Publikationen / vorgänge / vorgänge Nr. 250/51: Gibt es Ostdeutschland?

Die Liebe und das Land verloren: Eine Rezension

In diesem Heft war bisher viel zu den sozialen, ökonomischen und demographischen Ungleichheiten zwischen Ost- und Westdeutschland zu lesen. Doch was ist mit der literarischen Aufarbeitung der Bedeutung der deutschen Vereinigung für Ostdeutsche? Darum rezensiert Werner Koep-Kerstin Jenny Erpenbecks Roman "Kairos" (Penguin Verlag, 2024, 8. Aufl., 378 S., 24,00 €).

„Salat Niçoise nun für immer“ – das ist die nüchterne Formel, auf die Jenny Erpenbeck in ihrem Roman Kairos den Mauerfall 1989 herunterbricht. Salat Niçoise war eine der kulinarischen Verheißungen des Westens. Drei Wochen hat es gedauert, bis Katharina aus Ostberlin nach dem Mauerfall zum ersten Mal Westberlin besucht. Das Begrüßungsgeld von 100 D-Mark hat sie sich auch nicht abgeholt.

Derart distanziert reagiert Katharina, die junge Geliebte des viel älteren Schriftstellers Hans W. und „festen freien Mitarbeiters“ beim Rundfunk der DDR, auf das politische Großereignis des bevorstehenden Untergangs der DDR. Zugleich zeichnet sich im Mikrokosmos ihres Lebens das Ende der einst wahrhaft großen und dann immer toxischer werdenden Liebesgeschichte mit Hans ab.

 

Werner Koep-Kerstin war Vorsitzender der Humanistischen Union von 2013 bis 2021. Er ist Politikwissenschaftler und Historiker. Er war Referatsleiter im Bundespresseamt. Außerdem ist er Mitglied der Redaktion der vorgänge.

 

Dieser Artikel steht nur in der Kaufversion der Zeitschrift vorgänge zur Verfügung. Sie können das Heft hier im Online-Shop der Humanistischen Union erwerben: die Druckausgabe für 28.- € zzgl. Versand, die PDF-/Online-Version für 10.- €.

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