Sie befinden sich hier: Start |Publikationen |Mitteilungen |Heftarchiv |

Marburg.Leuchtfeuer - 31.08.16

Marburg: Respekt und Selbstbe­stim­mung - Lutz Götzfried erhält "Marburger Leuchtfeuer"

Franz-Josef Hanke

in: HU-Mitteilungen Nr. 230 (3/2016), S. 12/13


Als wichtigen Vorreiter der Antipsychiatrie-Bewegung hat Roland Stürmer den Leuchtfeuer-Preisträger Lutz Götzfried gewürdigt. Der Diplom-Psychologe und langjährige ehrenamtliche Stadtrat der Universitätsstadt Marburg hielt bei der Preisverleihung am 1. Juni 2016 die Laudatio auf den Sozialarbeiter und Initiator des Vereins "MOBilO".
Eine Auszeichnung wie das „Marburger Leucht­feuer für Soziale Bürgerrechte“ diene als Selbstvergewisserung, mit der die Bedeutung ehrenamtlichen Einsatzes für die Teilhabe sozial benachteiligter Menschen am Gemeinschaftsleben als herausragende Leistung für die Allgemeinheit gewürdigt werde, erklärte der neue Marburger Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Als Arzt wisse er um die dringende Notwendigkeit einer guten psychosozialen Unterstützung nahe an den Betroffenen und ihren Bedürfnissen.

Der „MOBilO e.V.“ hat sich zur Aufgabe gemacht, Arbeitsplätze für Menschen mit psychischer Behinderung zu schaffen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nur geringe Chancen haben. Der Verein fühlt sich dem Prinzip der Selbsthilfe gegen Arbeitslosigkeit und soziale Isolation verpflichtet. Dabei verbindet er die Teilhabe am Arbeitsmarkt mit der behutsamen Stärkung des Selbstwertgefühls der Betroffenen und der Förderung von städtischer Kultur.

Götzfrieds Arbeit dort und zuvor in der „Bürgerinitiative für Sozialpsychiatrie“ war ein Gegenmodell zur althergebrachten Psychiatrie. „Noch 1976 fand man Schlafsäle mit 30, ja 60 Patienten“, berichtete Stürmer in seiner Laudatio. „Individualität war reduziert auf ein Nachtschränkchen. Hohe, sedierende Medikation, Elektroschocks, Zwangsmaßnahmen regierten.“ Götzfried erklärte dazu: „Die Psychiatrie erschien mir wie ein halbes Konzentrationslager.“ Für ihn ist auch die Kulturarbeit gemeinsam mit Betroffenen wichtig, um ihnen einen Platz inmitten der Gesellschaft zu sichern.

Als Sprecher der Jury dankte der frühere Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel dem Preisträger für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement: „Dabei bleibt festzuhalten, dass durch die Arbeit von MOBiLo der Spiegelslustturm, wie wir ihn alle im Volksmund bezeichnen, aus dem Schattendasein herausgetreten ist und zu einem kulturellen Ausflugsziel mit hoher Aufenthaltsqualität für Jung und Alt wurde. Dafür möchten wir auch mit dem Preis danken und der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass die Arbeit für die Zukunft gesichert bleibt und als Leuchtfeuer weiterhin soziales und gerechtes Leben animiert und Beispiel gibt."