Publikationen / Mitteilungen / Mitteilungen Nr. 245

Editorial

Liebe Mitglieder,

Dezember 2021

im September 2021 fand unsere diesjährige Mitgliederversammlung statt, die einige Neuerungen mit sich brachte: Sichtbar war vor allem, dass sie hybrid stattfand, also die Teilnahme durch persönliche Anwesenheit oder online möglich war. Wenn das diesmal auch vor allem der weiter fortschreitenden (und sich aktuell wieder verstärkenden) Covid-19-Pandemie geschuldet war, weist es auch den Weg für eine fortschrittliche Bürgerrechtsorganisation. Auf der einen Seite schätzen wir die persönlichen Begegnungen von Versammlungen mit persönlicher Präsenz. Die Online-Teilnahme ermöglicht aber auch Mitgliedern die Beteiligung, denen die Anreise zu einer Versammlung verwehrt ist, sei es aus wirtschaftlichen, gesundheitlichen oder anderen persönlichen Gründen. Auch deswegen haben wir diese Möglichkeit nun in unserer Satzung verankert.

Auch die Neuwahl des Bundesvorstands hat einschneidende Veränderungen ergeben. Einerseits begrüße ich neue Vorstandsmitglieder: Lena Rohrbach aus Berlin, Wolfram Grams aus Bremen und Ingmar Kumpmann aus Berlin wurden neu in den Bundesvorstand gewählt. Martin Kutscha und Tobias Baur wurden wiedergewählt. Herzlichen Glückwunsch! Für die langjährige Mitarbeit danken wir sehr herzlich Rosemarie Will, die über viele Jahre den Vorsitz der Humanistischen Union geführt hat, Kirsten Wiese, Christiane Bodammer und Mikey Kleinert. Sie haben nicht mehr kandidiert und scheiden deswegen aus dem Bundesvorstand aus.

Doch die wichtigste personelle Änderung ist der Verzicht unseres Bundesvorsitzenden Werner Koep-Kerstin auf sein Amt. Seine Rolle bleibt vorläufig unbesetzt; als sein Stellvertreter werde ich das Amt kommissarisch weiterführen, bis ein neuer Bundesvorsitzender gewählt ist. Werner, wir alle haben Dir für Deine engagierte Arbeit in den letzten Jahren zu danken und wünschen Dir alles erdenklich Gute.

Der neue Bundesvorstand und die gesamte Humanistische Union wird sich immer wieder der Frage stellen müssen, was heute eine effektive Bürgerrechtsorganisation ausmacht, welche Themen sie bearbeiten soll, welche Strategien für ihre Arbeit geeignet sind. Drei Themen treten aktuell in den Vordergrund: Die immer noch grassierende Covid-19-Pandemie, die bürgerrechtliche Fragen wie in einem Brennglas aufwirft: Welche Rolle soll die persönliche Freiheit spielen, wenn sie potenziell in Konkurrenz zur Gesundheit steht? Die drohende Klimakatastrophe, die ähnliche Fragen vielleicht noch viel drängender stellt, da ihre Auswirkungen im Gegensatz zur Pandemie nicht zeitlich begrenzt werden können. Und die Digitalisierung, die großartige Chancen bietet – aber gleichzeitig auch bürgerrechtliche Risiken, durch die Umwälzung von Kommunikation und Wirtschaft, durch staatliche und wirtschaftliche Überwachung. Die Ausbreitung von bewussten Falschnachrichten – Fake News – und Beschimpfungen und Beleidigungen – Shitstorms – stellen die öffentliche Debatte auf eine harte Probe. Doch auch die bekannten weiteren Themen der Bürgerrechtsarbeit – Fragen der Trennung von Staat und Kirche, selbstbestimmtes Sterben, Medienpolitik, um nur einige zu nennen – werden unverändert Themen für die Humanistische Union sein.

Besonderes Augenmerk gilt auch der Politik der nächsten Regierung. Werden wir eine transparente Regierung erleben, oder deutet die sehr zurückhaltende Informationspolitik bei den Koalitionsverhandlungen auf eine künftige Politik der vollendeten Tatsachen hin? Welche bürgerrechtlichen Initiativen dürfen wir künftig von der neuen Regierung erwarten?

Zu tun gibt es genug – einige der vielfältigen Aktivitäten und Initiativen der Humanistischen Union sind in dieser Ausgabe der Mitteilungen nachzulesen. Ich wünsche eine interessante Lektüre und grüße Sie herzlich,

Ihr Stefan Hügel

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