Publikationen / vorgänge / vorgänge Nr. 253: Einengung der öffentlichen Diskursräume

Die inter­na­ti­o­nale Öffent­lich­keit und ihre Probleme

In seinem Beitrag behandelt Martin Seeliger die Frage nach der Entstehung internationaler politischer Öffentlichkeit aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive. Anschließend an die grundlegenden Überlegungen von Habermas erörtert er die Problematik einer Internationalisierung von Öffentlichkeit im Prozess der Globalisierung am Beispiel des Klimawandels. Dabei zeige sich die Problematik, dass in der Globalisierung nationale Öffentlichkeiten nicht weitreichend genug aufgespannt sind, um die Betroffenen von Entwicklungen der Verdichtung grenzüberschreitender Zusammenhänge miteinander in Austausch zu bringen. Die Segmentierung von Öffentlichkeit setzt den Rahmen politischer Herrschaft mit dem Flächenraum nationalstaatlicher Ordnungsgefüge gleich. Im Prozess der Globalisierung verhindert eine derartige Verengung jedoch, dass öffentliche Diskussionen unter allen von politischen Angelegenheiten Betroffenen geführt werden können. Das erschwert internationale Diskursräume.

1. Einleitung

Die politische Öffentlichkeit ist wichtig für die Demokratie, weil moderne Gesellschaften in dieser Sphäre ermitteln, worin ihre Probleme bestehen und auf welche Weise diese – gegebenenfalls – gelöst werden können. In der politischen Theorie wurde Öffentlichkeit lange Zeit als nationale Öffentlichkeit verstanden, die nationale Parlamente mit nationalen Zivilgesellschaften kommunikativ verband.

Im Prozess der Globalisierung verliert diese Überlappung kommunikativer Bezugsrahmen und politischer Systeme im nationalen Territorialrahmen ihre Prägekraft. Indem die Verdichtung grenzüberscheitender Beziehungen den Bezugsrahmen politischer Probleme erweitert, benötigt auch die Öffentlichkeit einen größeren Radius. Die Tendenz zur Selbstreferenzialität, Sprachbarrieren, länderspezifische Mediensysteme sowie die Nationalstaatlichkeit politischer Ordnung im Allgemeinen verhindern gleichzeitig die Herausbildung entsprechend internationaler Kommunikationszusammenhänge sowie die Herausbildung einer übernationalen Bürgerschaft.

Unter Bezug auf theoretische Literatur zur politischen Öffentlichkeit und der Möglichkeit ihrer Internationalisierung sowie am Beispiel der politischen Bewältigung des Klimawandels als Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzungen, stellt der vorliegende Beitrag diese Problematik in fünf Schritten dar. Der erste Teil informiert über die Bedeutung des Öffentlichkeitsbegriffes in der sozialwissenschaftlichen Debatte, dann wird die Problematik demokratischen Regierens unter Globalisierungsbedingungen dargestellt. Der nächste Abschnitt befasst sich mit der Wirkungsweise politischer Öffentlichkeit auf das Themenfeld internationalen Regierens, der darauffolgende Teil illustriert die Ausführungen unter Bezug auf das Beispiel des Klimawandels und dessen angestrebter Bewältigung. Ein abschließendes Fazit fasst die Ausführungen zusammen.

 

PD. Dr. Martin Seeliger ist Soziologe und leitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter die Abteilung Wandel der Arbeitsgesellschaft am Institut Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen. Seine Forschungsinteressen sind Arbeits- und Organisationssoziologie, Politische Soziologie und Cultural Studies. 2024 erschien sein Buch „Arbeit in der Kritischen Theorie. Zur Rekonstruktion eines Begriffs“ (zusammen mit Philipp Lorig und Virginia Kimey Pflücke), Mandelbaum Verlag, Wien.

 

Dieser Artikel steht nur in der Kaufversion der Zeitschrift vorgänge zur Verfügung. Sie können das Heft im Online-Shop der Humanistischen Union erwerben: die Druckausgabe für 15.- € zzgl. Versand, die PDF-/Online-Version für 6.- €.

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