Besonderheiten der Gesellschaftstransformation des deutschen Ostens im Vergleich zu anderen postkommunistischen Ländern
Wie vorteilhaft war der Weg des schnellen Beitritts Ostdeutschland in die Bundesrepublik, und welche Nachteile hatte er? Was waren im Vergleich dazu die Wege, die die anderen osteuropäischen Staaten nach dem Ende der Sowjetunion hin zu Kapitalismus und Marktwirtschaft gingen? Dieter Segert vergleicht in seinem Beitrag die Transformation der ostmitteleuropäischen Staaten mit jener Ostdeutschlands und sieht sich dazu die Herausbildung politischer, sozialer und ökonomischer Neuordnungen an. Er bilanziert, dass Ostdeutschlands Transformation über die Integration der ostdeutschen Bevölkerung in die Bundesrepublik der ostmitteleuropäischen Transformationen weder in allen Belangen überlegen ist, noch ist sie in allen Aspekten ungünstiger verlaufen. Segert zeigt vielmehr ein nach unterschiedlichen Politikfeldern beurteilendes differenziertes Bild auf.
Die übliche Einschätzung lautet: Die Bürger*innen der DDR hatten besonders im Vergleich mit den anderen Bewohner*innen des post-sozialistischen Osteuropa Glück, weil sie sofort Zugang zu einer stabilen, starken Währung und einem funktionierenden Sozialstaat bekamen und der rechtsstaatliche Rahmen der alten Bundesrepublik auf sie übertragen wurde. Sie wurden auch mit dem Beitritt zur Bundesrepublik aus einem geheimen zu einem offenen Teilhaber der Europäischen Gemeinschaften. Die anderen mussten darauf noch anderthalb Jahrzehnte warten.
Soweit die ideologische Erzählung, die dann noch durch den Nachsatz ergänzt wird, dass die Bewohner*innen der DDR diesen Weg in freier Entscheidung selbst gegangen seien. Sie hätten sich, angefangen von den Wahlen zur Volkskammer am 18. März 1990, über die Kommunalwahlen, die Wahlen zu den Parlamente der neugegründeten ostdeutschen Bundesländern und den Bundestagswahlen im Dezember des Jahres, jedes Mal mehrheitlich für die CDU als die Partei entschieden, die eine Politik des schnellen Beitritts nach Art. 23 des Grundgesetzes anstrebte.
Wie vorteilhaft aber war dieser Weg des schnellen Beitritts tatsächlich, und welche Gefahren und reale Nachteile barg er in sich? Was waren die Wege, die die anderen osteuropäischen Staaten hin zu Kapitalismus und Marktwirtschaft gingen? Wie sieht die Bilanz dieser unterschiedlichen Wege aus?
Prof. Dr. Dieter Segert war bis 2017 Professor für Transformationsprozesse in Mittel-, Südost- und Osteuropa am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind Transformationen politischer Systeme in Osteuropa, Geschichte und Erbe des europäischen Staatssozialismus, Parteienentwicklung in Osteuropa sowie Gefährdungen und Wandel der Demokratie.
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