Publikationen / vorgänge / vorgänge Nr. 252: Demokratisierung

Demokra­ti­sie­rung durch Politi­sie­rung: Radikale Demokra­tie­the­o­rien

Im Angesicht der zahlreichen Krisendiagnosen der Demokratie müsste die Kritik an der liberalen Demokratie als strategisch unklug oder gar als unethisch bezeichnet werden, angesichts der auf dem Spiel stehenden Bürger- und Menschenrechte. Dennoch zielen radikale Demokratietheorien auf eine Kritik der liberalen Demokratie, um sie durch Politisierung, Polarisierung, Analyse von Widerstandspraktiken und Kritik von Institutionen, sozio-politisch demokratisierbar zu denken. In ihrem Beitrag stellt Dagmar Comtesse die radikale Demokratietheorie vor und verteidigt radikaldemokratische Ansätze. Dazu unterscheidet sie zwischen eine angelsächsischen und französischen Variante und geht auch auf die Beziehung von Menschen- und Bürgerrechten und radikaler Demokratie ein.

Gegenwärtig fällt es schwer, nicht von der Krise der liberal-repräsentativen Demokratien zu reden, auch wenn die Krisendiagnose bereits seit Dekaden ausgesprochen wird und sich damit stetig als falsch erwies. Auch das mag ein Grund dafür sein, dass Krisendiagnosen nicht mehr ausreichen. Faschismusprognosen stehen mit diesen im Wettkampf um Aufmerksamkeit und Referenzbildung. Die diagnostizierte Krise scheint nahezulegen, dass sich Demokrat*innen nun zwangsweise auf die Seite der liberalen Demokratie schlagen müssen, wenn sie nicht in absehbarer Zukunft in einem autoritärem Willkürsystem leben wollen: „Linke und Liberale: Ein Waffenstillstand?“, fordert beispielsweise Paul Manson (2022: 375) in seiner Faschismus-Zeitdiagnose. Versammelnde Botschaften lassen sich an allen Ecken und Enden der symbolischen Ordnung wahrnehmen: Es gilt gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern, Polarisierung, Spaltung und Konflikte zurückzudrängen und Vertrauen in Institutionen aufzubauen.

 

Prof. Dr. Dagmar Contesse ist seit diesem Jahr Professorin für Didaktik der Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der politischen Philosophie und (radikalen) Demokratietheorie. Zuvor war sie langjährige Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“ der Goethe Universität in Frankfurt am Main, bevor sie ans Philosophische Seminar an der Universität Münster wechselte.

 

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