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Bildung - 1.03.01

Bedenkliche Forderungen von Jugendlichen

Wilfried Meyer

Zum Beitrag „Der Blick nach Europa“ in HU-Mitteilungen Dez. 2000

 

Mitteilung Nr. 173, S.14

Die in dem Beitrag genannten Forderungen der Jugendlichen sind verständlich und bedenkenswert, aber gleichwohl in mancher Hinsicht bedenklich:

1. Europakunde-Unterricht wird im Rahmen des regulären Erdkunde-Unterrichts erteilt. Wahrscheinlich entfällt mehr als die Hälfte auf Europa.
2. Soll der Europakunde-Unterricht ein neues Fach sein, dann ist zu bedenken, dass die Stundentafel für alle Jahrgänge randvoll ist. Es müsste also gesagt werden, welch anderes Fach zu Gunsten des neuen Faches gekürzt oder gestrichen werden soll. Das wird den massiven Widerstand der Interessen-Vertreter aller Fächer hervorrufen.
3. Ein breites Angebot an europäischen Sprachen hört sich gut an, geht aber auf Kosten anderer Sprachen. Der gegenwärtige Sprachunterricht hat keineswegs zur Folge, dass die Schüler die gelernten Sprachen auch beherrschen. Die meisten Schulabgänger können nicht einmal in Englisch ausreichend sprechen und schreiben. Die Forderung nach Lernen mehrer Sprachen ist deshalb auch unrealistisch.
4. Der internationalen Verständigung ist nicht damit gedient, wenn alle Menschen mehrere Sprachen lernen. Das führt nur zu mangelhaftem Können. Aber die Verständigung ist garantiert, wenn alle die gleiche Sprache gut beherrschen. Gegenwärtig kann das nur die englische Sprache sein, so wie es im Mittelalter Latein und später Französisch waren. Nationale Eifersüchte, die das Lernen der eigenen Sprache fordern, sind für ein effektives Sprachen-Lernen nicht hilfreich, sondern ein Hindernis für europäische und weltweite Verständigung.
5. Englisch ist zugleich die praktisch einzige Sprache der Wissenschaften, der Wirtschaft, des Verkehrs. Jeder muss sie also ohnehin lernen. Englisch gut lernen führt weiter als Lernen vieler Sprachen.

                                                                      Wilfried Meyer, Odenthal