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Verbandsnachrichten - 1.03.00

Pornographie oder die schwierige Frage der innerbetrieblichen Demokratie

Katharina Sophie Rürup

Mitteilung Nr. 169, S. 13

In den letzten Mitteilungen (Nr.168) findet sich ein Bericht von Franz-Josef Hanke und Steve Schreiber über eine Tagung zu "Pornographie und Jugendschutz heute", an der die HU als Veranstalterin mit beteiligt war. Da offensichtlich im Anschluß eine inhaltlich eng daran angelehnte Pressemitteilung der Humanistischen Union abgegeben wurde, ist es doch notwendig, sich hier kurz damit auseinanderzusetzen.
Was also waren laut Bericht die Ergebnisse dieses Treffens? „Pornographie vermindert sexuelle Gewalt“, und „das Verbot kindlicher Sexualität vermehrt Gewalttaten“ – das war eigentlich das einzig Neue – so neu aber auch wieder nicht. Bekannte Argumente paradieren vor uns, so z.B. das von den Schwierigkeiten, zwischen Kunst und Pornographie zu unterscheiden, oder das häufig angeführte Beispiel, daß selbst harmlose FKK-Bilder von Kindern schon zur juristischen Auseinandersetzung führen könnten.
Die Argumente sind alle nicht neu, besonders die nicht, die vor einer zunehmenden gesellschaftlichen Hysterie und einer Einschränkung von Bürger- und Freiheitsrechten in diesem Zusammenhang warnen. Der Bericht – und die Tagung – bleiben aber nicht lediglich dabei, sondern stellen die angeblichen positiven Auswirkungen von (pädophiler) Pornographie in den Vordergrund: „Die neuere Hirnforschung stellt zudem einen Zusammenhang zwischen sexueller Anregung im Kindes- und Jugendalter und einer kreativen Persönlichkeit fest.“ Der Bericht schließt mit der Aussage, die Humanistische Union sei zu dem Schluß gekommen, daß die „Freigabe der Pornographie und aller freiwilligen sexuellen Handlungen die Grundlage zur Verringerung von Gewalt und Eingriffen in die sexuelle Selbstbestimmung“ sei.
Ich halte diesen Bericht und die in diesem Zusammenhang abgegebene Presseerklärung gelinde gesagt für eine ausgemachte Sauerei! Wie auf der Delegiertenkonferenz im Zusammenhang der Diskussionen um die „Bostoner Erklärung“ deutlich wurde, besteht innerhalb der HU ein deutlicher Dissens in der Frage der Bewertung von Pädophilie und Pornographie, es kann daher keine Rede davon sein, daß die Humanistische Union zu irgendeinem Schluß gekommen sei. Im Gegenteil: ausdrücklich wurde von den Teilnehmern eine „innerbetriebliche“ Klärung gewünscht, eine Verständigung über die eigenen Positionen, obwohl sich auch dort schon ein Meinungsbild abzeichnete, welches deutlich machte, dass die Positionen des AK Sexualstrafrecht wahrscheinlich nicht mehrheitsfähig sind.
Wenn aber nun einzelne Vorstandsmitglieder dahergehen und eine Position der HU zu diesen Themen verlautbaren lassen, von der sie wissen müssen, dass sie von der bestehenden Beschlußlage in keiner Weise gedeckt ist - eher im Gegenteil- dann läßt das doch heftige Zweifel an der organisationsinternen Demokratie aufkommen. 
                                                                        Katharina Sophie Rürup