vorgänge Nr. 181: Achtund­sechzig

Achtundsechzig

vorgänge. Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, 47. Jahrgang, Heft 1 (März 2008)

 

Auch im vierzigsten Jahr ihrer Geschichte bleiben sich die Achtundsechziger treu. Mit dem untrüglichen Instinkt für die provokante Geste hat der seinerzeitige SDSler und heutige Historiker Götz Aly zum Auftakt des Jubiläumsjahres sein Buch „Unser Kampf“ auf den Markt geworfen, dessen titelgebende Konnotation prompt die schon leicht rostende Deutungs- und Aufarbeitungsmaschinerie wieder in Gang setzte. Einmal mehr gilt es, Vergangenheit zu bewältigen, diesmal die der Söhne, die sich nach Alys Ansicht bei der Bewältigung der Vergangenheit der Väter diesen allzu sehr angewandelt haben. Eigentlich hatte dazu ein der Mittäterschaft gänzlich Unverdächtiger, der Merkur-Herausgeber Karl-Heinz Bohrer bereits vor sieben Jahren alles gesagt, als er anlässlich der Auseinandersetzung um die militante Vergangenheit des damaligen Außenministers Joschka Fischer befand, „die vielleicht trostloseste Wende zum regressiven, unanalytischen Moralismus ist die landauf, landab Bedenken auslösende Erwägung, die zurzeit betroffenen 68er müssten sich ihrer Vergangenheit stellen, so wie die Deutschen sich ihrer Nazivergangenheit gestellt hätten.“ 2001 war dieser Stellungsbefehl noch von konservativer Seite ergangen, nun also von einem Mittäter.

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