Patientenmorden und Zwangssterilisation zur Zeit des Nationalsozialismus vom 02.09.2022 in Berlin</em>. Unter Mitarbeit von Jörg Holke. Berlin, 02.09.2022, S. 14–22.</p>
<p align="justify"><em>Schmidt, Gerhard </em>1983: Selektion in der Heilanstalt. 1939 – 1945, Frankfurt am Main.</p>
<p align="justify"><em>Siebert, Annerose</em> 1999: Wahn der Vollkommenheit? Bioethikkonvention, Euthanasie und Menschenbild, Münster.</p>
<p align="justify"><em>Sierck, Udo</em> 1985: Das Risiko, nichtbehinderte Eltern zu bekommen, in: <em>Behindertenpädagogik</em>, Jg. 24, H. 3, S. 310–316.</p>
<p align="justify"><em>Sierck, Udo </em>2013: Budenzauber Inklusion. Unter Mitarbeit von Nati Radtke, Neu-Ulm.</p>
<p align="justify"><em>Singer, Peter</em> 1984: Praktische Ethik. Stuttgart.</p>
<p align="justify"><em>Susemichel, Lea/Kastner, Jens</em> 2022: Linke Identitätspolitiken, in: <em>Forum Wissenschaft,</em> Jg. 39, H. 1, S. 35–39.</p>
<p align="justify"><em>Thielecke, Astrid</em> 2022: Berufswunsch: „… irgendwas mit Kindern“? Ein Plädoyer für das gymnasiale Lehramt, in: <em>Gymnasium in Niedersachsen, Zeitschrift des Philologenverbandes</em>, H. 9, S. 10–11.</p>
<p align="justify"><em>Vaudlet, Werner </em>(Hrsg.) 2001: Das große Nashornbuch, München.</p>
<p align="justify"><em>Vygotskij, Lev Semjenovic</em> 2001: Das Problem des geistigen Zurückbleibens, in: Jantzen, Wolfgang (Hrsg.): <em>Jeder Mensch kann lernen. Perspektiven einer kulturhistorischen (Behinderten-)Pädagogik</em>, Neuwied, S. 135–163.</p>
<p align="justify"><em>Weirauch, Angelika</em> 2013: Über die Lebenskunst. Frauen mit Behinderungen gestalten ihr Leben. Dresden, Technische Universität Dresden, Diss., 2013. Sächsische Landesbibliothek- Staats- und Universitaetsbibliothek Dresden, Dresden.</p>
<p align="justify"><em>Wocken, Hans </em>2010: Über Widersacher der Inklusion und ihre Gegenreden, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, H. 24, S. 25–31.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Anmerkungen:</h3>
<div id="sdendnote1">
<p class="sdendnote-western"><a class="sdendnotesym" href="#sdendnote1anc" name="sdendnote1sym">i </a>Vgl. auch zur Intersektionalität den Beitrag von Philip Dingeldey in diesem Heft.</p>
</div>
<div id="sdendnote2">
<p class="sdendnote-western"><a class="sdendnotesym" href="#sdendnote2anc" name="sdendnote2sym">ii </a>Deutschlandfunk am 13.08.2023, Nach Höcke-Äußerungen zu Inklusion &#8211; AfD-Haltung zu Menschen mit Behinderungen in Schulen löst weitere Besorgnis aus (deutschlandfunk.de), Stand: 26.02.2024</p>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-244/publikation/inklusion-bildung-identitaet-inklusive-bildungsprozesse-als-werkzeug-zur-herausbildung-einer-menschlichen-identitaet/">Inklusion – Bildung – Identität: Inklusive Bildungsprozesse als Werkzeug zur Herausbildung einer menschlichen Identität</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ottmar Miles-Paul erhält Marburger Leuchtfeuer 2024</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/veranstaltungen/2024/ottmar-miles-paul-erhaelt-marburger-leuchtfeuer-2024/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 May 2024 10:56:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgerrechtspreise]]></category>
		<category><![CDATA[Marburger Leuchtfeuer]]></category>
		<category><![CDATA[Verein]]></category>
		<category><![CDATA[Aktion Mensch]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerrechtspreis]]></category>
		<category><![CDATA[Inklusion]]></category>
		<category><![CDATA[kobinet-nachrichten]]></category>
		<category><![CDATA[Marburg]]></category>
		<category><![CDATA[Marburger LEuchtfeuer]]></category>
		<category><![CDATA[Ottmar Miles-Paul]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.humanistische-union.de/?post_type=termin&#038;p=19316</guid>

					<description><![CDATA[<p>Zum 20. Mal verleihen die Humanistische Union (HU) und die Stadt Marburg in diesem Jahr das „Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte“. Im Jubiläumsjahr erhält Ottmar Miles-Paul die undotierte Auszeichnung. Bekanntgegeben hat die Jury ihre Entscheidung am Rande einer Lesung des designierten Preisträgers am Donnerstag, dem 2. Mai 2024, im Vila Vita Hotel Rosenpark. Vor gut [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/veranstaltungen/2024/ottmar-miles-paul-erhaelt-marburger-leuchtfeuer-2024/">Ottmar Miles-Paul erhält Marburger Leuchtfeuer 2024</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zum 20. Mal verleihen die Humanistische Union (HU) und die Stadt Marburg in diesem Jahr das „Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte“. Im Jubiläumsjahr erhält Ottmar Miles-Paul die undotierte Auszeichnung.</p>
<p>Bekanntgegeben hat die Jury ihre Entscheidung am Rande einer Lesung des designierten Preisträgers am Donnerstag, dem 2. Mai 2024, im Vila Vita Hotel Rosenpark. Vor gut 40 Gästen hat Miles-Paul zusammen mit der Sprecherin Sabine Lohner dort <a href="https://www.humanistische-union.de/veranstaltungen/2024/aktionslesung-zuendeln-an-den-strukturen-mit-ottmar-miles-paul/">seinen ersten Kriminalroman <em>Zündeln an den Strukturen</em> vorgestellt</a>. Das Buch handelt von einem Brandanschlag auf eine Werkstatt für behinderte Menschen (WfBM).</p>
<p>In Empfang nehmen wird Miles-Paul die undotierte Auszeichnung am 3. Juni aus den Händen von Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Jury-Sprecher Egon Vaupel. Die Laudatio auf den Behindertenrechtsaktivisten hält die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Sie kennt ihn aus mehrjähriger Zusammenarbeit während seiner Tätigkeit als Behindertenbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz.</p>
<p>„Mit dem Marburger Leuchtfeuer würdigt die Jury den herausragenden Einsatz von Ottmar Miles-Paul für die selbstbestimmte Teilhabe behinderter Menschen an allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens“, heißt es in der Preisbegründung der Jury. Er gab den Anstoß zur Umbenennung der „Aktion Sorgenkind“ in „Aktion Mensch“ und zur Verankerung des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai. Er hat die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben (ISL) mitgegründet und ist von Beginn an ehrenamtlicher Redakteur der <a href="https://kobinet-nachrichten.org">kobinet-nachrichten</a> zum Thema „Behinderungen“.</p>
<p>„Ottmar Miles-Paul darf mit gutem Recht als Vater der deutschen Behindertenbewegung gelten, auch wenn er sich selber einmal als ihr Kind bezeichnet hat“, erklärte der Marburger HU-Regionalvorsitzende Franz-Josef Hanke. „Wir freuen uns auf die Preisverleihung und die Laudatio seiner einstigen Weggefährtin Malu Dreyer. Das wird wahrscheinlich eine sehr würdige Jubiläumsfeier werden.“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/veranstaltungen/2024/ottmar-miles-paul-erhaelt-marburger-leuchtfeuer-2024/">Ottmar Miles-Paul erhält Marburger Leuchtfeuer 2024</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<media:content url="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2024/05/Marburger-Leuchtfeuer.jpg" medium="image"></media:content>
            	</item>
		<item>
		<title>Rezensionen &#8211; Nichts ohne behinderte Menschen</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-241/publikation/rezensionen-nichts-ohne-behinderte-menschen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Sep 2023 19:55:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lebensweisen / Pluralismus]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Inklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Intersektionalität]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstbestimmung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.humanistische-union.de/?post_type=publikation&#038;p=18914</guid>

					<description><![CDATA[<p>Raúl Aguayo-Krauthausen, Wer Inklusion will, findet einen Weg. Wer sie nicht will, findet Ausreden, Rowohlt-Verlag 2023, 240 S., € 17,00. &#160; Als im April 2021 eine Pflegehelferin im Potsdamer Oberlinhaus vier Menschen mit Behinderungen ermordete und einen weiteren schwer verletzte, hätte öffentlich über das gesellschaftlich wirksame Bild von Menschen mit Behinderungen diskutiert werden können, das [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-241/publikation/rezensionen-nichts-ohne-behinderte-menschen/">Rezensionen &#8211; Nichts ohne behinderte Menschen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Raúl Aguayo-Krauthausen, Wer Inklusion will, findet einen Weg. Wer sie nicht will, findet Ausreden, Rowohlt-Verlag 2023, 240 S., € 17,00.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Als im April 2021 eine Pflegehelferin im Potsdamer Oberlinhaus vier Menschen mit Behinderungen ermordete und einen weiteren schwer verletzte, hätte öffentlich über das gesellschaftlich wirksame Bild von Menschen mit Behinderungen diskutiert werden können, das ganz häufig noch immer ausschließlich mit Leid konnotiert ist. In dieser Situation hätte deutlich gemacht werden können, dass die Opfer dieser Bluttat – wie alle anderen Menschen – ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben hätten führen können und wollen. Doch anstatt bei der Trauerfeier Bilder der Ermordeten aufzustellen, fanden sich in der Potsdamer Nikolaikirche vier weiß lackierte Rollstühle. Auf diese Weise wurden diese Menschen noch im Tod auf ihre Behinderung reduziert. Ihre Fähigkeiten, ihre Bedürfnisse und Wünsche als Individuen gerieten so zu keinem Zeitpunkt in den Blick. Dies ist nur ein (sehr drastisches) Beispiel für die Ausgrenzungen und Geringschätzungen, die Menschen mit Behinderungen alltäglich erleben. Ausgrenzungen und Geringschätzungen sichtbar zu machen und nach Wegen zu ihrer Beseitigung zu suchen, ist das Anliegen des neuen Buches des Aktivisten Raúl Krauthausen.</p>
<p>Im ersten Teil des Buches beschäftigt sich Krauthausen mit der Realität des Lebens mit Behinderung und lenkt den Blick auf die strukturelle Gewalt unter dem Deckmantel der Fürsorge, die Menschen mit Behinderungen in Einrichtungen und Maßnahmen Möglichkeiten der Erfahrung und der Selbstbestimmung nimmt. Er stellt die unsichtbare Norm der nichtbehinderten Mehrheitsgesellschaft dar und stellt klar, dass für ihn Inklusion nur als solche bezeichnet werden kann, wenn „[…] jeder Mensch in seiner Individualität als Teil der Gesellschaft akzeptiert wird und gleichberechtigt sowie selbstbestimmt die Möglichkeit hat, vollumfänglich an ihr teilzuhaben“ (S. 15). Daraufhin geht er den ungelösten Fragen der Inklusion nach. Zu diesem Zweck führt Krauthausen Interviews mit Aktivist*innen, Aktiven im Kampf gegen Ausgrenzungen und Barrieren. Themen der Gespräche sind die Barrieren im öffentlichen Raum, die Situation von Menschen mit Behinderungen in Schulen und auf dem Arbeitsmarkt, aber auch die Möglichkeiten ihrer Selbstvertretung. Darüber hinaus diskutiert Krauthausen auch, wie Menschen mit Behinderungen eine selbstbestimmte Sexualität erleben können und wie sie in den Medien und in der Kunst angemessen repräsentiert werden können. Ein wichtiges Thema seiner Interviews ist zudem die Notwendigkeit zur Intersektionalität, sprich unterschiedliche Diskriminierungen zusammen zudenken, um sie zu beseitigen. Im letzten Teil des Buches schließlich bemüht sich Krauthausen darum, Schlussfolgerungen aus den von ihm geführten Gesprächen für eine gelingende inklusive Gesellschaft zu formulieren.</p>
<p>Eine Stärke des Buches liegt darin, dass der Autor an vielen Stellen über seine eigenen Erfahrungen als Mensch mit Behinderung reflektiert und diese auch selbstkritisch wendet. So kann er deutlich machen, dass Sichtweisen der nichtbehinderten Mehrheitsgesellschaft auch bei Menschen mit Behinderungen wirksam werden und deren Handlungsweisen mitbestimmen. In diesem Sinne berichtet er beispielsweise, dass er über lange Zeit seine Behinderung habe relativieren wollen. Er habe keine Belastung sein und sich an den gefühlten Leistungserwartungen Nichtbehinderter messen wollen. „Aber damit habe ich gleichzeitig andere behinderte Menschen – obwohl ich das in keiner Weise beabsichtigte – abgewertet, um meine Selbstwahrnehmung aufzuwerten“ (S. 182). Zugleich lässt Krauthausen aber auch keinen Zweifel daran, dass es sehr handfeste Barrieren gibt, die die Teilhabe von Menschen am gesellschaftlichen Leben verhindern. Sehr zu Recht stellt er deshalb fest, dass es nicht ausreicht, die sogenannten Barrieren in den Köpfen abzubauen „[&#8230;] – wenn wir die real existierenden Barrieren ignorieren, wird die Inklusion nur ein schönes Wort bleiben“ (S. 46).</p>
<p>Krauthausen legt Wert darauf, mit Menschen in den Austausch zu treten. Dieses Herangehen ermöglicht es ihm, viele Perspektiven auf sein Thema sichtbar zu machen. Wenn die Juristin Theresia Degener im Gespräch mit ihm festhält, dass Maßnahmen nicht darauf gerichtet sein dürfen, die Situation in diskriminierenden Einrichtungen zu verbessern, da die Einrichtungen auf diese Weise verstetigt würden, legt sie den Finger in eine offene Wunde der sogenannten Behindertenhilfe. Der ehemalige Bremer Staatsrat Horst Frehe wünscht sich eine starke selbstbestimmte Behindertenbewegung und orientiert in diesem Sinne auf eine selbstbewusste Selbstvertretung der Betroffenen. Krauthausen fasst die Aussagen seiner Gesprächspartner*innen stets affirmativ zusammen und belegt so eindrucksvoll die Aussage des Buchtitels: Wer Inklusion will, findet einen Weg. Wer sie nicht will, findet Ausreden.</p>
<p>In seiner Gesamtheit liefert dieses Buch eine gut lesbare Streitschrift für die Durchsetzung der umfänglichen gesellschaftlichen Teilhabe aller Menschen. Ob indes alle Vorschläge des Autors zielführend sind, sollte weiter diskutiert werden. Wenn Krauthausen konstatiert: „Kosten für [&#8230;] Sexualassistenzen und Ähnliches sind kein Fall für die Krankenkasse, sondern für die Sozialämter“ (S. 155), dann mag man fragen, ob diese entfremdeten Formen von Sexualität und Sexarbeit wirklich die besten Mittel zum Erreichen einer selbstbestimmten Sexualität (und wenn ja, von wem) sind. Missverständlich können zudem Krauthausens Überlegungen zum Zusammenhang von Teilhabe und der von ihm so bezeichneten Teilgabe sein. Liest man sie so, dass Teilhabe es tatsächlich immer erfordert, dass Menschen mit Behinderung der Gesellschaft etwas zurückgeben. Davon ausgehend, dass Krauthausen diese Auffassung nicht vertritt, hätte er an dieser Stelle doch deutlicher machen sollen, dass jeder Mensch – unabhängig von seinen Fähigkeiten – ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben und die volle Teilhabe hat. Davon unbenommen ist freilich, dass viele Menschen mit Behinderungen Leistungen erbringen können und wollen. Dieses Vermögen aber darf niemals zum Gradmesser für die Zuerkennung von Teilhabemöglichkeiten sein.</p>
<p>Vollständig zustimmen mag man dem Autor, wenn er festhält, dass Inklusion immer auch eine Neustrukturierung von bestehenden Machtverhältnissen bedeutet. Zweifelhaft bleibt jedoch, ob es dafür reicht, dass „[…] privilegierte Gesellschaftsgruppen [&#8230;] ihre eigene Position kritisch reflektieren und Mitbestimmung marginalisierter Gruppen ermöglichen.“ (S. 215) Damit es wirklich keinen Lebensbereich ohne Menschen mit Behinderungen mehr gibt, in dem sie auch gesehen und gehört werden, wird es noch heftige gesellschaftliche Auseinandersetzungen geben müssen. Trotz – oder gerade wegen der genannten Unschärfe in der Argumentation – regt Raúl Krauthausen mit diesem Buch zu den notwendigen Diskussionen zur Organisation dieser Kämpfe innerhalb der Behindertenbewegung an. Aus diesem Grunde soll das Buch allen Menschen zur kritischen Lektüre empfohlen sein, die das Ziel der vollen gesellschaftlichen Teilhabe aller Menschen teilen.</p>
<p>Florian Grams</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/vorg-241/publikation/rezensionen-nichts-ohne-behinderte-menschen/">Rezensionen &#8211; Nichts ohne behinderte Menschen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Rezensionen &#8211; Sich vor niemandem bücken &#8211; höchstens um ihm aufzuhelfen</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/239-240-vorgaenge/publikation/rezensionen-sich-vor-niemandem-buecken-hoechstens-um-ihm-aufzuhelfen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Jul 2023 14:49:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Behindertenpädagogik]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Erziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Inklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Pädagogik]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.humanistische-union.de/?post_type=publikation&#038;p=18815</guid>

					<description><![CDATA[<p>Florian Grams, Ilka Hoffmann (Hrsg.): „Sich vor niemandem bücken &#8211; höchstens um ihm aufzuhelfen“. Zum Gedenken an Wolfgang Jantzen. Lehmanns Media, Berlin 2022, 136 S. für 14,95 €. ISBN 978-3-96543-332-8 Im November 2020 starb Wolfgang Jantzen – Psychologe, Sonderschullehrer, Hochschullehrer. Mit seinen theoretischen und praktischen Überlegungen zur Inklusion hat er Generationen von Pädagog:innen geprägt. Die [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/239-240-vorgaenge/publikation/rezensionen-sich-vor-niemandem-buecken-hoechstens-um-ihm-aufzuhelfen/">Rezensionen &#8211; Sich vor niemandem bücken &#8211; höchstens um ihm aufzuhelfen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="v-absatz-ohne-western"><i>Florian Grams, Ilka Hoffmann (Hrsg.): „Sich vor niemandem bücken &#8211; höchstens um ihm aufzuhelfen“. Zum Gedenken an Wolfgang Jantzen. Lehmanns Media, Berlin 2022, 136 S. für 14,95 €. ISBN 978-3-96543-332-8</i></p>
<p class="v-absatz-ohne-western">Im November 2020 starb Wolfgang Jantzen – Psychologe, Sonderschullehrer, Hochschullehrer. Mit seinen theoretischen und praktischen Überlegungen zur Inklusion hat er Generationen von Pädagog:innen geprägt. Die kulturhistorische Schule der sowjetischen Psychologen Vygotskij und Leontjew als Ausgangspunkt nehmend und daran ansetzend, hat er gemeinsam mit Georg Feuser eine „<i>materialistische Behindertenpädagogik</i>“ entwickelt, eine Pädagogik im starken Kontrast und Unterschied zu einer paternalistischen Fürsorgepädagogik, in der „Behinderung“ als Persönlichkeitsmerkmal unumstößlich festgeschrieben wird.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Für Jantzen verbargen sich hinter dem Begriff der „Behinderung“ Lebensumstände, die die Entwicklung des Einzelnen behinderten. Für ihn war daher das Ziel jeglicher Pädagogik, diese Umstände zu analysieren, behindernde Faktoren offenzulegen und für den Einzelnen neue Möglichkeiten und Räume zu schaffen und zu eröffnen, getreu seinem Empfinden für die Benachteiligten und Unterdrückten und als Motor und Kern seines wissenschaftlichen Arbeitens, „<i>alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.</i>“ (K. Marx) Gleichermaßen bezog er sich auch auf Herbert Marcuse, die humanitäre Haltung eines Menschen müsse zu seinem inneren Zustand werden.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Im vorliegenden Band erinnern sich in unterschiedlichen Beiträgen die jeweiligen Verfasser:innen an Wolfgang Jantzen und berichten, wie er ihr Denken und Arbeiten beeinflusst hat. Aus verschiedenen Perspektiven werden seine Person und Arbeit gewürdigt.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Mit der Veröffentlichung verknüpfen Florian Grams und Ilka Hoffmann auch die Hoffnung, dass die von Jantzen begonnenen Debatten weiterleben und sie zu einer wirklich inklusiven Pädagogik und zu engagiertem gesellschaftlichen Handeln ermuntern und ermutigen.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Da nach Jantzens Einschätzung die offizielle Sonderpädagogik „Behinderung“ nicht als ein Bündel die Entwicklung des Einzelnen behindernder Lebensumstände begriff, die es zu analysieren gelte, um behindernde Faktoren aufzudecken und neue Möglichkeitsräume zu eröffnen, löste er heftige Kontroversen aus, da sein Ansatz der „heil“pädagogischen Selbstdarstellung sowie der offiziellen Schulpolitik widersprach, die auf Segregation und Separation setzte.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Ausgangspunkt war bei Jantzen, wie bei so vielen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges geboren wurden, die Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Aus dieser Perspektive erschien ihm, so Vera Moser in ihrem Beitrag, „<i>Behinderung als das Brennglas gesellschaftlicher Ungerechtigkeitsverhältnisse, die die aktive Teilnahme an Gesellschaft nicht nur be- und verhinderte, sondern – wie im NS-Staat – bis hin zu staatlich organisierten Ermordungen führen können</i>“. Und sie lässt Jantzen selbst zu Wort kommen: „<i>Aus den Besitz-, Macht- und Herrschaftsverhältnissen der herrschenden Klasse bestimmt sich … die ´normale` Teilnahmefähigkeit am gesellschaftlichen Leben, je spezifiziert nach sozialer Lage und den Veränderungen in Produktion und Reproduktion … Behinderung als Störung des normalen Reproduktionszusammenhangs</i>“. Eine neue Perspektive für das Fach Sonderpädagogik, stellte sich das Fach doch bisher vor allem in die Tradition der christlich-karitativen Wohltat.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Mit seiner Definition von Behinderung konfrontiert Jantzen diese mit den historischen Entwicklungen des Konstrukts „Behinderung“ und der sich daran entlang entwickelnden Sonderpädagogik. Er deckt in seiner umfassenden Studie der sozialhistorischen Geschichte des Betreuungswesens für Behinderte die enge Verbindung von psychiatrischen und behindertenspezifischen Sondersystemen mit ihren ordnungspolitischen Funktionen auf und deren Wirkungen im Nationalsozialismus.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Unermüdlich brachte Wolfgang Jantzen sich in politische und fachspezifische Diskussionen ein, dabei von seinem umfänglichen Wissen in Soziologie, Psychologie, Philosophie und den Neurowissenschaften profitierend, getrieben von seinem unbedingten Willen zur Veränderung. Eine emanzipatorische Behindertenpädagogik hätte es ohne sein Wirken nicht gegeben. Er hat, wie es Joachim Kutscher in seinem Beitrag formuliert, „<i>die Pädagogik und Behindertenpädagogik vom Kopf auf die Füße gestellt</i>“ &#8211; über 35 von ihm verfasste Bücher und 500 Artikel legen davon Zeugnis ab.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Für eine menschliche Welt zu streiten, von dieser Haltung Jantzens berichtet Wolfram Grams über seine damalige Zeit als Schulleiter einer beruflichen Schule mit einem Bildungsgang für sogenannte geistig behinderte Schüler:innen: „<i>Wolfgang … fand mich tanzend und lachend mit einem Schüler, der wegen seines Speichelflusses nur den Direktor als Tanzpartner fand. (Wolfgang) umarmte mich mit den Worten „Sich vor niemandem bücken – höchstens um ihm aufzuhelfen.</i>““</p>
<p class="v-unterschrift-western" style="text-align: right;"><em>Dietmar Buchholz</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/239-240-vorgaenge/publikation/rezensionen-sich-vor-niemandem-buecken-hoechstens-um-ihm-aufzuhelfen/">Rezensionen &#8211; Sich vor niemandem bücken &#8211; höchstens um ihm aufzuhelfen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Zum Teufel mit den Barrieren!&#8220; &#8211; Filme gegen Aussonderung und Diskriminierung: Ein Interview mit Jürgen J. Köster</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/237-238-vorgaenge/publikation/zum-teufel-mit-den-barrieren-filme-gegen-aussonderung-und-diskriminierung-ein-interview-mit-juergen-j-koester/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Apr 2023 10:21:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensweisen / Pluralismus]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Inklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.humanistische-union.de/?post_type=publikation&#038;p=18540</guid>

					<description><![CDATA[<p>Jürgen J. Köster ist Filmemacher und Dozent für Behindertenpädagogik. Von ihm stammen u.a. der Spielfilm „Schmitzkes Fehler“ (1999), der Episodenfilm „Tanz mit dem Einhorn“ (2010) oder „Mae goes away“ (2018) sowie eine Vielzahl von Dokumentar- und Kurzfilmen. Seine Filme behandeln meist die Lebenssituation behinderter Menschen, wobei Köster ein inklusives Filmschaffen verfolgt. So auch in seinem [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/237-238-vorgaenge/publikation/zum-teufel-mit-den-barrieren-filme-gegen-aussonderung-und-diskriminierung-ein-interview-mit-juergen-j-koester/">&#8222;Zum Teufel mit den Barrieren!&#8220; &#8211; Filme gegen Aussonderung und Diskriminierung: Ein Interview mit Jürgen J. Köster</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="v-teaser-western"><em>Jürgen J. Köster ist Filmemacher und Dozent für Behindertenpädagogik. Von ihm stammen u.a. der Spielfilm „Schmitzkes Fehler“ (1999), der Episodenfilm „Tanz mit dem Einhorn“ (2010) oder „Mae goes away“ (2018) sowie eine Vielzahl von Dokumentar- und Kurzfilmen. Seine Filme behandeln meist die Lebenssituation behinderter Menschen, wobei Köster ein inklusives Filmschaffen verfolgt. So auch in seinem neuesten Dokumentarfilm „Zum Teufel mit den Barrieren!“ (gemeinsam mit Elizabeth Dinh, compagnons cooperative inklusiver film), in dem Menschen mit verschiedensten Behinderungen über die Barrieren sprechen, die ihnen im Alltag ein selbstbestimmtes Leben verwehren. Über die alltäglichen Diskriminierungserfahrungen Behinderter sprach Wolfram Grams mit dem Filmemacher.</em></p>
<p class="v-absatz-ohne-kursiv-western"><em>Herr Köster, ich hatte die Gelegenheit, Ihren jüngsten Film zu sehen. Er trägt den parteinehmenden Titel „Zum Teufel mit den Barrieren“ und ist gerade angelaufen. In diesem Film lassen Sie Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen zu Worte kommen. Sie thematisieren die Barrieren, die ihr Leben erschweren. Dabei wird auf eindrückliche Weise deutlich, dass es Barrieren sind, die diskriminieren. Was bewog Sie, diesen Film zu drehen?</em></p>
<p><em>Der Film <span lang="de-DE">„Zum Teufel mit den Barrieren“ ist über den YouTube-Kanal des Arbeitskreis Bremer Protest abrufbar unter: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=D4yKszw0QlA." rel="nofollow noopener">https://www.youtube.com/watch?v=D4yKszw0QlA.</a></span></em></p>
<div id="sdendnote2">
<p><em>Leider steht dieser Artikel nur in der Kaufversion der Zeitschrift vorgänge zur Verfügung. Sie können das Heft <a href="https://www.humanistische-union.de/service/shop/vorgaenge/">hier im Online-Shop</a> der Humanistischen Union erwerben: die Druckausgabe für 28.- € zzgl. Versand, die PDF-/Online-Version für 10.- €.</em></p>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/237-238-vorgaenge/publikation/zum-teufel-mit-den-barrieren-filme-gegen-aussonderung-und-diskriminierung-ein-interview-mit-juergen-j-koester/">&#8222;Zum Teufel mit den Barrieren!&#8220; &#8211; Filme gegen Aussonderung und Diskriminierung: Ein Interview mit Jürgen J. Köster</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Verdrängte Wahrheiten</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/237-238-vorgaenge/publikation/verdraengte-wahrheiten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[humanistischeunion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Apr 2023 10:03:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lebensweisen / Pluralismus]]></category>
		<category><![CDATA[Ableismus]]></category>
		<category><![CDATA[Antidiskriminierungsrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Behindertenrechtskonvention]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierungsschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Inklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Teilhabe]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.humanistische-union.de/?post_type=publikation&#038;p=18523</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ungeachtet aller nationalen wie internationalen Rechtsansprüche auf eine gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben, zu Nicht-Diskriminierung und Inklusion, ist die Lebenssituation Behinderter in weiten Teilen nach wie vor prekär. Wie es um die reale Wahrnehmung, die Akzeptanz und Teilhabe von behinderten Menschen hierzulande bestellt ist, skizziert der folgende Beitrag von Udo Sierck, einem führenden Vertreter der [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/237-238-vorgaenge/publikation/verdraengte-wahrheiten/">Verdrängte Wahrheiten</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="v-teaser-western"><em>Ungeachtet aller nationalen wie internationalen Rechtsansprüche auf eine gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben, zu Nicht-Diskriminierung und Inklusion, ist die Lebenssituation Behinderter in weiten Teilen nach wie vor prekär. Wie es um die reale Wahrnehmung, die Akzeptanz und Teilhabe von behinderten Menschen hierzulande bestellt ist, skizziert der folgende Beitrag von Udo Sierck, einem führenden Vertreter der emanzipatorischen Behindertenbewegung Deutschlands.</em></p>
<p class="v-absatz-ohne-western">Im Jahr 2009 hat Deutschland die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen ratifiziert. Festgeschrieben ist damit die uneingeschränkte Teilhabe behinderter Menschen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Seither ist viel von Inklusion die Rede. Manche sehen für behinderte Menschen schon das Paradies zum Greifen nahe. Dabei ist es viel mehr so: Die jahrelangen Bemühungen um Integration sind gescheitert, deshalb kommt das Versuchsfeld mit dem Ansatz der Inklusion wie gerufen.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Ohne Zweifel ist es ein Fortschritt, dass die Forderung behinderter Menschen auf Teilhabe zum Menschenrecht erhoben wurde. Aber die &#8218;Allgemeine Erklärung der Menschenrechte&#8216; hat immerhin seit 1948 Geltung. Entweder – so wäre daraus zu folgern &#8211; ist diese Erklärung für behinderte Menschen bedeutungslos, so dass eine Sonderkonvention her musste. Oder aber das verbreitete Bewusstsein hat Personen mit Behinderung bis heute nicht als vollwertige und gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft akzeptiert. Vieles spricht für diese Behauptung. Zur Veränderung von Bewusstseinslagen sind Konventionen und Gesetze wenig geeignet. Sie sind hilfreiches Instrument für juristische oder parlamentarische Auseinandersetzungen. Der Alltag verlangt mehr.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">In den letzten vier Jahrzehnten kam in die deutsche Behindertenpolitik Bewegung. Die Rede ist von Rechten statt Fürsorge, von Inklusion statt Aussonderung, von Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung. Bei genauem Hinsehen erweisen sich aber die angeblichen Veränderungen als nicht stichhaltig, verschwindet die reale Situation hinter verbaler Verharmlosung: Plötzlich handelt es sich nicht mehr um eine Heimeinweisung, sondern um das Wohnen im stationären Bereich. Die Krücke verwandelt sich in eine Gehhilfe. Aus dem Menschen mit einer geistigen Behinderung wird die Person mit besonderen Fähigkeiten. Der Gehörlose mutiert zum Experten für Gebärdensprache. Die Rollstuhlfahrerin entpuppt sich als Frau mit eigenen Mobilitätsvoraussetzungen. Komplizierte Persönlichkeiten haben spezielle Verhaltensqualitäten &#8230; Wem nützt die politisch korrekte Schönrederei? Die Treppen bleiben ein Hindernis, unübliche Kommunikation ist noch immer ein Grund zur Kontaktvermeidung und die Unterbringung in Institutionen bedeutet in der Regel nach wie vor, einen fremdbestimmten Alltag leben zu müssen.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Macht und Gewalt</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Es hat mehr als dreißig Jahre gedauert, bis die umfassende Aufarbeitung der Verbrechen an behinderten und kranken Menschen während des nationalsozialistischen Regimes begann und zumindest in interessierten Kreisen zur Kenntnis genommen wurde. Die Dokumentation von Erniedrigung und entwürdigenden Zuständen in Institutionen der Fürsorge von 1945 bis 1975 hat wiederum Jahrzehnte gebraucht und begann erst vor wenigen Jahren. So begrüßenswert diese Initiativen sind, sie intendieren einen Schlussstrich-Charakter, als seien spätestens mit der Ratifizierung der internationalen Behindertenrechtskonvention Menschenrechtsverletzungen ein Relikt der Vergangenheit. Allerdings hat der UN-Ausschuss, der die Umsetzung dieser Konvention prüft, Deutschland im Jahr 2016 wegen mangelnder Maßnahmen zum Schutz behinderter Menschen vor Gewalt gerügt. Diese Kritik ist ein Hinweis auf tabuisierte, verdrängte Realitäten in der Behindertenhilfe.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Die geschäftsführende Ärztin der Landesärztekammer Nordrhein, Susanne Schwalen, betonte anlässlich eines Symposiums zur häuslichen Gewalt, dass behinderte Kinder besonders gefährdet sind: „<i>Die Wahrscheinlichkeit, dass sie Gewalt erleben, ist für Kinder mit Behinderungen fast viermal so hoch wie für nicht behinderte Kinder. Die in der Betreuung involvierten Berufsgruppen müssen hier besonders sensibilisiert werden</i>“ (Ärztekammer 2018, 1). Als Grund für die Misshandlungen wird ein erhöhter Stresspegel der Eltern vermutet und der Umstand, dass behinderte Kinder weniger Chancen besitzen, sich außerfamiliär zu beschweren. Dieses Dilemma trifft auch Menschen mit Einschränkungen im Alter.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Die Beschäftigung mit dem Machtmissbrauch in Institutionen der Behindertenhilfe kommt nicht um die Erkenntnis herum, dass es sich bei „<i>der Ausübung und Nichtwahrnehmung oder Vertuschung psychischer, körperlicher oder sexueller Gewalt</i>“ in Schule, Werkstatt oder Wohneinrichtung keineswegs „<i>um bedauerliche und rein individuell zu erklärende Einzelfälle handelt</i>“. Die Erklärung findet sich neben gesellschaftlichen und institutionellen Bedingungen eben auch in den pädagogischen Machtansprüchen. In den Einrichtungen existiert eine „<i>legitimierte pädagogische Autoritätsmacht</i>“, die von den behinderten Menschen „<i>in der Regel auch fraglos als legitim anerkannt wird</i>“. Hinzu kommt, dass die Mitarbeitenden nicht nur als Repräsentanten der Institution über Macht verfügen, „<i>sondern auch in ihrer Rolle als professionelle Fachkräfte ein Zugriffs- bzw. Eingriffsprivileg auf sehr persönliche Bereiche</i>“ von behinderten Kindern und Erwachsenen besitzen, das teilweise alle Lebensbereiche umfasst (Glammeier 2018, 13f.). Für jene, die als Erwachsene in Werkstatt oder Heim landen, ist es üblicherweise nicht vorgesehen, dass sie die Einrichtung in Richtung Selbstbestimmung wieder verlassen. Das kennzeichnet den Unterschied zu den Institutionen Krankenhaus oder Gefängnis.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen sind häufig auf Hilfe und Pflege angewiesen. Die tägliche Erfahrung, dass andere ihren Körper versorgen und berühren, macht es schwer, ein eigenes Körper-und Schamgefühl zu entwickeln. Dieser Mangel macht sie angreifbar: Was ist notwendige Assistenz und was ist ein sexueller Übergriff – diese Einschätzung haben manche nicht erlernt. Und selbst wer sich bei den Berührungen des eigenen Körpers durch fremde Hände schämt, nimmt sie passiv als Alltagserfahrung hin. Täter und Täterinnen nutzen diese Situation aus.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Repräsentative Untersuchungen zu sexueller Gewalt gegen Mädchen und Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen (15- bis 65-Jährige) weisen darauf hin, dass diese zwei- bis dreimal häufiger sexuellem Missbrauch in Kindheit und Jugend ausgesetzt sind als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt (Kampagne 2018, o.S.). Die Studie der Universität Bielefeld zur Lebenssituation von behinderten Frauen kam zu dem Ergebnis, dass in Heimen fast ein Drittel der dort wohnenden Frauen von sexuellen Übergriffen betroffen waren. Jede vierte Frau mit einer sogenannten geistigen Behinderung in Einrichtungen gab an, sexuellen Missbrauch erlebt zu haben. Die Verfasserinnen der Studie gehen davon aus, dass „<i>hier ein erhebliches Dunkelfeld besteht, da viele dieser Frauen sich nicht erinnern konnten</i>“ und weil „<i>gerade Frauen mit sehr schweren geistigen Behinderungen und stark eingeschränkter Artikulationsfähigkeit</i>“ in „<i>besonderem Maße gefährdet sind</i>“ (Lebenssituation 2012, 2).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Selbstverständlich ist die fremdbestimmte Unterbringung in einer Wohneinrichtung eine Variante subtiler Gewaltausübung; auch dann, wenn sie mit noblen Vorsätzen erfolgt. Denn während sich kaum jemand vorstellen mag, in eine Wohngruppe ziehen zu müssen, deren Mitglieder eher als unangenehme Zeitgenossen empfunden werden, gilt dieser verordnete Akt bei behinderten Menschen bereits als inklusives Modell. Und wenn engagierte Sozialarbeiter mit behinderten Bewohnern in die dörfliche Idylle ziehen und das Projekt scheitert, weil die Klienten keine Lust auf Natur inklusive Stall-Ausmisten haben, dann ist das nur ein Musterbeispiel für fremdbestimmtes Handeln mit gutem Gewissen, gepaart mit der Verfolgung eigener Wünsche und Ideale. Eine Heimbewohnerin formuliert in der Corona-Krise die Kombination aus Fürsorge, Machtausübung und subtiler Gewalt treffend: Das Schlimmste „<i>ist nicht die Einsamkeit. Es ist nicht das Verbot, mit dem Rollstuhl in den Garten zu fahren, wo die Frühlingssonne scheint. Es ist nicht die Stille und nicht die Menschenleere auf den Fluren und schon gar nicht die Angst vor dieser vermaledeiten Seuche. Es ist die Tatsache, dass niemand sie gefragt hat</i>“ (Grimm 2020, 2).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Das Wegblicken an dieser Stelle hat zur Folge, dass vielfach nicht einmal die Grundsätze der Menschenrechte garantiert werden: Jeder fünfte Heimbewohner erlebt ohne rechtliche Grundlage Beschränkungen seiner Freiheit durch verschlossene Türen, Bettgitter oder Fixierungen. Und immerhin zwanzig Prozent der Insassen bekommen ungenügend zu essen und zu trinken, weil sie dabei auf Assistenz angewiesen sind (Szent-Ivanyi 2012). Grundsätzlich hat sich an diesen Fakten bis heute wenig verändert.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Tatsache ist aber auch, dass die aktuelle Struktur der Behindertenhilfe mit dem Ideal der Inklusion nicht kompatibel ist. Denn die „<i>gewachsenen und differenzierten Systeme der sozialen Sicherung sind von ihrer Anlage her nicht auf Inklusion, sondern auf immer wieder neu zu prüfende Bescheide und Exklusionen ausgerichtet. Klassifikation, Segregation, Gewährung oder (möglichst) Ausschluss von Leistungen sind die grundlegenden Prinzipien, die Verweisung an die Zuständigkeit anderer Leistungsträger ihre alltägliche Praxis, nur schwer zu durchschauende Grade von ‚Schwerbehinderung&#8216; ihre Ausdrucksform</i>“ (Clausen 2013, o.S.). Behinderte Kinder, Frauen und Männer werden bürokratisch exkludiert. Die Macht liegt bei den Institutionen – und jenen, die dort arbeiten. Der Blick auf Behinderung als individuelles Schicksal ist gekoppelt mit der Unterstellung oder der Realität der Abhängigkeit von versorgenden Leistungen. Um diese zu erlangen, muss sich die Person mit einer Beeinträchtigung unterordnen. Das Versorgungssystem entfaltet dabei die Funktion der Kontrolle und Disziplinierung, die bestehenden Ohnmachtsverhältnisse bleiben bestehen (vgl. Waldschmidt 2009, 131).</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Der klinische Blick auf Behinderung</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Es gibt keinen Blick ohne Aussage. Distanzlose Blicke werden auch als sanfte Gewalt bezeichnet, um zu verdeutlichen, dass es sich hier nicht um körperliche Attacken oder Drangsalierungen handelt, gleichwohl aber um Blicke, die herabwürdigen und beschämen. Alle, die einen Behindertenausweis oder Pflegegeld bei der Krankenkasse beantragen, kennen die unausweichliche Situation: Amtsarzt oder Gutachter vom Medizinischen Dienst schauen zu, welche Fähigkeiten in den Beobachteten noch stecken. Bei der Demonstration, was nicht geht oder doch funktioniert, betrachtet zu werden, ist peinlich und verletzend. Wer sich dem verweigert, gilt formal bürokratisch als Mensch ohne Einschränkung und bekommt ohne den ‚Behindertenstatus‘ keine sozialen Leistungen.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Blicke sind Machtmittel, „<i>die Rahmen und Räume brauchen, Strukturen, in denen sie sich entfalten können. Dem erkennenden Blick des Arztes bietet die ‚Klinik‘ den passenden Rahmen: Sie versammelt das ‚Patientengut‘, trennt es vom Alltag ab, schafft isolierende Bedingungen und stellt so das Labor bereit, in dem der mikroskopische Blick seine volle Wirksamkeit entfalten kann. Wissensanhäufung, Erkenntnisgewinn ist allerdings nur ein Aspekt von Sichtbarkeit, gleichzeitig geht es immer auch um eine zweite Dimension, um die Überwachung: Der Blick, der wissen und erkennen will, verbündet sich mit dem Blick, der kontrollieren und disziplinieren will.</i>“ Der Körper wird dann zu einem relevanten Objekt, wenn der ‚klinische Blick‘ „<i>ins Spiel kommt. Ausgehend von bestimmten Erkenntnisinteressen wird er abtaxiert, abgetastet, durchleuchtet, geprüft und vermessen, kurz: er wird zur Zielscheibe disziplinärer, kontrollierender und regulierender Machtpraktiken</i>“ (Waldschmidt 2006, 7).</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Menschen&shy;bilder und Denkmuster</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Nach einer von der Heinrich-Böll-Stiftung und der Otto-Brenner-Stiftung der IG Metall unterstützten Studie finden nur 47 Prozent der befragten Deutschen, dass die Freiheitsrechte gleichermaßen für alle gesellschaftlichen Gruppen Gültigkeit besitzen sollen. Die eigenen „<i>Freiheitsrechte werden gerne beansprucht, bei den Rechten von Menschen, die man als Angehörige einer anderen Gruppe wahrnimmt, hört die Akzeptanz dieser Freiheit</i>“ aber auf (Decker/Brähler 2018, 99f.). Die Untersuchung fand im Sommer 2018 statt. Sie fragte auch nach sozialdarwinistischen Einstellungen und Denkmustern. Demnach lehnten nur 45 Prozent der 2.500 repräsentativ Befragten die Vorgabe „<i>Wie in der Natur sollte sich in der Gesellschaft immer der Stärkere durchsetzen</i>“ völlig ab, nur 61 Prozent fanden die Aussage „<i>Es gibt wertvolles und unwertes Leben</i>“ grundlegend falsch (ebd., 73f.). Ausdruck dieser Denkstrukturen fand sich in einer kleinen Anfrage der AfD im Bundestag: Die Fraktion hatte im Frühjahr 2018 von der Regierung wissen wollen, wie sich die Zahl der Schwerbehinderten in Deutschland entwickelt habe, und zwar speziell auch „<i>durch Heirat innerhalb der Familie</i>“, und wie viele dieser Fälle einen Migrationshintergrund hätten. Die Bundesregierung antwortete, dass mehr als 94 Prozent der Schwerbehinderten Deutsche seien. Die Anfrage verknüpfte Ressentiments gegen geflüchtete sowie behinderte Menschen unausgesprochen mit der Ideologie von Inzucht, Vererbung und als selbstverschuldeter – also überflüssiger – Kostenfaktor. Die Assoziationen decken sich mit den Ergebnissen der Langzeitstudie ‚Deutsche Zustände‘ der Universität Bielefeld. Nach dieser im Jahr 2012 publizierten Untersuchung stimmten fast ein Drittel der befragten Deutschen tendenziell der Aussage zu, dass die Gesellschaft sich Menschen, die wenig nützlich sind, nicht mehr leisten kann. Gleichzeitig waren fast acht Prozent der Überzeugung, für „<i>Behinderte wird in Deutschland zu viel Aufwand betrieben</i>“ und über elf Prozent der Interviewten fanden viele Forderungen der Behinderten überzogen (Heitmeyer 2012, 21ff.). Diese Zahlen waren mit dem Beginn der Inklusionsdebatte gestiegen. Ganz offensichtlich geht die Furcht vor dem eigenen sozialen Abstieg mit der Meinung einher, die ‚sozial Schwachen’ sollten endlich ihr Leben selbst in die Hand nehmen.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Den Negativtrend in der Wahrnehmung von Behinderung belegt auch eine repräsentative Studie der Universität Greifswald, die im Frühjahr 2014 vorgestellt wurde. Demnach nimmt – trotz aller Aufklärungskampagnen – die Stigmatisierung von Menschen mit einer Schizophrenie eher zu als ab. Die Forschenden hatten dazu Vergleichsstudien aus den letzten zwanzig Jahren ausgewertet. Das Ergebnis: Weniger Mitleid, weniger Hilfsbereitschaft, dafür der Wunsch nach sozialer Distanz. So lehnten es 1990 etwa 20 Prozent der Befragten ab, mit einem daran erkrankten Kollegen zusammen zu arbeiten; 2011 konnten sich das schon 31 Prozent nicht mehr vorstellen. Und im Freundeskreis sollte ein Erkrankter erst recht nicht auftauchen, über die Hälfte der Befragten wollte das nicht (vor 20 Jahren lag die Ablehnungsquote noch bei 39 Prozent). Insgesamt hat sich die Haltung der Menschen gegenüber der Schizophrenie zum Negativen geändert, immer mehr meiden Schizophrenie-Kranke.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Die Ursache für diese Entwicklung liegt einerseits in der Biologisierung psychischer Erkrankungen: Sie werden mehr und mehr wahrgenommen als undefinierbarer Hirndefekt, dem etwas Unheimliches anhaftet. Gleichzeitig geraten die Erklärungen, die gravierende Einschnitte in einer Lebensphase und Traumata für das Leiden verantwortlich sehen, in den Hintergrund. Andererseits „<i>müssen wir zugleich den gesamtgesellschaftlichen Rahmen bedenken. Nach einer Phase der Liberalisierung und wachsender Toleranz gegenüber andersartigen Menschen und abweichendem sozialen Verhalten in den 1970er Jahren kam es seit den 1980er Jahren zu einer Restauration und zu zunehmender Intoleranz, von manchen als ‚geistig-moralische Wende‘ bezeichnet</i>“ (Finzen 2014, 46). Große Aufklärungskampagnen bewirken offenbar wenig, solange das direkte Gegenüber fehlt. Wortführer der Intoleranz bekommen Oberwasser – sie sagen jetzt, was sie denken. So verkündete der saarländische AfD-Fraktionsvorsitzende, dass man in Krankenhäusern Patienten mit ansteckenden und mit nicht-ansteckenden Krankheiten in unterschiedliche Abteilungen stecke – aber „<i>in deutschen Schulen säßen Kinder mit Down-Syndrom</i>“ (Vates 2018).</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Behinderung als St&ouml;rung der Ordnung</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Tatsächlich verweisen die behinderten Menschen auf eine andere Welt, „<i>nämlich auf all die unbewusst gemachten Dynamiken der Macht, die den Wert des Menschen in unserer Gesellschaft bestimmen. Sie verweisen auf die Tatsache, dass jeder Mensch andere Menschen braucht und dass keineswegs das Schicksal alleine vom eigenen Leistungswillen abhängt. Sie stellen den Mythos der Unabhängigkeit und Selbstkontrolle in Frage. Indem die Gesellschaft jedoch die behinderten Menschen ausgrenzt und für ihr Anderssein bestraft, versucht sie ihre Normen zu verfestigen und zu bestätigen. Auf der individuellen Ebene werden dann in der Abwehr der Behinderten, im Unsichtbar machen oder Ungeschehen machen die eigenen Ängste und Wünsche abgewehrt. Man bestätigt sich selbst</i>“ (Rommelspacher 2011, 4).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Eine damit einhergehende Erklärung für abwertende Denkmuster benennt die Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Magdlener: Behinderung „<i>wird in unserer nach Norm strebenden Gesellschaft als Tragödie gefasst; die Tragödie der Behinderung, die nicht sein darf und die es durch medizinische, physiotherapeutische u.a. Maßnahmen möglichst zu überwinden gilt. Diese Tragödie haftet dem Individuum als Makel an. Behinderung wird in unserem gesellschaftlichen Normensystem noch immer als nicht wünschenswert angesehen, anstatt sie als vielfältige Variante menschlicher Lebensrealität, losgelöst von negativen Bewertungen, anzunehmen</i>“ (Magdlener 2018, o.S.).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Menschen werden in Rastern wahrgenommen: Frauen und Männer, Schwarze und Weiße, Behinderte und Nichtbehinderte, Normale und Unnormale. Das bedeutet, so Erving Goffman in seinem Buch ‚<em>Stigma‘, </em><em>dass nicht Personen betrachtet werden</em>, sondern mit Denkmustern verbundene Äußerlichkeiten. Der „<i>Normale und der Stigmatisierte sind nicht Personen, sondern eher Perspektiven</i>“ (Goffman 2014,170). Diese Beobachtung ist noch immer relevant. Denn trotz „<i>aller Erfolge um Inklusion, Anerkennung und Partizipation, die zumindest in der westlichen Welt für einen Großteil behinderter Menschen in den letzten Jahren erzielt wurde, im Wesentlichen gilt immer noch: Behindert zu sein bedeutet, gleichsam auf der ‘anderen’ Seite verortet zu werden, einen Platz zu erhalten nicht im Reich der Vernunft, Kultur und Normalität, sondern in dem der Unvernunft, Natur und des Pathologischen.</i>“ Der Gegensatz „<i>wird immer wieder hergestellt – allerdings immer wieder auf eine neue Weise</i>“ (Waldschmidt 2007, 26). In der Gesellschaft existiert unausgesprochen ein „<i>Zwang zur Nicht-Behinderung</i>“, den „<i>alle Menschen (behindert oder nicht) zu erfüllen</i>“ haben. Er „<i>kann nur existieren, weil es den Gegensatz von Behinderung und </i><em><i>Nicht-Behinderung </i></em><i>gibt. Erst dadurch, dass Menschen als behinderte Menschen bezeichnet werden, kann sich der Rest als nicht-behindert und ‚</i><em><i>normal‘ </i></em><i>verstehen.</i>“ Dieser Effekt trifft viele Gruppen: Homosexuelle, Geflüchtete oder Sinti und Roma. Alle Überlegungen zur „<i>Integration des ‚Anderen‘ gehen davon aus, dass all diese genannten Personengruppen ‚die Anderen‘ sind und machen die Personen somit ‚zum Anderen‘. Damit einher geht es in besonderem Maße um Machtfragen und normative Ordnungsmuster, welche die gesellschaftliche Ordnung und ihre Ein- und Ausschlüsse</i>“ legitimieren (Magdlener 2018, o.S.).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Denn die Gegensätze in der Bewertung von Menschen sind bekannt: Willkürlich gesetzte Maßstäbe von Schönheit siegen über Hässlichkeit, Jugend schlägt Alter und intellektuelle Fähigkeiten stehen über Lernschwierigkeiten. Aus dieser Erkenntnis heraus folgt das Fazit, dass bei einer stillschweigenden gesellschaftlichen Übereinkunft für die angeblich berechtigte Dominanz der Kriterien diese zu Ausgrenzung führen müssen. Anders formuliert: Wenn die Inklusion gelingen soll, müssen diese Vorstellungen nachhaltig korrigiert werden. Danach sieht es nicht aus. Im Gegenteil scheint die Zurichtung, die Versuche der Optimierung der Körper grenzenlos.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Selektion zum Famili&shy;en&shy;g&shy;l&uuml;ck</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">Am 5. November 1976 erschien in der Tageszeitung ‚Die Welt’ unter der Überschrift „<i>Genetische Beratungsstellen können Leid verhindern</i>“ ein Loblied auf die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik. Das Fazit des Artikels fiel eindeutig aus: „<i>Gar nicht hoch genug einzuschätzen wäre der soziale und menschliche Gewinn. Wenn durch geeignete genetische Beratung die Geburt eines einzigen mongoloiden Kindes verhindert werden kann, wird Unglück von einer Familie abgewendet.</i>“ (Deich 1976) Der Zeitungsartikel dokumentiert, dass es wieder an der Zeit war, die Selektion vom behinderten Nachwuchs öffentlich als Wohltat zu deklarieren.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Die emanzipatorische Behindertenbewegung verlangte in der Auseinandersetzung mit den bedrohlichen Perspektiven der humangenetischen Praktiken in den 1980er Jahren die Schließung aller genetischen Beratungsstellen als eine moderne Variante der Selektion vom Nachwuchs mit bestimmten Besonderheiten. Eine der Begründungen: Zukünftig werden behinderte Menschen zusätzlich das Stigma tragen, nicht rechtzeitig erkannt worden zu sein. Aus gegenwärtiger Sicht ist die Prophezeiung wahr geworden, berichten doch immer häufiger Mütter mit einem behinderten Kind von der irritierten Frage von Nachbarn oder Verwandten, ob ‚das&#8216; denn heute noch sein muss. Die Humangenetiker dagegen können zufrieden sein und sich verbale Behindertenfreundlichkeit leisten. Denn die Perspektive aus dem Paradigmenwechsel gegen Ende der fünfziger Jahre hat sich weitgehend erfüllt, die ‚Eugenik von unten’ statt staatlicher Zwangsmaßnahmen ist im Alltag angekommen: „<i>Stell Dir vor, es ist Inklusion und niemand ist mehr da!</i>“ – dieser Satz ist mit Blick auf die ‚Eugenik von unten’ so unsinnig nicht: Immerhin neun von zehn Frauen entscheiden sich inzwischen bei der Diagnose ‚Trisomie 21’ nach einer Beratung zum Schwangerschaftsabbruch. Das, obwohl die Kinder mit der ‚Trisomie 21‘ so etwas wie das fröhliche Gesicht der Inklusions-Anzeigen sind. Ehrlich gesagt heißt das: Wir wollen Inklusion, aber keine behinderten Menschen.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Stimmen aus der Behindertenbewegung melden Zweifel an der Behauptung an, dass es in diesen Zusammenhängen eine objektive Beratung geben könne. Dagegen spricht allein schon die Erfahrung, regelmäßig mit abwertenden Reaktionen und Ansichten konfrontiert zu werden – trotz aller Ansätze, die Theorie und Praxis von Normalisierung und Integration versprachen.</p>
<h3 class="v-zwischen&uuml;berschrift-2-western ">Der andere Blick auf Behinderung</h3>
<p class="v-absatz-ohne-western">„<i>Wenn Blicke töten könnten …</i>“ sagt der Volksmund und meint damit, dass jemand sein Gegenüber wütend oder verächtlich anschaut. Das Angesehen-Werden hat individuell und für die Einordnung von Menschen in vorbestimmte Gruppen eine große Bedeutung. Der erste Blick auf ein Gegenüber ruft Bilder und Einschätzungen ab, die mit verborgenen, oft zementierten Kriterien verbunden sind. Nach der US-amerikanischen Autorin der <i>Disability Studies</i>, Rosemarie Garland-Thomson, lassen sich vier Formen der Wahrnehmung behinderter Menschen beschreiben. Demnach gibt es den verwunderten, den sentimentalen, den exotischen und den positiv beschriebenen realistischen Blick. Jede Form des Schauens kennzeichnet zugleich Distanz und Nähe zwischen Betrachter und Angeschauten. Und sie alle entlarven die fest gefügten Muster der Wahrnehmung. Entsprechend schwankt die mediale Darstellung behinderter Frauen und Männer noch immer zwischen Tragödie und Superheld.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Jahr für Jahr strömen unzählige Besucher in den Pariser Louvre, um die Schönheit der Venus von Milo zu bewundern. Der Literaturwissenschaftler Lennard Davis beschrieb die Statue realistisch: „<i>Sie hat keine Arme und keine Hände, wenn auch der Stumpf ihres rechten Oberarms bis zu ihrer Brust geht. Ihr linker Fuß wurde durchtrennt und ihr Gesicht ist voller Narben, die Nasenspitze ist verletzt und an der Unterlippe fehlt ein Stück. Glücklicherweise wurden die Gesichtsverstümmelungen behandelt und sind kaum noch sichtbar. Nur noch einige kleinere Narben fallen bei näherem Hinsehen auf. Der große Zeh ihres rechten Fußes ist abgeschnitten und ihr Torso ist mit Narben bedeckt. Zwischen ihren Schulterblättern gibt es eine besonders große Narbe, eine andere bedeckt ihre Schulter und eine dritte findet sich auf der Spitze ihrer Brust, bei der die linke Brustwarze herausgerissen ist</i>“ (Davis zit, nach Waldschmidt 2006, 1). Weil die Venus als Inbegriff weiblicher Schönheit gilt, sehen die Besucher eine Schönheit und keine Venus, die verletzt, verstümmelt oder körperbehindert ist. Für das vorgezeichnete Bild werden unbewusst Ersatzteile zur Perfektion in den Blick genommen, damit Vorstellung und Realität sich fügen. Bei realen behinderten Personen funktioniert das nicht, weil niemand lernt, dass Behinderung schön ist.</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Seit der Antike sind die Versuche bekannt, den (politischen) Gegner der Lächerlichkeit preiszugeben, indem er überzeichnet abgebildet wird. Dabei fließen in unterschiedlichen Epochen das Komische, Lächerliche, Hässliche und Behinderung immer wieder ineinander. Die „<i>Karikatur orientiert sich an moralischen und körperlichen Auffälligkeiten, wobei körperliche Missbildungen und auffällige Proportionen übertrieben dargestellt werden</i>“ (Gottwald 2013, 118). Spätestens im 18.Jahrhundert tat sich eine neue Variante der Karikatur auf: Krüppel, Gichtkranke oder Bucklige galten auch ohne Überzeichnung ihrer Besonderheit als Karikatur, nämlich als leibhaftige Karikatur der Natur. Physische und psychische Auffälligkeiten wurden fortan mit Wertmaßstäben von Ästhetik und Moral vermengt. Behinderung wird mit Attributen wie Ekel und Abscheu verbunden, hässlich und lächerlich fügen sich in der Wahrnehmung zusammen. Dieser Zusammenhang von Hässlichkeit und Behinderung hat bis in die 1980er Jahre Geltung, die „<i>Verbrüderung von Schönheit und Moral</i><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Gentium Book Basic;"><span style="font-size: small;"><span lang="de-DE"><i>“</i></span></span></span></span> ist noch heute aktuell (ebd., 130). Eine behinderte Person beschreibt die verletzende Wirkung mit den folgenden Worten: „<i>Mich unterschätzen sie viel, die Leute, durch mein Aussehen und so. So: Da, Tschopperl</i>“. Das bedeutet so viel wie armes, kleines Dummerchen. „<i>Da unterschätzt man mich jetzt, jetzt passiert’s mir auch, teils. Aber, ja, viel unterschätzt. Und ja, und Gott sei Dank hab ich das trotzdem durchgesessen. Aber Unterschätzung und Nicht-Schätzen der Behinderten, das tut schon weh, wenn man das mitkriegt. Ich hab so viel, bin so viel unterdrückt worden</i>“ (Kremsner 2017, 176).</p>
<p class="v-absatz-einzug-western">Als integriert gilt, wer sich so verhalten kann, wie es vorgezeichnet und erwartet wird. Damit übt der unreflektierte Integrationswille mit seinen Werten und Normen der Leistung, des Verhaltens oder des Aussehens einen enormen Anpassungsdruck aus. Sich dem zu beugen, setzt für behinderte Menschen die Verleugnung von Teilen ihrer Identität voraus. Das hat mit gleichberechtigten Möglichkeiten und selbstbewussten Handeln nichts zu tun. Dagegen steht die umfassende Definition von Selbstbestimmung, die ursprünglich aus der us-amerikanischen Independent-Living-Bewegung kommt: „<i>Selbstbestimmt Leben heißt, Kontrolle über das eigene Leben zu haben, auf der Grundlage von Wahlmöglichkeiten zwischen akzeptablen Alternativen, die die Abhängigkeit von den Entscheidungen Anderer im Alltag minimieren. Das schließt das Recht ein, seine eigenen Angelegenheiten selbst regeln zu können, an dem öffentlichen Leben der Kommune teilzuhaben, verschiedene soziale Rollen wahrnehmen und Entscheidungen fällen zu können, ohne dadurch in die psychologische oder körperliche Abhängigkeit Anderer zu geraten. Unabhängigkeit ist ein relatives Konzept, das jeder persönlich für sich selbst bestimmen muss</i>“ (Frehe 2008, 9). Bis zum Erreichen dieses Zieles ist es allerdings noch ein weiter Weg.</p>
<p class="v-autoreninfo-western"><strong class="western">Udo Sierck</strong> Jg. 1956, Dipl.-Bibliothekar, seit Ende der 1970er Jahre ein Protagonist der emanzipatorisch-politischen Behindertenbewegung, Dozent an der Ev. Hochschule Darmstadt und der Kath. Hochschule Münster; Autor zahlreicher Bücher, aktuelle Publikation: Bösewicht – Sorgenkind – Alltagsheld. 120 Jahre Behindertenbilder in der Kinder- und Jugendliteratur (2021).<i> </i><span style="color: #000080;"><span lang="zxx"><span style="color: #000000;"><i>www.</i></span></span></span><span style="color: #000080;"><span lang="zxx"><span style="color: #000000;"><i>u</i></span></span></span><span style="color: #000080;"><span lang="zxx"><span style="color: #000000;"><i>do</i></span></span></span><span style="color: #000080;"><span lang="zxx"><span style="color: #000000;"><i>s</i></span></span></span><span style="color: #000080;"><span lang="zxx"><span style="color: #000000;"><i>ierck.com</i></span></span></span><i> </i></p>
<p class="v-zwischenüberschrift-2-western">Literatur</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Ärztekammer Nordrhein (2018): Häusliche Gewalt und Kindeswohl: Mehr Rechtssicherheit für behandelnde Ärzte. Pressemitteilung vom 16. November 2018.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Clausen, Jens (2013): Inklusion &#8211; einfach machen (?!?), Vortrag in Gotha am 14. März 2013.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Decker, Oliver/Brähler, Elmar (Hg.)(2018): Flucht ins Autoritäre. Rechtsextreme Dynamiken in der Mitte der Gesellschaft, Gießen 2018.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Deich,Friedrich (1976): Genetische Beratungsstellen können Leid verhindern. In: Die Welt v. 05.11.1976.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Finzen, Asmus (2014): Nehmen Vorurteile zu? In: Dr.med. Mabuse – Zeitschrift für alle Gesundheitsberufe, Nr. 207, Januar/Februar 2014.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Frehe, Horst (2008): Was helfen bedeutet – eine kritische Auseinandersetzung mit der Helferrolle. Vortrag, Zentrum für Disability Studies, Universität Hamburg.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Glammeier, Sandra (2018): Machtmissbrauch in Institutionen für Kinder und Erwachsene mit Behinderungen. In: Gemeinsam leben. Zeitschrift für Inklusion, Nr. 1/2018.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Goffman, Erving (2014): <em>Stigma – Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität, 22. Aufl., Frankfurt a.M.</em></p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Gottwald, Claudia (2013): Behinderung in der Karikatur. Zum Verhältnis von Hässlichkeit, Komik und Behinderung in der Geschichte der Karikatur. In: Ochsner, Beate/Grebe, Anna (Hg.), Andere Bilder, Bielefeld.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Grimm, Imre (2020): Kein Besuch, kein Garten, keine Sonne. In: Frankfurter Rundschau vom 27. April 2020.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Heitmeyer, Wilhelm (Hg.)(2012): Deutsche Zustände. Folge 10, Berlin.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Kampagne ‚Kein Raum für Missbrauch‘ (2018). Flyer, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Berlin.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Kremsner, Gertraud (2017): Vom Einschluss der Ausgeschlossenen zum Ausschluss der Eingeschlossenen. Biographische Erfahrungen von so genannten Menschen mit Lernschwierigkeiten, Bad Heilbronn.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland (2012): Eine repräsentative Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Kurzfassung der Ergebnisse, Bielefeld.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Magdlener, Elisabeth (2018): Über Körper, kulturelle Normierung und die Anforderung einer „Kultur für alle“ im Kontext von Dis_ability. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #09, <a href="https://www.p-art-icipate.net/ueber-koerper-kulturelle-normierung-und-die-anforderung-einer-kultur-fuer-alle-im-kontext-von-dis_ability" rel="nofollow noopener">https://www.p-art-icipate.net/ueber-koerper-kulturelle-normierung-und-die-anforderung-einer-kultur-fuer-alle-im-kontext-von-dis_ability</a> (Abruf: 22.09.2018)</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Rommelspacher, Birgit (2011): Zwischen Irritation, Fürsorge und Aggression. Zum Umgang mit behinderten Menschen. Vortrag, Zentrum für Disability Studies, Universität Hamburg.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Szent-Ivanyi, Timot (2012): Unterernährt, wundgelegen, festgeschnallt. In: Frankfurter Rundschau v. 25.04.2012.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Vates, Daniela (2018): <span style="color: #000000;"><span style="font-family: Gentium Book Basic;"><span style="font-size: small;"><span lang="de-DE">„Die </span></span></span></span>AfD-Anfrage erinnert an Nationalsozialismus.<span style="color: #000000;"><span style="font-family: Gentium Book Basic;"><span style="font-size: small;"><span lang="de-DE">“</span></span></span></span> Interview mit dem Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. In: Frankfurter Rundschau vom 23. April 2018.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Waldschmidt, Anne (2006): Körper – Macht – Differenz: Anschlüsse an Foucault in den Disability Studies. Vortrag, Zentrum für Disability Studies, Universität Hamburg.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Waldschmidt, Anne (2007): Die Macht der Normalität. Mit Foucault (Nicht)-Behinderung neu denken. In: Anhorn, Johannes/Bettinger, Frank/Stehr, Johannes (Hg.): Foucaults Machtanalytik und Soziale Arbeit. Eine kritische Einführung und Bestandsaufnahme. Wiesbaden.</p>
<p class="v-literaturverzeichnis-western">Waldschmidt, Anne (2009): Disability Studies. In: Dederich, Markus/Jantzen, Wolfgang (Hg.): Behinderung und Anerkennung, Bd. 2, Stuttgart.</p>
<p class="v-zwischenüberschrift-2-western">
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/237-238-vorgaenge/publikation/verdraengte-wahrheiten/">Verdrängte Wahrheiten</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
