Pressemeldungen

Der Glaube ist teilbar, die Menschen­rechte sind es nicht

27. Januar 2009

Bürger­rechts­or­ga­ni­sa­tion fordert diplo­ma­ti­sche Reaktion der Bundes­re­gie­rung auf jüngste Entschei­dungen des Vatikans

Zum heutigen Inter­na­ti­o­nalen Gedenktag der Opfer des Holocaust fordert die Humanis­ti­sche Union die Bundes­re­gie­rung auf, den Botschafter einzu­be­stellen, um ihm als Vertreter des Heiligen Stuhls das Befremden und die Missbil­li­gung der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land über die jüngsten Entschei­dungen des Vatikans zu übermit­teln. Die vor wenigen Tagen getrof­fene Entschei­dung Benedikt XVI. zur Rücknahme der Exkom­mu­ni­ka­tion Richard Willi­am­sons und weiterer Bischöfe der so genannten Pius-­Bru­der­schaft macht nach Ansicht der Bürger­rechts­or­ga­ni­sa­tion deutlich, dass für den Vatikan die Einheit der katho­li­schen Glaubens­ge­mein­schaft immer noch Vorrang gegen­über einem klaren Bekenntnis zu den Menschen­rechten und der Religi­ons­frei­heit aller habe.

Es ist an der Zeit, dass der Aposto­li­sche Stuhl die unhei­lige Tradi­tion seiner Vorgänger beendet und sich endlich klar und deutlich zugunsten der verfolgten und milli­o­nen­fach ermor­deten Juden positio­niert„, fordert Johann-Al­brecht Haupt, der im Vorstand der Bürger­rechts­or­ga­ni­sa­tion für das Verhältnis von Staat und Kirche zuständig ist. Er weist darauf hin, dass die Aushand­lung des Reichs­kon­kor­dats von 1933 zwischen Heiligem Stuhl und Hitler-Re­gime durch den späteren Papst Pius XII., aber auch dessen Zurück­hal­tung angesichts der Juden­ver­fol­gung maßgeb­lich zur Stabi­li­sie­rung des Dritten Reiches beige­tragen habe. „Wir rufen alle Katho­liken, aber auch die Bundes­re­gie­rung dazu auf, sich für einen verant­wor­tungs­vollen Umgang der Katho­li­schen Kirche mit den jüdischen Mitbür­ge­rinnen und Mitbür­gern einzu­setzen„, so der Vertreter der Humanis­ti­schen Union. Die Wieder­auf­nahme eines ausge­wie­senen Holocaust-Leug­ners in die Reihen der Katho­li­schen Kirche sei ebenso zu kriti­sieren wie die geplanten Selig­spre­chung Pius XII. oder die Rückkehr zum vorkon­zi­liaren Karfrei­tags­ge­bet. „Die Entschei­dung über die Wieder­auf­nahme von Bischof Willi­amson in die Katho­li­sche Kirche muss revidiert werden„, verlangt Haupt. Zwar könne der einge­tre­tene Schaden damit nicht aus der Welt geschaffen werden, ein weiteres  Beharren auf der unseligen Entschei­dung sei aber noch unerträg­li­cher.

Handlungs­be­darf sieht Haupt aber auch für die deutsche Bundes­re­gie­rung: Sie dürfe nicht tatenlos zusehen, wenn die im Ergebnis des Zweiten Vatika­ni­schen Konzils verhal­tenen Erfolge der Demokra­ti­sie­rung, Libera­li­sie­rung und Moder­ni­sie­rung inner­halb der katho­li­schen Kirche wieder rückgängig gemacht werden. „Mit ihrem schritt­weisen Abrücken von der Erklä­rung digni­tatis humanae stellt die Katho­li­sche Kirche die Religi­ons­frei­heit aller Menschen in Frage. Wenn die Kirche weiterhin die freie Selbst­be­stim­mung von Frauen und Schwan­geren bei der Empfäng­nis­ver­hü­tung und dem Schwan­ger­schafts­ab­bruch behin­dert, Frauen den Zugang zum Pries­teramt verwei­gert und Homose­xu­elle diskri­mi­niert, muss die Regie­rung stärker auf die Einhal­tung menschen­recht­li­cher Standards in ihren Bezie­hungen mit dem Vatikan achten.

Für Rückfragen steht Ihnen der Geschäfts­führer der Humanis­ti­schen Union, Sven Lüders, unter Telefon 030 / 204 502 56 zur Verfü­gung.