Nachruf: Monika Frommel
Monika Frommel (1946-2025)
Eine ebenso brillante wie streitbare Frau und Wissenschaftlerin ist nicht mehr unter uns. Sie ist am 30. Mai 2025 im Alter von 78 Jahren verstorben.
Sie gehörte zur Avantgarde einer interdisziplinären und, wie sie es nannte, „strafrechtsskeptischen“ Generation der Rechtswissenschaft. Ihr Interesse und ihre Kompetenz umspannten die unterschiedlichsten Aspekte der Kriminalwissenschaften: Empirie, Geschichte, Philosophie und eine rechtssoziologisch aufgeklärte Kriminologie. Selbst in ihrer Generation eine Feministin der ersten Stunde, verhielt sie sich zunehmend kritisch gegenüber punitiven Spielarten des Feminismus.
Einige charakteristische Beispiele aus ihren Schriften, in ihren eigenen Worten:
Über Jahre begleitete sie den „mühsamen Prozess der Reform des § 218 StGB“. Zuletzt überwarf sie sich dabei mit ihren Kolleginnen vom Deutschen Juristinnenbund über die Frage, ob die Forderung nach einer totale Abschaffung der Bestimmung zielführend wäre.
Sie betonte die Grenzen des Sexualstrafrechts: „Die Faustregel lautet: Klare Fälle von Zwang und Gewalt gehören ins Strafrecht, Grenzfälle ins Zivilrecht, Beziehungsdelikte werden am besten von Familiengerichten geregelt.“
Den Versuch des Opferschutzes durch hohe Strafen kennzeichnete sie als „vergifteten Apfel vom Baum des Punitivismus“.
Sie war Professorin für Rechtsphilosophie und Strafrecht an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und später Direktorin des Instituts für Sanktionsrecht und Kriminologie der Universität Kiel. Viele Jahre leitete sie die Redaktion der einflussreichen Zeitschrift Neue Kriminalpolitik. Dort heißt es in einem ausführlichen Nachruf „Es bleibt die Erinnerung an einen Menschen, der nicht immer einfach war, aber authentisch, liebenswert und absolut verlässlich“ (Herzog 2025)
Bis zuletzt war sie wissenschaftlich und rechtspolitisch aktiv, nicht zuletzt auch im Rahmen der Humanistischen Union, deren Beirat sie seit 1998 angehörte, ohne je Mitglied zu sein. Namhafte Beiträge von ihr finden sich sowohl in den vorgängen als auch in den Mitteilungen der Humanistischen Union.
Literatur
Herzog, Flix 2025: Zum Gedenken an Monika Frommel, in: Neue Kriminalpolitik, H. 2, S. 174.