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Religion - 20.06.02

Neuerscheinung: EZW schreibt über kirchenkritische Organisation

Mitteilungen Nr. 177, S.41-42

Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin hat eine Broschüre veröffentlicht, die sich auf 64 Seiten ausgewählten kirchenkritischen Institutionen widmet:
– Deutsche Freidenker-Verband e.V.
– Humanistischer Verband Deutschlands
– Dachverband der freien Weltanschauungsgemeinschaften
– Internationaler Bund der Konfessionslosen u. Atheisten e.V.
– Jugendweihe Deutschland e.V.
Ebenfalls aufgeführt wird die HUMANISTISCHE UNION! Hierzu räumt der Autor zwar ein, dass unsere HU „streng genommen nicht in den hier vorgestellten Kontext ...“ gehört (S. 45), begründet aber seine dennoch vorgenommene Rubrizierung mit der Namensähnlichkeit zum 1993 gegründeten Humanistischen Verband und inhaltlichen
sowie personellen Berührungspunkten zu den anderen aufgeführten Gruppen. So gesehen, fehlten allerdings auch die Großkirchen in der Aufzählung des Bändchens, zu denen es seitens der HU sicherlich weit mehr Berührungspunkte gäbe – sei dies durch zahlreiche Doppelmitgliedschaften auch von Theologen oder aus der Arbeit zum Thema „Trennung von Staat und Kirche“, an der sich auch manch kluge Kirchenleute beteiligen ...
An Stelle einer Beurteilung der getroffenen Unterscheidungskriterien
und möglicher Unschärfen der Broschüre – kein Wunder bei der bestehenden Vielfalt an freigeistig, freidenkerisch und atheistischen Strömungen – dokumentieren wir hier eine knappe Rezension aus konfessionsloser Sicht des Internationalen Bund der Konfessions-losen und Atheisten (Rudolf Ladwig):
Der Autor beklagt im Vorwort, dass die Fragestellung ein
Forschungsdesiderat sei. Fürwahr! Ob es ihm allerdings gelungen
ist, dieses zu schließen, darf bezweifelt werden. Dazu sind die Beitrage zu unterschiedlich systematisiert. Und selbst dort, wo identische Kapitelüberschriften („Geschichte und Organisation“,
„Programmatik und Arbeitsschwerpunkte“) vorhanden sind, versammelt er darunter qualitativ unterschiedliche Informationen. Dies gilt auch dann, wenn man möglicherweise der einen oder anderen Wertung zustimmen mag, obgleich der Autor jedoch eine sehr freie Subjektivität walten lässt.
Der Verfasser hat recht vorgefasste Meinungen über einzelne Verbände, die dann – sich in der intellektuellen Falle des
„confirmation bias“ befindend – fast ausschließlich auf ihre Bestätigung hin überprüft wurden. Offensichtlich ist damit auch eine Strategie verbunden, zwischen den Verbänden bestehende
Differenzen noch kirchlicherseits kräftig anzuheizen. Dies zeigt sich, wenn mit Aussagen über Altersstrukturen der Mitgliedschaft der Verbände sehr einseitig operiert wird; oder in der bezeichnenden Prognose, dass sich ein Verband vermutlich demnächst spalten und ein Teil davon zu einem anderen Verband übertreten werde. Und auch das besondere Lob für einen Verband erklärt er mit Positionen desselben, welche der Kirche interessegeleitet sympathisch sind – was innerhalb der Szene ja fast rufschädigend ist!
Im Vergleich mit früheren Darstellungen mag das Heft sachlicher sein. Zur Versachlichung des manchmal komplexen Verhältnisses zwischen konfessionsfreien Verbänden versucht es sichtlich nicht beizutragen. Aber dazu wird kirchliche „Feindbeobachtung“ ja auch weder betrieben noch publiziert.

Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen
(EZW-Text Nr. 162), Dr. Andreas Fincke: Freidenker - Freigeister
– Freireligiöse, Kirchenkritische Organisationen in Deutschland seit 1989, ISSN 0085-0357 (66 Seiten)
Das Heft kann angefordert werden bei:
Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen
Auguststraße 80, 10117 Berlin, Tel. 030 - 2 83 95 - 211,
Fax: 030 - 2 83 95 - 212, Internet: http://www.ezw-berlin.de,
E-Mail: info@ezw-berlin.de